Ausgabe 
6.10.1911 Erstes Blatt
 
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Vie letzten strittigen Punkte herbeizuführen. Man wird also erst am Samstag missen, ob alte die kleinen Schwierig­keiten des ersten Teiles der Verhandlungen endgültig aus­geglichen sind.

Wie amtlich aus Melilla gemeldet wird, Übertritten Hor­ben von Rissleuten den Ued Kert und griffen die spa­nische Besatzung bei Jmarusen an. Sie wurden aber unter Verlusten zurückgeschlagen.

Französische Ueberqriffe in Agadir.

Ans Agadir kommen ernste Meldungen, die das Auge lvieder auf das merkwürdige Verhalten unserer amtlichen auswärtigen Politik wenden lassen. DieFranks. 3tg." meldet aus Mogadvr:

Der Kaid Gell ul i sandte dem deutschen Konsul mit der gleichzeitigen Bitte um Schutz einen Originalbericht des Kalifa von Agadir, wonach die dortigen Franzose n auf die Tatarennachricht von der Absicht Deutschlands, Südmarokko zu verlassen, sich durch einen Putsch des Forts be­mächtigt, die französische Flagge gehißt und sie durch Kanonenschüsse salutiert hätten; sie hatten ferner d i e Deutschen aufgefordert, das Land zu verlassen, da ein französischer Kreuzer unterwegs sei, um das Gebiet zu be­setzen. Der Zwischenfall ist umso ernster, weil der Kalha sich bei dem Kommandanten des deutschen Kriegs­schiffes beschwerte, worauf dieser ihm erwiderte, er solle nach seinem eigenen Ermessen handeln. Darauf forderte der Kalifa die Franzosen auf, die Flagge zu ent­fernen, die indessen auch ein gewaltsames Entfernen der Flagge verhinderten.

Das untätige Verhalten des deutschen Kriegsschiffes wirkt, so fügt dieFranks. Ztg." diesem Bericht hinzu, aus die dort ansässigen Deutschen gegenüber den Ein­geborenen, die eine deutsche Landung ersehnen, direkt kom­promittierend. Der Kommandeur wird aber seine ihm selbst vielleicht leidigen Instruktionen von den Philosophen in der Wilhelmstraße haben._______________________

Aus Hesse«.

Die Landtagswahl in Gießen.

Die nationalliberale Vertrauensmännerversammtung, die gestern, Donnerstag abend, in Gießen tagte, hat fol­gende Entschließung angenommen:

Die in weitesten Kreisen der Bürgerschaft lebhaft gewünschte Verständigung der liberal entarteten ist infolge der ablehnenden Haltung der Fortschrittlichen Volkspartei nicht zu­stande gekommen. Die nationalliberale Partei hielt es für ihre Pflicht, da die Stadt Gießen im Landtag bereits einen ata» demychen Vertreter hat, dem erwerbstätigen Bürgertum auch seinerseits einen Vertreter zubilligen zu müssen und faßte des­halb in ihrer heutigen Mitgliederversammlung einstimmig den Beschluß, 5>errn Fabrikant Adolf Klingspor als ihren Kandidaten aufzustellen."

maudeur des Jnf.-Regts. Prinz Karl (4. Hess.) Nr. 118, dem Obersten Großmann, Kommandeur des Magde- burgischen Drag.-Regts. Nr. 6 (Standort Mainz) den Roten Adlerorden 3. Klasse mit der Schleife, dem Maojr v. Arndt, Adjutanten der Hess. (25.) Division, die Königliche Krone zum Roten Adlerorden 4. Klasse, den Hauptleuten v. Laer und Frhrn. v. Schleinitz im 1. Nass. Jnf.-Regt. Nr. 87 (Standort Mainz), v. Bartenwerffer im Leibgardc- Jnf.-Regt. (1. Hess.) Nr. 115, Paul Tauscher im Jnf.- Leib-Regt. Großherzogin (3. Hess.) Nr. 117, v. Goessel im Jnf.-Regt. Prinz Karl (4. Hess.) Nr. 118 und Ernst Schiele im Fuß-Art -Regt. Generalseldzeugmeister (Bran­denburgischen) Nr. 3 (Standort Mainz) den Roten Adler­orden 4. Klasse, dem Obersten v. Etzel, Kommandeur des Leibgarde-Inf.-Regts. (1. Hess.) 9?r." 115, den Königlichen Krone nord en 2. Klasse, dem Oberstleutnant Rum schüttel, Kommandeur des 1. Nass. Feldart.-Regts. Nr. 27 Oranien (Standort Mainz) den Königlichen Kronenorden 3. Klasse, den Oberleutnants v. Boeltzig int Jnf.-Regt. Kaiser Wil­helm (2. Hess.) Nr. 116, Wilhelm Wichert im Jnf.-Leib- Regt. Großherzogin (3. Hess.) Nr. 117 den Königlichen Kronenorden 4. Klasse, dem Vizefeldwebel Konrad B a m b c i im Leibgarde-Inf.-Regt. (1. Hess.) Nr. 115, dem Vizefeld­webel und Hoboisten Adolf Bues im Jnf.-Regt. Prinz Karl (4. Hess.) Nr. 118 das Allgemeine Ehrenzeichen.

