Die Technik der Spionage.
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Mus dem Reiche des unfreiwilligen Sprachhumors.
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Im „Journal des D4- „Der blinde Zwing von
meiner Zeichen aus den Augen!" LatS" schrieb John L emo inne:
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ftoria ßuife",, ? Ißeftiegen war M, Hf, um 9.16 Uhr ix eingebracht.
Vater sprach." Franyois Coppse scheint sich über dem Begriff Zwillinge nicht recht klar gewesen zu sein. Sonst hätte er nicht schreiben können: „Sie setzte sich zu ihren beiden Töchtern, zwei gleichalterigen Zwillingen, die beide. 18 Jahre zählten,"
Aber, selbst wenn die Dichter ihre Gedanken zusarmnen- halten, können sie in Teufels Küche kommen. Sehr sorg- sältig müssen sie zum Beispiel bei der „Benamsung" ihrer Helden verfahren, denn gar leicht kann sich ein Namensvetter eines „Romanschurken" getroffen fühlen, und nicht selten führt das zu unangenehmen Schadenersatz-Prozessen. Das hatte Eugöne Chavette, der in dieser Hinsicht böser Erfahrungen gemacht hatte, veranlaßt, in seinem Romans „Tas Ohr des Kutschers" nur die Namen solcher Personen: zu verwenden, die unter dem Fallbeil geendet hatten. Aber auch das half nichts; denn er bekam von einem Namensvetter, eines seiner Helden, namens Tumollard, einen saugroben Brief.
— Die Vorexpedition nach Spitzbergen bet» deutschen arktischen Expedition Schröder-Stran, verließ am Montag den Haien von Tromsö. Tas angckauste Schm „Sterling" ist mit Genehmigung des regierenden Herzogs von Sachsen-Altenburg in Anwesenheit des deutschen und des österreichischen Konsuls, des Generaldirektors Ballin^ der Teilnehmer und des Feuers der deutschen arktischen Expedition Leutnant Schröder Strane sowie anderer bekannter Persönlichkeiten Herzog Ernst" getauft worden. Bei dieser Gelegenheit trat Generaldirektor Ballin dem Ehrenkonritee der deutschen arktischen Expedition bei.
— Ter Teutsche Schillerbund veröffentlicht soeben ein neues Ä e r b e h e f t, das einen geschichtlichen Rückblick auf die Entstehung und das Wirken des Bundes, Stimmen über die Idee der Weimarer Nationalfestspiele für die deutsche Jugend Wildenbruch, Rosegger, Karl Lamprecht, Friedrich Paulsen, Ernst Wachler, eine Schilderung der kulturhistorischen Bedeutung Weimars, stimmen über die Festspiele von 1909 und 1911 die .Satzungen des Deutschen .Schillerbundes, Vachrichlar über den
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fammengeben zum Beispiel tn bcr Iür!eu Die Slbrüfhinq erfiarte er für eine Utopie, die selbst durch eme deutsch-sranzösische Entente nicht verwirklicht werden könne, -tic MaroNoiruge fei zwischen beiden Ländern eiidgultig erledigt. Weiterdin wies der Staatssekretär aui daS Piehadie Entgegeii- kommen hin, daS Kaiser Wilhelm und die Regierung unter Inina hm e der ganzen öffentlichen Meinung TeuttchlandS gegenüber Frankrcidi bewiesen halten, zum Beispiel in der- B a gda d- .I nge l e g e n b c 11, in bic Frankreich alS dritte Macht imt Deutschland und England, oder sogar später zu gleichen Teilen mit Deutschland allein hätte eintreten sollen. Fra nk r c i dli f c i a der stets in seine Schmollerei per tollen. Müsse, feit Frankreich und Deutschland in der clsaßloihringifwen Frage einander gcgenübcrftcbcn, der eine rot sagen, sobald der andere blau gejagt hat? Sei es nötig, bah Frankreich die Chinesische an» leihe zurückweist, nur weil Deutschland die Initiative dazu er» griffen hat? Tic neuen Wehr vor lag en feien notig gewesen, weil man uns zu bedrohen schien und wir »eigen m übten, bau wir imstande seien, uns zu verteidigen. Aut den Einwurt, datz doch England Deutschland bedrohe, nicht aber ,Frankreich, gegen das die HeercsvermcHrung gerichtet sei, erfolgte der Hinweis daß bei einem deutsch-englischen .Kriege keine französische Regierung in F r a n f r c i di langer al 5 drei Stunden dem Volks sturm widerstehe, der das Land an die Grenze treiben würde.
