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05/11/1912 Erstes Blatt
 
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Dienstag, 5. November 1612

162. Jahrgang

Erstes Blatt

General-Anzeiger für Oberhessen

Nr. 261

Sichencr Anzeiger

Kerttiprech-Anfchlune: UM WM Hcraniivovth* hu Den

für die Redaktion 112. polnüchen Tert August

TLS General-Anzeiger für Oberhessen LZM h""1''15 Rotationsdrud und Verlag 6er Brüljlidicn Unio.-Bud). und Steinöruderet R. Sange. Reöaftion, itrpeöition und DrudereUSd>ulftra6e 1. "dSb"e.$>'eBU'ü\ Sm bis DorniiuaflTy'ub Büdingen: Fernsprecher Nr. 269 Geschäftsstelle Bahnhofstraße 162. Anzeigenteil £> «eck.

Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.

Vie Grohmächte an der Vermittlung.

Es wird hente bestätigt, daß die Pforte feder einzelnen Großmacht das Ersuchen um Herbeiführung rfn.s Waffen stillslanbes und Vermittelung überr.icht hat. Von Deutsch­land und England wird gemeldet, das; sie auf Grund dieses Notschreies in Verhandlungen mir den übrigen Mächten eingetreten seien. Aber der lebhafte Herr Poincare, Mi­nisterpräsident der französischen Republik, hat bereits eine Ablehnung nach Konstantinopel verabfolgt. Diese rasche, gar nicht' bureaukratische Erledigung könnte mit Zustim­mung ausgenommen werden, wenn Herr Poincare sich nicht z u nachdriiellich an der blofteu Form festhielte. Die Groß­mächte brauchen doch nur zu wollen, und kein Mensch würde iiad) den Büchern der Haager.Vereinbarungen fragen. Frei lick), Frankreich hat sich schon vorher als im Schlepptau von Rußland und dem Balkanbund liegend erwiesen Rad; Poincarvs Vorschlag sollten alle Mächte ihrDesinteresse­ment" am Balkan erklären, wonach dann die vier Sieger lachend ihre Pläne hätten v rwirk.ichen können. So einsad; läßt sid) aber Oesterreich nicht beiseite schieben, und sogar dasBerliner Tagebl." gibt seiner sonstigen Franzosen- liebe eine Blöße, indem es ganz richtig urteilt:

Man kann und muß verlangen, daß das zu. spät erwachte Oesterreich Ungarn seinen lang gehegten Plan, lieb den Weg nach Saloniki zu bahnen, aufgibt, oder vertagt, aber es hat doch ein begreijlic cs Interesse an den Dingen, die sich vor der Tür Wocenzländer mit ihrer bunten, unsicheren Bevölkerung voll ziehen. Wer das übersieht, wer jenesbesondere Interesse", das Frankreich als Nachbarstaat Marokkos so lange für sich in Anspruch nahm, hier nickst Oesterreich Ungarn zuerkcnnt und den ohnehin nickst beneidenswerten Wiener Herren weder eine Garantie für ihre Grcnzsickerhcit noch eine Entschädigung gewähren will, ber schafft mit seiner Friedensstifterei nicht den Frieden, sondern den Zank, und der gibt zu der Spaltung Europas das Signal.

Sind aber Rußland, England.und Frankreich wirklick; auf dem Balkan so ganz ohne Interessen? Ist es Rußland und England gleichgültig geworden, Ivie die Dardanellen frage zu lösen sei? 'Eine Wiener Darlegung in derKöln. Ztg." wehrt sid) kräftig gegen die Poincaresche Heuchelei:

Man muß über die Naivetät eines solchen Manövers staunen. Oesterreich-Ungarn und mit ihm die beiden anderen Dreibund- staaten haben keinen Anlaß, der Welt Sand in die Augen zu streuen, sie bekennen ehrlich, daß sie Interessen aus dem Balkan haben, die sie wahren wollen, und daß für Oesterreich-Ungarn Lcbensinteressen auf dem Spiele stehen, >vic dies ja übrigens von dem Dreiverband selbst und noch jüngst von Sasonow zugcstanden wurde. Ein solches durchsichtiges Manöver verfängt bei ihnen nicht. Das einzige, was Poincarö mit seiner Formel erreicht hat, wird daher sein, daß er seine Vermittlungspolitik aufs schwerste, vielleicht unheilbar bloßgestellt hat.