* Erledigte Lehrerste lle. Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle zu Kim doch; Präsentations­recht steht dem Fürsten zu Löivenstein-Wertbeiin-Rosenberg und dein Fürsten und Grasen zu Erbach-Schönberg zu.

* * Lebensretter. Der Badediener Phil. Kippe! von Mainz hat einen siebenjährigen Schüler vom Tode des Er­trinkens gerettet. Als Anerkennung hierfür ist ihm vow Groß Herzog die Rettungsmedaille verliehen worden.

** Prinzessin Elisabeth - Gedächtnis- Spende. Bei der diesjährigen Verteilung der Zinsen der Prinzessin Elisabeth-Gedächtnis-Spende haben die Kleinkinderschulen zu All en darf a. d. Lumda, Altenburg, Darmstadt (Elisabethenstift), Dietzenbach, Fra­mersheim, Großen-Linden, Harxheim, Kostheim, Mainz-Mombach und Niederofleiden Zuwendungen von je 150300 Mk. erhalten. Im ganzen sind 2375 Mk. verteilt worden.

Aus dem Bureau des Stadttheaters. Die Aufführung von Herrn. Sudermanns SchauspielES lebe das Leben" am nächsten Sonntag abend bringt das erste Auf­treten von Frau Gertrud Baumeister in dieser Spielzeit. Die Künstlerin hatte bei der einmaligen Aufführung dieses Werkes zum Schluß der vorigen Spielzeit einen außerordent-

Ofsenbach, 5. Okt. Die Zentrumspartei hat den Arbeitersekretär Frede als Landtagskandidat auf­gestellt. Die hiesige Ortsgruppe des Hansabundes hat einstimmig beschlossen, den von der nationallibe­ralen Partei aufgestellten Kandidaten Dr. Grat zu unter­stützen.

Deutsches Reich.

In Berlin sand am Donnerstag die erste Plenarsitzung des Bundesrats statt.

3um Unter st aatssekretär des Reichskolo­nialamts ist Ministerialdirektor Dr. Conze ernannt worden. 3U seinem Nachfolger ist Geh. Oderregierungsrat Dr. Schnee bestimmt worden.

Der E v a n g e l i s ch e B u n d zur Wahrung der deutsch­evangelischen Interessen trat am Donnerstag in Dortmund zu seiner diesjährigen Hauptversammlung, der 24., zu­sammen. Den ersten Sitzungstag füllten Sitzungen oes Zentralvorstandes und des Preßausschusses aus.

Ausland.

Der König von Italien besuchte auf der Ausstellung in Turin die deutsche Jndustriehalle und verweilte längere Zeit bei den Schiffsmodellen der Firma S ch i ch a u. Besonders interessierte sich der König für die neuen türkischen Torpedoboote und das stoch im Bau befindliche dänische Torpedoboot sowie für den russischen KreuzerNowik'" und für das Projekt eines modernen Aufklärers.

Aus Lissabon wird gemeldet: Ter Vorabend des Jahrestages der Proklamierung der Republik wurde am Mittwoch mit großer Begeisterung gefeiert. Der Präsident und die Minister wurden, wo sie sich zeigten, mit lebhaften Beifallskundgebungen begrüßt.

