Ausgabe 
25.3.1911 Erstes Blatt
 
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Kraft und des Bundes, tote die Weltgeschichte ttamt

einen zweiten zu verzcichncn hat.

DasD c utsc'j c jBolksblatt" bcntcrH:

Jedem, dem die 1 hoimiaiiMiifilinig unseres Vaterlandes am Herzen liegt und der ihre Politik boiicmb in eine gedeihlich« friedliche Entwiellung - erblirgenden Bahnen festgehalüm wissen will, insbesondere wir Deutschen Oesterreichs, begrüben freudigst die neuerliche Bekundung der persönlichen Freiurdschaft itnb poli tischen Uebereinstinnnung der Helden Herrscher.

Wien, 24. März. Das deutsche .H'aifcrpanr blieb nach- mittagd in Schönbrunn, wo es mit Kaiser Franz Josef eine cinftünbige SpaHerfahrt im Schloßpark unternahm. Prinz Joachim intb 'Prinzessin VÜtoria Luise besichtigten in Begleitung der Erzherzogin Ella die Hofburg, den kaiserlichen Marstall und die Sehenswürdigkeiten der Stadt. Abends 7 Uhr begann die Galatafel int Schönbrunner Schloß Heute abend sei', en Kaiser Wilhelm, die Kaiserin und Prinzessin Viktoria Luise uom Bahn Hofe Hetzen dors aus ihre Steife nach Korfu über Venedig fort. Eine offi­zielle Abschiedsauslvartung unterblieb, doch wollte Kaiser Franz Josef es sich nicht nehmen lassen, den erlauchten Gästen das Geleite zum Bahnhof zu geben. Die deut­schen Majestäten traten im Zuge an das Fenster und winkten, während sich der Zug langsam in Bewegung setzte, dem hohen Gastgeber freundliche Grüße zu. Nachdem der Zug die Station verlassen, verabschiedete sich Kaiser Franz Josef herzlich von dem Prinzen Joachim, der sich vom Bahnhof Hetzendors direkt zur Rücksahrt nach Berlin nach dem Nordbahnhofe begab. Kaiser Franz Josef verlieh dem Prinzen Joachim von Preußen das Großlreuz des Stephans- ordens und der Prinzessin Viktoria Luise das Großlreuz des Elisabeth-Ordens.

Mus den hessischen ttainnier Ausschüssen.

öb. Dar IN st a b t, 24. März.

Aus dem Finanzausschuss.

Der Finanzan^-mb Der Zweiten Kammer tagte heute und beriet über die Regierungsvorlage betr. die Bekämpfung der Reb - schädtinge, welche mit einem kleinen Zusatz Annahme fand. Die Anträge Köhler.Langsdorf betr. den Wetterdienst., sowie oie obere Bürgerschute zu Lich werden für erledigt erklärt. Die Anträge der Abg. Ulrich, Sieh und Molthcrn, betr. den Gemein- idzastsvertrag, sollen in der nächsten Woche gemeinsam mit der Mtcgierung besprochen werden. Die Anträge Pagenstecher und Dr. Scl-mitt, be.r. Die Gemeindesteuer der Gemeinschastöbeamten, werden für erledigt erklärt. Zu der Vorstellung, betr. die Bahn BensheimLindenfels, sott tue Regierung aiucr oen jeßigen Stand ücr Angelegenheit um Auskunft ersuclst werden. Der Antrag Raab zum Finanzgcstzi, sowie der Antrag Reh, betr. den Rat- Hausbau in TllSfeld, werden mit Rücksicht auf die vor­liegenden Kamm erb esckstüsse vorläufig für erledigt erhärt.

Tas Wahlgesetz.

Der Gesetzgebuugüansi<onst der Jweiten Kammer tagte heute unter Vorsitz des Abg. v. Brentano imb bcfdxütigtc sich zunächst mit dem Wahlgesetz, wobei folgende Beschlüise gefaßt wurden:

Der zu Art. 67 Pos. II von der Ersten Kammer gestellte Antrag, nach welchem eine Forderung, die einen Kostenäufwanb über 200 UDO Mark erfordert, der ans dem Wege der Anleihe gedeckt werden soll, nicht mehr im Budget Ausnahme findet, sand nach Erläuterung durch den Staatsminister Annahme. Der Art. 75 (Antrag Wolf) wurde nach der von der Ersten Kammer erfolgten Annahme gutgeheißen, mit 4 gegen) 2 Stimmen bei 1 Stimmenthaltung.

