Die heutige Nummer umsahl 14 Seiten.
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bie Künstler, rodete an dem Waäislum ter geringen Werte unserer > Nation arbeiten und ihre ganze Lebensaufgabe im gemcinnü&igqt Schassen suchen, eben nicht diejenigen sind, die mir Glücksgütern | allzu reichlich gesegnet sind.
Tas Erholungsheim des Kaisersnstcs wird so ein Sarnrncl- punkt anregender uni) belebender Geister werden, unter deren Zusammenwirken sich hier bald eine Atmosphäre seiner, üuserleiener Art bilden wird, aus der jeder, der hineintrilt, eine Fülle von Anregungen und freundlichen Beziehungen mit l-eimtragen wird, die ihn dann dazu befähigt, mit neuer, ger,tiger Frnche und Froh- liäjkeit wieder daheim ans Werk zu gehen.
Erwähnt soll noch werden, daß das ganze Kaiserstift für den Fall eines Feldzuges sofort in ein großes, zentrales Kriegslazarett verwandelt werden kann, in dem die oolltommenuen Hilisrnittcl moderner Chirurgie und Hcilkimst bereit stehen werden, um auch sehr großen Massen von Verwundeten schnellste »Ute und sorgfältigste Pflege angedeihen lassen zu können.
Tiefer Plan hat in allen deutschen Gauen bereits begeisterte Zustimmung gefunden und es sind Ausschüsse zur Verwirklichung in den verschiedenste,! Städten und Bunoesilaaten zur Forderung der Sache bereits zusammengetreicn, teils in bet dlwung be- armen. ' Tem Ehrenausschuß gehören u. a. auch die heisischen Minister Exzellenz von »ombergk zu Bach und Exzellenz u,r. xr. ing Braun an. Auch Ernst von Possart hat sich begeiuerl der Bewegung für das Teutschc Haiicri'rift angeschloxen und logar icuic Bereitschaft erklärt, zu dessen Gunsten ein Gammel zu veranstalten,
Tie Stadt Gelnhausen Hal als die erste dem Lln:c einen nattluten Baugrund in landschaftlich gebietender Lage geschenkt, non wo aus ter projektierte mächtige Bau hoffentlich bald hinaus- ragen wird in die deutschen Lande.
ES ist cm wundervoller Punkt, der da gewählt ist: Bon ter Derghalte, an die die alte, romantische Llaufemladt malerisch sich anlehnt, schaut man hinüber ins Bayerland, in die Berge des Spessart hinein, hinüber zum Stenwald, zu den Höhen des Taunus, bis hinein ui die Lande des Rheins und wie geschahen m das lachende Fleckchen historischer Erde zur Aufnahme eines ragenden, nationalen Erinnerungszeichens an 2d Fahre gesegneter ^riedens- arbeit! e
— Tie neuen königlichen Hoftheater in Stuttgart, deren feierliche Weihe am 14. und 15._ September statt- üntet, behandelt eine soeben im Verlag des Stuttgarter Neuen Tageblattes erschienene Festschrift, die mit erlqencm 0c chmack
politische Wochenschau.
Gießen, 7. Sept.
Pfarrer Traub, der aus seinem Amt Ausgestoßene, sfi ein Mann herber, scharfer Gedanken. Wir erinnern uns mancher seiner klaren Aussätze in seiner „Evangelisckfcn Irteifycit", und manckfe gehaltvolle Definition und logische Mankenverknndnng hat uns zur Bewunderung hingczogen. (rr ist kein unklarer Schwärmer, der seine vorgesetzte Behörde mit unreifem Widerspruch und verschwommenen
Auch dieser Erguß charakterisiert die „Kreuzzeitung". Sie meint, die großen Schlachten des Geisteslebens würden mit den Ueberschriften geschlagen! Sie könnte ihrem Pbari- säer-Artikel über das Urteil gegen Traub die leuchtendste Ueberschrift geben, welche sie tvollte, und dock, würde der gebildete Mann, der immer Duldsamkeit und Achtung vor der Persönlichkeit im Busen trägt, von ihr abrücken. Das Schauspiel des Asckn'ndäuschenS, aus dem die kümmerlichen Flammen herausgeblasen werden, schafft keine Sympathie Es war gemeldet worden, daß die Entscheidung des ibcr- kirchenrateS bereits Anfang Juli. gefallen, aber erst acht Wochen später dem Verurteilten zugestellt worden sei, am Tage der Beisetzung seines verstorbenen Vaters. Das sollte die Kreuzzeitung im Zusammenhang mit ihren Untersuchungen über Liberalismus und Konservatismus einmal überdenken. Und Jid, fragen, wie eS im Volke wirken müsse, wenn ein in seiner Gemeinde beliebter Geistlicher mit seiner Familie Knall und Fall auf die strafte gestoßen und dazu nod) aufgefordert wird, einen Teil des ausgezahlten Gel-altes zurückzuerstatten.
