Ausgabe 
5.10.1912 Erstes Blatt
 
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Wie aus UeSlüb berichtet wird, haben sich alle Albanesen vom 15. bis zum 75. Iahr feierlich zur Verteidigung des türkischen Reiches ver­pflichtet. Unter der albanischen Bevölkerung herrscht außerordentliche Kriegsbegeisterung.

Aus Anatolien haben sich -^-00 Zrrkasiter mit Pfer­den feierlich zur Teilnahme am Krieg gemeldet.

Eine Erklärung des türkischen Ministers des Aeahern.

DieNeue Freie Presse" meldet aus Konstantinopel: Der Minister des Aeunern Noradungbian erklärte beim Zer­lassen des Mlnisterrals, dost der D at s en st, l l Nand mrt Jt a- l ien in einigen Tagen zu erhoffen ,ei. Dagegen leim al le Hoffnungen auf eine ' r r edli che Lösung des Dal- kankonflikts trotz aller Bemühungen der Machte stark ge- f U ^Tasselbe Blatt meldet weiter aus Konstantinop:l: Der Minister des Aeiistern erhielt bk Mitteilung, daß D u k g a rren m W a r n a gegen die dortigen Türken Ausschreitungen b e g^e h c n und sie zwingen, statt des Fezes einen Lut au'zu.eücn. ^cr Mu l wurde geschlagen, ein Händler schwer verlebt- 9n vuboS Cöul- garien) wuvde ein mohammedanisches a. ort geplündert und vier Türken ermordet. .

Ter Po st dienst nach Bulgarien ist eingestellt, alle Kabel sind überlastet. Die militärische cp eschen- zensur ist so scharf, dast die öffentliche Meinung m der Haupt stadt über die internationalen und provinziellen Vorgänge nur mangelhaft unterrichtet ist.

Tie ersten Gefechte?

Nach einer Pariser Blättermeldung hat die bulgari­sche Truppenabteilung die türkische Ort­schaft Kovacz, die etwa 15 Kilometer von der Grenze entfernt liegt, bereits besetzt.

Ter Berliner ,Lokalanzeiger" bringt in einer Extra­ausgabe die Meldung aus Konstantinopel, daß bei Timros ein Gefecht zwischen Bulgaren und Türken und bei Novibazar zwischen Serben und Türken stattgefunden haben soll. In beiden Füllen feien oie Türken siegreich gewesen.

Sofia, 4.ft. Agcnce Bulgare bezeichnet die im Auslande verbreiteten Meldungen von Angriffen b u l garischer Truppen auf türkische Stellungen in den Distrikten Narlek, Dschumbala und Ropdjoz für vollkommen unbegründet.

Eine Kabinettskrisis in Rumänien.

Nach einer Bukarester Meldung hat das rumänische Kabinett seinen Rücktritt angezeigt Als Kabinettschef wurde der Führer der Konservativen (Sarp dem Könige empfohlen.

TerBerliner Lokalanzeiger" meldet aus Bukarest: Amt- lich wird erklärt, Rumänien werde sich im Kriegsfälle der .Haltung der Großmächte anschließen. Sollte Bulgarien siegen, so werde Rumänien derartige Kompensationen for­dern, daß das Gleichgeivicht wieder hergcstellt werde.

Aus 5tabt uu- Land.

Gießen, 5. Oktober 1912.

Tie elektrische Dahn nach Wieseck

Wie wir gestern mitteilten, bat das Kreisamt den zwischen 6cr Stadt Gießen und der Gemeinde Wieseck abgeschlossenen Ber trag über die Weitersühnmg der elektrischen Bahn nach Wieseck nunmehr genehmigt. An den Planen wird gegenwärtig ding gearbeitet und wenn sie fertiggcftellt sind und die Konzession für Die Bahn erteilt ist, kann alsbald mit dem Bau der Linie begonnen- lverden. Voraussetzung dafür ist allerdings, daß die Schienen rechtzeitig von der Fabrik geliefert werden können, was bei der gegenwärtigen DesMslignng gerade in bar Schieneniudnstrie unter Umständen Schwierigkeiten haben wird. So wird z. B. von Darm- stadt berichtet, dast dort der Straßenbcchnbau ins Stocken geraten ist, weil die Schienen nicht reck/tzeitig geliefert werden konnten.

