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6.1.1912 Viertes Blatt
 
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Nr. 5

viertes Blatt

162. Jahrgang

Erfchenu lLglich mtl Ausnahme SeS Sermtook

Li« ^Gießener tfamllienbiatttr werden dem .Anzeiger' otmnal roöcbenthd) betgdegi, daS Krdsblflti fir de» Kreis »letze»'' zweimal wSchenlUch. Dle .^aadwlrtichastllche» Lett« liegen ericfcemen nwnailtd) zweimal

General-Rnzeitzer für Oberhejjen

Samstag, 6. Januar |9|2

Hotottonebrud and Bexlag der 6t ü bl Id) en Unteerfuäta - Buch- and ötembrucferei.

9t fange. Dietzen.

Äebafttcn. (Erpebitton und Druckerei; Cebu!» stratze ?. DxpediNon and Verlag 6L

Rebdftiotre^e# 112. LeU-Adr- AnzergerDlesen»

Die Anwendung von Luguform zur Bekämpfung der Maul. u.UIauenfeuche nach Prof. Hoffmann, Stuttgart.

Von Tr. Knell.

Bei der Wichtigkeit der Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche und angesichts de- Aufsehen erregenden neuen Mittels zu ihrer Bekämpfung werden fich die Leser für den nachstehenden Aufsatz interessieren, den uns der bieiige Sach- tieritanoige, Streidvetcrinaerat Dr. Ä n c 11, auf unter Er­suchen zur Verfügung gegellt hat.

Die großen wirtschaftlichen Schäden, lvelche die Maul- linb Klauenseuche herborrust, drängen von allen Seiten zu Arbeiten über die Bekämpfung dieser Seuche.

Um sich von der Höhe dieser Schäden eine Vorstellung zu rnacyen, dürste es von Interesse sein, einige Zahlen hier­über zu erfahren. In den Jahren 1896 bis 190? erkrank­ten an dieser Seuche 7 375 685 Aiinder, 6178116 Schafe und 2 677 991 Schweine. Die Schäden, welche durch die Erkrankung dieser Tiere entstanden (durch Tod, Milchverlust, Tod von Kälbern, Verlust an Arbeitstagen usw.), beziffern sich nach einer Berechnung der Lmrdwirtschastskammer für die Provinz Sachsen bei Rinder auf 793 Millionen, bei -Schafen und Schweinen auf 56 Millionen, zusammen also auf rund eine Milliarde Mark.

Da der Erreger der Seuche nicht bekannt ist, stieß ihre rationelle .Bekämpfung bisher auf fast unüberwindliche Schwierigkeiten. Vorzüglich die veterinärpolizeilichen Maß­nahmen haben es bisher vermocht, die je auftretenden Leuchenausbrüche in kurzer Zeit wieder zu dämmen, so daß Deutschland in der oben genannten Zei spanne überwiegend nur schwach verseucht, teilweise sogar unverseuchl war. Da aber die Anwendung der Veterinärpol zellichen Maßnahmen unvermeidliche Sclfädigungen wirtschaftlicher Art zur Folge hat, die von den Interessenten (Händlern und Landwirten > schwer empfunden werden, strebt man barnad), auch auf anderem Wege der Seuche Herr zu werden. Nach den vielen Mißerfolgen mit Medikamenten aller Art belebte es die Hoffnung der Allgemeinheit ungemein, als nach einer Mit­teilung der Frankfurter Zeitung vom 14. Dezember bekannt wurde, daß Professor Hoffmann Stuttgart in dem Eugu- form ein Medikament gefunden haben sollte, das geeignet sei, die Seuche in kurzer Zeit zu tilgen.

