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6.1.1912 Erstes Blatt
 
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" Der Witwe Felix Dahns find von allen Seiten Herz- liche Beileidskundgebungen angegangen. Der Reichskanzler tele­graphierte : Zu dem schweren Verlust, den Sie durch das Hin­scheiden Ihres auch von mir hochverehrten Herrn Gemahls, und mit Ihnen die deutsche Wissenschaft, die Dichter und die Dichtkunst erleiden, spreche ich meine aufrichtigste Teilnahme aus. Im 65c» dächtnis unseres Volkes hat sich der Verewigte als Erforscher deut­scher Vergangenheit und begeisterter Verkündiger deutscher Ruhmes­taten ein bleibendes Denkmal besetzt. Ter Kultusminister tele­graphierte : Anläßlich des Hinicheidens Ihres um die Wissenschaft und das Vaterland hochverdienten Gemahls spreche ich mein wärm­stes Beileid aus. Außerdem haben Beileids kundgebungen ge­sandt Fürst und Fürstin von Hatzfeldt zu Drachenberg, urrd dir! Universität Königsberg. Auch aus dem Auslande sind zahlreiche Beileidskundgebungen eingegangen.

Gieszener Stadttheater.

Doktor KlauS.

Lustspiel von L' A r r v n g e.

Gießen, 6. Jan.

Das älteste Denkmal der Jungfrau von Grleans.

Am 7. Januar 1912 ist ein halbes Jahrhundert seit der Geburt der Jeanne d'Are, her Jungfrau von Orleans, verflossen. Ter Tag wird in Frankreich zu Festlichkeiten Anlaß geben, die in kirch­lichen und legitimistischen Kreisen einen besonders großartigen Charakter annehmet dürsten. Aus Anlaß des Festes sei des ältesten Denkmals gedacht, das dem heldenhaften Mädchen von Tomremp errichtet nfurde. Das Denkmal erstand bereits zu Anfang des 16. Jahrhunderts in Orleans. Tie Revolution hat es aber hinweggefegt, so daß jetzt nichts mehr davon zu finden ist. Johann Wilhelm Neumayr, Erbeingesessener auf Ramßla, der als Be­gleiter des Herzogs Johann Ernst des Jüngeren von Sachsen im Juni 1613 in Orleans weilte, sah das Tenkmal noch an Ort und Stelle aus der über die Loire führenden Brücke stehen. In seinem 1620 geruckten Reisediarium schreibt er:Heber dem Fluß ist eine große steinerne Brücke. Tas Wasser macht allhier in der,Mitte eine Insel. Auf der ersten Brücke auf der rechten Hand,steht ein großes Kreuz aus Metall, hierauf folgt die Insel, darauf wohnen Handwerksleute und Krämer. Tann kommt die andere Brücke. Daselbst steht nicht weit vom Stadttor auch aus der rechten Hand ein altes Monument, so König Carola VII. und der Jungfrau Johanna, welche die Engländer von dieser Stadt abgetrieben hat, zum Gedächtnis aufgerichtet worden. Hst ein Postament, mit Quadersteinen aufgeführtt oben wie ein Felsen ausgearbeitet, darauf steht ein großes Kreuz von Metall, aut

Gemütlich, sanft und behaglich fließt das Bächlein von L'Ar- vmgeS bescheidener Kunst dahin und scheut auch die Krümmen und Umwege nicht, wenn es die Umstände so mit sich bringen. Viel Sentimentalität schwimmt auf dem lustigen Wässcrlein, aber auch manch blitzendes, wertvolles Veilchen, das Gott weiß welch ein ourall lams dem Meer hierher getragen, schimmert aus dem werckten Grund strahlend und seltsam genug herauf. Und doch, es ist wohl keine Frage, daß diese stillen, sittsamen Wässerlein mehr verhaltene Kraft in sich beracn, als die bengalisch beleuchteten Fon- tanen unserer modernen Lustspieltritonen, die sich im seichtesten Rmnial ihrer Gedanken wie leibhaftige Mecrgötter gebetben, mir baß Ne anstatt des funkelnden Dreizacks den klingenden Tantiemen- beutel ickwingen.

