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1.8.1912 Erstes Blatt
 
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Donnerstag, 1. August 19(2

162. Jahrgang

Erstes Blatt

s h Gießener Anzeiger

i | ZIW General-Anzeiger für Oberhessen

Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.

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Ver Appell eines bayerischen Neichsrates an die Reichsregierung.

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wie Jan Lis, mußten erst alles vertrunken und verjubelt haben, bevor sie tresslichc Werke schassen konnten. Das leichte Künstlerblut verführte zu manchem Scherz. So hatte Gillis Mostart einmal für einen Spanier eine Madonna gemalt, für die dieser nicht genug bezahlen wollte. (Ec uberslrich das Bild mit weißer Leimfarbe und malte die Maria mit einem unverständigen Kopfputz ulid leichtfertig von Aussehen. Der Spanier, empört über diese Schädi­gung, holte die Polizei herbei, die den Maler gehörig be­trafen sollte. Aber dieser hatte unterdessen das Bild schon rieder abgewaschen und gut abgetroctnet, so daß es in ur- prünglicher Schöne glänzte, worauf der widenvillige Käufer sich für einen Lügner erklären lassen mußte, m jeder Beziehung Unrecht bekam und den vollen Preis be­zahlte. Bon diesem leichtsinnigen Zigeunertum der meisten Künstler heben sich die aristokratischen Gestalten von Rubens und van Tyck ab, die in Italien als vornehme Herren aus- traten und sich von dieser lustigen Gesellschaft streng ge­sondert hielten.

selten, die sich in der fremden Umgebung bald ganz heimisch fühlten und ihre derben Sitten ungeniert mitten in der ernsten Schönheit der ewigen Stadt entfalteten. Ter Mittel­punkt ihres ctivas wüsten Bohemelebens war dieBent", )cr niederländische Künstlervcrein, der armen Schluckern, deren nicht zu wenig mit Pinsel und Palette nach Rom kamen, hilfreiche Gaben spendete, im übrigen aber haupt- ächlich zur Pflege der Lustbarkeit bestand. Tic Wände der Herberge, in der sich die Bent versammelte, waren ringsum mit Bildern bemalt.Man empfängt daselbst die neu Angekommenen," berichtet Heegstraten,mit witzi­gen Aufzügen und gibt ihnen einen bedeutungsvollen Na­men. Tasclbst spült man die Sorgen und den trägen Wahn mit süßem Albanerwcin ab und treibt Mutwillen mit jenen, die noch nicht genug gewitzigt sind." So wurde vor dem Maler Pieter Fritz eine riesige nut natürlichen Farben bemalte und nut Raketen angefüllte Papierschlange mittels einer mit Pulver bestrichenen Leine" in Brand gesteckt.Weil er so unerschrocken und wohlgemut, ohne davon zu laufen, das Il.atzen und ^ufflammen des Pulvers ertrug, nannten sie ihn Welgemut."

Gar sehr viel wurde ui der Bent getrunken, und der schwere italienische Wein stiftete viel Unruhe und Verwir­rung in den Köpfen der niederländischen Maler. Bose Lärmszcncn und blutige Streitereien waren daher an der Tagesordnung; schnell bekamen die Messer und die Degen Arbeit, und gar manche Gerichtsverhandlung erzählt den Nachlebenden von den lockeren Streichen der Künstler, die so rasch ein blutiges Ende nahmen. Andererseits aber herrschte eine genialische, nie versiegende t'uingteit unter rynen, so daß sie selbst peinlichen Situationen stets die scherzhatlefte Seite abgewannen. Als sic einmal in cmer jonft von ihnen nicht besuchten Wirtschaft tneipten, erzählt uarcl Dan Mander,verließen sie sich aufeinander, indem jeher meinte, der Beutel des andern fei wohl versehen, und als die Ieche bezahlt werden sollte, hatte feiner Gcch. Las tun ? Stc gaben dem Wirt chre sämtlichen Strümpfe zum Pfände, nahmen Ruß und machten damit schwarz, soyui darauf ihre Schuhe wieder an, banden die -irumpfvandcr fest und machten sich auf den Heimweg Und es sah so aus, als hätten sie sehr feine Strümpfe an, hie ganz eng an den Beinen anlagen."

o)ar mancher verkam bei diesem Leben; andere wieder,

Die Residenz des Hlifaöo.

