Ausgabe 
3.4.1911 Zweites Blatt
 
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Ur. 79

Zweiter Blatt

161. Jahrgang

Erscheint tSglich mit Ausnahme des Sonntags.

Die ..Eietzener KamilienblStler" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, da- Hreisblott fflr den Kreis «letzen" zweimal wöchentlich. Dietandwirtschaftlichen Zett- frage," ericheinen monatlich zweimal.

Eichener Anzeiger

Scneral-Anzeiger für Gberhessen

Montag, 5. April |9fi

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'ichen UniversikätS - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul-

straße 7. Expedition und Verlag:

Redaktion: 112. Tel.-Ad r.: AnzeigerGießen.

aus den Reichstagsausschüssen.

: Berlin, 1. April.

Der Budgetausschuß

trat heute vor Beginn der Vollsitzung zu seiner letzten Sitzung vor den Osters er icn zusammen. Es i|t die 100. Sitzung in dieser Tagung. Noch unerledigt ist das Gesetz betr. die Tage­gelder, Fahrkoften und Umzugskosten der ft'o = lonialbeamten. Ter Ausschuß wurde sich nach kurzer Aus­sprache dahin schlüssig, daß die Verabschiedung dieses Gesetzes vor den Osterferien nicht mehr möglich sei. In der Vollversammlung wird cm von allen Parteien unterzeichneter Antrag cingcbracht werden, die jetzt geltende Verordnung bis zum 30. Juni d. I. in Geltung zu belassen.

Die Sitzung wurde hierauf amtlich geschlossen. Der Staats sekretär machte sodann private Mitteilung über die Kali düng ungsv ersuche in den Kolonien. Ans der Kali abgabe stellt das Reich hierfür zur Verfügung 10 000 Mark für Neuguinea, 20000 Ntark für Samoa, 20000 Mark für das sehr fajiarmc Togo, 35 000 Mark für Kamerun, besonders zur Baumwottproduktion, 110 000 Mark für Ostafrika. Südwestafrika ist kalireich. Man hofft, daß die weißen- Pflanzer in sehr um­fangreichem Maße Kali verwenden werden. Es wurde der Wunsch ausgesprochen, daß diese Mittel auch für die nächsten Jahre in Aussicht gestellt würden, um gründliche Versuche zu machen.

Die Arbeit des Budgetausschusses ist noch keineswegs be endet: u. a. hat sie nach Ostern die Beratung der Fern- sprechgebührenordnung sortzusetzen.

Ter Schiffahrttabgabenausschuh

verhandelte heute noch weiter über die Strombeiräte. Tie Vor läge billigt ihnen nur beratende Stimme zu. Sie sind nur zu hören in den Angelegenheiten, über die die Berivaltungsausschüssc zu beschließen haben, z. B. die Höhe der anzurcckneitden Strom- bauunterl-altungSkoften, die Tarife usw. Man will den Strom- beiräten in gewissen Fällen auch eine beschließende Stimme geben; es werden hierzu verschiedene Anträge^ vorbereitet, die der Aus­schuß in seiner nächsten Sitzung, einige Tage nach Wiederzusammen- tritt der Vollversammlung im Mai, beschäftigen werden.

Ter Bittschrfttenansschuf-

besckäftigie sich mit einer Bittschrift des Fachverbandes für die wirtschaftlichen Interessen des Kunstgcwerbes, die dahin gebt, das Einjährig-Freiwilligen-Institut dahin abzu­ändern, daß es nicht mehr in stetig steigendem Maße den Zu­fluß aus besitzenden bürgerlichen Familien zum Handwerk hindert. Ter Antrag schlägt vor, die Erlangung des Einjährig- Freiwilligen-Zeugnisses an das vollendete 16.,Lebensjahr zu bin­den und älteren Schülern die Erlangung dieses Zeugnisses nickt mehr zu gestatten. Dadurch, daß heutzutage fast jeder Bürgers­sohn die Erlangung des Einjährig-Freiwilligen-Zeugnisses sich zum Ziele setze, um in die sogenannten besseren Berufe eintreten zu können, gehe dem Handwerk der Zufluß aus befttzenden bürger­lichen Familien größtenteils verloren, und das Handwerk bütze an Qualität ein. Die Mässe des sogenannten gebildeten Prole­tariats sei ost stellenlos, während tüchtige Handwerker immer gesucht würden.