Dann wird der von der Ersten Kammer gestrichene Absatz 3 (Antrag Reh), wonach es einer Ablehnung gleich zu achten ist, wenn eine Gesetzesvorlage nicht durch Abstimmung erledigt wird, beibehalten, entgegen dem Beschluß der 1. Kammer der Antrag der I. Kammer statt der von der 2. Kammer bewilligten 2 Vertreter des Handels, der Jndnstrie insiv., sowie eines Arbeitervertreters, nun je 1 Mitglied, sowie feinen Arbeitervertreter in bie Erste Kammer $u senden, würbe mit 3 gegen 2 Stimmen angenommen, bei 2 Stimmenthaltimgen. Bei Art. 15i wurde mit 3 gegen 2 Stimmen beschlossen, die Wahl her Lokalbeamten nicht zu ge­statten. Dafür slimmten die Abgg. v. Brentano, (Schönberger, Wolf, dagegen Fulda, Reh, Stimmenthalt.: Dr. Glässing, Köhler.

Zur Wahlkreiseinteilung erklärt Abg. Wolf, daß seine Freunde an dem Beschluß fest hielten, wonach die Zuteilung von Klein-Linden und W i e s e ck zu Gießen beibehalten werden müsse. Nach diesen teilweise wichtigen Punkten scheint das Wahlgesetz doch nod) nicht alle Klippen umschifft zu haben, was im Interesse der jahrelangen Arbeit wirklich zu bedauern wäre.

Der Aussckiuß befaßte sich dann mit dem Fischereigefctz, das dahin erledigt- wurde, daß die 2. Kammer die von der Negie­rung festgesetzte Gebühr für die Fischereikarte gutheißt -und cs weiter der ^Regierung überläßt, im Interesse der Erhaltung des Mischbestandes in den Altrheinen nur soviel Karten auszustellen, als sie für gut hält. Der Antrag Leun, betr. Verbilligung der Stempelgebühren für Versteiaernngen, die abends nad) 8 Uhr stattsinben, wirb angenommen. Auch sollen alle Notariatsgebühren bet freiwilligen Versteigerungen nach 8 Uhr abenbs von bem Zuschlag befreit werden. Der Gesetzentwurf, betr. die Ober- rechnungSkammcr, wird nach Bericht des .Abg. Schönberger ein­stimmig angenommen.

ihrerseits setzen das Tastwerk einer Schreibmaschine automatisch in Bewegung. Der telegraphische Dienst würde sich jo in einen telephonischen verwandeln.

Von Friedrich Haase. Drei- oder viermal gab der gefeierte Künstler jeinallerletztes" Gastspiel am Stuttgarter Hos- theater. Jedesmal wurden ihm der Ehren viele zuteil. Bei einem ihm veranstalteten Abend im Hause eines Großindustriellen Stutt­garts wurde dem Ebrengast vou dem Herrn des Hauses aud) eine im geistigen Leben der fdjiuäbileben Residenz eine Rolle spielende Persönlichkeit vorgestellt. Haase ließ die Vorstellung mit der ihm eigenen vornehmen Gelassenheit über fick) ergehen. Daraus wandte et sich an den Gastgeber mit den Worten:Sagen Sie mal, lieber Freund, war der Herr ein Theaterkritiker?"Nein," war bie Antwort.Aber warum haben Sie mir ihn beim vorgestellt?" Schweigen hüben und brüben.

* Liebhaber werte. Ans der Sammlung Landa in Berlin kam am Donnerstag ein Teller aus Siena zur Versteigerung. Bei 10 000 Mark Angebot stieg er auf 30 und 40 000 Mark, bis schließlich ein Londoner Kunsthändler Sieger blieb. Ein fast beispielloser Betrag wurde später für einen KrYstallpvkal gezahlt. Es war italienische Arbeit auS dem 16. Jahrhundert mit reichem sigürlidxnn Schmuck. Berlin, Paris, London und Wien rissen fid) um daS kostbare Stück. Wiederum war cs der englische Kunstl-ändler D u r l a dj c r, der mit einem Höchstgebot von 71000 Mark den Pokal eroberte.

