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1.11.1912 Erstes Blatt
 
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Konstantinopel, 30. Okt. (10 Uhr abends.) Tas in Wisa kämpfende Armeekorps erhielt große Nachschübe. Auster der in Midia gelandeten Redif- division von Trapezunt wnrden dort die asiatischen^Redis divisionen von Malatia und Bciburt ausgeschifft. Sie ge­langten über das Gebirge nach Wisa, wo gegcntoär tig sehr starke Streitkräfte vereinigt sind Weitere asiatische Truppen werden hier heute abend wahr­scheinlich mit derselben Bestimmung eingeschiffl.

Tie Ankunft des deutschen LtationsschiffesLore­ley", mit welchem der Exsultan Abdul Hamid nach Konstantinopel gebracht werden soll, soll am Quei Tschera gan erfolgen, von wo Abdul Hamid direkt sich in das kleine, an der Küste gelegene Pailais begeben kann Wie ver­lautet, wird er später nach Angera gebracht.

Eia Telegramm des Sultans.

Der Sultan richtete an den Generalissimus Nazim Pascha folgendes Telegramm:

Ihre beiden Depeschen mit guten Nachrichten von dem Erfolge unserer treuen Armee haben Unsere lebhastc Genugtuung hervorqeru en. Wir beglückwünschen Sie die anderen Kommandanten und Offiziere sowie die Truppen herzlichst, -tae Telegramm schließt mit dem Wunsche für ein werteres glück­liches Gelingen.

Tas Kabinett Kiamil.

Konstantinopel, 31. Oft. Tas Kabinett bildete (td) wie folgt: N o r a d u n g h i an Aeußeres, Nazim- Pascha Krreg, Abdurrahman Finanzen, Resch id Handel, der Mali von Smyrna, der zu den Grün­dern der Entente Liberale gehört, wurde zum Minister des Innern ernannt. Ter derzeitige Minister der öffent­lichen Arbeiten General Salih wird Marineminister. Der ehemalige Untersekretär im Groywesirat Z i a - B e y .erhält das Ressort der öffentlichen Arbeiten, der Staatsrat Da­ni a d a r i f h i km e t Pascha wird Iustizminister, der Präsident des Staatsrats, Staatsrat Tama d scherif P ascha erhält das Unterrichtsministerium, der ehemalige Ztnanzminister Zia Pascha wird Evtafminister, der ehe­malige Staatsrat M u s u r u s - B e y übernimmt das Mi­nisterium Post und Telegraphie. In dem neuen Kabinett befinden sich ein Grieche und ein Ärnrenier.

(Eine Niederlage der Montenegriner.

Wien, 31. Oft. DieReichspost" meldet: Tie Mon­tenegriner erlitten bei Berdica, Beltoja und T r u s ch i in der B o j a n a - E b e n e eine Niederlage. Ter Angriff machte das südliche Vorfelds Skutaris frei. Die Venetiancrbrücke wurde auf Befehl des Stadtkommandanten in die Luft gesprengt. Die Miriditen lehnten es ab, sich den Montenegrinern anzuschließen.

Bom Kriegsschauplatz der Griechen.

Athen, 31. Oft. Die griechischen Truppen er­beuteten in Kotschana ein Hospital mit 400 Betten.

Die Stadt Metzowo im Epirus wurde von den Türken in Brand gesteckt und ist durch die Feuers­brunst vernichtet worden.

Atben, 31. Oft. Amtlich wird bekannt gegeben, die griechischen Truppen besetzten gestern Grevena ohne Widerstand.

Der griechische Minister des Aeußern Koromilass erklärte, es gebe keine türkische Feldarmee mehr in Mazedonien. Die Mächte seien viel zu praktisch und realpolitisch, nm zu ignorieren, daß in der europäischen Türkei eine gewaltige Umwälzung geschehen sei. Sie wüß- .ni auch, das; der vom türkischen Joch befreite Balkan für die europäische Industrie und das europäische Kapital ein zehnmal besserer Markt sein werde als früher.

Befehung türkischer Inseln.

