Nr. 81 Erster Blatt 162. Jahrgang Donnerstag, 4- April 1912
sEäWIvQvII-vI vH l j v iy v i |=£a
ZWK General-Anzeiger für Oberheffen MW
Znnasm" oon feigen Rotafionsörud und Verlag der vrühllchen Unlv.-Vuch: und SleindniSerel n. Lange. Redattion, Lrpedttian und Druckerei- Schulstratzt r. s°'^.d°tt bil oöen5Sn9nu6“ VSdingen: Zernsprecher Nr. 269 Seschästtstelle vahnhasstratze 16a.simeigentc.i: H. B°ck.
Die heutige Nummer umsatzt 12 Seiten.
3um Rücktritt Des Abgeordneten Noeren.
AuS der von uns veröffentlichten Erklärung des Abgeordneten Roeren, mit der er seine Mandatsniederlegung begleitet hat, ist nicht mit Gewißheit festzustellen, ob der verdrossene Zentrumsführer nun außerhalb der Frak- Honen seinen Stampf für das erklärte konfessionelle Zentrum fortzusetzen gedenkt. Roeren hat die Borgänge in der Fraktionssitzung des preußischen Abgeordnetenhauses vom 14. v. M. als für ihn entsä-eidenl) bezeichnet: er muß dort bei dem Streit um die Definition der Zentrumspartei wohl eine Niederlage erlitten haben. Es ist im Grunde erfreulich, daß die führenden Kreise des deutschen Zentrums sich ihre politische Unabhängigkeit von den rö- mischen Direktiven bewahren wollen und daß sie ben rückschrittlichen Tendenzen Roms wenn nicht deutlichen Wider- itanb, so doch eine kühle Zurückhaltung gegenübersetzen. Tiefes Verhalten gebietet ihnen die Klugheit; das Zentrum hält seine taktischen Traditionen aufrecht und will sich nach allen Seiten hin Freiheit seiner Entschlüsse bewahren. Selbstverständlich wird dies an dem tatsächlich konfessionellen Charakter des Zentrums nichts ändern; das Haupt- lcilmotiv bleibt nach wie vor: Stärkung der kirchlichen Macht. Herrn Roeren gegenüber berief sich die „Köln. Voltsztg." dieser Tage auf den verstorbenen Führer Lieber, der mit größter Entschiedenheit dafür eingetreten fei, daß das Zentrum nach den Satzungen eine interkonfessionelle Partei sein und bleiben müsse. Herr Roeren, der als Be- tämpfer der Unsittlichkeit bekannte Fanatiker, der oft zu falschen Mitteln griff, findet jetzt auch in der führenden Presse des Zentrums manche sanfte Zurechtweisung. Der „Köln. Bolksztg." kommt sein Rücktritt von seinen Aemtern sehr gelegen. „Die Einigkeit und Geschlossenheit des Zentrums", sagte sie, „läßt jetzt gar nichts mehr zu wünschen übrig, nachdem die Aog. Bitter und Fleischer nicht wieder- gewählt worden sind, der Abg. Graf Oppersdorfs in das Zentrum nicht ausgenommen wurde und der Abg. Roeren feinen Austritt aus den beiden Zentrumsfraktionen vollzogen hat". Das Btatt erinnert aua) daran, daß vor anderthalb Jahren Roeren vor dem Landesausschuß der preußischen Zentrumsfraktion erklärt habe, er wolle sich künftig aus den Boden der Parteibeschlüsse stellen. Das ist richtig; eine solche Erklärung Roeri'ns ist seinerzeit auch veröffe.ü- licht worden. Bon dem mittlerweile aus Rom schärfer blasenden Winde hat er sich aber wieder die Segel blähen lassen. Wahrscheinlich wird die offizielle Zentrumspartei über sein unrühmliches Ende den Mantel der christlichen Liebe decken. Bon einem Vorstandsmitglied der Zentrumsfraktion des Reichstags (offenbar dem Abg. Erzberger) erhält die Schics. Voltsztg. eine Zuschrift, in der es heißt:
