Ausgabe 
30.6.1911 Erstes Blatt
 
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sofern nicht vertragliche Verpflichtungen entgegenstehen oder ein billigerer Bezug an dem Amtssitz möglich, ist. Zum Schlüsse ioird noch bemerkt, daß die bezeichnete Stelle auch noch den Aufdruck der Firmen usw. übernimmt und zwar zu einem Preise, der über 200 Prozent hinter dem tarcs- mäßigen Satz zuriickbleibt. Daß der Staat die in Straf­anstalten angefertigten Arbeiten billiger liefern kann wie ein Geschäftsmann, ist klar. Hat er doch, von allem an­deren abgesehen, nicht die Löhne zu zahlen, tvie das Ge­werbe. Nebrigens steht das angegebene Rundschreiben im Widerspruch mit der. ministeriellen Verfügung, daß die staatlichen Druckarbeiten nur in tariftreuen Druckereien angefertigt werden sollen. Es mag zugegeben werden, daß die ordnungsmäßige Beschäftigung der Gefangenen ihre Schwierigkeiten hat, aber nian sollte dann doch auf andere Mittel sinnen und nicht Maßnahmen treffen, durch die eine große Anzahl kleinerer Geschäftsleute jn ihren Interessen geschädigt wird!

Deutsches Reich.

Der Kaiser nahm am Donnerstag morgen in Kiel an Bord derHohenzollcrn" die Huldigung von Mitgliedern der dritten ch fische ii Krieger fahrt entgegen, die auf Dampfern dieHohenzollcrn" passierten. Der Kaiser empfing mittags an Bord das Komitee der türkischen Studien- 'Gesellschaft unter Führung von Dr. Jacckh-Hcilbronn und unterhielt sich längere Zeit mit den Herren. Später hörte der Kaiser den Vortrag des Vertreters des Auswärtigen Amts. Zur Frühstückstafel an Bord waren geladen der Großherzog von Oldenburg mit dem Erbgroßhcrzog und den Prinzessinnentöchteru, sowie der Herzog und die Herzogin Friedrich Ferdinand zu Hol- stein-Glücksbnrg.

DieNordd. Allgcm. Ztg." veröffentlicht die Bestimmungen des neuen Handelsvertrags zwischen D c ii t s ch l a n d und Japan, der am 24. Juni vom Bundesrat genehmigt worden ist. Der Vertrag wird mit Wirkung vom 17. Juli ab in Kraft gesetzt und dem Reichstag beim nächsten Zusammentritt zur nachträglichen G c n e h nm g u n g vorgelcgl. Der Ver­trag ist auf zwölf Jahre abgeschlossen. Er regelt in herkömm­licher Weise die Handelsfreiheit, bezüglich deren besonders be­stimmt ist, daß der gegenseitige Handelsverkehr, abgesehen von den üblichen Ausnahmen, durch keinerlei Einfuhr-, Ausfuhr- und Durchfuhr-Verbote gehemmt werden darf. Hinsichtlich der Schiff­fahrt ioirb der Grundsatz der vollkommenen Gleichstellung mit den Schiffen nationaler Flaggen ausgesvrochen. GiAe Ausnahme davon ist bezüglich der Küstenschiffahrt a.usbedungcn, die sich ausdrücklich die nationalen Flaggen vorbehalten. Das Zoll­abkommen, das gleichzeitig mit dem Handelsvertrag am 17. Juli in Kraft treten soll, enthält neben der M e i st b e g ü n st i g u n g hinsichtlich der Einfuhrzölle einen V e r t r a g s t a r i f, der bei der Einfuhr deutscher Erzeugnisse in Japan und einen solchen, der bei der Einfuhr japanischer Erzeugnisse in Deutschland zur Anwendung kommen soll.

Zur Gründung des elsaß-lothringischen Bundes fand am Donnerstag in Straßburg unter Vorsitz des Abg. Wet- terlö eine von 132 Personen besuchte Versammlung statt. Das beratene und gutgeheißene P a r t e i p r o g r a m in bezeichnet die Erlangung der Ä n t o n o m i e und die Verteidigung der elsaß-lothringischen Interessen im Deutschen Reiche als den Hauptzweck der Partei. Tas Programm zergliedert sich in sieben Paragraphen. 11. a. wird von den Verwaltungsbeamten die Beherrschung der landesüblichen Sprachen und Vertrautheit mit den Sitten des Volkes und seiner demokratischen Denkart verlangt, ferner dic Schaffung eines obersten Gerichtshofes, im Unterrichtswesen obligatorischen französischen Sprachunterricht an den.Volksschulen und Unterweisung in der Geschichte des Landes, ferner keinen Bau der Eisenbahnen nach st r a t e - gischen Gesichtspunkten. Endlich verlangt der Pro­gramm-Auszug Wetterle-Blumenthal Achtung vor der nationalen Eigenart, wie sie sich im Gebrauche zweier Sprachen und im Verkehr zweier Kulturen heransbildetc und ungehinderten Ver­kehr mit den ausgewanderten Landsleuten,es wird keines der Abzeichen, die die Väter zu ehrenvollen Taten begeistert haben, verleugnet, freie Betätigung des Kultus der .Vergangenheit wird gefordert",

