162. Zahrgang
Erstes Blatt
General-Anzeiger für Oberhessen
Nr. 78 Erstes Blatt 162. Jahrgang Montag, 1. April 1912
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Die heutige Nummer umfafet 12 Seiten.
Die ungarische Krise.
Das ungarische Kabinett Khuen-Hedervary hatte bekanntlich seinen Rücktritt gegeben, weil sein Plan, den Widerstand des größeren Teiles der Obstruktion gegen das Wehrgesetz durch ein Kompromiß zu beseitigen, an dem Widerstand der Krone gcsclzeitert ist. Es handelt sich um die schon berühmt gewordene Entschließung, mit der das Ztronrecht die.Einberusung der Ersatzreserven so umschrieben werden sollte,' daß die tatsächliche Verfügung der Krone über die Armee dadurch in eine größere Unabhängigkeit vom ungärisck>en Parlament gelangt wäre. Allgemein erwartete man nun, daß Gras Khuen infolgedessen gehen müsse. Aber der Kaiser hat ihn wieder betraut, weil jede andere Kombi Nation die Einheit der Mehrheit im ungarischen Abgeordnetenhause verstört hätte und man sehr gut weiß, daß man kaum jemals mehr eine so überwältigende Mehrheit für die Gemeinsamkeit mit Oesterreich erhalten werde.
Gras Khuen-Hedervary hat am Freitag nochmals die Mitglieder seines Kabinetts zu einer Beratung zusammen- gerusen, und der Ministerpräsident hat, als er am Samstag mit dem Kaiser konferierte, dessen Zustimmung zu den Beschlüssen der Ministerlonserenz erhalten. Das Kabinett ist in seiner bisherigen Zusammensetzung neu ernannt worden, Es heißt, das wiederberufene Kabinett werde sich ausschließlich auf die Arbeitspartei stützen und eine neue polittscl>e Richtung einzuschlagen trachten, um die .Wehrvorlage aus eigener Kraft durchzubringen. Sollte sich die Obstruktion erneuern, so würde die Regierung den Reichstag auslösen.
Wir erhielten folgende Meldungen:
Ofen pest, 30. März. Das „Amtsblatt" veröffent licht morgen ein königliches Handschreiben an den Ministerpräsidenten Khuen-Hedervary, in dem der König sein tiefes Bedauern ausdrückt, daß die Meinungsverschiedenheiten zwischen ihm und dem Kabinett über seine gesetzlich gewährleisteten Herrscherrechte die Demission des Kabinetts herbeigeführt haben. In dem Handschreiben wird daraus hingewiesen, daß der König seit Wiederherstellung der Verfassung stets über die verfassungsmäßige Ordnung gewacht habe. Nichts läge dem ungarischen König ferner, als das Rekrutenbewilligungsrecht der Nation einzüschränken, andererseits müsse der König jedoch seine Herrscherrechte festhalten, auf Grund deren er in außerordentlichen Fällen dtt Reservisten und Ersatzreservisten einberufen könne. Das Handschreiben schließt:
So wie cs mein entschiedener Wille ist, die verfassungs mäßigen Rechte der Ratiounverschtt zu erhalten, so muß ich in glcicfer Entschlossenheit meine konstitutionellen Herrscher rechte unverletzt bewahren. Ich vermag meinen Herrscherpflichten nur dann uacktzuLommen, wenn ich diesen meinen zweifachen Berus gleichmäßig erfüllen kann. Der König fordert schließlich die Nation auf, ihm seine Aufgabe zu erleichtern, damit er ihr in einer mit seinem Gewissen zu vereinbarenden Weise gerecht werden könne und hierdurch die Fortsetzung der konstitutionellen Arbeit gesichert werde.
Wien, 31. März. Der Kaiser tat, wie die Blätter berichten, in der dem ungarischen Ministerpräsidenten am Freitag gewährten Audienz, die Aeußerung: „Wenn die Resoluttonsfrage nicht beseitigt wird, so bleibt mir -r Sie kennen ja die Verhältnisse — nichts anderes übrig, als . . ." Hier machte der Monarch eine Handbewegung, die die Folgerung gestattet auf den Ernst seiner persönlichen Entschließungen.
Aus Wien wird gemeldet, der König empfing Herrn v. Khuen-Hedervary in dreiviertelstündiger Audienz und erklärte sich mit den gestrigen Beschlüssen des Ministerrats einverstanden. Das Kabinett Khuen wurde in bisheriger Zusammensetzung neu ernannt.
