Ausgabe 
4.7.1912 Erstes Blatt
 
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Aus Marokko.

Wie aus Fez gemeldet wird, hat General Stautet) infolge der guten Haltung der Bevölkerung in der letzten Zeit und ange- sichts der erfolgreichen militärischen Maßnahmen den über Fez verhängten Belagerungszustand aufgehoben. Nach einer weiteren Meldung aus Fez hat der im Uerga-Tal aufge­tauchte neue Roghi (Prätendent), der über bedeutende Geldmittel zu verfügen scheine, bereit? zahlreiche Anhänger um sich geschart und den Kaid Wedba Mohamed Schcrgi, der sich ihm entgegen^ stellte, in die Fluclst geschlagen. Es heißt, daß die Kolonne Gou- raud gegen den Roghi marschieren und versuchen werde, ihn ge­fangen zu nehmen. Proklamationen fordern die Ali-Bussi und Bein Mguil auf, mit Proviant für sieben Tage gegen El Hadjed zu ziehen. Der Sidi Raho und Beni Mtir würden sich an- schließcn. Die Vereinigung solle in Sefru stattfinden.

Ter Pascha von Moaador hat erklärt, er müsse in sran- zösiscl)em Auftrage die in Mogador liegenden Güter des Kaid G e l u l i beschlagnahme n. Da Gcluli für die der deutschen Sache, insbesondere anläßlich der Amvesenheit der deutschen Kriegs­schiffe in Agadir geleisteten Dienste auf Grund der Madrider Konvention den deutschen Schutz erhalten hat, hat der deutsche Vizekonsul gegen diese Maßregelung Gelulis Einspruch erhoben. Es ist notwendig, gegen derartige Uebergriffe schürf für unsere Rechte einzutreten.

Ausland.

Der böhmischs Landesausschuß beschloß die Wahl der in den Landtag gewäblten Frau Vikkunetichy einer be­sonderen Landtagskommission zuzuweisen, um die Frage des pas­siven Frauenwahlrechts prinzipiell zu lösen.

Die Anfälle von Herzschwäche der Zarin sind in den letzten Monaten ganz gewichen. Ihre Gesundheit ist jetzt vor­züglich,

Deutsches Reich.

Der Ausschuß des Deutschen Handelstages sprach sich dafür aus, daß den Frauen, die Inhaber von in das Handelsregister eingetragenen Finnen sind und int übrigen den Anforderungen bezüglich der Teilnahme an den HandelS- kam in erwählen entsprächen, die Ausübung desWahlrechts in eigener Person und nicht iüie bisher durch Prokuristen zugestairden werde.

TieBerl. N. Nachr." erhalten von einem früheren Bundes­staatlichen Beamten des Deutsclien Reichs die Mitteilung, er habe sich vergewissert, daß sein minderjähriger 16*/» Jahre alter Sohn unter dem Namen Francois Ariw in die französische Fremden­legion in Afrika cingcreiht worden sei, ohne im Besitze iraendivelcker Ausweispapiere zu sein. Der Vater, der auf eine frühere Anfrage an das AuSwärttge Amt den Bescheid erhielt, sein Sohn sei nicht in der Fremdenlegion, hat sich jetzt erneut wegen Auslieferung seines SohneS an das AuSwärttge Amt gewandt.

Entgegen anderslautenden Meldungen ist es durchaus nicht sicher, daß die bayerische Regierung im Herbst einem neuen Entwurf einer Erba n fall st euer zu stimmen wird. Ein Beschluß ist seitens der bayerischen Regierung bisher nicht erfolgt.

Bei der Abstimmung in der badischen Kammer über das Gesetz, nach dem der Stadt Mannheim ein sechster Abge­ordneter zugebilligt werden sollte, hat der Entwurf die erforder­liche Zweidnttelmcbrl^it nicht geffmden. Dafür sttmtnten 42 Ab­geordnete (Rattonalliberale, Fortschrittler und Sozialdemokraten), dagegen 28 Abgeordnete (Zentrum und Konservative). Da- Gesetz ist somit abgelehnt.

