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5.3.1912 Erstes Blatt
 
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Nr. 55 Erstes Blatt 162. Jahrgang Dienstag,

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Elktzener Anzeiger

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*i:l die Redaktion 112, IV^

«! General-Anzeiger für Oberheffen

21."l°bi"eiagesnumnier Rotationröruck und Verlag der vrühl'fchen Unio.vuch unö Stcinöruderei R. tauge. Redaktion, Lrpedition und vruderei: Schulftrahe 7. .15 vormittags 9 Uhr. vüdingen: 5<rnfprocher Nr. 269 -eschäflspelle vahuhofftrahe lös.

5. März 1912

Veznq»»ret». monntlidh75i^Mütcrtel- iährlich Mk. 120 . durch Uhöh'- u. 3roeiflfte(Ieit monatlich Go Bk.; burch die Bost 1'lk.r.viertel- jabrL au-fchl. Bestellq. ZeilenprerS: lokal 1KP», auswärts 20 Blenniq. l< befredakteur: A Goetz. Perantmortlich für ben politischen Teil: August d'o er,; für .Feuille­ton', .VermifchteS' und ,®ctid)t4|nol*': R. Neu­rath; für .Stabt und L'anb": E.Öcß-, für den Anzeigenteil: H. Beck.

Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten.

Vie Unruhen in China.

Es dauert etwas lange, bis die beiden Herren der reuen Republik, Nuanschikai und Sunyatscu, endlich Crb» rung in das aufgerührte Reich der Mitte bringen. Im Horden gcihrt es noch ganz gewaltig, und so hat denn Su> noatsen sich einstweilen damit einverstanden erklärt, daß Auauschikai nicht nach Nanking reist. In Peking selbst ist es zwar nach den letzten Meldungen tuieber ziemlich ruhig geworben; in biejem Hauptsitz ber fremben Weber* Innungen scheut das (vestndel doch das Eingreifen der frem­den Regierungen; die verstärkten Wachen halten die Ord­nung aufrecht. Aber austerhalb der Stadt dauern die Plün­derungen und Brandschatzungen fort. Tic schlimmsten Mel­dungen kommen aus Tientsin. Der dort seit Jahren ansässige deutsche Arzt Dr. Schreyer wurde ermordet, als er einem dentsühn Landsmann, einem Ingenieur der im Bau befindlichen Teilstrecke der TientsinPukow-Bahn, b.*r in der Chinesenstadt wohnte, zur Uebersiedlung in die deutsche Niederlassung helfen wollte. Tic Mörder sind so gleich hinaerichtet worden. Es ist aber anzunehmen, datz die d'utsche Regierung dazu noch Entschädigungsansprüche für die Familie des Ermordeten durchsetzen wird. In derKöln. Qtg." lesen wir noch, daß zum Schutz der in China lebenden ieutscl)cn lOOMann von der deutschen Besatzung in Tsingtau nach Peking beordert worden sind. Man hat sich mit dieser Zahl begnügt, da der deutsche Gesandte sie im gegenwärtigen Augenblick als ausreichend erklärt.

yiiinbtrnng eintS Palastes in Pek ng.

Peking, 4. März. (Reuter.) Heute früh marschierte eine Erbteilung Artillerie mit Musik zum Palast des Her 5l>gs Kuei, des Vaters der Kaiserin-Witwe, schossen das Tor ein und plünderten und brannten einen leit des Palastes nieder. Die Truppen des Herzogs hatten sich gestern an den Plünderungen beteiligt, aber heute kämpften sie gegen die Plünderer. Es scheint, daß die ganze Nordarmec mit der Meuterei einverstanden war, da sie glaubte, die Ankunft der Delegierten aus Nanking be­deute ihre Entlassung.

