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4.10.1911 Erstes Blatt
 
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Kreis

Büdingen.

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Am DonnerStnq, 5. Oktober, öffentliche Gemeinde rats-

^^/idigung durch die Prcssc.

Der Rcichstagsabgcordnete Dr. Ferd. Werner in Butzbach tzatte gegen den verantwortlichen Redaktenr Max Schröder vom Berlmer Tageblatt Privatklage erhoben, weil dieser ihn bei der letzten Reickstagswahl in einem ungemein scharfen Zeitungs­artikel belcibtgt habe. Schröder war deswegen vom Schöffen­gericht in Butzbach zu 200 Mk. Geldstrafe verurteilt worden. !>n der heutigen Bernfungsverhandlung war der Angeklagte per- son ich erschienen und erklärte sich bereit, für den Fall einer

H. Büdingen, 4. Oft. Gestern abend fand eine" Ge­meinderatssitzung statt. Anwesend war Bürgermeister Fendt, Beigeordneter Dotter, sämtliche Mitglieder des Gcmeinde- rats mit Ausnahme des Oekonomierat Andrä, als Vertreter des Fürsten Kanimerdirektor Müller; als Vertre'er des Kreisamts Regierungs-Assessor Schäfer; als Sachverständiger zum Beschluß verschiedener Bauarbciteu Kreisstraßenmcister Straub. Wegen der Rechtsverhältnisse bei der Stadtmauer hatte das Kreisamt die Anfertigung von Meßbriefen empfohlen, da auf den Mauern und Dämmen Private Baut'n errichtet Huben und die Eigentumsverhältnisse nicht ganz geklärt sind. Inzwischen hat jedoch bei Anlegung des neuen Grundbuchs die Eintragung samt-

Sport

** Ter Rad-KlubG e r m a n i a" Gießen hatte ge­legentlich des Wettbewerb^ im Straßenfahren beim 28. Bnndes- feste des D. R. B. zu Frankstitt a. M. einen hervorragenoen Erfolg zu verzeichnen, indem seine Rennmannschaft (Herren Reich, Käb, Hartmann; Ester, Linker, Sebrt) in Gruppe 5 (100 bis 190 Kilometer) trotz vieler Risendeseke unter schärfster Konkurrenz den ersten Preis, bestehend in einem silbernen Pokal. nebst Bundesehrenurkunde und sechs silbeiucn Bundesmedaillen errang. Im geschlagenen Felde befanden sich 16 Vereine, darunter die besten Rennmannsckaften von Frankfurt, Heidelberg usw. Auch er-iKte der Klub bei diesem Nennen von allen Gri'vpen die höchste Kilomeierzahl in der erreichten Mehrleistung für die Stunde.

nach dem Süden noch Waren im Werte von 12 Millionen Frauken gingen, bezifferten sie sich im , Jahre 1906 nur noch auf knapp l1/? Mill. Franken. Aehnliches gilt für die Ein­fuhr vom Süden mittels Karawanen. Für die letzte kommen wesentlich nur noch Häute in Bettacht, in geringem Maße Elfen­bein und Sttaußenfcdern. Für das.Jahr 1909 wird von einem der besten Kenner des Landes die Bedeutung des Karawancn- vandcls für Tripolis auf weniger als 500 000 Franken geschäht. Trotzdem geschieht von türkischer Seite nichts, um die alte Kara­wanenstraße von Fessan nach Tripolis neu zu beleben. Ebenso geschieht nichts, nm die äußerst günstigen klimatischen Verhält­nisse von Tripolis ausnutzbar zu machen. Die Lage der Stadt Tripolis, die Konttaste zwischen Meer, Oase und Wüste in ihrer gleichbleibenden Ruhe und Harmonie dürsten wichtige Faktoren für die Behandlung vieler Formen körperlicher und geistiger Uebcr- ansttengung bilden. Der trotzdem bestehende auffallende Mangel jeglicher einigermaßen modernen Ansprüchen entsprechenden Hotels zu erklären. *

Zum Verfolg des italienisch-türkischen Krieges bietet die so­eben im Verlag der Gothaer Geographischen Anstalt von Justus Perthes erschienene große farbenprächtige Karte von Tri- volis und dem östlichen Mittelmeer willkommene Ge­legenheit (Preis 1 Mar^kl. Der Verfasser ist Prof. Paul Lang­hans, dessen frühere Kriegskarten bekannt sind. Tie Haupt­karte zeigt das gesamte Operationsgebiet des östlichen Mittel­mcers mit Angabe aller strategisch wichtigen Punkte und der wittschaftlichen Interessen der Italiener auf türkischem Boden, deren Bovkottierung die Vernichtung des italienischen Levante­handels einleiten würde. Eine Nebenkarte enthält eine genauere Darstellung des Vilajets Tripolis und der Kprenaika, eine andere die Befestigungen und die Oase der Stadt Tripolis. Eine An­sicht von Tripolis vom Meere aus vervollständigt das Kartenbild.