Die TorpedobooteS. 177",178" und179" sind am Mittwoch abend 7 Uhr in Düsseldorf eingetroffen und von dem auf der Rheinbrücke und an den Ufern des Rhein- versam­melten, nach Tausenden zählenden Publrkum mit großem Jubel begrüßt worden.

gäbe des 16. Armeekorps und aus einer Infanterie-Brigade des 8. Armeekorps (dabei tauschweise ein Regiment des 16. Armeekorps), einer Kavallerie-Brigade des 8. Armee­korps und je einem Feld-Artitlerie-Regiment des 8. und 15. Armeekorps, wofür bei diesen Korps neue Regimenter geHlbet sind. Tas Pionier- und Train-Bataillon sind neu aufgestellt. Es sind also zur Bildung dieses Armeekorps sehr viel umfangreichere Verschiebungen und Versetzungen von Truppenteilen erforderlich gewesen, als im Osten beim 15. Armeekorps.

Bei der Aufstellung dieser beiden neuen Korps ist der Grundsatz maßgebend gewesen, sie bis an die Grenze heran­zuführen und ihnen dadurch auch einen Teil des Grenz­schutzes zu übertragen. Bei der Aufstellung der Korps und der Abgrenzung ihrer Bezirke tarnt die Heeresleitung zwei Grundsätze befolgen. Sie legt die Korps entweder hintereinander parallel' zur Grenze, oder nebeneinander in schmalen Streifen, die senkrecht zur feindlichen Grenze führen. Ersteres hat den Vorteil, daß nur ein Korps mit dem Grenzschutz beauftragt ist und dadurch in seiner Mobil­machung beeinträchtigt und gestört wird. Es bildet den Schutz für die dalstnter liegenden Korps. Es trägt aber den Nachteil in sich, daß die ganze Last auf einem einzigen Armeekorps ruht, daß es eine sehr lange Strecke zu sichern hat, daß die fträfte sehr zersplittert werden, und daß eine Unterstützung aus der Tiefe unmöglich ist. Die Einheit­lichkeit der Befehlsführung leidet, wenn die dahinter liegen­den Armeekorps zur Unterstützung vorrücken müssen. Des­halb werden bei uns den einzelnen Korps verhältnismäßig schmale, dafür aber tiefe Bezirke zugewiesen, so daß jedes Korps sich selbst aus der Tiefe unterstützen kann. Dies erleichtert auch die Konzentration bei der Mobilmachung, wenn der Aufmarsch beginnt. Die Bildung der neuen Armeekorps hat diesen Grundsatz noch schärfer hervortreten lassen.

So fällt dem 8. Armeekorps im wesentlichen die Deckung von Trier und der Schutz gegen die Luxemburger Grenze zu, das 16. Armeekorps stebt auf der kurzen Strecke Metz Diedenhvfen und ist außerdem durch die beiden Festungen und den starken Mosel-Abschnitt gesichert. Das neue 21. Armeekorps deckt oen Raum MörchingenSaarburg, also die Eingangspforte der Franzosen von Nancy her. Ihm fällt wohl Die wichtigste und schwerste Aufgabe zu. Im Süden schließt sich das 15. Armeekorps an, das sich auf Straßburg stützt und die Vogesen zu halten hat, während dem 14. Armeekorps die Sicherung der trouee de Belfort zu fällt.

Im Osten stützt sich das 1. Armeekorps auf Königsberg und hat die reine Ostfront in der Linie TilsitAngerburg zu decken. Das neue 20. Armeekorps sichert die Uebergängc über die Masurischen Seen. Die Uebergänge sind hier nicht sehr zahlreich; sie führen überdies defileeartig durch die Seen, so das; sie sich leicht sperren lassen. Die wichtigste "Verbindung ist durch die Feste Boyen gesperrt. Auch an den anderen sollen Befestigungen errichtet sein. Das 17. Ar­meekorps hat die schmale Strecke StraßburgThorn bis zur Weichsel zu sichern. Daran schließt sich das 2. Armee­korps bei BrombergHohensalza.

Die neuen Armeekorps, deren Aufstellung wohl auch schon früher für den Mobilmachungsfall geplant war, bil­den eine wesentliche Stärkung unserer Heeresmacht. Wenn auch die Zahl der neu ausgestellten Truppen klein ist, so bildet doch ihr Zusammenfasscn in feste Verbände schon im Frieden einen großen Vorteil.

Nach sechstägiger Beratung tm englischen Unterhaus wurde der erste Artikel der Home R u l e b i l l mit 316 gegen 224 Stimmen angenommen und die Diskussion geschlossen. Dies rief Widerspruch bei der Opvosition hervor, aber der Zwischenfall ging schließlich vorüber. Tas Haus schritt zur Beratung des zweiten Artikels.

