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4.5.1911 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

M Jahrgang

Donnerstag, 4- Mai I9U

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

»otationr-nlS und Verlag der VrMschen Unio.-Vuch- und Steindruckerei B. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: 5Luljtratze 7. Büdingen: tsernsprecher Rr. 50 EeschSstrftelle vahuhofstratze 16a.

Bezng-prettz: monatlid)75<B1nmertet- fähritd) Mk. 2.90; durch ' ,'hole- u. Zweigstellen monatlich 66 Ps.; durch o,ePost All.?.vierttl- inbrf. mioschl. BesleUg. Zeilenvreis: lokal 15Ps^ aiiSwärdS 20 Pfennig. Chefredakteur: A. Goetz, verantwortlich für den politischen Teil: August Goetz; für .Feuille­ton*. .Vermischtes' und .Gerrchtssaal": R. Neu­rath; für .Stadt imb Land': E.k); für den Anzeigenteü: H. Beck.

Der englisch-ameriimiische Sd)ieösgerid}tsDerfrag.

Seitdem der internationale Schicbsqerichts'hvf im Haag besteht, sind zwischen den einzelnen Nationen Schieds- gericht-svertröge genug abgeschlossen worden imb haben mehr als einmal das ihrige dazu bei getragen, kriegerische Auseinaudersctzungcn zu verhüten. Bei allen diesen 3Zer- trägen aber waren Streitfälle, die sich auf die Lebens­interessen, die Unabhängigkeit und die Ehre der Nationen bezogen, ausgeschlossen, so das;, da diese Begriffe ziemlich vieldeutig sind, der titieg als ultima ratio noch immer ein recht weites Feld der Möglichkeiten hatte, mochten ihm auch durch die tvirkscliaftliche Annäherung der Völker immerhin gewisse Hindernisse bereitet sein. Ta bedeutete es denn etwas neues, ja, unerhörtes, als am 7. Januar dieses Jahres der Präsident der Bereinigten Staaten Taft bem Bot­schafter Großbritanniens in Washington Brhce den Vor­schlag machte, den engtisclf-amerilanischen Schiedsgerichtsver­trag, der int Jahre 1908 auf"> Jahre abgeschlossen wurde, dahin abzuändern, das; er von allgemeiner Gültigkeit würde, sich also auch auf die obengenannten bisherigen Ausnahme­fälle erstrecken sollte.

Und England schlug in die sich ihm darbietende Freun­deshand ein. Es fanden zwischen den beiden Mächten 23er» Handlungen statt, die durch eine wirkungsvolle Agitation und Propaganda in beiden Ländern unterstützt wurden und jetzt, wie es heißt, zum Abschluß gelangt sind. Meldeten doch die Londoner Blätter, daß der englisch-amerikanische Schiedsgerichtsvertrag bis zur Unterschrift fertig sei. Ml er- vings wirb der Text des Vertrages die Wünsche derjenigen Friedensfreunde, die auf die Annahme des Ausdrucksbe­dingungsloses Schiedsgericht" gehofft hatten, nicht ganz befriedigen. Denn in dem Vertrage behalten sich beide Parteien das Recht vor, in jedem Falle durch Sonderabkom­men die streitigen Gegenstände zu definieren; sie schalten also die Definition durch das Haager Schiedsgericht von vornherein aus und überlassen sie in beu Vereinigten Staa­ten dem -Lenat, der dadurch wohl für den Schiedsgerichts­vertrag gewonnen sein dürste, unb in Großbritannien, wo wohl ui ber Hauptsache die Kolonien Anlaß zu Streitig* leiten mit der Union geben, den Parlamenten der sich selbst regierenden Kolonien, unter Mitwirkung des Londoner Aus­wärtigen Amts und des britischen Parlaments. Sie wollen aber weiter die Hinrichtung und die Zuständigkeit des Haager Schiedsgerichts dahin erweitern, daß dabei gemäß den An­regungen der zweiten Haager Friedenskonferenz ein be­sonderer Schiebsgerichtshoffür internationale Gcrochtig- feir" im Jahre 1911 begründet wird, der nicht nur ent­scheiden, sondern wirklich richten soll. Seine Tätigkeit dürfte also nicht, wie bisher, eine diplomatische, sondern eine juristische sein, und man hofft auf dem Wege der bindenden Präzedenzfälle allmählich zu einem System internationaler Gerechtigkeit unb Billigkeit zu gelangen.