Ter Ausschuß war der Ansicht, daß die Vorschläge, selbst wenn sie zur Durchführung kommen sollten, dem .Handwerke fauni nützen würden. Es müsse festgestellt werden, daß sogar viele Handwerksmeister es nicht über sich gewinnen könnten, ihren L-ohn, der das Einjährigcn-Zeugnis erworben hat, wieder dem Handwerk zuzuführen. Ter Ausschuß überwies die Bittschrift dem Reichskanzler als Material.

Ein Entwurf, betreffend die ZHiffsmeldungen bei den Konfulaten des deutschen Reichs

ist dem Reichstage zugegangen. Ter Entwurf ist eine Folge des neuen Konsnlatsgebührenqesehes und verfolgt den Zweck, die Konsularbehörden über den Verkehr der deutschen Schiffe in ihrem Amtsbezirke genau zu unter­richten. .Hierdurch allein werden die Konsulate in die Lage versetzt, die mannigfachen, durch die Reichsgesetz- gebung ihnen auferlegten Obliegenheiten gegenüber der deutschen Schiffahrt zu erfüllen, insbesondere ihre polizei­liche Tätigtest in vollem Umfang auszuüben. Zugleich erhält auf diesem. Wege der Konsul und durch ihn seine

Martin Greif t-

In einer Zeit, wo ein kleiner Kreis in Berlin W. unter beifälligem Staunen der Kaffeehausliterateu seine sprach­lichen Seiltänzereien für goldenes Sprachgut ausgibt, das von den kleinen Geistern als neue, Ausdruckskunst ge­priesen wird, in einer solchen Zeit stand ein Mann und Dichter wie Martin Greif als ein ragender Fels im seichten Wasjergeplätscher. Von wenigen nur gekannt, aber von diesen wenigen geliebt, dichtete dieser Mann seine kleinen Werke, indem et das Wort beseelte. Ihm war das Wort das edle Mittel zum hohen Zweck, nicht der Sptelbatl leichter Geistreiche!eien, billigen Ansehens. Er beharrte auf dem Standpunkt, daß die Seele den Dichter mache, und schuf so seine reinen, feinen Naturstimmungen, dte )o voll köstlicher Frische sind. Allerdings, Greif ist kein Genre gewesen und er ist nie in das große Publikum gedrungen. Seine zahlreichen Dramen, die hier und ba, an f geführt wurden, überraschen durch die Schönheit der Sprache und die Klarheit ihres Aufbaues, aber der dramatische Nerv fehlt ihnen fast vollständig und sie vermochten sich des­halb nicht auf dem Spielplan zu halten. Seine Bedeu­tung ist in seiner Lyrik begründet, in der packenden Natür­lichkeit seiner Anschauung, dem schlichten, seelenvollen Vor­trag, der Wärme des Gefühles.

Martin Greif eigentlich Friedrich Hermann Frey ist als Sohu eines Regierungsrates am 18. Juni 1839 in Speyer geboren. Im Jahre 1859 trat er als Leutnant in die Armee ein, aber seine dichterischen Ideen veran­laßten ihn, schon 1866 seinen Abschied zu nehmen, um sich fortan ganz seiner Muse widmen zu können. Von 1869 bis 1880 lebte Greif in Wien, von da an in München, das ihm zur zweiten Heimat geworden war.

lieber seine Jugendzeit plaudert er selbst sehr anziehend, also:

Daß ich einmal ein Dichter werden sollte, war nur an meiner Wiege nicht gesungen worden. Die Wünsche, die meine guten Eltern beseelten, als rch am 18. Junr 1839 abends 5y» Uhr laut einer eigenhändigen Ausschreibung meines seligen Vaters als gesundes Knäbleiir das Licht der Welt zu Speyer am Rhein erblickte, waren geringer und größer zugleich. Was ist heutigen Tags ein beut- > sch er Poet ?' Ein Arbeiter ohne Verdienst, ein Kämpfer

vorgesetzte Behörde das unbedingt notwendige statistische Material über den deutschen Schiffsverkehr in dem konsu­larischen Amtsbezirke.