Kurze Nachrichten a 1 5t unft u. Wr| sensch afl. Ans eine 25jäl-rige Prvsessorentätigkeit tarnt dieser Tage der Mathematiker Dr. Kral 9t u n g e in Göttingen zurückblicken. Profess >r Runge stcht im 55. Lebensjol-re. Sein Geburtsort ist Bremen. D i e 3 6. SÖJ a n b c r bc r | a m m I u n g b c r | ü b to c ft= deutschen 9t e ifr o 1 o g e n unbJrrenärzte wird in diesem Jahre am 20. und 21. Mai zu Baden-Baden abgehalten werben. Am 21. Ätärz ist in Berlin der Geheime Ober- linauzra: unb Vortragende Rat int Finanzministerium, Professor Otto Moll, früher langjähriger etatmäßiger Professor der Geo- |ic an der Landwirtschaftlichen Akademie B o n n - P o p p e l s - dors, im 60. Lebensjahre gestorben. Zu Ehren des Direktor Hans Gregor, der vor kurzem die Leitung der Wiener Hofoper übernahm, fand gestern ein Festessen statt, das seine ialjlreidxii Freund«' ihm als Zeichen der Verehrung bei seinem ^chcwelt aus der 9teick>sl)auptstadt gaben. And) Gras von Hüllen- Hajeler toolntte der Feier bei und ehrte bau Scheidenden mit einer «mdruckvollen Diebe.

3um Ausstand in Mexiko.

Newyork, 25. März. Einem Telegramm auS Mexiko zlifolge trat daS Kabinett zurück.

91 guapricta (Mexiko), 24. März. Bei La Colorado fand ein Gefecht statt, bei dem 36 Aufslänbische und acht 9)1 onn b er Bundcstr uppen gefallen sind. Die Aufständischen wurden aus der Stabt vertrieben.

Aus Hessen.

Der 1. Vorsitzende des nationalliberalen Vereins Gießen bittet uns um Aufnahme folgender Berichtigung:

Nach Zeitungsmeldungen hat Herr Rechtsanwalt Dr. Pagen- stecher in M a i n z in einer öffentlichen Versammlung gesagt :Herr Prof. G i s e v t u s ist, wie ick) soeben höre, noch vor nicht all» znlanger Zeit Mitglied der deutsch-konservativen Par- t e i gewesen."

In sreisinnigen Kreisen unserer Stadt ivirb kolportiert, Herr Gisevius habe der freikonservativen Partei angehört.

Wie ich gestern dnrck) eine Unterredung mit Herrn Prof. Gisevius erneut erfahren habe, sind diese beiden Behauptungen vollkommen unwahr. L.

Alzey, 23. Mürz. In der heutigen Vcrtrauciis- nlännerversammlung der Z e n t r u m s p a r t ei Alzey-Bin­gen wurde einstimmig beschlossen, auf bic Ausstellung eines eigenen Kandidaten zu verzichten und den Kandidaten der nationalliberatcn Partei, Herrn Dr. Becker (Sprendlingen^ bedingungslos zu unterstützen.

iÄÄlSUWS.

Vertreter aller Parteien brachten in der belgischen Kammer einen Antrag ein, die Universität Gent vom Jahre 1916 ab in eine v l ä mische umzu wandeln. Die Entwicklung werde allmählich vor sich gehen, so daß im Jahre 1924 alte Unterrichtsfächer in vlämischer Sprache gelehrt werden.

Der dänische Reichstag nahm endgültig die Vor­lage betreffend Aenderung des Strafgesetzes an, durch welches die Prügelstrafe als Zusatzstrafe abge­schafft wird.

Aus der französischen Kammer wird gemeldet: Zum Schlüsse der Ansprache über die Marolloansrage wurde mit 365 gegen 74 Stimmen eine Tagesordnung angenom­men, die oer Regierung ba3 Vertrauen der Kammer aus­spricht.

Tie Petersburger Telegraphen-Agentur meldet aus Peking: Bei den Verhandlungen mit dem russischen Ge­sandten über den § 3 der russischen 9iote vom 16. Februar betr. die Lage des russischen Handels im eigent­lichen China bleibt die chinesische Regierung hartnäckig auf dem Standpunkte, daß die Russen lediglich berechtigt feien, uichtchinejische Waren eiuzuführeu und Lokalprobutie auszusuhren. Einige Abweichungen von diesem Prinzip crtUircii die Chinesen als ihrerseits gemachte Zugeständnisse, zu denen sic aber vorn Stanopunkte oer Vertragsbestimmun­gen nicht verpflichtet sind.