Nach einer Blättermeldung aus Lissabon sind die roya­listischen Verschwörer, die sich in verschidenen spannchen Dörfern hart an der portugiesischen Grenze aufhalten, in dem Kloster von Eannedo damit beschäftigt, Uniformen unb Wundver­bände anzufertigen. Tie royalistischen vvrtigiesischen Osstziere hätten kürzlich aus Barcelona eine beträchtliche Anzahl von Ge­wehren sowie Geld erhalten.

Wie verlautet, hat der aus Monastir eigetroffene Arrnee- inspektor in Saloniki, D ekle Pascha, der Pforte einen Bericht unterbreitet, in welchem er befür wortet, auf die Fahnen­flüchtigen durch Ratschläge einzuwirken. Ter außer - ordcntlichr Ministerrat soll beschlossen haben, mit den Meuterern zu verhandeln.

Tie türkische Kammer nahm den Gesetzentwurf, durch welchen eS den Offizieren untersagt ist, sich mit Poli­tik zu befassen, endgültig an. Die Kammer begann dann mit der Budgetberatung.

TieTimes" meldet aus Teheran vom 2. Juli: Ter Schatzmeister und P r i v a t s e k r e t ä r des Exschahs ist vor einigen Tagen von Odessa nach Wien ab gereist. Mohamed Ali soll bereits nach Europa gereift sein oder im Begriffe sein, dorthin abzureisen. Wie es heißt, soll er nach Karlsbad gehen. Die Tätigkeit seiner Agenten hier und in Europa erregt große Besorg­nisse. Täbris, wo fein Anhänger Schudya eb Dauleh Gouverneur ist, scheint ihm ein besseres Terrain zu bieten als das Turkmenen- gebict, wo sich seine letzten Mißerfolge abgespielt haben.

Lvangclische Landessynode.

rm. Darmstadt, 2. Juli.

Die 9. Sitzung der 8. evangelischen Landessynode wurde heute unter dem Vorsitz des Prof. D. Stamm- Gie^n durch ein Gebet des Pfarrers Fritsche, Ruppertsburg, eröffnet. Ter Vorsitzende widmete den durch Tod ausgeschiedenen Mitgliedern, sowie dem verstorbenen Präsidenten Buchner warme Worte und erhebt sich das Haus von den Sitzen. Es folgen Berichts-Anzeigen durch die Synodalen Lucius, Wahl-Schlitz, Sack und den Vor­sitzenden. lieber die Wahlprüsungen berichtet Wahl-Schlitz, der im Namen des Ausschusses wohl die Gültigkeit aller Dekanats­wahlen beantragt, aber eine ganze Reihe Verstöße gegen die Wahl- vorschristen erörtert, mit dem Wunsche, daß in Zukunst die Bestim­mungen besser eingehalten werden. Von den neu eingetretenen Mitgliedern werden vereidigt Krapp-Sickenhofen, Leidtke-Tarm- stadt, Strack-Birkenau, Major von Teichmann-Darmstadt und Wahl-Beienheim. Es folgt die Beratung über das Gesuch evangelischer Organisten und Chordirigenten in Hessen, um Neu­regelung der Anstellungs- und Gelmltsverbältnisse für die kirchen- musikalischen Aemter. Der Ausschuß hat beantragt, in Verhand­lungen über? die in dem Gesuch gestellten Mnzelanträge nicht einzugehen, dagegen die Kirchenbehorde zu ersuchen, mit der Staats- behoroe wegen der Aufhebung des Art. 50, wonach der Lehrer zur Ucbcmabmc des Organistendienstes verpflichtet ist, zu verhandeln. Pfarrer Dr. Diehl begründet im Namen der Ausschußmehrheit den Antrags, während für die Minderheit D. Schmitt spricht und beantragt, den Art. 50 nicht aufzuheben, wenn die Staatsregieriing dies nicht freiwillig beantragt. Im Namen der Kirchenbehorde gibt Oberkonsistorialrat D. Petersen eine längere Erklärung ab, in der er feststellt, das; auf Anregung der Regierung Verhand­lungen über die Aushebung des Artikels stattgefunden haben. Tas Oberkonsistorium ist nicht gegen die. Aushebung, hat aber doch verschiedene, wichtige Bedenken. Es entspinnt sich eine lebhafte Aussprache, an der sich die Synodalen Fritsch, Schmeckenberger, Schlosser, Wagner, D. Diehl, D. Eger, Dr. Lucius, Oberkonsi- storialpräsident Nebel u. a. beteiligen. Schließlich kommt ein Kom­promißantrag zustande, danach soll in eine Erörterung der Einzel- anträge, solange nicht eingetreten werden, als die Regierung nicht besondere Anregung dazu gibt. Bei Aufhebung des Art. 50 sollen die kirchlichen Interessen und Rechte in jeder Beziehung gewahrt und die Regierung ersucht werden, besonders auch die kirchenmusikalische Ausbildung auf den Seminaren weiter zu pflegen. Außerdem soll eine angemessene Zeit zum Uebergang in daZ neue Verhältnis vorgesehen werden.