L'Arrongc ist gewiß kein Großer, keiner vvn denen, die auf den Parnatz getreten sind, aber in seiner einfachen Kunst ist v?r8' lU Gemüt und die tut uns heute so sehr nötig, Man Hot

Freude an dem «alten Herrn, der uns so manches lustige Stuck gqmricben hat, so wie es schon unsere Väter hatten, und wenn es >o flott und munter und liebenswürdig dargestellt wird, wie gestern unter Herrn Hermann B a k o f s Leitung auf unserer Bühne, bann muß man seine Freude haben. Und wer freut fick nicht gern. Herr -o a t o f spielte den bärbeißigen, pflichteifrigen Doktor Klaus mit warmer, fester Herzlichkeit, schlicht und eindrucksvoll.

jeurt (5iil bn e, der in Hannetes Himmelfahrt den rohen, viehnchen Vater glänzend dargestellt hatte, spielte gestern den liebevollen,^ treubesorgten Papa mit ebensoviel Kunst und Ein­fühlung. Fräulein Akila de la Chapelle gab der etwas matt geratenen Julie angenehme Züge. Ter leichtlebige Max war bei Derrn Rudolf Goll in guten Händen. Ein allerliebstes Paar waren Fräulein be Bruyn^und Herr Rappeport als Emma

erfaßte, prächtige Ama bei offener Büh te außerordentlichen Beifall fand. Vorzüglich yar auch der Kutscher Lubowsky des Herrn Norden. In den kleineren Rollen taten sich Fräulein Brehm als Frau Klaus unlj Herr Georg Hilpert als Colmar hervor.

N.

auch in einer Rüstung, hat auch ein Schwert an bet Seite und einen Kranz auf dem Haupte, die Haare hangen hinten hinab bis Über den Gürtel, hat die Hände zusammengelegt, und steht ihr Helm nächst vor ihr. Ist alles aus Metall in natürlicher Größe. Tiese Jungfrau ist letzthin zu Rouen verbrannt worden, da sie eine Zauberin gewesen sein soll. Tvch hat sie wieder die Engländer, so damals beinahe ganz Frankreich innegehabt, tapfer gestritten und fast allezeit wider sie gesiegt." Soweit der brave Thüringer Neumayr. Seine ziemlich unbekannt gebliebene Schilderung gibt das Tenkmal recht anschaulich wieder. Ms er es sah, war es übrigens schon erneuert worden. Tiese Erneuerung war ge­schehen im Jahre 1578. Später wurde dann das Tenkmal beim Neubau der Brücke an eine Straßenecke gestellt, aber im Taumel der Revolution gänzlich zerstört. Gewissermaßen zur Sühne wurde im Jahre 1803 auf dem langgestreckten Platz du Matroi zu Ehren der Heldin ein neues Monument errichtet, eine fast drei Meter hohe, sehr bewegt aufgefaßte Brvnzestatue der Jungfrau, Fahne und Schwert in den Händen, auf etwas höherem, mit Marmor- reliess geschmücktem Postament, ein Kunstwerk, mehr geeig­net für eine Barrikadenkämpferin als für das zur Heiligen er­hobene fromme und begeisterte Mädchen von Tomremy.

demselben sitzt zu oberft ein Pelikan mit seinen Jungen, nächst vor dem Kreuz sitzt Maria und hat Christum auf dem Schoß vor sich liegen. Aus der rechten Hand gegen das Tor kniet König Carolus VII. in einer Rüstung mit bloßem Haupt, hat ein , .-U' v .. vhuhu , Schwert an der Seite, vor ihm steht ein Schild mit den drei Lilien,

-6^rzuglich war Fräulein Lore <2 cholz als Marianne, darauf sein Helm, hat die Hände zusammengeschlagen. Auf der oag ebenso rote Fräulein Elie Jüngling als äußerst scharf | anderen Seite gegen das Kruzifix kniet die Jungfrau Johanna,

ckrster Blatt

62. Jahrgang

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Chefredakteur: A Goetz.

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Samstag, 6. Januar j9j2

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Die heutige Nummer umfaßt 16 Seiten.

Zrinr Wablfamyr in Giefzen.

Giehcn, 6. Junuar.