Aus Petersburg lvird gemeldet: Die Krisis ist beendet. Stolypin bleibt aus seinem Posten. In seinem Hause fand heute abend ein Ministerrat statt. Der Grund für sein Verbleiben im Amte liegt hauptsächlich in dem Ergebnis der Abstimmung im Reichsrate über die Ein­führung der Semstwoinstitutlonen in den Westgouverne- mcnlS.

Nrrs Statt mit Land.

Gießen, 25. März 1911.

** Tageskalender. Stadttheater: Sonntag nach­mittag 8>$ Uhr: ,M e i n Leopold"; abends 7'/, Uhr:Uriel 21 c o ft a".

Getstliche M u s i k a u f f ü h r u n g des evang. Kirchen- g e f a n g v e r e i n s. Sonntag abend 61/« Uhr in der Stadttirche.

Kolosseum: Tägtjck) Lichtspiele.

K i n e m a t o g r a p h: 'ji.hcl ^-pielplan.

Biograph: Neuer Spielplan.

2t n l a g e m u s i k am Sonntag vormittag 11'/, Uhr in der Süd-Anlage. Spielplnn: 1. Ungarische Lustspiel-Ouverture, von Keler-Bela. 2. Qlnlionollicbcr tn Form einer SuNe von Peter Tschaikowsky: 1 Polnijcher Tanz, 2. Französische Romanze, 3. Böh­mischer Tanz, 4. JlaUemscheS Lied, 5. Russisches Splelinannstied, 6. Tiroler Tanz, 7. Ungarischer Marsch, ö. pieapoluanischeS Tanz­lied. 3. Frsthluigslied uon 2)iendeljohn. 4. Unter dem Sternen­banner ! Alarsch von Sonja.

** Leb re r Personalien. Uebertragen wurde dem Lehrer Egid Thvmasbergcr zu Reisen die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu B.ödesyeim; am 21. März dem Lehrer Jos. von der Embse in Jügesheim eine Lehrer- steile an der Gemeindeschule zu Bretzenheim, dem Lehrer Adam Keil zu Bieber eine Lehrerstelle an der Gern ein be­schule zu Kostheim, der Lehrerin Anita 9t o 11) o f in Münster (Str. Dieburg) eine Lehrerinstelle an der Gemeindeschule zu Kostheim, den Lehrern Joh. Klein zu Gau-Odernheim und Aloys S ch a a ck zu Ober-Mörlen Lehrerstellen au der Gemeindeschule zu Weihcnau, dem Schulamtsaspiranten Joh. Braun aus Rüddingslfausen eine Lehrerstelle an der Ge­meindeschule zu RudingSyain, dem Schulamtsaspiraitten Phil. (Deibel aus Seeheim eine Lehrerstelle an der Ge- meindeschule zu Ober-Saulheim, der Schulamisafpiraniin Katharine S t e l 1 w a g e n aus Mainz eine Lehrerinstelle an der Gemeindeschule zu Bretzenheim, dem ScyulamtS- aspirautcn Joh. Dietrich aus Groß-Zimmern eine Lehrer- Itclle an der Gemeindeschule zu Guntersblum, dem Schul­amtsaspiranten Aug. Schmidt aus Danustadt bie 2. Leh- rerjtelie an der Gemeindeschule zu OberFintenbach, dem Lehrer Steinl). Wein m a n u zu Eusyei.it eine Lehr erstelle an der Gemeindeschule zu Wallertheim, der Schulamts- aspiranlin Elisabethe Kaut h aus Gernsheim eine Lehrerin- steile an der iath. Schule zu Bensheim. Erledigt sind die mit eoang. Lehrern zu be,etzenden Lehrerstellen zu L a n g e n - B r o m b a ch, zu Eifa unb zu Ober-Oh- m e ii. Mit ben Stellen zu Eifa und Ober-Ohmen ist Or­ganisten- unb Lektordienst verbunden; eine mit einem ev. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu U l r i ch ft e i n.

