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5.12.1912 Erstes Blatt
 
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Nr. 287

Der Eichener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: vier in al inocbeiitlid EiehenerZamiliendlätter, zwkiinalwöchenil.Areir- blattfürdenUrciiSiehen (Dienstag und Areiitin); zweimal monatl. Land- ViNschaflliche «Zeitfragen gerniprech - Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag u. Exoedwon 51 Adresse für Depeschen:

Anzeiger Gieße«.

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Erstes Blatt

162. Jahrgang

Donnerstag, 5. Dezember (912

General-Anzeiger für Oberhessen

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tl M _ fr® Chefredakteur: A (voetz.

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Die heutige Nummer umfafot 12 Seiten.

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untetjber BanAas- . dkr sladtivaiierkur: 1 die hereinbrechendüi irspüli und das Eid )d Ltrahenbahn. jte. Etwa eine Elurch > man eine Umleitung ehr ist mit dem Au."

rlin. 3nbie.Sau» eukölln am Wasser i> ftattgqunben. Seit hatten, begann unter iuiittem. Mc Ach nichts anderes übrig, urchbrechcn. Ä falle n Gleichgewich, sonst weggerissen und vD- eben. 2er 3mW Hat zur Folge Hula

Giehcner Theaterverein.

Die Walküre von Richard Wagner.

(Gastspiel der Darmstädter Hofoper.)

Gießen, den 4. Dezember 1912.

Ein großer Tag für das Gießener Stadttheater! Ein Werk Don so gewaltiger äußerer und innerer Größe hierher zu ver- vilanzen, selbst wenn es durch so hochstehende Strafte wie die Tarmstädter Gäste geschieht, bedeutet ein gewisses Wagnis. Um io freudiger ist anzuerkennen, daß cs im ganzen so schön und glücklich gelungen ist. Große innere Schwierigkeiten be­reitet vor allem der andauernde Hochflug des Werkes, der alle Mitwirkcndcn zur intensivsten Anspannung ihrer Strafte zwingt: nicht geringer sind die äußeren Schwierigkeiten: großartige Bühnenbilder, dramatische Vorgänge von ungewöhnlicher Kornpli- 'ierthcit und gewaltige Anforderungen an die Besetzung. Neben 2 Sängerinnett 1. Ranges (Sieglinde und Brünnhilde- und einer Dritten Solistin (Fricka' verlangt das Werk nicht weniger als acht sicher geschulte und ftinnnfräftigc Walküren, dazu nach den Wei­dingen Wagners wenigstens ein Orchester von über 100 Spielern ibarunter 64 Streicher, 16 Blechbläser und sogar 6 Harfen!>. 3n diesem Punkte muß sich der Meister natürlich hier wie ander - mürts erhebliche Einschränkungen gefallen lassen: leider Irenen solche schon aus musikalisch-technisä>en Gründen zumeist die Streich­instrumente, und cs läßt sich nicht verkennen, daß hierdurch das Meichgewichtsverhältnis zwischen den verschiedenen Tonkörpcrn stellenweise gestört wird, es sei indes schon jetzt bemerkt, daß cs Herrn Kapellmeister Lert fast überall gelungen ist, durch richtige -lbschatticrung der Tonstärke das drohende Ueberwiegen der Bläser ölt verhüten. UcbrigenS ist man ja in dieser Beziehung neuer» ^itlgs manches gewöhnt worden, angesichts der noch weit über Magner heransgehcnden Orchesterforderungen eines Strauß oder Nahler; Berliotz (dem wir nächstens imRequiem" mit einem -Massenaufgebot von Posaunet! und Pauken begegnen werden) tat, sogar einmal den Plan zu einem Ricsenorckicster von 467 -'.nftrumenten, z. P. 37 Kontrabässe, 30 Harfen, 30 Klavieren 1:1 id. ausführlich entwickelt und sich davon die ungeheuersten Wir- langen versprochen! Einer solchen Häufung der Mittel bedarf Wagner auch für seine stärksten Wirkungen nicht, m seinen späteren Werken ist er sogar wieder zu einer Vereinfachung tas Orchesters zurückgeieiut. Unter den vierTagen" der ^sibelungen-Tetralogie hätte nun zweifellos eine günstigere Wahl 111 getroffen werden können; die Walküre ist ja nachgerade zu

