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Die heutige Nummer umfafzt 10 Seiten.
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Wo ist die türkische Flotte?
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zwei Bataillonen. Die Divisionen an der Grenze gegenüber Domenikon wurden gleichfalls weiter verstärkt.
Der neue türkische Minister de8 Auswärtigen.
Marsches gegen Griechenland geht lediglich vom jungtückischcn Komitee aus, das durch Entselsclung dieses Krieges, die gegen das Komitee gerichtete Volks st immung für sich zu gewinnen sucht. Man hegt Besorgnisse, daß eine Verschlimmerung der Lage das mazedonisch-bulgarische Komitee zum sofortigen Handeln veranlassen könnte.
Tie „Voss. Ztg." meldet aus Athen: Infolge der fortgesetzten Zusammenstellung türkischer Truppen in Makedonien beschloß der g r i e ch i s ch e M i n i st c r r a t, auch die t h e s s a l i s ch c Grenze'entsprechend zu verstärken. Ein Erlaß hierüber wird voraussichtlich morgen erscheinen.
Tas „Berliner Tageblatt" meldet aus Saloniki: Laut verläßlicher Meldung verstärkten die Griechen ihre Positionen von Arta durch eine weitere Schnellscuerbatterie und Heranziehung
genug.
Als Liszts Vater auf dem Totenbette lag, warnte er den damals 16 jährigen rinaben vor den Frauen, die, wie er fürchtete, sein Leben verwirren und beherrschen würden. Die Warnung überraschte den Jüngling, denn, wie er selbst später bekannt hat, er hatte mir 16 Jahren noch teine Ahnung, was ein Weib sei. Aber das propherische Urteil des Vaters erwies sich doch als richtig: bald kam der heramvachsende Jüngling mit seinen aristokratischen Muren bei dem weiblichen Geschlechte in Biode, er wurde ein fast überall siegreicher Frauenheld, und er fonntc auch seinerseits den Lockungen des schönen Geschlechts nicht widerstehen. Es ist zweifellos für Liszt ein Unglück gewesen, daß seiner ersten und reinsten Liebe, der zur Komtesse K a r o l i n c St. Erig , der Tochter des damaligen französtschen Ministers des Innern i>rr stolze Vater den Lebensfaüen abschnin. Er hat Karolinen tinntcc als Ideal in seinem Herzen getragen: er hat, als er nach 16. Jahren sie als Ehefrau wiedertraf, in der Erinnerung an diese Stunde das Lied ,Lch möchte hingeyn" komponiert, und er hat die Geliebte seiner Jugend noch in seinem Testamente von 1.860 bedacht. Als er aus der Hohe seiner Virtuosenlaufbahn Ittand, da gab es bei den Frauen geradezu, wie man sich damals 'tzottweise ausdrückte, eine „L i s z t o m a n i e", die ihren Höhepunkt vielleicht im Jahre 1842 in Berlin erreichte. 2— ori> berichtet: „ . . . Eine Dame ist vor ihm niedergekniet und h it ihn im Konzertsaai publice umarmt — eine Hal den Ueber- i'est aus seiner Tectasse tn ihr Flakon gegossen — hundert haben
Seegefechte?
Mailand, 5. Okt. Nach einem Telegramm aus Augusta itrurbe nach Verfolgung im Aegäischen Meer ein türkisches Torpedoboot von einem italienischen Torpcdojäger südlich von Sizilien zum Sinken gebracht.
Konstantinopel, 5. £ft. Die Zeitung „Jkdam" will sicher erfahren haben, daß der italienische Kreuzer „Cavour" durch ein Torpedo in die Luft gesprengt wurde.
London, 5. Okt. Die „Daily Chroniele" hat heute ein Telegramm aus Konstantinopel erhalten, demzufolge die türkische Flotte, die die Dardanellen verlassen Hat, im Norden des Aegäiscken Meeres an der Küste der Insel Mitilene mit der italienischen Flotte in ein Seegefecht verwickelt sein soll. Ein weiteres Telegramm besagt, daß in der noch andauernden Seeschlacht ein türkisches Schiff von den Italienern in den Grund gebohrt
Ter italienische Ministerpräfident.
