Ausgabe 
4.5.1911 Erstes Blatt
 
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Hvtt 1 Strane), gröbere Artikel aus Hartpapier für den Haus- vnd MchengeLrauch (50 Oere statt 1,50 Kronen) Masken (50 Oerc pro Kilogramm statt 50 Oere pro Sttick), baumwollenen Näh­zwirn (35 statt 40 Oere), emaillierte Blechwaren (40 statt 50 Oere), Nahrräder (20 statt 25 Kronen), Fahrradteile (1,60 statt 2 Kronen!, photographische Apparate mit einem Stückgewicht bis zu drei Kilogramm (4 statt 5 Kronen), Metalluhren mit Spielwerk (80 Oere statt 3 Kronen), Steinnutzknöpfe (80 Oere statt 1 Krone) u. a.

Ans Hoffe«.

Die Peichstagskandidatur des Pfarrers Korell. Aus einem Bericht desRheinhess. Beobach­ters^" über die von uns gestern schon ermähnten Versamm­lungen in Bubenheim und Groß-Winternheim ' geht her­vor, daß Korell endgültig in Alzey-Bingen kanoidiert. Nach dem genannten Blatte führte er nämlich aus:

Nachdem das von Bassermann unterzeichnete Schriftstück aus­drücklich darauf hingewiesen habe, die Persönlichkeit Korells bilde für Alzeh-Bingen ein Hindernis der Verständigung, habe er, Korell, sich bereit erklärt, freiwillig von der Kandida­tur zurückzutreten. Das komme aber jetzt, nach­dem die Verhandlungen betr. liberale Einigung für Dessen endgültig abgebrochen seien, nicht m-ehr in Betracht. In Hessen stehe jetzt für alle Rttchs- tagswahtkreise die Fottschrittliche Volkspattei im schärfsten Kampfe gegen die Nationalliberalen: sie werde im Falle einer Stichwahl zwischen Nationalliberalen und Sozialdemokraten nach der Politii des kleineren Uebels die Parole für letztere herausgeben, das gelte insbesondere für Darmstadt-Groß-Gerau. Erst dann, wenn sich in Hessen eine reinliche Scheidung innerhalb des Natronalliberalis- Mus vollzogen habe, wenn sich, wie in anderen deutschen Ländern, aus den Nationalliberalen unter Führung von Heyls, Dr. Beckers, Dr. Winklers, Calmamis usw. eine ftei- oder deutschkonservativ^ Patter gebildet habe, werde die Fottschrittliche Volkspattei bereit fern, mit dem Nationalliberalismus über Einigungsfragen zu verhandeln.

Nach einer Mättermeldung wird die Fortschrittliche Bolkspartri des Reichstags-Wahlkreises Alzey-Bingen in einer am nächsten Sonntag in Alzey stattftndenden Ber- trauensmänneEersammlünb Stellung zu den im Herbst stattfindenden rh e in h es si sch en Landtagswahlen nehmen. In allen rheinhessischen Wahlkreisen sollen Kan­didaten aufgestellt werden. Von der Parteileitung werden in Vorschlag gebracht: Für den Wahlkreis Wöllstein der ^tber'.g^Ab§e^^nete Beigeordneter Eibach-Pfaffenschwa- ü,^sur Wörrstadt-Armsheim Pfarrer Korell-König- itädten, für Nied er-Saul Heim-Nierst ein der Bürgermeister ünd Landwirt Schuckmann-Bechtolsheim.

Uaiser Wilhelm auf der Heimreise.