Beim Besuche des Kaisers in der Schweiz frit eS keine besonderen Zwischenfälle gegeben. Auch die gestern in Bern gewechselten Trinksprüche haben leine Ueberraschung hervorgerufen. Bundespräsident Dr. Forrer hat festgeftellt, daß von den schiveizerischen Beziehungen zu den Nachbarstaaten die zu DeMfchland die umfangreichsten sind. Es war eine vollkommen neutrale Rede, die ihre politische Zuspitzung darin hatte, daß der Präsident betonte, die Schweiz werde ihre Unabhängigkeit und Mutralität gegenüber jedem, der sie nicht respektiere, zu wahren wissen. Me Antwort des Kaisers war um einen Ton herzlick-er. Ec gab den umfangreichen Beziehungen noch _ nähere Charakterisierung und betonte namentlich, ein großer Teil der Schweiz halte am deutschen Geistes- und Gemütsleben fest. Er nannte die Namen der Dichter und Känstler, die eine gemeinsame deutsch-schweizerische Geistes kulturge- schassen hätten. Im ganzen hat der Kaiser den rechten Ton bei seiner Erwiderung getroffen und bei aller Herzlichkeit jede Ueberschwänglichkeit vermieden. So wird er als Repräsentant unseres großen Reiches bei den Schweizern am befreit gewirkt haben. Von der Unterredung mit dem französischen Manövergast, General Pau, die der BundeSpräsi» deut Forrer durch sein .Aufstehen von der Frühstückstafel m Wil ermöglichte, versprechen wir uns freilich keine besonderen Folgen. Das war das alte Spiel mit der franzosisck-en Eigenliebe, und der kaiserliche Gruß an tegt Präsidenten Falliöres wird wohl unerwidert bleiben.
eigenes Stück von CKschichtsaufsassung in Traubs Folgerung, daß man sich eben nur vor der äußeren erfolgreichen Tatjache beuge, und doch fei es nicht einmal gewiß, ob nicht ie Kleinen im selben Maß die Geschichte machten wie die Großeit. Der ethische Gehalt der Predigt ist also auch hier wieder, die Persönlichkeit des einzelnen Zuhörers zu erheben, sie mit Selbstvertrauen und Achtung vor dem Räch-
zu beseelen. In einer anderen, sehr interessanten und prallvollen Predigt berührt es Traub, wie fremb uns heute die Wcbanfen seien über die Vermittelung des Heils durch den Blutpreis Christi. Und er erinnert, wie in der Zeit, als die Sklaven losgekauft werden konnten in der Ideenwelt von solchem Mensäfenprets auch das Bild von dem Blutpreis Christi wie eine Lffenbarung wirken mußte. Unb Traubs kritischer Gedankengang ist hier durchaus nicht agitatorisch, denn er greift die orthodoxe Lehre nicht an, sondern bemüht sich nur, darzulegen, wie Jesus in Wahrheit die Menschen erlöste: „in voller Güte, wie er unmittelbar des Menschen Kraft stählt und den Menschen an seinem eigenen Können
vom Deutschen ttaiserstist zu Gelnhausen.
Zum 25jährigen Regierungs-Jubiläum des Kaisers sind Gelenke und Tarbietungen in ter verschiedensten Form geplant 1 l0t£cr Kaiser hat jedoch den Wunsch geäußert, von persönlichen beschenken abzuschen und die hierfür in Ausftckst genommenen «iXitel wohltätigen, gemeinnützigen ober patriotischen Zwecken *5 ^urd) diesen ausdrücklichen Wunsch des Kaisers tritt nun bie ftee des geplanten Deutschen Kaiserstists zu Gelnhausen in den lortergrunb des Interesses. _ .
Von dem großzügigen Plan, der bieicr ehrtung zu Grünte legt, haben wir bereits früher eine kurze Nachricht gebracht.
Tie Stiftung ist als eine große, nationale Kundgebung gc- iicht, als ein Ehrciidenkmal für Kaiser und Reich.
