i st. Wir hoffen von den Institutionen, die Mr Ihnen hier vor. Das sage ich, obwohl ein Appell an die Furcht keinen Widerhall
schlagen, daß sie das politische Leben in den Reichslanden neu
um
ist, hat einen bequemen Kamm, über den er alles scheren kann (Heiterkeit und ^rehr gutl rechts), dem mag es leicht sein, über die Individualitäten der Länder und Völker hinwegzusehen oder sie zu vergewaltigen. (Unruhe links.) In der Politik sollte man nach meiner Ansicht bei der Verteidigung bestimmter Institutionen verschiedener Länder nicht die Doktrin, sondern die nach Geschichte, nach Lebensart und politischen Begriffen verschieden bedingten Verhältnisse zum tertium comparationis nehmen. Ein Vergleich der Frage aber, wie man hier das Festhalten an einem abgestuften Wahl, recht als gut oder erträglich bezeichnen, dort ein freieres, allgemei, neres Wahlrecht empfehlen kann, hat doch nur für diejenigen Theoretiker einen Sinn, welche den Wert staatsrechtlicher Existenzen danach bemessen, ob
das Wahlrecht mehr oder weniger demokratisch gestaltet ist. (Sehr richtig! rechts.) Ich kann diesen Schematismus nicht mitmachen. Ich kann mich bei Elsaß-Lothringen nur fragen: wie ist das in diesem Lande übliche, seinen Be. wohnern gewohnt gewordene Wahlrecht zu ge» stalten, damit die aus ihm yervorgehende Landesvertretung die Ge, schäfte so besorgen kann, daß die Wohlfahrt des Landes und zu. gleich die Wohlfahrt des Reiches besser als bisher gefördert werde? Auf denselben Standpunkt stelle ich mich
auch in der preußischen Wahlrechtsfrage und würde ich mich stellen, wenn ich über das Wahlrecht irgend eines anderen Bundesstaates zu entscheiden hätte. Diejenigen, welche diesen Standpunkt für falsch halten, scheinen mir doch über die Verschiedenheit der Länder und namentlich den verschiedenen politischen Beruf der einzelnen Länder gar zu leicht hinwegzugehen. Es ist ganz unmöglich, die Rolle, die Aufgaben, welche Preußen dem Reiche gegenüber übertragen worden sind,' nut der Stellung irgend eines anderen Teiles des Reiches in Vergleich zu setzen. Denken Sie sich doch, wenn sich nun Preußen nach den radikalen Wünschen mit einein Wahlrecht ausrüstete, das den Massen die Herrschaft über das Parlament und dann nach ihrem Wunsche auch die Herrschaft über die Negierung ausfolgte, so daß also je nach den Stimmungen im Parlament und jedenfalls nach dem wechselnden Wahlausfall in Preußen Ministerium und mit ihm der Reichskanzler und seine Stellvertreter wechseln würden. Wenn dann die Reichsleitung, die doch gleichzeitig die Führerin der preußischen Stimmen im deutschen Bundesrat ist, bald diese, bald jene vom preußischen Parlament direkt gewünschte Politik sich zu eigen machen müßte, so würde das einer
Desorganisation des Deutschen Reiches gleichkommen. _ (Sehr richtig! rechts.) Preußen— lassen Sie mich noch diese vom eigentlichen Thema abweichende Bemerkung machen , wird sein Wahlrecht nach seinem eigenen Bedürfnis und ohne die Muster anderer Bundesstaaten zu benützen, schon so gestalten, daß e§ eine
konstante staatserhaltende Reichspolitik führen kann. (Lebhafte Zustimmung rechts.) Mit Bezu hierauf ist cs unverbindlich, ob wir jetzt für Elsaß ein freieres oder weniger freies Wahlrecht beschließen. Wenn Sie von diesem Gesichtspunkt aus die Bestimmungen der Vorlage über das Wahlrecht zur Zwei, ten Kammer ins Auge fassen, so können Sie davon die Vorschriften über die Bildung der Ersten Kammer nicht loslösen. Beide liehen in notwendiger Wechselwirkung zueinander. Nun ist es richtig, daß
ein Obe rhau s
ihren Beschränkungen einen bedeutsamen Schritt auf dem Wege zu größerer Selbstständigkeit des Reichslandes bedeuten, mit dem Ziel, die innere Einigung Elsaß-Lothringens mit dem Reich zu fördern. Soll dieses Ziel erreicht werden, so können die Institutionen, in denen sich das Eigenleben Elsaß-Lothringens entwickeln soll, nicht von fern her hereingetragen werden, sondern sie müssen aus den Verhältnissen des Landes heraus sich entwickeln. Sie müssen b o d e n st ä n d i g w e r d e n. Ich kann aus diesem Grunde die Einwände, welche in der konservativen Presse, und wie mir scheint, auch in den Ausführungen des Abg. Winckler gegen die
Gestaltung des Wahlrechts
erhoben worden sind, nicht für stichhaltig erklären. Wir können nicht nach Elsaß-Lothringen ein beliebiges fremdes Wahlrecht ver- pflanzen. Wir müssen auf der Grundlage weiter bauen, welche dem Lande kraft seiner Geschichte und kraft der Schichtung und Denkungsart seiner Bewohner eigentümlich ist.