Vizeadmiral C u n d u r i o 11 i s, Kommandant des Ge­schwaders im Aegäischen Meer, depeschierte dem Marineministerium: T h a s o s und I m b r o s wurden be­setzt und auf beiden Inseln die griechische Flagge gehißt. Heute früh ist der KreuzerCanaris" mit einigen Torpedobooten zur Besetzung der kleinen Insel Strato ab­geschickt worden.

Zur Frage der Vermittlung will ein Mitarbeiter desEcho de Paris" von einem Diplomaten, der dem Empfange bei dem Ministerpräsi­denten Poincarö beigewohnt hatte, erfahren haben, daß Rußland durch Vermittelung Poincares mit Oester­reich-Ungarn verhandle Derselbe Diplomat habe ferner erklärt, daß der Pariser serbische Gesandte Vesnic die Meldungen über direkte Verhandlungen zwischen dem Grafen Berchtold und dem serbischen Gesandten in Wien nicht dementiert habe. Man beschäftige sich gegenwärtig damit, auf dem Papier eine eventuelle Auf­teilung des Balkans vorz u nehmen. Man gehe mit großen Schritten einer Konferenz entgegen und sehe bereits voraus, daß diese in Paris stattfinden werde, von wo die Anregung zu einer Vermittlung ausgegan­gen sei.

(Sitte Aussprache im englischen Nnterhause

London, 31. Okt. Im Unterhaus antwortete auf eine Frage an den Staatssekretär des Aeußern, ob er mit­teilen könne, wie die Aussichten für eine baldige Beendigung des Balkanlrieges und das Zustandebringen eines dauern­den Friedens zwischen den Kriegführenden seien, Sir Ed- wurd Grey: Ich fürchte, ich kann nichts sagen, außer, daß ich nichts über die internationale Lage gehört habe, was den Friedensaussichten hinderlich sein könnte, sobald die militärische Lage den Friedensschluß möglich macht. (Beifall.)

Der Liberale King richtete folgende Anfrage an die Regierung: erstens ob die Großmäclüe vor Ausbruch des Krieges auf dem Balkan überein'kamen, den Stakusauo auf­recht zu erhalten: zweitens ob ein solcher Beschluß den Balkanstaaten mitgeteilt worden sei: drittens ob infolge der Erfolge der Verbündeten weitere Mitteilungen über diesen Gegenstand znisclien d?.i Großmächten ausgetauscht seien, und ob die Politik Großbritanniens und der Großmächte sei, die territoriale Herrschaft der Türkei über Mazedonien aufrechtzuerhalten, nas auch das Ergebnis des gegenwär­tigen Krieges sein möge.

Grey e r w i d c r t c:

Die Antwort auf die ersten beiden Fragen ist bejahend, das steht uulu im Widerspruch zu den Erklärungen, dis die Balkan staatcn selbst nm Vorabend des Krieges abgaben. Was die dritte Frage anbetrifft, so wurden Mitteilungen zwischen allen inter cssiertcn Großmächten ausgetausät über die Veränderung der Lage, die aus dem Verlauf des Krieges sich ergibt. Im Einblick darauf wäre es im gegenwärtigen Zcilpuntt imt-t ratsam, irgend eine ErNäritig über die Politik der bririschen Regierung und der anderen "Mächte zu machen, dir, wie ich mit Vergnügen sagen kann, den ooit Anfang angenommenen Kurs, sich untereinander SU verständigen, beibehalten haben. Das Haus kann verfiel rl feilt, das; ich Erklärungen abgeben roerbe, sobald es mir möglich ist. Aber ich hoffe, das Haus wird die Schwierigkeit würdigen, gesonderte Erklärungen über unsere eigenen Ansichten ab;ugeben,

in einem Augenblick, wo unser erstes Ziel ist, uns in Verbinduni mit den anderen Mächten zu halten und Einigung unter ihnen zu fördern.

Eine französische Erfindung.

DerTemps" berichtet aus Wien von einer an geb lich gescheiterten deutschen Aktion. Deutsch­land soll darnach eine vorläufige Verständigung zwischen Deutschland, Frankreich und England unter Ausschluß des im Orient direkt interessierten Oesterreich und Rußland vorgeschlagen haben. Frankreich und England hätten aber gleich dem Wiener Kabinett daran festgehalten, daß nur in allgemeinen Verhandlungen vorzugehen sei.