** O r l s g r u p p e für Frauenstimmrecht. Man schreibt uns: Am Donnerstag abend berichtete dic Land- tagsabgeordnete Annie Furuhjelm aus Helsingsors int Hotel Schütz' über das Frauen st i in in recht in F t n n- I a n b. Die finnischen F-rauen erstrebten es seit 20 Jahren. Daß sie es schon 1007 erreichten, ist auf die politischen Ver­hältnisse in Finnland und Rußland zurückzuführen. Finn­land sollte seiner Freiheit beraubt werden; da galt es, fest zujammenZuste,en gegen die Unterdrücker; man tonnte die Hilfe der Frauen in oem ungleichen Kampfe nicht ent­behren. Sind nun alle die schädlichen Folgen einge­treten, die die Gegner des Frauenstimmrechts erwarteten? Die gefürchtete Redseligkeit der Frauen hat sich nicht bemerk­lich gemacht, die weiblichen Abgeordneten reden ganz sach­

lich unb mir über Dinge, bie sie verstehen. Die sozial- bemofraten haben Sitze gewonnen, aber es ist nicht nach zu­weisen, daß die Frauen sie ihnen verschaffen, beim durch das neue Wahlgesetz von 1907 stieg auch die Zahl der männlichen Wanlberechtiaten bedeutend. Es hicroeu feine unglücklichen Ehen durch die Neuordnung geschaffen: die Eheleute wählen meist Angehörige derselben Partei und bic Frau eine Frau, der Mann einen Geschlechtsgenosfen. E- sitzen schon zwei Ehepaare im Landtag. Ein großer Prozentsatz der Frauen übt daS Wahlrechr aus, obgleich das Wählen für die zerstreut auf bem Lande Wohnenden mitten im Winter sehr beschwerlich ist, bie Frauen sind also nicht gleichgültig gegen die Politit. Eine arme Näherin ver­zichtete auf Unterstützung, weil sie das Wahlrecht nicht ver­lieren wollte. Die Frauen interessieren sich weniger für die Machtsragen in der Politik, aber sie treten mit bem ihnen eigenen Idealismus für die Schwachen und Unterdrückten ein. Sie haben schon mehrere Petitionen eingebracht, um herrschende Mißbräuche abzustellen, und es ist ihnen ge. langen, das Schutzalter der Mädchen hinaufzusetzen und die Reglementierung abzuschaffen. Sie tampsen gegen den Altohol, gegen Mißhandlung und Ausbeutung der Kinder and erstreben eine Reform der Ehegesetze und größere Rechte für die unehelichen Kinder. Sie bemühen sich ferner uir bie Einführung von Haushaltungsschulen und scheuen dabei persönliche Opser nicht.

In der Gewerbeschule Gießen sand gestern vor der Großh. Prüfungskommission unter dem Vorsitz des llaatlichen PrüsungSkomiinssars, Baurats Diehm, der Prusungsabschluß dec Gewerbeschul-Abiturienten mit der Beurteilung der schriftlichen und graphischen Arbeiten, sowie dec mündlichen Prüfung statt. Die Leistungen wurden allgemein als vorzügliche anerkannt und von dem Vertreter der Großh. Zentralstelle, Geiverberat Reuter, mit sehr an­erkennenden Worten gewürdigt; besonders wurde die Sicher­heit und Selbständigkeit in den konslriiktioen und statischen Arbeiten, sowie im Bauzeichnen und Entwerfen hcrvorgehoben Die Llbiturieuten waren: Adolf Volk-Gießen, Philipp Klein-Treis a. d. Lda., Leonhard Schmidt-Burkhards­felden, Karl Müller-Niederquembach, Karl Keßler- Annerod, Ludwig Schmidt-Lich, August Agel-Dutenhofen, Heinrich Pfeiffer-Annerod. Zivei Schüler erhielten di« NoteSehr gut bestanden", fünf Schüler die NoteGilt bestanden", ein Schüler die 9loteBestanden". Die Prüsungß- arbeiten bleiben bis Montag, 27. d. M., in der Gewerbe­schule ausgestellt; dadurch ist Interessenten Gelegenheit zv ihrer Besichtigung gegeben.

** Der K eg elbund Dill Lahn Taunus, bem 10 Kegelklubs mit etwa 200 Mitgliedern angehören, hält, wie man uns schreibt, am Soilurag, 26. Marz, hier im Frankfurter Hof eine Versa in mlung ab, um in der Umgebung Gießens bestehende Kegelklubs Lennen zu lernen unb ihnen den Zweck des Bundes mitzuteilen. Der Kegeln bunb Dill-LahnTaunus umfaßt bie Orte Herborn, Wetz­lar, Eisenroth, Weilburg, Honibueg und yat sich zur Auf­gabe gemacht, den deutschen Kegel>port zu pflegen, gegen­seitige Freundschaft zu hegen unb alljährlich abwechselnd ein großes Bundeskegeln mit wertvollen Preisen abzu­halten,

Kreis Büdingen.