Genua, 3. Mai. DieHohenzollern"" mit dem deutschen Kaiser, der Kaiserin und Prinzessin Viktoria Luise legte am Fttedrich-Wilbelm-Kai an, wo die Spitzen der Behörden, der deutsche Botbschafter v. Jagow, Generalkonsul v. H e r f f, die gesamte deutsche Kolonie und die deutsche Schule die Majestäten erwarteten. Der Landungsplatz war mit Blumen- gennnben und Flaggen in den deutschen und italienischen Farben geschmückt. Bis zum Seebahnhof am Santa Limbaniakai, wo der kaiserliche Sonderzug hält, sind bereits Teppichläufer gelegt. Als /dieHohenzollern"" festmachte, spielte die Kapelle des DampfersLützow"" die deutsche Nationalhymne, während die Menge Hochrufe auf die Majestäten ausbrachte. Darauf begaben sich der deutsche Botschafter und die Spitzen der Behörden an Bord derHohenzollern"", um die Majestäten zu begrüßen, die sie in großer Herzlichkeit empfingen. Besonders waren die Kaiserin und die Prinzessin Viktoria Luise über die herrlichen Blumenspenden erfreut, die ihnen Frau v. Herff namens der Damen der Kolonie, sowie der Bürgermeister überreichten. Hier­auf vettießen die Kaisettn und die Prinzessin dieHohenzollern"" und unternahmen eine Automobilfahrt in die Stadt und Um­gebung, während der Kaiser mit Botschafter v. Jagow an Bord der Jacht blieb.

Die Kaiserin und Prinzessin Viktoria Luise besichtigten die Kathedrale San Lorenzo und den Palazzo Rosso und kehrten um 4 Uhr 45 Min. nach derHohenzollern"" zurück. Um 5 Uhr 15 Min. verließen die Majestäten und die Prinzessin unter Salutschießen der Artillerie und Hurrarufen der Besatzung die Jacht. Die spalierbildenden Truppen präsentierten und die Schuler der deutschen Schulen streuten Blumen auf den Weg der Kaisettn. Um 5 Uhr 20 Min. erfolgte sodann unter be- gttstetten Hochrufen der Menge dieAbreisenachKarlsruhe.

Die französischen Absichten in IHaroflo.

Es scheint festzustehen, daß Major Bremond tatsächlich in Fez eingerückt ist. Den Nachrichten aus Tanger ist zwar niemals recht zu trauen, aber die französische fresse selbst rechnet mit der 'Anwesenheit Dremonds in der Haupt­stadt. Nach demFiAaro" würde die französische Regie­rung die Hauptstadt Fez durch das Hilfskorps aus der Provinz Schaujab zwar nicht besetzen, aber von einiger Entfernung her doch bewachen lassen. Es wäre die attej Taktik, langsam und sicher doch zum Ziele zu kommen:

Paris, 3. Mai. DerFigaro" will wissen, der von der Regierung bezüglich des Marsches nach Fez ge­faßte Plan bestehe darin, die Kolonne bis nach Sidi MelekBelkhodda, zwei Tage Märsche von Fez, zu schicken. Dort würde der Befehlshaber der Kolonne Verbindungen mit der Hauptstadt, mit dem Oberleutnant Marg in und dem Major Bremond Herstellen. Er werde von dort die eingeborenen Truppen des Schauja- aebietes dem Sultan zur Verfügung stellen können und das ganze Gebiet beruhigen. Sobald die Ruhe wieder hergestellt und die Hauptstadt entsetzt fein werde, würden die Truppen den Rückmarsch an die Wste antreten.

Aus Alkass ar wird berichtet, daß der Befehlshaber der spanisch-marokkanischen Polizeitruvpen in Larrach, H-aupttnann Ovito, und der Generalstabs-' hcruptmann Barrela mit Raisuli eine Unterredung über die eventuelle Entsendung spanischer Streitkräfte nach Larrach und Alkassar gehabt haben. Ferner wird aus Alkassar bettchtet, daß Raisuli sich im Charbgebiet auf den Souverän hinaus spiele. So toeigem sich, die Leute des Hauptmanns Moreaux, obschon dieser ihnen den Sold aus gezahlt und die gesamte Ausrüstung geliefert hat, sich für den Dienst des Machsen verwenden zu lassen, mit der Erklärung, daß sie von Raisuli keinen Befehl hierzu erhalten hätten. Man erblickt in dieser Haltung Raisulis einen offenen Verrat an dem Machsen.

