Ausgabe 
1.10.1912 Erstes Blatt
 
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lieber

sein wirb, änderung

Der bayeris-he Standpunkt.

die erwähnte Rede des bayerischen Ministers

neten 3^-cbeT erklärt, von den gegenüber der zurzeit bc- stehenden FleischteueruTrg ergriffenen Maßnahmen würde nur der Entwurf eines Gesetzes betreffend eine vorüber» gehende Zollerleichterung bei der Fleischeinfuhr der Zu­stimmung des Reichstages bedürfen: zunächst unterliege er der Beschlußfassung des Bundesrats.

** Der Fahrplan des Gießener Anzeigers für die Zeit vom 1. Oktober 1912 bis 30. April 1913 ist erschienen und wird heute zunächst der Stadtauflage des Blattes beigefügt. Das handliche Fahrplanbüchlein ist aber­mals um 8 Seiten vergrößert worden. Dadurch war es möglich, den Eisenbahn-Personen- und Gepäcktarif auszu- nchmen, ferner sind als wichtigste Neuerung die Fahr­preise für Eil- und Persvnenzüge vom Bahnhof Gießen ab für die 2. bis 4. Klasse übersichtlich verzeichnet. Neben dem Nahverkehr und den wichtigsten Verbindungen inner­halb Deutschlands sind auch die Fahrpreise nach den Nord- eebädern und im Auslandverkehr ausgenommen. Tie An­ordnung der Fahrpläne ist wieder so getroffen, daß zuerst die von Gießen ausgehenden Strecken stehen. Tie Auf- indung der einzelnen Fahrpläne ist durch ein besonders orgfLltig bearbeitetes Inhaltsverzeichnis wesentlich er­leichtert.

Ruhmesblatt bedeutet:

Tic Großh. Hessische Regierung hat beschlossen, dem dem Bundesrat vorgelegten Gesetzentwurf über vorübergehende I oll - er leicht erun gen bei der Fleischeinsuhr zuzustmimcn In­folge der Eisenbahngemeinschait werden die Tarismaß- nahmen der Eisenbahnverwaltung auch Hessen zugute kommen. Soweit eine Einfuhr von Vieh und Fleisch nach den Bedingung^, der ans Reichsausland grenzenden Bundesstaaten in Betracht kommen kann, soll sie für die Stadl Main; zugetanen werden, aui die wohl allein die Voraussetzungen hierfür zutreffen.

Wir hätten uns gefreut, von der hessischen Regierung über diese wichtige Frage, die das ganze Volk interessiert, etwas mehr zu vernehmen. Wenn sie auch natürlich für sich allein nicht viel unternehmen fanu unb auf das.Zu­sammenarbeiten mit den übrigen Bundesstaaten angewiesen ist, so brauchte sie sich doch nicht gar zu sehr in den Mantel der Hilflosigkeit zu hüllen. Sie wird doch schließlich einen Standpunkt haben müssen, der im Bundesrate zu vertreten

Wie stellt sie sich denn z. B. zur Frage der Ab­des § 12 des Fleischbeschaugesetzes -

. auf die Verdienste, die ftd) Prinzessin Viktoria um den Alice- . Frauen-Berein erworben hak, ernzugeben. Einer besonderen Für- , sorge der Präsidentin erfreuten fid. die Kranken des Alieebofprtals und bic Schwestern des Vereins, deren Stellung in materieller und etbnd't'r Himickn zu fördern, die Prinzessin in jeder Weise bestrebt war. Für ihren Wunsch, aus ihrer Stellung zu scheiden, mag wohl in der Hauptsache der Gedanke beftimmend gewesen.sein, daß es ihr infolge ihres den größten, Teil des Jahres umfassenden Aufenthalts im Ausland, in den letzten Jahren nicht mehr mög­lich war, die Leitung der VereinsgesckAäfte aus der Nähe zu ver­folgen. Prinzessin Viktoria von Battenberg wird hurck die lieber» nähme der Würde einer Ehrenpräsidenttn aud) fernerhin mit dem Aliee-Fraucn Verein, der ihr so viel zu verdanken hat, verbunden bleiben. Tic Großherzogin hatte das dlmt einer Präsidentin des Alicc-Frauen-Vereins für Krankenpflege auf den Wunsch ihrer Sätwägerin vor ungefähr Jahresfrist vertretungsweise übernommen. Vian wird den Entfckrluß des Großherzogs, der seine Gemahlin an die Spitze des Alice-Frauen-Vereins für Krankenpflege gestellt hat, im ganzen Lande Gefühle der Dankbarkeit entgegenbringcn.