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§err v Bethmann Hollweg Bat gestern im Reichstage dem Sprecher des Zentrums über die neueste Jesuiten-- Angelegenhcit m überaus wirksamer Weise Rede ae- standen. Herr Spahrn das war dieser Sprecher hatte in den höchsten Tönen der Regierung das Vertrauen aufge- kündigt und Kanzler sowie Bundesrat ungerechter Behand­lung der Katholiken beschuldigt. Ter Kanzler ließ sich in ferner Antwort zu keinerlei leidenschaftlicher Erörterung hinrerßen, aber er fand in seiner ruhigen, sachlichen Erklä­rung zugleich doch die würdige, aus dein .Herzen kom­mende Note, wie sie einer so wichtigen Gewissensangelegen- heit zukommt. Er müßte damit jeden einsichtigen Katholileii überzeugt haben, daß der Bundesrat und er, der Kanzler selbst, nicht entfernt daran denken, die Freiheit und qleicli- mäßige Behandlung des Katholizismus im Deutschen Reiche irgendwie auzutasten. Trr erklärte, der Bundesrat habe "icht einmal aus eigner Initiative die bisherige Hand- ltabuna des seit 40 Jahren gültigen Jesuitengesetzes ledig­lich kodifrzrert. Weitere Darlegungen wird, da es sich um cme Rechtsfrage handelt, der Staatssekretär des Reich-t- lustizamtes machen. Der Fraktionsbeschluß des Zentrums, der Regierung das Vertrauen zu kündigen, war doch ivohl unklug und übereilt und dürfte die Gegner des Zentrums nur desto wachsamer gemacht haben.

Aus Berlin wird uns noch geschrieben: t

Die Forderung des Zentrums, das Jesuitenkompromiß des Zundesrats vom 28. November rückgängig zu machen und die Auskundtgung der Freundschaft an den Reichskanzler ist im (vrunde nichts anderes als die Vorbereitung des letzten An sturmes gegen den noch bestehenden § 1 des Reicbsgefetzes vom Ist. Ium 1872, dessen § 2 am 8. März 1904 fiel. Es ist die letzte Mine gegen das Jefuitengefetz. Wird Herr v. Bethmann. vollweg dem Konflikt gewachsen sein? Schließlich ist es doch immer noch derselbe Reichskanzler, der sckwn als Ministerpräsi- öent im preunischen Abgeordnetenhaus am 7. März 1911 in machen des Modernisteneides erklärte:Wenn solche Kund­gebungen darauf hinausgehen sollten, das staatliche Interesse zu übergehen, dann heißt es Kampf gegen Kampf!" Wie sehr das staatliche Interesse durch den Vorswß der Zentrumsführer gefährdet ist, darüber möchten wir den verantwortlichen Partei gellen einiges ins Stammbuch schreiben. Erinnern sich die Herren Lpahn und Gröber vielleicht noch dessen, was Bismarck zu emer Zeit, als er sich keineswegs in derHitze des Kultur­kampfes" befand, in aller Ruhe und Abgeklärtheit bekannte:Tie Gefahr, die die Tätigkeit der Jesuiten für Deutschland, seine Einigkeit und nationale Entwicklung hat, liegt in ihrer ganzen internationalen Organisation, in ihrem Lossagen und Löslösen - von allen nationalen Banden und in ihrer Zerstörung und Zer­setzung der nationalen Regungen überall, wo sie denselben bei kommen." Sollte aber Bismarck heute zu sehr als Partei in der Jcsuitcnsrage gelten, so durste wohl gegen das Zeugnis Clemens XIV. überhaupt nichts cinzuwenden sein: als dieser Papst den Jesuitenorden aufhob, begründete er dessen Gefährlich­keit mit den Worten:Kaum war die Gesellschaft Jesu ge gründet, als sie den Samen der Zwietracht und Eifersucht aus- skreutc, nicht nur zwischen ihren eigenen Gliedern, sondern euch zwischen den Weltgcistlichen, den Universitäten und selbst dm Fürsten, von denen sie ausgenommen wurde. Ter ganze Erdkreis ist durch sie beunruhigt worden. Viele ihrer Mitglieder heben dem strengen Glauben und den guten Sitten gefährliche Lehren verbreitet, dazu die ungeistliche Begierde nach irdischen Gütern. Alle Maßregeln unserer Vorgänger sind vergeblich gewesen, um Grundsätze auszurotten, die der Hl. Stuhl mit Recht als anstößig erkannt und als den guten Sitten schädlich verurteilt hat." Und ein anderer hoher katholischer Würden­träger, der Domherr von Wessen berg, schrieb:Tie Grundsätze des Jesuitenordens sind so beschossen, daß sie un-