Die Pariser Blätter fahren aber fort, in ziemlich auf­reizender Weise gegen den österreichischen Standpunkt zu polemisieren. Jedenfalls aber ist die rasche Ablehnung der türkischen Anregung mehr der Kritik ausgesetzt als die ziemlich selbstverständliche Haltung Oesterreichs. Warum will man in Paris noch weitere Schlachten? Hat Herr Poincare vor dem Ausbruch des Krieges nicht, allen voran, lmcd erholt erklären lassen, der Verlauf und Ausgang des Kampfes habe keinen Einfluß auf die endgültige Gestal­tung der Balkanverhältnisse, die nur auf Grund einer Ver­ständigung der Großmächte geregelt werden könnten?

Äir erhalten heute folgende Meldungen:

Zrantteich lehnt den Hilferuf der Türkei ob.

Die Agence Havns veröffentlicht folgende Note: Die ottomanische Regierung unternahm bei der fran­zösischen Regierung den Schritt, eine Interven­tion b er' Mächte herbeizuführen, damit die Feindseligkeiten eingestellt und den Balkanstaa­ten ein Waffenstillstand auserlegt werde. Die französische Regierung antwortete, daß sie ein solches Ersuchen ohne das Völkerrecht zu verletzen und ohne den Anschein der Stellungnahme gegen die Balkanstaaten zu erwecken, nicht entgegennehmen könne. Sie könne in Uebereinstimmung mit allen Großmäd)ten nur ein direkt ausgesproche­nes Ersuchen um Vermittlung prüfen, wenn es an sie gerichtet würde.

Halbamtlich wird dazu weiter gemeldet:

PoincarL begründete seine Ablehnung des türkischen Inter- oentionsansuchenS damit, daß die französische Negierung die Krieg­führenden ohne Bürgschaft betr. die Friedensvcrhandlungen zu einem Waffenstillstand nicht zwingen könne, da durch ein solches Vorgehen den verbündeten Balkanstaaten mitten in dem vollen Ersolge Einhalt geboten und der Türkei Zeit gegeben würde, ihre Armeen von neuem zu formieren, ohne daß die Verbündeten irgend eine Sicherheit für die Zukunft hätten. Poincare tele­graphierte diese Entscheidung sofort an den Botsckxrfter Bompart nach Konstantinopel ohne vorherige Verständigung mit den anderen Regierungen. D.c französische Regierung ist jedoch sicher, daß Rußland und England diese Auffassung teilen. Man werde dem- nach wartcu, bis der türkische Vorschlag eine neue G c ft a 11 angen o m m e n habe, bevor man eine Friedens- aftion unternimmt, die in bei1 von ber Türkei gegebenen Form gewiß von den verbünbeten Balkanstaaten abgelehnt worben wäre.

Französische Mahnungen an Oesterreich.

DerMotin" schreibt:

Wenn Ccftcrreid) Ungarn sich des Ausspruchs des Grafen Aehrenthals nach ber AnnexionWir sinb rerrito- rial saturiert" erinnert und seine Herrschaft nicht über neue Gebiete auszubreiten versucht, so wird ganz Europa sein Desinteressement n a ch a hm e n, wenn es aber einen Gebietszuwachs fordert, wirb Italien bas Gleiche tun unb ber Weg für ehrgeizige Bestrebungen aller ist offen. Auch Frankreich wird bann Rechte g e11cn b zu machen haben. Entweder das territoriale Tesinteresfement aller oder

niemandes. Tas ist bas Dilemma, vor welchem heute bic Groß­mächte stehen.

TerFigaro" sagt in einer gegen ein Wiener Blatt gerichteten Polemik:

Man muß wissen, mit iveldx'r Tiskretion der Vorschlag Frank reichs gefaßt war. Wenn aber der österreichischen Regierung der Gedanke widerstrebt, ihre Verpslichtungen zu übernehmen, bann ist es am besten, nicht mehr bavon zu sprechen. Im Grunde ge nommen hat die Sacke auch keine große Bebeutung, da die Haupt- beteiligten gegenwärtig jeden Vermittlungsversuch ablehnen. Die französische Regierung ist der Ansicht, die Entwickelung der Tinge abzuwarten. Ihr einziges Bestreben ist, den europäischen Frieden tzu bewahren und den B a l k a n v ö l k c r n g e g e nn n bc r, b_c r c n 'Sieg fiefid) freut, den vollen Vorteil dieses Sieges zu gewähren.