Berlin, 4. März. Nach den letzten Meldungen aus China verlief die Nacht vorn 2. zum 3. März und der gestrige Sonntag in Peking ruhig. Ter Sicherheitsdienst ui der Stadt wird jetzt durch die frühere städtisckze Gen­darmerie besorgt, die in voller Stärke wieder herangezogen worden ist. Gestern nachmittag machten Abteilungen sämt­licher fremden Bewachungstrnppen einen gemeinsamen Umzug durch die Stadt, der eine günstige Wirkung hatte. In Tientsin wurde der Deutsche Schreyer, als er sich zur Rettung der Familie eines deutschen In­genieurs in das Chinesenviertel begab, von chinesischen -oldaten durch Schüsse in Kops und Unterleib getötet. Die Täter wurden ergriffen und so­so r t e r s ch o s s e n. Yuanschikai sprach sein Bedauern Ober den Tod Schreyers aus. Der deutsche Ingenieur liademacher wurde durch einen HicbübcrdieHand '.eicht verletzt. Das Konsulatskorps in Tientsin hat auf -Bitte der chinesischen Behörden veranlaßt, daß auch in dem Chincscnviertcl von Tientsin ein Sick-crhcitsdicnsl ein aerichtet wird, soweit die Kommandanten der fremden truppen dazu in der Lage sind.

Berlin, 4. März. Don ber Bauverwaltung ber kaiserlich chinesischen Tientsin -- Pukow- Eisenbahn (Nordstrecke) in Tientsin ist hier ein vom 3. März datiertes Telegramm bei der Deutsch-chinesischen Eisenbahn-Gesellschaft eingegangen, wonach in der vorher­gehenden Nacht in Tientsin die Soldaten meu­terten. Hierbei wurde der deutsche Bahnarzt S ch r c h e r getötet Tie übrigen Beamten befinden sich in ^ickicrheit.

TieKölnische Zeitung" meldet aus Dortmund: Ter in Tientsin ermordete deutsche Arzt Dr. O s kar Schr cyer -tammt aus Dortmund. Seine Gattin weilt mit den Son­

dern in Hamburg

Simjatsen und yuanschikai.

Peking, 4. März. In Beantwortung eines Berichts der Nankinger Delegierten, die sich jetzt in Peking bennden er kl a r t e - nnja 1 sen , er werde nicht länger bar au r beit eben, >ßB Auanschirai Nanking besuche. Er billigte den Ent- dlluB der Delegierten, vier aus ihrer Mitte auszuwahlcn die nach Nanking zurückkehren sollen. Diele sollen dort die Anichau- ungen der Mächte darlegen und den Republikanern des Dudens euseinandersetzen, wie notwendig cs iet,Buamchikai zu unterstützen und wie erwünscht es wäre, wenn die Nankinger Jkgierung ijadi Peking komme, um eine starke .Koalition herbei zu ftthren. I Infolgebenen bereiten sich die Deputierten aus die

loch Gerüchten aus dem Innern und nach. Beobachten von Grup- 3cn von Fremden, die täglich aus den nördlichen Gebirgen um gefährdet in der Stadt ankommen, wird u b e r a I I v o n B a n d e n in Solbatcn get>lünbert. l'ehng m.ub-rr°sckenb Die Gesandtsämsten sind jetzt der Meinung, datz bte Ordnung letzt nieder hergestellt ist, wenn die dort weilenden Soldaten nicht auch nrutern.

Die Lage in Tientsin

Tientsin, 4. März. Obgleich heute in der Stadt alles Whig ist, herrscht doch eine gedrückte ^tirnnrung. ^er gan^c 0 anbei stockt. Am meisten hatten die Pw^tti^n unter Tlun Gerungen zu leiden. Die Spuren der 9lufruhrcr Nnd m nUni beuteubeu Verkehrsstrasten wahrzunehmen. In etmgen Kratzen Ingen halbverbrannte Leichen aus dem Damm. Tuch heute wurde wieder eine Reihe von Einrichtungen »ogen. Z>vei Kompagnien engliickier ^ntanteric bleibm in ^ngta , bie übrigen geben hierher zurück. Großes l'lukieben ries heute nachmittag ein telephonischer Bericht des runncken Konsuls hervo , »mach 700 ch i n e s i s cki e S o l d a I e n m das o r s -r a 11 w i r u ine Meile von den Fremdmniederlassungsn enNernt, e i n g i> run g en sein sollten und so gegen die ^sMmmung Abmachung gehandelt haben sollten, die die -lmvcienhctt chin 1 'djer Truppen innerhalb eines Umkreiies von neben Je tuen um