Das Schiffsmeldewesen war nach dem bisher geltenden Gesetz insofern lückenhaft, als im Hinblick arrf die mit der Meldung verbundene Gebührenpflicht zahlreiche Befreiungen nachgelassen waren. Dem Wesen und dem Zwecke dieser Einrichtung entspricht es aber an sich nicht, daß irgend welche Schiffe von ber Verpflichtung zur Meldung ent* bunben werden. Nachdem daher die Gebührenpflicht un­abhängig von der Meldepflicht gesetzlich geregelt ist, er­scheint bei Erlaß von Vorschriften über die Schiffmeldungen eine Rücksichtnahme auf die Bestimmungen über die Schiffs gebühren insoweit nicht mehr geboten. Es erübrigt sieb daher, noch weiterhin Befreiungen von der Verpflichtung zur Meldung eintreten zu lassen. Vielmehr ist diese nun­mehr ausnahmslos für jedes deutsche Kauffahrteischiff aus­zusprechen, das einen zum Amtsbezirk eines Konsulats gehörigen Hafen anläuft. Andererseits können, ohne dem Zwecke des Gesetzes Abbruch zu tun, die bisher vorgeschrie Venen Abmeldungen'der Schiffsführer entbehrt werden, so­fern bei der Anmeldung dem Konsulate, soweit dies möglich, eine Angabe über die voraussichtliche Tauer des Aufent Halles gemacht wird. Tie Mehrbelastung, die durch die Einführung der ausnahmslosen Anmeldung den Schifss- führern gegenüber dem bisherigen Zustand erwächst, wird daher bürd) Fortfall der Abmeldepflicht wieder ausge­glichen. Außer zu den bereits erwähnten Zwecken soll die Schiffsmeldung aber auch dazu dienen, dem Konsulate die Kontrolle speziell der gebührenpflichtig gewordenen Schiffe zu ermöglichen und die Einziehung der Gebühren sicher zir stellen. _______________________________________

Ein neues niederländisches Zollamt.

Haag, 1. April. Die niederländische Re­gierung ließ dem Parlament einen Gesetzentwurf betr. den neuen Tarif für E in g an y s z ö l l c zugehen. Ter jährliche Ertrag wird auf 10 Millionen Gulden gc schätzt, wovon neun Millionen für die Altersversor­gung der Arbeiter in Reserve gestellt werden sollen. Der neue Tarif trägt nicht ausschließlich, schutzzöllneriscyen Charakter für die niederländische Industrie, er trägt aber den Schwierigkeiten, mit denen diese Industrie infolge des starken Protektionismus in fast allen Ländern Europas und Amerikas zu lärnpfen hat, Rechnung Der neue Tarif ist im Vergleich zu den Eingangszöllen des Auslandes sehr maßvoll. Tie Zölle sind nicht so hoch, daß den aus­ländischen Importeuren die Unterbringung der Waren auf dem holländischen Markt unmöglich ist und werden den niederländischen Industriellen nicht Gelegenheit bieten, sich zu einer Steigerung der Preise zu vereinigen. Die Haupt­gebrauchsstoffe für Industrie und Ackerbau wie Kohle, Erze und Getreioe bleiben frei, Halbfabrikate werden mit 3 bis 6 Prozent Wertzoll belegt, beinahe fertiggestellte Fabrikate mit. 10 Proz., Ganzfabrikate mit 12 Proz., Tab a k wird nicht hoher besteuert als bisher, Kaffee bleibt frei. Die Regierung hält sich die Möglichkeit offen, bei Mehl, das als Nahrungsmittel dient, Retorsionsmaßregeln anzu­wenden. Schlachtvieh bleibt frei, feinstes Mehl wird mit 40 Cent pro 100 Kg. belegt, Petroleum bleibt frei, Zigarren werden mit 125 Gulden pro 100 Kg. plus 20 Proz. Wert­zoll, Zigaretten mit 250 Gulden pro 100 Kg. plus 40 Proz. Wertzoll belegt.

Aus Stabt iittfc Saito»

Gießen, 3. April 1911.

Äinematograph und Volksbildung.

Der Kinematograph gehört zu den intereffanteften tech­nischen Errungenschaften der Neuzeit, und die kinemato-

öhne Lohn, ein Sieger ohne Gewinn. Mein Vater war ein ausgezeichneter Finanzmanu, seine Kenntnisse aber können selbstverständlich nicht seiner Familie, sondern dem Staat zufallen, der seine Leistungen auch nicht unbelohnt ließ. Meine Mutter trug eine unendliche Liebe für den Gatten und ihre Kinder, wie auch für ihre herrliche Mutter und ihre drei Schwestern im Herzen.