*SB i e wahren bte Privatangestellten ihre Vorteile in den neuen Versicherungsgesetzen". Hierüber sprach am Samstag im stark besetzten Saale des Hotel Einhorn Gauvorstehcr Julius S ck) e l l i n - Frankfurt a. M. vom Teutschnationalen HandlungsgehUfen-Berband. Ter Redner be- leudnetc die Veränderungen, die die Reichsversicherungsordnuug für die Angestellten gebracht habe unb hob besonders die Boneile hervor, die auf Grund des neuen Gesetzes die Krankenkasse bc-* Teutschnationalen Hanblungsgehilsen-Verbandes ihren Angehörigen bietet. Sie hahe in den letzten Wochen über 7000 Neuaufnahmen gehabt und sei auf bem besten Dege, die Berusskrankenkasse der kaufmännischen Angestellten des deutschen Reiches zu werden Nach Tarstellung der besonderen Vorzüge dieser Kasse ging der Redner zur Privatangestellten-Versicherung über. In klarer und leicht verständlicher Weise gab er ein Bild des Gesetzes und machte die Anwesenden mit dessen wesentlichsten Punkten vertraut Er veranscliaulichte besonders eingehend die Leistungen der Ver­sicherung, indem er interessante Beispiele anführte Nachdem der Redner noch zur Wahl der Vertrauensmänner aufgefordert bette schloß er seine Ausführungen mit der Hoffnung, daß das Gute ge' schaffen sei und daß die Zeit wünschenswerte Verbesserungen bringen werde. Lebhafter Beifall wurde ihm zuteil. Auf eine Reihe von Anfragen erteilte der Redner erschöpfende Auskunft

- Stadttheater. Nochmals sei aus btc heutige Er­öffnungsvorstellung, Grillparzers dramatische Märchendichtung .Der Traum ein ßeben* hingeroiefen. Die morgige erste MittwochS-AbonnementSvorstellung bringt daS liebens­würdige LustspielMatthias Bollinger* von Oskar Blumenthal und Max Bernstein, in dem Herr Goll als Münchener Bierbrauer Matthias Gollinger den Uebergang m6 ältere Fach vollzieht. Herr Goll errang mit dieser Rolle am Üurtheater Bad-Nauheim einen außerordentlichen Erfolg. Der nächste Freitag bringt Shakespeares .Viel Lärm um nichts^ worin fast das gesamte Personal beschäftigt ist. Inszeniert wird diese Aufführung von Oberregiffeuc Walter Dmorkoivski). Herrn Dworkowsky geht als Regisseur und Charakterdarsteller ein sehr guter Ruf voraus. Er mar eine Ne'he von Jahren am Düsseldorfer Schauspielhaus tätig und hat sich in letzter Zett durch seine Inszenierungen om Berliner Belle-Allianeetheater und am Freilichttheater Oybin einen Namen geniacht.

** Schiedsgericht für Arbeitern ersiche rung. Aus Anlaß der Aufhebung des Schiedsgericht-' nr Arbeiterversicherung in der Provinz Oberhesscn bat >er Präsident des Reid>sversrd)crungsamtes zu Berlin, Dr K a u f m a nn , an den seitherigen Vorsitzenden des 2d>i*.- gertchts, Regierungsrat Dr. Merck zu Gießen, ein Sätzen ben gerichtet, in dem er ihm für die Mühewaltung, Ue er der erfolgreichen Lösung feiner Aufgabe als SchiedS gerichts-Vorsitzender viele Jahre hindurch gewidmet hat, die dankbare Anerkennung des Reichsversicheruna - amtes ausspricht.

** Dienst jn. b ilättm. Ratsdiener Dörr beg.stck ^eute^den Tag, an dem er vor 25 Jahren in ben Dienst )er Stadt eintrat. Der Jubilar ist in Homberg a. D. ge- wren, hat hier gedient und trat am 1. Oktober 1887 bei )er Schutz mann schäft ein. Er übernahm dann den Posten des Hospitalverwalters, in deiti er sich burch sein humane - Wesen verdient gemacht hat. Als mit dem Juslebentreten ber Provinzialsiechenanstalt das Hospital aufgelöst wurde, erhielt der Jubilar das Amt als Ratsdiener.