die Fremdenniederlassungen verbietet. Die fremden Mi li tärbehörden beschlossen, gemeinsam vorzugehen, um die Eindringlinge zu entfernen. Britische, deutsche, fron zösische, russische und lapanische Truppenabteilungen wurden zu diesem Zwecke ausgeboten. Indessen stellte sich nach einer vor genommenen Rekognoszierung die Nachricht des ruiiiidien Konsuls als unrichtig heraus, da keine chinesiscknn Truppen das verbotene Gebiet betreten hatten. Es wurden jedoch Vorsichtsmaßregeln getroffen, um jede derartige Gebietsverletzung sofort zur Kenntnis zu bringen.

Der Kaiser in Wilhelmshaven.

Wilhelmshaven, 4. März. Der Kaiser traf nach kurzem Aufenthalt in Oldenburg kurz vor 12 Uhr mittags im Exerzierhause der 2. Matrosen - Division ein, begrüßte nach Eiitgegennahme der Meldung die Rekruten, schritt die Froiit ab und nahm gegenüber der Fahne und dem Altar Aufstellung. Hierauf hielten die leiden Marinegeistlichen, der evangelische Konsistorialrat Schorn und der katholische Oberpfarrer Erdmann, An prachen, an die sich die Vereidigung der Rekruten durch Oberleutnant zur See Haeßler von der 2. Werftdivision anschloß. Nach der Vereidigung hieltderKaiseretne Ansprache, in der er zur treuen Erfüllung der durch >cn Fahneneid übernommenen Pflichten ermahnte. Danach brachte der Inspekteur der 2 Marineinspektion, Kontrc- abnttral Jacobsen, das Kaiserhoch aus. Um 121/g Uhr traf der Kaiser im Offizierskasino ein, wo ein Frühstück tattfand, an dem der Großadmiral v. Tirpiy, die orts­anwesenden Admirale, das Gefolge und die Offiziere der an der Vereidigung beteiligten Marineteilc sowie die beiden Geistlichen teilnahmen. Um Uhr verließ der Kaiser das Kasino, begab sich im Automobil nach dem Linienschiff T eilt f d)Ianb" unb nahm dort Wohnung.

Im Anschluß an die Rekrntenvereidiaung verlieh der Kaiser bem Ches ber Marincstation der Nordsee Admiral Grafen B a u d i s s i n den Schwarzen Adlerorden.

Vie veisetznng tes ®rofil)trjogs von Eurcmburg.

Suremburg, 4. März. Zur Beisetzung des Großhcrzvgs waren von Fürstlichkeiten hier cingctroffcn: Der König der Belgier, Prinz August Wilhelm von Preußen als Vertreter des deutschen Kaisers, der Großherzog unb die Großherzogin von Baden, Prinz Eduard von Anhalt, Prinz Konrad von Bavern, die Herzogin Karl Theodor von Bauern, Herzog Franz Josef von Bauern, Prinz Friedrich von Schaumburg-Lippe, Prinz Eugen von Schwe­den, die Erzherzogin Maria Theresia von Oesterreich, Erzherzog Prinz Salvator von Oesterreich, ber Herzog von Braganza, Herzog Albreckst von Württemberg, die Herzogin von Parma, Prinz l'aoir von Parma, der Fürst von Waldeck, Fürst zu Wied unb Fürst Löwenstein-Wertheim Roßberg. Ferner waren von einer Anzahl Staaten außerordentliche Abordnungen ein - getroffen, sowie Abordnungen der deutschen Städte Biebrich, Söniqftein, Weilburg, Wiesbaden und Lengris.