Die Linienführung der neuen Bahn ist so gedacht, daß die Bahn einfach den Wiesecker Weg entlang bis in das Herz von Wieseck hinein, bis zur Kreuzung der Gießener-,. Kirch-, Schul- und Philosophenstraste geführt wird. Man hatte auch erwogen, die Bahn die Marburger Straße heraus und dann nach Wieseck zu bis zur Rabenaucr Straße zu bauen, ist aber im beiderseitigen ZiNeressc wieder davon abgefmirmen. Die meisten Bewohner WicseckS würden dann zunächst einen von der Stadt abführenden und bann ansteigenden Weg zurücklegen müssen, wenn sie die Bahn zur Fahrt nach Gießen benutzen wollten. Die Stadt hätte erheblich höhere Anlagekosten gehabt, da sie zum großen Teil einen eigenen Bahnkörper anlegen und aitd* für den Unter (nut mchr hatte aiimmi den müssen. Tie neue Bahnstrecke wird ctioa lu Kilometer lang und erhält außer ernt Ortseingang und am Endpunkt noch einige .Haltestellen. Sehr befriedigt ist man in Wieseck wegen des Ent­gegenkommens der Gießener Stadtverwaltung bei der Festsetzung der Fahrpreise. Bei den Einzelsalntcn wird der Zehupfennig tarif emsach auf Wieseck ausgedehnt, während für Leute, ,bic regelmäßig die Bahn benutzen, der Preis für die Wochenkarte auf 60 Pfennig bemessen werden soll. Dafür würden sic die Bahn zwischen Wieseck und irgend einem beliebigen Punkt in Gießen in den Wochentagen je einmal hin und zurück machen können. ES ist anzunelmten, daß auch für die, die auch ihre Mittagspause xu Hause verbringen wollen, eine Fahrpreisermäßigung ringe- führt wird Die Gemeinde Wieseck zahlt an die Stadl einen Zu> sckmß von 35000 Mark in sieben Jahresraten von je 5000 Mark und verzinst jeweils btn noch ausstel-cuden Betrag.

** Tageskalender. Stadttheater. Sonntag nach­mittag 3* . Uhr:'lUUitärfronun" und ,Lo1tchenS Geburtstags; abenbd 7*/, Uhr: , ic stuck isrnnfhivtev/

H i n e ni a i o g r o d b: Täglich Vorstellung.

Biograph: Täglich Vorstelluna.

B a k o i S K a m m e r - L i ch t s v i e l e: Täglich Vorstellung.

Museum des o b e r h e s s i s ch e n G e s ch i ch t s v e r e i n s. Geöffnet <'onntaa vormittags 111 Uhr unentgeltlich.

Museum für Völkerkunde. Geöffnet an Sonntagen vormittags von 111 Uhr.

A n I n fl f nt u i if am Sonntag mittag 12 Uhr in der Süd- Anlage (nur bei gutem Wetter'. Epielplan: 1. Militärmarscli Nr 2 von Franz Schubert: 3. Ouvertüre zur Over: Tie hnngc-i Töeibcr* von Nicolai; 3. Chor der Friedensboten aus der Over .(Sola Rienzi* von R Wagner; 4. .Negerlein tanj*, Intermezzo von O. ^eulchner. ,

M Veterinärwesen. Durch Entschließung des Mi­nisteriums des Innern wurde der Vctermärarzt Dr. Wild. Schmidt an« Darmstadt zum zwecken vctermärärztlichen Hilfsarbeiter be, der Mmisicrialabteilung für öffentliche Gesund- heit-pfleae bestellt.

** Winterboten Sichere Boten kündeten gestern nadmiittag die bevorstehende kalte Jahreszeit an. Es waren dies die erften Kranichzüge von den Bauersleuten Hohlgänsc genannt. In der Tat scheint dem trostlosen Regensommer ein früher Winter zu folgen. Die beiden letzten Nächte itxircn fchon empfindlich kalt, eine Eisdecke überzog Pfützen und Gefäße. Niemand wird sich auf einen frühen Winter freuen, am allerwenigsten der Landmann, der mit seiner Feldbestellung noch im Rückstände ist.