** Geschäftsjubiläum. Tas Korfetterchaus Ge­schwister Aron, Inhaberin Frau Emmy Wohlmuth hier begeht heute das Fest ihres 25jährigen Bestehens unb hat sich auS biesem Anlaß ein eigenes Geschäftshaus bas Rathfchlagsche Anwesen, Selters weg 71) zum Geschenk ge­macht, wohin die Firma zum Frühjahr übersiedelt. Äls Geschäftslokal der Jubiläums-Firma ist heute mit Blumen und Pflanzen geschmückt.

d. Soden erhalten wir folgenden Bericht:

In der Zerrtralversammlung de? Landwirtfchaftlichen Vereins in Bayern führte der bayerische Minister des Ina­nem Freiherr v. Soden u. a. aus, es sei durchaus not- tvenbig, bezüglich der hohen Fleischpreise dem relativen F l e i | d) in a n g e {, der voraussichtlich n o ch ein Jahrherrschen werde, im Interesse der Konsumenten Abhilfe zu schaffen Ter- Minister tarn auf die Ausfüh­rungen berNordb. Allg .Ztg." am Samstag über die Maß­nahmen zur Erleichterung ber Vieh und Fleischeinfuhr zu sprechen und bemerkte, einige darin angeführ­ten Richtpunkte würden auch in Bayern sofort durchgeführt werden Das Entscheidenste ufttcr den neücn Vorschlägen sei wohl der Gedanke der zeitweili­gen Herabsetzung der Fleischzölle.

Tas sei auf den ersten Blick eine Maßregel, welche in den Streifen ber Landwirte nicht allseitig begrüßt werden würde. Er teile diese Ansicht, wenn nicht besondere Begleit­umstände damit verbunden sein würden. Weite Kreise der Landwirtschaft würden die Ansicht vertreten, daß das Pr in- z i p des Z o l l s ch u tz e s aufrecht erhalten werden müsse, denn ihm verdanke man die Existenz der deut­schen Landwirtschaft unb ohne Schutzzoll würde sie sich nicht auf dem Stande befinden, auf dem sie jetzt trotz aller Schwierigkeiten fei. Ter Zollschutz müsse der Land­wirtschaft erhalten bleiben und dürfe auch nicht geschwächt werden vor dem Abschluß neuer Handelsverträge, die sehr viel schwerer durchzubringen wären, wenn in der Zwischen­zeit eine Einschränkung des Zollschutzes vorgenommen würde. (Zustimmimg.)

Ich sreue mich auch, fuhr der Minister fort, konstatieren zu können, daß diese Ansicht aud) in derNorddeutschen Allgemeinen Zeitung" tum Ausdrucke gekommen ist, denn dort ist in ben Mo­tiven direkt zmn Ausdruck gebracht, baß an bem bewährten Zoll- schutzinstem nicht gerüttelt werbe dürfe. (Bravo.) Wenn nun, fuhr ber Minister fort, für kurze Zeit unter sehr weitgehenden Kontrostmaßnahnieii unb unter Heranziehung ber Kommun en ein Gedanke, den ich begrüße eine zeitweilige Herab­setzung des Fleischzolles geplant ist, so muß ich sagen, baß baS ein Vorjchlag ist, brr sicher miitdeskens ber näheren Prüfung bedarf, dem naher zu treten notwenbig ist, aber unter ber Voraussetzung, das. baS Prinzip des Zollschutzes unbeeinflußt bleibt. Geschieht das aber, und bas ist zweifellos bie Aniclxniung ber Reichsregie­rung, bann meine ich, baß hierin ein Vorschlag sich findet, der wohl geeignet sein kann, dem Fleiscknnanyel abzuhelsen. Ick) darf wohl bie H o f i n u n g ausdrücken, daß nidit an;unehmen ist, daß über bie limitierte Zeit bi naus bie Fleischnot foribaumt wird. Ter kluge Landwirt wirb cd im eigenen Interesse für notwendig halten, jetzt die Viehzucht noch mehr Su s ö rder n , als er jcitbem getan. Pslicht ber Gesamtheit des Staates wie des Reichs ist, die Landwirte nach dieser Rich- tung zu unterstützen Ich glaube, wenn das nicht geschieht, Würde es oirelt gegen die Interessen der Konsumenten sein. Unsere Pflicht muß iein, dafür zu sorgen, baß im Jnlanbe so viel Fleisch prodwiert wirb, wie für die Konsumenten notwendig ist.