Um die hohen, aus Quaderblöcken gefügten Mauern des Kaiserpalastes von Tokio brfligte sich in diesen Tagen eine vieltausendköpfige Menge zusammen, in unruhiger Erwar­tung und trauriger Spannung. Ta standen Bauern, aus fernen Gegenden herbeigeeili, neben Soldaten in ihrer schmucken Uniform, alle die Köpfe entblößt und im Gebet ge­beugt. Bitthhmnen tönten gen Himmel. Hinter den dunklen, seltsam geformten Pinien, die ihre ungewissen .Schatten geisterhaft in den breiten Wassergräben ftnegelten, lag auf hem Sterbebette der Gott, Herrscher und Baier des ja­panischen Volkes. Tern Weltgeittebe entrückt liegt im eigent­lichen Kern Tokios, auf der Schiro-Iusel, die kaiserliche Residenz, lauter einstöckige, echt japanische Gebäude, ein­gebettet m einen prächtigen Park. Und rings um das lästerliche Quartier scharen sich einem Gürtel gleich die Häuser Der fremden Gesandtschaften, Die Paläste der Mi- nister und hohen Staatsbeamten, auch jic wie die Residenz von Mauer und Wallgraben sestungsartig umgeben. Ur- irrunglid) lagen hier die Burgen oer Taimiozeit, rings um das Schloß Der schogunen herum, die 1590 Icddo zu ihrem Sitz erhoben hatten. Tamals ennvickeltc sich unter

sich gegen die Ausführungen des Grasen Toerrini Berlin werde man sich nnnihmi. wie demütig und bescheiden man tn dein angeblich so DortihUariftmbrn planer» geworden fei, dar, man sogar den Schutz einer anderen Regierung brauche gegen die eigene. Volk und Klerus empfänden das Iesnilengcsev als eine Schmach und wünschten dessen baldige Ausbebuna _

Erzbischof Bellinger: Ich erkläre ottni. daß bezüglich her $ ei ii it en frage unter den deutschen Bischöfen nicht d,e ge ringste Meinnngsverschiedenbeit beftebt und daß der gcnimic Ta- tliolische Klerus Deutschlands mit versctrwindendeii Ausnahmen

i.iabmc oon Hnjetge« notntionsörud und Verlag der vrühl'lchen Unio.'vuch- und Stctnbrudcrei R. Lange. Redaktion, Lrpedition und VruSerel: Schuytrahe 7. E 5enitatagsn9müi^ Büdingen: Zernfprecher Nr. 269 Geschüflrftclle vahnhofstrahe 16a.