DerTcntps" schreibt:

Ter französische Botschafter Tumaine habe dem Grasen Bndi- told wiederholt ertlärt, daß c» sich nur um ein territoriales Desinteressement handele. Die Mächte der Triple-Entente hätten int Orient Interessen, welche ebensoviel wert seien, wie die Oesterreich Ungarns. R u ß land hätte von denjenigen Inter­essen Abstand genommen, die eine territoriale Form hätten an nehmen können uitd Frankreich unb Eng l a n b hätten das Gleiche getan. Die ganze Frege sei die, ob Oesterreich ihr Beispiel nach ahmen wolle ober nicht. Tas österreichische Stillschweigen hätte aucli den Ucbctftanb zur Folge, baß es jebe Vermittlung unmöglich mache, denn cs sei klar, baß die Ballanverbündeten zaudern tverden, die Waffen niederzulegen, wenn sie bic Drohung unbestimmter österreichischer Forderungen über sich fühlen würden. Tie Hal tuiig Oesterreich-Ungarns habe die Wirkung, die Krise zu er weitern und zu verlängern.

Eine engliche Acußerung.

TicTimes" fdyreibt:

Nicht nur ein vorzeitiger Versuch einer Inter- o ent io it in ber all gemeinst Balkanlage werde Gefahren ent halten, sonbern es zeigen sich Symptome, baß man Risikos e i n g e h t, wenn man auf bic Mächte einen D ru ck auszuüben versucht, sich in bem gegenwärtigen Stadium auf eine präzise Formel fest;ulegen. Es gibt Zeiten, wo die Diplomatie sick> langsam und vorsichtig bewegc^ muß und dies ist eine solche Zeit. Nichts wirb gewonnen, wenn man in ber Hast neue Formeln zu entwickeln sucht. Andererseits kann baburch etwas verloren werben.

Ob dieser Rüffel Herrn Poincarö gut bekommen wird? Er hätte sich dock) nod) ettvas besser nach den besonderen Interessen Englands erkundigen müssen!

TieBerliner Morgenpost" meldet aus Wien: Nach zuver­lässiger Mitteilung ist der P v i n e a r e s ch e Vorschlag auch in B e r l i n u n b 9t o m , also von skttitlichett Treibunbmächten, abgelehnt worden. Gleichzeitig sei Frankreich mitgeteilt wor­den, daß der Dreibund gern neuerlichen Vorschlägen entgegensehe.

Laut Berliner Meldung derZeit" habe man von Berlin in Paris zu verftehen gegeben, daß eine Einigung der Triple-Entente unb des Dreibundes ohne Berücksichtigung der ö st e r r c i ch i s ch e n Balkaninteresfen nicht möglich sei.

Deutschland und Ena'and bei der l)crmitthmnsfrage.

DieKölnische Zeitung" erfährt aus Berlin: Wie mir erfahren, überbrachte heute (Montag: nachmittag ber hie­sige türkische Botschafter der R e i ch s r e g i e r u n g die Bitte der türkischen Regierung) einen W a f f en st i l l st a n d hsrbeizuführen. Di.ser Antrag iu.ro von Deutschland mit den übrigen Großmächten erörtert.

London, 4. Nov Wie eine Note des Reuterbureaus besagt, berät die 6 r i t i s ch e R e g i ci r u n g mit den anderen Mächten, ehe sie die Antwort auf das Verlangen der Türkei betreffend der Vermittelung gibt.

Eine Kunbgebunti der Pforte.

Konstantinopel, 4. Nov. Gestern abend veröffent­lichte die Pforte ein amtlichcsCommunique, das be­sagt, daß das Kriegsglück unbeständig und cs unmöglick) sei, überall sofort den Sieg zu ge­winnen. Die Nation, die den Krieg angenommen hätte, müsse mit voller Festigkeit alle feine Konsequenzen tragen. Es würde nicht geredjt sein, einerseits über die Maßen stolz zu sein über gewonnene Siege und andererseits sid; von stummer und Unruhe wegen einiger Nichterfolge über­wältigen zu lassen wie z. B. in den Kämpfen, die mit vier Staaten statt finden. Die ott omanischen Truppen verteidigten mit Erfolg Skutari und Janina. Es fei natürlich, daß man entschlossen sei, bis zum letzten Grade der Möglichkeit die Interessen des Vaterlandes zu verteidigen.