= Lollar, 4. Okt. abends 8 Uhr, findet s i tz u n g statt.

die Raupen beträchtlichen Schaden daran angerichtet.

-r- Ober-Gleen, 3. Okt. Der 58jährige Landwirt Jacobi war während des Dreschens mit Getreideherab- werfen beschäftigt, als er von dem Gerüst in die Tenne stürzte und sich hierbei tödlich verletzte. Der Bedauerns­werte hatte einen Schädclbruch und andere schwere Ver­letzungen, wie Bruch der Z nmarkssäule erlitten, die den Tod auf der Stelle zur Folge hatten.

d. Alsfeld, 3. Okt. Unsere neue Volksschule ist nunmehr im Rohbau fertiggestellt.

O. K. Romrod, 3. Olt. Nach der H eintat einbe­rufen wurden etwa 30 hier mit Herstellung von Eisen­bahnschwellen beschäftigte italienische Arbeiter. Sie traten sofort die Heimreise an.

Kreis Lauterbach.

~ Dirlamm en, 3. Okt. Die unter Leitung der Kulturinspektion Gießen in unserer Gemarkung vorgenom­menen SchürfungsarbeiteU nach Quellwasser für die hiesige Wasserleitung haben ein ganz vorzügliches Ergebnis gehabt. Trotz der in diesem Jahre anhaltenden Dürre wurden an den geschürften Quellen täglich 76 Kubikmeter Wasser gemessen. Ta für die hiesige Gemeinde nur ein täglicher Wasserverbrauch von etwa 46 Kubikmeter in Be­tracht kommt, so dürfte die Wasserfrage auf lange Jahre gesichert sein. >

Starkenburg und Rheinhessen.

rm. Darmstadt,3. Okt. Der Streik der Trans­portarbeiter ist beendet worden, da die Arbeit­nehmer die Arbeit zu den alten Bedingungen wieder aus­genommen haben. Ter S;r;i ist nacb Mitteilung der Streik­leitung nicht aufgehob-'n, sondern nur an fges ch ob en.

d. Budenheim, 3. Okt. Heute nachmittag brach im Ma-» scymenhaüs der am Rhein gelegenen Oelfabrik der Firma Roder Großfeuer aus. Tie Transmissionswellen rissen wmtlicke Mauern ein. Tas Lager, das Tausende von Dovpel- zcntnern Oelbohncn enthielt, verbrannte vollständig und bildete! innerhalb der Mauern eine glühende Masse. Tie Fabrik lieferte täglich 1520 Wagen fertiges Oel und man kann sich denken, welche Nahrung das Feuer sand. Die Feuerwehren von Buden­heim, Mombach, Biebrich und Mainz waren bald an der Brand­stelle. Von der Fabrik blieben nur die Umfassungsmauern stehen, die bedeutende Risse zeigen, so daß ihr Einsturz zu befürchten llt. -ter Schaden beträgt mehrere Hunderttausende von Mark, er ut durch Versicherung gedeckt. Tie Bureaus und einige kleine Schuppen wurden vour Brande verschont. Tie Feuerwehr konnte den Brand nur auf seinen Herd beschranken.

Kreis Wetzlar.

£ Mu der sb a ch, 3. Okt. Tie unnötige Angst vor einer jchlechten Ä artotielernte hat auch in unserer Gegend dazu gembrt, daß sich die Leute von der Schweinezucht zurückziehen, .ue ferkel sind infolgedessen sozusagen unverkäuflich oder müssen zu einem äußerst geringen Preis losgeschlagen ivcrden. Bisher wurden m unserm kleinen Dörfchen noch über 20 Zuchtsauen gehalten, die wohl größtenteils jetzt für die Hausschlachtung im Wmter bestimmt sind.

Hessen-Nassau.

)( Frankenberg, 3. Okt. Vergangene Nacht brannte die sog. Schief er müh le bei Röddenau (Be­scher Wickenhöfer) ni"der. Das Feuer wird auf Selbst- entzünd"ng zurnckgefflh'-t.

