162. Jahrgang
Erstes Blatt
Nr. 82 Erstes Blatt 162. Jahrgang Samstag, 6. April (912
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Die heutige Nummer umsaht 18 Seiten.
Ostern!
Wetzen, 6. April.
Meder läuten für die Christenheit die Glocken zur Auferstehung! Alles toaä das Herze betrübt und traurig macht, soll hinter uns geworfen werden. Des Winters Ungemach lveicht bald dem Wonnemond, und in den größeren Abschnitten des menschlichen Lebens ist ein erweckender Strahl der Lenzsonne nicht minder eine Naturnotwendigkeit. Daß es sich beim Osterfeste nicht nur um ein berauschendes Vergessen der Irrsale des Erdenpilgers, und nicht um ein Freudenfest handelt, das irdische Schlackenreste zurückläßt, bewirkt Der Charakter des Christentums als Ewigkeitsreliaion. Die christliche Lehre ist nichts Starres, Lebloses uho Unveränderliches. Nur der Geist, der in ihr lebt, ist ewig. Er feiert immer von neuem Auferstehung! Er durchdringt alles Irdische mit Trost und Frieden, erweckt alle Saiten des menschlichen Gemütes zu wahrhaft gutem Wandel. Und bedarf es größerer Wunder, um des Menschen Sohn, der in diesem Gerste die gläubige Welt von allen Sünden befreit, zu preisen und arrzubeten?
Wenn es nur auch auf andern Gebieten, zum Beispiel in der Politik solche erlösenden Mächte geben wollte! Hier gehen aber die Tendenzen bunt durcheinander, und was der eine als groß und heilig verehrt, das möchte ein anderer am liebsten vernichtet und verdammt sehen. Aber auch in dieser unruhigen, verdrießlich durcheinander gehenden Welt brauchen wir von Zeit zu Zeit eine Auferstehung. Und sie wird uns, wiederum nur rein geistig, in dem Gedenken an das Wirken unserer großen Männer. Wenn Bismarck, der am 1. April 97 Jahre alt geworden wäre, leibhaftig wieder unter uns wandelte und mit feinen Feueraugen den Kurs beobackstete, den die heutigen Lenker uns beschert haben! Aber „das unentdeckte Land, aus dem kein Wanderer Wiederkehr^, hält ihn uns zurück, und nur seines Geistes Hauch dürfen wir ncühspüren in dem Sehnen nach politischer Auferstehung. Dann wird vielleicht einst auch ihn der silberne Glanz der Sage umschweben, gleichwie sie den großen Kaiser Karl aus seiner Gruft aufstehen ließ und von Kaiser Barba- rckssa die Kunde verbreitete, daß er noch nicht gestorben un* fm unterirdischen Schlosse sich verzaubert Halle.
Der jetzige Reichskanzler hat lich au seinem Kaiserlichen Herrn nach Korfu begeben, und es entsteht wieder einmal eine Verlegenheitspause in der deutschen Politik. Es ist bezeichnend für den heutigen obersten Beamten, daß das Volk von ihm noch niemals einen befreienden Gedanken laut hat aussprechen chören. Wäre es im Interesse der Zielbewußtheit unseres Volkes nicht wünschenswert gewesen, daß auf die vielen englischen Ministerreden auch einmal ein deutsches Wort von der zuständigen Stelle gefallen wäre? Lloyd George hat von „epileptischem Anfall von Militarismus" gesprochen und dabei doch aller Vermutung nach die deutschen Wehrvorlagen im Auge gehabt, die zahlreichen Männern in Deutschland als
nicht völlig ausreichend erscheinen. Herr v. Bethmann- Hollweg schweigt. Unb die englisch-deutschen Beziehungen würden doch nur besser gestaltet, wenn den englischen Anmaßungen ein Dämpfer ausgesetzt würde. Und auch in der inneren Politik schreitet der Kanzler nicht frei und leicht dahin. Wer alle die amtlichen und halbamtlichen Ausstreuungen über die Vorgänge im deutschen Bundesrat gelesen hat und die Widersprüche sah, die zwischen der Reichsregierung und den Vertretern der Bundesstaaten
Hotter öer Stammler
stine Tausendjahrserinnerung an seinen Tod, 6. April 1912).