Daran ist gewiß kein wahres Wort. Es ist oft genug amtlich in Berlin und Wien verkündet worden, daß Oester reich und Deutschland in der Behandlung der Balkan fragen einig seien, was ja in Frankreich einiges Miß­vergnügen erweckt haben mag.

Oesterreich und Serbien.

Ter BerlinerLokalanz." will aus Belgrad wissen: Der Generalsekretär des Auswärtigen Amts Jowano- witsch wird zum Wiener Gesandten ernannt. Er soll aus beiderseitigen Wunsch eine direkte ^Verständigung Serbiens und Oesterreich-Ungarns über die Sandschakfrage versuchen. Das Problem wird wahrscheinlich auf handels­politischen: Gebiet Lösung finden, namentlich durch Neutra­lisierung eines Handelsweges durch den Balkan.

Deutsches Ueich.

Der Kaiser und die Kaiserin wohnten am Donnerstag in Berlin den Antrittsvorlesungen der amerikanischen Professoren Minet und Sloane in der neuen Mlnla der Universität bei. Sleane von der Eolurnbia-Universität sprach über das Parteisystem in Amerika, Professor Minet von der Harvard-Universität über- die Entwicklung der amerikanischen wissenschaftlichen Einrichtungen. Nach Beendigung der Vor­lesungen brachte Rektor Gras Baudissin ein Hoch auf das Kaiser paar aus. Dcr Kaiser unterhielt sich noch längere Zeit mit den Gelehrten und dem amerikanischen Botsck)aster. Dcr Kaiser be­suchte vormittags den Reichskanzler.

Der B undesrat

überwies die Vorlage betreffend die Aussührungsbestimmungen nach 8 395 des Versicherungsgesetzes für Angestellte und die Vorlage, betreffend Einteilung des Gesamtumlaufes an Neichs- kasscuscheinen den zuständigen Ausschüssen, vollzog die Wahl von ständigen Mitgliedern des Rcichsversicherungsamtes, stimmte den Aenderungcn der Aussührungsbestimmungen zum Wechselstcmpcl gesetzc zu und nahm die Vorlage, bctrefsend die weitere Amts­dauer der Vertreter von Arbeitgebern und Versicherten in den Krankenkassen-Organisationen, den Antrag, betreffend die Aende- rung des § 18, 1 c der Ausführungsbestimmimgen zum Fleisch beschaugcsctz vom 3. Juni 1900, und die Vorlage, betreffend den Entwurf der Bestimmungen über die Konkursstatistik, an.

Stiftungen des Prinzregenten von Bayern.

Aus Anlaß seines Namenstages machte der P r i n z r e g c n t von Bayern aus dcr Luitpold-Jubiläumsspende für Jugend- sürsorge Zuwendungen an Vereine und Wohlsahrtsanstalteu ohne Unterschied der Konfession von 237 100 Mk. Weiter errichtete er mit einem Kapital von 25 000 Mk. eine Stiftung, die zum An­denken der verstorbenen EnkelinPrinzessin-Rupprecht-^tistung" heißen soll. Die Erträgnisse der Stiftung sollen dem Verein für Säuglingssürsorge in München zusließcn, der unter dem Protektorat der Verstorbenen stand. Die Verwaltung soll der Verein führen.

Ausland.

Die Sitzung der deutsch-englischen Verstän­digungskonferenz

wurde in London am Donnerstag vom Grafen Leyden eröffnet. Dann hielt Abg. Prof. Eickhoff einen Vortrag über die Un­verletzlichkeit des Privateigentums zur See in Kriegszeiten. Er betonte den großen Fortschritt im internationalen Seerecht, der durch die Bestimmungen der Haager Konferenz im Jahre 1907 und durch die Londoner Deklamation von 1909 geschaffen worden fei, und sprach den Wunsch aus, daß sich die ösfentliche Meinung aller Länder für die Ratifizierung einsetzen sollte. Ties sei der erste unerläßliche Schritt zur endgültigen Abschaffung des Scebeuterechts. Er drückte die Ueberzeugung aus, daß dieses Ideal verwirklicht werden würde. Frank Lascelles verlas einen zustimmenden Brief von Sir Macdonell. Lord Ave b u r y wies auf die Verluste hin, die England selbst und namentlich die englischen Versicherungsgesellschaften in der Vergangenheit durch Ausübung des Seebeutercchts erlitten, und brachte eine Entschließung ein für das Prinzip der Unverletzlichkeit des Privat­eigentums. Maddison befürwortete ein Kompromiß zwischen England und Deutschland in Fragen des Seebeutercchts und der schwimmenden Seemincn. Die Konferenz nahm die Entschließung Aveburys an.

