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4.10.1911 Erstes Blatt
 
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Nr. 255

Der (Siebener Anzeiger erscheint täglich, anher Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich StebenerZamilienblätter; zweimal ivocbentLKreiS' blattfikben Kreis (Sieben (Dienstag und Freitag); zweimal monail. Land­wirtschaftliche Zeitfragen Fernsprech - Anschlüsse: für die Redaktion 118, Verlag u. Expedition 51 Adresse dir Depeschen: Anzeiger Gicßeu.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 9 Uhr.

Erstes Blatt

161. Jahrgang

* Mittwoch, 4. ©ffober 19ü

General-Anzeiger für Gverhessen

Rotationsdruck und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulstrahe 7. Büdingen: Fernsprecher Nr. 269 Geschäftsstelle Bahnhofstraße 16a.

Bezugspreis: monatlich75Df^ viertel­jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost 3)l!.2.uicrtcl- jährl. ausschl. Beslellg. Zeilenpreis: lokal IbPf^ auswärts 20 Pfennig. Ehesredaktenr: A. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil: August Goetz; für .Fenrlle- ton*, .Vermischtes' und .GcrichtSsaal-: K. Neu­rath; für .Stadt und Land": E.Hcß; iür den Anzeigenterl: H. Beck.

Die heutige Nummer umfafet 10 Seiten.

Der italienisch-türtische Krieg.

Ist die Stadt Tripolis bombardiert und eingenom­men morden? Das ist die Hauptfrage, die indessen durch die vielen einander widersprechenden Meldungen nicht be­stimmt beantwortet werden kann. Nach einer römischen Depesche vom Dienstag war der türkischen Besatzung von Tripolis auf ihren Wunsch ein Aufschub des Bombardements gewährt worden, der aber am Dienstag nachmittag ab» gelaufen sein sollte. In der Tat sprechen spätere Nachrichten davon, daß die Einnahme der Stadt in den Nachmittags­stunden am Dienstag erfolgt sei. Eine Bestätigung durch das italienische Marineministerium liegt aber nicht vor. Sicher ist, daß auch heute wieder viel Pyanlasicnachrichtcn verbreitet werden, die man nur gegeneinander au halten hat, um das Wahrscheinliche zu erraten. Türkische Schiffe haben einen ilaliemscyeit Postoarnpfcr verfolgt; ob cs ihnen gelungen ist, ihn zu ergreifen, darüber gehen die Mel­dungen gleichfalls auseinander.

Ueber die Vorgänge bei Prevesa an der albanischen Küste kommen ergänzende Nachrichten, die das Vorgehen der Italiener wieder in ein ernsteres Licht rücken. Prevesa soll doch beschossen, und Truppen sollen gelandet worden sein. Wie es heißt, sollen die gelandeten Soldaten sich dann wieder eingeschifft haben, während der italienische Komman­dant von den Türken die Herausgabe der geflüchteten türki­schen Schiffe gefordert und ein Bombardement angedroht haben soll. Daß ein Bombardement stattgefundcn habe, soll vom türkischen Kricgsminisrerium nach einer Meldung deS Berichterstatters derFranks. Ztg." bestätigt worden sein. Darauf wird Oesterreich woht oic nötigen Schritte cingeleitet haben.