Ans heften.
Zur hessischen Beamten-BesoldungSvorlage.
bs. Darmstadt, 1. April. In einer Reihe von Blättern ist die Nachricht verbreitet worden, daß die Parteien des Bauernbundes und der Nationalliberalcn im hessischen Landtag der Vorlage über die Erhöhung der Beamten - Besoldungen ablehnend gegenüberständen. Demgegenüber ist sestzußellen, daß die nationalliberale Landtagsfraklion noch leine Stellung zu den Ausführungen des Finanzministers Dr. Braun genommen faxt und auch nicht nehmen konnte, weil sie crlt den Eingang der Regierungsvorlage abwattet. Die Vorlage ist auch beute noch nicht in den Händen der 9lbgeordneten. Es ist deshalb unrichtig, jetzt schon von einer Stellungnahme der nationalliberalcn Landtagsfraktion zu sprechen.
Sitzung des Landesausschusies der nationalliberalen Partei.
bs. Darmstadt, 31. März. Die Landesausschußsitzung der nationalliberalen Partei, welche aus allen Teilen des Großherzogtums stark besucht war, besprach in mehrstündiger Diskussion die politische Lage im Reich und in Hessen. Schließlich wurde unter Ablehnung anderer vorliegender Entschließungen die folgende Entschließung in überwiegender Mehrheit angenommen:
Der Landesausschuß spricht seinem Vorsitzenden Herrn Dr. Osann sein volles Vertrauen aus und verlangt, daß im Reiche und im Lande eine von rechts und links unabhängige Politik auf der Mittellinie verfolgt wird. Der Landcsaussck-uß m i ß b i l l i g t es, wenn beim Konflikt zwischen der nationalliberalen Partei und einem wirtschaftlichen Verband Mitglieder unserer Partei für die wirtschaftliche Organisation gegen die national liberale Partei eintreten, im Interesse der Parteidisziplin. Ebenso muß es mißbilligt werden, wenn Mitglieder der Partei über den Kopf der Parteiinstanzen hinweg politische Entschließungen treffen.
Ein weiter eiugebrachter Antrag, daß der Landesaus- schuß den Inhalt der von mehreren Mitgliedern der- natio- nalliberalen Partei am 11. Februar 1912 in Frankfurt gefaßten Entschließung mißbilligen sollte, konnte nicht zur Abstimmung gebracht werden, weil dieser Antrag zu spät eingebracht worden luar. Die Antragsteller begnügten sich daher, gegen diese Frankfurter Erklärung zu protestteren.
In den geschäftsführenden Ausschuß wurden folgende Herren gewählt:
Für Starkenburg: Landi'agsabgeordneter Auler, Bensheim, Ingenieur Ritzert, Darmstadt, Fabrikant Heyne, Offenbach, Prof. Dr. Neßling, Darmstadt, Dr. Osann, Darmstadt; für Oberhessen : Rechtsanwalt Kauftnann-Gießen, Mühlenbesitzer Scyutt, Friedberg, Rechtsanwalt Scheer, Lauterbach, Iusttzrat Windecker, Friedberg. Für Rheinhessen: Zustizrat Calmann, Alzey, Justizrat Görz, Mainz, Oberbürgermeister Köhler, Worms, Justizrat Dr. Stephan, Worms.
In den Zentralvorstand wurden gewählt: Justiz- rat Calmann, Alzey, Handelskammersyndikus Mesmann, Mainz, Justtzrat Windecker, Friedberg, Oberbürgermeister Köhler, Worms.
Der Koifer in Korfu.
Achilleion, 30. März. Der Kaiser und Prinz August Wilhelm mit Gefolge begaben sich heute früh zu Fuß über Canone nach Garitza, wo Professor Dörp-
feld den Stand der Ausgrabungen erläuterte. Es sind inzwisckzen eine breit gepflasterte Straße, die vom Tempel zum Altar geführt hat, sowie der größte Teil des Altars, der etwa 24 Meter lang und 2,30 Meter breit war, ferner ein großes Säulenkapitäl freigelegt worden. Der Kaiser verweilte über eine Stunde an der Ausgrabungsstelle und kehrte dann im Automobil nach Achilleion zurück.
vom italienisch-türkischen Kriegsschauplatz.
Derna, 31. März. (Agenzia.Stesani.) In der Nacht vom 29. zum 30. März versuchte der Feind die W a s s e r l e i t ii n g zu zerstören. Er wurde durch das Feuer der italienischen Artillerie vertrieben.