Es war ein H'aupttreffen im Kampf um das Gießener Reichstagsmandat, als in der von der wirtschaft­lichen Bereinigung anberaumten öffentlichen Wählerver­sammlung deren Kandidat Tr. Werne r und der Kandidat der vereinigten Liberalen, Verbandssekrctär Erkelenz, gestern in der Aussprache einander gegenüber traten. In der Versammlung waren leider auch einige Leute, die so wenig politische Reife befaßen, das; sie die Rede Tr. Wer­ners durch Zwischenrufe und Gelächter zu stören suchten. Der fortschrittliche Privatdozent Dr. Bogt war den Herren am Vorstandstisch behilflich, Ruhe zu schaffen, indem er auf das Törichte des lärmenden Verhaltens hinwies und in Aussicht stellte, daß liberale Gegenredner Herrn Tr. Werner das Nötige schon entgegnen werden. Es war auch schon um deswillen keine Ursache zu störenden Unterbrechun­gen gegeben, da Tr. Werner durchaus sachlich und ohne be­sondere Angriffe vorging. Er erstattete zwar einen reich lich ausführlichen Bericht über feine Tätigkeit im Reichs­tag, man kann ihm aber das Zugeständnis nicht versagen, daß seine Ausführungen von Interesse waren und in vielen Teilen auch die Billigung grundsätzlich anders Denkender finden konnten. Es wird ja ziemlich allgemein anerkannt, daß unsere Regierung beim Abschluß von Handelsverträgen in der letzten Zeit nicht gerade eine glückliche und geschickte Hand gezeigt hat. Ob es gerade im Interesse des Reiches lag, den schwedischen und japanischen Handelsvertrag ab- »uleHnen, darüber wird mau verschiedener Meinung fein können. Eine vertragslose Zeit hatte in diesen Fällen schwerlich etwas Verlockendes. Durch sachgemäße Kritik aber kann und muß die Regierung auf andere Wege ge­wiesen werden, und sie hat ja neuerdings auch bei ähn­lichen Arbeiten Sachverständige in vermehrter Zahl zur Mitarbeit herangezogen.

Herr Tr. Werner hat im Anfang seiner Ausführungen sich auch über die Haltung unseres Blattes be­schwert, das sichvon den gemäßigt liberalen Bahnen ent­fernt" und die Aufnahme seiner Berichtigung verweigert habe. Wir bestätigen, daß wir eine Zuschrift Dr. Werners, die an einen Wochenbericht aus dem liberalen Waolbureau anknüpste, abgelehnt haben. Das ist aber darum erfolgt, weil wir große politische Auseinandersetzungen, wie sie in Wahlversammlungen üblich sind, in unserem Blatte nicht dauernd zuni Austrag bringen können. Deshalb haben wir aus beiden Lagern Beiträge ablehnen müssen. Unsere Aufgabe soll es nur fein, den Lesern ein ungefähres Bild der A r t und des Maßes der Wahlagitation zu geben. Für die Veröffentlichung solcher Agitackons-Wochenberichte, die na­türlich immer ein subjektives Gepräge haben werden, haben wir auch dem Wahlausschuß der Kandidatur Werner unser Blatt zur Verfügung gestellt. Daß davon kein Gebrauch gemacht wird, ist nicht unsere Schuld. Das Programm und die Ziele, die Tr. Werner verfolgt, sind aus dem vorigen Wah'llampf unseren Lesern wohlbekannt. Daß wir die Kan­didatur Erkelenz, die sich auf die beiden bereinigten libe­ralen Parteien stützt, sympathisch aufnehmen und ihre Richt­linien ausführlich wiedergeben, kann doch bei dem libe­ralen Charakter unseres Blattes, den wir nie verleugnet haben, nicht Wunder nehmen. Die Vorhaltung Dr. Wer­ners hindert uns nicht, auch über seine Versammlung, seinen Abgeordnetenbericht und seine agitatorischen Ausführun­gen, sachlich und objektiv zu berichten.

Dr. Werner wußte in dem Bericht über seine Tätigkeit im Reichstage sehr geschickt seine positive und sachliche Mit­arbeit in den Vordergrund zu rücken und die Versammlung hörte ihm bis dahin ruhig an. Als er auf die Zukunfts-

Crsatzsteuern auf ß

über seine Stellung zur 'Monarchie

er den Kaiser seirr

Einfluß

dann Tr. Bogt nochmals das Wort

Wogen von neuem höher. In sehr

iroie die Judenhetze und die Kaiser-

Sozialdemokratie,

treue. Aber da di! Stunde weit über Mitternacht borge

allmählich das Interesse. Der Saal

rückt war, berlor

setzt blieben.

didaten die Sozialdemokraten hatten

dürfte. Beide Ka

litische Erfahrungen. Die Aussprache

iber die innere

Zustände war so eingehend, daß die

Monarchen mit har boll waren auch d Brutalität antisem

auf trotz

Wenn es wirklich a Besitzsteuem gegeb

und borsichtig Tr.