Die türkischen Hoffnungen vor Tschataldscha.

Konstantinopel, 4. Nov DemTanin" zufolge vollzieht fick) infolge der großen Verluste der Bulgaren die Räumung von Luele-Burgas und Maradluf in Ordnung, ebenso sei der Rückzug gesichert, da alle Dispositionen be­reits vorher getroffen waren. Der türtifdfe Gene­ra l st a b habe beschlossen, dem Feind vor'den Höhen von Tfchtaldscha eine E n t s ch e i d u n g s - sch lacht zu liefern. DerTanin" hofft, daß die otto- manifche Armee schließlich den Sieg erringen wird, weit sie ihre Lücken auszusüllen imstande sei.

Konstantinopel, 4. Nov. Verläßliche Informa­tionen, die gestern nadymittag in ber Regierung nahestehen- ben Kreisen bekannt würben, bestätigen, baß bic Schlacht von Luele Burgas sich zu einem furchtbaren Sck)lag für bie Türkei gcstaltete. Tie Bulgaren, in deren Reih en zahlreiche 17 jäh­rige Retruten fochten, griffen mit großem Ungestüm an, so daß die Türken nach überaus schweren Verlusten man spricht von 40000 Toten und Verwundeten bei einer Gesamtstärke von 90 000 aus türkischer Seite sich zurückziehen mußten. Auch die Verlust ederBul- garen sollen überaus groß sein.

Wie verlautet, ist das türkische Haupt q u ar t i e r bereits nach Hademkoei verlegt worden.

Dis aus R o d o st o zurückgezogenen Truppen sollen nad) San Stefan o beordert worden fein

Das LinienschiffAssar-i-Tewfil", welches eit einigen Tagen am GoldenenhHorn vor Anler lag, ist gestern mit unbekanntem Ziel, vermutlich nad) den Darda­nellen, ausgelaufen-

Tic Aufrechterhaltung der Ordnung in ttonstantinopcl.

K o n st a n t i n o p e l, 4. Nov. Unter dem Vorsitze des Ministers des Innern bildete sich ein Ausschuß, bestehend aus dem Generaldirektor der Polizei, 'bem Kommandeur *er Gendarmerie und dem Präfekten von Konstantinopel, der sid) ständig mit den Maßnahmen befassen soll, die zur Aufrechterhaltung der Ordnung in ber Hauptstadt erforder- lid) sind. Angesichts ber Wölbungen über den Rückzug des türfifd)eu Heeres rät bic türkische Presse dem Volke, Festigkeit, Ergebung und Kaltblütigkeit zu zeigen.

Ein türkisches Abendblatt meldet: Der Großwcsir unb der Minister des Innern empfingen gestern den General-' direktor der Polizei in Konstantinopel und gaben ihm An­weisungen über die Haltung ber Polizei bei ber gegen* roärtigen Lage. Die Regierung trifft Vorsichts­maßregeln, um die Sicherheit namentlich in P e r e a u f r e ch t z u e r h a 11 e n Zahlreiche Sck;ulen, meh­rere Klubhäuser des jnngtürtischen Komitees und andere Gebäude, sind in Hospitäler für die Verwundeten umge­wandelt worden, deren Zahl sich täglid) vermehrt.

DioDeutsche Tages- ituug" meldet aus Konstantinopel. Eine ernste Verteidigung Konstantiiwpcls ist geplant. f^S sind bereits Maßregeln für den Empfang der hier eintresfcnbcn Felb- truppcn gertoifen worben. In der Hauptstadt herrscht absolute Ruhe. Tic Besürckttungcn eines Teils der fremden Kvlonicn werden von Kennern des Landes als übertrieben erklärt. Das Verhalten des österreichischen Botschafters, der der österreichischen Kolonie zur Flucht auf die Schiffe riet und die Schließung der Schulen^an- o r d n e t c, w i r d st a r k k r i t i s i e r t. D i e d e u t s ch c n S ch u- l cn find geöffnet.

Maßrcgclu Oesterreichs.

Wien, 4. Nov Tie erste G e s ch w a b e r b i v i s i o n, bestehend aus den LinienschiffenErzherzog Franz Ferdi­nand",Radetzky" undZrinyi" mit dem KreuzerAdmiral Spann" und den TorpedobootSzerstörernSck)arfsd)ütze" undUskole", gehen demnächst zum 2 ck; u tz e d e r öfter- r ei chi sch-ungarischen Staatsangehörigen in die Levante ab.

