Dienstag, Oktober 1912
162. Jahrgang
Erstes Blatt
General-Anzeiger für Oberhessen
Die heutige Nummer umfafet 10 Seiten.
Nr. 231
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General-Anzeiger für Oberhessen • ZOLL
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bi Büdingen: Fernsprecher Nr. 269 SeschSftsstclle vahnhosstratze 16a. An-eigentetl: H. Beck.
Der Baltanfrieg in Sicht.
Auf dem Balkan wird es jetzt höchster Ernst! Bulgarien, Serbien und Griechenland erklärten nacheinander amtlich, das; die Mobilisierung angeordnet worden sei. Natürlich hat dies nur den Sinn, die Lage zu verschärfen, denn wenn die kriegslustigen Balkanstaaten die türkische Truppcnzusam menziebung an der Grenze als Ursache ihrer ungewöhnlichen Mastregel bezeichnen, so ist dies ein leerer Vorwand. Tie Türkei denkt nicht an einen Angriffskrieg. Da an der Montenegrinischen Grenze in den letzten Tagen wieder sehr blutige Scharmützel stattgefunden haben, so werden wohl bald überall die Kanonen dröhnen.
Ob der Balkanbund doch noch auf die Unterstützung Rußlands hofft. Wir haben heute eine Meldung des Reuter- Bureaus in Händen, wonach offiziell verkündet worden ist, daß Sir Grey und Sasonow in London nicht nur in Persien friedlich Vorgehen, sondern auch überhaupt und überall für den Frieden eintreten wollten. Ob das richtig ist, wird sich bald zeigen.
Graf B er ch t o l d, der österreichische Minister des Auswärtigen, hat im Heercsausschusse eine neue Warnung an die Kriegslustigen gerichtet. Aber wenn die Gewehre erst losgegangen sind, ivird es schwer halten, dein Krieg Einfalt zu tun. Höchstens wird er dann auf dem Balkan lokalisiert bleiben tonnen. Aus Os en pest wird gemeldet, die telegraphische und telephonische Verbindung mit BelgradundSofiasei seit Montag 4 Uhr nachmittags völlig unterbrochen. Der Donauschiffahrtsvertehr sei von der ungarischen Grenze an unterbrochen. Von Wien aus wird hinzugefügt, Oesterreich-Ungarn habe die entsprechenden Maßnahmen bereits getroffen. In Bosnien und an der Grenze ständen drei Armeekorps in völliger Kriegsbereitschaft.
Interessant wird auch sein, wie Rumänien sich verhalten wird. Nach einer Meldung aus Konstantinopel soll sich eine Annäherung der Türkei an Rumänien vorbereiten. Wir glauben vorläufrg, das; dies eitel Geschwätz ist. Eher wäre schon glaublich, daß Rumänien, dvs Jid) bisher jeder großen Gebärden enthalten hat, im Einvernehmen mit Oesterreich und Deutschland bleibt, um das Feuer auf dem Balkan zu ersticken
Wir erhalten folgende Meldungen:
Die amtlich erklärte Mobilisierung Bulgariens.
Sofia, 30. Sept. Die bulgarische Telegraph-enagentur meldet: Infolge der in den letzten drei Tagen ein getroffenen alarmierenden Nachrichten betreffend die Konzentrierung beträchtlicher türkischer Streitkräfte in der Umgebung von i'ldrianopel und an der bulgarischen Grenze scch sich die bulgarische Regierung, um jeder Eventualität zu begegnen, genötigt, heute die Mobilisierung zu proklamieren.
Die Mobilisierung wurde nachmittags um 5 Uhr offiziell bekannt gegeben. Die Nachricht wurde mit großer Begeisterung ausgenommen. Alsbald durch zog eine zahlreiche Menge die Straßen. Einige trugen die Mobil- inachungsordcr und brachten ununterbrochen Hurrarufe aus. Beim Vorbeiziehen an der italienischen Gesandtschaft wurden Ovationen für Italien dargebracht. In der Stadt herrscht reges Leben.
Serbiens Kriegslust und Mobilisierung.
Belgrad, 30. Sept. König Peter hat die allgemeine Mobilisierung der serbischen Armee an
geordnet. Tie Skrtpsck)tina wurde auf den 4. Oktober ern- berufen.