Ausland.

Der erste Internationale Kongreß der Jugend- gerichtShöfe wurde am Donnerstag vormittag in Paris unter dem Vorsitz Deschanels eröffnet.

Das neue französische M i n i st e r i u m wird sofort nach .Abgabe der Regierungserklärung eine lebhafte Geschäfts- ordnungsdcbatte zu bestehen haben. U. a. wurden folgende Anfragen angekündigt: Von dem Sozialistisch-Radikalen Viellant ,über die allgemeine Politik des Kabinetts, von bem Sozialisten Bedouce über die Maßnahmen zur Wiedercinstellung der e n t l a s s e ic e n E i se n b a h n e r , und von dein Nationalisten Berich über die Maßnahmen zur Bekämpfung der Lcbenö- tzcittclte uer u n g. Die Frage der Verhältniswahl wird wahr- icheinlich Gegenstand einer besonders lebhaften Besprechung werden, da die Aichänger dieses Systems ihre Erklärung erneut haben, daß sie ihren Gegnern^tveitere Zugeständnisse nicht machen können.

.DieBataille Syndicatiste", das Organ des französischen revolutionären A l l g c in. A r b e i t e r v c r b a n d c ö, ver­öffentlicht ein Rundschreiben des Jiispektors der Paris- LyonMittelincer-Bahn, in dcm darauf hingewiesen wird, daß die Eisenbahmnaterialdiebstähle bei der Paris Lyon Mittelmeerba h n in der letzten Zeit beunruhigende Dimen­sionen angenommen haben. Tic Stationsvorstände werden darin dringend ausgefordert, die Ucberwachung zu verschärfen und die Missetäter ausftndig zit machen. Tas Blatt meint, diefts Rund- ' schreiben bilde einen Beweis dafür, daß die Eisenbahner alles aufbieten, um die Wiedereinstellung ihrer entlassenen Kameraden zu erzwingen.

Die portugiesische Regierung beschloß, zur Ver­stärkung der Garnison von Oporto die I n f a n t e r i e r c i e r v e n von 1907/08 cinzuberufen. In der portugiesischen National­versammlung erklärte der Minister des Aeußcrn, Machado, das Treiben der Portugiesischen Ruhestörer in Galizien vermöge nicht d i e R cpul> l i k z u gefährden. Er habe volles Vertrauen zur Loyalität Spaniens und er freue sich auch über die Achtungs­beweise der übrigen Nationen Portugal gegenüber.

Der e r st e r u s s i s ch c T r e a d n o u g h t ist ilr S e b a st o p o l aus her baltischen Werft vom Stapel gelaufen.

Bei den: Ministerempfang erklärte der- t ü r k i s ch e S u l t a n, er hoffe, daß nunmehr in Albanien kein Blut mehr fließe. Nach einer Depesche des Oberkommaudierenden von Albanien hörte die B a nd e ntä ti g ke it im M irdi t cngeb iete vollständig aus.

Die türkische Regierung beschloß, neue Verstör- I u n g e n nach dem Vilaiet A s s y r zu entsenden. Weiter sollen vier Bataillone von Bagdad nach Muntafik abgehen, um, den Kämpfen der feindlichen Truppen Einhalt zu tun.

Der Ausstand der Seeleute.

,A nisterl) am, 29. Juni. Tic Hafenarbeiter üben elnc wahre S ch r e ck a.n s h e r r s ch a f t ut dem Stadtviertel aus, das )te bewohnen. Sie belästigen die Frauen, Kinder und Arbeits­willigen, zertrümmern die Fensterscheiben der Lcbensmittellicse- ranteir für die Dampfer und mißhandeln deren "Angestellte. 20 chinesische Heizer sind eingetroffen, um in den Dienst der Necderland Company einzutreten. Daß übrigens die Wider­standskraft der Ausständigen nachläßt, geht daraus hervor daß heute der deutsche Dampfer ^Friedrich Krupp" abgcgangen ist und sich darauf fünf ausständige Seeleute und vier holländische Heizer anwcrben ließen, die sich mit den deutschen Löhnen zu­frieden gaben, während die gleichen Löhne von den Streikenden in Rotterdam als zu gering bezeichnet werden.

