Ausgabe 
5.7.1912 Erstes Blatt
 
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'ttrolaus UNIS von OCT jtai|i:iui' , ? ; loni^ni tnn i^ibVLityiiitv y/u!i. --

non dem Kaiser saften- die Großfürstin Olga, Prinz Adal- den Deutschen und Rußen besteht fein Jbgrunb bet: Swwml b«t Ü7t. K GroMrstin Mari!/ links vrn bem Kaiser seindl-h-st. In di-s°m J°»rc, dem 150. mt dem Fr-ck-nÄchlu^

Nikolaus die Großfürstin Tatiana, Generaloberst v. Messen und die Großfürstin Anastasia. Gegenüber den Majestäten aßen der Hofmeister Baron v. Fr6däricks, rechts von ihm Reichskanzler Dr. v. Bcthmann Hollweg und Ministerpräsi­dent Kokowzow, links der Botschafter Graf von Pourtalös und der Minister des Aeußern Sasonow.

Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen­schaft. Dem Direktor der Veterinarabteilung am Kaiserlichen Gesundheitsamt in Berlin, Geheimen RegierungsrntProfesior Tr. med. Robert Ottertag, ist.vom König von Württemberg das Ehrenkrcuz der Württembergischen Krone verliehen worden,, womit der persönliche Zldel verbunden ist«

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Botschafter. Auch die vier Töchter des Kaiser» von Rußland nahmen an dem Frühstück teil

Um 8 Uhr fand an Bord desStandard" Parade- >tafcl statt, wobei Kaiser Wilhelm rechts und Kaffer Nikolaus links von der Kaiserin Alexandra saßen. Rechts

"Entsendung eines römischen^Legionstribunen BalernZ^Kufus auN Beyrut zuni Gegenstand. Der Tribun wurde int 116

v Chr. nach Cypern geschickt, um hier bei der Unterdruö^ig eines Aufruhrs von Juden tätig zu sein, von dem nnr schon, durch Funde in der Cyrenaika und m Aegypten unterrichtet/ warem

Der italienW-türlische Krieg.

Nach zuverlässigen Nachrichten bereiten die Italiener weitere Landungen längs der Küste von Tripolis vor, um neue Plätze zu besetzen. Es handelt stch dabei aber nur um die Provinz Tripolis, nicht um Lenghasi.

Saloniki, 4. Juli. General Zikki Pascha teilte der Garnison und der Kriegsschule von Monastit die amtliche Bei­fügung des Kriegsministers mit, die den Angehörigen der Ar Mi , bei strenger Strafe verbietet, sich mit Politik zn bc fassen Das Offifferkorps von MoNasttr erklärte, es um.-, rocrrc sich der Verfügung. Nach in türkischen Kreisen umlaufenden Gerüchten sind etwa 20 Offiziere der Garnison MvnaU i > aus dem Armeenerbamd ans'« et rechen.

Presieflimmtn.

Berlin,4 Juli. DieNordd. Nttg. Ztg." veröffentlicht den Artikel der offiziösenRossija" anläßlich der Kaiserzusammen- kunst in Baltisch Port und sagt: Wir schließen uns den Aus- führimgen derRossija" gern an. Auch wir sind- überzeug, duft die Zusammenkunft des Kaisers und des Zaren m Balwch-Pott und die politische Aussprache zwischen den befreundeten Herrschern und den Mniftern für die Erhaltung von Frieden und guten Einvernehmen unter den europöisdien Mächten günstig wirken wird.