Sonst verlieren wir jede Berührung mit den Realitäten des Lebens, und das möchte ich auch dem Herrn Abg. Naumann ent- gegnen, der am Schlüsse seiner Rede die Systematik ironisiert hat, in der ein preußisches Klassenwahlrecht neben einem freieren elsaß-lothringischen Wahlrecht besteht. Ja, wer an unbedingte politische Institutionen glaubt, wer im Besitze eines solchen absoluten Dogmas
t _ Der nächste Krieg
Tn^arÄ hie Elsaß-Lothringische Verfassung unter Umständen in größere Nahe geruckt. (Große Heiterkeit und Huhu-Rufe.)
tm deutschen Herzen findet. (L e d e b o u r : Sie Angstmeier!) Mein lieber Herr Ledebour (Heiterkeit), das ist eine Kühnheit von ihrer Seite. Die Friedensfreunde die unter dem Fähnlein der Frau v. Suttner marschieren, sollten überlegen, ob nicht dieses erneute Entgegenkommen gegen Elsaß - Lothringen aus Frankreich direkt anreizend wirkt. (Emmel: Frankreich ist ver, nünftiger als Sie!) Mein lieber Herr Emmel, Ihre Kritik bewirkt immer das Gegenteil. Das richtigste wäre gewesen, El- saß-Lothringen schon ftüher in Preußen einzuverleiben. Unter
dem Lande zu geben, was des Landes ist, o auch oem Reiche, was des Reiches
unerfüllbare Wünsche
harstelle. (Hört! hört! rechts!) Der Abg. Preiß hat im Jahre die Forderungen seiner Freunde in drei Paragraphen for- muIrerL Der erste Paragraph fordert die Einverleibung Elsaß- Lothringens in das Deutsche Reich als Bundesstaat. Der zweite Paragraph verlangt die Ausschaltung des Reichstages als Landtag ur Elsaß-Lothrrngen und die Umwandlung des Landesausschusses m ein vollwertiges Parlament, und der Dritte Paragraph sagt: Die gesetzgebende Gewalt in Elsaß-Lothringen soll ausgeübt wer.. den durch den Kaiser und den Landtag. Die Uebereinstimmuno des Kaisers mit einem Mehrheitsbeschlüsse des Landtages ist zu EnleniorTinr‘)e§9C,^3.e^or^er^- Diese Forderungen sind im Lan- oe^ausschuß von Elsaß-Lothringen erörtert werden, und d e r A b g. Prerß hat zu den einzelnen Fragen wiederholt Stellung genommen. Es ist vielleicht nicht uninteressant, aus seinen dama- Ugen Ausführungen Einiges zu rekapitulieren. (Der Staatsiekre.
lUt- r r“nter mehrfachen Hört! hört!°Rufen.) Herr Preiß lchlog diese seine Ausfi'chrungen mit der Bemerkung: Nur müssen lmr, glaube ich, uns
mit Geduld wappnen
und versuchen Hand in Hand mit der Regierung in Elsaß-Lothrin. an.die Lösung der schwierigen Frage zu gehen;
guter Wille ichemtia überall vorhanden zu sein. (Hört! hörtl) biefe Ausführungen des Herrn Preiß bekannt, als ich die Borstige «rusarbeltete. Ich glaubte daher, Herr Preiß würde ^be^dentlich erfreut sein, daß alles das eingetroffen sei, was hA2b YVs erklärt hat; ich habe mich leider getäuscht, und ich habe niSt bezug auf das, was die Elsaß-Lothringer wollen,
nicht zum ersten Male getan. (Hört! hört!) Tas jetzige Auf- recht"d^dl^sagen^^^ 0ibt 3U cinem gewissen Grade denen die Elsaß-Lothringer wissen ja selb st nicht, waS sie wollen.
