162. Jahrgang
Zweiter Blatt
Hl. 54
Gießener Anzeiger
Erscheint tSgUch mit Ausnahme M Sonntoflk
General-Anzeiger für Oberheffen
Tie „Gleßener Kamillenblätter- roerben dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, bat „Krthblatt fflr den Kreis Liehen" zweimal wöchentlich. Tie „randwirtschaftlichea Seit« fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Montag, 4- Alarz 1912
tRetattonlbrud und Verlag der vrübl'schen Universität- - Buch- und Steindruckerri.
8t Lange, Dießen.
Redaktion, Expedition unb Druckerei: Schul« straße 7. Expedition unb Verlag: 51.
Redaktwnr^HSllL rel.-Adr-'AnzeigerDteßen.
Mb. Deutscher Reichstag.
18. Sitzung, Sonnabend, den 2. März.
Am Tische des BundeSratS: Delbrück.
Das HauS ist schwach besetzt.
Präsident Dr. Kaempf eröffnet die Sitzung um 11 Uhr 15 Minuten.
Der Etat des Rekhsamfs des Unnern.
(Vierter Tag.)
Abg. Schmidt-Berlin (Soz.)
beginnt mit Ausführungen über das Wesen der Syndikate und äußert sich dann zur gegenwärtigen Lage im Bergbau. Tic Arbeitcrschicht des Bergbaus hat heute noch nicht die Löhne wie 1907, trotz der gesteigerten Kosten der Lebenshaltung. Die Arbeiter werden mit ihren Ansprüchen auf höheren Lohn zurückgcwiesen, aber im selben Augenblick bedingt sich daS Syndikat höhere Preise für die Kohle aus; für die Arbeiter ist der Tisch ni.cht gedeckt, die sind die Sklaven des Kapitalismus, aber die Syndikatsherren, für die sind die Profite. Und in dieser Lage sind die Arbeiter uneinS, zerrissen der Zusammenhalt der Organisationen gegenüber der Geschlossenheit der Unter, nchmer! Die Schuld trägt die christliche Gewerk, s ch a f t ö o r g a n i s a t i o n. Sie leistet dem Interesse des Kapitals damit Vorschub.
Der Staatssekretär Hal seine Sympathie für Tarifverträge und seine Mithilfe erklärt. Ihm wird in nächster Zeit auf dem Gebiete des Bergbaus sich sehr bald die Möglichkeit dazu bieten. Aber ich bitte ihn, sich an das Bei- spiel seiner englischen Kollegen zu halten und nicht zu warten, bis er angerufcn wird, sonoern selbst die Jni. tiative zu ergreifen. Dabei wird er Gelegenheit haben, einmal zu zeigen, daß er nicht nur als Dekorationsstück auf den Banketten der deutschen Unternehmer dient, sondern Einfluß auf die Untcrnchmcrorganisation hat. Wir wollen abwarten, ob cs möglich sein wird, diesmal die Herren vom Bergbau einmal unter de in Einfluß eines Staatsmannes zu Verhandlungen mit den Arbeitern zu bringen; große Hoffnungen habe ich nicht. Während die Syndikate Produktion und Bedarf in Einklang bringen, Regelung und Ordnung in die Arbeit, nimmt sonst die Unsicherheit und Planmäßigkeit auf dem Arbcitsmarkt immer schärfere Formen an. Tic Saison- industrie wird immer umfangreicher, immer mehr Arbeiter müssen aus ihrem Heim, um bessere Arbeitsgelegenheit zu suchen — das ist Ihr geordnetes Familienleben!