Ans Teheran wird gemeldet: Salar eb Dauleh hat mit '4000 Kurden und Suren Hamadan verlassen und ist nach Burudjird gezogen. Es verlautet, daß er dort die gesamten Streit­fräste sammeln will.

Die chinesische Presse stellt hartnäckigen Wider- standderMongolen gegen die Einführung der chine­sischen Verwaltung fest und schreibt ihn der Indolenz der Bevölkerung und russischen Jntriguen zu. Ein Pekinger amtliches Blatt beklagt sich über die Verstärkung der Wache des russischen Konsulats in Urga. In Verfolgung des Planes der administrativen Reorganisation Tibets wird beabsichtigt, den Posten eines Vizekönigs und zweier Gouverneure zu schaffen. Mitte Okwber findet in Peking ein allgemeiner chine­sischer Eisenbahnkongreß zur.Ausarbeitung einer gleich­förmigen Eisenbahnverwaltung statt.

Arbeiterbewegung.

In den Eisengießereien Grvß-Berlins droht ein Ausstand auszubrechen. Eine Massenversammlung, der im Deutschen Metallarbeiterverband organisierten, in den Eisen­gießereien beschäftigten Arbeiter gab ihre Zustimmung zu einem Beschluß der Vertrauensmännerversammlung, welcher besagt:Da die seit 2l/z Monaten geführten Verhandlungen bisher nicht zum Abschluß gekommen sind, hat jeder Kollege sich vorzubereiten, daß er am Sonnabend, im Falle die heute nochmals geführten Ver­handlungen fein genügendes Resultat ergeben, nicht wieder in die Eisengießerei hineingeht."

Bremen, 5. Oktober. Infolge des Ausstandes der Brauereiarbeiter ist es im Laufe des Tages an ver­schiedenen Stellen zu Ausschreitungen gekommen, als die Aus­ständigen dje arbeitdimlligen Bierfahrer anzuhalten versuchten. Der Polizei gelang es, die Ordnung überall wiederherzustellen. Es wurden mehrere Verhaftungen vorgenommen.

Ans Stabt nnd Land.

Gießen, 6. Oktober 1911.

** Ordensangelegenheiten. Ter Großherzog hät das Ritterkreuz 2. Masse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen dem Hauptmann v. Strzemieczny, Adjutanten der 17. Felo-Artillerie-iBrigade, seither Ober­leutnant im Großh. Artillerie-Korps, 1. Hess. Feld-Art.- Regiment Nr. 25 verliehen und dem Hofrat Alfred B ö r ck e l in Mainz die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm von dem König von Preußen verliehenen Roten Adler-Ordens 4. Klaffe erteilt. Der König von Preußen verlieh dem Generalleutnant v. Plüskow, Kommandeur der Hess. (25.) Division, die Krone zum Roten Adlerorden 2. Klasse mit Eichenlaub, dem Obersten v. Behr, Korn-

lichen Erfolg zu verzeichnen, an dem noch besonders der Darsteller des Kellynghauscn, Oberregisseur Bakos, teil batte. Auch sonst ist das interessante Werk mit ersten Kräften besetzt, so daß eine wohlabgcrundete Vorstellung erwartet werden darf.