Die allgemeine Mobilisierung des serbischen Heeres wird amtlich mit der teilweisen Mobilisierung der türkischen Truppen im Vilajet Kossowo und an der serbischen Grenze begründet, wodurch das Gebiet Serbiens bedroht erscheine. Tie seinblichen Absichten der Türken gegen Serbien gingen auch aus der alle Rücksichten und Korrektheit verletzenden Verfügung der türkischen Regierung hervor, wodurch serbisches Kriegsmaterial, zu dessen Turchfuhr die türkische Regierung die Erlaubnis bereits erteilte, im Austrage der türkischen Regierung in feindseliger Absicht ohne jede Veranlassung angchaltcn wurde.
Auch Griechenland mobilisiert.
Athen, 30. Sept. Griechenland hat im Einvernehmen mit den Balkanstaaten gestern abend die Mobil i s i e r n n g seiner Streitkräfte zu Wasser und zu Lande an geordnet.
Aus der Türkei
liegen nur wenige Meldungen vor. Ein aus einem Marineoffizier und fünf Truppenoffizieren bestehender Ausschuß wurde, wie es heißt, beauftragt, die Vollendung der B e r> teidigungswerke in den Dardanellen und dem Bosporus zu studieren. Man muß sich wundern, das; an den Verteidigungswerken immer nod) st udiert wird. Es wird sich ja aber zeigen, ob die Türkei das Kriegsjahr benutzt hat, sein Heer für di? Zeiten der höchsten '.Kot auf einen guten Stand zu bringen. Manche Nachrichten, die uns jetzt ans Konstantinopel zugegangen sind, stammen gar nicht aus türtischen Kreisen, sondern von parteiisch beeinflußten europäischen Berichterstattern. So ist es nicht möglich, nachznprüfen, ob es wahr ist, was briefliche Be- tidjte aus Samos besagen, die Landung von stärteren englischen und französischen Abteilungen sei deshalb nötig geworden, weil die Türken d ie L ä d e n in d e r S t a d t plünderten und dadurd) eine große Erbitterung unter der Bevölkerung hervorriefen.
Ein Waffenstillstand auf Samo8.
Konstantinopel, 30. Sept. Zwischen den Rebellen und türkischen Truppen auf Samos ist ein sechstägiger Waffenstillstand geschlossen worden. Authentischen Nachrichten zufolge haben der Großwesir und der Minister des Aeußern den griechischen Gesandten erklärt, der Zwischenfall auf Sauros sei gewiß bedauerlid). Die Pforte, die leine direkte Verbindung mit der Insel habe, werde das Ergebnis der Untersuchung abwart n, und sollte die gricdjifdye Lesart den Tatsachen entsprechen, das Erforderliche veranlassen. Ter gnedjifeije Gesandte erklärte, Griechenlarrd müsse auf einer Genugtuung bestehen.
Nach einer anderen Meldung aus «KonstaniinopZ hat die Pforte den Behörden auf Samos, die auf den Rat der eng- li]d)en und französischen Truppenabteilungen den Waffenstillstand geschlossen haben, eine Rüge erteilt, weil die Behörden damit die Rebellen als teiegführende Macht anerkannt hätten.
Angriffe der Montenegriner.
Konstantinopel, 30. Sept. Ter Mali von Uesküb mel bete gestern einen Angriff von Montenegrinern auf eine mit türkischen Soldaten besetzte Barke. Heute hier eingcgangene Meldungen geben die Zahl der bei der Beschießung der Barke getöteten Soldaten auf 30, bie Zahl der Gefangenen auf 7 0 an. T i e M o n t e n c g r i n e r sollen den Getöteten die Nasen abgefchnitten haben, was auf der Pforte Entrüstung hervorries. Einem Gerücht zufolge sollen bei einem neuen Zwischenfall an der montenegrinischen Grenze zehn türkische Soldaten getötet und ver - l w u n d e t worden sein.
Zm HcereSauSschuff der österreichischen Delegation fragte der Delegierte Graf Latour unter Hinweis auf die Nachrichten aus Belgrad und Sofia über die Mobilisierung den Minister des Aeußern, ob die Nachrichten der Wahrheit entsprächen, wenn ja, wie er die Lage beurteile. Der Minister des Aeußern erwiderte, daß bis jetzt wohl aus Sofia die Nachricht vorliege, das; der Befehl zur allgemeinen Mobilisierung erging und nod' heute veröffentlicht werde. Von Belgrad und Athen sei bis jetzt feine analoge Nachricht eingetragen, wenn auch dort die Lage als eine nickst minder ernste bezeichnet werden müsse.