Kürz vor 1 Ulyr erfolgte die Anfahrt ber Fürstlichkeiten vor der protestantischen Kirche in Gegemvart eines sehr zahlreichen Publikums. Um 1 Uhr begann in der Kirche, wohin die Leiche des Großherzogs vorgestern in aller Stille übergeführt und auf­gebahrt worden war, ein Trauergottesdienst, zu dem wegen des beschränkten Raumes nur eine geringe Anzahl von Einladungen ergangen war. Nach verschiedenen Gesängen der Gemeinde hielt Hoiprebiger Schenck die Gedächtnisrede und mit einem weiteren Gesang schloß die Trauerseier. Tic Fürstlichkeiten fuhren nach ber Feier zum Palais ßurück, wo ein Frühstück ftattfanb. Nach bemfelben sand im engsten Familienkreise die rigenttichc vor­läufige Beisetzung der Leiche des Großherzogs in der prote- stanrischen Kirche statt.

Dom italieniidjtürtifdicn Kriegsschauplatz.

Kämpfe bei Terna.

Terna, 4. März. iAgenzia Stefanie Gestern früh wurde ein Bataillon des 35. Infanterie--Regim ents, das die Ar beiten an dem kleinen Fort Lombardia schützen sollte, plötzlich vom Feinde aus dem Hinterhalt angegriffen. Nach dreivierü-lftündigem Kamps wurde der Feind von den italienischen Truppen durch mehrfache Baionettangrisfe aus seinen Stellungen vertrieben. Gegen 11 Uhr erneuerte der Feind ben Angriff, um die verlorenen Stellungen zurückzuerobern, und zwar mit bedeutend stärkeren Kräften, die zu einer langen Front auseinandergezogen waren, damit sie die von dem italieniKfjen Bataillon eingenommene Stellung leichter umgehen konnten. Dieser Umgehungsversuch wurde durch die beschleunigte Ankunst de« anderen Bataillons des 28. Regiments, des Bataillons Alpini aus Edolo, das durch Teile ber Bataillone von Jvrea unb Verona verstärkt wurde, und durch eine Gebirgsbatterie verhindert. Tiefe Streitkräfte umzingelten den Feind auf ber Linken und warfen ibn durch Baionettangrisfe aus seiner Stellung bis zu einem Nebenfluß des Wadi bu Maafer. In dieser Stellung kiitctc ber Feind längere Zeit dem italienischen Gewehr- und Geschütz­feuer erbitterten Widerstand. Erst als General Trombi mit seinem Bataillon der Alpini aus Saluzze eingreifen und den reckten Flügel des Feindes umgehen ließ, zog der Feind sich cndgiltig zurück. Als die Nacht hereinbrach, waren die Ita­liener im Delitz aller Stellungen, die der Feind nacheinander eingenommen und während des ganzen Tages mit allen Kräften, darunter zahlreichen türkischen Regulären, unb mit außerordent Heber Erbitterung, die häufig zum Nahekampfe führte, verteidigt hatte Die Verluste des Feindes unb sehr schwer, doch machte es bk Nackt unmöglich, die Verluste genauer zu be­rechnen. Auf italienischer Säte sind ungefähr 150 Mann kampi- uiriähig geworden.

Deutsches Reich.

Tie Verhandlungen der bürgerlichen Parteien des Reichs­tags über die am 8. b. M. vorzunehmendc neue Präsidenten­wahl haben, fo wird uns aus Berlin geschrieben, bis jetzt zu [einem Resultate geführt Nach dem Stande der gegenwärtigen Verhandlungen ist Aussicht auf eine zufriedenstellende Einigung nicht vorhanden. Die Verhandlungen sollen aber trotzdem in dieser Wocke wätergefuhrt werden.