Petersburg, 4. Juli. DieNewoj eWrem ja' schreibt in dem Leitartikel ihres .Abendblattes: Kaiser Wilhelm ist kein seltener Qkift Rußlands. Jeder Besuch des deutschen Kaisers, der eine natürliche Shmpatyie der russischen Gesell,chaft hervor- ruft, welche nicht umhin kann, den kaiserlichen Freund des rnM- schen Kaisers herzlich zu willkommnen, bildet em bedeutendes politisches Ereignis, lieber Deutschlands Politik kann verschißene tNeinung herrschen, aber es ist zweifellos, daß Kaiser Wühelm für die Erhaltung des internationalen Friedens ungemein viel getan hat. Dazu trugen die persönlichen Beziehungen und Be- gegnungen mit dem Kaiser von Rußland bei .. Den Traditionen und dem Charakter seiner Neigungen nach ist Kaiser Wilhelm ein echter Soldat und Ritter. In einigen Fallen lag es ihm ob, sich selbst zu bekämpfen. TaS geschah in ,einen Jugenchahren imd die Geschichte wird die Siege verzeichnen, die der.Harscher Deutschlands in dieser Beziehung davongetragen hctt Weitblickende Staatsvernunft gewann standhaft die Uckerhand über seinen feu­rigen Geist. Rußland bewillkommnet den teuren Gast, der den

Frieden mit sich bringt. . ' .

Die deutschePetersburger Zeitung" ersteht m der Zusammenkunft einen Beweis, daß in den beiden großen Karfer- reidxn .an maßgebender Stelle die Absicht vorliegt, feierlich der gaiizcn Welt darzutun, daß Deutschland und Rußland weiterhin imaitrocgt als Friedensmacht dastehen wollen. Für das wahre Rußlcnid, das nur arbeiten und sich niedlich entwickeln will, uno daher jede eitle Abenteuersucht, jedes Spielen mit leeren wnenden Worten verabscheut, ist der deutsche Kaiser, dessen.Besuch eine Sistierung des Friedens bedeutet, nicht.nnr ein hochwillkommene, sonder em he ß I : r.9

ungcn besser sein. ,

Moskau,! Juli. Die konservative ZeitungMoskows- Wjedomestri" ist der Ansicht, daß die Entrevue nicht den deutsch-russischen Beziehungen gelte, die freundsstiatlicher Natur seien, sondern Fragen der allgemeinen Politik gewidmet sei. Ser italienissti-türkisstv Krieg könne den Gegenstand der Bewrestmngen bilden Eine Neugruptsternng der Mächte sei jedoch sowohl un- wabrsstieinlich, als auch für Rußland gefährlich.Ntroressii (sortschrittlichl meint, bei der Liquidation des italienisch turkisstren Krieges wolle Oesterreich-Ungarn jetzt die Frage der Komben- saitonen au''s Tapet bringen. Es frage, sich ob Deutschland nnc 1908 dem Bundesgenossen helfen werde die Kastamen aus dem Feuer zn holen. Die öffentliche Meinung Rußlands wolle eine Antwort auf diese Frage während der Entrevue erhalten. Die Entrevue habe daher eine sehr ernste <3cbaihing.

Da« stxmvinistisch BlattGlobe" meint zur Kasterbegeg- nung- Bermutlick) würden die Staatsnränncr beider Länder ilber ihr Vorgehen im Falle eines allgemeinen Zusammenbruchs der türkischen Regierung beraten. Ein weiterer in Betrastst Tom»; mertber Punkt sei sistier das neue russische ,vlottenprogrnnnn. ^n, einem Jahre iverde die deutsche Wmiralität jedenfalls die Mr^erni - sierung des Ostseegeschvaders verlangen. In Rußland furchte man ferner, daß Kaiser Wilhelm wieder eine etwas rauhe Be­handlung der Duma anraten werde.

Neue Urkunden aus Delos. Bei den neuesten französischen Ausgrabungen auf Delos sind eine Reche von Jn- idrrinen entdeckt worden, die sowohl in geschichtlicher wie ui archäologischer Hinsicht reiche Aufschlüsse gewahren, -so benndet sich unter diesen Dokumenten der Text eines vertrage», der im brittm Sa6r6unbert °. Chr. zwisch-n D-lph. und P-tt<ma rn Achaia geschlossen wurde und von einer gegenseitigen ^Unter nütiung der beiden Staaten in der Rcchtiprechung handelt. Ein anderer lateinischer Text, den H^ron be ber %miet