Der Redner greift den Frhrn. von Gamp an und die mit dies.'m in Beziehungen sichenden Vayerschen Farbenfabriken. Erfreu!ich war die Erklärung des Staatssekretärs gegen eine weitere Beschränkung des Kon- litionsrcchtS; aber die Arbeiter müssen gegen die Zumutun- gen von Unternehmern geschützt werden, die ihnen verwehren, von ihrem KolitionSrccht Gebrauch zu machen. Ter Redner spricht über die Arbeitsverhältnisse in der Landwirtschaft und ersucht den Staatssekretär um Mitteilung der statistischen Ergebnisse über den Schulunterricht auf dem Lande. Tann polemisiert er gegen die Rede des Grafen PosadowSky über die Sozialdcmo. kratie Staats-, Kommunalbctriebe.'Aktiengesellschaften, das ist die Bahn dec Auflösung und Ablösung deS privatkapitalistischen Eigentums. An diese Entwicklung lehnt sich die Sozialdemokratie an. Man braucht nicht von Verelendung zu sprechen, wir sind vorwärts gekommen, aber nur bescheiden; große Schichten, die noch keine Organisation haben, sind unberührt. Ohne gewerkschaftliche Organisation kein Aufstieg.
, Auch die Mitte'st andsfrage ist nichts als Organ'. sationSfragei Nur die Organisation tann den technischen Fort, schritt, die Motorkraft auSnützen. Tie Angcstclltcnbewegung ist ohne, daß wir uns sehr bemüht hätten, zu uns gekommen; daS praktische Ergebnis der Organisationsarbcit führt eben überall zu unS. Im Reichsamt des Innern wird gegenwärtig in sozialpolitischen Dingen nichts oder sehr wenig ge. feiltet. Was ist auf dem Gebiete des HeimarbeiterschuyeS im Anschluß an daS HausarbcitSgcsctz geschehen? Der neue Weg, den der Staatssekretär an Stelle der Bundesratsverordnungen jetzt geht, ist ein Rückschritt: daß der eine diese, der andere jene Anordnung gibt, und daß vor allem die strenge Kontrolle fehlt, und die strengen Anforderungen, die eine Verordnung oder ein Gesetz stellt. Kein Wort des Staatssekretärs darüber, daß den Anregungen des Beirats für Ar b e i t e r st a t i st i k, betr. die Binnenschiffahrt, die Wäschereien usw. Folge gegeben wird. Hat der Beirat für Arbeiterstatistik seine Arbeit beendet? Augen- blicklich liegt ihm nicht eine einzige Aufgabe vor. Weshalb veran- staltet man nicht Engueten über die chemische Industrie, die Blei. Weißgifte, die ländliche Arbeiterfrage? Und in wie weiter Ferne ist daS Thcatergcsetz? An den Organisationen der Bühnen- genosscnschaft geht man achtlos vorbei! Tie Acrzte werden bei der Regelung ihres Vertragsverhältn'sses mit den Kassen vermut- lich die Regierung zu einer Novelle zur Reichsversichcrungsord- nung nötigen. Kämpfen Sie gegen die Sozialdemokratie, aber lassen Sie ihre Aechtungl
Abg. Graf Earmer-Zieserwih (Kons.)?
DaS Vorgehen gegen die W a n d e r l a g e r ist eine alt» Forderung meiner Partei. Sic sollten nur da zugelassen werden, wo nach Angabe der sachverständigen Behörden, wie Handels- karnmrn usw. ein Bedürfnis vorhanden ist. Und man sollte die Altersgrenze hoher sehen, nicht daß jeder 25jährige berechtigt sein soll, das Wandcrlagcr. und Hausiergewerbe zu ergreifen; man sollte das auf die nicht mehr recht Arbeitsfähigen beschränken. Der Weg, den die Regierung in Sachen eines Beitrags der Industrie zu den Kosten der Lehrlingsausbil. düng vorschlägt, reicht nicht aus. Bei Verhandlungen von Fall zu Fall zwischen Handels- und Handwerkcrkammcr ist die letztere als der allein fordernde Teil der Industrie auf Gnade und Un- gnade preisgegeben. Wir halten eine gesetzliche, einhitliche Rege- lung für nötig. Eine Außnahmebcsteuerung der Konsum, vereine fällt mir nicht ein; man sollte sie aber zur Korn, munal- und Staatssteuer ebenso heranzichen wie ihre Kontur- reuten, die privaten Gewerbe- und Handelstreibenden; das ist nur ein Ausgleich. Die Sonntagsruhe in,Kontoren sollte ganz eingeführt werden; für offene Ladengeschäfte kann man aber Groß, und Kleinstadt, Groß, und Kleinladen nicht gleich behandeln.