3. Nord eck, 3. Okt. Unserem Bürgermeister überreichte beim Ausscheiden aus seinem Amte die Ge- rneindevertretnng für die großen Verdienste, die er während seiner 48 jährigen Tätigkeit Norbeck hat angedeihen lassen, eine prachtvolle Ehrenurkunde. Vom König von Preußen erhielt er den Kronenorden.

w. Frankfurt a. M., 4. Okt. Der rs enm aller F u r ch h e i m e r ist verschwunden. Seine zurückge­lassenen Verbindlichkeiten in Höhe von etwa 300 000 Mk. entfallen zum größten Teil auf Berlin und London.

Gießener Strafkammer.

)( Gießen, 3. Oktober.

Ins Arbeitshaus.

Ter Taglöhn?'' <1?. I. vcrn L"s'nb*im ist vielfach "nrl-etf-riff und scheint eine weitgehende Abneigung gegen geregelte Tätia- keit zu besitzen. Erst im April l. I. ist er aus dem Arbeits­haus entlassen worden, in welchem er eine korrektionelle Nach­hastchon achtzehn Monaten verbüßt hatte. Seitdem hat er sich arbeitslos umhergetrieben und ist am 13. Juli l. I. vom hie- igen Schöffengerichte, wegen Bettelns und Landstreicherei erneuI zu vier Wochen Hast verurteilt worden. Gleichzeitig ist auf Nebcrweisung au die Landespolizcibehörde erkannt worden. Das Berufungsgericht schenkte seiner Angabe, er habe als landwirt- 'chaftlicher Arbeiter in dieser ganzen Zeit keine Arbeit finden können, ebenfalls keinen Glauben und verwarf die Berufung. Es geht also wieder ins Arbeitshaus.

Gewerbsmäßiger Güter Han del.

In Hessen sind Personen, die den Handel mit ländlichen Grundstücken gewerbsmäßig betteiben, verpflichtet, von je^em An­kauf und Verkauf das zuständige Krcisamt vorher in Kenntnis zu jcfecn. So wollte der Güterhändler H. H. von Lauterbach ner|<f)iehcne Grundstück" s<»r GemaA nm v rkaufen

Er beauftragte, den Gehilfen des mit der Beurkundung betrauten Notars in Alsfeld, dem Kceisamt Anzeige zu machen und schrieb einen Namen aus einen blanken Bogen Papier. Ter Gehilfe ullte diesen Bogen aus. Später wollte er verschiedene Grund­stücke der Gemarkung Ermenrod verkaufen. Der Gehilfe schrieb die einzelnen Grundstücke einfach unter die frühere, noch nicht abgesandte Anzeige, ohne die Gemarkung zu bezeichnen, so daß das Krcisamt gar mcht erfuhr, in welcher Gemeinde Grund­stücke verlaust werden sollten. Der Güterhändler wurde des­wegen vom Schöffengericht in Alsfeld mit zehn Mark bestraft. Tas Berufungsgericht setzte heute die Strafe aus eine M a r k herab, indem es den Angeklagten zwar für die fahr- laiffge Un£erlofinng für v-rawwor erklärt.-, die Hauptschuld aber dem Gehilfen des Notars beimaß