Die Mandatsniederlegung des Abg. Roeren kommt niemandem überraschend. In der ganzen derzeitigen Legislaturperiode war Roeren nur einige Tage in Berlin; er entschuldigte sich.beim Bor- sitzenden rvegen seiner leidenden Gesundheit und blieb allen Verhandlungen fern. Schon in der letzten Legislaturperiode gehörte der Abg. Roeren zu den seltenen Besuchern des Reichstages; man schrieb allgemein dieses Ausbleiben seiner erschütterten Gesundheit zu. Wäre sein Rücktritt hiermit motiviert worden, so hätte man dies allseitig verstanden. Aber int höchsten Grade überraschend kommt die Erklärung, mit der Geheimrat Roeren seine Mandate niederlegte. Hier werden so scharfe und so schwere Angriffe gegen die Zentrumsfraktion des Reick-stags und des Abgeordnetenhauses erhoben, daß diese verpflichtet find, selbst das Wort zur Abwehr gegen bcweislose Behauptungen zu nehmen. Leider erfolgte Rocrens Erklärung in
einem Moment, wo die Fraktionen eben a b g c r e i ft sind, obwohl die Erklärung das Datum vom Februar 1912 trägt. Vor drei Wochen können die Fraktionen und die Borstandschasten keine Stellung nehmen. . _
Ter Badische Beobachter, das führende Organ der badischen Zentrumspartei, bemerkt zu dem Rücktritt des Abg. Roeren: „Roeren mag über Mallinckrodt und Windthorst und ihre Politik sagen, was er will — zu den Lsterdtenstags-Grublern gehörten sie jedenfalls nicht. Davor bewahrte sie ihre staatsmännische Klugheit wie ihre katholische Ueberzeugung."
Ergebnisse der Reichrerbsci.aMeuer.
Nach der Statistik über die finanziellen Wirkungen des Reichserbschaftssteuergesetzes vom 3. Juni 1906 im Rechnungsjahre 1910 sind die Hauptergebnisse für das Deutsche Reich folgende:
der Anfalle:
au6
Erwerb von Todesmegen . Schenkungen unter L'ebenben, zusammen
Zahl Gesamtreinwert Cteuerertrag Alk. Alk.
105 847 788 777 787 52 794 646
6180 62 616 453 3 991 616
11^ U27 öul d‘J4 lyu uü 78u2b21
Außerdem wurden bei 45 Erwerbsfällen aus Erbschaften von zusammen 68 247 Mark Reinwert 8751 Mark und bei 23 dergleichen aus Schenkungen unter Lebenden von zusammen 64 202 Mark Reinwert an Steuer 4836 Mark niedergeschlagen.
Im Durchschnitt entfällt auf einen versteuerten Anfall ein Reinwertbetrag von rund 7600 Mark mit einem Steuerertrag von rund 507 Mark.
Es betragen
die Gesamt- die Gesamt- rohwerte Verbindlichkeiten Alk. Alk.
33 071 bei den überhaupt versteuerten
Nachlässen....... 907 041 178 118 263 441
4 665 Schenkungen unter Lebenden 67 956 434______5 339 981
zusammen 974 9u7 612 123 0U3 422
Bei dem Erwerbe von Todes wegen weisen die Abkömmlinge 1. Grades von Geschwistern mit 37 103 (— 35,05 v. H. der Gesamtzahl) die Höchstzahl aller versteuerten Erwerbsanfälle, dagegen Geschwister mit 293 000 023 Mark (= 37,15 v. H. des Gesamtreinwertes) den höchsten Gesamtwertbetrag auf, während den größten Steuerbetrag die auch mit dem höchsten Steuersätze belegten „Uebrigen Erwerber" mit 17 541852 Mark (= 33,23 o. H. der ganzen Steuersumme) ober auf einen Anfall von durchschnittlich 6617 Mark rund 850 Mark zahlen.
Bei den Schenkungen unter Lebenden entfallen von dem Gesamtwertbetrage von 62 616 453 Mark allein 25 815 650 Mark = 41,23 v. H. an mildtätige ober gemeinnützige inlänbifche Stiftungen usw. Dagegen wirb auch hier ber Hauptsteuerbetrag mit 1470 011 Mark = 36,83 v. H. von ben „Uebrigen Erwerbern" aufgebracht.
Gestunbet mürben int Berichtsjahr:
an Erbschastssteuer .... 2799967 Mk.
, Schenkungssteuer. . . . 320 831
zusammen 3120 798 Alk.