** Ein telepathis ches Phänomen. (In un- erer Besprechung hieß es infolge eines Druckfehlers statt telepathisches ein telephonisches Phänomen.) Man schreibt uns: In einer sür die Angehörigen der Aerzteschaft veran- talteten Privat-Soirä stellte sich am Donnerstag nach­mittag imH ö r s a a l" der Klinik A* Herr Don Jose >e 2 ab er o als Gedankenleser vor. Es war eine Stunde voller Seltsamkeiten, die man bei ihm verlebte. Doch damit ist zu wenig gesagt. Eine Stunde voll Un­begreiflichem, Unfaßbarem, eine Stunde, in der es auch dem Skeptiker zum Bewußtsein kam, daß es für den mensch­lichen Geist doch noch Dinge gibt, die ihm unenträtselbar ind. De Labero, ein Mann von etwa 28 Jahren, mit tarkem, anfangs schwer verständlichem Akzent, ist jedenfalls mehr als Gedankenleser. Es ist, wenn er experimentiert, ein Fremdartiges, das sich in unser Innenleben, in unsere Ideen einschaltet und sie mitempsindet, miterlebt, als sei es ein Teil unserer Psyche selbst. Man muß ihn sehen, um das zu verstehen. Muß sehen, wie er, die Person, deren Gedanken er ausführen will, am Handgelenk, durch den Saal in die Reihen des Publikums stürmt, einen in Gedanken bezeichneten Pesucher herauSholt, vorn an oder auf die Empore führt und mit fliegender Hast, bald zögernd, bald tastend, bald entschlossen zugreifcnd, alle die oft krausen Dinge ausfübrt, die ihm im Geiste aufgetragen werden. Ein klatschender Schlag an die Schläfen er verursacht dem Hörer mit der Zeit ein Gefühl des Schauderns, dieser oft wiederkehrende Schlag langsam fahren Die Hände zur Wange herab, die Lider der dunklen, unter buschigen Brauen lagernden Augen senken sich halb und de Labero ist im Trance. Nicht Mensch mehr, sondern nur ein menschliches Nervensystem noch, das taumelnd dahin­gleitet, die Augen mit seltsam verlorenem Mick geradeaus gerichtet, ab und zu mit der freien Hand die Luft durch- ichneidend, gleichsam als ob er dort die geheimnisvollen Fäden aufgreifen wolle, die ihm die Verbindung bringen sollen, mit den Gedanken dessen, den er neben sich her­rieht. Aufgaben der knifflichsten Art, ost mit verblüffen­dem Raffinement ausgedacht, wurden Herrn de Labero ge­stellt. Er löste sie unter atemloser Spannung seiner Gäste, die unter dem Wanne des seltsamen Mannes standen, bis zuletzt und wie von einem Alp befreit aufatmeten, wenn er schließlich sich wiederfand in seiner Erdenschwere. Er ist in der Tat ein Phänomen, dieser de Labero; er wirft alles über den Haufen, was man bisher über Gedanken­lesen, Suggestion, Hypnose uftoi sich gedacht, gesehen und miterlebt hat und stellt uns vor Rätsel, die wohl kaum jemals gelöst werden, die er selbst wohl am aller­wenigsten lösen kann. Bis zum 15. Oktober er. wird er sich noch im Kolosseum öffentlich zeigen. Wer ihn sieht, wird gleich nur fragen: Woher kommt dem Manne die straft? Wie lange wird er sie produzieren können? Das Verdienst, Senor de Labero mit dem Gießener Publikum bekannt gemacht zu haben, gebührt übrigens dem Direktor oes Kolosseums Karl Ohm. Dr. H. P.

* Vom Niedermörler Mvrdprozeß. Der Oberstaatsanwalt hat gegen das Urteil gegen die Katharina Wolf keine Revision angemeldet, so daß es nunmehr rechts­kräftig wird. Dagegen wurde von dem Verteidiger Erbes, Rechtsanwalt Kaufmann, heute morgen Revision an­gemeldet.

** D i e b st a y l. In der H e n s e l st r a ß e hatte gestern eine Frau ihre Wohnung eine zeitlang offen und unbewacht gelassen. In dieser Zeit war ein Fremder eingetreten und hatte ein Portemonnaie mit etwa 30 Mk., eine silberne Uhr, eine Halskette und andere Wertsachen gestohlen.

** Geflügelliebhaber. Aus einem Garten in den Eich gärten wurden in der Nacht sechs wertvolle junge Hühner gestohlen. Auch einem Wirt in der Kaiser- Allee wurden vor einigen Tagen zwei Hühner aus bent Stall entwendet.

Landkreis Gicszen.

d. Wieseck, 6. Okt. Heute 9lbenb 9 Uhr findet eine Gemeinderatssitzung mit folgender Tagesordnung statt: 1. Ortsbaustatut. 2. Nachträgliche Genehmigung von Arbeiten. 3. Die Anstellung einer Leichenfrau. 4. Vergebung der Entwässerungsarbeiten bei der neuen Schule; hier: Ge- nehmigung derselben durch den Gememderat. 5. Pflasterung der BraubauSgasse.