Tie Vermittlungsversuche haben noch kein Ergebnis gehabt. Sic wirksam zu führen wird dadurch sehr ersazwert, daß es dem greisen Großwcsir Said anscheinend schwer gelingen will, ein Kabinett zu bilden. Er soll gegenwärtig mit dem türkischen Botschafter in London wegen Uevernatzme der Leitung des auswärtigen Amtes verhandeln. Tie Jungtürken, auf die auch der Großwcsir sich stützt, versuchen alles, um die türkische Be­völkerung ruhig zu erhalten, ob es für die Dauer gelingen wird, bleibt fraglich. Der Sultan soll außer- ordentlich erregt sein, und der frühere Großwesir, H a kki, soll sich feinen höchsten Unwillen zugezogcn haben und auch des besonderen Schutzes vor den erregten Lolksmasscn bedürfen. Besonderes Interesse verdient der Besuch des deutschen Botschafters Frhrn. v. Marschall beim Sultan, der zur Anbetung des Mantels des Propheten sich ins Schloß Tohkapu begeben hatte. DasBerliner Tageblatt" will erfahren haben, der Sultan habe nach den Ausfüh­rungen Marschalls erleichtert aufgcatmet. Was aber davon zu halten ist, weiß man nach der gestern veröffentlichten amtlichen Erklärung der deutschen Negierung. Nichts geschieht vorläufig. Und heute wird nur gemeldet, die Mächte hätten den Türken geraten, auf der Grundlage des italienischen Ultimatums zu verhandeln. Das würde also die völlige Preisgabe von Tripolis bedeuten und, nach türkischen Blättermeldungen, die Revolution zur Folge haben. Das türkische BlattTurquie" will von einem Handschreiben des Kaisers Wilhelm an den Sultan wissen. Darin stehe, daß Deutschland zweimal in Nom zur Er­reichung konzilianterer Haltung Italiens sich bemühte, doch beide Male vergeblich. Der Kaiser habe dem Sultan sein Bedauern hierüber ausgedrückt und ihn und die ottomanische Nation seiner unwandelbaren Freundschaft versichert. Deutschland behalte sich vor, im geeigneten Momente der Türkei ihre guten Dienste zur Verfügung zu stellen. Die Türken werden sich von diesem Trost wenig zu versprechen Loben. Ein hervorragender Türke hat dieser Tage in einem Londoner Blatte geschrieben, es hätte nur eines Wortes von Sir Edward Grey bedurst, um dem italienischen Vor­gehen Einhalt zu gebieten. Das ist durchaus richtig. Tie Türkei wird sogar sicher annehmen dürfen, daß cs die ganzen Schwierigkeiten der direkten Mitwirkung Englands verdankt.

Die Italiener vor Tripolis.

Rom, 3. Okt. (9 Uhr 25 Min. abends.) DieAgenzia Stefani" gibt folgendes bekannt: Ein Telegramm des Viz e- admiralsFaravelli, das heute früh von Tripolis aufgegeben wurde und heute abend aus Vittoria (Sizilien) hier eingetroffen ist, besagt, daß auf die gestrige Aufforde­rung zur Ergebung und Auslieferung der Stadt Tripolis der türkische Kommandant mit der Bitte um Aufschub geantwortet habe, der zugestanden wurde und heute mittag ablaufen sollte.

DieTribuna" meldet aus Malta: Tie in Tripolis ansässigen Araber, die von einem Italien feindlich ge­sinnten Journalisten aufgercizt wurden, gegen die dortigen Italiener die Waffen zu ergreifen, bemächtigten sich der von den Europäern zurückgelassenen Vorräte. V o n i t a l i e- nischen Panzer schissen aus sah man Scharen von Tr ip o l i i an e r n von einer Siadtseite nach der anderen lausen, wo sie sich an die Getreide-, Mehl- undZuckerspcicher,vor allem aber an die Brotviertel heranmachtcn. Es kam auch zu Angriffen auf Maga­zine, aber Soldaten verhinderten die Plün­derung, da sia) in den Speichern außer italienischen Waren auch französische, deutsche und englische 'befanden.

Hierzu kommen noch die Meldungen Berliner Bläiter vom Mirtwoch morgen, die uns telegraphisch übermittelt wurden:

Der BerlinerLokalanzeiger" meldet aus London: Hier sind Meldungen über den Beginn des Bombardements von Tripolis, eingelaufen. DerExchange Telegraph Eom-

pany" wird aus Rom telegraphiert: Das Bombardement von Tripolis hat begonnen. Die Depesche ist am Dienstag um Vj12 Uhr vormittags aufgegeben. Ferner erhielt eine Glasgower Firma von ihrem Vertreter aus Djerba per Heliograph aus Tripolis folgendes Telegramm: Tie ita­lienische Blockade von Tripolis ist vollständig. Die Schiffe bombardieren mehrere Stellen. Tie Einwohner fliehen.

