im Jahre 1900, mithin ein Mehr von 52,1 vH. erzielt. Jedes Kilometer brachte eine Einnahme von 15 174 Mark gegen 11 760 Mark im Jahre 1900, mithin ein Mehr von 3414 Mark, oder 29,0 vH. Dagegen ist die Einnahme auf je 1000 Achskilometer der Personen- und Gepäckwagen von 109 Mark auf 91 Mark Lurückgegangen.
An der Gesamteinnahme war die Einnahme aus dem Personen- und Gepäckverkehr mit 28,65 vH. gegen 28,17 vH. im Jahre 1900 beteiligt.
Die eigentliche Personenbeförderung einschließlich Militär- und Sonderzüge hat gegen das Jahr 1900 ein Mehr von 284,12 Millionen Mark oder 51,6 vH., die Beförderung von Gepäck und Hunden ein solches von 11,87 Millionen Mark oder 65,1 vH. auszuweisen, während die Nebenerlräge einen Zuwachs von 2,34 Millionen Mark oder 61,3 vH. erzielten.
Der Anteil der Wagenklassen an der Gesamteinnahme aus der Personenbeförderung stellt sich im Jahre 1910 auf
3,00 v. H. in der 1. Klasse, 17,50 „ „ „ „ 2. „
41,97 „ „ „ „ 3. „
35,84 ..... „ 4. „
1,69 „ ,, bei der Militärbesörderung gegen 4,80, 23,38, 47,15, 22,50, 2,17 v. H. int Jahre 1900.
Auf jeden Einwohner Deutschlands entfielen im Jahre 1910 durchschnittlich 24 Eisenbahnfahrten gegen 15 im Jahre 1900; die durchschnittlich zurückgelegte Wegestrecke ist im gleichen Zeiträume von 23,43 auf 22,97 Klm. gefallen.
Wie der Personenverkehr, hat auch der Güterverkehr hinsichtlich des Umfangs und der Erträgnisse in der Zeit von 1900 bis 1910 eine erhebliche Steigerung erfahren. Wahrend die Einnahme im Jahre 1900 1309,07 Millionen Mark betragen hat, ist sie im Jahre 1910 auf 1962,34 Millipnen Mark gewachsen, mithin hat eine Zunahme von 49,9 v. H. stattgefunden. Jedes Kilometer brachte eine Einnahme von 26 407 im Jahre 1900, dagegen 33 485 Mark int Jahre 1190, also 26,8 v. H. meho.
Tie gesamten Betriebseinnahmen ausschließlich des Pachtzinses sind von 2027,09 Millionen Mark im Jahre 1900 auf 3033,04 Millionen Mark im Jahre 1a". 0, also um 49,6 v. H. gestiegen, obwohl die durchschnittliche Betriebslänge nur um 18,6 v. H. zugenommen hat. Auch die u'f das 'Kilometer Betriebslänge sowie auf 1000 Nutzkilometer berechneten Einnahmen sind gestiegen, intb zwar von 40 790 int Jahre 1900 auf 51 476 Mark ober 26,2 v. H., bezw. von 3960 auf 4205 Mark oder 6,2 v. H., während die Einnahmen auf 1000 Wagenachskilometer aller Art von 108 Mark auf 107 Mark ober 0,9 v. H. zurückgegangen sinb.
Die Betriebsausgaben ausschließlich ber Kosten für erhebliche Ergänzungen, Erweiterungen und Verbesserungm intb der Pachtzinse sind in der Zeit von 1900 bis 1910 von 1263,99 auf 2032,64 Millionen Mark, also um 60,8 v. H., die Ausgaben auf 1 Kilometer ber burchschnittlichen Betriebslänge von25 434 auf 34 497 Mark, also um 35,6 v. H. gestiegen. Auch bie auf 1000 Nutz- und auf 1000 Wagenachskilometer aller Art berechneten Ausgaben sinb gestiegen, nämlich von 2469 Mark in 1900 auf 2818 Mark in 1910 bezw. von 67 Mark auf 72 «Mark. Der Prozentsatz ber Betriebsausgaben im Verhältnis zu ben Betriebseinnahmen hat sich int Jahre 1900 auf 62,36 unb int Jahre 1910 oui| 67,02 gestellt.