Die auf den 6. April fallende Tausendiahrserinnerung an den dichter und Musiker Notker den Stammler führt uns zu einer 5er bedeutendsten deutschen Bildungsstätten des früheren Mittelalters, in jenes Kloster St. Gallen zurück, das zu so vielem Glanze einer ruhmreichen Ucberlieferung in neuerer Zeit auch^iwch durch die Dichtung verherrlicht worden ist.
Tort war es, wo der fromme Notker ums Jahr 900 wirkte, ,von Körper, nicht im Geiste, schlicht, in der (Stimme, nicht in öer -Seele stammelnd, in göttlichen Dingen erhaben, in Widerwärtigkeit geduldig, zu allem milde, ein scharfer Aufseher in öer Zucht, bei plötzlichen und urwermuteten Singen schüchtern" — rme ihn Ettehart, der Klosterchronist, spater so reizend ge- schudert hat. Noch bis zum heutigen Tage lebt dieser stille, schüchterne, mit körperlichem Mangel behaftete St. Galler Mönch durch eme Dichtung fort, mit der er das Gefühl der Menschen im Refften aufzuvegen verstanden hat. Notker ist es, der die berühmte S«menz „Media vita in morte surnus", zu ^tja): ..Mitten im Leben sind wir vorn Tode umfangen", gedichtet hat. Diese Antiphone hat durch ihre strengen, malmenden ^orte und ihren mächtigen melodischen Klang einen so erschüt- hervorgÄracht, daß ihr nahezu zauberische Kraft zugeschrieben imirbe. Zur Schlacht einander entgegenstehende .Heere luchten sich durch dieses Lied gegeirseittg dem Untergange zu ^Ihen,imd kirchliche Verbote wurden notwendig, um den abergläubischen Gebrauch des Liedes zu verhindern, damit es nicht im Sinne unholder Zauberei und Verwünschung gegen andere gesungen werde. Schließlich ist es noch als Kirchenlied in die lutherftche Kirche übergegangen.
Sm allgemeinen wissen wir natürlich von dem Leben des Tichtermonchs nicht viel. Er imirbe wohl ums Jahr 840, und smar, ttne Meyer von Knonau wahrscheinlich gemacht hat, im Thurgau, vielleicht im Orte Jonswil, geboren. Klösterlick>en Uemtcrn bat er sich nicht viel <jennbmet, die Schule und die literarischen Bestrebungen bildeten sein Feld, und seinen Ruhm machen seine Dichtungen und Kompositionen aus. Was hat es nun mit den berühmten Sequenzen Notkers des Stammlers auf sich? Er i)t dazu ziemlich sicher durch ein Aiitiphonar angeregt worden, das ihm aus dem französischen Kloster Jumiöges an der Seine zuhanden kam. Tiefe Sequenzen sind Texte zu dem Halleluja, das in dem Gottesdienste außerordentlich oft gelungen wurde. Dieser Gesang war nun nicht einfach, sondern bestand aus einer langen Folge von Tönen, und da es zu diesen ,-tonen feine Texte gab, so waren die ausgedehnten Melodien
Raffen, der kommt doch wohl zur Ueberzeugung, daß der Geist Bismarcks augenblicklich im Reichskanzlerpalais nicht waltet. Doch der Lehrer der Menschen ist binnen drei Tagen auferstanden. Wenn mir das auch von Herrn v. Bethmann Hollweg nicht voraussetzen können, so bleibt uns doch die Hoffnung, daß wir vielleicht auch vom politischen Frühling noch einmal jubeln können: „Bom Eise befreit sind Strom und Bäche durch des Frühlings holden belebenden Blick." Heute sind die Geisteswchen der Reichsregierung noch „unerquicklich, wie der Nebelwind, der herbstlich durch die dürren Blatter säuselt".
Der sranzöfisch-marokianlsche proteftoratsoertrag
hat folgenden Wortlaut:
Artikel 1. Die Regierung der Republik und der Sultan sind darüber einig, in Marokko ein neues Regime einzuführen, das die Reformen der Verwaltung, der Rechtspflege, der Schule, der wirtschaftlichen, finanziellen und militärischen Einrichtungen in sich schließt, deren Einführung auf marokkanischem Gebiet die französische Regierung als nützlich bettachten sollte. Dieses Regime wird die religiösen Verhältnisse, die Achtung vor dem Sultan und sein traditionelles Ansehen, die Ausübung der islamitischen Religion und die religiösen Einrichtungen, insbesondere die der „Habens" unangetastet lassen. Es wird ferner die Organisation der scherisischen Machsen mit sich bringen. Die Regierung der Republik wird sich irtit der spanischen Regierung über die Interessen verständigen, die diese Regierung infolge der geographischen Stellung und der territorialen Besitzungen an der marokkanischen Küste besitzt. Ebenso wird die Stadt Tanger besonderen Charakter bewahren, der ihr zuerkannt ist und ihre städtisäze Organisation bestimmt.