Aber eS ist nicht ein tot cd Denkmal von «Stein, das hier gc- Kaffen werden soll, sondern ein großes, nationales Wohlfahrts- iftitut, gewissermaßen eine Zentralstelle zum schütze, zur oor- irmg und zur Pflege aller edlen, humanen, gemeinnützigen ad patriotischen Interessen des gesamten teutickien Vaterlandes,- igleich ein Heim edler deutscher Kumt. Es in eine Art National- • iligtum, an das hier gedackü ist, ein Tempel, denen Sailen jr:an einen Sammelpunkt bilden sollen für alle teqemgen, welch.
' ntn Smn und ihre Arbeit in den Dienst ter ideellen und matt iIndien Hebung und Erhöhung unseres Volkstums und seiner Kultur gestellt haben. . , .
Tas ist der allgemeine, führende große Gedanke, der dem Deutschen Kaiserstift zu Grunde liegt.
Zur praktischen Verwirklichung und Verkörperung dictts Gc- kcmkens ist ein monumentaler Bau im romaniitten <5tue geclant, testen wuchtiger Mittelbau durch einen großen iyeuiaal eingc- iiommen wird, während die Flügelbauten zur er holungsheirncs für die gelingen Arbeiter der Nation temmmt fnd>, in dem also Künstler und -mrtt.meller, Lehrer und Ge- .:l>rte, Ingenieure, Architeften und Kaufleute, Richter, Gei'tllche, Ct "liiere und Beamte aller Art und was es sonn tiock) an geotlbeten oinnben gibt, gegen mäßiges Entgelt an den beilframgai t-uellcn .'.u alten Barbarosfastadt Gelntzauien wohnen und eine Erholungskur genießen können. , __ , . .
Auch für diese Greife einmal mit yurjorge zu treuen und äiten roirtidaftlicbe Erleichterungen für eine Erholungskur von teuerer, geistiger Arbeit zu verichaffcn, ist tatiaduid) eine lehr siakenswerte Aufgabe, denn cs in ja nicht unbekannt, bau in ter lsegel die geistigen Arbeiter, die .Beamten, die Gelehrten und
Tie Begründung des Urteils gegen Traub.
In den Enischeidungsgründen, die den Evangelischen Lberkirchenrat zur Verhängung der Strafe der Dienstentlassung ohne Pension gegen Traub veranlaßt haben, l)eißt es zum Schluß, daß das Breslauer Konsistorium eine Reche von Umständen zugunsten des Angeschuldigten berücksichtigt habe. So habe das Konsistorium den Angaben des Angeschuldigten geglaubt, daß es ihm bei seiner publizistischen Tätigkeit überall nur um die Sack-e, um die Herbeiführung besserer Zustände in der Landeskirche zu tun gewesen sei, daß es niemals in seiner .Absicht gelegen habe, die Landeskirche, chre Einrichtungen oder Behörden oder einzelne Personen herabzuwürdigen oder zu verletzen. Es heißt dann weiter:
Indern ferner bie wieberholte »erteibigung bet Kirche gegenüber Sozialdemokraten und Monisten und bie Inhibierung des Neudrucks der Broschüre „Staatschriitentum ober Volksküche" bw
und größt« Sorgfalt Dorbcreitet ist. Sie wurde unter Förderung des Generalintendanten Baron zu Putlitz von Paul Witt ko und Direktor Karl Esser herausgegeben und von Prof. I. B. Eissarz ausgestattet. Aus dem reidjen, von schmucken Zierleisten umrahmten Inhalt heben wir hervor: eine programmatische ^Handlung des Barons Putlitz „Zur neuen Arbeit", einen Aulsatz tes Hofrats Professor Dr. (9entmann über die innigen Beziehungen dcS württembergischen Königspaares zu seinem Hoftheater, eine eingehende Schilderung ter beiden neuen Däuser von Paul Wittko, eine kurzgesaßte Geschichte der Entwicklung des Stuttgarter Hof- lhcaters von Geh. Archwrat Dr. Rudolf Straub, ein kleiner Aussatz des bekannten Stuttgarter Literaturhiltorikers Proiestor xr. Crto Siarnad über „Schiller auf der Stuttgarter Hofbuhne", tec mannigfadxn Stuttgarter Theatererinnerungen, die in längeren Plaudereien Richard Voß, Paul Lindau und August Iunkermann wachrufen. Ernst von Postätt steuert einen Aufsatz über bie Zweiteilung bes Theaters bei. Der Hofbibliothekar Professor von Ztockmayer gibt nut seinen „Ersak)rungen aus ter