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vermeidlich die christliche Glaubens- und Sittcnlehrc verderben und das Verhältnis zwischen Staat und Kirche zerrütten müssen. Gelingt es dem Orden, auch in Deutschland selten Boden zu sinden, so ist ein heftiger langer Kampf des Lichtes mit der Finsternis vorauszusehen, ein Kamps, der dem Frieden der Kirche wie der Rübe der Staaten gleich gesährlich werden dürfte." Ter Jesuitismus ist aber auch um auch dies hervorzuheben cirt Feind jeder gesunden w i r t s ch a s t l i ch e n Entwicklung. Bände davon könnte man aus der Geschichte füllen, wie die Jesuiten ihre Brauereien und Brennereien und Wcinkcllereien, wie sic ihre landwirtschaftlichen Betriebe, Konsumhäuser und Hotels zum unsagbaren Schaden der Volkswirtschaft und des Volkswohlstandes errichtet lwben.

Was von dem Ansturm der Jesuitenfreunde gegen die Reichs- rcgierung religiöspolitisch zu erwarten steht, beweist am besten die Lehre des jetzigen Jesuitengenerals in Rom, Wernz, in seinem Jus dccretalium, Band I, 13 ff.:Die gültig getauften Mitglieder der nichtkatholischen christlichen Sekten sind formelle Rebellen gegen die Kirche, wenn sie hartnäckig in ihren Irr­tümern verharren. Deshalb ist es ein schwerer Irrtum, zu glauben, die verschiedenen christlichen Selten, z. B. die Anglikaner, Lutheraner, Russisch-Orthodoxen usw. seien legitime Teile einer gewissen allgemeinen Kirche und der katholischen Kirche gleichsam als Schwesterkirche verbunden."

Ta bei den jetzigen Besprechungen im Reichstag von Zen­trumsseite wiederJcsuitensrage" mitkatholischer Kirche" ver­tauscht und verwechselt wird, so mögen alle Freunde der Wahrheit und des ehrlichen parlamentarischen Kamvses an die Worte erinnert sein, die der Kardinal und päpstliche Staatssekretär R am pol l a, den man den künftigen Papst nennt, in Rom öffentlich ausgesprochen hat:Tie katholische Kirche erfreut sich nirgends einer größeren Freiheit als in Deutschland" und an die Worte, die Leo -XIII. am 19. Juni 1902 durch General Loe als Antwort des Papstes an den Deutschen Kaiser bestellte:Das Land in Europa, wo je der Katholik ungestört und frei seinem Glauben leben kann,' ist das Deutsche Reich." Und was sagte der Teutsche Kaiser?Wer behauptet, daß meinen Unter­tanen katholischer Konfession Schwierigkeiten in der Ausführung ihres Glaubens gemacht werden oder sie gezwungen werden sollen, von demselben zu lassen, macht sich schwerer Lüge schuldig." Derselbe Deutsche Kaiser Wilhelm H. ist aber sicherlich auch der Ansicht seines Lieblingsautors Houston Steward Chamber­lain, der den Jesuitismus bezeichnet als dengefährlichsten Ansturm, der je auf germanisches Wesen unternommen wurde", und als einenWiderspruch mit allem, was wir Jndoenropäer jemals Religion genannt haben"

Nach dem Waffenstiklstanö.