Die Ankündigung des Gesetzentwurfs über die Versicherung der Feuerwehrleute usw. begrüßen wir mit besonderer Freude, da dadurch eine alte Forderung meiner Partei erfüllt wird. Tie Behauptung, daß das Bauernlegen in stärkerem Maße betrieben wird, ist falsch. Im Gegenteil, in der letzten Zeit ist die Schaffung kleinbäuerlicher Betriebe in erhöhtem Maße vor sich gegangen. Seitdem cs den Kleinbauern besser geht — und oas ist seit dem Bestehen des neuen Zolltarifs der Fall^— denken sie gar nicht mehr daran, ihre Scholle zu verlassen. (Sehr richtig! rechts.) Gegen die A u s w ü chs e der A r b e i t s . einsrcllungcn und der A u s s p c r r u n g e n^ müyen wir entschieden Front machen. Wir sind gewiß für Sicherung der Koalitionsfreiheit, aber einen werteren Ausbau, wie ihn dic Freisinnigen verlangen, halten, wir nicht für notwendig. Wir lehnen deshalb die Resolution der Volkspartei ab. Die starke Zunahme der Streiks kommt daher,
daß die Sozialdemokratie zufriedene Arbeiter nicht haben will: Lohnforderungen spielen da meist keine Rolle, sondern das Machtgelüst der Gewerkschaften. (Sehr richtig! rechts.) Die Arbeitgeber sind ja nicht mehr Herr in ihrem Hause, daS sind die Gewerkschaften mit ihrem Terrorismus und ihren Bedrohungen gegen die Arbeitswilligen und deren Familien. Ter Zentralverband deutscher Industrieller hat dem Reichskanzler ja kürzlich ein reichhaltiges Material darüber unterbreitet. Mir sind zahlreiche Briefe von Arbeitswilligen zugcgangen mit Klagen über die Bedrohungen und Streikvergehen, aber mit der Bitte, ibre Namen nickt zu nennen (Hörtl Hört! rechts, Gelächter der Soz.), weil (Zuruf der Soz.: alles erlogen ist!) — ich bin anderer Ansicht. Wird hier nicht Wandel geschaffen, dann werden diese neutralen, staatserhaltenden Elemente irre werden an der Macht und dem Willen der Regierung. (Lebhafte Zustimmung rechts.)
Ich bin nicht der Meinung, daß dic Bestimmungen ausrcichcn und nur dic Gerichte nickt energisch genug sind; und der Mei. nung ist auch der Reichskanzler in seiner Rede vorn 10. Dezember, waren eö auch die Nationalliberalcn mit einem Antrag im Jahre 1899, ist die sächsische Regierung, die Hamburger Bürgerschaft usw. Die Schweiz und Amerika haben viel schärfere Bcstim. mungcn als das angeblich reaktionäre Deutschland. Wir wollen keineswegs ein Ausnahmegesetz (Lachen der Soz.); aber auf die große Revision des NeichSgesetzbuchs können wir nicht warten; die Zeiten werden nicht besser, sondern schlimmer. (Sehr richtig! rechts.) Darum ersuchen wir in unserer Resolution die verbündeten Negierungen um eine Vorlage, dic einen wirksamen Schutz der Arbeitswilligen sichert, aber un» abhängig von der großen Revision des Strafgesetzbuches. (Beifall rechts.)