** Tic Temper atur ift in den beiden letzten Tagen ganz erheblich gesunken. Hier in der Stadt fiel das Thcr niometcr in der Nacht auf 0,1 Grad Wärme, während auf bem .Hoberodskovf bei klarem Vetter gestern und barte fd^n 5 Grad Kälte gemessen mürben. In unserer näheren Umgebung ist ebenfalls ein erheblicher Tempera- turrudetang zu verzeichnen. In Kassel würben ° Grab Kälte, in Marburg 3 Grab beobachtet. '2Uif den hohen

hessischen Bergen herrscht starke- Schneegestöber. Schnee ist teilweise liegen geblieben. Von der schneckoppe wirb gemeldet, baß dort gestern 10,2 Grad Kalte herrichte. In Königsberg i. Pr. ist in ber Nacht zum Freitag der erste Schneefall eingetreten. _ ___

♦♦ Bakofs Kammer-Lichtspiele bringen von heute an einen neuen Spielplan, der u. a. einen drohen Film, die Irrfahrten bes Odysseus t>orml)rt Weber die in Berlin veranstaltete Vorführung spricht fich die gesamte Presse mit größter Anerkennung aus. TerBen. Börsen-Eourier" äußerte sich folqendermanen: . -. -taö, was dem kritisch gestimmten Publilüm vorgefuhrt wurde, kann nicht gut übertroffen werden. Tas Bild zeigte uns in großartigen, zum Teil auch landschaftlich und pi<t|ti)cb fesselnden Ansichten die grandiose Schönheit der homeri­schen Dichtung Tie dramatisierteCbnftee" in. nncmacko- araphischer Wiedergabe dürfte auch besonders aus die Schu­ler unserer höheren Lehranstalten und Volksschulen große Anziehungskraft ausüben. Am Montag und Dienstag nach­mittag wird heben andern auch biefer Film in einer Schütervorstellung vorgeführt werden.

♦♦ Im Gießener Fröbel Seminar fand kürz­lich bie Prüfun g ber jetzt abgehenden Seminaristinnen unter Aus ficht des Kreisfchulinspettor Prof. Dr. Alles statt, bei der sämtliche Prüflinge bestanden. Wir hatten Ge> legenheit, der Prüfung ber jungen Mäbchen im Vorkehr mit ben Kinbern beizuwohnen und konnten der ganzen Methode und Ausführungen nur unsere volle Anerkennung rntb Bewunberung zollen. Die Kinber waren sehr bei ber Sache unb ihre Arbeiten und Antworten riefen bei den Zuhörern Freude unb häufig Heiterkeit hervor. Es ist geplant, infolge bes großen Iubrangs den Kinbergarten in zwei Abteilungen zu gliedern, eine für vormittags und eine für nachmittags. Ta offenbar in unserer Stadt bas Bebürfnis für Beauffichtigung unb zweckmäßige Beschäfti­gung der nock) nicht schulpflichtigen Kinder aller Kreise sehr' groß ist, wäre zu wünschen, daß das Projekt, einen V 0 l k s k 1 n d e r g a r t e n" ins Leben zu rufen, recht bald verwirklicht werden könnte. Zweifellos wäre es ein großer Segen für die große Zahl Kinder, deren Müttern es nicht möglich ist, selbst die Erziehung ihrer Kinder voUständig zu übernehmen, wenn sie in solch einemBolkskinbergarten" gegen geringes Entgelt nicht nur Beaufsichtigung fänden, sondern auch allerlei Handfertigkeit lernen könnten. Die drei Hauptsätze eines Fröbelschen Kindergartens: Ent­wickelung des Geistes, Kräftigung des Körpers, Bildung des Willens, kämen damit allen diesen Kindern zu gut.

**Aus der Nahrung smittclbranche. Man schreibt unö: Vom 1. Oktober ab ist cs gesetzlich verboten, daß Ge­treide- oder Branntweinhese mit Bierhefe ver­mischt wird: cs kann daher nickst mehr vorkommen, daß man ür letztere denselben Preis zahlen muß, als für die wertvolle Getreidehcfe. Von demselben Zeitpunkte an ist auch für die Hefe Tekla rationszwang vorgeschricbcn. Auf dem Einwickel­papier muß also, selbst bei dem kleinsten Quantum, verzeichnet sichen, ob cs sich um Gctreidchcfe ober um Bierhefe handelt. In letzterem Falle muß vor allem das WortBierhefe" oder Bierpreßhefe" angegeben sein. Fehlt eine Bezeichnung, dann kann nur reine Getreidehcfe in Betracht kommen. Es liegt im Interesse der Hausfrauen, stets reine Getreidehcfe zu verlangen und sich nicht etwa dadurch beeinflussen zu lassen, baß man bei ber Bierhefe ein größeres Stück erhält; denn Bierhefe ist zum Backen weniger geeignet, als Getreidehefe. Man weise aber auch Getreidehefe zurück, die mit Kartoffelmehl gemischt ist, weil letzteres nicht die geringste Triebkraft besitzt, also voll­kommen wertlos ist. Ucbcroies wird für eine derartige Misch hefe fast immer'ber gleiche Preis verlangt, wie für reine Hefe. Es liegt daher im ureigensten Interesse jeder Hausfrau, nur

reine Getreide hcsc zn verbacken.