Ter Reichskanzler beim Kaiser.
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metrie ermöglicht, aus einem einzigen Bilde ohne erheb» siche MonftruIlion oder Rechnung die geforderten Größen- verhältnisse gleichsam abzulesen, ist zwar sehr geistvoll, aber es genügt nicht für die Zwecke der Spionage. Denn da diese Methode von der Betrachtung eines regelmäßigen geometrischen Gebildes ausgekü, so muß sie versagen, wem, das aufzunehmende Obsekt sich nicht aus vertikalen und horizontalen Ebenen zusammensetzt. Wenn ein Objekt der rcien Natur z. B. mit gänzlich unebenem Terrain Gegen- tand der Aufnahme ist, so wird diese Aufnahme als Meß- rild für die Spionage so gut wie unbrauchbar sein. In solchen Fällen hat man sich nun zunächst dadurch geholfen, daß man eine zweite Ausnahme machte und aus den beiden Aufnahmen dann geometrisch und rechnerisch das nölige zog. Es war ein sehr umständliches Verfahren, und ein sehr zeitraubendes. Die älteste Methode der Photogrammetrie verlangte zwei Ansichten des Objekts von zwei verschiedenen Standpunkten aus. Die jüngere Methode, die Stereophotogrammetrie, hat den Vorteil, das; das Stereosiopbilo ein dem aufgenommenen Gegenstände vollständig gleichwertiges Modell darstellt, das ebenso b e - taste't und ausgemesscn werden kann, wie das Objekt selbst. Die äußersten Feinheiten können da |tn- biert werden. Es ist das Ideal der Spionage. Stereoskopische Aufnahmen aber können Amateure mit jeder kleinen Handkamera Herstellen, indem sie zwei Aufnahmen machen, die zweite um ca. 65—70 Millimeter (Augendistanz) zur Seite gerückt. , , , r . . ,
Man sieht, die Spionagetechntk i)t ebenso einfach w»e gefährlich geworden, und daher das neuerdings so besonders scharfe Mihtrauen und rasche Zugreifen der Behörden.
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sehen, sondern auch Stumme sprechen, —o schreibt eine Zei- tung: „Ter Großrabbiner von Frankreich, Isidor, den leider ein Schlaganfall zur Stummheit verdammt hat, hat eine Stimme mit den Gebeten der Gläubigen zu Gott vereint." Adele E s q u i r o s erfindet in einem ihrer Romane die Schmelzbarkeit des Tiamanten: „Frau von Saint-Mö- grin beklagte bitterlich ihre verbrannten spitzen und thre geschmolzenen Diamanten." , c _ ..
(rine Menge von Stilblüten hat auch de Ehampfleurh verbrochen. So schreibt er: „Die Tarnen kicherten, indem ie sich mit lächelndem Munde und girrenden Augen, um )ie sie eine Schauspielerin beneidet hätte, ansahen. und ein anderesmal spricht er von „den modernen Alchymisten von heute, die Besseres als Gold entdeckt haben". Ferner sagt er von einer'Heldin: „sie konnte ihren Blick nicht von jenem erleuchteten Horizont wenden, wo die Frauen in Musik und Edelsteinen, im Tanze und in der Liebe schwammen " Ter schon einmal erwähnte Jules de Gast y n e lässt einen Reger, der eines Verbrechens beschuldigt wird, seine Unschuld beteuern, wobei der Polizeikommissar vergebens darauf wartete, das; er vor Anglt und Schrecken bleich wird. Charles Merouvel hatte anscheinend an jeder Hand zehn Finger gehabt. In seinem Roman „Jennn Fayelle" schreibt er nämlich: „Tic Tarne hatte eine solch schlanke Taille, daß eine Männerhand sie mit ihren zehn Fingern hatte umfassen können." Und em anderer Schriftsteller weiß von einer Heldin zu erzählen, daß sie „die talte Hand einer Schlange besaß". . ,
Bon den Pariser Sternen schreibt ein belgischer Romandichter wie folgt: „Die die Sterne des Firmamentes, so haben auch die von Paris lang und mühsam um ihre Dressen kämpfen müssen, und die Schminke hat ihre Stirne frühzeitig geiurcht." Er muß sich die Sterne sehr genau betrachtet haben, um diese Wahrnehmung machen zu tönn- nen. „Wenige Augenblicke später entführte uns ein Sagen, cor dem zwei galoppierende Pferde trabten", berichtet Albert Blanquet in einem seiner Romane, Marcel
Vic Lage nach der Begegnung von Baltischport.
flilfinflcr Gespräche deö Herrn von Kiderlen.