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M in ist ervrü ident v. Hcrtling erklärte, ob die Regierung ' mit dem Iesuitenerlasse einen Bock geschossen habe, müsse er der i Beurteilung anderer überlassen Er glaube bis setzt, daß ne i richtig gebandelt habe. Der Ministerpräsident kam dann auf die Ursachen zurück, die die Regierung veranlaßten, den August erlaß des vergangenen Ministeriums zu mildern. Dieser August erlaß bade in weiten Kreisen der katholischen Bevölkerung grol'-.' Erregung beröorgcrufen.Wir sanden aber zugleich Borberei Hingen zu dem neuen Jesuitenerlaß vor, der im joeientheben be- timmt war, den Augiisterlaß zurückziinehmen. Lo ftanden wir vor der ftrage: Was ist zu tun? Wenn man überzeugt fei, bar. das Gesetz von 1872 ein Ausnahme und ein .Kampigesev le» und wenn man erwäge, daß der Reichsrat in wechselvoller Zu sammensetzung der Parteien zu verschiedeneii Malen die Aufhebung des ganzen Gesetzes verlangte, so war für die Regierung die ,Trage naheliegend, ob sie nicht im Sinne des schon vor bereiteten mil deren Erlasses vorgehen sollte. Wenn die Regierung überzeugt war, daß daS Gesetz von einem großen Teil der Bevölkerung schwer empfunden würde, dann konnte es nicht unzulasfig fein, wenigstens für die Milderung der Ausführung ein zu tret en. Ta der Bundesrat keine authentische ^Inter­pretation der Orden Stätigkeit der Jesuiten gab, konnte es keiner Buiidesregicrung verwehrt wer­den, das Gesetz so auszulegen, lvie sie es für rich­tig hält. Nun sollen wir gegen die Reichseinheit ver­stoße n haben. Wir hielten uns vollkommen berechtigt, lo vorzugchen und erst, als wir sahen, welche Erregung, vielfach künstlich geschürt, entstand, sagten wir uns, wenn wir aus jallchem Wege gewesen sein sollten, wollen wir den Bundesrat anfforderu, den Begrist der Ordenstätigkeit zu interpretieren. Tas war ein durchaus loyales Verhalten der Ltaatsregierung, und die Reichs- Icituiig erkennt das Verfahren vollkommen an. 3d) sehe nicht ein, w o eine Blamage der Regierung gegeben Ut. Wär haben mir das Gesetz, das weile Kreise als ein unrechtes Aus­nahmegesetz bezeichnen, mildern wollen. Wir haben die zur Zuler- pretalion berufene Stelle angerufen. Es handelt sich jetzt darum, wie die Entscheidung ausfällt. Tic Blamage kann fich daun auch gegen andere richten. Schließlid) sprach Graf v. oerring Der Reichsregierung die Bitte um Schutz aus. Eine so große Gefahr sind die Jesuiten nicht, daß inan die Rcichslcitung um Schutz anzurufen braucht. Selbst wenn ein Jesuit nicht nur im Wirtshaus, sondern auch auf der Kanzel Sorträgc hält, glaube ich nicht, daß jemanb so gefährdet ist, daß er den schütz der Reichsleitung anzurufen braucht. Von einer Störung des konfessionellen Friedens durch die Jesuiten kann in Wahrheit nicht die Rede Tein.

Reichsrat Freiherr v. Schnurbein crHärtc sich mit der Präzis Der Regierung inbetreff der Nichtbestätigung sozial­demokratischer Bürgermeister einverstanden.

Prinz Georg von Bayern führte aus: ^ch teile die Stellungnahme der Staatsregi-.rung sti der Jesuilenfrage voll­kommen. Ich gehöre zu den Bayern, die die Rückkehr der Jesuiten für begrüßenswert betrachten. Ein Vorgehen, wie das des Grafen Törring, die Unterstützung der Reichsleitung anzurufen, hat meines Wissens in der Geschichte dieses Hauses keinen Präzedenzfall. Ich Halle das Vorgehen für bedauerlich und unbegreiflich. Id) denke von der geschichtlichen Selbständigkeit Bayerns viel zu hod), als daß ich es für nötig halte, die Reichsleitung

auf Seiten der Bisdwfe steht.

Ter Minister des Innern von Loden erklärte: Fw nehme an, daß das Haus mit der Haltung der Regierung in der «vtagc b,-v Nichtbestäti g u n g sozialdemokratischer B ür - germciftcr einverstanden ist. Der Minister fuhr fort, mit aller Entschiedenheit müsse er die Aeußerung zurückweisen, die Graf Toerring gegenüber dem jetzigen Ministerium in der yejuiten frage gemacht habe. Ein Anrufen des -chutzes der Neichsleilung ei um so weniger angezeigt, als die Staatsregierung Veranlai ung genommen habe, iid) an den Bundesrat zu wenden, um eine Entscheidung herbeijufübren, die notwendig erscheint.