London, 29. Juni. Die Ab l ö s un g s mau u s ch a f t für das Feuers chif f-anf-Marsey weigerte sich heute früh, den Dienst anzutrelcn. .

Grimsby, 29..ti. Die hiesigen Hafenarbeiter

legten sämtlich die Lo , N) arbcit ans den Schiffen nieder.

Ans rind Land.

Gießen, 30. Juni 1911.

* * Der Großherzog und die Großherzogin sind gestern nachmittag von ihrer Englandreise nach Schloß Wolfs« garten zurückgekehrt.

* Dienstanweisungen für die Direktoren und Lehrer höherer Lehranstalten. Mit Genehmigung des Ministeriums des Innern hat' die Schul-Abteilung unterm 15. Juni Dienstanw eis ungen und zugleich als Teil davon eine ,Geschäftsordnung des Lehrerrats an den Gyrn- nasien, Realgymnasien, Oberrealschulen und Realschulen* erlassen, die an die Stelle der durch Amtsblatt vom 12. Juni 1902 bekannt gegebenen Geschäftsordnung tritt. Die Dienst­anweisungen bezwecken im wesentlichen, in knapper Form und unter Vermeidung methodisch-didaktischer Hinweise die äußeren Beziehungen des Direktors und der Mitglieder des Lehr­körpers zueinander und zur Schule zu regeln. Es bleiben daher neben ihnen die für alle Beamten geltenden Bestimm- ungen und die früher über die Dienstführung der Direktoren und Lehrer ergangenen Amtsblätter, Ausschreiben und Ver­fügungen, soweit sie nicht mit ihnen in Widerspruch stehen, in Kraft. Auf die Direktoren der Seminare, der höheren Mädchenschulen, die Rektoren der höheren Bürgerschulen und auf die an diesen Schulen wirkenden Lehrer und Lehrerinnen finden die Dienstanweisungen sinngemäße Anwendung.

T a s dritte Abonnemcntskonzert unserer Regi- mcntskapelle erfreute sich wieder eines guten Besuches. Das Programm, das recht abwcchscluiigsrcich zusammengestellt war, wies verschiedene Nummern auf, die für Gießen neu waren, und für deren Veranstaltung die Kapelle lebhaftesten Beifall erntete. Zuerst wäre der in feinen ersten Takten sehr ansprecheiide, bann aber unter überreicher Ornamentik leidende Walzer aus dem Rosen- k'avalier zu nennen, mit dem Richard Strauß einen so außer­ordentlichen Sensatiouserfolg errungen hat. Großen Beifalles er­freute sich auch Die Fantasie aus der d'Albertschen Oper Tief­land. Auch die als Zugabe gespielten Rosenlieder des Grafen Eulenburg fanden lebhaften Beifall, und die yumorvolle Fan­tasie, ein Solisien-Wettstreit, wurde ebenfalls sehr beifällig auf- geuommen. Außer den zwei Fanfarenmürschen für Heroldstrom­peten, die sehr gut heraiistamen, war es dann vor allem die Schluß- nummer, Die mit großem Interesse aufgenommen wurde, Deutsch­lands Erinnerungen an die Denkwürdigen Kriegsjahre von 1870/71, die sehr geschickt und wirkungsvoll komponiert sind, machten einen nachhaltigen Eindruck und das Auftreten eines ganzen Trommler- und Pfeiferkorps war von zündender Wirkung. Die einzelnen. Abteilungen wurden von Obermusikmeister Löb er sehr fein durch- geführt und Die Abjayrl der Lruppen, das Rollen des Eifenbahn- zuges u. a. wurden überraschend naturgetreu ausgeführt,

* Selbstmord. Ein Unteroffizier der 3. Kom­pagnie, der sich wegen eines schweren Hautausschlagcs im Lazaret befand, hat sich gestern erhängt. In einem hinterlassenen Briefe gibt er als Grund seiner Tat die Be­fürchtung au, daß seine Krankheit unheilbar sei und daß er deshalb aus dem Leben scheide.