Unter Ausscheidung ber Kosten für erhebliche Ergänzungen, Erweiterungen und Verbesserungen sowie der Pachtzinse hat ber Ueberschuß ber Betriebseinnahmen über bie Betriebsausgaben betragen int Jahre 1900: 763,10, im Jahre 1910: 1000,39 Millionen Mark, er hat also um 31,1 v. H. zugenommen, bagegen ist er im Verhältnis zu ber Gesamteinnahme nach Ausscheibung des Pachtzinses von 37,65 auf 32,98 v. H. gesunken. '
Als Rente des auf die betriebenen Strecken verwendeten Anlagekapitels betrachtet, ergab der Betriebsüberschuß int Jahre 1900: 6,10 v. H., int Jahre 1910 dagegen 5,85 v. H. Jedes Kilometer durchschnittlicher Betriebslänge brachte im Jahre 1910 16978 gegen 15 355 Mark im Jahre 1900, mithin ein Weniger von 1623 Mark oder 10,6 v. H.
Die Anzahl der Beamten und Arbeiter einschl. der Handwerker, Lehrlinge und Frauen betrug im Jahre 1910: 700 371 Personen, mithin kam auf je 92 Einwohner ein Eisen- bahnbediensteter. Gegen das Jahr 1900 hat eine Vermehrung der Beamten und Arbeiter um 163 249 Personen ober 30,4 v. H. stattgesunben, wahrend in gleicher Zeit bie Eigentumslänge ber Eisenbahnen nur um 17,8 v. H. zugenommen hat.
Versammlung der fortschrittlichen volkrpartei.
Gießen, 4. März.
Die fortschrittliche Volkspartei hielt gestern nachmittag in Steins Garten eine öffentliche Versammlung ab, die trotz der für Giessen ungünstigen Versammlungszeit gut, auch von außerhalb besucht war. Nach einigen Begrüßungsworten teilte der Vorsitzende Geh. Justizrat Metz mit, daß heute eine Vertrauensmännerversammlung stattgefunden habe, die sich hauptsächlich mit Organisattonsfragen beschäftigt habe.
Verbandsfckretär Erkelenz fühtte daun aus, daß der diesmalige Wahlausfall und die sich daran anschließenden Vorgänge Veranlassung gegeben hätten, von der sonst nach Wahlen üblichen Ruhepause abzusehm und erneut mit ber Wählerschaft Fühlung zu nehmen. Mancherlei Anzeichen deuteten daraufhin, daß man sich in einer Zeit politischer Umwandlung befinde. Der Wahlausfall brachte zunächst einen außerordentlichen Zuwachs der sozialdemokratischen Stimmen unb eine Steigerung der liberalen (Stimmen. Die fortschrittliche Volkspartei habe allein einen Stimmenzuwachs von 25 Proz. Der schwarzblaue Block sei so geschwächt aus ber Wahl hervorgegangen, daß er keine Mehrheit mehr bilden könne. Dagegen fei ber Liberalismus imstande, zusammen mit der Sozialdemokratie, unter gewissen Voraussetzungen eine kleine Mehrheit zu bilden. Daß der Liberalismus nicht viel Mandate gewinnen werde, sei klar gewesen. Die Situation für die Stichwahlen fei schwierig gewesen. Es habe die Gefahr Vorgelegen, daß der Liberalismus Angst vor der eigenen Kourage bekommen unb angesichts ber sozialdemokratischen Wahlerfolge ben Kampf gegen Rechts einstellen werbe. Die Stichwahlparole ber Volkspartei habe demgegenüber bieselbe Richtung eingehalten wie ber Kampf vor der Hauptwahl. Sie habe gelautet: Kamps gegen ben schwarzblauen Block. Die Wählerschaft Ixti)e diese Parole im allgemeinen befolgt und sich nicht daran gekehrt, daß die Parteien der Rechten dieses Verhalten als vaterlandsfeindlich bezeichnet hätten. Demgegenüber sei festzustellen, daß ine Parteien des schwarzblauen Blockes in mindestens 17 Fällen Sozialdemokraten gegen Liberale durchgeholfen hatten. Ihr Geschrei wegen des Vaterlandsverrats des Liberalismus sei nichts als ein taktischer Versuch, die Liberalen für die Stichwahlen zu beeinflussen. Jetzt gelte es, zu versuchen, ob mit den Sozialdemokraten praktische Politik zu