Wenn der deutsche Landwirt in seinen besten Bestrebungen unterstützt unb gegen Seuchengefahr unterstützt wirb, kann er seine Pflichten erfüllen unb wirb cd auch tun. Es ist daher das eigenste Jnlerme der Gesamtheit, die Landwirte auch künftig zu ici fitzen, si> ,ut fcl üpen, daß sie nicht bloß die Gefahr der Vicb- seuc! en fcritgcbalteii sehen, sondern auch in der Lage sind, zu produzieren, baß sie Einnahmeu haben, nm neben den Produlkions- ko>!cn au di noch etwas zu erübrigen Das ist ber Grundsatz, brr wnst allnitbalbrn anerkannt wirb, ben man aber manchmal leider für die Landwirte anzuerkennen vergißt. Id) bin der 'Jin* swauung, baß cd Ucberlcgting bedarf, ob nicht ohne Schäbi* mmg bei Landwirtschaft durch Abänderung des 12 des Flciiwbeschauflef ctz es vielleicht nud) noch bem derzeitigen tcinue .arm Mangel abgcbolfen merbett kann A u ß e r bem was jetzt vor geschlagen wirb, halte id) cd für eine Pflicht, diese Frage neuerlich zu prüfen

iebcucnTall-5 nn Bundesrat dieser Ansicht Ausdruck zu geben, - damit eine Schädigung für die deutsche Land- toirtidiaft nicht verbunden sein muß, der Meinung k a ii n i d> '?[ n druck geben, denn bie Erleichterung bet <Vkrr«.bc)dau geaenüber dem Ausland unter '?(inrcd)tcrhaltunq bei Kaut dm wird nicht die Folge haben, daß die Fleischbeschau- veilnninuiigeit einer Avanbcning unterliegen

Ter Jiiniftcr schloß, daß ber Landwirtschaft daran liege, mc Viehzucht zu fördern, sie halte es auch für ihre Pflicht ben gesamten Interessen der Konsumenten entgegenvtkom- men Tic Rede des Ministers wurde mit lebhaftem Beifall aufgenommen.

(Sin Handschreiben des Kanzlers an Bebet.

Berlin, 1. Lkk. Auf bie Eingabe der sozial- demokratifchen R e i ch s t ag s f ra k t i o n ^en Einberufung des Reichstages hat, dem Vor- Ä?Liuftge-. Reichskanzler d. 8etbmann Hollw<.g in einem Handschreiben an den Abgeord»

** Der Gießener Schiklub (Schiklub Wintersport Gießen), der sich über ganz Oberhessen erstreckt und Mich in Rheinhessen und Starkenburg Mitglieder aufzuweisen hat, hielt am 27. September seine satzungsgemäße xxtupt- versammlung im Kaiserhof ab. Aus dem vom Vorsitzen den erstatteten Jahresbericht ging hervor, daß der Klub trotz des ungünstigen Winters auch im abgclmifenen Ver - einsjahre mit Erfolg für die Ausbreitung und Pflege des Schilaufes tätig war. Die Mitgliederz-ahl hat bte hundert längst erreicht und weist ein fortgesetztes Wachsen auf. The große Sprunghügelanlage am Hoherodskopf, die durch das Eingreifen des Großherzogs ermöglicht wurde und ganz bedeutende Aufwendungen erfordert^ wirb nach ben Plänen des Architekten Ernst Schmidt hergeftelll unb geht ihrer Vollendung entgegen. Die im vorigen Jahre begonnene nebelsichere Markierung wirb in diesem ^ahre weiter ausgebaut und über den Gackerstein hinweg sowohl nach RubingAhain als auch nach Michelbach her gestellt. Daß die Eisenbahndirektion durch Einführung der L-onntagskarten von Gießen nach Schotten abermuls ^"^Don den Wanbervereinen unterstützten Anregung des --rchmubs entgegen kam, wurde beifällig ausgenommen Außer dem am 9. November auf der Liebigshöhe itattfinben* oen W i n t e r f e ft, das manche Ueberraschung bringen wird, veranstaltet der Klub am 26. und 27. Januar den im oergangemen Winter ausgefallenen, unter dem Protektorat Des Großherzogs stehenden 2. Hessischen Schiwett - au s am Hoherodskopf und anfang Februar ebenda einen höH»* o-Vu ? lür Anfänger unb Fortgeschrittene, als trt! a11 der vor zwei Jahren mit so großem Erfolg