Tanger, 3. Mai. Aus Fez wird unterm 26. April gemeldet: Das Heer des Majors Brömond ist unter großem Enthusiasmus der Bevölkerung nach viertägi­gen harten Kämpfen hier angekommen. Me Stadt ist ruhig, das Vertrauen ist wiederhergestellt, ob­wohl außerhalb der Stadt volle Anarchie herrscht.

Unterm 27. April wird aus Fez über Tanger gemel­det: Major Brsmond ist gestern abend hier eingerückt. Die Truppen befanden sich in vollkommener Ordnung und wußten sich bis zu den Stadtmauern schlagen. Me Stamme verharren in Uübotnräßigkeit.

Zriedensverhandlungen mit den Aufständischen in Mexiko.

Während in Mexiko die Friedensverhandlungen zwischen der Regierung und den Aufständischen vorbereitet werden und der Waffenstillstand verlängert werden soll, haben die Truppen sich anscheinend an die diplomatischen .Ab­machungen nicht gekehrt. Die Rebellen sind aufs neue vorgegangen und haben eine bedenkliche Lage herbeigeführt:

Newyork, 3. Mai. Nach einem Telegramm aus E Paso ist der zu Friedensunterhandlungen mi den Aufständischen bevollmächttgte Vertreter der mexikanischen Regierung in Carajabal einge- troffen. Die Verhandlungen beginnen am Mittwoch in einem Zelt auf der mexikanischen Seite des Rio Grande zwischen Iuarez und dem Lager der Aufständischen. Der Waffensttllstand wurde um fünf Tage verlängert.

Washington, 3. Mai. Nach vertraulichen Mel­dungen des Staatsdepartements sind die Zu stände in Mexiko schlimmer geworden. Die Rebellen ent­falten in der Nähe von Mexiko eine bedenkliche Rührig­keit.

Douglas, 3. Mai. Flüchtlinge erklären, 1000 Ameri­kaner seien in Mazatlan ein geschlossen, und mexikanische Kanonenboote sperrten den Hafen. Die Rebellen umzingel­ten Mazatlan von der Landseite.

Mexiko, 3. Mai. Der amerikanische Botschafter und ein Mitglied der deutschen Gesandtschaft begaben sich,, in das Auswärtige Amt und forderten Be- schützung der Amerikaner und Deutschen in Cuernavaca, das durch einen Angriff der Aufständischen bedroht ist. Das Kriegsministerium befahl das Abrücken von Verstärkungen nach Cuernavaca einschließlich eines Ba­taillons Infanterie und einer Batterie Artillerie mit Ma­schinengewehr ii. Das Auswärtige Amt erklärte, es be- stehe kein Anlaß zur Beunruhigung.

Türkisch-albanische Scharmützel.

Aden, 3. Mai. Nach einer aus Ho d eida hierher gelangten Nachricht bom 24. April fand bei Elsaijch ein erbitterter Kampf statt, in dem die türkischen Truppen die Aufständischen besiegten und vier Geschütze wieder eroberten, die bei einem früheren Kampfe den Aufftändischen in die Hände gefallen waren. Die Ab­teilung des Obersten Rigas besetzte Amran wieder. Die Aufftändischen zogen sich in nördlicher Richtung zurück.

Konstantinopel, 3. Mai. Der Mali von Kos- so wo meldet unterm 30. April: Die Montenegriner ver­schanzen sich gegenüber dem in der Zone von Mojkovatsch befindlichen Poften, was auf einen bevorstehenden Angriff schließen läßt. Die Pforte beauftragte ihren Gesandten in Cetinje, einzuschreiten.