Von ber Erbschaftssteuer allgemein befreit unb daher in ber Statistik unberücksichtigt geblieben finb bie Anfälle an Ehegatten, sowie Hinber unb bereu Abkömmlinge, ferner solche unter 500 Mark, ba biefer Betrag als untere Grenze ber Steuerpflichtigkeit burch § 11 Ziffer 1 bes Gesekes festgelegt ist. Außerdem sind statistisch nicht behandelt bie
steuerfreien Anfälle aller Art aus Schenkungen unter Lc- benben. Nach ben befonberen Bestimmungen bes Gesetzes finb, abgesehen von ben Fällen, in benen der Wertbetrag von ben Steuerbehörben nicht besonders ermittelt würbe, 23 776 897 Mark Erwerb von Tobe» wegen steuerbefreit geblieben.
Außerdem wurden gemäß § 15 (ganze oder teilweise Steuerbefreiung der land- unb forstwirtschaftlichen Grundstücke) in 16369 Anfällen 871388 Mark Steuer unerhoben gelassen.
Arbeiterbewegung.
Genera streik im Schucidergcwerbe.
Der in Frankfurt a. M. unter dem Vorsitz des Magistrats-Syndikus Dr. Hiller zusammengetretene Einigungsausschuß hatte beschlossen, daß die Arbeit am 2. April wieder ausgenommen werden sollte. Die Gehilfen finb je- boch ber Weisung ihres Hauptvorstanbes nicht nachgekommen, finb vielmehr an biefent Tage in ben Generalstreik eingetreten, nachdem ber Arbeitgeberverbanb bie Aussperrung aufgehoben hat. Zurzeit finben weitere Berhand- lungen in Jena statt und die Arbeitsaufnahme soll nun am Dienstag nach Ostern erfolgen.
Deutsches Reich.
Die amtliche „Nordd. Allg. Zeitung" schreibt: „Nach Mitteilungen ber Presse erließ bie bayerische Regierung neuerlich Bestimmungen über bie Hanbhabung bes §1 bes Jesuitengesetzes. In einem Teil ber Presse wirb baran bie Behauptung geknüpst, baß biese Bestimmungen mit bem Sinn bes Reichsgesetzes unb ben bazu ergangenen Beschlüssen bes Bunbesrats im Wiberspruch stehen. Ob bies ber Fall ist ober nicht, wird Gegenstand der Prüfung für diejenige Stelle sein müssen, welche verfassungsmäßig zur Ueberwachung der Aussührung der Rerchsgesetze berufen ist". Wenn die „Norddeutsche" nicht mehr sagen konnte, hätte sie auch diese, höchst bescheidenes Kundgebung sich schenken können. Es weiß doch kein Mensch, was er damit anfangen soll.
Ausland.
In der Sitzung desungarischenAbgeordneten- h aus es vom Mittwoch erklärte Khuen Hedervary, das königliche Handschreiben entspreche vollständig ber Verfassung. Was bie Forberung betrete, baß bie Wahlreform vor der Wehrreform verhandelt werde, so könne hierüber die Nation befragt wekden. Der Ministerpräsident erklärte schließlich, die in ben Blättern erschienenen Melbungen über bie letzten Aubienzen stammten nicht von ihm. Sobann würbe ber Antrag bes Abg. Kossuth aus Beantwortung bes königlichen Handschreibens durch eine Adresse abgelehnt unb bas Allerhöchste Hanbschreiben betreffend die Ernennung des Kabinetts einhellig zur Kenntnis genommen. Tas Abgeordnetenhaus vertagte sich dann aus den 1$. April.
Die „Times" meldet aus Schanghai vom 2. April: DieNationalversammlunginNankinghat noch, einer erbitterten Debatte mit 20 gegen 6 Stimmen be' schlossen, ben Sitz ber provisorischen Regierung nach Peking zu verlegen. •
Pilatus in der Sage.