Öberkonsistorialpräsident Reid)srat von B e z z e l erklärte: Ten vroteslantischen Theologen werde es schwor, sich ein Urteil zn bilden, weil anerkannte Katholiken so bedenkliche Urteile über die Jesuiten gefällt haben. Man febe in den Jesuiten die Wegen- reformation. In diesem Wort seien alle morgen, Aengste und Röte enthalten, die die protestantischen Glaubensgenoffen im Hin­blick auf die neue Wendung der Tinge hegen.

Ministerpräsident Frhr. v. X) er 111 ng betonte, die staats rcgicrung werde alles hintanhalten, was den lonieffionellen »rie­ben stören'könnte. W i r wollen als d) r i ft 11 d) g e | i n u t e Männer im deutschen Vaterlande friedlich zu* i o m m c n ft eben. Das Jesuitengesetz wird gewiß nicht Da bin führen, daß dieser mein Wunsch vereitelt wird.

Hieraus wurde die Aussprache gefd)loffen. Freiherr v. Kra­me r E l c 11 drückte den Wunsch aus, daß der Anruf der V>lu von auswärts hoffentlick) der erste und letzte in bicfcm Haufe gewesen sei. . _ . . ,

Ter Voranschlag des Ministeriums des Innern wurde darauf im ganzen angenommen.

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fahrt ausi.ht Bestcüg. Zeilenpreis: lo(all5Viw auswärts 2U Pfennig, v hefredakteur: IL Goetz. Verauiwortlich für den politischen Teil: August Goetz: für .Trentlle- ton', .Venulschtes' und ^Gerichisfaak": R. 9lcu- rnth; fürStadt und 2and-: LHev; für den Anzelgentell: H. Beck

um Schutz anzugehen. . .

Ritter Schanz: Bezüglich des Jesuitenerlasses ,ei cs ein taktischer Fehler gewesen, daß das Ministerium mit dem Erlaß seine Tätigkeit begann. Es mußte wissen, daß es von vielen im Lande als ein P a r t e i rn i n i st e r i u m aufgefaßt wurde.

Graf Erailshain: Es wäre vollberechtigt, wenn er im Ausschüsse ausgeführt habe, daß das Jesuilengesetz nicht dazu beitrage, das Programm des Ministeriums zu fördern, das darin bestehen müßte, die durch den Wahlkampf erregten Gemüter zu beruhigen und die reid>3treucn (Elemente zu friedlich Arbeiten zusammen-uführen. Tie Regierung hätte bet dem Bundesrat eine neue Interpretation beantragen sollen, da sie nicht reinen konnte, ob der Bundesrat mit der Milderung einverstanden sei.

Fürst L ö re e n st e i n - W e r l Heim-Rosenberg wendet

England- und Japan.

London, 31. Juli. Im Unterhaus brachte Pre- micr-Ministcr Asquith die angekündigtc Entschließung der Teilnahme an dem Tode des Kaisers von Japan em. Er wies auf die gewaltigen Veränderungen hin, die der Kaiser in seiner denkwürdigen Regierung erlebt habe. Unter seiner Rcgicrung fei Japan aus der unnahbar scheinenden Absonderung in den Vordergrund der Völkerfamilie ge­treten und e^ne große Militär- und Ma^inemack)t geworden, die glanzende Leistungen von Ausdauer, Manneszucht und Heldenmut vollbracht habe. (Beifall.)