Saloniki, 3. Mai. Fünfhundert Amauten und Montenegriner zerstörten die Telegraphenleitung in der Gegend von Kastrati und griffen die türkischen Truppen an. Ein Bataillon Infanterie nebst Artillerie eilten diese zu Hilfe und Vertrieben die Amauten unter schweren Verlusten. Me Türken verloren zwölf Landwehrmännerundzehn Reservist en. Gleich­zeitig wurde die Telegraphenleitung zwischen Tusi und Skutari zerstört und die Truppen von starken Re­bellenscharen angegriffen, die aber von zwei ent­gegengeschickten Bataillonen mit Geschützb^leitung zurück- geworsen wurden. Die Eisenbahnen wurden beauftragt, sofort Vorbereitungen für große Truppentrans­porte nach dem Wilajet Kosfvwo zu treffen.

Deutsches Reich.

Dem Reichstage ist ein neuer Gesetzentwurf über die Ausgabe kleiner Aktien in den Kolonien zuge­gangen.

Der Ausschuß des preußischen Abgeordneten­hauses für den Gesetzentwurf betteffend Pflichtfortbil­dungsschulen nahm einen konservativen Antrag, dahingehend: Zu den Aufgaben der Fortbildungsschule gehört auch die staats­bürgerliche Erziehung, bte sittlich-religiöse Erziehung auf kon- essioneller Grundlage, sowie der Unterricht in körperlichen Hebungen, mit 11 gegen 8 Stimmen an.

Die 'konservative Vereinigung für den Regierungs- zitt Wiesbaden stellte in ihrer Hauptversammlung den Re­gierungspräsidenten M. v. Meister als Sammelkandi­daten für alle bürgerlichen Parteien auf. Regie­rungspräsident v. Mttster hat feine Zusage zu der Kandidatur erteilt.

Beim s^ialdemokrattschen Abgeordneten Stadt­hagen trat im Reichstage nach seiner Rede ein altes Bruch- leiden wieder auf. Nachdem mehrere im Hause befindliche Aerzte festgestellt hatten, daß eine genaue Untersuchung und viel­leicht eine längere ärztliche Behandlung erforderlich sei, wurde der Abgeordnete in einem Wagen ins Krankenhaus gebracht.

Die Blätter melden aus Hamburg: Die Aussperrung von 2700 Mann auf der Vulkanwerft machte die Ver- chiebung des für den 27. Mai festgesetzten Stapellaufes des PanzerkreuzersErsatz Heimdahl" notwendig.

Ausland.

Kaiser Franz Josef ist am Mittwoch zu dreiwöchigem Aufenthalt in Ofenpest eingetroffen.

Aus Konstantinopel wird gemeldet: Die am 13. Mai ablaufende Parlamentssession wurde bis zum 28. Mai verlängett. Der Ministerrat setzte das Programm der Reise des Sultans fest. Der Sultan reift am 28. Mai ab; die Rttse soll 20 Tage dauern.

Aus Statt und Land.

Gießen, 4. Mai 1911.

* * Die stud en tischen Un t erri chts kurse für Arbeite rund Unter beamte beginnen am Freitag, 5. Mai. Menstags wird Englisch und Rechnen, Freitags Französisch und Deutsch getrieben. Weitere Anmeldungen werden noch während des Unterrichts und bei Herrn Dr. Kuoellinger.entgegengenommen.

* * Nachweis ^,er Befähigung zur Ueber- nahmeeinesKirchenamts. Der Besitz der zur lieber» nähme eines Kirchenamts notwendigen Eigenschaften ist nachgewiesen worden von den Kandidaten der evang. Theo­logie Wily. Franck aus Rohrbach, Hch. Hebbel aus Ortenberg, Hugo Heymann aus Rodheim a. d. B., Gust. Hoffmann aus Neustadt a. L. H., Hans Hoffmann aus Haardt, Aug. Koppler aus Worms, Hch. Schult­heis aus Schwalheim und Karl Werner aus Groß- Umstadt.

* Aus dem Militärwochenblatt. Der Charakter als Rechnungsrat verliehen: Dem vom Jnf.-Leib-Regt. Großherzogin (3. Großherzogl. Heff.) Nr. 117. Bogel, Jntend.-Sekretäc von der Intendantur des 18. Armeekorps, der TitelOber-Militär-Jntendantur-Sekretär" verliehen. Mtgnon (Worms), Lapp (I Darmstadt), Oberapotheker des Beuttaubtenstandes, der Abschied bewilligt.