machen fei. Die starke Entwicklung ber Sozialdemo- kraten habe ihre Ursache in der schlechten Polittk der Parteien des schwarzblauen Blocks. Die radikalen Sozialdemokraten seien ganz mit dieser schlechten Polittk einverstanden, bie bie beste Agitation für bie sozialdemokratische Partei sei. Die Entwicklung der Sozialdemokratie stehe im Zusammenhang mit der Entwicklung des schwarzblauen Blockes. Es gelte jetzt, die Frage zu beantworten, wie man bie burch bie Unzufriedenheit mit den bestehenden Zuständen den Sozialdemokraten zugetührten Elemente wieder für die freudige Mitarbeit an dem Staatsleben gewinnen könne. Nach einer Rede des Herrn von Heydebrand vom 26. Januar b. Js. stäuben wir vor einer Revolution unb ber Liberalismus sei nicht imstande, das zu verhindern. Das zeige daß bie konservativen Parteien auf eine gewaltsame Lösung ber politischen Konflikte hinarbeiten unb zwar aus egoistischen Interessen. Demgegenüber habe der Liberalismus die große geschickt. liebe Ausgabe, Den gewaltsamen Zusammenstoß zur Lösung ber politischen Gährung zu verhindern. Um den gewaltsamen Zu- sammenstoß zu erreichen, suche bie konservative Partei die Mitarbeit ber Sozialdemokraten an ber Reichspolittk zu verhindern Aus dieser versclnedenen Stellungnahme heraus erkläre sich auch der Unterschied der Taktik von Liberalen und Konservattven usw bei ber Präsidentenwahl. Auch in ber Sozialdemokratie gebe es zahlreiche Leute, die zusammen mit dem Liberalismus bie politischen Aufgaben lösen lvollen. Der Liberalismus müsse barauf hinarbeiten, durch das Zusammengehen mit der Sozialdemokratie
bie gewaltsame Lösung der politischen Schwierigkeiten zu verhindern unb bie organische Reform an Stelle der gewaltsamen Lösung zu setzen. Von diesem Standpunkt aus sei es richtig gewesen, baß man versucht habe, die Sozialdemokratie zur Präsidiumsbildung heranzuziehen. Die Sozialdemokratte habe dem Liberalismus biefe Aufgabe nicht leicht gemacht, Abg. Scheidemann sei nicht gerade bie geeignetste Persönlichkeit als Präsident gewesen. .Seine Äeutzerung über bie Hohenzollern und seine Weigerung, mit zu Hofe zu gehen — die sozialdemokratische Fraktion habe ihm dies frei- gestellt — werde mit dazu beitragen, daß am 8. Mär; kein Sozialdemokrat in das Präsidium gewählt werde. Tas halte er (Redner) für falsch. Man müsse versuchen, den in der £>ogyu* Demokratie organisierten Teil ber Arbeiterschaft zur praktischen politischen Arbeit mit bem liberalen Bürgertum zu vereinigen, dazu werbe auch bie Heranziehung zum Präsidium beitragen. A.as kinbliche Wonnegefühl, mit bem sozialdemokratische Blätter über bie Tätigkeit Scheibemanns als Präsibent berichtet habe, sehe nicht nach ber Absicht aus, Revolution zu machen. Bei ber zukünftigen Entscheidung komme alles darauf an, ob sich die National- liberalen auf bie rechte ober linke Seite stellen. Der Bund der Landwirte wolle den Nationalliberalismus bestehen lassen, wenn er bem Bunbe ber Lanbwirte Dienste leiste. Demgegenüber sei zu betonen, baß bie Nationalliberalen sich btt rübe r klar werben müßten, ob sie bie sozialbemokratische Arbeiterschaft mit zur gemeinsamen Arbeit heranziehen ober ob sie ben gewaltsamen Zusammenstoß zwischen links unb rechts haben wolle. Die Reaktion suche bie Nationalliberalen zu sich herüberzuziehen, um ihren rückschrittlichen Taten ein liberales Mäntelchen umhängen *u können. Aber es sei kaum anzunehmen, baß bie, nationalliberale Partei ben Konservativen Hanblangerbienste leisten werde. Sie