3d) kann keinen Namen eines Herrschers nennen, in dessen Regierungszeit ein so unermeßlicher Fortschritt sowohl für feine eigenen Untertanen, als auch für die ganze Menschheit erreicht worden wäre. Wahrend fid) alles zu einem gern nm amen Tribut Der gesamten zivilisierten Welt dieser äußeren Vollimdung gegen über vereinigt, möge es uns gestattet sein, unsere eigene An­erkennung hinzuzufügen. Seit zehn Jahren ist^ Japan mit uns Durd) einen Bündnisvertrag verbunden, xicfcd Bünd­nis ist seitdem zweimal erneuert und erweitert worden mid ixadv dem es die Probe bestanden hat, ruht cs beute auf fefter, und, wie ich hoffe, auf dauernder Grundlage Es ist ein Bündnis nicht zum Angriff oder zur Herausforderung, sondern für die Verteidigung gemeinsamer Interessen zur Entwicklung der Ideale der Menschheit und vor allem zur Aufrechterhaltung des Friedens.' (Beifall.)

Tie Entschließung wurde darauf angenommen.

Im Obcrhause wurde daS Andenken des Kaisers von Japan in ähnlicher Weise geehrt nne im llnterhauic.

In der bäuerischen Kammer der Rcichsrüke hak gestern < V' Ministerpräsident Frhr. v. .Hcrtling ob seines Jesuiten ' sseS sich gegen einen wuchttgen Angriff zu wehren gelabt. Graf zu Törring-Jettenbach bezeichnete die Tat Je,' neuen Kabinetts als eineganz bedeutende Blamage" , für die Ltaatsregierung, da sie ihren anfänglichen Stand- punkt nicht zu behaupten imstande getvcscn wäre. Ter Redner wies auch nochmals deutlich auf die ängstliche Vor , fid t des Kabinetts Hcrtling hin, die darin gelegen habe, daß bie Schuld an dem Erlaß dem frühen Kultusminister in die Schuhe gescl)obcn worden fei. Tie Mehrheit der bayeri schm Bevölkerung sei froh, ivenn das Tor zwischen ihr uni) den Jesuiten im Interesse des konfessionellen Friedens verschlossen bleibe, und da Die bayerische Regierung die Lecks Meinung ignoriere, so wende diese sich um c cy u tz an die R c i ck S r e g i e r u n g, und er hoffe, daß bitter Appell nicht versagen werde.

Das war ein kräftiges Wörtlem, mit dem Frhr. von berkling sich nur gewunden und mühsam adzufindeu ver suchte. Bemerkenswert war an seinen Ausführungen nur die Erkläruna, die Entscheidung des Bundesrats werde wohl dcr Gegenseite eine Blamage bereiten Ist Frhr. von hmling, der ja in dieser Sache viel gereift ist, seiner Sache so sicher ? Es ist doch kaum anzunehmen, daß der Bundesrat ober die öffentliche Meinung im Reiche sich achtlos hliiatts- Iktzen wird. Auch ihm wird ja wohl der konfessionelle Friede am Herzen liegen. Daß die Mehrheit der bayerischen -inchsräte den Erlaß zu verteidigen suchte, nimmt nicht vimdcr; immerhin war die Aussprache, die neben dem tzrasen Törring auch noch andere Gegner des Hertling- fdien Vorgehens ins Feld rief, für die bayerische Regie­rung reckst peinlich und ungelegen.

München, 31. Juli. In der heutigen Sitzung der licichsräte, in der der Voranschlag des Ministeriums des Zirnern zur Beratung stand, wurde u. a. and) die Frage des bayerischen I c s u i t e n c r l a s se s und die N i d) t b c |t a 11 - jung sozialdemokratischer Bürgermeister in die Aussprache gezogen. Im Lause der Verhandlung erklärte Rerdss wi i^ras v. Toerring-Jcttenbach, er stehe aut dem Stand- Duckt, daß der Jcsuitencrlatz ein großer taktischer Fehler |f t Staate rcgicruni gewesen sei. , Der^Erlaß btbcutc aut) eine bedeutende Blamage für die Ltaatsregierung unj ganz Bayern, und zwar von dem Augenblick an, wo die II Ltaatsregierung zugeben mußte, daß sie nickn berechtigt war, , btn Erlaß herauszugcben, ohne vorher die Amicht der Reichs | rcgicrung gehört zu haben. Er bedauere, daß die Regierung Medcrlwlt versudste, die)uld an dem Erlaß dem früheren jhilnidininiftcr in die Schuhe zu schieben. Die grobe Maioritat > völkcrung glaube, es sei besser, wenn das