Artikel 2. Der Sultan lägt von jetzt ab zu, daß die französische Regierung, nachdem sie die Machsen davon benachrichtigt hat, zu denjenigen militärischen Besetzungen auf marokkanischem Gebiet schreitet, die sie als notwendig zur Auftecht- erhaltung der Ordnung und der Sicherheit des Handels hält: ferner daß sie jede Polizeiaktion zu Lande und in den marokkanischen Gewässern ausübt.
Artikel 3. Die Regierung der Republik übernimmt die Verpflichtung, dem Sultan rederzeit Unterstützung gegen jede Gefahr zu leihen, die feine Person und den Thron bedrohen und die Ruhe seiner Staaten gefährden sollte. Dieselbe Unterstützung wird dem Thronerben und seinen Nachfolgern gewährt.
Artikel 4. Die Maßregeln, die das neue Regime des Protektorats nötig machen, werden auf Vorschlag der französischen Regierung vom Sultan oder den Behörden, denen er seine Macht überträgt, verordnet. Ebenso soll es mit den neuen Reglements und den Veränderungen der bestehenden Reglements gehalten werden.
Artikel 5. Die französische Regierung wird beim Sultan durch den Generalresidenten oertreten, der alle Machtbefugnisse der Republik in Marokko in seiner Hand hat unb über die Ausführung des abgeschlossenen Vertrages wacht. Der Generalresident wird der einzige Vermittler des Sultans bei ftemden Vertretern in allen Beziehungen fein, welche die Vertreter mit der marokkanischen Regierung unterhalten. Er ist besonders mit Fragen beauftragt, welche Fremde in Marokko angehen. Er wird die Macht haben, namens der französischen Regierung alle durch den Sultan erlassenen Dekrete zu billigen und bekanntzugeben.
Artikel 6. Der Sultan verpflichtet sich, keinen Vertrag internationalen Charakters ohne die vorherige Zustimmung Frankreichs abzuschließen.
Artikel 7. Die ftanzösische unb scherifische Regierung behalten sich vor, gemeinsam die Grundlage für die Finanzorganisation festzusetzen, welche die den Trägem der Staatspapiere und öffentlichen marokkanischen Anleihen übertragenen Rechte respektiert, die Verbindlichkeiten des scherisischen Schatzes garantiert und die Einkünfte der Regierung regelmäßig einzieht.
Artikels. Der Sultan verzichtet, zukünftig direkt ober inbireTt eine öffentliche ober private Anleihe auszunehmen und ohne die Ermächtigung Frankreichs unter irgend einer Form eine Konzession zu gewähren.
Damit hat Frankreich alle politische Macht in den Händen. Der „Temps" erörtert den Vertrag unb meint, er fei tn seiner Gesamtheit befriedigend. In einem Punkte vervollständige der Vertrag das deutsch-französische Abkommen vom 4. November 1911 in einer für Frankreich erfreulichen Weise. Durch das letzte Mkommen werde Frankreich das Recht der militärischen Besetzung des marokkanischen ’ Gebiets im Einvernehmen mit dem Sultan zu-- erkannt. Der Artikel 2 des Protektoratsvertrages stelle nun fest, daß der Sultan lediglich von beit Besetzungs- Maßnahmen zu verständigen sei, mit anderen Worten, Muley Hafid habe dem durch das Abkommen vom 4. November vorgesehenen Protektoratsvertrag die Form einer unumschränkten Vollmacht gegeben.
vom italienisch-türkischen Kriegsschauplatz.
Kämpfe bei Beughasi.