Das Hingt für ben Bölkersrieden sehr verheißungsvoll, wenn man annimmt, daß, da die beiden großen angel­sächsischen Nationen das Kriegsbeil begraben wollen, für die übrigen Mächte eigentlich kein Grund besteht, nicht das Gleiche zu tun Und doch wirb man sich dabei klar machen müssen, daß zwischen Großbritannien und der Union <cine solchen Streitfälle und Differenzen bestehen oder auf- lauchen können, wie z. B. zivischen Deutschland unb Frank­reich oder England, ober auch zwischen England und Frank­reich, oder England unb iNußlanb. Wo England unb die Union bisher in Streit gerieten, nrie z. B. bei der Frage der Neu sund land fi scher ei, hanbelte es sich immer um Angelegen­heiten lediglich juristisck-er Natur, und wo politische Mei­

nungsverschiedenheiten auf tauchten, wie z. B. bei der Vene- zuelafrage im Jahre 1896, ober auftauchen konnten, wie letzt bei der Befestigung des Paiunna-Kauals oder den mexi- kanisckien Wirren, war England immer klug genug, nachzu- geben und die Monroedoktrin anzuerkennen, um seine ameri­kanischen Kolonien nicht aufs Spiel zu setzen So durften sich dem allgemeinen englisch-amerikanischen Schiedsgerichts vertrag sctuverlich weitere Großmächte anschließen; er wird auf die beiden angelsächsischen Nationen beschränkt bleiben, die allein ein Interesse an ihm haben.

Denn daß sich beide so schnell sanden, liegt wohl daran, daß die Union danach trachtete, England von ihrem mut­maßlichen Gegner Japan abzuziehen. Wenn England mit ber Union einen allgemeinen Schiedsgerichtsvertrag schließt, Eairn es unmöglich ben Japanern diejenige Liasfenhilfe gegen bie Union leisten, die sein 'Bündnisvertrag mit Japan vor­sieht. England dagegen hat an einem allgemeinen Schieds- gerichtsvertrage mit ben Vereinigten Staaten, ber doch einem unausgesprochenen Büirbnis verzweifelt ähnlich sieht, insofern ein Interesse, als bie Union sich bann schwerlich seiner amerikanischen Kolonien bemächtigen würde, wenn England an der Seite Japans zu finden ist. Beide Mächte aber haben in Ostafien bas gleiche Interesse, nämlich China nicht wirtsck-aftlich ober gar politisch burch die Japaner auf­saugen zu lassen, so daß sie sich auch hier zuammenfinden, und das japanisch-englische Bündnis, das in dem christ­lichen England, weil die Japaner Heiden siiid, herzlich un­populär ist, dürste, nad)bem ber allgemeine englisch-ameri­kanische Lchiebsgerichtsoertrag abgeschlossen ist, im Jabre 1914 nicht erneuert werben. Ob die Union sich nun wirklich an den Schiebsgerichtsvertrag hält, soweit er die britischen Kolonien (Kanada!) berührt, ist eine andere Frage. Amerika gilt in biplomatisck)er Beziehung als höchst unzuverlässig, und es kann wohl ber Tag kommen, an bem es England aufrichtig bereut, sich auf das Schiebsgerichtsglatteis gewagt zu haben.

Baltimore, 3. Mai. Hier wurde der dritte natio­nale Friedenskongreß unter großer Teilnahme eröffnet. Präsident Taft, Kardinal Gibbons und andere Redner' er- IIarten, derenglisch-amerilanischeSchiedsgerichts- vertrag sei ein großer Schritt auf dem Wege zum Wellfrieden. Tast erklärte wester, Ainerila werde in seinen Friedensbesttebungen in der Neuen Welt durch das Mißtrauen der amcrikanisicyen Nationen behindert. Amerika habe fein Verlangen nach Besitz­erweiterung.

politische Tagesschau.