w bc- zwischen ihm und den Jesuiten erridstct sei, geschlossen bleibe,

Ml dadurck) zweifellos der konfessionelle Friede gewahrt tvcrdc. Hin bedeutender Teil des katholisdx-n Klerus teile die Ansicht, daß es besser sei, den konfessionellen Frieden^zn real)rat. Duye all- nteinc Volksmeinung ignorierte die Staatsregierung bisher, ic müsse daher begreiien, wenn viele Leute, die lid) bisher ab­artend verhielten, fid) abgewandt haben. 2vir reuten jetzt, jlotj der Slebner, was reir in diesen Fragen von Ihnen zu er* arten haben. Es wird und deshalb mdstS übrig bleiben, als ilfe auf der anderen Seite zu suchen. Wir wenden uns aber an die ReichsregieruNg, daß )ic uns den schütz !ivähre, der uns von der näherstehenden Regierung vertagt bleibt, dj hoffe, daß der Appell nicht vertagt.

Künftkr»BoI)eme im Zeitalter des Rubens.

Eines der farbigsten und intercffantcflen Kapitel in 4er Künstlergcsckftcktte des Barocks sind die Keifen der lordifchen Maler nach Italien, wo )ic sich eine arveite Heimat der K-unst und des ungebundenen Lebens Innen. In derDeutschen Rundschau " ichildert Max Georg i mm ermann in anschaulichen Bildern dies tolle Bo- metrciben unb die Art, wie die Niederländer, Franzosen ud Teutsche der Rubenszeit nach dem --üden reiften, idit immer waren es ausschließlich tünstlcriiche Grunde, .c zur Jtalienfghrt führten. Bei Hendmck Goltzius Ivar (ine Kränklichleit die Veranlassung, da» er dicsüdlich, tonne aufsuchte. Samuel von Hoegitraten hatte sich sterv- H verliebt undfolgte seiner Waiwerlust, um ferne Leiden- efcaft au vergessen". Karel Tujardin dagegen ging nach om, iveil er eine alte böse Frau zu Haufe ha"e, Lie »orher feine Wirtin geroefen war und s.att Bc^ayiung Inner Schuld ihn selbst zum Eyemanne genommen tjatte. Sichrere Personen taten sich meisteiiS zu der großen Reise tfammen. Auf drei Hauptwcgen kam man itad) Italien: Lint seltensten wurde wohl die Seereise gemacht, denn die Maler als arme Teufel wanderten zu dUB; Wer?u if Mnd zu Pferde vorwärtskam, tonnte schon in zwei Monaten Manz aut von Aittwerpen nach Rom kommen.

| Allerlei Gefahren drohten auf der Reise. Son ocm Maler Jan Linsen erzählt Horbraken:Als er sich m Kalten, um, ich tveis; nicht wohin, zu ^ehen, nnschisste, y.ird er von den Mohren gefangen, an ntrer Küste au»- Wetzt, mutternadt ausgezogen und vor ihren^uhrer ge- l acht, doch rettete er dura) einen 1 eit)amen or al 1 ein ||:bni und kam davon." Ter berühmte Landschast-mater IJiir Hackaert wurde in der Schweiz, als er nach der Natur ! Zichnete,von den Landleulen für enien jauHcrtr an- i Hf eben, feftgcnommen und zum Bürgermeister gebrach . L as gleiche Schiusal erfuhren zwei Maler in btt W un Rom. Mit Räubern konnte man schlimme Bekannt. toGft macheii: über raupt waren Die Wege im damaligen ! tolicti gar nicht sicher; Degen und Messer fleckten tose rn | ec Scheide, und wer ang-rlicher Natur war, kam au- der . dic di- Sanberung.übet

| ie Alpen untcrnahmcn, waren recht kecke, wagelustige Ge