Die Mittel, welche man bisher zu verwenden suchte, lassen sich in drei Gruppen einteilen: Medikamente, toeld)e den gesamten Lrganismus beeinflussen, solche, die auf die örtlichcn Erkrankungen einwirken und schließlich^ein Serum, welches den Körper der behandelten Tiere mit Schutzkörper versieht, die das Eindringen von Krankheitserregern ver­hüten oder die eingedrungenen vernichten. Das von Prof. Hoffmann empfohlene Euguform gehört in die zweite Gruppe. Es ist eine Verbindung von Guajacol und Fvr- maliu und stellt ein feines, leichtes, in Wasser nicht lös­liches, graugelbes Pulver dar. Hoffmann verreibt dieses Pulver mit Wasser, indem er etwa 15 Gramm Euguform auf einen Liter Wasser nimmt. Diese Verreibung wird mittelst einer kräftigen Spritze von etwa oOO cbcm Inhalt deren Kanüle in rechtem Winkel abgebogen ist, den Tieren in kräftigem Strahl in die Maulhöhle und in den Ktauen- spalt gespritzt. Das Maul und die Klauen werden auf diese Weise gereinigt. Auf den gereinigten Flächen soll das Medikament seine Wirkung entfalten. Die Wirkung des Präparats soll nad) seinen Angaben eine schmerz­lindernde und heilende sein. Außer dieser Emulsion ver­wendet .Hofsmann eine lOprozentige Eugufvrmsalbe, mit der die erkrankten Euter so behandelt werden, daß die wunden Stellen mit der Salbe gleichmäßig überzogen sind. Mit dieser Behandlung geht Hand in Hand eine Desinfek­tion der Krippen mit einer Euguform-Forrnalin-Emulsion, sowie eine Behandlung des Fiebers durch die Verabfolgung von. Chinin in Verbindung mit Fenchel und Kalmus, sowie mit der Anwendung warmer Prisnitzscher Wickel. Mit dieser Behandlung setzt er ein, sobald die Körpertemperatur eine Höhe von etwa 40 Grad erreicht. Die Wirkung, die Hoff­mann beobachtet haben will, besteht darin, daß das Fieber rasch zurückgel-t, frühzeitig behandelte lokale Veränderun- gen in ihrer Entwicklung gehemmt und in ihrer Abheilung gefördert werden. Gleichzeitig mit diesen Einflüssen soll sich eine Besserung das Allgemeinbefindens cinftellen. Nach 36 bis 40 Stunden sollen sich die behandelten Tiere in der Regel wie gesunde verhalten. Neber die Menge des zu verwendenden Euguforms soll Hoffmann nach einem Be­richt der Frankfurter Zeitung in einer Besprechung im Württembergischen Ministerium angegeben haben, daß die­selbe nach Heftigkeit der Erkrankung schwankt, daß aber mit einem Kilo Euguform rund 40 Tiere behandelt werden können. Um den Wert dieser Bekämpfungsmethoden be­urteilen zu können, sind theore llche Erwägungen und prak­tische Erfahrungen zu berücksichtigen.

Es erscheint zimächst wichtig zu sein, zu wissen, daß die Maul- und Klauenseuche nichi, wie vielfach angenommen wird, eine örtliche Erkrankung des Mauls und der Klauen, vielleicht auch noch des Euters ist, sondern eine Jnfetttions- krankheit, welche den ganzen Organismus in Mitleiden­schaft zieht und bei 8er allerdings die dem Laien am meisten in die Augen fallenden Veränderungen am Maul und an den Klauen zu beobachten sind. Gegen eine solche Infektionskrankheit ist zweifellos das Nkittel am ratio­nellsten, tvelches auf den gesamten Organismus einwirkt und am meisten fd?cint noch immer von einer Serum- behandlung zu erwarten zu sein. Im Prinzip ist die Frage der Ausführbarkeit einer solchen gelöst. Durch Löffler- Greifswald ist ein Serum l^ergestellt, das zweifellos schrnerz-- mildernd und heilend wirkt, aus verschiedenen Gründen, deren wesentlicher der ist, daß wir den Erreger der Seuche nicht kennen und züchten können, ist es aber zurzeit noch nicht möglich, die Serumbehandlung praktisch in genügend großem Umfang durch führen zu können. Auch die Behand­lung von Infektionskrankheiten mit Medikamenten, die der Blutbahn einverleibt werden und den gesamten Organis­mus beeinflussen, lassen es nicht ausgeschlossen erscheinen, daß es möglich ist, der Seuche auf diesem Wege beizu- kommen. geschlossene und vollauf befriedigende Versuche