Die Neichveinnahmen an Zöllen und Steuern.

Die ,,Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Die kürzlich veröffentlichte Ueberficht über die Reichseinnahmen an Zöllen, Steuern und Gebühren für die Zeit vom 1. April 1910 bis Ende März 1911 rief in einem Teil der Presse unzutreffende Erörterungen hervor. Zunächst ist nicht berücksichtigt, daß die veröffentlichte Ueberficht nur einen Monatsabschluß dar­stellt, wie alle anderen, während das genaue Ergebnis des ganzen Rechnungsjahres erst in einigen Wochen zur Veröffentlichung gelangen kann. Die Jahresübersicht wird noch eine Reihe Ver­änderungen bringen. Was aber insonderheit diejenigen Zölle unb Steuern anlangt, welche 1909 eingeführt oder umgestaltet worden sind, so ließ man bei den Besprechungen in ber Presse außer Acht, daß das Gesamt­ergebnis dieser neuen Einnahmequellen sich aus der lieber» sicht nicht erkennen läßt, schon deswegen nicht, weil die Erträgnisse der neuen Zölle darin nicht besonders aufgeführt sind. 65erabe diese aber, darunter namentlich der Zoll auf Tabak, überschritten den Etatsansatz für 1910 bedeutend. Mit Bestimmt­heit läßt sich schon jetzt seststellen, daß auch die neuen Zölle und Steuern in ihrer Gesamtheit bie Schätzung des Etats von 1910 überstiegen.

Der deutsch-schwedische Handelsvertrag.

lieber den neuen deutsch-schwedischen Handelsvertrag schreibt dieNorddeutsche 'Jülgcmeinc Zeitung" il a.:

Der seitherige Vertrag vom 8. Mai 1906 sab als festes Datum des Ablaufs den 31. Dezencher 1910 vor lieber dies'n Zeitpunkt hinaus wollte Schweden die Handelsbeziehung n zu Deutschland nidjt scstlegen, da es beabsichtigte, bat neuen Tarn mit einem wesentlichen s ch u tz z ö 11 ne r i s ch c ii Charakter auf­zustellen. Dieser Tarif ist inzwischen fertiggciicllt und wirb vom 1. Dezember 1911 ab gesetzliche Geltung haben.

Die Entwickelung des Handelsverkehrs zwischen Deutschland und Schweden unter der Herrschaft des bisherigen Vertrags muß als für beide Teile befriedigend bezeichnet werden. 1910 betrug der Spezialhandel der Einfuhr Deutschlands aus Schiveden I63,s Mill. Mark, die Ausfuhr iiach Schiveden 190,5 Mill. Mark Die günstige Emwickelung unseres Verkehrs mit Schweden drohte ber neue schwedische Zolltarif für Deutschland in empfindlicher Weise zu unterbrechen. Eine Einigung loar nur in der mitt le re n Linie möglich, auf der zwar die Zoll er Höhungen für Schweden verblieben, andererseits aber die Gefährdung unserer Ausfuhr nach Möglichkeit zu vermeiden versucht wurde. Im allgemeinen dürste dieses Ziel durch SScrbanblungcn erreicht worden sein. Tas Streben, für die Veschiebung ber Bilanz zu unseren Ungunftcn einen Ausgleich durch die H ö h e r b a 11 u n g deutscher Zollsätze für wichtige schwedische Mlsfuhrartikcl zu suchen, mußte eine Schranke finden, in fc.X'» ftaltung unseres Bezuges aus Schweden. Insgesamt bufjic.. . als zwei Drittel unieres Bezuges aus Schweden auf solche Ar tilel entfallen, hinsichtlich deren im Hinblick auf die Bedeutung für die deutsche Produktion oder die Volksernährung, eine Höh.r Haltung der derzeitigen Zölle nicht in Frage kommen kann oder bereüS zollfrei sind. Von dem übrigen Drittel besteht der größere Teil in Waren, für welche die beutfd)en Zollsätze bereits den an bereit Staaten gegenüber fcftgclegb sind unb Schweden sich mit ber Meistbegünstigung zufrieden erklärte. So verblieb nur eine verhältnismäßig kleine Zahl von Warengruppen, für die Schweden Sonderzugeständnisse verlangte. Bet groben Tischler waren, insbesondere Türen und Fenstern war es unmöglich, den Zollsatz höher zu halten als auf dem bisherigen Satz von 4 Mark pro Doppelzentner. Schweden beharrte bis zuletzt, eS könne einen Vertrag nicht abschließen, in dem nicht für dies? Artikel mindestens der Statusquo wieder erreicht sei. Das gleiche gilt von ber Wiedereinräumung der derzeit bestehenden Zoll­freiheit für P s l a st e r st e i n e.