Herr v. Kiderlen-Wächter wirbt um Mariannes Hand. In Kissingen hat er in Gesprächen mit einem Redakteur des „Figaro" feine Gefühle offenbart, und man wird an ein bekanntes Lustspiel erinnert, wenn man diese Kis'inger Gespräche gerade heute in den Zeitungen liest. Heute, wo die Franzosen geneigt sein werden, lachend darüber £u triumphieren, daß der Begegnung von Baltisch-Port: P prompt die Festigung des ruifisch-französischen ®ünbni|)ed gefolgt sei. In der Tat, der Blumenstrauß des Herrn von Räderten kommt zu spät, Marianne hat ihre Hand schon vergeben. .
Inzwischen hüt der Kaiser mit dorn R^chrkanz.er einen lange,i Spaziergang an der waldbewachsenen L_st|eekuste aemacht. Man wird wohl nicht fehl gehen, da» die beiden '•Könnet sich auch über die neue Wendung der russischen Politik unterhalten haben. Leider hatten sie noch keine Gelegenheit gehabt, von den geistreichen LUlsinger Gesprächen Kidcrlens zu lesen, sonst wurden sie vielleicht mit vielen anderen Deutschen denken, daß der Herr Ltaatv- sekretät lein reck)tes Empfinden für die Wurde des Reiches gezeigt hat. Tenn an einen Erfolg feiner Tugendpredigt wird er doch wohl iclbft nicht glauben. Nach den bitteren Betrachtungen, die zu den amtlichen Verlautbarungen in fast allen deutscheii Zeitungen erschienen sind, wäre Schweigen besser gewesen. „ . .
Tas „Bert. Tgbl." veröfscntlicht^G e s p r ä ch e des Redakteurs Bourdon vom „Figaro" mit Staatssekretär v. fti» derlcn-Wächler. Gleichzeitig werden diese K i ] f in 9 er Gespräche mt „Figaro" in Paris verösfentlicht. Es geht aus ihnen hervor, daß man in Frankreich glaubte, die onentlichc Meinung in Deutschland fei während des letzten Jahres besonders wahrend der schwierigsten Momente der Marokkoverhand- lungcn, vor Krieaslust erbebt. .^utzcrungen Herrn u Kiderlens haben Bourdon darüber belehrt, baß. bien Ansicht falsch ist. Herr v. Kidcrlen befürwortete in ,einen Unter» rebungen wiederholt ein o c u i i cb • i a n s c 1 1 • cl'1
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die Stadt „ i '«nhaiisenundA^
Swinemünde, 5. Aug. Ter Reichskanzler von Bet h m a n n » Ho l l w eg ist um 4.47 Uhr hier cingetrossen und von dem Gesandten v. Treutler am Bahnhof ernpsangen und an Bord der „Hohenzotlern" geleitet worden, wo er Wohnung nahm. Ter Kaiser arbeitete nachmittags allein und empfing den Reichskanzler nach seinem Eintreffen auf der „Hohenzollcrn" und hörte den V o r t r a g d e s R e i ch ö- kanzlers. Nach dem Vortrag uilternahm der Kaiser mit feiner Umgebung eine Ausfahrt im Automobil nach Ahldeck, wo der Kaiser nochmals den Platz für das Kinderheim besichtigte. An bie Autofahrt schloß sich ein längerer Spaziergang durch den Wald. Während der Fahrt saß der Reichskanzler im ersten Automobil neben dem Kaiser. Während des Spazierganges zog der Kaiser den Reichskanzler tn ein längeres Gespräch. Die Rückkehr aüs bie „Hohenzollem" erfolgte gegen 8 Uhr. Für die Abendtafel waren geladen Landrat v. Bötticher und der Bürgermeister von Swinemünde, Graetzel v. Äraetz.
Poiucates Reise nach Petersburg.
Paris, 5. Aug. Ministerpräsident Poincars ist heute morgen nach 2ü:tlitd)cn abgereist, von wo er an Bord des Panzerkreuzers „Conds" nach Rußland reist.