Rom, 5. £It Ministerpräsident Gi olitti ist in Begleitung des Finanz- und Arbeitsministers heute abend nach Turin abgereist, wo er am Samstag auf einem Bankett, das die liberale Vereinigung ihm zu Ehren veranstaltet, eine Rede halten wird. Am Bahnhof wurden den Ministern bei der Abfahrt lebhafte Kundgebungen bereitet.
Liszt und die Stauen.
.Der nahe bevorstehende 10 0. Geburtstag Franz Liszts, regt das nie erlöschte Jmeresse für LisztS Leden von neuem an —dies im 19. Jahrhundert fast ohne Gleichen dastehende dtünftletleben, das einem einzigen großen Menteuer- tomaiic zu gleichen scheint. Bekanntlich haben die Frauen in diesem Romane eine Hauptrolle gespielt und „Aranz Liszt und die Frauen" ist zu einem schier unerichöpflick)en Thema geworden, das von den üppigsten Ranken der Phantasie umwuchert worden ist. Dr. Julius Kapp, der bekannte Liszt-Biograph, läßt über diesen Gegenstand bei Friedrich Rothbarth in Leipzig eine uns in den Aushängebogen vorliegende Monographie erscheinen, in der man von all diesem Klatsche nichts, dafür aber über Liszts Beziehungen zu den Frauen die historische Wahrheit findet. Und diese Wahrheit ist wahrlich schon aberteuerlich und merkwürdig
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f , — Kurze Nachrichten aus Kunst itnb' Wisseu- 10)^1.^ xic, Volksvorstellungen engagements- oj er Schau, Piel er, die von der Genossenschaft Teutscher Buhilenangehortger m bie Wege geleitet worden finb, werden am kommenden Montag in Berlin beginnen. Verfügbar sind mehrere 100 Kräfte, aus denen acht Truppen gebildet werden
Französische Meinungen.
Paris, 5. Okt. Ter „Matin" schreibt:
In gewissen Kreisen bestreitet man, daß Italien die Bedingungen, unter denen es zum Beginn von Verhandlungen bereit wäre, bekannt gegeben habe. Wir glauben versichern zu können, daß alle Regierungen heute diese Bedingungen in den allgemeinen Umrissen kennen. Italien will Tripolis und verlangt, daß die Türkei der militärischen Okkupation zustimme. Dagegen ist Italien bereit, eine Entschädigung zu zahlen und den moralischen Forderungen der Türkei aus anderen Gebieten Genugtuung zu geben. Es ist jedoch wahrscheinlich, daß zur gegenwärtigen Stunde keine Macht von Italien einen offiziellen Auftrag bekommen hat, die Türkei zu sondieren.
Tas Blatt regt bann an, ob nicht Frankreichs Vertreter in Konstantinopel Vermittlungsversuche unternehmen könnte. Die Republik würde keineswegs ihrer Rolle untreu werden, indem sie der Türkei ihre guten Dienste anböte.
In demselben Sinne äußert sich der ,,Petit Parisi en": bie Rolle Europas bestände darin, eine Annäherung zwischen den beiden in Konflikt befindlichen Regierungen zu suchen und von der Pforte die notwendigen Opfer zu verlangen, indem man ihr gleichzeitig die gerechte Entschädigung erwirkt. „Es ist schon zu viel, daß ein bewaffneter Angriff ohne vorherige Aussprache sich zutragen kann. Ein solcher Krieg könnte sich nicht verlängern ohne schweren moralischen Schaden für die ganze Menschheit."
Handschuhe mit seinem Bild getragen — viele haben den Verstand verloren." Daß er Damen der Gesellschaft abends, wenn er nach Hause kam, in seinem Schlafzimmer vorfand, gehörte keineswegs zu den Seltenheiten, und Kapp berichtet, daß manche weibliche Personen sogar Wert darauf legten, daß es öffentlich recht betannt wurde, daß sie Liszts Geliebte gewesen seien. Sehr häufig folgten ihm Damen als Herren verkleidet, auf seinen Konzett- rciien, und noch in den 60 er Jahren bediente sich eine der berühmtesten damaligen Opernsängerinnen derselben List, um ihren eifersüchtigen Gemahl zu täuschen und unauffällig Zutritt hei Liszt zu erhalten.