Abg. Dr. Thoma (Natl.):
DaS Wort des Reichskanzlers, daß die Zeit mit großen Problemen und Aufgaben erfüllt fei, haben wir ernst genommen. Wir haben die erste große Aufgabe sofort erblickt in der angrknndigten Wehrvortage. Aber wir sind von jeher der Ueberzeugung, daß solche großen Aufgaben auf dem Gebiete der i n t e r n a t i o . n a I e n Politik auch getragen werden müssen von entsprechenden Fortschritten und Vorlagen auf dem Gebiete der inneren Politik, daß Roß und Reisige das Volk nach außen nur dann wirklich schützen können, wenn sie getragen werden von einer guten inneren Politik. Deshalb waren wir etwas überrascht über die unverkennbare Resignation, die aus den Worten deS Staatssekretärs des Innern in bezug auf die großen Aufgaben auf dem Gebiete der inneren Politik zweifellos hervorgeht. Wir hal« ten eine Teilung des Reichsamts des Innern in eine wirtschaftliche unb soziale Abteilung für wünschenswert; jr ein Untcrstaatssekretär, allerdings nicht als gelegentliche Vertreter des Ministers, wenn er verhindert ist, ober als Adjutanten, son< bern als St e i m g u einem eigenen Amt. Unter den großen Aufgaben, wie wir sie aufsassen, steht an erster Stelle die Woh- nungS frage; sie ist zurzeit neben dem notwendigen Ausbau des Arbciterschutzes geradezu die sozial? Frage. Tas Argument des Staatssekretärs wegen des Eingriffes in die Struktur und Aufgaben der Staaten und Gemeiiibcn kann man der Lösung einer solchen Aufgabe nicht cntgegenstellen. Gewiß ist die staatsrechtliche Struktur des Deutschen Reiches ja überhaupt kompliziert. Aber man hat diese Schwierigkeiten zwischen Reich, Staat und Koinmunen auch bei der Wertzuwachssteuer iiberlvinden können, wo man die Gemeinden auf Provision gesetzt hat. Wir- wollen gewiß die Gemeinden -ebenso wenig cinengen wie eine1 Einzelpersönlickkeit, aber wie dic Tinge liegen, müssen die Schwierigkeiten eben überwunden werden.
Die Lösung ist das Erbbaurecht. Ter Staatssekretär stiehl auf dem Standpunkt des Abwartens; was der Juristentag stagen wird, will er sehen. Vielleicht hört der Staatssetretär auch -sonst ein wenig auf die Juristentage unb auch auf den Anwaltstag; aber was der Juristentag auf dem GJebiete der Wohnungs- ■fürforge bringen soll, weiß ick nicht. Er kann doch nur die zivilrechtliche Seite behandeln, aber nicht das Erbbaurecht praktisch Realisieren Wir n-trachten die Frage des Erbbaurechts als eine .vollständig einfache. Die Crux ist nichts als die Teuerung deS Grund unb Bodens. Warum ist die Wobnungsfürsorae trotzdem nicht weitcrgekommen? Weil die Beleihung des Grund und Bodens im Erbbaurecht unzulänglich, zum Teil unmöglich ist. .ES ist fast unmöglich, erste Hypotheken zu bekommen, weil die -Mündelsicherheit fehlt. Oesterreich ist vorbildlich vorgegangen mit der subsidiären Haftung des Staates. Es bedürfte dazu bei uns nur einer kleinen Novelle zum Bürgerlichen Gesetzbuch; mit einem Schlage würden dadurch Hunderte von Millionen flüssig gemacht, und das wäre eine gewaltige Aufgabe in unserer inneren Politik. Natürlich müßte auch die Zivilprozeßordnung in den Bestimmungen über Zwangsvollstreckung unb Zwangsverwaltung geänbert werden; aber das ist eine Kleinigkeit.
Für die Koalitionsfreiheit gilt für uns öaS Gleiche wie für bas Wahlrecht. Sie ist ein Blättchen: Rühr mich nicht an. Tie Koalitionsfreiheit hat uns in Bayern in die Lage gebracht, am letzten Mittwoch, bei der Präsidentenwahl, so sauber, so exakt, so reinlich zu arbeiten, wie wir hier im Reichstag leider nicht arbeiten konnten. (Heiterkeit. Zuruf vom Zentr.: Machen Sie es doch!) Nun, wir werden ja demnächst hierzu auch die Gelegenheit haben. Persönlich bin ick der Meinung, daß wir hier im Reichstage ebenso exakt hätten arbeiten sollen.