r- Lollar, 5. Okt. In der heutigen Gemeinde- ratssitzung waren Bürgermeister Schmidt, Beigeorb- netcr Gcrlach, die Gemeinderäte Weber, Ringleb, Forbach, Schupp, Römer und Hofmann anwesend. Es liegt diesmal nur die Vergebung der Holzhauerarbeiten zur Beratung vor. Von der Oberförsterei Gießen waren entgegen den früheren Bestimmungen Aenderungen betreffs der Auf- forstungsweise gewisser Holzsortimente gemacht wordem Infolgedessen sahen sich die Holzhauer veranlaßt, ihre Forderung durch den dadurch hervorgerufenen Ausfall etwas höher zu stellen. Der Vorsitzende erklärt die ein­zelnen Teile an Hand der vorliegenden Korrespondenz, worin die Oberförsterei die Forderung der Holzhauer im Vergleich zu anderen Holzhauercien als sehr hoch hinstellt und dem Gemeinderat empfiehlt, den Akkord nicht zu ge­nehmigen. Gemeinderat Forbach wies als Fachmann den Vorwurf der Obersörsterei zurück und stellte die Forderung der Holzhauer als berechtigt hin. Von dem Vorsitzenden wird den Holzhauern ein Vermittlungsvorschlaa gemacht, der von ihnen auch angenommen wird. Nachdem noch verschiedene Gemcinderatsmitglieder sich in diesem Sinne äußern, wird der Akkord demgemäß genehmigt.

Kreis Friedberg.

-l-Butzbach, 6. Okt. Aus der G erneindera t s si tzüng vorn 4. Dftober. Anwesend: Bürgermeister Flach, die Beigeord­neten Habermann und Heil, die Gemeinderatsmitglieber Tröster, Wchel, Grauer, Heyd, Oppenheimer, Heil, Müller. Zur 23 er» Handlung kamen u. a.: Baugcsuch der Gebrüder Vogt, um Er­laubnis zur Erbauung eines Wohnhauses auf dem Grundstück Flur VIII und 619Vio für Obergärtner Lüthke. Ter Gemeinderat! erteilt, da der Bau außerhalb des Ortsbauplans 3 Meter hinter die Baufluchtlinie zu stehen kommt, nach § 16 des Ortsbaustatuts seine Genehmigung unter Befürwortung des Dispenses von § 6 des O.-B.-St. Fußwegunterführung am Staats­bahn h o f.Bürgermeister Flach verlieft die Zuschrift der Eisen- bal)nbireftton Frankfurt a. M. vorn 22. September 1911, Bei­geordneter Hadermann den' Vertragsentwurf, Gemeinderat Grauer namens der Baukommission deren Beschluß vom 28. September 1911. Es wird beschlossen: Ter Vertragsentwurf wird genehmigt und unterzeichnet unter der Bedingung, daß vor der Bauaus­führung dem Gemeinderat der Plan über die Unterführungsanlage zur Begutachtung und Genehmigung vorgelegt wird. Vorlage der Offerten, betreffend Vergebung der Weißbinber-Ar- beiten ber Hospitalkirche. Der Voranschlag war auf 600 Mark festgesetzt. Offerten gingen ein von: L. $reb, Georg Dahm er, Georg Weber und I. G. Langgöns. Die Baukommission schlagt vor, die Ausführung der Verputzarbeiten dem Wenigft- fordernden, Georg Weber dahier, (15 Prozent unter Voranschlag) zu übertragen. Der Gemcinderat stimmt dem Vorschläge zu. Gesuch der landwirtsch. Hauptgeiwssenschaft Friedberg wegen Ueberlassung von Gelände. Tie Mehrheit des Ge­meinderats war für Vertagung dieses Gegenstandes und wurde deshalb dieser Gegenstand von der Tagesordnung abgesetzt. In den Voranschlag für 1912 sollen die Mittel für Er­neuerung eines Teiles des Rathausdaches, für den WeiterausbaN der Weidigstraße 'ünt> der Nebenstraße nach der Dreherschen Fabrik M vorgesehen werben. Für Verbesserung ber Feldwege sollen! auf Antrag des Beigeordneten Heil 1000 Mark in den Vor­anschlag eingestellt werden. Gemeinderat Müller ist für Ein­stellung dieses Betrages in den Voranschlag, hält jedoch cUe Verbesserung der Wege, die in die Feldbereinigung fallen, nicht für notwendig. Diese sollen nur, wo tatsächlich ein Bedürfnis augenblicklich vorliegt, ausgebessert werden. Gemeinberat Heil beantragt Mittel für eine bessere Fortführung ber Flurkarten im Voranschlag vvrzusehen. Dieser Antrag wirb genehmigt. Oppenheimer beantragt für Lehrmittel 500 Mark im Vor­anschlag vorzusehen, damit den Kindern, deren Eltern mit einem Gesamteinkommen in Klasse 3 2. Abteilung (900 Marf) und 1 Kind in die Schule gehen haben und solche, die mit einem Einkommen in Klasse 5, 2. Abteilung (1300 Mark) und 2 und mehr Kinder in die Schule gehen haben, die Lehrbücher frei überlassen! werden können. Gemeinderat Heyd sttmmt dem Vorschläge Oppen­heimer zu. Müller ist dagegen, wenn die Kosten die Stadt unb nicht die Fonds bestreiten sollen. Tröster erwidert hierauf, baß das doch einerlei sei, weil bekannt sei, baß bie Mittel der Fonds zur Bestreitung der Kosten nicht mehr ausreichten imd bie Stadt diesen doch Zuschuß zu leisten habe. Bei der Abstimmung waren 5 dagegen und 5 dafür. Der Antrag ist somit abgelehnt. Oppen­heimer beantragt anstatt wie seither 250 Mark für Milch für Schulkinder 350 Mark und für die Kochschule 50 Mark im Vor­anschlag vorzusehen. Der Antrag wird einstimmig genehmigt. Oppenheimer beantragte, auf die nächste Tagesordnung den Bericht der Baukommission über den Antrag, betreffend Zusätze zum Orts­baustatut, zu setzen. Tröster beabsichtigt neben seinem neuerbauten Wohnhause der projektierten neuen Straße an der Taunusstraße mit Zementplatten ein 2 Meter breites Trottoir Herzuftelien, wenn die Stadt die Randsteine setzen läßt. Der Aittrag wird genehmigt.