* * Veränderungen im Verwaltungsdienst. Der Großherzog hat den Vortragenden Rat im Ministerium des Innern Geh. Oberregierungsrat Dr. Eugen Wag­ner zum.Kreisrat des Kreises Dieburg, den ständigen Hilfs­arbeiter im Ministerium des Innern Regierungsrat Hch. Leonhard Graes zum Vortragenden Rat in diesem Mini­sterium unter Verleihung des AmtstitelsOberregierungsM rat"" und den Kreisamtmann bei dem Kreisamt Maintz Regierungsrat Ludw. Matthias zum ständigen Hilfs­arbeiter im Ministerium des Innern unter Belassung des Charakters alsRegierungsrat"" ernannt.

* * Lehrerpersonalien. In den Ruhestand ver­setzt wurde der Lehrer an der evang. Schule zu Merstein, Kreis Oppenheim, Julius Eller aus fein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner langjährigen treue« Dienste, und ihm aus diesem Anlaß das Ritterkreuz 2. Klasse des Vettrienft- ordens Philipps des Großmütigen verliehen.

Auf der Durchreise berührte heute vormittag der Fürst von Lippe unseren Bahnhof und nahm im Bahnhofs- reftaurant das Frühstück ein.

"Ehrung. Der Ausschuß für Errichtung eines- diker-Denkmals hat die Anfertigung einer Denkmünze zu Ehren des ersten Präsidenten des Reichs-Bersicherungsamts beschlossen. Dem Weißbindermeister L. Petri II. hier, Vorsitzender der Sektion VI (Gießen) der Hessen-Nassauischen Baugewerks-Berufsgenossenschaft, ist diese Denkmünze zur Erinnerung an feine Tätigkeit auf dem Gebiete per Arbeiterversichermig gewidmet worden.

Für den Bezirkstag des Bezirks Vereins Beide Hessen und Nassau"' des Deutschen Fleischer- Verbandes, der am 14. und 15. d. M. in Gießen ftatt- findet und zu dem einige Hundett fremde Gäste erwartet werden, ist folgende Tagesordnung festgesetzt: Jahresbericht des Vorstandes, Fürsorge für die gewerbliche Jugend, lieber» nähme der Fleischbeschaukosten auf den Staat, Fleischteuerung, Arbeitgeberschutzverband für das Fleifchergewerde, Ausbau des Genossenschaftswesens, Pflichten gegen die soziale Gesetzgebung und gegen die Fleischerei-BerufSgenosienschast, der Handel nach Schlacht- und nach Lebendgewicht, die Ausübung der Nahrungs- »littel-Kontrolle usw. Für den geselligen Teil der Ver­anstaltung sind von der hiesigen Fleischer-Jnnung umfaßende Vorbereitungen getroffen. Am Montag dem 15. Mai, vor­mittags, werden die Sehenswürdigkeiten unserer Stadt und die Schlachthofs - Erweiterungsbauten in Augenschein ge­nommen.

* * Von der Biebertalbahn. Gestern zeigte das Bieberlieschen wieder, daß es dem Verkehr nur ungenügend dient. Die Abendzüge von Gießen nach Bieber und in um­gekehrter Richtung sollten 640 Uhr auf dem Abendstern sich kreuzen. Das Zügle aus der Richtung Gießen konnte aber von Gießen nicht abfahren, weil die oorgelegie Loko- motive, die am Vormittag schon versagt hatte, nicht anziehen wollte. Von Gießen wurde die Station Abendstern um Hilfe angerufen. Dort ließ man den Zug, der mit Fahrgästen gefüllt war, vorläufig stehen und sandte feine Maschine leer nach Gießen, um den dort wartenden Zug erst bis Abend­stern zu befördern. Viele Fahrgäste von Abendstern, Wind­hof und Heuchelheim gingen einstweilen zu Fuß nach Gießen, wo man natürlich früher als mit dem Bähnchen anlangte.