§ 153 G.-O. erscheint uns ausreichend. Nur der Tatbestand ist in ihm nicht genügend bcfini?rt. (Zuruf: Weil sich die Zeugen fürchten!) Mein, weil eine Definition über das Koalitious - recht fehlt Es fehlt der Schutz desjenigen, der sich koalieren will, und der nicht wieder aus einer Organisation heraus- getrieben werden will. Wir haben nur eine rein negative Koalitionsfreiheit, kein positives Koalitionsrecht.
Absatz 2 des § 153 stammt noch aus einer Zeit, wo man daS Koalitionsrecht gerade nicht mehr verbieten wollte, aber doch noch als etwas gefährliches erschien. WaS fehlt, ist die Rechtsfähigkeit bet Berufsvereine. Der Redner spricht für die Schaffung eines Reichs-inigungsamteS, aus Männern des praktischen Lebens zusammengesetzt, mit der Aufgabe auch der Förderung der Tarifverträge, nicht durch Zwang, sondern durch Beratung, Ausarbeitung eines Normalvertrages als Muster. Auf dem Gebiete des Reichsversicherungswesens ist jetzt eine Verdauungsperiode, aber sonst bietet die Sozialpolitik noch große Aufgaben. Zum Schluß spricht der Redner über die Maul- und Klauenseuche, die auch eine besondere Angelegenheit seines Allgäuer Wahlkreises ist. Er fordert für die nächsten zwei bis drei Jahre eine Zollsuspension und Erhöhung der bisher gestatteten Einfuhr^ifsem, sobald Tirol unb die nahe Schweiz seuchenfrei sind. (Beifall links.)
Slb'i Bartschat (Vp.):
Alle Parteien haben ihren Willen erklärt, dem Oand - Werker stand zu helfen. Tie enorme Teuerung trifft ihn nicht nur direkt, sondern auch mittelbar, weil der Konsument seine Bedürfnisse einschränkt und der Arbeiter seine Lohnansprücke erhebt: die Konkurrenz aber hindert den Handwerker seine Preise zu erhöhen. Mit der Mittel st andsfreundlickkeit der Konservativen ist es nicht weit her; betätigt sich der Handwerker politisch anders als konservativ, dann wird er boykottiert. Wo der Großgrundbesitz vorherrscht, gebt cs dem Handwerk schlecht; wo blühende Dörfer stehen und aufstrebende Städte, ge
deiht das Handwerk. Tie politische .ilucchtschaN treibt zahlreiche Kleinhandwerker zu den Sozialdemokraten. Zweiunddrcißig Rittergutsbesitzer sitzen in der konservativen Fraktion, aber fast keine Mittelständler. Mir, dem Handwerker, hat man nachgesagt. baß ick die Großkauflcutc und die Börse vertrete! Ick vertrete jeden Stand unb bas gesamte Volk, für mich sind allgemeine Interessen maßgebend. (Sehr gut! linfs.) Der Redner, wirft dem Bund der Landwirte vor, mit seinen Warenhäusern unb Reparaturanstalten den Mittelstand zu untergraben und verteidigt den Hansabund. Er fordert reichSrcchtliche Regelung des Submissionswesens.
Die Bauspckulation sollte man durch Festlegung der Buch, führung einschränken. Der größte Teil der Handwerker ist allerdings für die Durchführung des zweiten Teils des Gesetzes über bic Sicherung der Baufordernngcn, aber die Materie ist zu schwierig. Der Redner vertritt die Forderungen deS Handwc^- in bezug auf Abgrenzung von Fabrik und Handwerk, wünscht größere Freiheit in der Organisation der Handwerkskammern, und empfiehlt dem Handwerk mehr Kollegialität statt des ewigen Schreiens nach der Gesetzgebung. (Bcisall links.)