Petersburg, 5. Aug. Der Direktor der KredUkauzlci des Finanzministeriums ermädmgte bie Petersburger Telegrafenagentur, bic Pariser Gerüchte über eine bevorstehenbc miC der Reise Poincarös zusammenhailgenbe russische Anleihe in Frankreich kategorisch zu bcmentieren, ba überlmupt feine Anleihe geplant sei.
Abreise des deutschen Botschafters Frhrn. v. Marschall nach Deutschland.
London, 6. Aug. Ter deutsche Botschafter Freiherr v. Marschall ist nach Deutschland abge- r e i ft. »
Ob der Botfchafter dem Kaiser und Kanzler neues zu sagen haben wird? Jedenfalls wird seine Reise die größte Ausmerksamkeit erregen. I
Aeaderungea im englischen Kabinett?
London, 5. Slug. Die Abendblätter bezeichnen verschiedene Acn dernngen im Ministerium als wahrscheinlich. Der . Lorbpräsibent des Geheimen Rats Discount Morley soll aus i Gesunbhcilsrucksichten zurucktreten und ber Sekretär sur Inbien, Grews, sein Nachsolger werben. Der Generalposlmcister Sa- ni u c l soll an bic Stelle des Chessekretärs für Irland, Birrel,. . treten, der zum Peer ernannt werben solle. MU weniger Bestimmt-s
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| „Sie sprach", so schreibt Jules de Gastyne, „indem )ic I ihren weißen Arm, der an Schönheit mit der Venus von Milo wetteifern konnte, und der rote karrarifcher Marmor funkelte, langsam in die Höhe hob."
Öii der „Muse du Departement schildert «atzac eine Sängerin, welche mit Hilfe eines Taschentuches jc- manbem die Augen verbindet, so daß er nicht sehen kann, Vvohin sie ihn führt. Und zum Schluß läßt er bic ganger in bie Worte sprechen: „Habt wohl acht! Verliert keines
Albert Eim, ein hervorragender sranzösischer Bibttv- I graph, der zu den fleißigsten Sammlern aus diesem Ge- 1 biete gehört, veröffentlicht im neuesten Hefte der „Revue I eine reizende Auslese von Stilblüten und Sprachschnitzern französischer Schriftsteller, die eine wahre Schatzkammer unfreiwilligen Humors darstellen. Köstlich ist, wie viele französische Autoren an der Venus von Milo geschei- I tert sind. Charles MLrouvel geht sogar so wett, da» I er Milo" für den Nainen eines berühmten Bildhauers k hält; er schreibt nämlich: „Sie war ihrer ganzen Gestalt » nach ein wahres Wunder, mit prachtvoll geformtem Hals, Üppiger Brust und wohlgeformien Hüsten, so das, Milo, ber Künstler, dessen Ruhm Jahrhunderte nicht haben, ver- l loschen können, nach ihr ein Pendant zu seiner unsterb» I lick-en Statue hätte schaffen können."
Ein anderer Roinansdwiftsteller, Amedßc de Bast, - teilt seinen Lesern mit, daß der Held „Joseph de Plumard ; niederkniete und einen ehrsurchtsoollen Kuß aus jene rocißc, | volle, schöngesorntte Hand drückte, die der der berühmten E Venus von Milo au Schönheit nichts nachgab " Und ein 1 anderer weiß von schönen Armen der Venus zu erzählen:
qx 185 Erstes Blatt 162. Jahrgang Dienstag, 6. August 1912
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Annahme von Anzeigen flotationsörud und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Steindruckerei R. Lange. Redaktion, Erpedition und vruderel: Schuiftray. r. Land-. E.Hcu: für den «flSTut)“ Bübingen: 8«mfpred)er fir. 269 Geschäftsstelle B-chnhoMratzelb-. d>n,.>nen.«u Serf.
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Hannover litt unsäglich, als er sah, das; die Preußen )em Königreich annektierten." Bei Emile Pouvrllon treuen *nr „Ginibre, einen ehrenwerten Bliitden, der einen sehn fiiidjhgcn Klick nach einer Weinflasche wirst".