In der seinen Novelle von Anatole France, die „Der Statthalter von Judäa" heißt, tritt Pontius Pilatus auf. Dreißig Jahre sind verstossen, feit er, ber Ungnade des Kaisers verfallen, Palästina verlassen hat. Er ist ein alter Mann geworden, der unendlich viel erlebt und unendlich viel darüber nachgedacht hat; seine Erfahrungen haben ihn melancholisch gemacht, feine Züge und immer strenger geworden. Er hat die Schwefelbäder von Bajä ausgesucht; hier trifft er zufällig den Aelius Lamia, der vor dreißig Jahren als Verbannter zu ihm nach Jerusalem kam und dort lahrelana sein Gast war. Bei einem Mahl Kauschen beide, auf ihren Lagern ruhend, Erinnerungen aus. Silberne Schüsseln mit gebratenen Vögeln, Austern vom Lukriner See und Lampreten aus Sizilien werden ausgetischt. Die beiden Freunde unterhalten sich über Judäa, so wie es vor drei Jahrzehnten war. Pilatus erwähnt die Anstrengungen, die er gemacht hat, um den Juden, die in seinen Augen Barbaren finb, römische Kultur beizubringen, er kommt auf ihre Gebräuche zu sprechen, die er verachtet, auf ihre Religion, die ihm zu fanatisch ist unb die beinahe leben Tag zu Glaubenskämpfen, Zusammenrottungen, endlosen Tis- putationen führt. An eine solche Geschichte erinnert sich Aelius. Da war ein gewisser Jesus aus Nazareth, der später wegen irgend eines Verbrechens an der Religion gekreuzigt wurde. „Erinnerst du dich noch an diesen Mann, Pontius?" Pontius Pilatus runzelt die Brauen. Er besinnt sich. „Jesus? Jesus — aus Nazareth? Nein, ich erinnere mich nicht."
Diese kleine Erzählung ist eine eigenartige und zugleich die moderne Variante der alten Pilatus-Sage, die besonders im Mittelalter eine große Rolle spielte. Für das Schicksal ber heiligen unb unheiligen Personen, die an der Tragödie Christi Anteil hatten, hat man sich schon in frühen Zeiten interessiert. Mit dem Tod Christi war ihr Leben nicht beschlossen; man suchte das Vorher und Nachher zu erforschen unb schmückte es mit seltsamsten Fabeln aus. Eine Sage läßt Pilatus im bamuergi» schen Gebiet geboren werden, eine andere nimmt Vienne als seine Geburtsstadt in Anspruch, die verbreitetste läßt ihn zu Forchheim, dem alten deutschen Königssitz, das Licht der Welt erblicken. Dort zeigte man auch des Pilatus rote Hosen. Ter Vater des Pilatus war — so erzählt eine Sage, die ihn zu M a i n z geboren werden ließ — ein König namens Atus; seine Frau hieß Pila. Beide Namen, zusammengesetzt, ergeben den des Sohnes. Pilatus mußte, ba er feinen Halbbruder ermordet hatte, flüchten. Erst als Legat in Jerusalem taucht er wieder auf.
Jahre sind verflossen, seit er das Urteil an Christus vollstreckt hat. Der römische Kaiser fühlt, hochbetagt, auf einer Reise durch Kompanien, seine Sterbestunde herannahen. Da hört er durch einen niedrigen Sklaven von dem galiläischen Wundertäter, ber Aussätzige heilen, Blinde sehen machen kann unb Tote ins Leben zurückgerufen hat. Der Kaiser schickt hoffnungsvoll einen Boten nach Palästina. Aber Jesus ist längit gekreuzigt. Indes verspricht die heilige Veronika, den Kaiser nut ihrem wundertätigen Schweißtuche zu heilen, unb der Sendbote begiot sich mit ihr und bem in Fesseln geschlagenen Landpfieger auf die Rückreise. Stott des Sirafgerichtes wird bem Pilatus beim Kaiser ein nicht un- frcunblidier Empfang zu teil, der immer mehr an Wärme gewinnt, weil ber heilige Rock Christi, ben der Landpfleger am Leibe trägt, diesem die Sympathien aller gewinnt. In dem Augenblick aber, ba er das schützende Gewand ablegt, erwacht der Zorn des Kaisers; er verurteilt den Landpfleger zum Tode. Pilatus wartet aber die Hinrichtung nicht ab, sondern stirbt durch Selbstmord. _ , Ä .. „
Nach einer anderen e-age wird er vom Kotier nach Vienne
in Südfrankreich verbannt. 2ort wird noch heute ein alter, verfallener Turm als Schloß des Pilatus gezeigt. Nur kurz soll der ehemalige Landpfleger darin gehaust haben; die Gewissensbisse über den von ihm verschuldeten Tod Christi trieben ihn zum Wahnsinn und Selbstmord.
•
Nichwerjetzllng und Schülrrselbstmorde.