Akademie der Inschriften und Schonen Künste oorlegte, hatte

Baltisch-Port, 4. Juli. Reichskanzler Dr. von Bcthmann Hollweg begab sich gegen 3 Uhr mit dem Wirklichen Legationsrat Grafen v. Birbach--Harff und seinem Adjutanten Sell zumPolarstern", wo er einen Besuch bei dem Ministerpräsidenten Kokowzow und bei dem Minister des Aeußern Sasonow machte. Der Aufenthalt auf demPolarstern" dauerte 1*/ Stunden. Um 4 Uhr 30 Minuten holte Kaiser Nikolaus den deutschen Kaiser von Bord derHohenzvllern" ab zu einer Besichtigung des LinienschiffesImperator Pawel L", wo der Kaiser mit Salut empfangen wurde. In Begleitung des Kaisers befand ich auch Prinz Adalbert. . e . _ , ,

Baltisch-Port, 4. Juli. Kaiser Nikolaus hat dem Reichskanzler Dr. v. B c t h m a n n H o l l w e g und dem Oberhof- und Hausmarschall Grafen von Eulenburg seine Büste, Generaloberst v. Plessen den Sankt-Andreas- Orden, dem Botschafter Grafen von Pourtalös die Bril- tauten zum Alexander-Newski-Orden, dem Chef des Militar- kabinetts Frhrn. v. Lhncker und dem Chef des Marine- kabinetts Admiral v. Müller und dem Militärbevollmach- tiqten bei der Botschaft in St. Petersburg Burggrafen und Grafen zu D o h n a - S ch l o b i t t e n sein Porträt mit Unter­schrift, dem Chef des Zivilkabinetts v. Balentini den Weißen Adlerorden und dem Militärattache bei der Bot­schaft in St. Petersburg Ottmar v. E g g eli n g den Sankt- Annen-Orden 3. Klasse verliehen. Wirkt. Legationsrat Graf v. M i r b a ch - H a r f f, Gtoi. Hofrat Abb und Geh. Registra­tor Knaufs erhielten Geschenke.

Wie v i e le R eg enbo g en farbe n gi bt es? Sicken!, Rot, Orange, Gelb, Grün, Mau, Indigo, Bwlett das, lernt man in der Schule. Diese Ansicht ist redoch falsch, hne; Professor Fitzburgh-Talman nach emem Berichte der , Revue" bewiesen hat. Die Färbest des Regenboger^ wechseln nämlich nach der Ausdehnung des Regenbogens, und diese fringt. mit der Größe der Regentropfen zusammen: große Tropfen rufen einen schmalen Regenbogen mit scharf voneinander g^^mUQi Fm- ben hervor, während kleine Tropfen breite Regenbogen nut Der- schwimmenden Farben erzeuaen. Sind die Regentropfen rmrch- schnittlich 1 mm dick, so steht man im RegenbogM Tiesrot Maßrot, Orange, Gelb, Grün, Grün-Blau, Blaß-Blau und Violett: bei Tropfen von 3 Zehntel mm Tebft bas>

Rot, und man sieht nur Orange, Gelb, .Gräm Grun-Mau, Blaß- Mau und Violett, während bei gam. kleinen Tropfen von /io.mm Rot und Orange fehlen und der Rcgmbogen mit «NM Gelb beginnt. Die übrigen tfarben haben zunächst ^i^ list)e Nckenfäckung: Weißgelch Weißgrün, Weifchlau: das Violett ist jedoch reiner, und den Abschlag - bildet em blasses Violetts Sind die Tropfen noch Keiner, etnra 1 Zwanzigstel E Durch- messer, so muß man eigentlich )dwn ,w>m Nebel fprechen. xax Regenbogen unter solchen atmosphänsthen Bedingung^ gaxtfr fahle Facken. Er beginnt mit einem sehr blaffen Gelb, dann kommt ein Weiß mit einem Stich ms Gelbliche, hierauf sehr lebhaftes Weiß und zum Schlüsse ein ins. Violette spielendes Weiß.