Abg. Sosinski (Pole) fordert den Achtstundentag für die Bergarbeiter über Tag, bet eine brennende TagcSfrage geworden sei, dic Zuziehung der Ar- beiter zur Baukontrolle und zur Gcwerbeinspcktion unb führt Beschwerde über bie Hinderung der polnischen Organisationen ^wrch Arbeitgeber und Behörde. Des weiteren bringt der Redner Material vor über oberschlesische Wahlbeeinflus
Weiterberatung: Montag, 2 Uhr.
Schluß Uhr.
Statistik Ser Eisenbahnen Deutschland; für 1910.
Von der im Reichs-Eisenbahn-Amt bearbeiteten 3t i tistik der im Betriebe befindlichen Eisenbahnen Teutsc!' lands, abgesehen von den sogenannten Kleinbahnen, ist der die Ergebnisse des Rechnungsjahres 1910 umfassende Bd. "-1 (Verlag der Königlichen Hofbuchhandlung von E. 3. Mit ler u. Sohn) erschienen. Nachstehend werden einige wesen> liche Ergebniszahlen des Werkes mitgeteilt und den en- sprechenden Angaben aus dem vor 10 Jahren erschienenen 21. Band (Rechnungsjahr 1900) gegenübergestellt.
Die Eigentumslänge der deutschen vollsvurigcn Eiü bahnen ist von 49 930 Klm. am Ende 1900 auf 59 259 Klm am Ende 1910, also um 18,7 v. H., gewachsen Von dieser Länge entfielen 1900 45 886 Klm. oder 91,9 v. H. auf Staatsbabiun und 4044 Klm. oder 8,1 v. H. aus Privatbahnen, 1910 dagegen 55 722 Klm. oder 94,0 v. H. auf Staatsbahnen unb 3537 Klm. oder 6,0 v. H. auf Privatbahnen Nach der Betriebsart waren 1900 32 278 Klm. oder 64,6 v. H Hauptbahnen und 17 652 Klm. ober 35,4 v. H. Nebenbahnen, 1910 bagegcn 34 376 Klm. ober 58,0 v. H. Hauptbahnen und 24 883 Klm oder 42,0 v H. Nebenbahnen vorhanden. Dic Hauptbahnen haben somit nur uim 6,5 v. H., die Nebenbahnen aber um 41,0 v. H. zugenommen
Bei einem Flächeninhalt von rund 540 743 Qklm befliß Deutschland 1900: 49 878 Klm., 1910 dagegen bei 540858 Qklm. Flächeninhalt 59 031 Klm. vollspurige Eisenbahnen, so daß ans 100 Qklm. entfielen 1900: 9,22 Klm. unb 1910: 10,91 Klm Eisenbahnen. Aus 10 000 Einwohner, deren im Reich im erster.'n Jahr 56,00 Millionen, im letzteren 64,55 Millionen gezählt winden, kamen 1900: 8,91 Klm. und 1910: 9,14 Klm Eisenbahnen.
'Zur Bewältigung des Verkehrs standen den vollspurigen deutschen Eisenbahnen im Rechnungsjahr 1910 27157 Lokomotiven, 57 644 Personenwagen einschließlich 314 7ricn wagen und 581780 Gepäck und Güterwagen cinfrfil'i b > lich drei Triebwagen zur Verfügung. Gegen 1900 hat bei den Lokomotiven eine Zunahme von 42,4 v. H., bei den Person: > wagen von 50,0 v. H. und bei den Gepäck- und Güterwagen von 41,1 v. H. stattgesunden Tie B e s ch a s f n n g s k o ü e n der Fahrzeuge haben sich von 2404,57 auf 4003,29 Milli.'n-n Mark ober um 66,5 v. H. erhöht Davon entfallen 1427,83 Millionen Mark auf Lokomotiven und Tender, 22,31 Millionen Marr auf Triebwagen, 821,93 Millionen Mark auf Personenwagen und 1731,22 Millionen Mark auf Gepäck- und Güterwagen
Von den eigenen und fremden Lokomotiven und Triebwagen sind im Jahre 1910 in Zügen, im Vorspanndienst, bei Leerfahrten und im Rangierdienst 1098,84 Millionen, mithin auf 1 Klm. der durchschnittlichen Betriebslänge 18 649 Lokomotivkilometer zurückgelegt worden; davon wurden 721,23 Millionen als eigentliche Nutzkilometer, d. h. zur Beförderung von Zügen geleistet. Gegen 1900 haben die Lokomotivkilometer um 44,5 v H., die Nutzkilometer um 40,9 v. H. und die auf das Kilometer Betriebslänge entfallenden Lokomotivkilometer um 21,9 v. H. zugenommen.