Die interessanten ergänzenden Nachrichten über den Waffenstillstand, die man vielfach erwartet haben mochte, sind heute ausgeblieben. In dem Protokoll heißt es, daß, wenn die Fortsetzung des Krieges beabsichtigt wird, die Kriegführenden 48 Stunden vorher davon in Kenntnis sein müssen. Griechenland hat noch keinen Schritt getan, der die Lage ändert. Die Türkei soll bereits An­ordnungen getroffen haben, daß die Feindseligkeiten gegen die Griechen wieder ausgenommen werden.

Wir erhalten folgende Meldungen:

Konstantinopel, 4. Dez. Tie Regierung traf be­reits Verfügungen, um Lebensmittel nach Adria- nopel und Skutari zu senden. Tie Bevölkerung der belagerten Plätze wird die Freiheit haben, zu gehen, wohin sie will. >

Die offiziöse Presse tadelt lebhaft, daß Griechen­land sich dem Waffenstillstand nicht anschloß und betrachtet die 5^altung Griechenlands als Beweis für mangelndes Zusammenhalten des.Balkanbundes. DieTürkeiwerde den Krieg gegen Griechenland fortsetzen, bis dieses den Standpunkt der Türkei anerkenne.

In dem heute unterzeichneten Waffenstillstands- Protokoll heißt es: Um die Feststellung der Friedens­

einer Volkstümlichkeit gelangt, die man früher für unmöglich gehalten hätte. Ich gedenke noch mit lebhafter Befriedigung der Zeiten ihrer Erstaufführungen, wo cs schon einer Dosis Mut bedurfte, für dieses Werk einzütreten: Publikum wie Musiker (besonders die letzteren!) wetteiferten damals in Protesten, Schmäh­ungen und Unglücksprovhezeiungen. Und heute! Wie vertraut muten uns schon diese Klänge an, besonders die allgemeiner be­kannten Glanzstellen: die Liebesszene, die Todesverkundigung im ersten Akt und der Schluß wie lebt und glüht da alles von echtester, tief empfundener und genial aufgebauter Musik, ja von wirklicher gesangvoller Melodik, sofern man nur unterMelodie" das richtige versteht (das alsbaldige Nachp eifen-kömien beim Heim­weg, gehört nicht unbedingt dazu!). Nun zu unserer Aus­führung selbst. Sie war eine durchweg sehr erfreuliche, teilweise sogar hervorragende und begeisternde Leistung, die den Darmstädter Gästen zu hoher Ehre gereicht. Weim man die Nibelungen an einer Reihe größerer Bühnen gehört hat, wo bald diese, bald jene Rolle einen ungewöhnlich begabten Interpreten besitz!, so gerät man leicht in die Versuchung, die da und dort Borgerunbenen Einzel-Vorzüge in Gedanken zu 'kombinieren und sich so ein Idealbild zusammenzustellen, dem in Wirklichkeit eine Einzel- Aufführung, die auf Kräfte verschiedenen Ranges angewiesen ist, nie ganz entsprechen kann. Von einem derart unbilligen Maßstab muß natürlich abgefeben werden, andererseits aber möchten wir es verschmähen, die Maßstäbe zu niedrig zu nehmen. Das scheint uns gerade die Höhe der Ausgabe und der Respekt vor dem künst­lerischen Range der Ausführenden zu verbieten. Nur unter letzterem Gesichtspunkte möchten wir einige kritische Bemerkungen machen: Das prächtig geschulte und temperamentvoll geleitete Orchester ließ doch hie und da die volle Tonreinheit, wie das unbedingte Anschmiegen an die Singstimmen vermissen: diese wurden z. B. im letzten Akte mehrfach vom Orchester erdrückt trotzdem es zweckmäßigerweise versenkt aufgestellt war. Anderes gelang wieder ganz wundervoll. Auch die Regie stand, zumal in den zwei letzten Akten, auf der Höbe ihrer Aufgabe. Unter den Sängerinnen ragte Frl. Geyersbach als Sieglinde durch Stimme, ^Tonreinbeit und Spiel besonders hervor: auch Frl. M. von S u g h erhob sich, namentlich in der ergreifenden Todes­verkündigung und beim Abschied von Wotan zu bedeutender künstlerischer Höhe: aus der weniger dankbaren Rolle der Fricka wußte Frl. Jacobs das Mögliche an Wirkung herauszuholen: das Ensemble der acht Walküren ist so ziemlich an allen Bühnen ein etwas wunder Punkt die Schwierigkeiten der Besetzung und der gesanglichen Aufgaben sind fast übergroß, zumal gegen­über dem Ansturm te Orchesters. Gegen dieses hatten auch