In Tobruk machten gestern die ttirkischen Streitkräfte erneute A n st r e n g u n g e n, um die Arbeiten an den neuen Befcstigungsiverken zu störe n. Die Angreifer wurden, ohne daß die Italiener Verluste erlitten, zurückgeworfen.
Rom, 30. März. Die „Agenzia Stesani" meldet aus Tobrut vom 29. März: Der Feind bat heute einen Vorstoß gegen Arbeiter an den Bcsesttgungen des Forts gemadjt, wurde aber nach einstündigem Feuergefecht mit Verlust z u r ü ck g c w i e s e n. Auf der Seite der Italiener wurde ein Mann leicht verwundet. — Eine Karawane, die 40 Kamele zählte, und in die Nähe der italienischen Befestigungen kam, wurde durch Artilleriefeuer unter Verlusten zerstteut.
Deutsches Reich.
Der Zentrumsabgeordnete R ö r e n versendet, wie schon in der Samstags-Hiummer angedeutet wurde, in der Tat eine Erklärung, daß er seine Mandate zum Reichstag und zum Landtag niederlege. Aus der Erklärung geht hervor, daß er dies getan hat mit Rücksicht auf die Meinungsverschiedenheiten über den Charakter des Zentrums.
Tie „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Die von der Spiritus- zentrale kürzlich vorgenommene Preiserhöhung hat die Aufmerksamkeit der beteiligten Kreise von neuern cuü die Tatsache gelenkt, daß die Spirituserzeugung des laufenden Jahres infolge des Minderertrages der letzten Kartoffelernte erheblich unter dem Durchschnitt bleibt. Angesichts dieser Tatsache wird dem Vernehmen nach in den Kreisen des B u n d e s r a t s erwogen, in welcher Weise durch die Anwendung der im Branntweinsteuer» gesetz gegebenen Mittel die Mehrerzeugung angeregt und einer etwaigen Spitttusknappheit und einem übermäßigen Aufsteigen der Brannttveinpreise entgegen gewirkt werden könnte. In erster Linie soll die Erhöhung des Durchschnitts- brandes und die Heraufsetzung der Vergütungssätze für vollständig und unvollständig vergällten Branntwein in Bettgcht kommen. Beschlüsse in diesem Sinne dürften schon in wenigen Tagen vom Bundesrat gefaßt werden.
Ausland.
Dem „Berl. Tagäbl." zufolge verlautet in Petersburger diplomatischen Kreisen, daß als Vertreter des Kaisers von Oesterreich Erzherzog Franz Josef und Gemahlin zu Beginn des Sommers der Zarenfamilie einen Besuch abftatten werden. Ferner werde im Sommer eine Zusammenkunft des Zaren mit Kaiser Wilhelm stattfinden.
Aus Konstantinopel wird gemeldet: Vor Jaffa wurde ein deutscher und ein ö st e r r e i ch i s ch e r P o st w a g e n überfallen. Der deutsche Wagen konnte unter Verlust eines Pferdes gerettet werden, der österreichisck>e Wagen wurde ausgeraubt; der Lxnkcr und zwei Pferde erschossen. Die Täter sind entkommen.
Ter „Matin" veröffentlicht folgendes Funkentelegramm aus> Fez vom 30. März: Ter Vertrag, durch welchen das Protektorat Frankreichs über Marokko errichtet wird.
Heue Briefe aus Hebbels Studienzeit.
So reiches Matettal über Leben lunb Entwicklung Friedrich Hebbels die neueste Litcraturgcschichtssorschung auch ans Licht gefördert hat, so bleibt doch besonders in der Studienzeit des Dichters, in jenen Sturm- und T-rangjahren, da seine Kuntz ihre persönliche Gestaltung sand, noch mancherltt auszuhellen. Dem Finderglück des bekannten Hebbel-Kenners Dr. Paul B o r n - stein ist es gelungen, eine Rtthe neuer Dokumente aus dieser Epoche aufzufindcn, die er in den Grenzboten veröffentlicht.