Demgegenüber sind für die übrigen Steinwaren gr u p- pen, in denen ein erheblicher Export aus Schweden nach Deutsch­land stallfindet, dtc Zollerhöhungen von deutscher Sorte aufrecht- erhallen worden, insbesondere für Randsteine und für Bürg.-r» steige (35 statt 25 Pfennige) und für schlicht bearbeitete an bere Steinmetzarbeiten aus Granit wie Fensterbänke, nicht pro­filierte Gtefintiteile usw. (60 statt 50 Psg.) Wieder eilige räumt sind die Zugeständnisse für Preißelbeeren (unter Ausdehnung ber Zollfreihell aus bie ohne Zucker eingekochten) für Tinte, Kantschoukschuhe, Klinker, verzinkten Draht von ge­wisser Stärke, Pferderechen, Wagenfedern, Huf­nägel unb Milchentrahmungsmaschiuen. Dazu tarnen unbedenkliche neue Forderungen, wie für sogenannte Isländer Jaclln, nasse Holzmasse, für die Zollbehandlung von Knüppeln, Rohschienen, Stabeisen, Bandeisen und Draht. Auch Hal Schweden entsprechend den dringenden Wünschen unserer Papiersäbrikanten, die sogenannte Packpapierklausel nicht wieder zu eignem Rechte zugebilligt erhallen.

Was üie neuen schwedischen Zollgesetze für unsere A u s fuhr anbelangt, so sind infolge deS vollfcntmcn veränderten Tarifschemas sehr häufig in den Positionen des neuen Tarifs Waren zusammengesaßl, die bisher teilweise nichtigeren, teil­weise höheren Zollsätzen unterlagen. So ist die bisherige Taris - stelle, welche die undichten Baumwollgewebe unb bie bidjten zwei- schästigen, mit über 800 Katt- und Einschlagfäden pro Quadrat- Zentimeter umfaßt unb dafür einen Zoll von 1,75 Kronen vor­sieht, aufgelöst.

Im übrigen wurden mehrere Ermäßigungen der schwedischen Zölle unter dem Statuscmo erreicht, so Perlmutterwaren 11 üronc statt 2 Kronen), Briefordner, Schnellhefter unb bergt. (50 Cerc

Lin Brief Luthers für (02000 Mart.

Bei einer 'AutograpHen-Versteigerung bei C. G. Börner in Leipzig kam es zu einem unvorhergefeheneii Ereignis. Ein Bries Luthers an Karl V. vom 28. April 1521 erreichte die Summe von 102 000 Akk. Das erste Angebot waren 5000 Mk., und bereits nach fünf Minuten war die Höhe von 102 000 Mk. erreicht, tür welchen Preis ihn Monsieur Marinis aus Florenz für Pierpont Morgan erwarb Bis zu dieser Summe hatte übrigens auch ein Berliner, Herr Karl Marseis, mitgeboten. Ein Brief der Katharina v. Bora, der Gattin Luthers, an ihre Schwester Christine v. Bora wurde mit 6000 Mk. bezahlt.