faM.^^?^Essekretär wendet sich wiederholt gegen die Auf. Faktor^ ber bisher nicht gesetzgebender
ü£r Li gewesen, und äußert sodann gegen-
Ko^mUswn^'d^^ bte H°ftnung, die Verhandlung in der nommisiion und im Plenum würden der
optimistischen Auffassung der Regierung
würden sich auf d°S
d'l° «äX “
" G r a^l bur?> die Erste Kammer, die zweifellos für aiZ b^Snhe§rJtanbe§0®r^e-r Angelegenheiten geeigneter ist (Heiterkeit nicht, weil er an Arterienverkalkung leidet
fern lieaen ' bJe elsaß-lothringischen Verhältnisse zu
aber Sm Acrbxn0g das kaiserliche Ernennungsrecht; ReickSwnd vorläufig noch das Land mit dem
üteichsland verbindet, das unentbehrlich ist zur Aufrechterhaltung
(Lebhaftes Hört! Hört!) Es ist ein Akt der Billigkeit, wenn ich dies hier im Interesse der elsaß-lothringischen Bevölkerung fest- stelle. (Beifall.) Im Anschluß daran möchte ich ferner feststellen, daß die Verfügung des Polizeipräsidenten von Mülhausen in der Tat so ergangen ist, wie die Zeitungen es meldeten. Es handelt sich hier zweifellos um einen Mißgriff, um eine sehr starke Entgleisung des Beamten, die vom Statthalter mit aller Entschiedenheit gerügt worden ist. (Unruhe und Zurufe b. d. Soz., Abg. Emmel: und die Jahre vorher?) Allerdings ist daß, was in dieser Verfügung ausdrücklich gestattet ist, in früheren Jahren stillschweigend geduldet worden und zu Ausschreitungen und zu Unzuträglichkeiten ist es nicht gekommen. Das ist kein hinreichender Grund, dies nun auch offiziell nicht nur zu genehmigen, son- dern vorzuschreiben, und hiergegen hat sich die Rüge des Statthalters gerichtet. Die Ausführungen des Abg. Preiß dürfen deswillen nicht unwidersprochen bleiben, weil sie nach me
eine Einrichtung ist, die Elsaß-Lothringen bisher unbekannt war. Aber derjenige Grad von Selbständigkeit, den wir jetzt Elsaß geben, auch der ist in Elsaß sowohl unter ftanzösi- icher wie deutscher Herrschaft unbekannt gewesen. Im übrigen sind ja auch die Bestimmungen über die Bildung der Ersten Kammer von verschiedenen Seiten und im verschiedenen Umfange bemängelt worden. Ich will hier bei der ersten Lesung ebenso- wenig wie bezüglich der Vorschriften für die Wahl zur Zweiten Kammer auf Einzelheiten eingehen. Ich will mir auch versagen bic Fragen zu beantworten, die der Abg. Winckler soeben in staatsrechtlicher Beziehung gestellt hat. Ich will nur sagen- in der Stellung des Statthalters als Spitze der reichsländischen Regierung und in der Stellung des Reichskanzlers zum Stathal- ter wird durch die Vorschläge, die wir machen n i ch t s g e a n d e r t. Und daraus wird sich die Kompetenz er.' Neben, welche bezüglich der Führung der Politik in Elsaß- Lothringen im Verhältnis zum Reich notwendig ist
Ich mochte nur zum Schlüsse noch eine allgemeine Bemerkung «^chen: Wir schlagen Ihnen für Elsaß-Lothringen ein Zwei- Kammer-Sy st em vor und ich muß schon jetzt mit aller Be- stiinrntheit erklären, daß
r>ie verbündeten Regierungen von der Forderung dieses Systems nicht abgehen werden
und daß in diesem System die Erste Kammer ein Bollwerk sein muß, das unter allen Umständen eine jedem Zweifel entrückte deutsche Politik in den Reichslanden gewährleistet. Das sind keine Forderungen theoretischer Doktrin, «andern das sind nationale und politische Forde.' '«-w-?!”’ lBeifall.) Deutschlands Söhne haben auf den elsässischen Schlachtfeldern nicht darum geblutet, daß sich in diesem, dem Reiche neu angegliederten Lande deutschfeindliche Tendenzen ungestört und ungestraft breitmachen (Sehr wahr!), toir Dci bcr Ordnung seiner staatlichen