Provirrzial-Ausfchutz der Provinz Dberhessen.

L. Gießen, 3. Juni.

Anwesend: Geheimerat Dr. Usinger, als Vorsitzender und sechs Mitglieder. Beginn 31/?, Ende 7/2 Uhr.

1. BesetzungdermittlerenKanzlei-undUnter- beamtenstellen bei der Stadt Gießen mit Mili­täranwärtern. Das Bezirkskommando Gießen hatte bean­standet, daß die Stadtverordnetenversaurmlung zu Gießen es ab­gelehnt hatte, folgende Stellen im städtischen Dienst in das Ver­zeichnis der den Militäranwärtern vorbehaltenen Stellen auf­zunehmen und zwar: Wiesenwärter, Maschinist im Schlachthof, Trichinenschauer, Straßenwarte, Stadtgärtner, Maschinist bei der Kläranlage, Straßenmeister, Lagerverwalter und Aufseher im Stcinbruch, Materialverwalter tm Gas- und Wasserwerk. Auf Veranlassung des Kreisamts Gießen als Aufsichtsbehörde bean­standete die Bürgermeisterei Gießen diesen Beschluß. Da die Sache nach dem 1. Llpril d. I. rechtshängig geworden war, hatte der Provinzialaussckmß über diese Beanstandung zu entscheiden. Er erließ folgendes Urteil: Der Beanstandung ist teilweise statt­zugeben. Es sind in das Verzeichnis der den Militäranwärtern vorbehaltenen Stellen aufzunehmen die Stellen des Wiesenwätters, der Trichinenschauer und der Straßenwarte gemäß 8 3 Ms. 1 Nr. 2 der Anstellungsgrundsätze, die Stellen des Straßenmeisters, des Lagcrverwalters und Aussehers im Steinbruch und des Mate­rialverwalters beim GaS- und Wasserwerk gemäß 8 5 der An- ftellungsgrundsätze. Dagegen wird der weiteren Beanstandung bezüglich der übrigen Stellen keine Folge gegeben.

2. Beschwerde deZ Georg Kipp IV. zu Ockstadt gegen d i e Bürgermeisterei Ockstadt über bie Zu­teilung von Allmendgrundstücken. G. Platz II. zu Ockstadt hatte auf sein, aus zwei getrennt liegenden Grundstücken bestehendes, Allmendlos verzichtet. Nach Mn Tode seines Vaters ließ er sich dessen Allmendlos, das aus einem Stück bestand, über­tragen. Jnzwisckien war an G Kipp die Reihe gekommen, ein Mlmendlos zu erhalten. Die Bürgermeisterei übertrug ihm das durch den Verzicht des Platz freigewordene Los. Hiergegen hat sich Kipp beschwett. Der Kreisausschuß Friedberg gab der Be­schwerde statt und entschied, daß Platz und Kipp mit ihren Losen zu tauschen hätten. Die Kosten des Verfahrens wurden der Gemeinde Ockstadt gemäß Art. 70, 71 der Kreis- und Provinzial­ordnung auferlegt. Gegen die Kostenauferlegung verfolgte die Bürgermeisterei Rekurs an den Provinzialausschuß. Er wurde als unzulässig vettvorfen unter Verurteilung der Gemeinde in die weiter entstandenen Kosten einschließlich der der anwaltlichen Vertretung deS Platz und Kipp.

3. Gesuch des Heinrich Oestreich zu Gießen um Erteilung der Erlaubnis zum Betrieb einer Schankwirtschaft i n dem Hause Wetzlarer Weg 77. Stadtverordnetenversammlung und Polizeiamt batten sich gegen daS Gesuch ausgesprochen. Ter Kreisausschuß Gießen lehnte es daher mangels Bedürfnisses ab. Ter hiergegen verfolgte Rekurs wurde von dem Provinzialausschuß heute äks unbegründet kosten- fällig verworfen.