Benghasi, 4. April. Gestern früh rückte ein Bataillon Infanterie, unterstützt von einem weiteren Bataillon einer Feldbatterie, auf die Oase Suani Osman vor, in welcher sich' seit einiger Zeit Gruppen von Beduinen zu verbergen pflegten, um die Befestigungsarbeiten in der Nähe der Oase zu stören. Eine Abteilung Beduinen, die ein wirkungsloses Feuer auf die Italiener eröffnete, wurde durch Infanterie- und Artilleriefeuer zer« streut. Um 6 Uhr abends rückten beträchtliche Streitkräfte des Feindes von Coeffia und Sidi Muffer, wv sie durch das Feuer des italienischen Kriegsschiffes vertrieben wurden, gegen dieOase Suani Osman vor. Italic« nische Infanterie, unterstützt von Feldartillerie und den Geschützen des Forts hielt sie auf und zwang sie zur Flucht. Infolgedessen wurden die Befestigungsarbeiten ohne Unterbrechung fortgesetzt. Tie Italiener hatten einen Toten und zwei Verwundete, der Feind etwa 100 Tote und Verwundete.
Deutsche» Reich.
Der Reichskanzler ist am Donnerstag vormittag in München eingetroffen. Er imirbe am Bahnhof von dem preußischen Gesandten v. Treutler und den übrigen Herren der preußischen Gesandtschaft empfangen und begab sich mit dem Gesandten ins Palais der Gesandtschaft zum Frühstück. Nachmittags ist er über Brindisi nach Korftc weiteigereist.
Heer uttfc Flotte.
Die neuen französischen Dreadnoughts.
Paris, 5. April. Wie von amtlicher Seite gemeldet wird, beträgt bei den künftigen Dreadnoughts „Bretagne", „Provence" und „fiorrame" die Wasserverdrängung 23 500 Tonnen, die Länge 165 Meter, die Breite 27 Meter, die Ausrüstung zehn Kanonen von 340 Millimeter in fünf in der Längsachse an geordneten Panzertürmen und 52 Kanonen von 14 Zentimeter, jonne tuet Torpedogeschütze, die Geschwindigkeit zwanzig Knoten bei 28 000 Pferde kraft en, und die Besatzung 1000 Mann Der höhere Marinerat beendete auch die Prüfung der Pläne der zwei Dreadnoughts, deren Bau nach dem Flottenprogramm im Jahre 1913 in Angriff genommen werden soll.
schwer zu behalten. So kam Notker auf den glücklichen Gedanken, dem Halleluja Texte zu unterlegen, und dabei bewährte er nun seine dichterische Begabung zugleich mit feiner gründlichen Kenntnis der Musik in hohem Grade. „In leicht faßlicher Weise werden nach den Worten der Bibel oder in reichen Bildern die Hauptmomente eines jeden Kirchenfestes geschildert, und dabei treten die freudige Teilnahme am Jubel der Kirche ober an den großen Taten der Heiligen, bie fromme Hingebung unb bas feste Vertrauen bes priesterlichen Sängers in gleicher Weise hervor." Notkers Sequenzen fanden denn auch zuerst in St. Gatten, bald aber in der ganzen Kirche fteudigste Aufnahme; sehr interessant ist der Hinweis des Musikdirektors Sczadrowsky, daß Notkcrsche Seguenzenschlüsse mit noch im Appenzeller Land lebendig erhaltenen Jodlersiguren überraschende Ähnlichkeit auf- weisen.
Am 6. April 1912 starb, wie seine Grabschrist angibt, der Sänger „Notker des Vaterlands Zier und Lehrer erhabener Weisheit". Im Jahre 1513 wurde er heilig gesprochen. Ein schönes, im Besitze der Amiguarischen Gesettschast zu Zürich befindliches Miniaturbild zeigt den Stammler in tief nachdenklicher Stellung, das sinnende Haupt auf die linke Hand gestützt, die Rechte auf ein in den Schoß gestelltes Buch gesetzt, in seiner klösterlichen Schreibstube. Meyer von Knonau hat mit Recht hervorgehoben, baß das Bilb bes bärtigen, blassen, ernften Mannes etwas Individuelles, fast Porträtartiges aufweise, und so ist es vielleicht nicht allzu kühn, anzunehmen, daß wir uns die Züge des Tichters von „Mitten im Leben sind wir vom Tode umfangen", nach diesem Bilde vorstellen dürfen.