TerCentral News" wird aus Rom gemeldet: Nach einem Telegramm aus Malta hört man dort Kanonen­donner von der See her. Man glaubt, es stamme vom Bombardement von Tripolis.

DerMorgenpost" wird aus Chiasso telegraphiert: DieTribuna" bringt eine Meldung aus Malta, daß die italienischen Kreuzer in den Hafen von Tripolis ein- fahrcn und die Forts, das Kastell sowie alle höher gelegenen Punkte bombardieren. Dann wurden Soldaten aus g e s chisst. Am User weht die italienische Flagge.

TieWiener Neue Freie Presse" meldet die Einnahme der Festung: Nach einem in Wien cingegangenen Tele­gramm auS Augusta in dem Hafen von Syrakus weht seit abends 51/, Uhr die italienische Flagge aus den Forts y>ii Tripolis.

Hebelgriffe der Italiener bei Prevesa?

Berlin, 4. Olt. DasBerl. Tagcbl." und dieVoss. Ztg." bringen fllge .dc Au f;i ;i crreg^noe Meldung: Man erfährt heute, daß der Kommandant des italienischen Ge­schwaders den Gouverneur von Prevesa auffor- dcrn ließ, die beiden ottomanischen Untersee­boote und das Kanonenboot, die sich in der Bucht von Prevesa befinden, binnen 24 Stunden aus- zuliefern. Im Falle der Weigerung würden die Ita­liener mit dem Bombardement des Forts von Prevesa beginnen. DaS bewilligte Ultimatum läuft am Abend des 3. Oktober ab. Zugleich wurden die außerhalb des Hafens von Prevesa liegenden italienischen Tropedo- boote angewiesen, zur Einfahrt in den Ambrakischen Golf sich bereit zu machen.

Bereitstellung einer österreichischen Krcuzerflotlille.

Ofcnpest, 3. Okt. Entgegen der Meldung eines un­garischen Blattes über die in Pola erfolgte Bereititellung einer Kreurerslottille ist das ungarische Telegraphen- und Korrespon- dcnzburcau zu der Erklärung ermächtigt, daß der Panzerkreuzer Sankt Georg", der KreuzerAdmiral Spaun", zwei Torpedo- bootszerstörer und drei Torpedoboote an der Westküste Istriens Hebungen ausführen. Eine Bereitstellung für das Ausland ist jedoch nicht erfolgt und zurzeit auch tlicht in Aussicht genommen. Der KreuzerSzigctvar" wurde überhaupt nicht in Tienst ge­stellt. Tie Unterseeboote sind gleichfalls mit der Durchführung von Uebungen beauftragt und können den Zentralhafen Pola nicht verlassen.

Ein türkischer Kreuzer erobert?

Rom, 4. Oktober. Der italienische Kreuzer M a r c o P o l o" hat einen türkischen Krenzerweg- genommen, der einen General und 200 Sol­daten, ferner eine Ladung von 5000 Gewehren und viele Munition an Bord hatte. Der eroberte Kreuzer wird nach Tarent gebracht werden.

Die italienischen Kriegsschiffe haben den englischen DampferSheffield" weg genommen, der sechs türkische Offiziere, Waffen, Munition und Festungsmaterial an Bord hatte. Der Kapitän des Schiffes, der nachweisen konnte, daß er im guten Glauben gehandelt habe, wurde freigelassen, dagegen wurden die türkischen Offiziere an Land gebracht und die Ladung beschlagnahmt.

Ein italienischer Dampfer gekapert?

London, 3. Okt. Aus Konstantinopel wird telegraphiert, daß der italienische DampferErneste Ilardi" ge­kapert und seine Besatzung nach Kavan gebracht wurde.