Ter Minister erklärte weiter:
Ich inöchte darauf h in weisen, daß zwischen der Anordnung der Mobilisierung und derAufnahme der Feindseligkeiten einschwe - rer, verantwortungsvoller Entschluß liegt und daß nach wie vor die Bemühungen der Großmächte dahin gehen, die aus einer solchen Situation sich ergebenden Gefahren zu beschwören und and; weiterhin für die Erhaltung des Friedens zu wirken. «Beifall.)
Kricgsminister v. Auffenbcrg erklärte gegenüber den Gerüchten, daß das Rohrmatcrial der österreichisch- ungarischen F e l d a r t i l l c r i c unzureichend sei und der Auswechslung bedürfe, mit voller Entschiedenheit, daß an diesem Gerüchte kein wahres Wort sei. Tas Rohrmaterial sowohl der Feldkanoneu als der Fcldhaubitzen sei ganz vortrefflich, speziell die Feldkanoneu stellten nach wie vor ein ganz ausgezeichnetes Geschützmatcrial dar, das einen Vergleich mit den Artillerien aller anderen Großmächte auszunchnien imstande sei. Ter Minister versicherte, daß au einen Austausch des RohrmatcrialS nicht gedacht werde, und sprach die feste llcberzcugung aus, daß die so vielfach bewährte Stahlbronze noch lange das Rohrmatcrial dec österreichisch-ungarischen Artillerie sein und bleiben werde.
Die Auffassung in London.
Wie das Reutersche Bureau meldet, beschäftigt die Lage auf dem Balkan die diplomatischen Kreise in London in erster Linie. Der allgemeine Eindruck ist, daß, obwohl die Lage als ernst erachtet wird, noch Hoffnung auf Erhaltung des Friedens vorhanden ist, insbesondere auch mit Rücksicht auf die vorgerückte Jahreszeit und darauf, daß die Mächte fick; bemühen werden, den Balkanstaaten Mäßigung anzuempfehlen. Obwohl Sasonow erst spät am Abend in London angekommen ist, war er am Montag unausgesetzt beschäftigt. Ein beträchtlicher Teil des Tages war Konferenzen mit den Botschaftern Italiens und der Türkei, sowie mit dem Geschäftsträger von Serbien gewidmet. Sasonow wird am M i 11 w o chl nach Paris abreisen, wo er voraussichtlich bis Samstag verbleibt und dann auf der Weiterreise sicheinenTag in Berlin aufh,alten. *
Die Krisis auf dem Balkan.
Konstantinopel, 30. Scpi. Unter dem Kommando des früheren Abgeoroneien, Generals Essad Pascha marschierten 2öOO Mann nach Skutari. Die Abteilung, welche aus 11 Bataillonen mit Gebirgsgeschützen und Maschinengewehren besteht, wird unterwegs durch ivolfeitbrud)artige Regengüsse auf gehalten. Tie Wege sind vollständig aufgcweichl, und für die Truppen ist keine Unterkunft vorhanden. Sie litten deshalb außerordentlich. Infolge der Ungunst des Wetters ist eil weiteres Vorrücken erst möglich, wenn sich das Wasser verlaufen hat.
Der Bundesrat und die Zleischteuerung.
Von den deutschen Bundesstaaten haben sick) zu bett letzten Verkündigungen der preußischen Regierung bis jetzt Bayern und Hessen geäußert. Bayern will uad) einer Rede des Ministers des Innern Frhrn. v. Soden, die er
Luthersestspiele in Mainz.
0N. Mainz, 30. Sept.
Im großen Saale der Liedertafel finden gegenwärtig Aufführungen des kirchlichen Festspiels „L u t h e r" von Dr. Hans Herrig statt, an denen unter Leitung Max Halters (Hannover 200 Personen der Mainzer Bürgerschaft teilnehmen. Tas Spiel zerfällt in acht Teile, die uns in dichterischer Fassung ein Bttd von dem Leben und Ringen des großen Deutichcn geben.
Nach einem einleitenden Musikstück begrüßt der ^Ehrenhold die Zuschauer und ladet einen Ratsherrn ein, dem Stücke bci- zuwohncn, dessen erster Teil Luther in tiefster Seelcnnot, mit sich selbst und Gott zerfallen, zeigt. Seinem väterlichen Freunde, dem Ordensvikar Staupitz gelingt es schließlich, ihn durch das paulinische Wort „Ter Gerechte wird seines Glaubens leben" aufzurichten. Am Schlüsse eines jeden Bildes bespricht sich der Ehrenhold mit dem Ratsherrn und stellt die Verbindung mit dem folgenden Bild her.