** T er heutige Ob st-und G enfüse ch ar kt auf Oswalbsgarten zeugte von dem reichen Erntesegen, den Garten unb Feld uns gespendet haben. Morgens V,9 Uhr waren schon 150 Wagen aus den benachbarten Orten anaefahren. Allgemein führte man aber Klagen über bie hohen Preise, bie fid) bei Obst unb Gemüse ver­hältnismäßig nicht viel niedriger gestalten als in dem Vorjahr 1911.

** T i e Wagenführer unserer Straßenbahn haben eben einen schweren Stand, da das Laub nur so -von den Bäumen regnet und, verbunden mit dem Tarn, auf den Schienen eine schmierige Substanz bildet. Dadurch werden die Wagen leicht zum Gleiten gebracht, und trotz der größten Vorsicht und Anstrengung entstehen hie und da Schleifstellen, die den Betrieb sehr erschweren und direkt gefährlich werden können. Zur Min­derung der Gefahr sollten Leute bestellt werden, die an den ge fährliclistcn Stellen (Licher Straße, F-riedhofsweg, Frankfurter Straße) das Laub von Zeit zu Zeit abkehren und Sand streuen müßten.

Landkreis Gießen.

r. Lollar, 4. Okt. Gemeinderatssitzung. An­wesend : Bürgermeister Schmidt, Beigeordneter Gerlach, die Ge­meinderäte Weber, Ringleb, Forbach, Bock, Schupp, Schmitt, Römer und Hofmann. Wegen Ucbcrfüllung ber verschiebenen Schulklassen ist bie Erbauung^einer neuen Schule bezw. ein Anbau an bie fetzige neue Schule notwendig geworden. Ter Borfitzendc wird beauftragt, einen Voranschlag einzufordern. Tcm Ziegenzuchtverein wird bie Abioeibung ber Schmauwiesen für ben seither erlösten Turchschnittsprcis genehmigt. Der Gcländcaustausch zwischen der Gemeinde und der Witwe Werner wird in der Weise abgeschlossen, daß letztere für 98 Quadratmeter von Gelände, das zur.Straßenerweiterung verwendet werden soll, ein Gcmeindestück von ungefähr 500 Quadratmeter erhält. Zur Beschwerde des G. Scknoabe wird der Vorsitzende beauftragt, mit Schwabe wegen Erwerbung des Grundstückes durch die Gemeinde in Unterhandlung zu treten. Ter Gemeinde würde dadurch die Errichtung einer Mauer mit eiserner Einfriedigung erspart bleiben. Auf das Gesuch des Mühlcnbesitzers Christ wegen Räumung des Backbettes wird beschlossen, vorerst nur das Schilf beseitigen zu lassen. Tie Ueberfahrt bei der Holzmühle soll durch Zement­rohre hergestcllt werden: die Lieferung der Röhren wird der Firma Sack & JugHardt in Gießen zum Preise von 5,50 Mark für ben Meter übertragen. Der Gelänbeerwerb in ber Lumda­straße umseits der Lumda wird genehmigt. Die Anwohner sollen angehalten werden, Vorgärten zu errichten. Ter von Zimmer- meister Nuhn aus das im Sommer gefällte dürre Nadelholz ge­botene Preis war der Gemeinde etma# zu gering. Da indes Stilbn nickt mehr zahlen will und die Preise nach eingc;ogenen Erkundigungen überall nickt hoher sind, wird ihm schließlich der Zm'cklag erteilt. Von verschiedenen Seiten wird der Vor­schlag gemacht, im kommenden Winter das Stammholz zur 91us- schrcibung zu bringen.

0 Lich, 4. Oll. Seit heute wird hier von aus- wartiaen Händlern Kcltcrodst verladen. Ter Preis be­trägt 5.50 Mk. baS Malter.