* Tiere, die man schützen sollte. Es gibt gar viele Tiere, die au§ Unwissenheit von den Menschen, beson­ders von Kindern, verfolgt und getötet werden, obgleich sie uns von unberechenbarem putzen sind. Der Frosch ist ein Jnscltenvcrlilger ohnegleichi.n; Fliegen, Mücken, Motten, Schmetterlinge, Erdflöhe, Larven usw. sind seine Speise. Die Kröte vertilgt m Gärten und Feldern bei ihrer Gefräßig­keit unglaubliche Mengen Regenwürmer, Käfer, Raupen u s. f. und wird von Gärtnern absichtlich in die Gärten versetzt. Ferner ist nützlich der Igel, da er ausschließlich von Mäusen, Erd- und Nachtschnecken, Engerlingen u. dergl. lebt. Die Blindschleiche, welche dec blöde Volksglaube für giftig hält, ist gänzlich unschädlich, aber als Jnsektenvertilger hervor­ragend. Vor allem aber verdient der überaus nützliche Maulwurf mehr Schutz. Unsere eifrigsten Gehilfen bei der Insektenvertilgung aber sind und bleiben unsere Sing­vögel, die jetzt für ihre Jungen Millionen dieser Schädlinge bedürfen.

Kreis Büdingen.

r. Büdingen, 29. Juni. Tierarzt Moritz T oct er hier, der heute' auf eine 20jährige Praxis in Büdingen und Umgebung zurückblickt, ist zum Fürstlichen Hof-Tierarzt ernannt worden. (Herr Docter, der auch als Lehrer der Tierheilkunde an der landwirtschaftlichen Winterschule wirkt, stammt aus Gießen. Red.).

-l- Büdingen, 29. Juni. (G crn c i n d c r a t s s i tzu n g.) Tic heutige, vollzählig bc|ud)tc Gcmeinderatssitzung hatte als ersten Gegenstand die Pflasterung der Straßen der Stadt Büdingen auf der Tagesordnung. Auf die ausgeschriebenen Ar­beiten, die in zwei Abschnitten auSgesührt und nur an einen Unter­nehmer vergeben werden sollen, waren 1-1 Angebote eingegangen, die sich zwilchen rund 80000 und 150 000 Mark bewegten. Der mit Der Prüfung Der Angebote betraute Ausschuß hat beantragt, Den Zuschlag dem Mindestsordernden, der Firma Fr. Zipp-Söhne in Gelnhaufeu, zu übertragen, Deren Forderung fich auf 79 794 Mark beläuft. Es wurde nach langer Beratung, in her u. a. KreiSstraßeumeister Straus-Büdingen über die von ihm besich­tigten Pflasterungen einer Reihe von Städten berichtete, beschlossen. Der Firma den Zuschlag zu erteilen, über die für die hiesigen Boden­verhältnisse empfehlenswerteste Herstellung des Unterbaues einen Sachverständigen < Stadtbaumeister Braubach-Gießen) zu hören und mit den Arbeiten sofort zu beginnen, und weiter das sog. Bogen- Kleinpflafter in Anwendung zu bringen. Dem Anträge, mit der Neupflasterung, die noch fehlenden Hydranten einzubauen, stimmte der Gemeinderat zu. Tie über eine aus Anlaß der Errichtung Des Gaswerkes bereits vollzogene Kapitalaufnahme bei der Für- sorgekassc für Gemeindebeamten und der Beamten-Sterbekasse aus­gefertigten Schuldverschreibungen werden von den Mitgliedern des Gemeinderars unterzeichnet. Der von dem Ministerium emp­fohlenen Kapitalaufnahme 'bei her Landeshypothekenbank soll im gegebenen Falle näher getreten und hie zunächst noch nötigen Gelder bei ber Bezirkssparkafse ausgenommen werden. Gegen die Heranziehung zu den Kosten ber Kanalisierung ber Bahnhofstraße ist von einigen Anliegern Einspruch erhoben worben. Es wird beschlossen, bem Einspruch in ber Form statt- zugeben, baß bie Anlieger nur den Betrag zu bezahlen haben, her sich als Differenz zwischen der früheren und der neuerdings aus» geführten Kanalanlage ergibt. Mit bem Zufüllen eines Grabens m Der von Albr. Sichel gepachteten alten Bleiche auf städtische Kosten, erklärt sich der Gemeinderat einverstanden. Der Bei­tritt der Stadt Büdingen zum Arbeitsnachweisverband wird abgelehnt. Tie Bewohner der Pfnorstvaße haben beantragt, den Dienst des Nachtwächters und das Ausschellen auf die genannte Straße auszudebnen. Ter Antrag wird, soweit er die nächtliche Bewachung betrifft, genehmigt, das dlusschellen, bas im all­gemeinen als nicht mehr zeitgemäß betrachtet wirb, wirD abge- lehnt. Tie Bahnmeisterei beabsichtigt, im Bahn Hofe die Gasbeleuchtung einzuführen. Ter Antrag aus einen Gas- prcisnachlaß wird abgelehnt mit her Begrüntzmig, baß ber Gas-