Der zweite Teil führt Luther mit zwei Studenten zusammen, von denen sich der eine bei den warnenden Worten des Mönches auf seinen Ablaßzettel beruft, den er von dem päpstlichen Ablaß- Händler Tetzel für Geld erstand. Dadurch wird der Doktor in seinem Vorhaben, wider den Ablaßhandel zu streiten, bestärkt. Staupitz trifft ihn bei der Prüfung der Schrift, bie er gegen den Ablaß verfaßt hat und bittet ihn, von der Veröffentlichung abzusehen. Luther ist jedoch fest entschlossen, den Kampf zu wagen, und eilt mit ben Studenten davon, um bie Streitschrist an der Stadtkirche anzuschlagen. Die Folge ist die päpstliche Bannbulle wider Luther. — 3. Teil. —
Melanchthou unterhält sich mit Staupitz und zwei anderen Leuten über bie Schritte, die Luther jetzt tun könne. Darüber kommt er frohen Sinnes zu ihnen und verkündet, daß er entschlossen sei, bie Bannbulle zu verbrennen. Staupitz bringt flehentlich in ihn, von bieser verhängnisvollen Tat abzustehen, da er aber fest bleibt, kommt es zwischen ben beiben Männern zum schmerzlichen Bruch. Ter 4. Teil bringt bie Verbrennung der Bannbulle. Darauf erfährt Luther burch ben Ehrenhold, daß er sich in Worms vor dem Kaiser zu verautworteu habe.
Ter Reichstag in Worms bildet als 5. Teil die Höhe des Stückes. Nachdem Luther sein Bekenntnis abgelegt hat, spricht der Kaiser bie Reichsacht über ihn aus. In ben herauf iolgenben Gesprächen, ber auf der Vorderbühne stehenden Reichsfür,ten, fpiegelt sich ber Eindruck, den Luthers Worte gemacht haben, wieder. Georg von Sachsen und Erich von Braunschweig sagen sich los von ihm, Friedrich der Weise und Philipp von Hessen Dagegen schwören aufs neue dem Evangelium Treue.
Daran schließt sich als nächstes Bild „Luther auf der Wartburg". Er i|t nut der Bibelübersetzung beschäftigt, bricht aber, trotz der ihm drohenden Gefahr, auf die Nachricht hin, daß Bildersturm und Rottengeist in Wittenberg ihr Wesen haben, sofort auf und trifft gerade in ber Stadt ein, als Bauern und Bilderstürmer auf Melanchthon einbringen. Es gelingt ihm, die erregten Gemüter zu beruhigen und eine Schändung ber Kirche zu verhüten.
Der achte Teil zeigt uns Luther im Kreise seiner Familie.
Max Halter, ber Spielleitung und Hauptrolle hatte, spielte den Luther mit großem Geschick und verlieh ihm in kräftigen Strichen lebensechte Wärme. Die meisten ber anderen Darsteller konnten mit seiner Leistung natürlich nicht Schritt halten. Die Regie war bis auf Kleinigkeiten ebenfalls gut.