Kreis Alsfeld.

f. Storndorf, 4. Okt. Bei ber am Donnerstag voi- lenommenen Versteigerung ber Massen gründ stücke 0118 der hiesigen Feldbereinigung wurde die erkleckliche Summe von 44 735,00 Mk. erzielt, so daß schon ein großer Teil der entstandenen Kosten gedeckt werden kann. Bei der Verpachtung der Dem eind e gr un ölt ü rfe wurde der Morgen mit 30-40 Mk. gut bezahlt, trotzdem den Steigerern das Entfernen der Hecken und Sterne innerhalb der 9jährigen Pachtzeit zur Bedingung gemacht wurde.

Kreis Friedberg.

= Bad-Nauheim. 4. Oltbr. Bis zum 3. Okt. und 35 1 37 Kurgäste angekommen, wovon ein genanntem Tag? noch 2085 anwesend waren. Bäder wurden bi§ -um 3. Oktober 468156 abgegeben.

Starkenburg und Rheinheffeu.

(rm) Viernheim, 4. Okt. Weitere Verhaf­tungen sind nunmehr in der Wilddieb sgeschichte, bei der im vorigen Monat der Forsthüter Eckert sein Leben einbüßte, durch ben Untersuckungsrid)ter erfolgt. Der burch Eckert beim Silbern erwischte Karl Sponagel von Hebbesheim bei Mannheim hat auf E. einen Schuß abgegeben, als er flüchtete, ber ben Tob des E. herbei- führte. Inzwischen hat sich herausgestellt, baß eine ganze Bande an dem Verbrechen beteiligt ist. Der Vater bed chon verhafteten Sponagel, Gg. Sponagel, ber Anton Ebert würben verhaftet, b» sie verbächtig find, die Tat im Einverständnis und auf Verabredung crusgeführt zu haben.

Hkffen-Naffau.

ßf Marburg, 4. Okt. Das Wintersemester a» dcr hiesigen Universität nimmt am 15. Oktober seiner Anfang. Die Imni a trikulationen haben m der Zeii bis zum 5. November zu erfolgen. Die Einführung deS neuen Rektors Pros. Dr. Tröltsch findet am Sonntag. 13. Okt., in her Aula der Universität statt.

Sport.

* Fußball. Kommenden Sonntag spielt auf seinem Sport­platz an Der Hardt der Gießener Sportverein von 1900 I ein erstes Kreismeisterschaftssviel. Der Gegner ist der Kasseler F. E. Sport I. An den Kreisspielen dcS Hessischen Kreises tes Westdeutschen Spielverbandes beteiligen sich^3 Vereine, je 2 aus Gießen und Fiilda, 3 aus Kassel und einer and Marburg.

u Hf ebina litt.

Hannover, 4. Okt. Der Flieger Birkmayer» der heute morgen von der Vahren Halder Hride Flüge unter­nommen hatte, stürzte infolge Versagens des Motors mit seinem Eindecker aus einer Höhe von 15 Metern und wurde am Hinterkopf schwer verletzt. Er starb bald darnach.

Vermischtes.

Schweres Eisenbahnunglück in Amerika.

Westport (Connecticut'). Ein Personenzug der Strecke Boston NewYork ist entglei st. AchtPersonen wurden getötet und viele verletzt. Die Wagen stürzten um unb fielen auf die Böschung, wo sie Feuer fingen. Verschiedene Personen verbrannten.

* Elterliche Nachlässigkeit, lieber den grauenvollen Tod eines kleinen Mädck^ens erhalten wir folgenden Bericht, aus dem hcrvorgeht, daß die Eltenr manchmal sträflicher find als die Kinder: In Dorking (englische Grafschaft Surrey), ver> brannte die vierjährige Irene Hazlet, welche wegen einer Unart zu Bett geschickt worden war, bei lebendigem Leibe. Die Eltern achteten nicht auf das Wehgeschrei ihrer Tochter, weil sie nur eine Ungezogenheit vermuteten. Wahrscheinlich hatte die Kleine mit Streichhölzern gespielt. Man sollte meinen, daß die Schreie eines verbrennenden Kindes von denen eures unge­zogenen doch verschieden wären.