Liszt stand auf der Höhe seines Lebens, als er die Gräfin b' A g o u l t kennen lernte. Er hatte der LiebesabeMeuer schon viele und romantische hinter sich; so halte ihn die bildschöne Komtesse Abele Laprunaröde im Winter 1832 einfach in ihr herrliches Alpenschloß ent rührt. Vor der d'Agoult hatte ihn Berlioz gewarnt und er versuchte sich auch, vor ihr in Acht zu nehmen, allein die ungewöhnlich schöne, aber auch gefallsüchtige Gräfin, die Tochter des Vicomte de Flaoigny und einer Frankfurter Bethmann, bot nun alle ihre Künste auf, den spröden Künstler zu fesseln. Und es gelang ihr. Eine heiße, aber im Grunde unglückliche Leidenschart, fesselte bie beiben aneinander. Zwei Herrschernaturen stießen hier hart zusammen, und nach vielen Wandlungen wurde die Trennung Liszts von der Frau, die ihm seine Kinder geschentt hatte, aber im Grunde ihres Herzens immer falt geblieben war, unvermeidlich. Als Liszt ein Menschenalter später die Nachricht von ihrem Tobe empfing, bekannte er: „Tas Gedächtnis, welches ich der Gräfin d'Agoult bewahre, ist ein Geheimnis des Schmerzes, das ich Gott anvertraue." Vielleicht den berühmtesten Frauenroman seines Lebens bilden seine Beziehungen zur Fürstin Karol ine Sapn-Wittgenstein. Tiese Frau zog Liszt nicht sowohl durch ihre körperlichen Reize, als durch ihre seelische Energie und ihren Geist an, während sie sich vor allem dazu berufen fühlte, Liszts Wirksamkeit als selbständigen Tonsetzer zur Entfaltung zu bringen. Ter Roman wurde eine Tragödie. Als nach unendlicher Diühe die Fürstin ihre Scheidung durchgefetzt hatte, sah sie sich am Tage vor der Eheschließung mit Liszt an der Verwirklichung dieses jahrelang angestrebten Zieles behindert. Sie, wie Liszt, hatten in Weimar wegen ihres Verhältnisses alle Kränkungen gesellschaftlicher Aechtung erleiden müssen. Tie Fürstin endete in einem trüben und ungesunden Mystizismus, und der Verkehr mit
Der italienisch-türkische Krieg.
lieber den Befestigungen von Tripolis weht bie italienische Flagge. Die spärlichen amtlichen Berichte aus Rom lassen vielleicht darauf schließen, baß man sich selbst diese Ruhmestat nicht allzu hoch anrechnet. Ter größte Teil her türkischen Besatzung hat sich vermutlich rechtzeitig ins Innere des Landes zurückgezogen. Da noch immer von keiner Macht Anstalten getroffen werben, der Türkei beizuspringen, ist es nicht ausgeschlossen, daß es mit ben yeute gemelbeten Truppenansammiungen in Mazedonien ernst werden kann. Die Jungtürken, die bis jetzt noch die Macht in ihren Händen haben, werden einen Rückhalt an der Volksstimmung suchen müssen und darum vielleicht zu verzweifelten Schritten kommen, um das verlorene Ansehen des Reiches wieberzugewinnen. So sollte nach einer Meldung aus Konstantinopel auch das Dekret über die Ausweisung der Italiener aus ber Türkei am Donnerstag abend bevorstehen. Eine bestimmte Meldung darüber ist bis heute nicljt eingetroffen. Auch über bie Ereignisse zur See schwirren nur fragwürdige Gerüchte burch bie Lust. Es soll zu kleinen Seegefechten gekommen sein. Als feststehend kann aber wohl erachtet werben, baß eine Division der italienischen Flotte sich im aegäischen Meer aufhält. Griechenland wird bavon nicht sehr eroaut sein, beim auch die Ereignisse zur See an seiner Küste können zu Verwicklungen führen, und verschiedene Pulverfässer zur Explosion bringen. Wir erhalten heute folgende Meldungen:
Die Landung der Italiener in Tripolis.