8 gewesene Norweger Andreas Hoyer gewonnen werden Lr,^"d Vorträge und Sonntagskurse ionber? Heranziehung der Jugend werden be-

^.^ Kurse abgehalten, und der Beitritt zum Bunb Jung- W^en anberroeitiger starker Jn- narT C?te? bcr Allerer unb zweite Vorsitzende

"Ä bcT ^iftführer Alfreb Legler ihre ®nk*^er ^tee '^d-n «ermann Schmidt fübrer GerichtSlitsessor Seibert ai-3 Schrill-

£!??? * ^arl ^tiiulze wurde als 2 Vorsitzender ku? ' ^rie iUri?cn Vorstandsmitglieder Rebak- Marl Neurath, 1. Vorsitzender, LehraintSreferenbar

im Landwirtschaftlichen Verein gehalten hat, Preußens Bei­spiel folgen. An feinen sehr landwirtfchaftsfreunblichen Ausführungen ist bemerkenswert, daß er auch die Abände' rung des tz 12 des Fleischbeschaugesetzes in Erwägung ge­zogen haben will Er meint, daß damit eine Schädigunc für die deutsche Landwirtschaft nicht erfolgen würde.

Tie hessische Regierung

hat ihre in Aussicht genommene Konferenz mit ben Interessenten verschöbe n , das heißt, die Unseren; wrrd wohl überhaupt nicht )tattfrühen. Folgende halbamrlrche Notiz fanden wir im' lokalen Teil der amtlichenDarm­städter Zeitung":

Tic auf heute /Montag- anberaumt geweenc Vcrhanblung bcr Regierung mit ben beteiligten Jnterefsenvertretern wegen bcr Fleischteiierung ist mit Rücklicht auf den gcrabe jetzt bekannt gegebenen Ab'chluß ber zwischen ben einzelnen Bundesregierungen vereinbarten Maßnahmen verschoben worben.

Auf ber ersten Seite derselben Nunnner des Blattes wurden bie bekannten Ausführungen derNorddeutschen Allgem Zeitung" sowie Pressestimmen dazu mitgeteUt, unb dazwischen fanden wir folgende Notiz versteckt, bie in ihrer inhaltlichen unb stilistischen Dürftigkeit allerdings fein

** Tageskalen ber für Dienstag, 1. Okt.: Eröffn unqs- ?Äe8 Ub?" ,tU 6tabltl)catec: "Der Traum ein Leben.-

\ ammer-Lichtspiele: Eröffnungs-Vorstelliing.

L. ü. Landesuniversität. Der neue Rektor ber Lanbesimwersität, Profeffor D. ES, hat heute fein Amt angetreten. Gerne Sprechstunden finb Montags, Mittwochs unb Freitags von 121 Uhr im Rektoratszimmer, Bismarck, straße 22.

. ." Fin°nzper,°nali°n. De- Gratzherzog hat den Minlsteriatrevlsor be. de- Buchhaltung des Mmisteriums der ,Manzen, Rechnungsrat Ferd. Dauber aus sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste in den SRu )Cflanb versetzt und ihin aus diesem Anlass di- Krane z..m-rkreuz zwei er Klasie de- V-rdienstvrdenS Philipps des Großmütigen verliehen; den BezirkSkassierer der Be.irks lasse PsedderSheiin, Phil, G-ieShe.mer zu P^deEm an die BezirkSlasse Nieder-O-iu, .ind den HaurLe^ alfiftcnten bet bem Hauptsleneramt Nlainz, Jak Tinaelbe Gießen ^ve'rfetzt S)ienfieiQenfd^aft an das Hauptsteueramt

" Ruhestandsversetzung. Der Gendarmerie-Ober, wachtmeiiter Schwarz ist mit Wirkung vom 1. Oktober den Ruhestand versetzt worben.

Professor Dr. Elemm ersucht uns um die Mit­teilung, daß er mit dem Emgefcmdt in einem Friedberner Blatte, dos sich mit seinem früheren Hause unb dem Ober, realschulbau beschäftigt, nichts zu tun hat.

" Lehrerperfonalien. Übertragen wurde dem Lchulvenvalter Karl Heyl zu Dornheim eine Lehrerftelle an ber Gemeindeschule zu Merkenfritz. Erledigt ist eine mit einem coang. Lehrer zu besetzende Lehrerftelle an der Gemeinde schule zu Hohn.