habe zwar deshalb Schwierigkeiten in ihren eigenen Reihen, aber sie werde sich wohl kaum anders entscheiden können. Die wirtschaftliche Vereinigung fei im neuen Reichstag mit nur noch 8 statt 22 Mandaten im letzten Reichstag, vertreten und habe sich an bie kons. Partei angelehnt bezw. sich ibr zuzählen lassen. Das sei ber erste Schritt zu einer Verschmelzung ber wirtschaftlichen Vereinigung mit ben Konservativen. Diese Vereinigung werbe um so eher kommen, je mehr auf ber linken Se te gemeinsame politisch' Arbeit geleistet werbe. Im Wahlkampf habe Dr. Werner aus taktischen G.Änden sehr wenig von Antisemitismus gesprochen, inzwischen, fei er als 9lbgeorbneter in dieser Richtung wieder deutlicher geworden und habe mehrfach Judenpauken gehalten. Das Hauptorgan ber Partei Dr. Werners, bie beutsch-sozialen Blätter, fei bas ödeste stumpfsinnigste unb aufgeblasenste Parteiorgan, bas es gebe. Das Organ der Partei, die sich als die allein echte Vertreterin des Deutschtums ausgebe, schreibe dabei ein unmögliches Deutsch. Aus allen diesen Dingen gehe hervor, daß die deutsch-soziale Partei keinen realen Untergrund für ihre Politik im Volke habe. Zum Schluß ging der Redner auf das Verhältnis zwischen Deutschland und England ein, bei dem sich jetzt eine Verständigung anzubahnen scheine. Es dürfe gehen wie es wolle, zu einem Kriege zwischen Deutschland unb England dürfe es nicht kommen. Die Wählerschaft müsse sich über diese Dinge klar werden. Das wichtigste für uns sei aber jetzt die innere Politik, die von großen Gesichtspunkten aus gemacht werden müsse. Jeder müsse dabei Mitarbeiten, auch in ber Zeit, wo feine Wahlen bevorstänben. Es seien Ver- binbungsfäden zu ziehen zur Arbeiterschaft und zur ländlichen Bevölkerung unb zu arbeiten im Interesse einer frieblichen Ent- nnckelung unb bes nationalen Wohlergehens. (Lebhafter, lang- anhaltenber Beifall.)
Landtagsabg. Urflabt teilte mit, daß heute morgen eine Wahlkreisorganisation beschlossen worben sei unb forderte auf, im Rahmen dieser Organisation mitzuarbeiten. Dann verbreitete sich der Redner kurz über die Verhältnisse im Hessischen Landtag. Es herrsche jetzt ein ganz anderer Ton im Landtag und auch die Zeitungen stellten dies fest. Der Gießener Anzeiger stelle dies so dar, als ob bie fortschrittlichen Abgeordneten daran Schuld seien. Dagegen müsse er protestteren. (Anmerkung der Redaktion: An feiner Stelle in unserem Blatte war gesagt worden, baß bie fortschrittlichen Abgeordneten an bem mißlichen Ton in der Kammer Schuld trügen. Wir haben nochmals alle in Frage kommenden Veröffentlichungen durchgesehen unb nichts gefunben, was so gedeutet werben könnte.) Am ersten Zwischenfall sei Abg. Ulrich Schuld gewesen unb am nächsten Abg. Hebel. Es fei auch beklagt worben, baß bie parteipolitischen Gegensätze im Lanbtag besprochen worben seien. Das habe zuerst der Abg. Brauer getan, die fortschrittlichen Abgeordneten hätten darauf bloß erwidert. Am schlimmsten habe sich aber ber nationalliberale Abg. Dr. Winkler benommen. Er habe eine halbe Stunbe lang sich in hämischer Weise mit Abg. Korell persönlich beschäftigt, ihn heiliger Aböls genannt usw. Daß hierauf Korell in einer persönlichen Bemerkung kräftig geantwortet habe, sei boch verstänblich. Es habe sich bei den Landtagsverhandlungen gezeigt, daß auf bie hessischen Nationalliberalen kein Verlaß sei. Deshalb müsse bie fortschrittliche Partei allein bafür sorgen, daß die liberalen Grundsätze zur Geltung kämen. (Lebhafte Zustimmung.)