licher in Flur I Nr. 440 belegenen Mauern und Türme auf den Namen der Stadt stattgefundcn und der Gemeinderat sieht von Anfertigung von Meßbriefen ab. Tas Pachtverhältnis der Gemeindejagd läuft im Februar nächsten Jahres ab. Die Pächter her Abt. II baten um lieber« lassung ber Jagd auf weitere sechs Jahre für den Preis von jährlich 800 Mk. Wenn ihnen die Jagd auf neun Jahre über­lassen würde, erhöhten sie daS Angebot um 100 Mk. jährlich. Der Gcmeinderal sieht davon ab, die Abteilung II allein zu ver­pachten. Die Pächter der Abteilungen I und III sollen gefragt werden, welchen Betrag sie zahlen, wenn ihnen die Jagd in diesen Bezirken auf seck>S. neun oder uMf 341 re überlasset würde. Um zu vermeiden, daß aller möglicher Unrat in Ecken, an Zäune und Feldwege hingeworfen, wird beschlossen, > monatlich einmal derartige Abfälle und Schutt auf Kosten der Stadt abgefahren werden. Tie B a h u l; o f st r a ß e soll im roptmcn^cn Jahre mit Klei n bsla jt e r neu hergestellt werden, ^.ic .Holten, die sich auf etwa 15 000 Mark beziffern, werden zu K i(3 von der Provinz, dein Kreis und der Stadt Büdingen gc- tragen, auf die gleich? W'ise werden die Unterhaltungskosten ver­teilt., iie Kosten für Herstellung von Gossenpftaster, Kanal, Wanerlettung und Fußsteiae müsjen von der Siadc allein über- uonrmen werden. Ter Gemeinderat ist mit der Uebernahme '-leier Stötten einverstanden und beschließt demgemäß. Ter Unter« lelpner teilt mit, daß es ihm wegen Mangel her nötigen Pflaster- teme unmöglich sei, die Vorstadt mit dem vorgesehenen großen Normalpflaster in diesem Jahre auszusühren. Da von verschiedenen Seiten gewünscht wurde, man möge die Vorstadt anschließend an ne Bahnhofstraße mit Kleinpflaster versehen, wird beschlossen, nachdem der, Sachverständige die Haltbarkeit und D au erh affig Feit nner derartigen Umvjlasterung versichert hatte, die Straße mit Klernpflaster herzustellen. Die Arbeit muß bis zum 15. Nov. o. I. beendet sein, andernfalls ff'ir den Unternehmer Konventional­strafe einmtt. Nach Feststellung der Baufluchtlinie in Wilden- stcmweg nnd^nock verschiedene Geiändestrcifen von der Stadt anzukaufen. Die Saufv-,,''fr'^e errichtet werden

Kreis Alsfeld.

O Flensungen, 3. Olt. Tie .Kartoffelernte ist hier soweit beendet, eie ist besser ausgefallen als man erwartete; auch sind die Knollen größtenteils sehr gut entwickelt und mehl- rcich Ern Landwirt zeigte mehrere sehr stark entwickelte Kar- toffellnollen,, wovon die schwerste 2y2 Pfund wog. Dagegen ist das Gemüie, Strout und Wirsing, dürftig ausgefallen ~ '

Sterbegeld oder eine Angehörigenrente gewährt, weil die Ver­letzung den Tod zur Folge gehabt hatte. Von dem Recht der Uebernahme einer Krankenhaiisbeßandlung wurde in 27 Fällen Gebrauch gemacht und diese Unfallverletzten einem Krankenhanse oder einer für die Nachbehandlung eingerichteten Privatanffalt überwiesen.

* Die Obsternte in der Gemarkung Gießen Betrügt: Tafeläpfel 125 Doppelztr., Wirtschaftsäpfel 10, Tafelbirnen 150, Dirtschastsbirnen 60, Zwetschen und Pflau­men 100 sowie Wallnüsse 1 Doppelztr.; in der Gemarkung Schiffenberg: Tafeläpfel 50, Wirtschaftsäpfel 5, Tafel­birnen, Wirtschaftsbirnen 3, Zwetschen und Pflaumen 20 sowie Walluüsse 1 Doppelzentner. Der Durchschnittspreis für den Doppelzentner beträgt für Tafeläpfel 20 Mk., Wirtschaftsäpfel 15 Mk., Tafelbirnen 20 Mk., Wirtschafts- birnen 10 Mk., Zwetschen und Pflaumen 14 Mk. sowie für Wallnüsse 15 Mk.

Aus dem Bureau beS Stadttheaters. Es sei darauf hingewiesen, daß Sudermanns SchauspielEs lebe da? Leben", da§ am kommenden Sonntag abend bei kleinen Preisen zur Aufführung gelangt, im Abonnement be­stimmt nicht gegeben wird. Die weibliche Hauptrolle wird von Frau Baumeister gegeben. Am Sonntag nachmittag sollCharleyS Tunte* Herrn Großer, dem neuen jugend­lichen Komiker Gelegenheit geben, sich in einer dankbaren Partie einzuführen.