Angriffe des Pöbels auf Graf Tisza.

Aus Ofenpest wird gemeldet: Als dcr Präsident des Ab­geordnetenhauses Graf Tisza nach Sitzungsschluß im National garten frühstückte, demonstrierte eine große Menschenmenge gegen ihn. Auf dem Nachhausewege wurde er eine Stunde nachher in einem Nebengarten mit Steinen beworfen und mußte sich in einen Hausflur begeben, während die ihm folgenden Detektive telephonisch von der Polizei Hilfe erbaten. Graf Tisza äußerte, er sürchte für sich nichts, sondern nur, daß seiner Frau auf dem gleichen Weg Unannehmlichkeiten zustoßcn könnten.

Der neueste und größte amerikanische Dreadnought

New Port" ist am Mittwoch früh auf der Admiralitäts­werft in Brooklyn in Gegenwart des Präsidenten Taft und des Marinesekretärs Meyer vom Stapel gelaufen. Tas Schiff wird zehn 14zöllige Geschütze führen und soll eine Geschwindigkeit von 21 Knoten erreichen.

Ans Statt und Land.

Gießen, 1. November 1912.

Ans dcr Sitzung dcr Stadtverordneten.

Gestern gab es bei unseren Stadtväteru ein gut besetztes Haus, das allerdings auch die Wichtigkeit der Tagesordnung rnti'prach. Tas Hauptinteresse beanspruchte die seit Jahren an gestrebte Umgestaltung unserer Fcuerlöscheinrich- t u n gen, für die die Einführung einer ständigen Feuerwache, die Anschaffung ^incs Universalgeräts und die Umgestaltung der Alarmcinrichtungcn vorgeschlagen wurde. Es entstand darüber eine längere Aussprache, in den Sparsamkeitsvorschlägc gemacht wurden und eine genauere Prüfung der Vorschläge durch die Mitglieder der Versammlung gewünscht wurde Im Sinne dieses Wunsches wurde die Entscheidung über die Vorlage auf die nächste Sitzung vertagt. Ter allgemeine Eindruck der Verhandlung, in der die meisten Mitglieder der Versammlung das Wort ergriffen, ist wohl dahin zu kennzeichnen, daß die Vorlage wohl angenom­men werden wird: vielleicht daß an dem einen ober anderen Punkt noch gespart wird. Auch die Vorlage auf Einführung einer Billett- steuer, bei der künstlerisckw und gemeinnützige Veranstaltungen ausgeschlossen werden sollen, wurde zurückverwiesen. Auch sie wird wobt angenommen merben, da die vorgebrachten ethischen Ge­sichtspunkte bei der Mehrheit der Versammlung offenbar Anklang ge funben haben. Zwei Anfragen des Stadtv Friebberger betrafen wichtige Interessen der Stadt, nämlich die Aushebung der B e - schränkung der Vieh Märkte und die Hinterland- bahn. Während die Entscheidung über die Viehmarktfrage in Darmstadt liegt, ist in der Bahnsragc inzwischen weiter gearbeitet worden. In der nichtöffentlichen Sitzung wurde die beantragte Lohnerhöhung rür die städtischen Arbeiter angenommen

die Gehaltserhöhung der städtischen Beamten und Lehrer dagegen mit Rücksicht auf eine drohende*Steuererhöhung aber abgelehnt.

* ZageSt al enber für Freitag, 1. November: Stadt» tbeater. Erster R a m m e r f v i c ( a b e n b : .Samum*, .Die stärkere', ,Mik bem Feuer spielen." Abenbs 8 Uhr.