liegen aber über diese Frage noch nicht vor. Die snrnp- tomische Behandlung der einzelnen Kranihcllserschcinungen und der örtlidjcn Veränderungen ist ebenfalls zweifellos ge­eignet, den Zustand der erkrankten Tiere günstig £ii be­einflussen, ob es aber damit möglich sein kann, die <xud)c als solche zu bekämpfen, erscheint fraglich. Da das HoZ- mannsche Verfahren eine solche Behandlung darstellt, können Bedenken gegen seine Wirksamkeit nicht unterdrückt werden Tie Todesfälle, die durch die Seuche veranlaßt werden und über die im Kreise Gießen besonders zu Hagen Ur­sache war, entstehen in der Hauptscnye nicht durch die Er­tränkungen am Maul und an den Klauen, sondern durch erhebliche Veränderungen innerer Organe, besonders des Herzens. Hoffmann denkt sich allerdings die Sack)e so, das diese Erscheinungen durch das Verschlingen des giftigen Inhalts der Blasen und der Maulhist le und des mit ihm vermischten Speichels hervorgerufen wird und er hofft des­halb von der Beeinflussung desselben durch ein Me.i.amen. eine Vermeidung dieser Sd)ädigungen. In dem Euguform sieht er das Medikament, welches spezifisch gegen diese Schädigungen wirken soll. Versuche, dre auch in unserer Gegend mit dem Präparat angestellt sind, haben zweifellos ergeben, daß das Präparat die Abheilung der örtlichen Erkrankungen begünstigt. Es scheint aber, als wenn der eigentliche Krankheitsverlauf (die Dauer der höchsten St- rung des Allgemeinbefindens, der Urnerörcchung der Futter­aufnahme) durch die Behandlung nicht wesentlich beein­flußt wird. Es wäre aud) übereilt, auf Grund der bis jetzt vorgenommenen Untersuchungen ein endgül iges Urteil abgeben zu wollen. Zu bedenken gibt es immerhin, daß eine Veröffentlichung in Nummer 3 der Feanksucter Zei­tung vom 4. dieses Monats eine Stimme aus dem Kreise laut werden läßt, in dem Hoffmann feine günstigsten Er­fahrungen gemacht hat und das Urteil der ersten Veröffent- ichung vom 14. Dezember sehr viel weniger günstig klingt Dem Landwirt, in dessen Stall. die Behandlung durch­geführt war, sind trotz derselben eine Kuh, ein Rind, 14 Kälber und 42 Ferkel verendet, während 21 Kälber not- geschlachtet werden mußten. Hoffmann führt diesen Mitz- erfolg auf eine unzweckmäßige Ausführung seiner Behänd- ungsmethode zurück.

Die zurzeit allseits eingeleiteten Versuche mit der Me­thode werden hoffentlich vollständige Klarheit über ihren Wert bringen.

Lin deutschf indttcher prehfelüzug in Mafien.

Aus Peking wird der T. R. geschrieben: Seit einigen Wochen hat in einem Teile der in China erscheinenden Blätter eine verstärkte Pressekampagne gegen Deutschland eingesetzt, die sich in Verdächtigungen der Hal­tung Deutschlands gegenüber den chinesi­schen Wirren ergeht. Den Hauptstoff liefert die an­gebliche Unterstützung der chinesischen Regierung durch deutsches Kriegsmaterial und deutsche Offiziere. Danebeuher gehen lügenhafte Verdächtigungen über Sonder­pläne Deutschlands, namentlich in Schan.lu.ng.