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Eine Ausführung von Bachs „Matthäus-Pasfion" wo- am gestrigen Charfreitag in Frankfurt der Abschluß eines geistlichen Musikfestes, das der dottige Cäcilienverein in der bekannten Fest hatte veranstaltet hatte, die vor Jahren auf Veranlassung des Kaisers gebaut worden ist. Man hötte dott Gustav Mahlers achte Symphonie, dann am Donnerstag eine Matinee, in der das berühmte Amsterdamer „Konzertgebouw"-Orchester und der Chor der „Mantschappij tot Bevordering der Toonkunst" unter der Leitung des Herrn Mengclberg glänzten. Tie meiste Anziehungskraft hatte aber gestern die Matthäus-Passion aus- geübt, die gleichfalls von Herrn Mengelberg dirigiert wurde und zu der sämtliche Plätze der Riesenfesthatte ausverkauft waren. Außer den ermähnten Amsterdamer Gästen wirkten noch der Frankfurter Cäcilienverein, das Theater-Orchester und Mitglieder des Orchesters der SonMagkonzerte der Museumsgesellschaft mit. Tie Wirkung jn dem weiten Raum war nicht ganz ungetrübt,
so gut auch Orchester unb Chöre geschult waren. Man hat es ja in der letzten Zeit öfter erlebt, Älß solche Riesenaufwendungen an die Wirkung intimerer Veranstaltungen nicht heran kommen. Ueberraschend war aber Die Klangwirkung der ©oliften. Namentlich Thomas De niJs-Rotterdam als Christus war ausgezeichnet. Sein schmiegsamer, voll tönender Baß erhielt einen wahrhaft getragenen Stimmungszauber und der Küm'tler überragte mit seiner intelligenten rlussassung unseres Erachtens die übrigen Solisten. Als solche waren Frau Noordewier -Redding ins (Sopran i, Frau b e Saa n-Manifar ges (Alt), sowie die Herren U r l u s aus Leipzig (Tenor) und Zaalsmann (Baß) gleichfalls sehr wirksam und sämtlich auch in der Aus- spräche gut vernehmlich. Auch die Solisten auf den Instrumenten, größtenteils Amsterdamer Mnstler, hatten grofjai Erfolg und boten trotz der weiten Räumlichkeit einen erlegenen Genuß. * -t.
— Eine moderne Gema ldeg alerie in Budapest. Wie dem Cicerone gemeldet wird, hat der bekannte ungarische Sammler Marcel v. Nemes seine prachtvolle Sammlung moderner ungarischer Bilder der Stadt Budapest als Erbe angeboten, unter der Bedingung, baß sie den Grundstock für eine moderne ungarische Gemäldegalerie bildet, bie dann durch eine Jahresunterstützung von 100 000 Kr. 'ipeiter ausgebaut werden sott. Ter AMrag, der bie Zustimmung der maßgebenden Kreise bereits gefunden hat, wirb also die Schöpfung eines Museums zur Folge haben, das einen Ueberblick über die künstlerisch hochbedeutenbe ungarische Malerei ber Gegemoart und der nächsten Vergangenheit gewähtt. Tie mehr als 200 Bilder umfassende Sammlung v. Nemes bietet dafür den besten Anfang, denn sie enthält einige der besten und reifsten Werke von Munkacsy, Ripvl-Ronai, Paul Merse v. Sziney, Karl v. Ferenczy u. a.
— Tie Waldgebiete der Erde. Ein französischer Gelehrter C1 e r g c t hat sich der mühevollen Aufgabe unterzogen, die Ausdehnung der Waldgebiele in den verschiedenen Ländern der Welt festzustellen. Danach umfassen die Wälder gegen 1500 Millionen Hektar, b. h. ein Viertel der gesamten Erdoberfläche. Canada steht mit 320 Millionen Hektar im Walbreichtum an ber Spitze aller Länder: Europa besitzt im ganzen nur 300 Millionen Hektar, von denen 210 Millionen auf Rußland unb 20 Millionen auf Schweden unb Norwegen kommen. Oesterreich-Ungarn umfaßt 16 Millionen Wald, Deutschland 14 Millionen, Frankreich 10 Millionen. Dasjenige Land Cmropas, das am geringsten bewatbet ist, ist Spanien. Tie Wälder Indiens bedecken ein Gebiet von 50 Millionen Hektar, bie Japans äneg von 23 Millionen.