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♦♦ Die G eh altser Höhung für die städti­schen Beamten und Lehrer wurde in der gestrigen nichtöffentlichen Sitzung der Stadtverordneten-Versamm lung abqelebnt. Ter Finanzausschuß hatte eine Vor­lage ausgearbeitet, die im lausenden Jahre 83 685 Mk. Mehrausgaben verursacht haben würde. Tie Erhöhung der Geteilter'der Beamten und Lehrer (letztere sollten um 11 Proz ihrc^ seitherigen Gehaltes aufgebessert werden, sollte vöm 1 April d. I. ab und die der Arbeiter vom I. Oktober d. I. ab eintreten. Der Vorsitzende und der Finanzausschuß waren sich darüber klar, daß die Durch­führung dieser Vorschläge nicht ohne Steuererhö- st ung möglich sein werde und diese Aussicht war wohl die Ursache, die die Mehrheit der Versammlung zur Meh- nung der Vorlage brachte. Dagegen wiirde die A u f b e s s e- rung d e r Arbeiter vom 1. Oktober ab gutgeheißen. Für ba^ lausende Rechnungsjahr beträgt der dadurch ein­tretende Mehraufwand 10350 Mk Durch die Ablehnuiig dcr Gehaltserhöhungen für Lehrer und Beamte bleibt sonach der Stadtkasse eine weitere Mehraufwendung von 73 285Mk. erspart.

LU. 2anbeSunioerfität. Die erste Immatrikn- lation findet morgen um 12 Uhr in der Aula statt.

" LandeSuniversitat. Der Großherzog hat den Privatdozenten Dr. Ang. Brüning in Gießen zum außerordentlichen Professor bei der medizinischen Fakultät der Landesuniversität in Gießen ernannt.

" Ordensangelegenheiten. Der Großherzog hat das Allgemeine Ehrenzeichen mit der InschriftFür Ber- bienfte' dem überzähl. Sergeanten Schulze, seither Hoboist im Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelin (2. Hess.) Nr. 116, zu seinem Ausscheiden, iwd dem Unterzahlmeister Stein im Füsilier-Regiment v. Gersdorff (Kurhess.) Nr. 80, seither im Großh. ArtillcriekorpS, 1. Hess. Feld-Artillerie-Regimenl Nr. 25, verliehen, sowie dem Bureauvorsteher Faust zu Bad- Nauheim die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen de« ihm von dem König von Preußen verliehenen Kronenordens vierter Klasse erteilt.

"KreiSgesundheitSwesen. Der Großherzog hat den Kreisarzt bei dem Kreisgesundheitsamte Lauterbach Medizinalrat Dr. Otto Heinricy zum Kreisärzte bei dem Kreisgesundheitsamte Bingen ernannt.

* Bon der Gendarmerie. Der Großherzog hat den Charakter als Leutnant dem Kreis-Oberwachtmeister Anton Engel im Großh. Gendarmerie-Korps Q", seinem Ausscheiden verliehen.

* * Landesbaugewerkschule. Der Großberzog hat den Lehrer an dcr Landcsbaugcwerkschille Professor Karl Essel­born zu Darmstadt auf sein Nachsuchcn unter Anerkennung seiner langjährigen und treuen Dienste in den Ruhestand versetzt.

* * Technische Hochschule. Der Großherzog hat den Privatdozenten an der Technischen Hochschule in Darmstadt Pro­fessor uni) Bergrat Dr. Gust. K l e m m in Darmstadt zum außer ordentlichen Prosessor ernannt.

" Stadttheater Wie auS verschiedenen Anfragen heroorgeht, scheinen Mißverständnisse über den Charakter der Kaininerspielabende zu herrschen. ES sind dies durch­aus keine Vortragsabende, sondern besondere Vor- stell u ngen, in denen solche dramatische Bühnenwerke ge­geben werden sollen, die nach Fabel, Diktion oder Form nicht in den Rahmen der Abonnenients-Vorstellungen paffen, aber doch so interessant sind, daß sie einem literarischen Publikum nicht vorenthalten werden sollen. ES häng* natürlich von dem Besuch der ersten derartigen Veranstaltungen ab, ob sie dauernd hier einzubürgern sind, da die Ein­studierung für eine meistens nur einmalige Aufführung viele Kosten, sowie Zeit beansprucht.