Der diesjährige Versetzungstermin ist nicht vorüber gegangen, ohne daß die Tagespreise wieder über eine Reihe von Schüler- selbstmorden — und zwar mehr denn je! — berichtete. Mit unwiderstehlicher Gewalt scheint diese Seuche über unsere Jugend gekommen zu fein, trotzdem bie Fürsorge für sie in allen Streifen des Bolles, bei Fachleuten wie Laien, sich von Jahr ^u ^ahr steigen. Wo mögen ba bie Wurzem des Hebels liegen? — Bei ber Beantwortung der Frage ist die Tatsache zu beachten, daß bie meisten Fälle von Schul er selbstmorden sich in ben größeren -stabten ereignen. Wer hier die gegen früher meist völlig veränderte Lebensweise kennt, die Ueberfeinerung der Nerven und ähnliches, wird unen Hauptgrund des Hebels bald herausfinden. Die ganze Erziehung unb Behanblung ber Jugend, die in vielen Fällen wohl gar Dienstboten überlassen ist, ist zu schlapp und weich. Seitdem auch Kinder schon „Nerven" haben, kennt man kaum Strenge Iunb Strafen. Ueberack wird Schonung unb zarte Rücksichtnahme gepredigt. Da ist es denn nicht au verwundern, daß bei einem so erzogenen Knaben, wenn einmal eine strenge Strafe droht, sich
ber Geist durch eine alles lähmende Furcht verwirrt, und das Kind in den Tod geht.
Tie Unnatur in der Erziehung und Ucberkultur hat auch zu einer Ueberfpannung des Ehrgefühles geführt. Tie vermeintliche Schande der Nichtversetzung glaubt der Knabe ^nur dura) den Tod sühnen zu können, anstatt daß eine gesunde schäm zum Bester- machen anfeuert. Körperliche und genüge Abhärtung der Jugend durch Anwendung einer von wahrer Liebe zu den Kindern getragenen Strenge, die feine Verweichlichung kennt, unb gröbere Natürlichkeit in ber Erziehung, muß bie Familie besonders pflegen, ivenn es mit der Selbstmorbkranlhett besser werden loll- Gelegenheit zur körperlichen Abhärtung bietet sich heute uocra 1, ich denke vor allem an die Bereinigungen der Wandervogel oder an den Jungdeutschlandbund des Freiherrn v. d. Goltz. Geistig stählen kann man die Jungen am besten, indem man sie nicht vor der Arbeit behütet, nein, ihnen möglichst Piel, gibt. Tis Freude an der Arbeit ionimt mit bem natürlichen Ltolz aus die Fortschritte bei ber Jugend immer gemeinsam. Die schule hat in ben modernen Lehrplänen soviel Spielraum gelassen und Jett geschaffen für indiviouelle Betätigung, Väter und 'Nulter sorgt dafür, daß eure Kinder diese Zeit auch tüchtig nutzen, »clrt stets, ihnen neue Arbeit zu verschossen. Dann wird ihnen selbst das Leben auch nicht Öde und und leer erscheinen, und wir werden nie mehr das traurige Scksaufpiel erleben, daß zwei hochbegabte junge Menschen sich gegenseitig erschießen aus Ekel am Leben, wie tm vergangenen Jahre in Thüringen. — Wenn die Erzieher in Schule und Haus sich wieder mehr vemuhen, cm ftram* mes, kraftvolles Jungdeuifchlanb heranzubilden, dem alle Heber- hütur fern ist nud das sich feine Jugend bewahrt, dann Werder» auch die ScWerselbstmorde aufhören.
— Aron Bernstein, ein vielseitig bedeutender Mann, erblickte vor einem Jahrhundert, am 6. April 1812, das Licht der Welt. Am befannteften wurde er wohl durch feine „Naturwissenschaftlichen Volksbücher", oon denen ein Kritiker sagte, daß sie weit mehr für bie Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse getan hätten als irgendein Werk, unb ihre Bebcutiing baher vielfach bie von Humboldts „Kosmos" überrage, Der nur auf einen beschränkten Kreis Gelehrter von Einfluß gewesen ist. Diese Volksbücher finb vielfach in frembe Sprachen übertragen worden, unb bie Universität Tübingen ernannte Bernstein dafür zum Doktor honoris caufa. Slber nicht nur als Naturwissenschaftler, auch als volkstümlicher Politiker, als der er im Jahre 1849 dis noch letzt bestehende Berliner „Volkszeitung" (ursprünglich „Up;