Rom, 6. Okt. Nach Meldungen aus Malta wirb Tripolis nicht mehr verteidigt. Unter den Türken Herrscht große Panik. Der größte Teil ber türkischen Truppen würbe gefangen genommen, ber R e st ist in die Oasen geflüchtet. Der stellvertretenbe Gouverneur hißte die weiße Flagge unb bat selbst um bie Landung italienischer Truppen. Die in ben Moscheen versammelten Araber entschlossen sich, jeben Wiberftanb aufzugeben. Tie Italiener besetzten das Fort oberhalb der christlichen Kirche und das Hasenfort.
Rom, 6. Olt. „Giornale d'Jtalia" erfährt aus bester Quelle, daß von drei vor Tripolis liegenben italienischen Kreuzern viele Matrosen in Tripolis gelandet worden seien und sich an den Konsulaten und der christlichen Kirche verteilten, wo Pater Rvsetti mit zwei Franziskanern, zwei Nonnen und drei Kranken zurückgeblieben ist. Die Matrosen sanden in ber Stabt, die verlassen scheint, keinen W i d e r ft a n d. Sie besetzten unter Führung mehrerer Offiziere das Fort^ wo sie einige Leichen fanden.
Tripolis, 5. Olt. (3 Uhr 10 Min. nachm. Ageneia Stesani.) Um bie Mittagsstunde würbe aus dem Fort Sultania bie italienische Flagge gehißt und vom Geschwader mit Kanonendonner begrüßt. Das Fort wurde von ben Landuiigskompagnien besetzt, die unter dem Schutz der Schiffe dort bleiben. Die Schiffe liegen zum Teil im Hasen, zum Teil in kurzer Entfernung von den zerstörten Festungswerken vor Anter.
K o n st a n t i n o p e l, 6. Okt. Gestern abend waren hier Gerüchte über den Untergang des italienischen Panzers „Cavour" vor Tripolis verbreitet. Das Schiff soll bereits am Dienstag vormittag, als die Beschießung begann, bei nebligem Wetter durch eine von den Türken zur Entzündung gebrachte Unterseemine in bie Luft gesprengt worben und mit Mannschaft unb Lanbungstruppen untergegangen sein.
Die „Deutsche Tageszeitung" meldet atts Rom: Es wirb offiziell bestätigt, daß die türkische Flotte nicht in den Dardanellen war. Man rechnet mit ihrer Absicht, bevorstehende italienische Truppentransporte zu überfallen, weshalb das Geschwader des Admirals Aubry und bie Tropeboflottille bes Herzogs der Abruzzen auf ber Hut ist.
Tie italienische Flotte im aegäischen Meere.
So n bo n, 6. £t’t. Der Konstantinopeler Korresponbent bes „Daily Mail" telegraphiert: Eine Division ber italienischen Flotte kreuzt im Aegäischeu Meer zwischen ftleinaficn unb ben griechisch-türkischen Halbinseln. Die Einwohner der türkijchen Inseln sind schutzlos unb man fürchtet einen Angriff auf Mitilene unb Chios. Im Golf von Soros soll schwerer Kanonendonner vernommen worden sein unb auf Mitilene sah man italienische Scheinwerfer.
Ein italienisches Geschwader kreuzt, nach einer Meldung aus Athen, im Aegischen Meer. Der Hafenkommandant von Korfu teilte telegraphisch ber Regierung mit, baß ein italienisches Kriegsschiff gestern in ben Hafen von Korfu ein gelaufen sei, offenbar nach verfolgten türkischen Kriegsschiffen suchte unb darauf verschwand. Das Erscheinen italienischer Schiffe in ben griechischen .Gewässern wirb, in Athen als lästig empfunden.
Türkische Truppensammlungeu in Mazedonien.
Ter Berliner „Lokalanzeiger" meldet aus Konstantinopel: Die Pforte lenkt die Aufmerksamkeit der Großmächte auf bie militärischen Vorbereitungen Griechenlands, Bulgariens unb Montenegros. In Psortekreisen glaubt man zu wissen, daß auch Oesters reich gegen Novibazar hin Truppen vorschiebe.
Konstantinopel, 6. Okt. Mit großer Heimlichkeit sind Truppenbewegungen eingeleitet worben. Es sollen allmählich 250000 Mann an den Grenzen M az e d o n i e n s versammelt werben. Im ganzen gebenkt die Türkei 600000 Mann auf den Kriegsfuß zu bringen.