Aus Statt und (and.

Gießen, 4. Juli 1912.

**Taae?kalender für Donnerstag, 4 Juli Ober* Hess. Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. Abends 8V, ubr Vortrag im Physik. Jnstttttt.

* In Audienz empfangen wurde vvm Groß. Herzog am Mittwoch u a Kreisamtmann Tr H o ß von Lauterbach, ttittmelfter ä la suite der Armee LeopoldP r i n z

zu Isenburg und Büdingen-Bierstein rmdDrikn Röschen zu Freienseen.

* * Pfarrpersonatien. Ter Großherrog hat dem zweiten Pfarrer zu Grünberg Fritz Schmidt die erste evang. Pfarrstetle daselbst übertragen.

* * Prüfung sstatistik. Der Prüfung für die mitt­leren Stellen im Finanz fach unterzogen sich im Früh­jahr d. I. 25 Kandidaten, davon 8 ohne Erfolg. Bon den 17 Bestandenen erhielten 3 die NoteGut", 2Im ganzen gut" und 12Genügend".

* * Berufung eines Gießeners. Der besoldet- Maaistratsassessor Dr. Hch. Kühn in Rendsburg, ein geborener Gietzcner, ist auf 12 Jahre zum Beigeordneten und stellv. Bürger­meister von Berlin-Ob er schönweide gewählt wvrden. Für die Stelle waren 117 Bewerbungen eingegangen

* * Neue Wohnhäuser. Im abgelaufenen Vierteljahr sind vom Hochbauamt 11 neue Wohnhausbauten gegen 13 int gleichen Zeitraum deS Vorjahres genehmigt worden

* * T i e nächtliche Kanalreinigung ist jetzt wieder in Angriff genommen. Diese Arbeiten werden bei Nacht an­geführt, um den Tagesvcrkehr auf den Straßen dadurch nicht zu behindern.

**20Jahre Sonntagsruhe. Am^l. Juli waren 20 Jahre vergangen, seitdem in unserer Stadt die noch jetzt gütige Sonntagsruhe für den Geschäftsverkehr ein­geführt wurde. Am .27. Juni 1892 machte das Polizei­amt bekannt, daß die von der Stadtverordnetenversanun- tung beschlossene Ortssatzung über die Sonntagsruhe mü­dem 1. Juli in Wirksamkeit trete. In den vergangenen 20 Jahren ist wiederholt vergeblich versucht worden, die vierstündige Verkaufszeit (von 10 Uhr vormittags bis drei Uhr nachmittags) an Sonntagen auf zwei oder drei Stun­den herabzumindern. Besonders die Geschäftsinhaber, die mit Landkundschaft arbeiten, sind gegen eine Verkürzung der Verkaufszeit an Sonntagen einaetreten unter dem Hin­weis, daß allein in Rücksicht auf Die Konkurrenz der be­nachbarten Städte eine Aenderuna der Geschäftszeit an Sonntagen für Gießen Schaden bringen würde.

** Das 4. Abo nn ementskonzert in Steins Garten war ebenso wie die vorhergehenden sehr gut be­sucht und erhielt durch die Mitwirkung d^s hervorragen­den Deutsch-Amerikanischen Männer-Quar- tetts noch eine besondere Note. Das Quartett, das vor allem über einen ausgezeichneten Baß verfügt, trug einige Volkslieder vollendet vor und erzielte sehr lebhaften Bei­fall. Das übrige Programm, das Obermusikmeister Lü­der wieder sehr glücklich zusammengestellt hatte, konnte sich ebenfalls eines starken Beifalls erfreuen. Als beson­ders gelungen heben wir hervor Drei Stücke aus Sigurd Jorsallar von Eduard Grieg, dem geistvollen Nor­weger, die Große Phantasie aus Cavalleria rufticana, und den Marsch der Kurbrandenburg von C. Zimmer.

I m Kun st verein sind neu auSgcllellt Sammlungen von Pros. Alfred Sohn-Net Hel, Paris, Prof. Adolf Beyer und Anna Beyer, Darmstadt, Auch hat unser einheimischer junger Künstler Willy Woelke einige Arbeiten der Plakatkunst und buchgewerbliche Entwürfe ausgestellt. Ferner konnte den Wünschen unserer Kunstfreunde wiederum dadurch entsprochen werden, daß eine neue Serie Klmger- Originalradierungen aus hiesigem Privatbesitz der Ausstellung überlaffen wurden.