5 deutsche Schiffe nach Konstantinopel unterwegs.

Kiel, 4. Nov. Ter PanzerkreuzerSoeben" unb ber kleine KreuzerBreslau" erhielten den Befehl, sofort nach Konstantinopel bezw. Smyrna zu gehen. Tas Kommando über­nimmt Kontreadiniral Trummler. Deutschland entsendet also im ganzen 5 Kriegsschiffe nach Konstantüwpel, außer den genannten noch die Kreuzer ,L)ertha",Vineta" undGeyer^".

2lu$ dem Hauptquartier der dulqarischeu Oftarmee meldet der Kriegsberichterstatter derReichspost" unter dem 3. November:

Das glänzende Zusammenarbeiten ber bulgarischen Führer im Verein mit dem Heroismus der Truppen bringt den Bulgaren täglich neue Erfolge Ter Versuch der Türken, nördlich von Saroi und ' bei Tschorlu unter Deckung des Rückzugs erneut Stellung zu nehmen, ist vollkommen gescheitert, ebenso das Ein­greifen türkischer Truppen westlich von Visa, die von Nidia aus über Sultan Agke herangerückt waren. Die Vcrsolgungsopcratio- nen werden bulgarischerscits mit größter Energie fortgesetzt, um als Endergebnis der Operationen von Lüle-Burgas und Saraj die Abdrängung eines möglichst großen Teils der geschlagenen türkischen Armee von der Rückzugslinie nach Tschataldscha zu erreichen.

Tie gewaltigen Anstrengungen und großen Opfer, welche die Schläge von Kirk-Kilisse und Lülc-Burgas for­derten, rufen naturgemäß ein vorübergehendes Ruhe- b e d ü r s n i s hervor, das aber zu keinem längeren Overations- stillstand führen wird. Ter Vormarfck) gegen Tschatal­dscha wird vielmehr noch im Laufe dieser Woche aus­genommen. Gegenwärtig werden alle Anstrengungen ge­macht, um

den Fall Adrianopels zu beschleunigen,

damit namentlich die bulgarische Belagerungsartillerie für die etwaige Verwendung vor den Tschataldscha-Positionen frei werde. Die Widerstandsfähigkeit der Festung nimmt täglid) ub. Das heftige Feuer der bulgarischen A r t i l l c r i e. w i r d nur schwach und unregelmäßig erwidert. Die türkischen Werke auf der Nordwestfront litten stark seit dem letzten Ausfall gegen Marasch. Auch die Aktivität der Besatzung fdieint bedeutend nachgelassen zu haben. Der bevor­stehende Fall Adrianopels wird hier als ein Ereignis von großer militärischer und politischer Bedeutung angesehen, weil er beweisen würde, daß aud) bic Befestigungen von Tschatal­dscha Konstantinopel nicht retten können.

Sofia, 4. Nov. Die bulgarische Armee nahm am 1. November Nowrokop ein. Am gleichen Tage besetzte sie nad) hartnäckigem Kampfe bcn Bahnhof Don Buck, wodurch die endgültige Verbindung der mazedoni- fchen Armee mit derjenigen in Adrianopel abgeschnitten ist. Am 2. November versuchten die Türken, die linke Flanke der Bulgaren bei Bunar Hissar anzugreifen. Die Bul­garen wiesen aber den Angriff zurück und zwangen die Türken zu panifd)cr Flucht. Es wurde eine Schnellseuer- batterie erobert, fünf Offiziere unb 1300 Sol­daten würben zu Gefangenen gemacht. In Luele- Burgas erbeuteten bie Bulgaren zahlreiche Munition, Waffen, Proviantdepots, Kameele unb Felbtelephone.

Die Griechen gehen weiter vor.

Athen, 4. Nov. Der Kronprinz telegraphiert aus K o t s ch a n a: Eine ft a r f e feinbliche Macht, die aus neuangekommenen Truppen bestaub, hatte sich in der heiligen muselmanischen Stabt I en i b ge nörb- lich von Salonüi verschanzt und leistete unseren vorrücken- bcn Truppen erbitterten Wiberstaub. Nack) e nem Kampfe, ber bcn ganzen Freitag unb Samstag von >, Uhr morgens bis 10 Uhr abends anbauerte, wurde der Feind