Die Anstrengungen Rußlands, seine baltische Potte wieder auszubauen und ihr neben Libau und Kronstadt noch einen weiteren befestigten Kriegshafen zu sichern, h°ben natürlich den Blick von neuem auf Baltisch-Port gelenkt. Aber die Aussichten zur Ver­wirklichung dieses Planes smd vorläufig nicht so^erlist gunstig, denn bekanntlich sind die zum ?stisbau eines Kriegshafens m Baltisch-Port und Reval erforderlichen Millionen von der Duma gestristfen worden. Reval mar als ^wnPtkriegGafen Baltisch-Port hingegen als Vorhafen, wozu es sich seiner ganzen Lage nach vorzüglich eignet Möglich, twß dre ruststche K^e- rung ihre .Absicht doch noch durch,etzt In diesem Fall nnrrbe

das kleine Städtchen einer großen Zukunft entgegengehen. Bich die Kaiserzusammenkunft rückt es mit emem Male in denMittel punkt des allgemeinen Interesses, obwohl feine Reize und leist ganzer Habitus nur sehr mäßiger Natur smd. Nur der Blick auf die Bucht und die Inseln vermag zu erheben, wie denn das Meer, dort, am Finnischen Meerbusen, seine e'genen Lochonheiten bat. Uebrigeus muß hervorgehoben.werden, daß die nnm|d)en Schären noch ziemlich weit von Baltifch-Port entrernt ,md. Zu ihnen locrixm nur jene nördlich an der Kstfte von Ännland ge- lcaenen Inseln und Jnselck^n, viele Hundert an der Zahl, und die fast ebenso zahlreichen Alands-Inseln gercchn-t, die den Ein­gang zum Bottnischen Meerbmen markieren .Manche die,er Snidn bilden .m Sommer die ,ZuUllchl ^lreicher erhblungs- bedürftiger Petersburger, zumal ein erträglicher Badeittand, Kur­häuser und Datschen nicht fehlen. Natürlich vermögen dm nester gegen das an der ,üblichsten Landzunge des fmnlandilchen svestlandes liegende Hangö nicht auszukommen, denn hier )tnb brat Luxus und den venvöhntesten Ansprüchen schon recht weit- geheiide Zugeständnisse gemacht.

Aus Reffen.

Zur Annahme der Besoldungsvorlage.

Aus parlamenbarrschewKr'eäsest wirb tuins yeschrirben.

Nachdem in der heutigen Schung die Abgeordneten, Brauer und Genossen für d-eniAntrag des Bauernbunds,, die lAbgevrdneten'G r üm e w-a Genossen für den An trag des Finanzausschusses und sür-den des' Bauernbunds - namentli'che Abstimmung beantragt hatten, fam- zuerst über den -bündlerischen' Antrag.die .Abstimmung statt , -Dieselbe ergab 26-Stimmen für,-25 gegen^ben Antrag , Da entstand-ein« eüvlls^ komisches JntermeM?: der Abgwrd- nete Schönberger eilte, von Nationalliberalen und schrittlern gedrängt, zum Präsidenten Und gab dre,Erklä­rung -ab, er habe nicht mit Ja, sondern Mit Nein abstrmni< n . sollen und habe sichverredet". Der Präsident, der das, Craebnis noch nicht endgültig festgestellt hatte, erkstrrte num mehr, daß der Antrag des Bauernbundes ab- gelehnt sei. Darob große Bewegung unter den Bund, fern, die Protest einlegen wollen. Sodann gelangte her Kompromiftantrag zur Abstimmung, der angenommen wurde. Es dürfte keinem Zweifel urtterlregen, daß die, Richtigstellung des Abgeordneten Schönberger rechtlich zu» lässig und das Bethalten des Präsidenten forrett war

Die Entscheidung über die BesoldungSttorlage liegt m- mehr bei der Regierung und bei der 1. Kamme r. letztere wird sicher eine ganze Reihe Von -Aenderungen be-- sckstießen. Ihr Ausschuß, der sich gestern nut der «orlage. besänftigte, will dem Bernehmerrnach beantraget, 90 Proz. der Forderungen zu bewilligen. Für die Volksschullech, r sollen statt der von der 2. Kammer bewilligten 15 Proz. nur 13 Proz. Erhöhung beanttagt werden. -