An Zügen entfielen auf das Betriebskilometer:
1900 ..... 9 797 oder täglich 26,84 Züge
1910 ..... 11 752 „ „ 32.20 „
Die eigenen und fremden Personen, Gepäck Güter unb Postwagen int ganzen haben aus den vollspurigen Bctriebsstr vt! int Jahre 1910 28 230,69 Millionen und auf 1 Klm. der durch schnittlichen Betriebslänge 479 123 Wagenachskilometer geleistet. Auf die Personenwagen entfielen hiervon 7743,28, av die Gepäck- und Güterwagen 19 960,03 und auf die Postwag :i 527,38 Millionen Achskilometer. Gegen das Jahr 1900 ist -"ii Wachstum zu verzeichnen: bei den Wagenachskilometern im gan" i um 50,2 v. H., bei den Personenwagen um 85,9 v H.. bei den Gepäck- und Güterwagen um 40,2 v. H. und bei den Postwagen um 37,0 v. H. Die auf das Kilometer Betriebslänge entfallende Anzahl Wagenachskilometer hat sich um 26,7 v. H gehoben.
Von den auf eigenen und fremden Betriebsstrccken geleisteten Achskilometern der eigenen Wagen entfielen auf eine Personen wagenachse 49 505, eine Gepäckwagenachse 49 430 unb eine Gitt r- wagenachse 16 424.
Die befördert e Nutzlast, die sich aus dem 6' 1 i ■ der Personen nebst Handgepäck (zu 75 Kg. gerechnet, des <'■ der Hunde, des Viehs und der Güter aller Art zusammen',: ! ■ t von 38 460,39 im Jahre 1900 auf 58 897,40 Millionen Tonn . filometer, also um 53,1 v. H., die tote Last (das Eigengewi "■ e Wagen, Lokomotiven, Tender, Triebwagen int gleichen raunte von 103 736,20 auf 179061,59 Millionen Tonneni meter, also um 72,6 v. H. gestiegen Außerdem wurden von b n als Frachtgut beförderten Eisenbahnfahrzeugen auf eigenen Rä rn int Jahre 1900 16,15 Millionen und int Jahre 1910 57,49 .
Honen Tonnenkilometer ober 256,0 v. H. mehr geleistet if jedem Kilometer ber, durchschnittlichen Betriebslänge wurde t Jahre 1910 eine Gesamtlast von 4,04 Millionen Tonnen g 2,86 Millionen Tonnen int Jahre 1900, mithin 41,3 vH .. . . bewegt. Die ungewöhnliche große Zunahme bei der Beföroenni^ von Eisenbahnfahrzeugen auf eigenen Rädern ist Ijauptfäc l• darauf zurückzuführen, daß bei den preußisch-hessischen Sta.1 . eisenbahnen von 1909 ab auch die Leistungen der als Bai, und Betriebsdienstgut beförderten Lokomotiven, Personenwagen uio Gepäckwagen erstmals mit in Anrechnung gebracht roor.cn si w
Ter Personenverkehr hat in dem Zeitraum von "i bis 1910 einen wetteren Aufschwung genommen. Im Jahre 1910 wurde eine Einnahme von 871,30 gegen 572,9.6 Millionen Mark