Vor einiger Zeit verhaftete die Frankfurter Polizei, io lesen wir in derFranks. Ztg ", einen W e t tv er m i ttl c r. Bei der vorgenommenen Haussuchung wurden Briefe gefunden, die daraus schließen ließen, daß dieser für die französische

Regierung Spionage trabe. Es wurden dann Telegramme und Briese aufgefangen, unb~ cd zeigte^sich, daß der Verbackt berechtigt war, und daß die Seele der Spionage rin angeblidKr Techniker war Auch dieser wurde verhaftet. Die polizeiliche» ReckerckLii haben ergeben, daß der Techniker der f r a n zösi i ck e n Botschaft in Berlin mittriltc, er sei imstande, ihr ctzescknlk- zeicknungen aus Essen und Zrichnuitgen des neuen ffr uppschen Arlil I erieges chosses zu liefern. Der Techniker fuhr mit einem andern Bekannten nach Paris, hatte mit dem Agenten eine Besprechung, der die beiden ins Ministerium des Innern führte. Tort unterhandelten sie mit einem höheren Beamten Es wurde ihnen gesagt, daß man alles brauchen könne. Für einen Zünder zahle man 1000 Mark, für rin Geschoß 3000 Mark, für ein Perschiußstück 5000 Mark, für die Originalzeichimng eines Geschützes sechs bis acksttansend Mark In einem Brief erklärte später der Teckmiker, daß er Metallstücke, die er in Essen nicht bekommen könne, sich durch Einbruch in Wilhelmshaven verschaffen werde. Wettere Verhaftungen sotten bevorstehen.

Tic Bremische Handelskammer veröffentlicht ein an sie ergangenes Handschreiben der H a ndel s ka in m er zu PI» mouth, in rotlcbcm diese ihrer Ucbcrjcugung '?bi^bnuf gibt, daß das rtnrtjd)aftlid)c Gedeihen Englands und Deutschlands in hohem Maße von ber Erhaltung des Friedens unb des wechsel eiligen Wohlwollens abhängig ist. Sic nnhtfd)? ferner, iebc 0k * mciiischast mit irgend welchen politischen Schritten unb irgend welchen Aeußerungcn ber Presse abzulehnen, bic darauf berechnet seien, die ftcunbfdiaftlichen Beziehungen Englands und Deutsch lands zu gefährden Die Brenicr Handelskammer hat eine Ant­wort in ähnlichem Sinne beschlossen.

2ütslanfc.

Aus London wird gemeldet: Die Anhängerinnen deS Frauenstimmrechts veranstalteten am Montag früh im Westend die gleiche flnnbgcbung wie am Freitag. Viele Schaufenster bekannter Geschäfte imirben zertrümmert. Mehrere Frauen wurden verhaftet. Einige warfen an den Wohnungen des Lordkanzlers unb des Ministers bes Jnnerit bic Fenster ein.

Arbeiterbewegung.

ßin Auküand in ben Berliner Kartonagefabriken.

Berlin,4. März. In sämtlichen ftartonagcfabrilcn tst Ikiüc morgen bic Arbeit nicht aufgenommen worden. Tie Industrie ist vollständig lahm gelegt.

Der 49. vervanvsioq der hessischen candwirtschosv Uchen Senossenschasten .

sand am Montag vormittag 10 Uhr im städtischen Saalban zu Tarrn ftabt statt. Es waren etwa 400 Personen erschienen. Das Präsidium führte Geheimcrat Haas, der die Erschieiicnen begrüßte unb die Herren Geheimcrat Dr. Wagner und Tircftor Tr. Nolden ss-rankfuri wttlkommen hieß. Er sprach auch fein Bedauern darüber aus, daß weder bic Staatsregicrung noch das streisamt Bertvrier entsandt hätten Er machte dann bic Mitteilung, daß der internationale Verbandstag der Landwtri- schafttichcn Genossenschaften in diesem Jahre in Baden-Baden ftattfmbcn wird. Ferner teilte er mtt, daß der Defonomicrat Dr. Heidenreich sein 25jährige« Jubiläum als Direktor der Zentral- geuossenschast friert.

Bei der Wahl der Verbandsausschußmitglieder tritt Tr. Heidcnreich für die Vornahme der Wahl durch Zuruf rin, wie dies seither gehandhabt wurde, obwohl die Stählten Zettel- wähl fordern. Dieser Antrag fand auch die Unterstützung des Vorsitzenden. Von ben Vertretern der Spar- und Darlehnskasse Griesheim aber wird diesem Anträge widersprochen. Aus der nun folgenden Aussprache ergibt sich, daß sich der Protest be­sonders gegen die Wiederwahl des Bürgermeisters Senßfelder- Büttelborn richtet. Es wird dann beschlossen, einen Wahlvor- schlaasausschuß zu wählen unb die Wahl daher zurückzustetten.