Der deutsche Waffenhandel hat allerdings die Konjunktur ausgenutzt. Es handelt sich aber meistens um die Ausführung früherer Bestellungen, wobei Deutschland sich auch die Lieferung von )d>on feit einiger Zeit in Auf­trag gegebenen Geschützen nichtdeutschen Ursprungs hab au das Konto setzen lassen müssen, da die Lieferung durch eine deutsche Firma als Vertreterin einer ausländischen vermittelt worden ist. Im übrigen aber unterliegt es keinem Zweifel, daß auch von kleineren deutschen Häusern und Händlern die Gelegenheit zum Verkaufe von Kriegsmaterial ausgenutzt wird, zumal da ein striktes Verbot, wie es England auf Grund des Order in eouneil vom 24. Ok­tober 1904 erlassen hat, deutscherseits und auch seitens der anderen Staaten nicht ergangen ist. Diese Umstände wirken zusammen, um auf feiten der Revolutionäre eine Beargwohnung der Deutschen und Deutschlands zu begün­stigen. Die deutschfeindliche fremde Presse hat sich das zunutze gemacht. Erwähnt sei nur die immer wieber­kehrende und schon mehrfach dementierte Behauptung von der Beteiligung deutscher Offiziere auf feiten der Regie­rungstruppen. Das in Schanghai erscheinende franzö­sischeEcho de Chine" machte nod) kürzlich die gro­teske Mitteilung, die Deutschen hätten den Kaiserlichen außer Waffen und Munition auch 70 Offiziere gestellt. In einer angeblichen Unterredung mit einem revolutionären Führer erwähnt dasselbe Blatt, dieser schreibe die Erfolge der Kaiserlichen dem Umstanbe zu, daß letztere bekannllich von Deutschen in der Anzahl von 100 geleitet seien. Gleichzeitig läßt in diesem Gespräche bas Blatt die Frage eines"Boykotts der Deutschen am Horllont erscheinen. Ver­zeichnet sei ferner bas Gerücht über Verpfändung der Pro­vinz Schantung an Deutschland gegen Gewährung einer Anleihe, das auch den Reichsausschuß beschäftigt hat.

Vor allem betreiben japanische, ober unter j a- p anischem Einfluß stehende Blätter die Hetze. TieMandchuria Daily News" erscheinen in Dalny, dieShuntien Shi Pao" ist eine ganz japanischen In­teressen dienende, sehr verbreitete Zeitung Pekings. Hält man diese Angriffe zusammen mit den Stimmen japanischer Blätter in Japan selbst, so muß von einem deutschfeind­lichen Preßfeldzuge gesprochen werden. Abgesehen von dem allgemeinen Zwecke, durch Herabsetzung Deutschlands in den Augen der möglicherweise siegreichen Revolution ihm politisch und kommerziell Abbruch zu tun, wird mit den Angriffen die besondere Absicht verfolgt, über die eigenen, in beträchtlichen Mengen nach China gehenden Kriegslieferungen Japans einen Schleier zu breiten und die Aufmerksamkeit von ihnen abzulenken, ferner aber aud), bei einer etwaigen künftigen republikanischen Re­gierung in die militärische Lieferungsstellung Deutschlands in China Bresche zu legen und für Bestellungen an ja­panischem Material wie für die Entsendung von japanischen Instrukteuren in erweitertem Maße den Boden zu ebnen. Gleichzeitig soll dem deutschen Handel ein Stoß versetzt werden. Tie Zeitungsnachrichten von einem im Machtbereiche der Revolutionäre beabsichtigten Boykott deutscher Erzeugnisse erscheinen immer häufiger, manch-

mal auch in der Form von llntcrrcbungcn Revolutionäre» mit Japanern.

Sotveit es angängig war, ist in Peking diesen An­griffen cntgegcnßcireten worden. Berichtigungen haben freilich bei dem Stand der in Betracht kommenden Presse .mmer das Bedenklid).e, daß die Angrifse in stärkerer Form wiederholt lverden.

Watiöcrn und Neiscn.

Weilmachlltaye in der Ntzön.

Regen, nichts als Regen brachten uns die diesjährigen Weih- nachtsfcicrtage in Gießen. Mit griesgrämigem Gesiebt schaute der Himmel drein und ließ auf keine Besserung hoffen. Aber im höheren Mittelgebirge, wenige Kilometer rncitcr, fah cS an­ders aus. Nebel und Schnee war hier die Losung. Kam ntan hoch hinauf, so lachte einem wohl auch die Sonne entgcg n, und prachtvolle Winterlandschasten boten sich dem Auge des Bc- d>auerd.