teile der Erbschaftssteuer so viel andere habe, warum habe dann die Reichs-

ischer Gepflogenheiten. Der Redner

chwarzblaue Mehrheit" die Erbschafts Dafür mußte Erkelenz ** nun Bor

steuer abgelehnt ha' würfe Tr. Werner-

leerte sich unter gvßem Lärm, während dieSperrsitze" von den Anhängem der wirtschaftlichen Vereinigung be-

!r bisherigen Mehrheit die angeführten cberc Bedenken gestoßen seien. Im all­

gemeinen ging Erkunz auf den Reichstagsbericht Dr. Wer ners nicht ausfül rch ein. Desto.mehr führte er an, was

hingewiesen wurde, der erfassung den größten

verfassungsmäßigen Rechte ent- egen aus der Versammlung

kleiden wolle, wo König Eduard der englischen ausgeübt habe. 2ll>

zog hier einen scharfn Trennungsstrich zwischen gut deutsch Empfindenden und Der gefühllosen antisemitischen Drauf­gängerart.

Ta prallten zw. Schluß die Geister hart aufeinander, denn Tr. Vogt hatf o,t mit beißender Ironie gesprochen. Dr. Werner, der sch trotz der allgemeinen Unruhe noch Gehör verschaffte, (ntgeguctc sehr erregt. Nochmals be­leuchtete er die Büidnispolitik mit dem Zentrum und der

tagsmehrheit sie upt zum Gesetze^gemacht? Das beweise, daß eben auch bei

ziele zu sprechemam, wurde es schon lebhafter. Seine Besprechung der^ichssinanzreform und namentlich der Erbschaftssteuer bfa vielen nicht genügt. Tie Bewegung steigerte sich, ais (tuf die WahlparoleSchutz der natio­nalen Arbeit" zu bredjen kam. Ta ertönten Zwischenrufe über Zwischenrufe Vs er geendet und der liberale Gegen kandid^ Erkelenz zur Ucbcrrafdjung vieler Anwesenden sich |f die Rampe schwang, brnd) ein leb­hafter Beifall los.^-Sehr ruhig und maßvoll bradjtc Herr Erkelenz seine cüninbige Entgegnung vor. So geschickt ferner seine Sache angefaßt hatte: hier wurde ihm dock) \ r manch treffender ^öatz vorgehalten.

ergriff, gingen die

gewandter Form bi "t dieser Redner dem Kandidaten Tr.

offiziell zum FernaeloeN ausgeforoe^r oeufugai ube- Intelligenz und pl " ' ~

Werner allerlei Wi wsprüche vor. Aenßemngen ans den Deutsch-sozialen Blsttem" aus dem November des Jahres

iuswärtige Pcki-ik etwas zu kurz kam. Möchten di letzten Tage vor dsr Wahl, so heiß die Leidenschaften anf- fepeitscht werden, nicht aus den Bahnen der Sachlich­keit und bofi'i^ei Wob «Anständigkeit muiben!

anhören, was mit Daten aus seiner Sd>rift belegt wurde. Diese Erwiderung *5. Werners konnte nur unter lebhafter Unruhe erfolgen. wurde Erkelenz vorgeworfen, daß

leider Tr. Werner >i ich t gesagt l)abe. Und so rückte er ihm die politische jage ans dem liberalen Gesichts­winkel vor die An^ti: nament(id) beleuchtete er, wie un­recht es sei, daß die chwarzblaue Mehrheit" die Erbschafts-

1908 zeigten, daß ckch Dr. Werners Parteigenossen dem n Worteii begegnet seien. Eindrucks- Ausführungen Tr. Vogts über die

Alles in allem! ein interessanter, sehr bewegter Abend, der an der Lage iri Wahlkreis aber wenig geändert haben

Aus Hessen.