vottheater- lanjlci" recht lehrreiche Aufschlüsse über bie unzähligen Einläufe und die umiangrcid)e Arbeit in ter dramaturgischen Abteilung cxnes großen Theaters. Emmy Remolt, die öeroine tes Stuttgarter Dofscham'piels, ipncht aus ter Tiefe ihres kümtlerischen Empfindens von dem „Werden und Entstehen einer Bühnengestalt". Unter den Mitarbeitern befinden fich fönst nod) Generalmuftk- dxrektor Professor Dr. Max Schillings und andere Mitglieder des Stuttgarter Doftheaters. Ganz besondere Aufmerksamkeit ver- bicncn die Antworten auf eine Rundftage über die Beziehungen bet hervorragendsten Persönlichkeiten des Theaterlebens zu ter Stuttgarter Dofbühne. Hier finden wir Aeußerungen von Julius Bab, Hermann Bahr, Walter Braunfels, Suzanne ^esprös, Konrad Dreher, Frederie van Leden, Cttornar Enkmg, Paul Ern|t, Herbert Eulenberg, Alexander Girardi, Ferdinand Gregori, Pvette Euilberi, Karl yagemann, Gtai Hülsen-Häfeler, ^Deinrich LUten- fem, Karl Perron, Rv'ä Poppe, Mar Reinhakbt, Paul schlemher, "!>liltelm v Sctelz, Ernestine schurnann-Veink, E-tat seebach, Dr Ricbard Strauß, Ludwig Thoma, Frank Wedekind u. a. Durch diese Vielseitigkeit ter Beitrage erhebt sich bie Festschrift roeit über das augenblicüiche Tagesinteresse und fie gewinnt, nicht zuletzt auch durch tec ganz hervorragende Ausstattung und durch Truckleistung, einen dauernden Wert. Fcuyleuten und Theater- liebHabern wird durch sie nicht nur eine gute Einführung in den gesamten Apparat einer großen deutschen Bühne gewahrt, sondern sie werden aus ihr auch fruchtbare Anregungen und tieferes Verstehen schöpfen, Ns
und inneren Willen faßt."
Das alles aber ging den Lberkirchenrat in Berlin nichts , an. Was Traub glaubte und lehrte, berührte ihn nicht bei seinem Sckserbengcrichl. Daß er im Eifer für seine Uebcrzeugungssache bart und ausfällig geworden war, indem er Freiheit für sich und Gleichgcsimtte schassen wollte, das wurde geprüft und schuldig befunden. Wir haben heute das Dokument der Begründung des Urteils in seinem entscheidenden Teil vor uns liegen. Man wirft ihm Mangel an Einsicht in die Verwerflichkeit seiner Kampfesmittcl und Unwahrhaftigkcit seiner Polemik vor und hat nicht das Vertrauen zu ihm, „daß er hinfort seine grundsätzliche Stellung zur verfaßten Landeskirche ändern bezw. in einwandfreier Weife seinen Standpunkt zur Geltung bringen werde". Damit wird eigentlich zugegeben, daß sich über seinen Standpunkt reden ließe. Wer nicht im orthodoxen Panzer der „verfaßten Landeskirche" steckt, der vermißt in dem Urteil gegen Traub die christliche Milde und Wcitherzigleit, aber auch politische Weitsichtigkeit. Mus; man denn solchen Seelen, die ihr organisches Gefüge haben und sich nicht wie träge Klumpen kneten lassen, immer den Lcbcnsatem einschränken? Vom widerspenstigen Geiste, der die Welt vergiftet, sollte man die mittelalterlichen Kirchen- autoritäten reden lassen. Tie „Ki:euzzeitung" hat aber geschrieben, daß man für diese Bestrafung Traubs „Gott danken" nrusse. Und am nächsten Tage grübelte das Blatt in einem Leitartikel nach, wie es komme, daß bei der großen Mehrheit der Gebildeten, bei Aerzlen, Recktsanwalten, Technikern, Gelehrten, Beamten usw., der Liberalismus vor dem Konservatismus die Sympathien voraus habe:
Diese crftaunlidie unb beschämende Beobachtung erklärt lim durch den Widerwillen, den die Mehrzahl der wissenschastlich Gebildeten dem Detail i n n c r p o l i 11 s cy e r Frag e n entgegen, bringt. Dieser Widerwille ist gepaatt mit einer geromen Gering- schatzung wirtschaftlicher Tinge. Wenn man als U e b e r sch r i f t liest „Bauhandwerkcrsorberungen" oder „Gefahren des Kohlen- exports", so geht man für gewöhnlich über bie folgenteit Aus- füteungen mit Gleichgültigkeit hinweg — sehr zum idjaten der red)t-'itcl)cnben Parteien. Denn gerate bereu Blatter heben es, jedem Artikel bie Ueberschrift zu geben, die ihm objeftio gebüfort. Tic sozialen unb bürgcrlid)en Demokraten dagegen wählen bic Aufschrift subjektiv, suchen in erster Lime bie Aufmerksamkeit des Lesers zu erregen. Sic überichreiben einen Aufsatz etwa: „Tic brutale Aushungerung tes Mittelstandes" unb schildern in ihrer Weise bie Getrcibczöllc. Selbst wisscnschaftlickM Bilbung schützt nicht vor ber Anziehungskraft so „knalliger" ReName. Halbentrüstet, halb amüsiert liest man werter unb . |d)on — ist man befangen,"
Itt. 2U Erstes Blatt 162. Jahrgang Samstag, 7. September 19(2
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hj). Er will aus dem Vater im Himmel keinen Häusvater siir die eigene Familie zureckft geschnitzt haben, darum prebigt er über die Sperlinge, die man um zwei Pfennige hu ft und die Gott doch ebensowenig vergesse wie jeden kinzelnew Menschen. Alles habe Sinn und Ausgabe in b ei er großen Welt. Ein ander Mal geht Traub beit kaulusivorten im Römerbrief tiefer nach: „Grüßet die kriscilla und den Aquila." Er lobt bas Ehepaar als bie i.rbieiistvollen Schrittmacher des Paulus, bie aber bic shristenheit „ruhig vergessen" habe. Und bann steckt ein
khrasen hätte ärgern können Tas Spruchkollegium ist ihm bnm aud) vorsichtig fern geblieben. Wenn wir aber einen ^tieferen Einblick nehmen motten in bas religiöse Denken unb Empfinben biescs liberalen Geistlichen, so müssen wir seine Predigten hören oder lesen. Eine Heine Sammlung davon ist bei Eugen Salzer in Heilbronn im Druck er- schienen. Als das Ideal einer religiösen Predigt
mit uns lftnreißende Gefühlswärme, der schwungvolle -usdrnck des Selbsterlebten, voll innerlicher Uebcr- zeu»7ungskraft. Pfarrer Traub ist vielleicht nicht ein ßwßer Prediger von Gottes Gnaden. Er bezeichnet sich häufig selbst als Goltsuckfer, und gibt nicht mit vollen Händen die fertigen Glaubensartikel heraus. Da- niü glühen seine kargen Worte desto mehr von sittlichem CTnfte, von innerlicher und ganz persönlicher Wahrheitsliebe. Er ist ein Sucher und Forscher auf dem religiösen Miete, wo er alles äußerliche 9tachbeten und die breite Heerstraße des Abgedroschenen, die keine frischen, grünen Halme mehr treiben kann, haßt. Er fordert auch von seinen vlLubigen Selbständigkeit, unb wenn er in seiner Reinoldi- gemeinde von allen seinen Prebigthörern immer vollstänbig Deüftanbeii wird, so ist das bierfeste Dortmund gewiß ein Herl der Intelligenz. Allein Pfarrer - Traub will nicht mit Worten ein Evangelium machen- Er sagt in seinem Jorrvort zu seinen gesammelten Predigten: „Alle Predigt bat nur Wert, wenn sie uns zum glückseeligen Ahnen ewiger ÄeiSheit erzieht." Und mait braucht den Spruch des Breslauer Kollegiums nicht heranzuholen, man braucht nur den Ton seiner Predigten zu hören, um zu wissen, daß ein lauterer, im besten (Sinne frommer Charakter spricht. Er geht freilich keinen Schwierigkeiten aus dem Wege und Itine Erbauung ist kein Schwelgen in Himmelslust unb «nine. Nach dem Bekanntwerden der Einleitung des liiziplinarverfahrens gegen ihn predigte er über die Worte b v unbekannten Psatnnsten: „Meine Seele wartet au beti Herrn von einer DLorgenwache zur andern." Er spricht k) auch hier roieber aus, baß bie Sehnsucht nach betn iH-tlicheii bas Höchste sei. „Alles, waS wir Menschen von i!M festsetzen, wie wir Menschen ihn eingrenzen, bas ist rjt nur ein Ausfluß ber Selbstl-errlichkeit bes Menschen, der bie Sehnsucht seiner Seele verloren hatte. Er wartet licht mehr wie ber Türmer ans bie Morgenröte." So juchte Traub bie Persönlichkeit seiner Zuhörer zu stärken mb mancl-e seiner geistvollen Gedankengänge wieberholen