* Al iee-Frauen verein für Krankenpflege in C . Ci? bCT.1ain .?7- September abgebalrenen Sitzung Zentralkomitees taltc bet Präfidentin bec- Vernns, Priiuelim

Battenberg, bent Zentralkomitee mit

|ic tncies Amt, das sie naüe.;u 3 Jahrz<'lmtr lang befinbet bat' niedcrrnlcgcn dcabnck teqe, unb daß ber Großbcr;oa ianc maflm d,cG r o ßb erzogin Eleonore ;ur P r d s o7n tin

'U.u nraucn Vcrnns tm MTanfciwflcgc ernannt habe - Prmzcnin vihona bat das Amt einer iräfibcnnn bf- Alice trauen Vereins im xabre 1W3, bei Einweihung des AicebofÄals

&inaifl des Vereuis seitdem Mit Umftck^!b

Pflichttreue gerührt. Es nmroc^u weit rühren, frier im einzelnen

Aus Stabt unb Land.

Gießen, 1. Oktober 1912.

Bom Stadtturin.

Der Gtabtturm, dasehrwürbigc Wahrzeichen des alten Gießen, ist ein Teil ber ehemaligen St. Pankratiuskirche, die baufällig geworden war unb deren Trümmer Anfang des 19. Jahrhunderts entfernt wurden, um der jetzigen Stabtkirche Platz zu schaffen. Der Glockenturm, ber nach Angabe des Gießener (^hronisten Dr. Buchner von 1484 bis 1520 erbaut wurde, loar noch vor 15 Jahren von ber Stabtkirche, die Dr. Buchner in ihrem Aeußeren als ein höchst geschmackloses Bauwerk bezeichnete, durch ^das städtische Spritzenhaus getrennt. Der hohe untere Tei Des Turmes würbe von ber Feuerwehr zum Trocknen der Spritzenschläuche benutzt. Nach Erbauung des Turmhauses am Brand vor etwa 12 Jahren wurde das alte unschöne Spritzenhaus zwischen Kirche unb Stadtturm niebergclegt, io daß bcr Turm von allen vier Seiten frei baftanb. Als 1897 die Kirche nach Plänen des Architekten Hans Meyer im Innern vollständig umgebaut wurde, überließ die Stadt bcr Kirchengemeinde ben freigeworbenen Platz, um barauf ein Treppenhaus als Zugang zu ben Emporen des Gottes­hauses anlegen ,zu können.

Wie erinnerlich entstand vor einigen Jahren zwischen ber Kirchengemeinde unb bcr Stabt eine Fehde wegen des Eigentumrechts an dem Wahrzeichen unserer Stadt, bas bie bürgerliche Gemeinde über hundert Jahre als Feuer­wachturm im Besitz hatte und Generationen hindurch durch den von ihr besoldeten Türmer bewohnen ließ. Der damals wegen des Stadtturmes drohende Rechtsstreit wurde durch einen Vergleich vermieden, der Stadtturm wurde Eigentum der .^rchengemeinde, die Stadt bezahlte aber noch einen Barbetrag für die Unterhaltungspflicht des Bauwerks. Zur­zeit ist der alte Turm, der in seinen einfachen Formen die Aufmerkfamtcit der Maler und Zeichner erregt, mit einem Gerüst umgeben, weil eine gründliche Erneuerung seiner äußeren Fassaden sich nötig erwies. Es stellte sich dabei heraus, daß die alte Wetterfahne, die die Jahreszahl 1699 trägt und aus doppelt übereinander geschmiedetem Eisen­blech hergestellt ist, nicht mehr lange den Winden und Stürmen Trotz bieten kann. Tic Angeln, in denen sie fid) nun 218 Jahre gedreht hat, sind dünn unb brüchig gewor­den. Die Wetterfahne war früher vergoldet, sie hat die Form eines getränten aufrecht stehenden, doppelt geschwänz­ten, etwa 1,25 Meter hohen Löwen, ber in feinen beiden* Vorderpranten ein G zeigt Schlossermeister Karl Kreiling hat nad) bem alten Original, bas unferm Museum über- wiesen werben soll, eine neue Wetterfahne in Kupfer her- gestellt, bie demnächst, nachdem sie Karl Leib fr. mit echter Vergoldung versehen hat, auf der Höhe ihren Platz erhält.