Dieser in lateinischer Sprackre abgesaßte, dem Tag zufolge übrigens tadellos erhaltene Bries Luthers stellt das Jnhallfchwerste dar, was von des Reformators Hand an Briefen geschrieben worden ist. Es ist das denkwürdige Schreiben, das Luther nach seinem Ausbruche vom Reicksstage in Worms 1521, wo sich das Schicksal der ganzen Reformation entschied, aus Friedberg in Hessen mit bem Reichsherold zurück nach Worms an Kaiser Karl V. schickte Er wiederholt darin den Verlauf der Verhand­lungen, begründet sein Verhalten und wiederholt seine ent­scheidenden Worte:Daß mir's nicht gebühren wollte, wäre auch nicht billig noch zu thun Gottes Wort zu verleugnen und mein Büchlein also zu widerrusfen", es sei denn,daß die Jrrthümer, welche, wie etliche fürgeben, darinnen seyn sollen, mll göttlichen, evangelisckien unb prophetischen Schriften gestraft unb getadelt würden: auch mich aus christlichem Gemüte unterthäniglich er­boten, wo ich einiges Jrrthurnes überweiset würde, so wollte ich alles widerrufen und der erste seyn,, der meine Büchlein ins Feuer werfen, verbrennen unb mll Füßen treten toolüe!" Hier­auf legt er das evangelische Bekenntnis ab und begründet es aus der Schrift mit gewaltigen Worten.

Am 26. April rvar Luther in Worms aufgebrochen, am 27. April wurde der Brief auf ber Reise nach Frankfurt ent­worfen, am 28. April, einem Sonntag, fuhr er bis Friedberg t H. weiter, unb hier wurde das Schreiben aufgesetzt. Wenige Tage später wurde Luther auf der Weiterreise aufgehoben unb nach der Wartburg gebracht. Der Brief gelangte aber nicht in die Hände des Kaisers, da niemand magte, das Schreiben eines in Reichsacht befindlichen Mannes zu übergeben. Spalatin, der dies auf dem Original bemerkte, scheint ihn damals in Empfang genommen und aufbewahrt zu haben. Ein dem Briefe beige- Sügter alter Umschlag benennt als Besitzer einen Superintendenten Singt (?) im Jahre 1801. Gleichzellig bringt bas Berliner Antiquariat van Martin Breslauer eine große bibligrophische

Gedruckt zu Wittenbergk durch Scannern Grünendergk . . . 1516". Der köstliche Titelholzschnllt stomnll von Lukas Cranach her. Wie selten diese Schrill ist, beweist der Umstand, daß sie m ben meisten Sammlungen, selbst in der berühmten Luthirsamm- luftg des British Museums fehlt. Auch in allen größeren Samm­lungen von Reformationsschriften, die in den letzten Jahren auf ben Markt kamen, war diese Kostbarkell nicht vertreten. Ihr Preis ist auf 850 tDiarl angesetzt.

Ein altchristli^es Baptisterium in Nantes entdeckt. Die an der Stätte des allen Bischofspalastes von Nantes vorgenommenen Ausgrabungen haben ieyt zu einer inter­essanten Entdeckung geführt: bei ber Fortsetzung ber Grabungen stießen bie Arbeiter aui dieDlauern des Baptisteriums ber alten St. Johanneskircbe, und inzwischen ist es gelungen, den allen Bau völlig freizulegen. 9!ach ber Form der Einlage und ben vorgefundenen Ornamenten ergab es sich, daß man es hier mit einem allchristlichen Bauwerk aus dem 6. Jahrhundert zu tun hat. Tas Baptisterium ist anscheinend später und zwar ira 14. Jahr­hundert zum Teil lvieder zerstört worden, als die Grundmauern für die heutige Kathedrale von Nantes gelegt wurden.

Das Schicksaldes Pariser Beethoven-Tenk°- m a 1 s. Vor einigen Jahren wurde auf Bett eiben von Jsan d'Estournelles de Constant ui Paris ein Rat von Künstlern, Mu­sikern und Schrillstellern gebildet, um aui einem ber Plätze ber Stadt, der von bem Gemeinderat bestimmt werden sollte, ein Denkmal für Beethoven zu errichten. Der Präsident der Republik bäte dem Plane seine Unterstützung zugesagt, desgleichen der Seinepräfekt, und von dem Gemeinderat mar ein Platz bereits bestimmt worden. Plötzlich wurde der Plan jichoch unausführbar, da die Gemeinderäte sich eines anderen besannen und mit einem Mal fanden, daß sie der Ueberhaufung der Sttaßen, Plätze und Gärten ber Stadt entgegentreten müßten. Man kann ihnen nicht Unrecht geben, wenn sie sich vor den allzuoielen Denkmälern fürchten, aber es ist fraglich, ob dieser Entschluß gerade bei einem Denkmal zur Ausführung gelangen kann, für bas dieser selbe Gc'ineinderat bereits eine Stelle im Ranelagh bestimmt hat. Es scheint, daß da irgend welche geheimnisvollen Einflüsse wirksam geworben sind. Wollten etwa, so fragt nun Louis Schneider im Gaulois, unsere .Stadthäupter unb der Seinepräfeft Beethoven