Derr Sennelaub von Wetzlar, ein liberaler Arbeiter, wandte sich in die Intellektuellen, diese möchten sich mit ben liberalen Arbeitern vereinigen und deren Interessen durch eifrige gemeinsame Arbeit zu fördern suchen.
Geh. Justizrat Metz schloß dann die Versammlung mit einem Hoch auf bas liberale Bürgertum, wie es vertreten werde durch die fortschrittliche Volkspartei, in das begeistert eingesttmmt wurde.
. ■■ 1 ■ 1 111 .. ■ I'-SJ-J1 ■!■=?
Gießener Strafkammer.
)( Gießen, 1. März. Kindesraub.
Die Verhandlung gegen die des Kindesraubs in Ilbenstadt angeklagten Eheleute R. E. F. aus Berlin wurde fortgesetzt. Tie Kindesmutter, die heute vor Gericht erschien, sprach sich dahin aus, daß sie mit dem Vorgehen ihres Vetters gegen die Pflegeeltern einverstanden gewesen sei. Der Pfarrer ihres Wohnortes habe es ihr jur Pflicht gemacht, für die katholische Erziehung ibres Kindes zu sorgen. Das Gericht erkannte beide Angeklagte für schuldig unb setzte gegen den Ehemann F. eine Gefängnisstrafe von drei Tagen und gegen seine Frau eine solche von einem Tage fest. Zugleich wurden beide Sttafen durch bie erlittene Untersuchungshaft für verbüßt erklärt. Aus der Urteilsbegrünbung sei erwähnt, daß bas Gericht ben Angeklagten rnilbernde Umftänbe zugebilligt und berücksichtigt hat, wie von allgemein menschlichem Standpunkte aus das Vorgehen gegen sie zu beurteilen sei.
Handelsbetrug.
Wegen Betrugs in roidyerboHem Rückfälle ist der Handelsmann S. G. von Düdelsheim angenagt. Im Mai v. I. sprach er bei dem Schuhmacher H. F. in Aulendiebach vor, ob er ihm eine Geiß abtaufen wolle. F. lehnte ab. Gleichwohl erschien er am nächsten Tage mit einer Geiß auf feinem Wagen in dessen Hof. Tie Eheleute F. ließen sich zur Besichttgung des Tieres herbei, das G. als ganz vorzüglich pries. Es sei ein Erstlingstier, stamme aus dem Vogelsberg unh gäbe jeden Tag sechs Schoppen, unter Umständen sogar acht Schoppen Milch. Die Eheleute F. schenkten ihm Glauben und waren bald gewonnen. Der Handel tarn zustande. Bald stellte sich indessen heraus, daß Angeklagter sie belogen und daß sie ein sehr minderwertiges Tier erworben hatten, das der zugesicherten Vorzüge sämtlich ermangelte. Als mit Anzeige gebrofot wurde, wollte Angeklagter alles rückgängig machen und bat flehentlich um Unterlassung der Anzeige. Offen- bar war er sich herüber klar, welche Bedeutung ferne beiden Vorstrafen wegen Betrugs haben. Die Kammer erkannte auf bie gesetzliche Minbeststrafe von drei Monaten Gefängnis.
H ang zum Betrüge
hat der Taglöhner L. Z. von Wölfersheim. Im Herbst v. I. war ihm wegen bevorstehender Niederkunft seiner Frau Sttaf- urlaub gewährt worden. Kaum aus dem Gefängnis entlassen, in das er wegen Betrugs gekommen war, verübte er von neuem Betrügereien. Erst kürzlich erhielt et deshalb 1 Jahr 3 Monate Gefängnis. Heute stand ein weiterer Fall zur Anklage. Dem Vorsteher der Obstbauschule in Friedberg hatte er sich als der Gärtner Ludw. Philippi aus Steinfurth ausgegeben und daburck eine Anzahl Obstbäumchen auf Kredit erhalten. Den Erlös aus dem Verkauf verbrauchte er für sich. Das Urteil lautete auf vier Monate, zusammen auf ein Jahr und fünf Monate Gefängnis.