** Ob erhessis che Gesellschaft für Natur- und Heilkunde, Naturw. Abteilung. Heute abend findet im Hörsaale des Physikalischen Jnstttutes, Stephansttaße 24, eine wissenschaftliche Sitzung statt. Herr Dr. Klinghardt wird überbie zentralafrikanischen Seen und der Baikalsee als zoologisches und geologisches Problem" sprechen.

Landkreis Gießen.

O Treis a. d. Lda., 3. Juli. Der Lumdatal- Sängerbund hielt am vorigen Sonntag hier sein dies­jähriges Waldfest ab, zu dem alle zum Bunde gehörigen Vereine erschienen waren. Die Musik wurde von einem Teil der Friedberger Musikschule auSgesührt. Schreinermeister Kehr, der Schriftführer des hiesigen GesangvereinsLieder- kranz*, begrüßte auf dein schön gelegenen Festplatz die zahl­reich erschienenen Jestgäste, Lehrer Schmidt-Keffelbach hielt eine sehr ansprechende Festrede, Lehrer Walter hier sprach auf Kaiser und Großherzog. Untermischt mit den von den einzelnen Vereinen zu Gehör gebrachten Choren und den hübschen Darbietungen deS hiesigen Turnvereins entwickelte sich dann am Fuße deS TotenbergeS ein lebhaftes Festtreiben, das bis gegen Abend anhielt und dann nut einem Tänzchen in Benners Saal beendigt wurde.

Kreis Friedberg.

1^ Friedberg, 3. Juli. Heule abend sand in der Stadtkirche eine Abendmotette statt. Dieses 19. Volks- Kirchenkonzert wurde von der evang. Chorschule veranstaltet, die jetzt 30 Jahre besteht. Außer dem Organisten der Kirche, tmd dem Verein ehemaliger Chorschüler wirkten noch zwei Solistinnen von Frankfurt mit. Die Neubauten an' unserem Bahnhof schreiten rüstig voran. Der Wasserturm ist vollendet und die Maschinenhalle im Rohbau fertig. Seit einigen Tagen ist das EmpsangSgebäude abgesteckt.

Starkenburg und Rheinhessen.

(!) Mainz, 3. Juli. Tie seitherigen hohen Kar< tosfelpreise sind in ben letzten Tagen um 30 bis 40 Prozent zurückg eg angen, was durch die reiche Gemüseernte und die Einfuhr neuer, ausländischer Kar­toffeln bedingt ist. Die Marktpreise für Gemüse, Bohnen und dergleichen sind zurzeit außergewöhnlich nrebria.

Hessen-Nassau.

fc. Weilburo a .d. L., 3. Juli. Die Ueberfüchamg der Leiche des Großherzogs Wilhelm IV. von Luxemburg nach Weilburg wird am 25. Juli d. I. erfolgen und hier in der Familiengruft der Walramischen Linie des Hauses Nassau bergesetzt werden neben den Groß­eltern, dem Herzog Wilhelm v. Nassau und der .Herzogin Luise, geborenen Prinzessin von Sachsen-Altenburg.

h. Frankfurt a. M., 3. Juli. Em hiesiger Arzt, der als scharfer Jmpfgegner bekannt ist, hat sich bei der Behandlung einer pockenkranken Frau eine ziemlich schwere Pockenerkrankung zugezogen, von der auch mehrere Familienmitgliader bereits ergriffen sind. Während sich der 2lrzt einer Impfung nicht unterzog, hat er dagegen seine Kinder nunmehr impfen lasten.

$d)rocre$ Grubenunglück.

Aus der ZecheOsterfeld" derGute Hoff7ru7rgshütte"^ fand yeittrn mittag 1 Uhr in einem Aufbruch zwischen zwei Flötzen. beim Scbüßen tute Schlagwetterexplosio n statt, wobei 16 Bergleute getötet und einige verletzt mürben.

? b/ r hau s e n 3 Juli. Bis 6 Uhr abends waren auf der ,cche v nn^etb" 16 Tote und sechs Verwundete geborgen^ rm ben Verwuirdefm cnd zwei schwerer verletzt, die übrigen1 Bergleute der Belegschaft sind in Sicherheit. Die Zechenv«-'