u er brand' im Cmp'SngSgcT'-udc ben cinc5 Privatabnchmcrs nicht erheblich übersteigen wirb. Im Falle der Gasverbrauch auf die übrigen Bahnhofsänlagen ausgedehnt wird, soll ein entsprechender Preisnachlaß in Erwägung gezogen werden.. Zur Begründung wurde mitangefübrt, daß für die erheblich größere Bahnhofsanlage in Friedberg ein Nachlaß nicht gewährt wirb. Einem»Anträge, bas Betreten her sog. Ländereien in der Zeit von 9 Uhr abends bis 6 Uhr morgen» zu verbieten, tritt her Gemeinderat nicht bei. lieber einige weitere Gegenstände hex Tagesordnung wird in nichtöffentlicher Sitzung verhandelt.'

-l- Aus dem Kreise Büdingen, 30. Juni. Die Kirschenernte, von der ein guter Mittelertrag zu er­warten ist, ist jetzt in ben vorwiegend mit Kirschbäumen be­pflanzten Gemarkungen im Gange. Tie Preise int Einzel- Verkauf halten sich in mäßigen Grenzen. Ter Durchschnitts­preis beträgt 15 Pfg. das Pfund, was billiger verkauft wird, ist minderwertig. Die als Kirschenzüchter in Betracht kom­menden Gemeinden H i m b a ch und Rodenbach hatten auf der Ausstellung bev Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft in Kassel ausgestellt. Es erhielten erste Preise die Ge­meinde Himbach, Heinr. König und Karl Will in Roden­bach, zweite Preise Gemeinde Himbach und Peter Will und Wilh. Bern I. in Rodenbach, dritte Preise: Bürgermeister Loh, Jakob Berg und Heinr. Loh in Rodenbach. Einen reichen Ertrag 'bringen die Johannis- und Stachelbeer­sträucher, die damit bepflanzten Gärten bieten einen herr­lichen Anblick. Private und Konservenfabriken bereiten sich auf das Ein koch en der Früchte vor, so baß letztere einen immerhin ansehnlichen Preis behaupten. Von den Obst­sorten dürften, was die Menge betrifft, Zweischen unv Mira­bellen an erster Stelle stehen, dann Armen, während der Behang von Aepfeln an manchen Bäumen reichlich bis mittelmäßig ist, an vielen Bäumen aber ganz fehlt. Ddan hatte nach dem Blütenansatz mehr erwartet.

-l- Mittelgrün d an, 30. Juni. Die Spuren des Unwetters der vorletzten Maiwoche, durch das unser Ort so arg verwüstet wurde, verschwinden nach und nach bis auf die, die sich noch, nach Jahren bemerkbar, machen werden. Auf den Feldern hat sich, durch die Sonne hervorgelockt, manche Pflanze wieder erholt; die Stellen, an denen Kartoffelsträucher dem Verderben anheim fielen, sind jetzt mit Tickwurzpflanzen besetzt. Die so bestellten Äecker bieten neben und zwischen den teilweise verwüsteten. Kornäckern, den sich erholenden Sommerfruchtäckern und den Flächen, auf denen ber Schlamm heute noch fußhoch liegt und die in diesem Jahre für die Bestellung nicht mehr in Frage kommen können, einen eigenartigen Anblick. An beit Dämmen nnb Einschnitten ber Eisenbahn sind rührige Arbeiterkolonnen mit der Ausbesserung be­schäftigt; hier wird durch Faschinenwerke, dort durch Maurerarbeit versucht, die Bewegung ber Erbmassen für später zu verhindern.

r. Wenings, 30. Juni. Die vor etwa Jahresfrist in Konkurs geratene Dampf Molkerei ist von der Ge­meinde Wenings erworben worden und wird pom 1. Juli ab wieder in Betrieb genommen.