Wir erfahren hier von lyrischen Beiträgen, die der angehende Poet in einer kleinen Wochenschrift, dem „Titmarscher und Eider- ftcdter Boten", veröffentlichte, hören aus einem Briefe von Amalie Schoppe an Hebbel von der lieblosen Art, in der er diese Nernlicki- cnghcrzige Gönnettn des jungen Mannes sich von dem reifer und selbständig Gewordenen abwendct, lesen die Eingabe, in der Hebbel bei dem Laudvogt Griebel um ein Testimonium paupertatis bittet, uin bei seinen Studien die Kollegs frei zu erhalten. Der bedeutendste der veröffentlichten Briefe, ein Lebensdokument SDc6: bels von großer Wichtigkeit, ist sein Bttef aus Heidelberg an den Wesselburener Jugendfreund Jakob Franz, in dem sich schon ganz die charakteristische Eigenart Httibels offenbart.
Franz, der aus behäbigen Verhältnissen stammte, hatte Hebbel in Wesselburen versprochen, er wolle ihm, wenn er das für den Mittellosen so große Wagnis des Studiums auf sich nähme, auf zwei Jahre jährlich zehn Taler vorschießen. Diese sollten nun hauptsächlich Hebbels Mutter zugute kommen. dem Bttef vom 18. Juli 1836 erscheint der Sohn, der damals in bitterer Not ins Tagebuch schrieb, sein Leben sei nur noch ein Kampf für Mutter und Leichenstein, in ängstlicher Sorge um die alte darbende Mutter in der Heimat; zugleich aber reckt fich in ihm auch ein stolzes Selbstgefühl auf, ein unerschütterftcher Glaube an sein Können und seine Zukunft. Der Freund hatte ihm geschrieben, daß er viele Kollegien belegt habe. ,,Ich hab s mir bequemer gemacht und nur zwei belegt, wovon ick) noch das Eine, da ich kein leeres Stroh dreschen mag, schwänze. Lächeln hab' ich müssen, als ick in Deinem Bttef mit Bezug auf Literair geschichtc und Antropologie las. Du hättest in der kurzen Zeit doch auch für die allgemeine Bildung was thun wollen. Lieber Junge, die holst Tu nicht von der llnioerfität und nicht von den Professoren: da lernst Tu Nichts, als wie Tu's nicht machen mußt. Ein Knabe, der Berge versetzenwill, und ein Proteyor, der die Literatur analysiert — ich weiß nicht, was sich potz irischer ausnimmt. Freilich, die Bibel hat Recht, auf ben, Glauben kommt Alles an, ;nib wenn der Gott nur geduldig ist, so kommt der Priester nie zu kurz."
Von der Strenge seiner Selbstzucht und der Kraft seiner Entwicklung legt die folgende Stelle Zeugnis ab: „Wie es mit meinen Gedichten wird, wttß ich noch nicht. Cs liegt so viel an Stoss vor mir, was ich behandeln und der Sammlung noch einverleiben möchte, und dies zieht ein Geschäft in die Länge, was nie genug in die Länge gezogen werden kann. Tu wirst sehr wenig Gedichte finden, die Tu schon kennst: ich bin außerordentlich streng gegen meine Produkte aus früheren Zeiten, bin aber dafür auch überzeugt, daß selten ein Dichter mit meiner Klarheit, Sicherheit und Bewußtseyn seiner Individualität ausgetreten ist, tote ich. Tas Schicksal der Gedichte kümmett mich wenig; die deutsche Kritik ist heut zu Tage eine alte Vettel, die nur ihre eigenen Basen und Tanten begünstigt und ich gebe nichts um die saubere Verwandtschaft. Was lebt, das wirkt: und was wirkt, das lebt: dies Evangelium bewahrheitet sich alle Tage." Den Freund, der gerade eine unglückliche Liebes- andre hinter sich hatte, warnt er davor, sich der Schwermut und Niedergeschlagenheit zu sehr hinzugeben. „Es gibt eine Götzendienern des .Herzens, vor der man sich bewahren muß." Tann bittet er den Freund, feiner Mutter „die Summe von 21 C. M. zu schicken und ihr dabei in einigen Zeilen zu sagen: dies wären die Michaelis zu erlegenden 15 C. M. Miethe und die ihr von mir in meinem letzten Bttef versprochenen 6 C. M. zu 2 Fudern Tors. Ich bitte Dich inständigst, dies zu thun, sobald es Tir irgend möglich ist, und jedenfalls im August- Monat: der Preis des Torfs steigt mit jeder Woche, wie Tu selbst weißt, und die arme Frau würde sich in der drückendsten Verlegenheit befinden, wenn die Miethe nicht rechtzeitig ttn- ginge. Doch, dies bedarf keiner weiteren Worte; Du fühlst, daß ich mein unbegränztes Vertrauen Dir nicht würdiger zu erkennen geben kann, als wenn ich Dir die heiligste meiner Sorgen übertrage, und ich weiß. Du wirst mttn Vertrauen ehren."