** Dcr evangelische Männer -und Jünglings- vereinW a r t b u r g" hier feierte am Sonntag sein Jahres- fcst. Arn Mcnd zuvor fand fine Versammlung in engerem Kreise statt, auf der der Vorsitzende Pfarrer S ch w a b c den Jahresbericht erstattete. Darnach zählt der Verein jetzt rund 80 Mitglieder. Erfreulich ist es, daß die Sache der Jugendfürsorge im letzten Jahr mehr in die Ocffentlichkeit gedrungen ist: eine Anzahl von Damen und Herren haben sich zu einemBeirat" zusammen­geschlossen, um für die Sache zu werben und mitzuarbeiten. Tie eigentliche Festfeier am Sonntag begann damit, daß der Verein den Hauptgottesdienft in der Stadtkirche besuchte, wo in der Predigt seiner gedockt wurde. ?lm Nachmittag fanden in geräumigem Saal in Garben heim Vorführungen und Tarbicttingen aller Art statt. Pfarrer Schwabe und Pfarr- affiftent Schorle mmer hielten Ansprachen, im Namen der Gaste und des Beirates sprachen Lehrer Fritzel und Fabri­kant Horst. Besonderen Beifall fand die Aufführung von bbei kleinen Stücken durch Mitglieder, von denen eines humoristischer Art war, während die beiden anderen uns in die Zeit Luthers versetzten. _ Die jungen Leute entledigten sich ihrer Ausgabe mit gutem Geschick. Ebenso muß der Streichchor rühmlich erwähnt werden, der die gemeinsamen Lieder begleitete und eigene Dor- ßiZungen bot. Um y?9 Nhr wurde der Rückweg nach Wetzlar unter Lampionbeleuchtung angetreten; von dort erfolgte die Heimreise.

** Tie 2000. Gallenblasenoperation wurde heute vormittag in der diesigen chirurgischen Klinik aus- gefüßrt, seit Professor Tr. Popper t die Leitung der Klinik hat. . Das ist die größte Zahl derartiger Opera­tionen, die jemals in einer K inik in Europa im gleichen Zeitraum ausgeführt worden ist.

Landkreis Gießen.

4rt. Birklar, 3. Okt. Eine hiesige berfrirntete Frau hatte erfahren, . daß von den G'ldern, die für ein Kreuz auf die katholische Kirche in Bad-Nauheirn gestiftet worden waren, ein Betrag übrig geblieben war. Deshalb schrieb sie an den katholischen Geistlichen in Bad-Nauheim, sie sei eine be­dürftige katholische Frau und er möge ihr einen Teil des übrig­gebliebenen Geldes zuschickcn, dann sei ihr aus der Not ge­holfen. Ter Pfarrer sandte denn auch 27 Mark an den evan­gelischen Geistlichen in Birklar mit der Bitte, ihn der Fran zu übermitteln. Dieser kannte ober keine Frau dieser Konfession in seinem Orte und wandte sich an den Bürgermeister um Aus­kunft. Es stellte^ sich heraus, daß die Frau gar nicht katholisch, sondern evangelisch ist, eine jährliche Rente empfängt und einer derartigen Unterstützung nicht bedürftig ist. Der Betrag wurde zurückgesandt, um in besserer Weise Verwendung zu finden. Der Schwindel soll übrigens von der Frau schon früher anderwärts mit Erfolg angewandt worden fein.

Die monarchistische Erhebung in Portugal.

SantiagodeCompostela (Proo. Coruna), 3. Okt. WieEl Eco da Santiago" meldet, ist Kapitän Paiva Conceiro, das Haupt der monarchistischen Verschwörer, am 1. Oktober morgens 2 Uhr mit 4000 Bewaffneten, mehreren Geschützen und Mitrailleusen sowie mit 120 Maul­eseln in Portugal eingefallen.

Eine gleichzeiüge Meldung aus Lissabon lautet: Dem Vernehmen nach versuchte eine Kolonne Royalisten die ^Grenze in der Richtung auf Chaves (Provinz Trazosmontes) zu überschreiten, wurde aber zurückaedrängt. Ein Zollbeamter wurde getötet. Man versuchte, die Brücke bei Entroeamicnto in die Luft zu sprengen. Die Bevölkerung von Santo Tirso erhob sich uno pflanzte royalistische Fah­nen auf.

jpolittsche Tagesschau.

. , Tas Arbeitskammergeseh,

vas im Reichstage wegen verschiedener Meinungsverschieden­heiten seit Monaten nicht mehr beraten wird, wird auch in der Nachsession nicht mehr verabschiedet werden. Die Re­gierung legt auf die Verabschiedung in der Fassung der zweiten Lesung keinen Wert und wird den Entwurf wohl auch später nicht wieder einbringen. Vielleicht wird ver­sucht werden, den Gedanken später weiter zu fassen und neben Arbeitskammern auch Kaufmannskammern und be­sondere Vertretungen für Staatsarbeiter zu empfehlen.