Den Viehseuchenvorschriften
soll nach der Anklage bet Handelsmann G. G. von Hungen zu widergehandelt haben. Er hatte im September v. I zu Villingen bie Stallung eines Lanbwins zum Zwecke des Ankaufes von Vi.h betreten, obwohl dies nach kreisamtlicher Bekanntmachung aut bei EinwÜligung des Besitzers verboten war. Vom Schönen, gericht bestraft, wurde er auf seine Berufung von Strafe und Kosten freigesprochen.
Die Klosterbrüder von Lzenftochau vor Gericht.
sh. Petrikau, 3. Platz.
Der Sonnabend brachte im Prozeß gegen die Klosterbrüder von Czenftochau den Schluß der B e w e i s a u i n a h in e. Ain Sonntag selbst folgen die Plädoyers des Staatsanwatts und der Verteidiger. Tas Urteil, dem man am Dienstag diese Woche em- gegenfieht, wird Voraussicht.ich für Damazy Mazoch nicht bie Lodesstraie, sondern nur lebenslängliche Zwangsarbeit bringen, die, seitdem die Insel Sachalin den Russen durch die Japaner abgenommen ist, nicht mehr in sibirischen Bergwerken, sondern in ^audeszuctrthäuserii verbüßt wird. Die übrigen Angeklagten öür’te nur Zwanasarbeitsstraien von einigen I hren treffen, da sie nicht übev'iihtt erscheinen, von dem 'Morde vorher etivas gewußt, oder ihn begünstigt zu haben. Für sie alle kommt vielmehr nur eine Mittäterschaft bei den Diebstählen und Unterschlaguiigen, sowie Begünstigung nach der Tat iu Frage.
Aus ber Beweisaufnahme trugen wir noch Folgendes nach: Mit Bezug auf das durch ihren Verteidiger abgelegte Geständnis der Helene Mazoch, daß sie zwar intime Beziehungen zu Damazy Mazoch unterhalten, daß sie aber von ber Herkunft des Gelbes nichts gewußt habe, wurde auf Veranlassung des Staatsanwalts der in Haft befindliche ehemalige Priftawgehilfe Tenistow nochinals als Zeuge darüber vernommen, was Helene Mazoch ihm zunächst angegeben hat. Der Zeuge behauptet, daß Frau Helene im ersten Moment, nachdem sie in Haft genommen war, durch verschiedene Anzeichen verraten ließ, daß sie von bem Morde etwas wisse. Tas bestätigte sich durch den bei ihr aufgefunbentn Briefwechsel und die Telegramme. Auch Starczewski habe bei seinem ersten Verhör den Eindruck erweckt, als ob er ein direkter Teilnehmer an dem Morde sei. Ter 9lnget(agte Starczewski gibt zu, daß er nach der Tat in telegraphiicher Verbindung mit Damazy Mazoch geftanben habe, aber er habe keine Ahnung gehabt, daß Damazy einen Mord verübt halte. Er sei allerdings zur Bahnstation gefahren, habe aber nicht bie Idee gehabt zu flüchten, sondern wollte lediglich seine Uhr mit der Bahnhoisuhr vergleichen. Er habe auch tatsächlich ein Telegramm von seinem Bruder in Sachen Mazoch erhalten, daß er aber sofort dem Prior Przedzie cki zur Kenntnisnahme übergab. Er wollte sich dadurch vor dem Verdacht schützen, als ob er von bem Morde vorher gewußt hatte unb als hätte er Damazy Mazoch zur Flucht verhelfen.