9u§ dem Finanzausschuß.

rb. Darmstadt, 5. Jan. Der Finanzausschuß der Zweiten Kammer ist heute vormittag in die

Sonderberatung des Voranschlags cingctreten. Beim Vor­anschlag der Domänen des Großy. Hauses werden in der Rubrik Hofbauwesen für Renovierungsarbeiteii im Residenz?chloß 13100 Mk. und für bauliche Verbesserungen im Hosstallgebände 7200 Mk. verlangt. Es sdll mit der Regierung darüber in Verlandlung getreten werden, ob diese Weuanforberungcn nicht aus dem Fonds für allge­meine Unterhaltung entnommen werden können. Beim Vor- ansdflag der T o m a n i a l v e r w a l t u n g wurde die Tätig­leit des Vereinsadfungsaussdfusses anerkannt, dessen Wirk­samkeit es au verdanken ist, daß jetzt neun Oberförster* stellen aufgehoben werden sollen. Vom Anssdfußpräsid.'nten Tr. Osann wurde angeregt, die Regierung um die An­legung eines Verzeickfuisses der verpackfteten Tomanialhöfe zu er)udjen, aus welchem auch zugleich der Wert zu er­sehen ist.

Der Voranschlag der staatlichen Kohlengrube L u d w i g s h o f f n u n g" balanziert in Einnahme und Ausgabe mit 181 874 Mk. Ter Ausschuß besdiloß, die Re­gierung um Auskunft über den jetzigen Bau stand zu er- )ud)en, sowie über die Frage Erkundigung einzuziehen, wie weit die Verhandlungen mit Aktiengesellschaften oder sonstigen Gesellsd)aften über deren Beteiligung usw ge­diehen seien. Beini Voranschlag für Saline, Badeanstalt: und Bad Nauheim, der jetzt betanntlid) mit dem Vor­anschlag für Bad Salzhausen verbunden ist und mit einer Ausgabe von 1 513 800 Mk. abschließt, wurde im Ausschuß beklagt, daß auch diesmal nur wieder, wie in den Vor­jahren, ein Betrag von 100 000 Mk. als Ueberschuß der allgemeinen Staatsverwaltung zugewiesen werden soll. Es wird an die Regierung das Ersuchen gerichtet werden, eine erhebliche Erhöhung dieser an die Staatskasse abzuführen­den Summe zu veranlassen. Weiter wurde vom Ausschuß die im vorigen Landtag kurz vor dessen Schluß eingebrachte, aber von der Kammer abgelehnte Forderung auf Erhöhung der Ausgabe für die Vertretung Hessens im Bun­de s r a t (es wurde damals statt des im Voranschlag vor­gesehenen Betrages von 38000 Mk. ein solcher von 30 000 Mark verlangt), deren Gesamtforderung jetzt auf 45 000Mk. bemessen ist, genehmigt, ebenso die Forderung für die Er­weiterung der Räume der Großh. Hofbibliothek, die sich auf 85 202 Mk. beläuft

Eine längere Aussprache entspann sich dann nod) über die Frage der Umgestaltung der Oberrechnnngskammer, doch schloß man sich schließlich dem Entschluß des Vereinfochungs- ausschusses an, daß hier mit Ausnahme der Abstriche des vorigen Jahres eine grundsätzliche Aenderung in der Or-« ganisation nicht richtig erscheine. Die Foickfetzung der HauSbaltsberatung des Finanzausschusses wurde mit Rück­sicht auf die Reichstagswahlen auf Dienstag, 16. Januar, vertagt.

Die Vereinfachung der Staatsverwaltung.

rb. Darmstadt, 5. Jan. Der parlamentarische 91 u6fd)u6 zur Vereinfachung der Staatsverwal­tung ift für Dienstag, den 16. Januar, nachmittags 4 Uhr, von der Regierung zu einer neuen Sitzung einberufen worden. Auf der Tagesordnung steht die Beratung über die Verein­fachungen auf dem Gebiet der Forstverwaltung und eine andere Organisation der Bergbehörden.

Eine Anfrage über den Unfall in Bahnhof Ober-Roden.

Abg. Nebel hat in der Zweiten Kammer folgende Anfrage eingebracht:

9(m 23. Dezember 1911, abends 7 Uhr, ereignete sich ttn Bahn hoi Ober-Roden ein höchst beklagenswerter Unfall. Ter Ißjäbriqe Arbeiter Adam Schwartzkopf von Urberach, der ein* uae Cohn und Ernährer der Witwe Schivartzkopf dorifelbst, wurde, als er in den bereitstehenden Zug nach llrberad) etnfleiqen wollte, beim Ueberfchreiten der Gieleife von einer Rangiermaschine er<aßt und tätlich verlegt- Dieser Unglücksfall gibt mir Veranlassung, 'olaende Anfrage an Großherzogliche Regierung zu richten: 1. Ist Großberzoglicher Regierung bekannt, daß im Bahnbof Ober-Roden