Reservisten und Staatsarbeiterverhältnis.

In den letzten Jahren hatten die zur Reserve entlassenen Mannschaften- die früher als Staatsarbeiter beschäftigt waren, Klage geführt, daß sie nach ihrer Entlassung fast nie wieder eingestellt werden. Um diesen Wünschen ent­gegenzukommen, ist verfügt worden, daß solche Arbeiter wieder einzustellen sind, die früher länger als ein Jahr befchäfttgt waren und Anträge auf Wiedereinstellung wenig­stens vier Monate vor der Entlassung vom Militär geftefit haben. Bei der Eisenbahnverwaltung dürften alle früher beschäftigten Arbeiterreservisten wieder zur Einstellung in diesem Jahre gelangen,, wenn zum Teil auch in provisorischen Stellungen und anderen Orten als bisher.

Aus Stabt und Land.

Gießen, 4. Oktober 1911.

Tägeskakender für Mittwoch, 4. Oktober. Stadt- rheater:Die Geschwister" undDie Neuvermählten". Ein­fang 7 Uhr. e

Vrd'ensangtzlegenheit en. Der Groß- h er zog hat dem Landbriefträger Ludw. Haas in Stein­bach (Kr. Gießen) das Allgemeine Ehrenzeichen mit der InschriftFür langjährige treue Dienste" und dem Kanz­listen bei der Hauptstaatskasse Ludw. Engel zu Darmstadt aus Anlaß der Vollendung einer 50 jährigen Dienstzeit die Krone zum Silbernen .Kreuz desVerdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. Der König von Preußen hat dem Hofmarschall des Großherzags Kammerhcrrn Major a. D. Frhrn. v. U ng ern-Ster n v erg den Roten Adler­orden 2. Kl., dem Hessischen Hofsekretär beim Hofmarstallamt Friedr. Engel den Roten Adlerorden 4. Kl., dem dienst­tuenden Kammerherrn der Großherzogin Dr. Frhrn. von Leonhardi den Kronenordnen 2. Kl., dem Obergarten­inspektor Ludw. Dittmann zu Darmstadt den Kronen­orden 4. .Klasse verliehen.

** Oberrechnungskamm er. Der Großberzog hat den Oberrechnungsrevisor Reckmungsrat W-lh. Kren der zu Darmstadt zum Mrigenten der II. Justifikatur-Abteilung der Oberrechnungskammer ernannt.

** Von der Landesversicherungsanstalt Groß h. Hessen. Die für das Jahr 1910 eingcgangcncn Jnvalidenversicherungsbeiträge sind in allen Teilen Hessens fast durchweg hinter den Beitragseinnabmen von 1909 zu­rückgeblieben. Durch eine Umfrage bei über 100 Beitrags- l'et'cstcllen wurde um Aufklärung über die Gründe dieser Erscheinungen ersucht. Nach den Antworten, die ans den drei Provinzen eingegangen sind, ist der Beitragsrückgang in den meisten Fällen durch schlechten Geschäfts­gang und dadurch veranlaßte Betriebseinschränknng oder Äetriebseinstellung verursacht. Von dem schlechten Ge­schäftsgang wurde besonders das gesamte Baugewerbe, ferner die Stein-, die Zigarren- und die Zündholzindustrie betroffen. Auch in der Eisen^ und in der BergwerkSindnstrie rabcu Betriebseinschränkungen stattgcsunden, desgleichen batte die schlechte Weinernte von 1910 an einzelnen Orten eine Verminderung der Jnvati^enversichernngsbKt''äg^ im <cfolgo. Bei einer Reihe von Fällen erklärt sich der Bei- iragsrückgang auch durch Beendigung vorübergehender Ar- l ciren, wie Fertigstellung von Bahn-, Straßen-, Kanal- nnd Wasserlcitungsbauten, sowie von Feldbereinignngs- . rbeiten. In der Hauptsache aber ergaben die Ermitte- hingen, daß das Jahr 1910 im gewerblichen Leben keine Befferung, sondern eher eine Verschlechterung gebracht hat.

** Unfallftatiftif. Bei der land- und forfimirt« schaftlichen Bernfsgenossenschast für Hessen in Darmstadt sind int 3. Vierteljahr des laufenden Ial.res 912 Unfallanzeigen eingegangen. In 510 Fällen wurde erstmalig eine Ent­schädigung festgesetzt, darunter in 23 Fällen das gesetzliche