Auch der „Berliner Lokalanzciger" meldet aus Saloniki ben baldigen Vormarsch ber türkischen Truppen an bie thessalische Grenze hin. Ferner geht dem Blatte folgendes Telegramm aus Saloniki zu: Der Plan des Vor-
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Konstantinopel, 5. Okt. Der türkische Botschafter in Wien Reschid - Pascha hat sich bereit erklärt, bas Ministerium des Aeußern zu übernehmen unb wirb sofort Wien verlassen.
Die türkische Erregung.
Saloniki, 5. Okt. Tie Regierung hat bem heftigen Drängen ber hiesigen Kreise, scharfe Maßnahmen gegen bie Italiener zu ergreifen, bisher nicht nachgegeben. Auf dem hiesigen Markt ist -einige Beruhigung eingetreten. Das Komitee setzt inzwischen seine Bemühungen zur Gewinnung von Freiwilligen unb ihre Vorbereitung für ben Wasfen- bienft fort
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Dar Uiaroffoabtommen.
Paris 5. Okt Tas Ministerium bes Aeußern beobachtet bie größte Zurückhaltung über das Ergebnis ber letzten Unterredung zwischen Cambon unb D. Kiberlen-Wächter und über den Stand der Verhandlungen zwischen Frankreich und Deutschland. Ebenso erfolgte keine Mitteilung über den Ausgang des Ministerrats, der sich heute vormittag mit den auswärtigen Angelegenheiten beschäftigte. Die Verschiebung des nächsten ursprünglich auf morgen angesetzten Ministerrats auf Samstag, erweckt bie Vermutung, daß eine neue Unterredung zwischen Cambon unb v. Kiderlen-Wächter für notroenbig gehalten wirb, um eine Uebereinftimmung über der krankhaften Frau war schließlich für Liszt nur eine Qual. In den späteren Jahren seines Lebens war die Frau, die im Mittelpunkte seines Lebens stand, dieBaroninOlgaMeyen- dorff, geborene Prinzessin Gortschakoff, eine Schülerin des Meisters, gegen deren Werben ec sich lange gewehrt, die ihn aber doch gefesselt hat und die schließlich eine geradezu unheimliche Macht über ihn ausübte. Weder das Alter noch das geistliche Kleid schützten den vergötterten Lkünstler vor den Werbungen ber Frauen. Er war bereits ein Greis, als eine Frau, die selbst Mutter eines erwachsenen Sohnes war, in einem dringenden Briefe ihn bat, sie als Reisegefährtin auf seiner Fahrt nach London mitzunehmen, als Tienerm, Vorleserin, Gesellschafterin, Kammerzofe — als was er wollte, wenn sie nur bei ihm sein! durfte. Und doch konnte es vorkommen, daß dieser von den Frauen verhätschelte Künstler eines Abends, als eine Gesellschaft, zu der er eingeladen war, in letzter Stunde abgesagt werden mußte, sich mutterseelenallein fühlte und ihm vor seinem einsamen Zimmer graute. In solcher Stunde sagte er zum Grafen G6za Zichy: ,La, ja, wir haben Feste, hell erleuchtete Salons, doch nie ein Heim. Die Töne verklingen, die &erjen verlöschen und der Rest ist Schweigen,"
In Pest hatte er eine Schülerin und Freundin, bie anders als die anderen in ihn verliebten Frauen es sich schlecht und recht zur Ausgabe machte, ihm ein behagliches Heim zu schaffen, für ihn zu foeben, ihn zu pflegen und für seine Garderobe zu sorgen Niemand hat sich vielleicht besser um den großen Frauenliebling verdient gemacht, als Lina Schmalhausen, und für sie war Liszt in seinen letzten Lebensjahren auch von herzlicher Dankbarkeit erfüllt. Merkivürdiger Lebensweg dieses großen Frauenhelden, der durch so viele Romane und ÄbeMeuer schließlich zum Mllen Winkelchen und zur zärtlichen Pflege einer lieben Frauenhand führte, KF
Nr. 235 Erstes Blatt M. Jahrgang Freitag, 6. Oktober Ml
Der Gießener Anzeiger jfX *VT O Bezugspreis:
erscheint täglich, auyer V pxf t ,3 v monailich7üPs^viertel-
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