kk. Was die Löwenbändigerin erzählt. Dieser Tage hat ein Londoner Zeitungsmann sich von der Löwei.'- bändigerin Frmi Torey d^lvilly, die gegenwärtig in London auf-' tritt, interessante Einzelheiten über den Beruf einer Löwen­bändigerin erzählen lassen. Fran d'Avilly übt ihren Berus bereits feit dem 13. Lebensjahre au5 und sie hat ihre Beru'swah! noch feinen Augenblick bereut. .Dürste ich niir noch einmal einen Be­ruf wählen," |o meinte sie, ,fo würde ich Löwenbändigerin. Fragt man mich jedoch, ob ich das Tierbändigen als Frauenberuf emp­fehle, so müßte ich nein sagen." Das Geheimnis des Löwen­bändigers? Es gibt keines! Alan muß die Löwen beherrschen; alles hängt von der Persönlichkeit ab: stnd sie wild, muß man ihnen Furcht einflößen, sind sie von Natur auS sanft und ruhig, so muß man sie dazu bringen, den Bändiger zu lieben. Tie meisten sind übrigens wenig intelligent, aber trotzdem kann man sie zu beinahe allem bringen. Es gibt wohl kaum einen Löwen­bändiger, der nicht in seinem Bernie Verletzungen davon getragen bat. Tie Löwenbändigerin macht hiervon feine Ausnahme. Ein­mal hat ein Löwe sie angefallen, jedoch nur, weil er sie nicht er­kannte. Sie wollte der Vorstellung dadurch Abwechslung verleihen. Daß sie im Kostüme eines Schulmädchens den Käfig betrat Einer ihrer Löwen, der sie nicht gleich erfannte, sprang aus sie zu und riß sie zu Boden, uni) als sie ihn anrief und er die Stimme er­kannte, hatte sie schon eine ziemliche Fleischwunde davon getragen. Vompeixfieber kennt eine Löwenbändigerin natürlich nicht, aber die Löwen kennen es. Die erste Vorführung an einem neuen Orte wird immer etwas schwierig, weil die Löwen sich erst an die neue Umgebung, namentlich an die Verteilung der Lichter, ge- ivöhnen muffen.

Kleine öooesebronif.

Infolge dichten Nebels stießen auf ber Kölner Vor­ortbahn nach Glcbback) zwei Straßenbahnwagen zu­sammen. Der Anprall war so heftig, baß sechs Per-, sonen verletzt wurden.

Der Berliner Domchor gab am Dienstag im Saale ber Abelsversammlung in Helsingfors sein hie­siges erstes Konzert mit außerordentlichem Erfolge. Ein vornehmes Publikum spenbete lebhaften BeifaU und ver­langte stürmisch Wieberholungen. Prof. Rüdel jourde' burch Ueberreichung von Lorbeerkränzen geehrt. '

_ Als in Berlin ein Schutzmann den Kutscher Johann T h i c l c wegen Zechprellerei verhaftete, wurde er tätlich an­gegriffen. In der Notwehr feuerte der Schutzmann und ver­letzte den Kutscher so schwer, daß er auf dem Transport nach dem Ztrankenhause starb.

Ein Pariser Fabrikant ließ in einer Berliner Autodroschke einen Karton liegen, der echte Spitzen im Werte von 15 000 Mk. enthielt.

vücherlifch.

Ludwig Uhlands 50. Todestag am 13. November ist her äußere Anlaß zu einer soeben erschienenen Biographie von Prosessor Tr. Anhur -Hartmann. Der Verfasser gibt in dieser hübsch gebundenen und illustrierten Lebensscbilderung ilLreis 2 Mk. bei W. Spcmann in Stuttgart) ein mit Liebe gezeichnetes Bild des j.id)tcr5 Uhlands Lebensgang, Familie und Häuslichkeit, sein Wirken und seine Erfolge als Dichter, als Politiker, als Wissenschaftler, sein Lebensabend unb Tod werden in besonderen Kapiteln geschildert. Eine Auswahl der besten Gedichte UhlandS beschließt das Buch.

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* Konkurse in Hessen, lieber das Vermögen des Kaunnanns Wilhelm Sieberling in Darmstadt wurde am 25. September das Konkursverfahren eröffnet, da ber Ge- meinitbulbncr seine Zahlungen eingestellt und Eröffnung des Kvn- kursveriabrens beantragt hat. Rechtsanwalt Dr. Gcßncr in Tarrn» Habt wurde zum Konkursverwalter ernannt. Konkurswrderungen find bis zum 15. Oktober bei dem Amtsgericht Darmstadt 1 qnuimelbcn. lieber das Vermögen ber Karl Leonhard -- rb as cr Witwe, Eva geb. Nees in Brensbach und über ben achlaß des am 27. Juli 1912 zu Brensbach verstorbenen