Wirklich sanden sich am Abend des zweiten Feiertags acht Gießener Sclstläufcr, die dem Himmel mehr zntrauten, um nach der Rhön abzudampfen. In Gießen, in der Bahn,, 'a noch in Fulda wurde man mit spöttischen Gesichtern angesehen. Hofs- nungssroh vertraute man sich am nächsten Morgen trotz des herrschenden Regens dem Bähnlcin nach Gersfeld an. Aus dem Zug sah man von Ferne weiße Schneeselder, die die Stimmung bedeutend hoben, auch wurde hie und da von Kundigen ver­sichert, oben trefft ihr schon Sclmee an. Bei strömendem Re> en packte man seine Höller auf und marschierte getrost weiter. Ein Teil blieb schon in Gersfeld zurück, um nod) einmal der pren- ßisck)en Post Grüße nach Hause zu übergeben und zu versichern, daß sckwn einige Schneeflocken dem Regen beimnengt seien. Sie traf man erst am Ziele wieder, da sic einen andere.! Weg als die Vorauscilenden einsck)lugen. Der Regen verwandelte sich all­mählich ganz in Schnee, so daß man schon jetzt über die Spötter drunten im Tal" zu lächeln begann. Tas kleine Wäldchen, durck) das rwischen Gersfeld und Obe ivüßenbrunn die pr.nßisch- bayrisd;c Grenze zieh, bot einen entzück nden Anblick. Drunten in der Niederung sah man Oberweißenbrunn ganz versckmeit. Im einzigen Gasthof sollte noch ein kleines Frühstück eing'nom- men werden, wesball» man cs vorzog, die Schier das kurz' S'ück noch zu tragen. Ter alte Schäfer, der sorglos seine Tage dahin­lebt, sang uns seine sdchnstcn Volkslieder vor, in die wir, so­weit sic uns bekannt waren, kräftig cinstimmtcn. Gern hätten wir den ganzen Tag bei ihm zugebrackü, aber die Zeit mahnte zum Wcitcrgehen. Schnell erstieg man den Arnsberg hinter Oberweißenbrunn: und jetzt schnell die Schier an! Der Anfänger wegen kamen wir nur langsam vorwärts, aber wir hatten ja wenig zu versäumen. Unser Ziel, das Kloster Kreuz­berg, lief uns nicht fort.

Das Kloster, das höchst gelegene in Deutschland, soll an der Stelle einer alten heidnischen Opferstätte stehen. Ende des 7. Jahrhunderts predigte in der Gegend der heilige Kilian; Namen tote Kilianshof, Ktliansbrunnen erinnern noch au ibn. Schon im frühen Mittelalter stand auf dem Kreuzberg ein Kreuz und an den beiden Kreuzfesten wallfahrteten die Bewohner der um­liegenden Ortschaften hinauf. Im Bauernkrieg wurde das Kreuz entfernt und die Wallfahrten ließen naturgemäß nach. 1582 errichtete der Fürstbischof Julius Echter von Mcspelbrnnn ?in neues Kreuz, um die Wallfahrten wieder zu heben. Anfangs versahen Bischofsheimer Gttstlichc den Gottesdienst. 9fber allmählich konn­ten sie wegen des Andranges die Arbeit nicht mehr versehen. Deshalb wurden einige Patres aus dem Franziskanertloittr Dettel- bad) berufen. Diese wohnten in Bischofsheim und bestiegen täg- lick> den Berg. Die Anmhl der Wallfahrer wurde immer größer, so daß 1679 der Befehl gegeben wurde, die vorhandene kleine Kapelle zu vergrößern und ein Kloster anzubauen. Es ent­wickelte sich allmählich so, daß es heute der besuchteste Wall­fahrtsort Nordbayems ist. Zwei Patres, unterstützt von den in der Umgegend wohnenden Geistlichen, versehen den Gottesd'enst. Mehrere Laienbrüder besorgen die dem Kloster gestattete kleine Oekonomie und die sonst vorkommeirden Hausarbeiten. Die­jenigen jungen Leute, die später in den Orden eintreten ivollen, müssen als Servitialen eine ungefähr dreijährige Probezeit durch- mad>en.