Es wirb die Aussage des Priors Welonski verlesen, die er ui ber Vor-untersuchung gemacht hat. Der Zeuge hat eine Charakteristik der Angeklagten gegeben, die namentlich ben Angeklagten Danrazy Mazoch in ein sehr ungünstiges Licht stellt. Weiter hat der Zeuge einen ganz allgemeinen Ueberblid über bie Kontrolle der Ordensregeln gegeben, die allerdings von dem Prior Reimann durcharis vernachlässigt worden fei. Der Gehilfe des Staatsanwalts Katranowski fragt ben Angeklagten Damazy Mazoch, wie hoch sich feine Einnahmen aus bem Messelesen stellten und welchen Teil von bem eingenommenen Gelbe er an die Kloster- kaffe abgab. Der Angeklagte erklärt, daß er jährlich 700 Rudel an bie Klosterkaste abgegeben habe. Den Rest steckte er in die eigene Tasche. Die anderen Mönche hätten es ebenso gemacht, selbst der Zeuge Prior Reimann. Zeuge Pius Przedieck i war eine Zeit lang Klosterprior unb zwar nach dem Morde unb nach ben Diebstählen. Er wird befragt, auf welche Weise die sogenannte Kloster- kasse gehandhabt wurde und wieviel die Mönche daraus erhielten. Der Zeuge gibt an, daß die sogenannte Kommunekaste sämtliche Einnahmen, die dem Kloster zuflossen, erhalten sollte. Aus dieser Kaste erhielten dann bie Mönche einen gewissen Betrag für ihre eigenen Bedürfnisse. Der Zeuge wird weiter gefragt, ob er annehme, daß die Kaste systematisch bestohlen worden sei. Dem Zeugen ist hierüber persönlich nichts bekannt, er hat solches nur durch Hörensagen erfahren. Ter Zeuge ist in seinen Aussagen sehr zurückhaltend und macht den Eindruck, als ob er nicht mehr sagen wolle, um die Klosterbrüder nicht allzusehr zu fompi omittieren.
Nachweisung über den Stand der Maul- und Klaue«' seuche in Hessen vom 24. Februar bis 1. März 1912.
Kreis:
Am 24. Februar waren verseucht:
Vom 24.Febr. bis 1. Marz sind neu verseucht :
Vom 24.Febr. bis 1. 'März ist die Seuche erloichen in:
Darmstadt .
—•
—
—
Bensheim .
Biblis
—
—
Dieburg ..
Urberach, Gr.-Zimmern, Babenhausen, Nieder- Klingen
Babenhausen
Erbach . . . Groß-Gerau
—
—
—
Kelsterbach, Groß-Gerau, Mörfelden
—
—
Heppenheim
——
—
—
Ostenbach. .
Steinbach
Hainstadt
—
Gießen
Leihgestern, Müschen- heim, Großen-Linden, Harbach, Grüningen
—
Großen- Linden
AlSfelb . . .
—
—
Büdingen. .
Ranstadt, Leidhecken, Lindheim, Wenings, Mittel-Gründau,Düdelsheim, Rohrbach
Wenings
Friedberg .
Butzbach, Nieder-Efch- bad), Masseuheim, Ober-Rosbach, Assen- heim
Lauterbach.
—
—
—
Schotten . .
—
—
—
'Mainz . . .
—
—
—
Alzey....
Albig, Wonsheim, Nack, Heimersheim, Erbes- Büdesheim, Stein- Vvcrenheim, Bornheim, Schafhausen, Wahlheim, Zotzenheim, Gumbsheim, Bechenheim, Framersheim, Offenheim, Weinheim, Bermersheim, Lonsheim
'Bingen . . .
Engelstadt, Schwaben- Heim, Jugenheim
—
—•
Oppenheim
Bechtolsheim, Dienheim, EnnSheim, Dolgesheim, GunterSbliim
WormS. . .
Bechtheim
—
—-
Lin seltenes Jubiläum konnte am 1. März die Firma C . Bech- stein in Berlin, die bedeutendste Flügel- und Pianino-Fabnk Deutschlands, feiern; das 100000ftc Instrument wurde 'erng- gestellt, ein prätätiger Flügel, der, tote alle seine Vorgänger, lein eigenes Lob fingen, Spieler und Zuhörer durch seinen einzigartigen, herrlichen Ton entzücken wird. Alle Künstler der Welt haben die Beckstein-Pianos in ben schmeichelhaftesten Ausdrucken beurteilt; so sagte z. B. Richard Wagner: „Die Pechstein ichcsl Pianos sind tönende Wohltaten für bie musikalische Welt Richarb Strauß: halte bie Bechstein'schen Instrumente st"
die schönsten und feinfühligsten der Welt." L ,J
CheuMöurkuree.
® R*ie*n*e°h®®
echmkum Bingen AÄ?nl!to^eHe.k:nb*"'