-l- B ü d i n g e n , 21. März. - ic P r ü f u n g der Schüler an bei hiesigen Handwerkers chulc findet am 29. Aiärz .statt. Nacy Schluß der Prüfung findet eine Sitzung des Auf­sichtsrats statt, der als Vertreter der Großh. Zencralstelkk für die Gewerbe Geh. Regierungsrat Noack beiivohnen wird, worauf eine Besichtigung der Schülerarbeiten stattfinbet. Die Arbeiten der Schüler werden etwa drei Wochen lang ausgestellt. Nach dein Sckfulschluß beginnt ein Vorkursus für die Meisterprüfung. Im Auftrage des proo. Komitees hatte Herr Kreisrat B o e ck m a n n auf heute nachmittag eine Anzahl Damen und Herren zu einer Sitzung eilige- laden, in der vorbereitende Schritte für ben Blumen- tag der Groß Herzogin zum Besten der Muttcr- unb Säuglingsfürsorge in Hessen beraten wer­den sollten. Nachdem Kreisrat Boeckmann ben Zweck des Blumentages dargelegt und bie Gesichtspunkte angegeben, nach denen in Berücksichtigung der Verhältnisse in ben ein­zelnen Orten ans Werk gegangen werden kann, wurden bie Vorschläge der zunächst aus den Städten Büdingen, Alten­stadt, Nidda, Ortenberg unb Echzell eingclabcnen Damen unb Herren inbezug aus Anzahl der zu bestellenden Blumen unb Sammelbüchsen, sowie der mit dem Verkauf zu be- trauenben Damen besprochen, weiter die Frage etwa zu veranstaltender geeigneter Festlichkeiten am Blumentage, wobei auf die Mitwirkung der Vereine gerechnet wird, speziell in der Kreisstadt Büdingen, erörtert. Das durch Zuziehung weiterer Personen noa) zu verstärkende Komitee wird in einer späteren Sitzung sich über bie Einzelfragen schlüssig machen, so daß man alten berechtigten Wünschen gerecht zu werden und ben Ziveck des Blumentages zu er­reichen hofft.

Starkenburg und Nheinhesfen.

R. B. Darmstadt, 25. März. Während bic seit­herigen Gastspiele erster Kräfte am Hoflheater beim Publi­kum wenig Beachtung fanben, fand das gestrige 1. Gast­spiel bes bayerischen Kammersängers Knote vor aus­verkauftem Hause statt. Der Vorstellung wohnte auch das Großherzogspaar unb bec Fürst zu ^olins-Hohensolms- Lich bei. Knote erntete als Tannhäuser mit seiner Part­nerin Fräulein Geyersbach für feine hinreißenden gesang­lichen Leistungen außerordentliche Triumphe. Audi für das morgige zweite Gastspiel, bei dem Knote den Walter Stolzing im Tannhäuser singen wird, ist das Haus aus­verkauft.

Kreis Wetzlar.

X Kinzenbach, 24. Mörz. Unser Ort ist in diesen Tagen an das Telephon netz von Gießen angeschlossen worden. Während die Ntuller'jche Dampfziegelei im Jahre 1905 auf eigene Kosten Anschluß nahm, ist die Weiterführung bis zum Dorfe (etwa x]t Kilometer) erst jetzt zur Ausführung gekommen.

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EineFürsorgeanstal t".

> Aachen, 24. März

Ein umfangreicher Mißhandlungsprozcß in einer Fürjorge- anstatt bcfdjäftigt die hiesige Strafkammer. Es handelt sich um Vorgänge in der Fürjorgeanslalt a u c l bei Gemünd in der Eifel, die eine private Stiftung ist und unter der Aussicht des Dialonissenhauses in Duisbury steht. Die Anstalt wurde olv Handwerkervildungsstätte von dem inzwisd-en verstorbenen Direktor War lies pegrünbet und steht unter der Leitung von dessen Ehefrau. Die Anklage behauptet, daß bie Witwe Warlies und sieben ihrer Angestellten das Züchtigungsrechr in gröblichster Weise überschritten haben, allerdings nicht in Ausübung eines Amtes, ba den Angestellten bie .BeamtenqNotifikation fehlt. Ein Blatt