Daß von feiten guter, für das Wohl ihrer Kinder unermüdlich besorgter Eltern auch mir die sorgfältigste Pflege von früher Kindheit zuteil wurde, zwingt mich, so selbstverständlich es an sich ist, mein kindliches Tank­gefühl auszusprechen. Dann begannen die Schulplagen für mich, die durch eine mir gebotene häusliche Nachhilfe einerseits gemildert, andererseits mir aber um fo fühlbarer wurden. In der Volksschule behauptete ich stets meinen Platz in der vordersten Bank. Nur was meine Phantasie zugleich erregte, konnte meine Aufmerksamkeit erwecken und fesseln. Als ich daher einmal lesen konnte, griff ich nach Büchern, die mit den Lehrgegenständen nichts zu tun hatten, und empfand gegen den weniger anziehenden Lernstoff einen geheimen Widerwillen. sJhtr der deutsche Aufsatz, der selbständiges Denken erfordert, und zu dem alle Be­dingungen von vornherein schon in mir lagen, indem ja die Muttersprache ein uns allen angeborener Besitz ist, wurde von mir als eine angenehme Aufgabe und nicht als Last empfunden. Von Uhland, Schwab, Kerner, doch auch von Platen und Rückert, wurde ich damals weit mehr angezogen und stehe ich noch heute im Bau dieses früheren Wohlgefallens; es war offenbar der Volkston, an den die Balladen unseres schwäbischen Dichters streifen, der mir ihr Erfassen erleichterte.

Von Goethe lernte ich durch die Schule nichts kennen, was mich aber umso neugieriger machte, mit ihm auch ohne fremde Vermittlung bekannt zu werden. Hierzu gesellte sich allerdings bei mir noch ein anderer Beweggrund. Goethes Xiamen vernahm ich nämlich oft aus dem Munde meiner Mutter. Ihr Großvater hatte zu den akademischen Jugendfreunden Goethes in Straßburg gezählt und war ihm auch bis in das hohe Alter persönlich verbunden geblieben. Als Sohn des inWahrheit und Dichtung" genannten Pro­fessors der Medizin Estrmanu hatte er mit jenem frohen Kreise unvergeßliche Tage verlebt, und unter den auf der

graphischen Vorführungen erfreuen sich in der Reihe der Volkserholungen einer großen Beliebtheit. Leider wirken sie nicht immer volkserziehlich; sie stehen vielfach im Dienste skrupelloser kapitalistischer Interessen. Wie durch die an und für sich edlen Künste des Buchdrucks und der Graphik verderbliche Schundwerke hergestellt werden, die den nied­rigsten Instinkten der Menge schineicheln und sie immer tiefer herunterziehen, und wie durch eine minderwertige Schauspiel- und musikalische Kunst unser Volksleben ge­schädigt wird, so ist auch durch minderwertige kinemato- graphische Vorführungen schon mancher Schaden an unserem Volksleben verursacht worden. Ter Rhein-Mainische Ver­band für Volksbildung wird sich demnächst mit der Frage befassen, ob und wie die Kinematographie der VolkSerho- lang Und Volksbelehrung dienstbar gemacht werden könnte und wie die bereits bestehenden schädlichen, sittlich an­stößigen und läppischen Kinematographenvorführungen ver­drängt werden könnten. Dabei soll nicht nur an grofr- städtische Zustände, sondern auch an die Verhältnisse bet: kleineren Städte und der größeren Jndnstrieorte gedacht werden Es wird sich sogar hauptsächlich um die Ein­fügung des Kinematographen in die Mittel zur Förderung des geistigen Lebens und der Lebensfreude in kleinen Städten und auf dem Lande, sowie um die Abwehr bet minderwertigen kinemakographischen Darbietungen, die be­reits auf das Land hinausgedrungen sind, handeln, ffs ist also eine Frage von hervorragender Bedeutung für unser Volksleben, um die es sich hier handelt. Sie er­scheint in einer Reihe mit der Frage der Theaterversor-, gung durch das Verbandstheater, der Bibliotheksversorgung durch Lieferung von Wanderbibliotheken und Erleichterung von Bücherbczügen, mit dem Kampf gegen die Schunds Hteratur durch Einrichtung von Verkaufsstellen guter billi­ger Bücher, der Veranstaltung guter Volksunterhaltungs-, Veranstaltungen zur Verdrängung des Couplets und an­deren minderwertigen Musikdarbietungen und mit anderen Volkserziehungsanfgaben. Die Mitglieder des Verbandes werden Samstag, 8. April, über kinemato graphische Vorführungen und ihre Bedeutung für die Jugend- und V o l k s e r z i e h u n g verhandeln. Ober­lehrer Como aus Lauterbach wird den einleitenden Vor­trag halten. Zu der Versammlung sind besonders auch die'Schnlbehörden der mittleren und kleineren Städte und der Kreise, sowie die Verwaltungsbehörden eingeladen. Den Versammlungen voraus geht eine Vorführung von Films im Kinematographentheater der Projektionsgesellfchaft Union" zu Frankfurt a. M., zu der die Verbandsm.it- glieder und die Vertreter der Behörden unentgeltlichen Zutritt haben.