Kreis Alsfeld,

Alsfeld, 29. Juni. Vom Neuban der städtischen Volksschule stürzte gestern ein Maurergehilfe von Eudorf und blieb bewußtlos liegen. Er wurde in das Kreiskrankenhaus gebracht. Anscheinend hat er innere Ver­letzungen erlitten. Gelegentlich der Besetzung der Stadt- schulbienerstelle hatten sich im ganzen 61 Bewerber ge­meldet. Der größte Teil dieser stammt aus dem Kreise Gießen.

+ Ober-Gleen, 29. Juni. ^Feuerlärm ertönte gestern kurz nach Mitternacht in ünferm Orte. In der Hof- re ite des Landwirts Hch. Opperthänser mar Braud ausgebrochen, dessen Entstehung noch nicht sestgestel'lt werden konnte. Die Firttervorräte wurden ein Raub ocr Flammen. Von dem Inventar konnte wenig oder fast gar nichts gerettet werden. Am Morgen sah man nur noch einige Mauerreste stehen. In Gemeinschaft mit der Feuerweyr Heimerts­hausen wurde eine weitere Verbreitung des Feuers ver­hindert. Zum ersten Male trat unsere kürzlich fertig- gestellte .Wasserleitung bei einem Brande in Tätigkeit,

Kreis Lauterbach.

---Lauterbach, 29. Juni. Ein Vorkommnis, das leicht schlimme Folgen hätte haben können, ereignete sich gestern abend 11 Uhr in der Lindenslraße hier. Dort werden zurzeit Kanalisationsarbeiten vorgenommen und die Straße ist für den Fuhrwerksverkehr gesperrt. Trotz der Sperre und an dieser angebrachten Beleuchtung fuhr ein zur Bahn fahrendes, mit zwei Personen besetztes Fuhrwerk in scharfem Tempo durch die Straße, Sperre und Laterne mit sich umreißend, bis das Pferd auf einen aufgeworfenen Erdhaufen dicht vor dem etwa 3 Meter tiefen Kanal auflief. Im letzten Moment und durch Zuruf von Passanten merkte jedoch der Führer die Gefahr und konnte das Pferd noch schnell zur Seite lenken, so daß ein folgenschweres Unglück vermieden wurde. Pferd und Wagen wurden, da sich das Fuhrwerk zwischen auf­geschichteten Holzhaufen festgefahren hatte, durch herbcieilende Bewohner wieder flott gemacht, ohne weiteren Schaden er­litten zu haben.

Kreis Friedberg.

-1-. Butzbach, 29. Juni. Die Landwirte in unserer Gegend lenken jetzt mehr als früher ihre Aufmerkfamkeit auf die Pferdezucht, denn im Jahre 1911 wurden auf der hiesigen Beschälstation 221 Stuten bedeckt. Diese Zahl wurde hier noch nie erreicht.

x Bad-Nauheim, 29. Juni. Eine Sitzung ber Stadtverordneten wurde heute nachmittag abgehal­ten. An bie Eifenbahnverwaltung würbe eine Eingabe des Inhalts gerichtet, baß ber 10.53 Uhr hier fällige Bäderzug Frankfurt Wiesbaden Bad-Nauheim Berlin und sein Gegenzng eine bleibende Einrich­tung werden möchten, auch in den Wintermonaten. Der Zug, der eine vorzügliche direkte Verbindung mit Berlin bietet, erfreut sich beim reisenden Publikum großer Be­liebtheit; er hat sich in ber kurzen Zeit seines Bestehens schon gut eingeführt. Von der Polizei wurde eine Ver­ordnung vorgelegt, wonach Kindern ohne Aufsicht von Er­wachsenen der Besuch des Kinematographen-Thea- ters verboten ist. Die Vorlage findet die Zustimmung ber Versammlung. Für das V e r t e h r s f e st am 16. Juli bewilligen bie Stabtfrerorbneten 200 Mark, dazu noch 60 Mk. für einen Preis beim Blumenkorso: ber Preis )o(l als Ehrenpreis der Stadt Bab.9rauheinl bezeichnet werben. Bei ber Neufestsetzung des ortsüblich en Tagelohns einigte man sich für Männer auf 3, für Frauen auf 2 Mark. Die Verpflegung wird für Männer mit 320 Mark, für Frauen mit 295 Mark, die Wohnung mit 50 Mark jähr­lich berechnet. Dem Fußballverein, der am 23. Juli hier Olympische Spiele veranstaltet, werden 40 Mk. be­willigt. Zwecks Anlegung des städtischen Spiel- unb F estplatzes, der halb, in ben Hochwald, halb in