Auf Grund dieses Bttefes vermag Bornstttn ein bisher unbekanntes Werk Hebbels festzustellen. Es handelt sich um das in einer Kieler Bettung, dem „Korrefpondenz-Blatt", erwähnte „Sendschreiben an die Norderdithmarscher von einem Norderdithmarscher, in Bettest der Zoll-Angelegenheit", dessen Autorschaft Hebbel mit ziemlicher Sicherheit zugesprochen werden kann. Hebbel interessierte sich damals leidenschaftlich für die Bonfrage, die durch ein die Ausfuhrzölle stark erhöhendes dänisches Bollgefetz hervorgerufen war uitb in Holstein große Unruhe erregte. Mit feiner Flugschrift wollte er in gewiß nicht rein politischer Weise auf seine Landsleute einwirken, doch ist es. bisher noch nicht gelungen, ein Exemplar dieses nur in beschränkter Anzahl erschienenen, völlig verschollenen Privatdrucks aufzufinden.
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— Scotts Rückkehr. Aus Wellington wird unterm 31. März gemeldet: Die „Terranova", das Expeditionsschiff Kw- pitän Scotts, ist in Akar na (Neu-Seeland) angekommen.
Kf. Neue Bismarckiana. Zu dem auf den 1. April fallenden 9 7. Geburtstag des Fürsten Bismarck feien einige kleine Züge des großen Mannes mitgeteilt, die in jüngster Zeit neu bekannt geworden find. Der Ritter von Przibram,^ der kluge, an Erfahrungen reiche „alte Oesterrcicher", dessen Erinnerungen soeben zum Abschlüsse gelangt find, erzählt in berem neuen Bande Einiges über ben Besuch, den Bismarck in Wien abstattete, als Baron Haymerle das Ministermm des Auswärtigen übernommen hatte. Wie gewöhnlich, so n>_ar Bismarck auch damals in feinen Tischgesprächen voller Geist. Die Gemahlin des Barons Haymerle, Tochter des einstigen großdeutschcn Senators Bernus von Frankfurt, hatte in ihrer Sprechweise starke Anklänge an ihren heimischen Dialekt beibehalten, und besonders liebte sie es die Jnifinitive um bas „n" am Ende zu verkürzen. „Wie viele tausend „n" muß die gute Dame in ihrem Leben verschluckt haben!", bemerkte Bismarck. Der Scher; wird verstanden, wenn man sich vergegenwüttigt, daß die Arbeitsleistting eines Schriftsetzers damals nach der Raumttnheit von tausend n berechnet wurde. Als einige Tischgenossen ihrer Verwunderung darüber Ausdruck gaben, daß der Fürst, wie früher den Sekt, so beim Nachtische die angebotenen Zigarren ablehnte, erklärte er dies mit den Worten: „Ich nehme an, daß jedem Menschen die Zahl der Flaschen und Zigarren, die er Zeit seines Lebens zu vcttilgen habe, vorher bestimmt fei. Nun kalkuliere ich, daß mir ein Quantum von 10 000 Flaschen und 100 000 Zigarren zugcmessen war. Und diese Ration habe ich, dessen bin ich sicher, reichlich zu mir genommen."
— Kongreß der Zeichenlehrer und Zeichenlehrerinnen. In Gegenwart des Staatsministers 2r. v. Studt wurde am Samstag nacknnittag im Königl. Kunstgewerbemuseum in Berlin der Kongreß der akademisch gebildeten Zttchenlehrer und Zttchenlehrerinnen Preußens mit bei Eröffnung einer Ausstellung von Schülerarbeiten aus dem Zeichen-- untcrttcht eingeleitet. Es ist dies die zweite berartige Ausstellung ; die erste fand im Jahre 1907 statt. In einer besonderen Ausstellung in den Räumen des ehemaligen Künstlerinncn- heims führen die Zeichenlehrer und -Lehrettnnen ihr Wunen, vor. Tie VerhaMungen des Kongresses beginnen am Montag abend. Am Dienstag findet bann die Hauptversammlung des Landesverttns akademisch gebildeter Zeichenlehrer und Zttchew, lehrettnnen Preußens statt.