Rom, 3. Okt.Corriere d'Italia" meldet aus Bart, der italienische DampferM o l s e 11 a", der gestern nach­mittag Pen Hafen Turazzo verließ, wurde plötzlich von fünf türkischen Torpedobooten umzingelt, die ver­suchten, den Dampser zu kapern. Es gelangMolfetta", die alle Lichter auslöschte und Volldampf gab, zu entkommen. Die tür­kischen Torpedoboote setzten die Verfolgung eine Weile fort, mußten sie aber schließlich wegen zu hohen Seegangs aufgeben.

Die türkische MinisterkrifiS.

Konstantinopel, 3. Ott. Kiamit und' Hilrni Pascha sind zu einer Besprechung der Tripolisfrage zum Großwesir berufen worden. Kiamil hat der Einladung nicht Folge geleistet. In der Minister­krise ist keine Entscheidung crsvlgt. Die Jungtürkcn ver­langen die Wiederaufnahme DschavidS als Finanz­minister.

Ein Aufruhr der Zungtürken.

Saloniki, 3. Okt. Das Zentralkomitee für Einheit und Fortschritt richtet einen Appell an die öffent­liche Meinung, in dem cs gegen die Beraubung durch Italien, von der die Türkei bedroht werde, Verwahrung cinlcgr. Nicht die Türkei, fonbern Italien verletzte Men­schenrechte und .Gesittung. Die Geschichte kenne kein ähn­liches Beispiel. Tie Türkei könne mir Repressalien ant­worten, sie werde jedoch das Völkerrecht beobachten, die Waffen werde sic aber nicht niederlegcn, bevor nicht der Statusquo wieder hergesrellt sei. Tie türkische Nation for­dere die öffentliche Meinung Europas auf, sie moralisch zu unterstützen.

Tie Italiener in der Türkei.

Saloniki, 3. Okt. (Wien. Korr.-Bur.) Obgleich die Regierung noch keinen Ausweisungsbefehl gegen die Italiener erlassen hat, reisen doch sehr viele von ihnen ins Ausland, da Gerüchte über bevorstehende Gewalttaten im Umläufe sind und auch öffentliche Drohun­gen des erregten Volkes laut werden. Viele im Dienste der orientalischen Eisenbahnen stehenden Italiener mußten auf Befehl der Regierung entlassen werden. Tie hier be­stehenden italienischenSchulen sollen i n t ü r ki sch e u m g c w a n d e l t werden.

Die Vermittlungsversuche.

Berlin, 4. Olt. DasBerl. Tagcbl." meldet aus Konstantinopel: DieAgenee Ottomane", die offizielle De peschcn-Agentur in Konstantinopel, glaubt, amtlich, wenn auch unter Reserve, mit teil en zu können, daß eine rasche Erledigung des Kriegszustandes bcvorstehe. Italien werde höchstwahrscheinlich ein Mandat zur Besetzung von Tri polis erhalten. Im Laufe dcS Dienstag liefen die noch fehlenden Antworten der Großmächte ein. Die Antwort Rußlands wurde durch den ersten Dragoman dcr Pforte überreicht, die Oesterreichs durch den heute zuruckge­kehrten Botschafter, Markgrafen Pallavieini. Alle lauten einander sehr ähnlich und raten der Türkei zur raschen Einigung mit Italien. Die Lage ist so­mit dadurch gekennzeichnet, daß die Großmächte zumFri c- d e n raten. Die Antwort des deutschen Kaisers an den Sultan hat, so meldet der Konstantinopeler Korrc^ spondent desBerl. Tagebl.", vorzüglichen Eindruck auf diesen gemacht. Man hatte den deutlichen Eindruck, daß der Sultan befreit ausatmete. Man rechnet anscheinend damit, daß Deutschlands Vermittlung, die jetzt auch durch England gefordert wird, $u einer Einigung führen werde. Besondere Bedeutung mißt man dem Besuch des englischen Botschafters beim Großwesir bei, der zwei Stunden währte. Es wird bcijaiiptet, er habe in sehr dringender Weise der Türkei ge­raten, sich mit dem Verlust von Tripolis abzufinden und sich auf der Basis der Souveränität über Tripolis so rasch als möglich mit Italien zu vertragen. Der Eindruck auf der Pforte war ein sehr deprimierender.