scheu Mattosen. . , ,

Nachdem dieHohenzollcrn" verankert war, mhr der kKaiser von Rußland auf einer Dampfpinaffe zur Begrüßung dos Kaisers. In dem Gefolge des Kagers von Rußland befanden sub der Hofminister Und der Flaggen- kapitän und die zum Ehrciidienst des deutschen Kaisers Kommandierten: Generaladjutant Baron v. Matfendor,f, ttonlreadmiral ä la suite Ottas v. Heyden, Flugeladfutant vom Dienst Assenjew sowie der dem Prinzen Adalbert zu- neteilte Flügeladjntant Wolkow. DieHoyenzollern chftt iHie russische >.ttserstandarte, die deutschen Schiffe salutier­ten, die russischen antworteten. .

Kaiser Wilhelm, in russischer Marmeuttiform, cmp- fing Kaiser Nikolaus, der deutsche Marineuniform trug, tim Fallreep. Die Monarchen begrüßten sich herzlich lmit Kuß Und Handschlag und schritten die Front der Elfren- mache ab. Der Kaiser non Rußland begrüßte d^i. Prinzen Adalbert und den RcickManzler. Der deutsche Kaiser und der Kaiser von Rußland verweilten im GesprM an Deck bis 11 uhr. Auf derHvl>enzollern" waren Gras Pvurtales mit -dem deutschen Milrtärattach« erschienen.

Naäidem Kaiser Nikolaus dieHohenzollern" verlassen batte, begab sich Kaiser Wilhelm mit bem Prinzen '.Idalbert, dem Reichskanzler und dem Gefolge auf den 'Staiidart" zum Besuch der russischen Kaiserin, der er, ebeüso wie den Prinzessinnen einen Blumenstrauß

spott, 4. Juli. Bcl dem Frühstück zu 50 Gedecken an Bord desStandard" saft Mi ^er Mitte der Tafel die Kaiserin von Rußland, rechts der deutsche Kcnstr, links Prinz Adalbert, gegenüber der Kaiserin^sag der Kaiser von Rußland, rechts der Roichskanzle^ link» der dcuitsche.

Die heutige Nummer umfaht 12 Seiten.

Vie ttaiserzusammenknnft in valtisch-port.

Die zu erwarten stand, weckt die henttge Begegnung deS Kaisers mit dem Zaren ein überaus lebhaftes Echo, in 'dem sich die polittsche Bedeutung dieser Zusammenllinft 'spiegelt. Tie Auftiahme des Ereignisses ist natürlich ui »der Presse der einzelnen Länder recht verschieden. Im all- gemeinen wird die friedliche Bedeutung betont, selbst die ' Nowojc Wrernja" vergißt ihre üblichen deutschfeindlichen ^'Ausfälle. Auch in Frantteich stat man sich verstänüigerweise -mit dein Gang der Dinge abgefunden und legt sich eine ge- .wisse Zurücklialtung auf. ,

lieber die Zusammenkunft in Baltisch-Port liegen folgende Nachri cht-en vor:

Baltisch-Port, 4. Juli. Seit dem frühen Morgen hißten die russischen Schiffe am Großmast die deutsche Flagge. Die JachtenStandart" undPoljarnaja <-wses- da" liegen nebeneinander, dazwischen ist der Platz für die Holunzollem". Etwa um i/210 Uhr zeigten bei sonnigem Wetter und sttller See Rauchwolken das Herannalien der deutscheii Scknfse, von einer russischen Torpedobootsdivision qeleitet Auf dem Meer fuhren dem Kaiser der deutsche Botschafter Graf Pourtales mit den Militär- und Manne- attachSs auf der Jacht des MarincministersNewa" ent­gegen. Als sich die deutschen Schiffe näherten, gab die 3ad)t Standart" das Signal zu dem Salut von 33 Schüssen. Polfarnaja Swjesda"Andrei Pettveswantz" und , Im­perator Pawel Pjettvp" bonnci-tcn über die Bucht.Moltke antwortete. Bei der Borbeifahrt derHohenzollern ertönte ein weitschallendes Hurra der deutschen und rufst-