Präliminarien zu ermöglichen, schlossen die Regierungen bei Türkei, Bulgariens, Serbiens und Montenegros einen Waffenstillstand aus unbestimmte Dauer ab. Wenn die beiden Parteien sich über die Friedensbedingungen nicht einigen und eine Fortsetzung des Krieges notwendig wer­den sollte, so müssen die Kriegführenden sich gegenseitig 48 Stunden vorlser von b er Wie­deraufnahme der Feinbseligkeiten in Kennt­nis fetzen.

In ber Tschatalbschalinie ist mit dem Bau von Ba­racken für die Ueberwinterung ber türki- 'scheu Truppen begonnen worben.

Die verhindernben neutralen Zonen werben von den Generalstäben der beibert Parteien festgesetzt. Zur Fest­setzung der Zonen werden die Montenegriner Sonder- aesandte nach Skutari, die Bulgaren nach Abrianopel unb oic Serben zur Westarmee entsenden. Die Del gierten wer­den sich mit den türkischen delegierten auseinandersetzerr

Sofia, 4. Tez. Die Bevollmächtigten für den Waffen« stillstand, Tr. D a n e w und Finanzminister Theodorow. verlassen morgen bas .Hauptquartier, um nach Sofia zurückzukehren. Man glaubt, daß auch ber König zurück­kehrt. Es werden nunmehr Delegierte für die Frie- densverhandlungen bestimmt. Ab morgen wirb der Ein- unb Ausfuhrverkehr im ganzen Laube in ber regel­mäßigen Weise ausgenommen, oa ber Warentransport auf den Eisenbahnlinien wieder eingerichtet ist.

2ic Haltung Griechenlands.

Aus Sofia wird gemeldet, daß Griechenland sich eine Frist von 24 Stunden ausbedang, um sich der Unter­zeichnung des Waffenstillstandes anzuschließen. Im Falle des Nichtanschlusscs beteiligt sich Griechenland gleichwohl au den Friedeusverhandlungen. x

Das griechische OrganNeologos" meldet aus Athen: Tie Haltung des Zaren Fe r d i n a n d läßt viel zu wünschen übrig. Taher dürfte schon in den nächsten Stunden der Ministerpräsident Venizclos nach Sofia die Mitteilung ge­langen lassen, das; Griechenland ans dem Balkan-- bunb ansscheidct.

Der Beginn der Friedensverhandlungen.

Konstantinopel, 4. Tez. Wie der Vertreter des. Wiener Korr.-Bureaus von authentischer Seite erfährt, werden die Friedens der Handlungen in etwa lOTageninLondonbeginnen. Als erster türkischer Bevollmächtigter wirb Reschid Pascha fungieren. Die übrigen Bevollmächtigten sind noch nicht bestimmt. Ueber die Grundlagen der Friedenspräliminarien soll bereits ein Einvernehmen bestehen. Tie Unterhandlungen mit Griechenland wegen des Waffenstillstandes dauern fort. Man hofft, baß bic griechischen Bevoll­mächtigten übermorgen nach-Tschataldscha kommen, um die Annahme bes Protokolls mitzuteilen.