S Ua$ dEiriaren Gesichtspunkten verfahren. Es handelt sich darum,
wie eine Hottentottenbevölkerung, wie einen ftemden Völkerstamm. (Widerspruch.) Wenn dieser Vorwurf wirklich erhoben ist, so ist er zweifellos unberechtigt, und er ist ungeeignet, die Wünsche des Abg. Preiß zu unterstützen, denn der Vorwurf wurde in hohem Maße geeignet sein, die Auffassung aller derer zu stärken, die nicht nur das nicht geben wollen, was der Abg. Preiß wünscht, sondern die Bedenken haben, auch nur das Av konzedieren, die verbündeten Regierungen Ihnen Vorschlägen. Die Zeit ist noch gar nicht lange vorüber, wo man in Elsaß und namentlich in den Kreisen des Abg. Preiß und seiner freunde der Ansicht war, daß das, was die Verbündeten Regierungen seht anbieten, in absehbarer Zeit niemals angeboten werden wurde, und ganz
guter preußischer Verwaltung wäre es noch besser gediehen al- unter der Reichsverwaltung. (Heiterkeit links.)
Der alldeutsche Verband
weist aus die drohende Gefahr hin. (Lachen links.) Für seine Ziele hat ja ein Sozialdemokrat kei.i Verständnis. Vaterlandslos zu sein und sein Vaterland nicht zu lieben, halte ich überhaupt für einen großen Mangel. (Lachen bei den Soz.) Wenn die Elsaß-Lothringer nicht das erreichen, was sie wünschen, dann sind sie ganz allein daran schuld: tu Vas voulul
Vizepräsident Dr. Spahn zitiert nach,dem Stenogramm die Stelle der Rede, wo c8 heißt- »Sie beweisen damit, daß sie nicht reif sind!" und erklärt, daß kein Grund zum Einschreiten vorläge, da diese Worte sich nicht gegen Mitglieder des Hauses richten.
Staatssekretär Dr. Delbrück:
Nachdem der Reichskanzler noch einmal die Situation beleuchtet und die Gründe erläutert hat, die die verbündeten Regierungen veranlaßt haben, die jetzige Vorlage einzubringen, könnte es zweifelhaft sein, ob es angezeigt und notwendig ist, noch einmal im Namen der verbündeten Negierungen das Wort zu nehmen. Es sind aber namentlich in den Ausführungen der letzten Redner Bemerkungen gefallen, die eine Antwort notwendig machen. Bei den Ausführungen des Abg. Preiß habe ich mir die Frage borgelegt, was er mit seinen Ausführungen eigentlich bezwecken wollte. Wenn er den Zweck verfolgt haben sollte, die Sympathien für die weitergehenden Forderungen zu steigern, so hat er offenbar einen Mißgriff getan. (Sehr richtig!) Das beweist deutlich der letzte Redner. Er hat den allgemeinen Vorwurf erhoben, daß die elsaß- lothringische Bevölkerung unsere einquartierten Truppen un- freundlich und schlecht behandeln. Der anwesende Staatssekretär von Elsaß-Lothringen hat mich ersucht, demgegenüber ausdrücklich festzustellen, daß ein derartiger Vorwurf in dieser Allgemeinheit nicht richtig ist. (Hört! Hört!) Selbst wenn, was ja überall einmal passiert, die Mannschaften über eine unfreundliche Behandlung zu klagen hätten, so sei demgegenüber doch festzustellen, daß seitens der kommandierenden Generäle nach Schluß der Uebung der Dank ausgesprochen wurde für
die freundliche und gute Behandlung der Mannschaften.
anregen werden und daß jener Zuwachs an Macht und an Stärke, den Elsaß-Lothringen damit erfährt, auch dem Reiche zugute kommen wird. Das ist das alleinige Ziel, welches uns bei unserer Vorlage vorschwebt. Ich richte auch an den Reichstag die Bitte, daß er bei seinen Beratungen und Entschließungen nur diesem Ziel zusteuern möge. (Lebhafter Beifall.)