** Anonyme Zuschriften. In den letzten Tagen sind uns wieder zahlreiche Mitteilungen mit der Bitte um Veröffent­lichung zugegangcn, ohne daß Die Absender ihren Namen genannt haben. Wir machen deshalb zum hundertundeinften Male darauf aufmerksanr, daß Einsenoungen ohne Namensangabe des Ab­senders unbesehen in Den Papierkorb wandern.

** Lehrarn tsp e rs on alien. Der Großherzog hat den Oberlehrern Gg. Bock an der Realschule und dem Pro­gymnasium zu Bingen, Dr. Jak. Curschmann an dem Ostergymnasium zu Mainz, Rektor Ludw. Dörr an der höh. Bürgerschule zu Pfungstadt, Hch. Engel an der Ober- realschule zu Mainz, D. Dr. Theodor Friedrich an dem Ostergymnasium zu Mainz, Hch. Geißler an dem Lehrer­seminar zu Bensheim, Aug. Hirsch an der Oberrealschule zu Worms, Dr. Fritz Loos an der Augustinerschule (Gym­nasium und Realschule) zu Friedberg, Dr. Friedr. Meyer an der Oberrealschule zu Worms, Jak. Reuter an der Augnstinerschule (Gymnasium und Realschule) zu Friedberg- Johs. Sartorius an dem Herbstgymnasium zu Mainz- Plattform des Münsters eingemeißelten Namen befindet sich auch der seinige.

Der neue Rembrandt im Kaiser-Friedrich- Museum zu Berlin. Tas Kaiser-Friedrich-Museum zu Berlin erhielt eins der bedeiftendsten Jugendwerke Rembrandts- denR au b d e r Eur o pa", als Lechgabe des Geh. Kommerzien­rats Leopold Koppel. Tas Bild ist erst vor wenigen Wochen nach Berlin gelangt. Es stammt aus dem Besitz der Prinzessin de Broglie und wurde von Agnew in Berlnr für eine halbe Million Mark zum Verkauf gestellt, von dem es Geh. Rat Koppel erwarb. DerRaub der Europa", der dreiviertel Meter breit und sechzig Zentimeter hoch ist, tragt die Bezeichnung Rembrandts und das Jahr der Emstehung, 1632. Tas Werk des 26jährigen Künstlers verrat den Einfluß seines Lehrers Pieter Lastman. Das Kaiser- Fricdrick-Museum besitzt bereits aus der oranischen Erbschaft der Hohenzollern ein thematisch verwandtes Bild, denRaub der Proserpina", das wenig später entstanden ist. Gerade gegenüber den stark nackgedunkelten Farben dieses Bildes tritt die vorzüg- licke Erhaltung der Neuerwerbung in Helles Licht. Für die Ent­wicklungsgeschichte Rembrandts von größter Bedeutung, enthält das Bild auch künstlerisch hohe Feinheiten. Es vervollständigt in dem Museum aus« glücklichste die Reihe der Jugendarbeiten Rem­brandts, reiht sich am engsten der kleinen Minerva und dev Proserpina hier an und ist das 27. Werk des Meisters in den Galerie.

Kurze Nachrichten aus Kunst u.Wissenschaft. Auf eine 25 jährige Tätigkeit als ordentlicher Professor kann amj 1. April der Geheime Bcrgrat Dr. Gustav Stein mann, Direk­tor des geologisck-paläontologischen Jnstckuts und Museums an her Bonner Universität zurückblickcn. Ter Professor der Pathologie an der Harvard-Universität, Theobald Smith, wurde zum A u s t a u s ch p r o s e s s o r an der Berliner Universi-» tat ernannt. Tie 12. Deutsche Evangelische Ret - tungshauskonferenz wird diesmal zusammen mit der 10. Teutscheu Evangelischen Asylkonserenz vom 24. bis 26. April d. I. in München tagen. Tie Tech­nische Hochschule in Dresden verlieh Professor Wal- l o r, dem Sttwyser des Reichstagsgebäudes und des sächsischen Ständehauses, der am 1. April in den Ruhestand getreten ist, die Würde eines T r. in g. ehrenhalber. Bei der zur Erinnerung an Karl Schurz veranstalteten Festlichleit stifteten die Bürger von M i l w a u k c" einen Betrag von .50 0 '00 Dollars für eine A u s t a u sch p r o f e s s u r zwischen der Univer­sität Wisconsin und einer d eut scheu Universität^ Gleichzeitig wurden der Austaufchprosesior T aeriell und Pro­fessor Max Friedländer zu Ehrendoktoren der Recht- promoviert.