— BerlinerTheaterbrief: StrinbbergsToten- feier l m Deutschen Theater. Man schreibt uns aus Berlin: Nun hat Max Reinhardt dem großen Schweben im Deutschen Theater das Totenfest gerichtet. Weit hinein in ben Zuschauerraum schiebt sich die halbkreisförmige erweiterte Bühne, massige, schwere, dunkel übertünchte Turmmauem umschließen ein kreisrundes Gemach, bas ein paar Möbel unb verblichene Lorbeerkränze an ben Wänben umsonst von ber Erinnerung zu befreien suchen, von ber Erinnerung, ba diese Mauern, auf ferner abgelegener Insel, einen Kerker umschlossen. In schmalen tiefen Nischen saugen noch immer vergitterte Fenster hungrig ein wenig Tageslicht in sich auf und bie Eisentür im Hintergrund wird im Abendschein vom auffommenben Sturme hin- unb her- geschleudert. Tas ist das szenische Instrument, aus dem Reinhardt diese Dumpfe und groteske Sinfonie von dem Unglück einer Ehe spielen läßt, die Strinbberg „Totentanz" nannte. Unb im lastenden Halbdunkel, schwer, dumps und stumm setzt dieses Spie£ ein, in dem Strinbberg in unheimlich verzerrter Wahrheit Dic_2ragif Der Ehe schildert, die Tragik zweier Menschen, die aus ben Sphären Der Liebe hinab sanken in Die Dunfle Welt grundlosen Hasses. Er nennt es „Liebeshaß" unb erhebt sich mit diesem Werke hoch über bie Parteilichkeit, mit Der ber jüngere Strinbberg bes „Vater" ben Kamps der Geschlechter behandelte. Seit langem haben wir eine so starke in sich geschlossene Ausführung im Deutschen Theater nicht gesehen. Inmitten eines poetisch nachempfundenen szenischen Rahmens gestaltete Wegener einen Kakttän Edgar, Der auf dem Wege aus ber Welt bes Hasses über bie Welt bes Grauens bis in das Reich vordrang, wo Mitleib alle Häßlichkeit mildert. Denn dieser Kapitän, dieser Enterbte Des Glückes, ist kein Ungetüm, und in seinen Grausamkeiten leuchtet erschütternd immer wieder ein anderer Mensch auf, einer, Der noch nicht
zum Raubtier geworben war, einer, Dem Liebe unb Zärtlichkeit nicht immer verschlossen waren. Unb neben diesem über lebensgroß gezeichneten Wrack ber Menschlichkeit stand Gertrud Ey- solbt als Die gebrodelte, in Haß verwanbelte Frau: ein Abbild alles Furchtbaren, was aus einem Wesen werden kann. Dessen Seele Durch Leib nicht erhöht, sonbern erniedrigt wird. Und so zogen diese beiden durch die vier Akte des ersten Teiles, wuchsen aus qualvoller Kleinigkeit empor zu übermenschlicher Grausamkeit, um bann jäh, betrogene Betrüger, toieber zurückzusinken in Die Resignation des Hasses. Wortkarg unb erschüttert ging man beim.
— Deutsche Norbo st durch fahrt. Im Frühjahr 1913 wird, wie mir schon wiederholt mitteilten, eine „Teutsche Ar^ftche Expedition" zur Erforschung ber Norbostpassage aufbrechen. Ihr Letter ist Leutnant S chr öb er-St r a n z, der wissenschaftliche Stab besteht aus Dr. Max Mayr-München für Geographie unb Geologie, Tr. Rüdiger- Rostock für Ozeanographie, Dr. E. T e t m c r s - Hannover für Zoologie, Dr. Wenke - Berlin für Botanik. Tie meteorologischen, physikalischen unb erd magnetischen Arbeiten werden von den beiden Schiffsoffizieren Kapitän Ritscher und Kochi tänleulnant Sandleben übernommen. Tie Führung des Schisses liegt in ben Händen von Kapitän Berg- der auf zahlreichen Fahrten in den norbsibirisckxn Gewässern reiche Erfahrungen gesammelt hat. Nach dem „Geogr. Anz." ist Der wissenschaftliche Zweck Der Expedition in erster Linie die Erforschung Der NorDostpassage; wenn bie Umftänbc während! ber Ueberrointcrung es gestatten, wird die Erforschung des Innern Der Tannyrhalbinsel nicht vernachlässigt werden, möglicherweise wird eine Heine Abteilung Dort übersommern, während vom Schiss aus ozeanographische Arbeiten, Küftcnaufnahmen und Untersuchungen der vorgelagerten Inseln gemacht werden. Im Dritten Sommer soll die Erforschung des östlichen Teiles ber Norbostpassage sich anschließen, die Rückfahrt soll Durch Den Großen und Atlantischen Ozean erfolgen.
— Kurze Nachrichten aus Kunst unb Wissenschaft. Ter ord. Professor des Maschinenbaues ber Technischen Hochschule Karlsruhe, Geheimer Rat Tr.-Jng. Joses Hart feiert am 3. Oktober seinen 80. Geburtstag. Seit 1863 lehrte er an Der Karlsruher Hochschule. Im Her>ä 1900 wurde er auf sein Ansuchen in ben Ruhestand versetzt. — In Düsseldorf ist ber Geheime Sanitätsrat Professor Tr. med. Peter Ke im er, Tozent für Ohren-, Nasen- unb Halskrankheiten an ber Dortigen AkaDemie für praktische Medizin im Alter von 65 Jahren gestorben.