Tie britische Neutralitätserklärung.

London» 3. Okt. Im Hinblick auf den türkisch-italie­nischen Krieg veröffentlicht dasA m t s b l a 11" die britische Neutralitätserklärung und droht Strafen bei Verletzung des Neutralitätsges etzes durch englische .Staatsange­hörige an.

Griechenlands Haltung.

Athen, 3. Okt. (Agenee d Athenes.) Die griechische Negierung wird in ihrer friedlichen Politik ver­harren, die sie seit der Bildung des Kabinetts VenizeloS verfolgt, wofern nicht Tatsachen beweisen, daß griechisches Gebiet bedroht oder Lebensintercfscn Griechenlands gefähr­det sind durch das .Vorgehen Dritter. In diesem Falle ist Griechenland genötigt, Nöaßnahmen zu treffen, die durch seine Verpflichtung zum Schutze der bedrohten Interessen erforderlich sind.

Eine militärische Vorbereitung Serbiens.

Belgrad, 3. Okt. Das Amtsblatt veröffentlicht einen Befehl des Königs, durch den die Reserveoffiziere zu einer einmonatigen Waffenübung im Oktober und November ein- berufen werden. An maßgebender Stelle wird erklärt, daß diese Maßnahme in feinem Zusammenhang mit den Kriegs- ereigniffen in der Türkei stehe.

Natürlich wird jedermann das Gegenteil glauben.

Vorkehrungen Rußlands?

K o n st a n t i n o p e l, 3. L kt. WieDanin" erfährt, trifft Rußland an der türkischen Grenze militäri­sche Vorsichtsmaßregeln. Demselben Blatte zufolge ist beschlossen worden, den Italienern gegenüber die Kapi­tulation nicht anzmvenden.

Petersburg, 3. Okt. Auf eine Anfrage des Börsen-' komitees in Rostow a. Ton erwiderte das Handelsmini­sterium, daß für Handelsschiffe neutraler Flagge keinerlei Schwierigkeiten bei der Durchsal)rt durch den Bosporus be-' ständen. Der russische Botschafter in Konstantinopel sei angewiesen worden, den russischen Handel und die russische Schissahrt zu unterstützen.

Japans Neutralität.

Tokio, 3. Oktober. Japan erklärte heute seine Neutrali­tät im türkisch-italienischen Kriege. Finanzkreise befürchten, der Krieg könnte der Tokio-Tramwayanleihe in London schaden.

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Der See» und Außenhandel Tripolitauieus wird mangels jeder anderen zuverlässigen Handelsstatistik wohl am besten durch den Schiffsverkehr charakterisiert. Nach einer Aufstellung unseres Kaiserlichen Konsulats gingen im Jahre 1910. in Tripolis an Dampfschiffen ein und aus:

Zahl Reg.-Tons Italienische , , 203 mit 226089

Französische. e B « , . , , 52 46 072

Britische * . , , , ( . 31 42 471

Deutsche 19 24156

Türkische . 6 ,, 6658

Augenfällig ist hierbei besonders der so außerordentlich über­wiegende Schiffsverkehr Italiens und der minimale Anteil des türkischen Reiches. Ter Karawanenhandel, einst die wich­tigste Einnahmequelle für Tripolitanien, hat einen Niedergang erfahren, von dem er sich nur schwer erholen dürfte. Nachdem schon seit langem zum Schaden von Tripolis das Aufblühen der südlich von der Sahara liegenden Länder eine Verminderung des nach Norden gehenden Handels berbeigesührt, ferner der Handel von Wadai her mehr und mehr sich nach dem Nil oder Niger ge­zogen hatte, sind in der letzten Zeit auch die wenigen noch bis Fes,an kommenden Karawanen meistens der durch sranzösi,che Militär- posten gesicherten Straße wegen nach Nordwesien, nach Tunis oder Algier abgeJentL Während jm Sabre 1894 von Tripolis