Abg. Preiß (Demokr.-Elsässer)S
Es scheint, als ob wir Elsässer mit unserer Forderung der A u i o_nomi e allmählich uninteressant und unangenehm werden, weil Elsasi-Lothringen nicht als Mitglied, sondern als Werk- 3 o u 9 fru r gewisse Bestrebungen betrachtet wird. Es ist ein aller
circulus vitiosus:
alä vollberechtigte Deutsche sollen wir erst dann anerkannt werden, wenn wir unsere deutsche Gesinnung offen und unentwegt an den Taa legen; man tut aber alles, um das Aufkommen des inneren Zusammengehörigkeitsgefühls in Elsaß-Lothringen mit Deutsch- lanö geradezu zu verhindern. Wenn eine Angliederung Elsaß- Lothringens an einen Bundesstaat nicht möglich ist, dann muß es zu einem möglichst
gleichberechtigten Mitglied der deutschen Bundes st aaten
erhoben werden. Man vergleiche, was Frankreich Savoyen und ?n01^ Transvaal gegeben hat. Und was hat Deutschland den Elsaß-Lothringern, einer der ältesten Kultur- nationen der Welt gegeben? L e e r e W o r t e sind es, wenn man von der Sicherheit des Reiches in den Grenzlanden spricht. Nicht tvird diese Sicherheit garantiert, sondern nur mit
SBßrIeiljung größerer Rechte an diese Grenzbewohner. Elsaß- ^/hringen weiß, daß cs nur in und mit dem Deutschen Reich politisch und wirtschaftlich sich entwickeln kann. Wo gibt cs aber ein Volk, das em
Heer von Beamten,
die die besten Positionen besetzt halten, so g e d u l d i g u n d bescheiden erträgt wie Elsaß-Lothringen? Würden die Bayernes sich gefallen lassen, wenn zu ihnen 100 000 preußische Beamte kamen?,
Man kann in Elsaß-Lothringen von einer kolonialartigen Pri- SIC0^cuJ?0/rcu&i^ct Beamter sprechen. Ein plausibler Grund für die Aufrechterhaltung des bisherigen Ausnahmeregimes kann vorgebracht werden, auch nicht die Vorgänge in Metz sprechen
Hat nichtauch Berlin sein Moabit?
n°it Roller hat eS verstanden, die größten Hitzköpfe in Lljaß-Lothrmgen zu sich heranzuziehen und sie zu einem ersprieß- liajen Zusammenhalten mit der Regierung zu gewinnen. Unter Der Regierung des einhe i m ischen Staatssekretärs u J-a $ tragen diese Elemente daZ Haupt wieder be.
denklich hoch. Herr v. Bulach vergißt zu sehr seine Qualitäten als eingeborener El,asser. Die Vorlage ist
unwürdigen Provisorium, das durch die neue Verfassungsvorlage verlängert werden soll, ein Ende! Folgen Sie Frankreich, das durch zuvorkommende Behandlung aus den Elsässern ausgezeichnete Franzosen machte.
Abg. Liebermann v. Sonnenberg (Wirtsch. Vg.):
Die umständlichen Ausführungen des Vorredners beweisen, daß der Zeitpunkt noch nicht gekommen ist, dem Reichslande eine eigene Verfassung zu geben. Die Mehrheit der Elsaß-Loth- ri.n9er noch nicht reif dazu! Auch Fürst Bismarck würde sie nicht für würdig dazu halten. (Oho-Rufe.'i Der Vorredner hat die Erste Kammer für unannehmbar erklärt, der Reichskanzler hat die ganze Vorlage unerreichbar genannt, ohne diese Erste Kammer. Der Schluß liegt nahe, den ich und andere wünschen. Man soll den Elsaß-Lothringern erst eine Frist geben, politisch reif z u werden. Wir haben den uns aufgezwungene Krieg gegen Frankreich nicht für Elsaß-Loth- rnigen geführt, sondern fürs Reich. Auch heute noch droht
vom Westen die Gefahr.