Nach Melbungen aus Sofia soll die neue bulgarisch- türkische Grenze von den Msseu Maritza unb Ergene ge­bildet werden. Tschorlu würbe bann bulgarische Grenz­station werben.

Die Botschafterkonferen,;.

Wien, 4. Dez. Ter österreichischen Regierung liegt der formelle Vorschlag ber englischen Regierung vor für eine Zusammenkunftberinein er Haupt­stadt beglaubigten Botschafter zur Be­sprechung der aus dem Balkan krie^r entstan­denen Fragen. Tie österreichische Regierung röirb zu bem Vorschlag, ber hier sympathisch ausgenommen worden

die Vertreter der männlichen Rollen vielfach schwer zu kämpfen. Herr Becker als Siegmund und besonders Herr Weber als Wotan boten hervorragende Leistungen, die um so anerkennens­werter sind, als beide Rollen neben gewaltigen Stimmitteln ein hervorragendes Spiel und gute Aussprache verlangen. Weniger vermochte Herr Schützendorf mit seiner zwar kräftigen, aber etwas flackernden Stimme der Partie des Hunding gerecht zu werden. Bei sämtlichen Rollen wäre freilich die fortdauernde Verständlichkeit der Aussprache sehr wünschenswert aber wohl nur auf einer Jdealbühnc im Land Utopien zu erreichen' Werke dieses Schlages stellen eben hohe Ansprüche auch an das Pu­blikum es muß auch selber einige Vorarbeit leisten, in die L-ache sich vertiefen und den Text zuvor sich möglichst zu eigen machen: das wird das Verstehen der Tichtung wie das geistige Bewältigen der Musik mit ihrem komplizierten Motivengeslecht sehr erleichtern und damit Genuß und Gewinn aus dem Wer." ungeahnt Neigern. Sehr anzuerkenncn war, daß man pietät­voll die Kürzungen aus ein bescheidenes Maß beschränkte: im zweil-n Akt sind solche wenn auch für das Verständnis der Sinnesänderung Wotans bedenklich aus Zweckmäßigkeits­gründen schwer zu vermeiden und auch fast überall üblich. Tas gänzlich ausverkausle Haus folgte der Darbietung mit hin­gehendem Interesse und bewies seine Dankbarkeit durch begeister­ten Beifall und zahlreiche Hervorrufe. Tas schöne Gelingen des feftlichen Abends wird unserem verdieiistvollen Theaterverein gewiß eine Genugtuung und ein Ansporn zu weiteren großen Taten fein. p

Ein historisches Spiel von Ernst von Wol- zogen. Aus Breslau, 1. Dezember, wird uns geschrieben: EinSpiel in fünf Aktussen" von Ernst v. Wolz.ogen, betitelt Eine fürstliche Maulschelle" erlebte im Lobethea- ter seine Uraufführung. Tas heitere Werk behandelt die Fahrten und Abenteuer des Piastenhcrzogs Heinrich von Liegnitz unb feines Kumpans Hans von Schweinichen, und spielt im Jahre 1587 meist in Schlesien ^auf dem Liegnitzer Piastenschloß, im Herren­haus zu Hermsdorf, auf Burg Gröditzberg, teils in Köln. Di' Handlung ist reich an hübschen Episoden, aber arm an dramatischen Leben. Nur die Liebesaffäre des derbcnjungfräulickm" Hanä von Schweinichen mit der Margarete von Schellend e, bic ihrem Liebsten unerkannt als Knappe ins kriegerische Treiben folgt, vermag etwas Abwechslung in den sehr diinn geschürzten Knoten des Stückes zu bringen. Turch eine Maulsckiellc verletzt Heinrichs Gemahlin ihren Herzog und flieht zum Markgrafen von Ansbach. Ernst v. Wolzogen hat sich bemiüht, burd) die leicht schlesisch-