8 Verhältnis zueinander.
Diese Forderungen erfüllt die M e ß b i l d k u n st, die r metrische Photographie oder Photogrammetrie genannt. Sic ermöglicht es, die Größcnverhältnisse und Entfernungen | ber verschiedenen Gegenstände festzustellen und das vom | Spion ausgenonimene Bild in jedem gewünschten Maßstabe t j einen Grundritz um-n-eichnen. Das Ber fahren besteht in einer eigentümlichen, geometrisch begründeten Umkehrung der gewöhnlichen Perspektive. Es erfordert in seiner Auweitdung durchaus keine hohe Getehr- famkeit und setzt außer ein paar örunbmefjungen nur Photographien voraus, die der mathematischen Grundlage der gewöhnlichen Perspektive entsprechen. Das Versahren wurde zuerst von Militär-Topographen aus dem ihnen zunächst liegenden Gebiete der Geländeausnahme versucht. Ihre Verjuckw ergaben zunächst die Anwendbarkeit der Theorie in vollem Umfange; aber die vor 40 Jahren noch vorhandene Unzulänglichkeit der pl-otographifcheil Objektive, die Unbehilflichkeit des damals noch üblichen „nassen" photographischen Versuhrens vereitelten alle Bemühungen für Einführung auch in die Praxis der Spionage. Erst feit Erfindung der Trocken plarte hat das Meßbildver- fahren, zunächst aus architettonischem Gebiete, großen Aus- fchroung genommen. Alphonse Bertillon hat das System bekanntlich in die Kriminalistik eingesührt Tas Bcrtll- lonsche Verfahren, das auch dem Laien in ber Photogiam-
Die Verhaftung von fünfEngländern wegen l.rbachts ber Spionage in Kiel erfolgte auf Grund der ;(i ihnen vorgefundenen Photographischen Auf. ahmen. Tic Verhaftungen wegen Spionage erfolgen, nuerbings fast immer aus diesem Grunde, und dem Laien .n diesen Dingen mag es vielleicht manchmal anffallen, welche — nach seiner Ansicht wohl übertriebene — Beben- ung die Militär- und Polizeibehörden jedem, auch dem . ......... i ilscheinbarsten Amateurbildchen beilegen unb wie sie sofort ieigtt, bdSI rnergisch zugreifen, wenn ein der Spionage Verdächtiger
AllsteLusiii' ! Iltit einem „>iodak" oder einem sonst>gen photographiscbcn *.....' ilvparat arbeitet. Lange Zeit herrschte ja bic Ansicht, daß
I tre allem das geschriebene Wort eines Spions den Zweck | ünb die Wirkung habe, fremden Generalstäben eine anschau- I siche Vorstellung von den Orten und Tinten zu geben, q Q„ tie den Gegenstand der ausländischen Spionage bilden.
O? ■ TI ?ie gute Arbeit des Spions, also die Gefährlichkeit der m H ^Luonage liege, so i?- tc man, dann vor, wenn Ort und
ennbfrhrbh I '1 gcnstände eingchei.i und anjch.iuli befchrieben wurden.
9 Cöw;r Dieses Verfahren bildete auch tatsächlich sozusagen bie Urzeit ber Spionage. Aber bie Wandlung vollzog sich in-
' " der roachsciiden „Bedürfnijfe" ocs Mitti.ir-
chr bald. Ein guter Spion mußte unbedingt neben seinen nehr ober minder geheimnisvollen Schilderungen auch ein ttoki, einen Plan, eine Zeichnung, Skizzen und Grund cisse einsenden, die er selbst auszunehmen hatte, wenn er jic nickst — stehlen ober kaufen konnte. Dieses Versahren, bm Ort ober Gegenstanb eines militärischen Geheimnisses durch Zeichnung aufzunehmen, sollte jeboch nur ein Glied in der Kette neuer Fortschritte bilden. Bald machte sich bic Rachsrage nach vollständigeren und anschaulicheren Un* lerlagen geltend. Was lag da näher, als die wertvollen Dienste anzunehmen, welche die Photographie bot?
Die Photographie hat den Vorzug, die Dinge völlig objekttv wiederzugeben. Sie verzeichnet automatisch alle Einzelheiten, ohne das geringste innerhalb ihres Gesichts- kceises zu übersel-en. Wenn jedoch das photographische Äild den Anforderungen der Spionage enlfprechen soll, muß eö auch imstande sein, genaue Ausschlüsse über die w i r k- liche Größe der aufgenommenen Gegenstände zu enei len, über Tiefe, Höhe, Breite, Form, Standort und das