Nr. 156 Erstes Blatt 162. Jahrgang Freitag. iJifiW

Der «lehriitr Anzeiger W d monatlick^öPst wertel-

erscheint täglich, auner ÄXjW A Fg A x A yA Jk A jährlich i>lf. ?.2O; bureb

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.Fernsprech-Anschlüsse: V\JF BF politischen Teil: August

»MM ' General-Anzeiger siir Gberheslen anna^mefl oon Anzeigen Hotationsömd und Verlag der Brühl'schen Univ.-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange. Redattion, Erpedition und Druckerei: Zchulstrafte 7. Land": E.Heß; für den btt Sotmm^Tu'K vüdmgen: 5-rnipr-ch-r Nr. 2b9 Seschäst-ftclle vahnh°,ftrahe 16a. H. Beck.

zwis nd und Preußen haben wir mit den Deutschen

nichts Ml teilen, sondern sind wittsckmftlich eng verbunden. Aber trotz dieser Vorbedingungen könnten die gutnachbarlichen Bezieh-

YMch-port.

Kaiser Wilhelm Und Zar Nikolaus haben sich auf ber Hohe «Von Baltisch-Pott getroffen und sind an Land gegangen^ -<^utisch- .Pott liegt in Estland im Eingänge des <yinmlchcn Mcerbui«ms. ^Es ist ein kleines Nest von kaum zwölfhundert stP

'mit Reval und weiterhin mit Narva und St. Vetershurg durch eine Bahn verbunden ist. Sein Ruhm ist begründet,durch einen vor-uglidn'n Seehasen für Handelsschiffe, der eine tiefe Znfahrts- sttaße besitzt und im Winter fast immer eisf^i bleibt, Rogerviek"> so heißt die Bucht, sind bie >>n:eln Klem- und Grvß- Rogoe vorgelagett, die sich früher im Besitze der Klöster Mna- münde und Padis befanden.

Unter Peter dem Großen war Baltisch-Pott bestimmt, der um­fangreichste mtb beste Seehafen der russischen Flotte zu werden. Von hier aus sollte die Flotte nicht nur den Mnuischen, wndern auch den Rigaischen Meerbusen beherrschen. Nach mehnahrigem ^Untersuchen der Küste und des Fahrwassers, an dem Peter der Große zeitweise persönlich teilnahm, wurde im Jahre 1715 unter dem Oberst Luberace mit dem Ban begonnen. Straftinge und Soldattn wurden in Menge zu den Arbeiten herangezogen und am Sttande angesiedelt. Trotzdem schritt das kowgal geplante Werk nur langsam vorwätts. Ja, das ^ntereffe des Doses 'wandte sich sogar von ihm ab, als Peter int Jahre 1725 gestorben war Später zwang der Mangel an Geld zur Einstellung der Arbeiten, obwohl Kaiserin Elisabeth geneigt war, i>a? Unter­nehmen ihres großen Vaters weiterzufuhren. Immerhin wurde >'1760 durch den General Solling der noch letzt. bemitzte. Hasen jfür Handelsschiffe angelegt, Katharina II. nahm den Plan Peter^ Des Großen wieder aus: fie uberttug die,rwrtietzung des Banev dem Grasen Münnich, der sich erboten hatte, den Kttiig^hafeU mit füuszigtausend Atann" innerhalb 20 Jahre sertigzustellen. Aber^auch jetzt machte sich^kein schnelleres Temw bemerkbar ^Rach einer Besichtigung befahl die Kaiserin, unzufrlcken mit dem ' Gesehenen, die Arbeiten einzuslellen, obwohl angeblich schon. mehr als mn Kilometer Steindamm lerttg war und die Aw^nbeit über lieben Millionen Rubel betragen^batten Lange Zeit war Baltisch-Port ziemlich stark besesttgt. So wurden noch im ^abre 1808 zu beiden Seiten des Hasens Batterien angelegt um den englischen Kriegsschiffen, deren Angrlfs besurchtet wurde, cm Paroli 511 bieten. Baltisch Port wurde dama^ auch mit.emem Bom­bardement bedacht, das. ickoch wenig schaden anrichl-ete,