man durch eine einfache Laune alle unsere Anstrengungen zunichte machen? Es ist dies zugleich ein moralischer und ein materiell.w Schaden, den die Gerichte zu regeln haben werden."

* Luft Motoren für bie K a na l s ck i f f a hr t Die Errungen,'chajten der mobernen Technik auf bem Gebiete des Flugmaschinenwesens werden künftig auch der Binnenschiffahrt unmittelbaren praktischen (tzennnn bringen: unter der Aussicht ber französischen Gesellschaft für Luftschisfahn haben in diesen Tagen in Jo inville auf dem Kanal, ber die Marne mit) der Seine verbindet, interessante Versuche darüber ftattgefunben/ ob die Anbringung von Luftschrauben auf Schlepp­kähne der Kanalschifsahrt Nutzen bringt. Auf ein großes Ifraft- fahrzeug von 38 Meter Länge und 5 Meter Breite wuroe ein be­sonders gebauter Motor von neun Pferdekräften gesetzt, ber eme Luftschraube von 2,60 Meter Durchmesser antreibt. Die Versuche brachten überraschend günstige Ergebnisse. Es zeigte sich, daß sofort nach dem Anlaufen des Motor es das schwer­fällige Fahrzeug sich zu bewegen begann, und nach 30 Sekunden hatte es sem gewöhnliches Fahrtempo erreicht. Die damit b< wiesene Brauchbarkeit der Lustschrauben für die Binnenschiffahrt scheint berufen, in dem Schill-verkehr auf Kanälen und Flüssen eine vollkommene Revolution hervorzurufen. Die umständlich' Arbell, die oft schwer beladenen Kähne und Schuten mühsam zu staken ober durch zum Ufer laufende Selle mit Hilfe von Pferden oder Ponies un Schneckentempo wellerzubeweg<m, wird über flüssig, und auch die Besatzung eines Schleppdampfers läßt sich durch die Luftschraubm critMien. Denn nach genauen Berechn nungen stellt sich die neue Besörderungsmnhode um rund 50«»/» günsttger als die bisher angewandten Mlltel, bie Kanalfahrzeuge durch Menschen oder durch animalische Kraft vorwärts zu bewegen.

gäbe ber _ . ________

Ihr Titel ist:Eyn gcystlich edles Buchleynn. Bon rechter vnderschehd unb Vorstand, was der alt unb neu nrensche seh . . .

Seltenhell auf ben Markt. Es ist dies die erste Aus-Inicht wohl? Cber waren sie mit bem Denkmal unjufrieben, bem ersten gedruckten Schrift Luthers. Werk des Bildhauers Joss be Chamoy, das von Mitgliedern des . Kunstausschusses der Stadt Paris mit Begeisterung ausgenommen

tvar ? Wollh: man Beethoven büßen lassen sür die zahlreichen Sta­tuen von irgend welchen Unbekannten, die über ganz Paris verstreut sind? Wie dem auch selli mag, ber Vorsitzende des Aus­schusses ist keineswegs geneigt, sich bei diesem Entschluß bei Pariser Stabtoäter zu bescheiden. Er will auch gar nicht erst neue Schritte beim Gemeind erat unternehmen, sondern sosort einen Prozeß gegen die Stabt Paris anftrengen. henke, baß wir, er­mutigt von ber Stadtverwaltung, drei Galavorstellungen in ber Oper gegeben, Sübkriptionen eröffnet unb Verpflichtungen für bie Lieferung des Denkmals übernommen haben: Unb letzt will