** Gießener Konzertverein Josef Pembanr ge> hört zu den Pianisten, die vorzugsweise die Klassiker der Klavicr- kornpositioncu aus ihr Programm gesetzt haben Beethoven, Chopin, Liszt, Brahms. Seinem Spiele wird einstimmig die Durchgeistigung des Vortrages neben glänzender Technik nach­gerühmt, jene poetische Empfindung, welche bem Spiel einen eigenartigen Reiz m»rlcikst. Pembaur wurde in Inns brück am 20. April 1875 als Sohu des akademischen Musik­direktors und Leiters der dortigen Musikschule, des Komponisten Joses Pembaur geboren. Er absolvierte hier 1893 das Gymnasium, bksuchte schon während seiner Gymnasialzeit mit Eifer die Musik­schule ^als Schüler seines Vaters und widmete sich von da ab dem Studium der Musik, für die er eine reiche musikalische Begabung an den Tag legte. So trat er mit großen Kenntnissen in Klavier- und Orgelfpiel in München in die Akademie für Tonkunst, wo Rheinberger, Thuille (Klavier) und Kon­zertmeister Abel lDirigierkunst^ seine Lehrer wurden. 1896 bc- ftatib er mit glänzendem Ergebnis die Reifeprüfung und erhielt die goldene Medaille. Ein Jahr später wurde er in der Akademie in München als Lehrer für Klavicrspiel angestellt. 1899 ging Pembaur zur Vervollkommnung feiner Klavierstudien zu bem leiber so früh verstorbenen ausgezeichneten Lisztspieler 51. Ml ei Jena ue r nach Leipzig unb erhielt bereits nach einem öier Anstellung am König!. Konservatorium als Lehrer für höheres Klavierspiel In dieser Stellung befindet er sich zurzeit noch. 19071908 leitete er den berühmten Riedelverein, widmete sich aber dann ausschließlich neben seinem Lehramte der MonjerträtinTfit als Pianist: er hat sich sonwhl als Solist als auch als Eniemble Spieler und Begleiter einen großen Namen erworben, wie die Kritik der großen Musikzentren Berlin, Leipzig, Hamburg, Wien u. a. einstimmig anerkennt. Im Jahre 1912 wurde ihm gelegentlich seines Geburtstages vom König von Sachsen der Titel eines Professors der Musik verliehen.Maria 1 cm bau^, die Tochter eines gelehrten Theologen und an- gciehenen Lchulmannes. ftubierte gleichfalls bei Reisenauer unb abiolpicrte 1904 des Konservatorium der Musik in Leipzig mit Auszeichnung Seit 1906 ist sie mit Josef Pembaur verhei­ratet unb letzte unter ihm ihr Studium fort. Seitdem hat sic mit ihrem Mann auf 2 Klavieren in einer großen Reihe von stabten, wie Leipzig, Zwickau, Gera, Hamburg, Halle, Zittau u. a. mit großem Erfolge konzertiert Man darf bem Konzerte mit berechtigter Spannung entgegensetzen.

* * D e r L e s e tz a l l e n - V e r e i n veranstaltete gestern abend m ber Turntzalle der höheren Mädchenschule seinen ersten Vortrag, den Oberbibliothekar Dr. Ebel mit einer kurzen Begrüßungs­ansprache nnlcitctc. Er erörterte den Zweck, der von dem Verein für den kommenden Winter vorgesehenen Vortragsreihe, die weniger auf eine Vertiefung des Wissens als auf eine Bereicherung des ^.owutslebcns berechnet seien. Unter anderem stellte er für den nannten, .sommer Führungen durch Gießen, seine Museen usw. in Aussicht unb erteilte barauf Prof. Dr. Rauch bas Wott zu icinern Vortrag über bic Frage: Wie soll man Kun st werke b e t r a cd t e n? Er setzte in kurzen Zügen bas Wesen bei bilbenben Munftc auseinander und stellte als obersten Grundsatz die Achtung vor bem Kunstwerk auf. Nicht von einer vorgefaßten, irgendwie bicimhintcn Meinung aus dürfe man ein Kunstwerk beurteilen, lonbcrn inbem man sich frage, was hat der Künstler gewollt, hat

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