Der Revanchegedanke lodert dort immer noch unter der Asche! Er lodert auch aus den Reden des Herrn Jaures! (Lachen bei den SozZ Der Deutsche lebt im Reichslande wie in Feindesland. (Lachen und Widerspruch.) Die Soldaten werden von den Elsaß- Lothringern bei jeder Gelegenheit übervorteilt. (Heftiger Wioer- spruch bei den elsaß-lothringischen Abgeordneten, Abg. Preiß: .ö ur O r b n u n g!) Darübr hat der Präsident zu entscheiden, nicht ein beliebiger Abgeordneter! (Große Unruhe bei den Elsaß- Lothringern; Vizepräsident Spahn bittet um Ruhe.) Die Herren Elsaß-Lothringer sind ja nur selten hier, man hat nicht ost das Vergnügen sie zu sehen, da sollten sie doch nicht die Verhandlungen stören! (Unruhe.)
Ueberall schikaniert man die deutschen Beamten
und Soldaten! Alle Soldaten, die ins Elsaß geschickt werden, sollten französisch lernen, damit sie sich wehren können, wenn die Bauernburschen sich über sie luftig machen wollen. (Heiterkeit! , elsaß-lothringische Bevölkerung hat sich durch die
j/?ss3osische Presse zu fortgesetzten aktiven und passiven Widerstanden gegen die Behörden aufstacheln lassen. Dadurch wird die Sicherheit des Reichs bedroht! Dazu kommt der eigentümliche französische Brief SchlumbergerS in den „Berliner Neuesten Nachrichten"! _ (Zuruf: Das ist eine Mystifikation!) Ist gegen öen Polizeipräsidenten von Mülhausen eingeschritten worden, der revolutionäre Umzüge gestattet?
Wir lehnen wegen aller dieser Vorfälle die Vorlage vollständig ab.
Die Elsaß-Lothringer sind selbst schuld daran, weil sie sich FP- den Deutschen im Reiche nicht gleichftellen wollen, weil sie lebe Gelegenheit wahrnehmen, die anderen Deutschen zu über- borteilen. (Lebhafter Widerspruch bei den Elsaß-Lothringern und Zurufe: Das ist nicht wahr!) Sie beweisen damit, daß sie nicht u <m\b‘ . (Unruhe. Emmel: Zur O-dnungl) Ich sehe von Mitgliedern dieses Hauses ab. Wir halten die geplante Ver- fasiungsanderung für
eine Gefahr für die Sicherheit des Reiches. Wir können daher nicht für die Kommissionsbeschlüsie stimmen. Das d^nn^^ s" Zurückziehung der Vorlage. Wird Kommissionsberatung beschlossen, so behalten wir uns toeitere .Schritte vor Mit unserer Ansicht stehen wir wohl ver- emzelt im Reichstage da, aber nicht im Lande.
rcr-r« ein V.erlegenheitsprodukt.
^siaß'Lothringen bleibt nach der Vorlage Objekt des Reiches und wird nicht Subjekt, Wir müssen, schon um unsere Würfe zu wah- ren, bei unserer Forderung der Autonomie bleiben. Von einer Monarchie will kein Mensch in Elsaß-Lothringen etwas roiffen. Das Land ist streng demokratisch. Da unsere Wunsche nach Autonomie aber keine Aussicht auf Durchführung haben, so sollte man uns wenigstens einen Statthalter auf Lebenszeit gewähren, wodurch die Landesberwaltung von Berlin unabhängig wird. Er könnte die drei Vertreter für den Bundesrat bestimmen und instruieren. Die Verfassung, wie sie letzt gegeben werden soll, ist keine Verfassung, da sie ja jederzeit v o n außen her, durch den Reichstag und Bundesrat, wieder aufgehoben werden kann. Wir verlangen deshalb, daß die tatsächlich nicht mehr ausgeübte Einwirkung von BundeSrat und Reichstag auf die Landesgesetzgeöung auch rechtlich beseitigt wird. Wir fordern weiter ein allgemeines und gleiches Wahlrecht für die Zweite Kammer. Absolut unannehmbar ist die Bestimmung, daß der Kaiser einen Teil der Ersten Kammer ernennt. Machen Sie hier im Reichstage dem
deswillen nicht unwidersprochen bleiben, weil sie nach meiner Ueberzeugung keineswegs der Auffassung der Mehrheit der Elsaß. Lothringer entsprechen. Er hat, um den Anspruch auf volle Autonomie zu begründen, dieschärfstenVorwürfegerichtet gegen das Deutsche Reich und seine Organe, vor allem die Straßburger Regierung. Er hat uns hier den Vorwurf gc macht, daß wir die Elsaß-Lothringer behandelten