Das Kloster wird nicht nur gern Von Gläubigen, sondern auch von Wanderern aufgesucht. Sind doch Bruder Wendelin und Bruder Haimar allzeit freundliche Leute, die and) gern einmal einen harmlosen Scherz hinnehmen. Bei unserer Ankunft wur­den wir von beiden schon von Weitem als alte Bekannt' freudig begrüßt und in das gemütliche Gastzimmer geleitet. J'tzt ging es ans Fragen und Erzählen. Plötzlich nähert sich mir ein Mädel, das ich im Zwielicht gar nicht beachtet hatte. Sich da, es ist das Elslein ans F. Nach herzlicher Begrüßung inacht sie mich "mit ihren Begleitern bekannt, unter denen sich auch ein aller Gießener befindet. Natürlich wollte er vieles wissen, so daß wir verabredeten, da jene in Bischofsheim wohnten, uns am nächsten Tage wieder zu treffen. Um den Sdurc tüchtig auszunutzen, ging es gleich wieder an die Uebungsfelder, bis uns abends der Hunger heimzog. Nach der Abendmahlzeit faßen wir noch gemütlich am großen Por.zellanofen, der mit mächtigen Buchenscheiten gehttzt wird, und freuten uns, dem Groß'ad'gttriebe auf einige Zeit entronnen zu sein. Wendelin und Haimar hatten sich freigemacht, um mit uns alte Erinnerungen auszutauschen. Es ist etwas Eigervartiges mit den braunen Mönchen, die man in unserer Gegend eigentlich nur vom Hörensagen kennt, an einem Tisch zu sitzen und ihren .Mitteilungen zu lauschen. Ist doch fast ein Jahr vergangen, seit ich sie zum letzten Male aufgesucht, und so gab es viel zu erzählen. ^Den Jungen, die bei mir waren, mackste die urwüchsige bayrische Mundart viel Spaß, und als gar Haimar eine ihm angebotene Zigarre in der Kapuze verschwinden ließ, brachen sie in lautes Elllächter aus. Zeitig, wie es die Klosterordnung porschreibt, ging man zu Bett.

Am nächsten Tage kam Elslein wieder und brachte ferne ganze Reisegesellschaft mit. Da cs über Nacht mächtig geschneit hatte, freuten mir uns unseres Tascins noch jnebr und be­dauerten nur die armen Menschen, die in den Städten herum- laufen mußten und nickst auf flinken Schiern bei uns sein kmu­ten. Bei leuchtendem Sonnenschein machten wir unsere Wan­derungen durch den prächtigen Wintcrwald. Nur allzurasch ver­rann der Tag. Könnt ich zum Augenblicke sagen . . .!

Bruder Haimar ist der glücklich? Besitzer einer Laut'. Im stillen Kttostcr ertönten daher abends lustige und ernste Weisen. Mer da uns am nächsten Tag die Schier^ wieder forttrageüt sollten, legten wir uns auch yeutc zeitig schlaserr. Früh am nächsten Tag ging das Schneeschuhlaufen wieder los. Der Abend brachte hellen Mondschein. Wer kann ihm widerstehen? Mondnacht im verschneiten Gebirge. Nur wer sie schon einmal erlebt hat, kann sich einen Begriff von der Erhabenheit machen. Kaum daß das Essen abgetragen war, locct cs uns noch einnral hinai'' Wir besteigen den höchsten Gipfel und im grünen Licht d"s bleichen Gesellen bietet sich eine entzückende Fernsicht. Dort die Wasser- kupve, art der die Fulda entspringt. Drüben Eierhauk und Dam- mersfeld, da die schwarzen Berge. Ganz hinten am Horizont