L. Ockstadt, 5. Okt. Die Ernte ist besser aus­gefallen, als man anfangs befürchtete. Die Kirfchenernte hat der Einwohnerschaft etwa 20 000 Mk. eingebracht. An Kelteräpfeln wurden für 12 000 Mk. verkauft, der Zentner durchschnittlich für 78 Mk. Die Tafeläpfel kamen auf 11 Mk. der Zentner; davon wurden für 3000 Mk. verkauft. DaS Getreide ist recht gut ausgefallen, und auch mit den Kartoffeln ist man zufrieden. Der Zentner auserlesene Kar­toffeln kommt auf 44,50 Mk. zu stehen. Aus den Gemüse­bau verwendet man hier große Sorgfalt. Dagegen war die Grummeternte gering.

Starkenburg und Rheinhessen.

*= Darmstadt, 4. Okt. An der Deutschen land­wirtschaftlichen Genossenschaftsschule des Reichsverbandes der deutschen landwirtschaftlichen Ge­nossenschaften zu Darmstadt wurde am 3. Oktober der siebente halbjährige Lehrgang eröffnet. Die Deutsche landwirtschaftliche Genossenschastsschnle, die einzige Fach­schule ihrer Art, hat sich die praktische Ausbildung von Genossenschaftsbeamten zum Ziele gesetzt. Der diesjährige Lehrgang ist von 32 Teilnehmern besucht. Die Teilnehmer,, die vorher zumeist genossenschaftlich-praktisch tätig waren, kommen aus allen Teilen Deutschlands; auch das .Ausland ist wieder vertreten.

Osthofen, 5. Okt. Gestern nachmittag gegen 4 Uhr ertönte plötzlich Feueralarm in allen Straßen. Im An­wesen des Herrn Dr. Rolly war Feuer ausgebrochen. Rasch ivacen die Feuerwehren zur Stelle, so daß es gelang, die weitere Ausdehnung des Feuers zu verhindern. Scheuer und Stallungen des Herrn Dr. Rolly sind jedoch ein Raub der Flammen geworden. Man suchte während des Brandes überall nach der Frau des Herrn Dr. Rolly. Nach ge­raumer Zeit fand sie sich auf dem Heustall als Leiche vor. Es wird erzählt, daß Frau Dr. Rolly erstickt und sich am Körper Brandwunden vorgefunden hätten. Man nimmt an,