Gießener Industrie. Im Schaufenster des Kaffenschrankfabrikanten Fr. Krogmann ist gegenwärtig em Kaffenfchrank ausgestellt, der den Brand des Kornhauses in Burg- und Niedergemünden mitgemacht hat. Man sieht an dem Kaffenschrank ganz deutlich, mit welcher Gewalt die Flammen gewütet haben, sein Inhalt aber blieb vollständig unversehrt und die Türe geht nach wie vor bequem auf und zu.

Die erste Uhrmachergehilfin in Gießen ist feit einiger Zeit beim Uhrmachermeister Aug. Schwab in der Plockstraße beschäftigt. Sie ist als Tochter eines Uhrmachers in Staßfurt geboren, hat bei ihrem Vater gelernt und hat sich dann vor der Handwerkskammer der Gehilfenprüfung unterzogen, die sie glänzend bestanden hat. Wie jeder richtige Handwerksgeselle zog die Dame allerdings nicht mit dem Pariser auf dem Rücken in die Fremde, um sich in dem erlernten Fache zu vervollkommnen, und ist so auch nach Gießen gekommen.

* * Unterhaltungen. Im Lichtspieltheater ist eit gestern wieder ein neues Programm, das recht viel Schönes, sowohl unterhaltender, wie belehrender Natur bietet Im Kolosseum konzertiert seit Anfang des Monats eine Blindenkapelle, während im Casß Amend das Künstler­quartett Sandory seine Weisen ertönen läßt.

** Gute Hasenjagd-Aussichten. Ans Jägerkrtts« wirb mitgeteilt, daß dieses Jahr trotz Seuche und allerbanb Krankheiten unter dem Wild, auf einen recht guten Hasenschuß zu hoffen stt. Der milde Spätwinter mit seinem geringen Schnee- all und wenig Regen hat nur wenige der erstsätzigen langen bäschen eingehen lassen und die Futterverhältnisse sind sehr gün» tig gewesen, so daß die Jungen prächtig gediehen. Jetzt ift durch den neulichen Regen die Frucht in den Trieb gekommen, was als Versteck der jungen Hasen vor den fliegenden Feind«^ wie Krähen, sehr wichtig ist. Mttster Langohr hat zu fressen, kann sich frühzeitig unsichtbar machen, somit sind die wichtigsten Bedingungen seines Gedeihens gegeben, der Jäger mag deshalb dem Hasenschuß mit Vertrauen entgegensehen. Vielen wird er rieses Jahr bei dem schlechten Jagdstand im ganzen das HaiO- vergnügen fein müssen.

Landkreis Gießen.

A Lich, 3. Mai. An der heutigen Aufnahme­prüfung in die Präpa randenan st alt beteiligten sich 58 junge Leute, davon bestanden nur 46.

Kreis Büdingen.

x Kohden, 2. Mai. Gestern scheute das Pferd eines Landwirts und rannte in rin Kuhgespann hinein. Die Deichsel des Pferdefuhrwerks drang der Kuh in den Leib und bohrte sich tief rin. Der Führer des KuhfuhrwerlZ wurde ebenfalls schwer verletzt.

X Nidda, 2. Mai. Einen sehr hohen Preis haben gegenwärtig die Kartoffeln; der Doppelzentner wird mit 10 Mk. bezahlt. Bei vielen Leuten sino die Kartoffeln infolge der letztjährigen Mäufeplage sehr rar.

Kreis Alsfeld.

A BreungesHain, 3. Mai. Als ältester KriegS- veteran nahm Landwirt Weitzel von hier an der Parade der Veteranen gelegentlich des Jubiläums deS Geheimrat Schönfeld teil. Weitzel hat den Feldzug in Baden 1848/49 mitgemacht. Trotz feiner 83 Jahre versieht er noch die Land­wirtschaft.

Starkenburg und Rheinheffen.

rm. Pfungstadt, 3. Mai. Der Rhein-Main-Gast* wirteverband hielt heute hier feinen 2.7, Lertxetertas