Dann dankt Tircftor Tr. Nolden für die ihm urteil ge­worbene Einladung und spricht der Tätigkeit des Berbanbs- bircktors Haas feine Anerkennung aus.

Präsident Haas dankt und hebt bettrot, daß Tr. NoIden im Auftrage des Rrichsverbandes das Genosferrschaftswesen mit großer Mühe in Sübwcst-Afrika eingerichtet habe. Generalsekretär X? a a« erstattet hierauf den Jahresbericht, dem wir fol­gende Angaben entnehmen:

Im Jahre 1910 bat sich wiederum eine bemerkenswerte Zunahme der landwfrtschaftlick^n Genossenschaften vollzogen, doch blieb ber Zuwachs gegen die Vorjahre etwas zurück. Die Ver­mehrung betrug: 813 Genossenschaften ttn Jahre 1910, gegen 1048 (Genossenschaften im Jahre 1909, gegen 1005 Genossen­schaften im Jahre 1908.

Demgemäß hat sich die ;3aM der ländlichen Genossenschaften gesteigert auf: 24 175 am 31. Dezember 1910, gegenüber 23 362 am 31. Dezember 1909, gegenüber 22 314 am 31. Dezember 1908.

An dieser bemerkenswerten Zunahme sind alle Genossen­schaftsarten, wenn auch in verschiedenem Grade beteiligt

Hiernach ist Ende 1910 zu verzeichnen ein Bestand von: 94 Zcntralgenosfenschaften, 15 616 Spar- und Darlehnskassen, 2265 Bezugs- und Absatzgcnossenickaften, 3364 Molkerri Milch- verwertungs- (^eiwssenschaften, 2836 sonstigen Genosfenschasten.

Ter Verband der hessischen landwirtschaftlichen Genossenschaften besteht zurzeit aus 672 Genossenschaften mit 70 396 Mitglickem. Eine Berbandsgenossenschaft geriet in Konkurs, trotzdem zu ihrer Erhaltung seit Jahren schon Die um fassendsten Anstrengungen gemacht wurden, t*r Spar- und Krebit- oerrin Nieder-Modau. Dieser Verein ist im Jahre 1874 gegrün­det worben Sein Beitritt zum hessischen Verband erfolgte im Jahre 1879. Die Geschäftsführung des Vereins war von Anfang keine nnroanbfreie. Trotzdem verstand et, sich in weiten Kreisen der Bevölkerung Vertrauen zu erwerben, so daß ihm von nahe unb ferne bei weitem mehr fremde Gelder in Form von Spar­einlagen zuflosien, als er in seinem eigentlichen Geschäftsbetrieb, sowie zur Befriedigung des Personalkredits seiner Mitglieder be­nötigte. Die Folge war, daß die überfchießenben kurzfristigen Betriebsmittel in einer Weife Anlage fanben, die im Laufe Der Zeit immer mehr ben genossenschaftlichen Prinzipien der Liquidität unb hauptsächlich ber Sicherheit Hohn sprachen. Nicht nur, baß man übermäßige Beträge in meistens faulen Hypotheken unb in Kaufschillingen festlegte, gewährte man auch Blankokrebite in be­liebiger Hohe, machte unbeschränkte Geschäfte mit Nichtmitgliedern im Jahre 1899 war bereits über bic Hälfte der Betriebsmittel bei solchen fest gelegt, unterließ den Einzug fälliger Zinsen fast vollständig, so baß Ende 1902 der Zinsenausstand die horrende Hohe von über 220 000 Mark erreicht hatte. Bon Einhaltung einer Krebitgrenze sah man entweder ab ober setzte sich über die Feststellung hinaus, indem man einzelnen Personen Ärcbitc bis