Reichsgerichtsbries.
(Nachdruck verboten.) je. Leipzig, Juni 1911.
Besitzt btc Freie Religionsgemeinde Breslau
Rechtsfähigkeit?
Nach reichsgcsetzlichcn Bestimmungen erlangt ein Verein, dessen Zweck nicht aus einen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb berechnet ist, Rechtsfähigkeit durch Eintragung ui das Pereinsregister des zu- (laubigen Amtsgerichts. Zuständig ist stets das Amtsgericht, in dessen Bezirk der Verein seinen S i tz hat. Als Litz des Vereins aber gilt gemäß 8 24 B. G. B. bet £rt, an dem die Verwaltung geführt wird, icbocb find Ausnahmebestimmungen zu- läliig. Für den vorliegenden Streitfall interessiert bic Frage, ob ber Artikel 84 bes B.G. B. aus bic Freie Neligions- gemeinschast Breslau, die ihren Litz in Offenbach am Main (Hessen) Hal, Anwendung zu finden hat Diese Aus- nahmcbenimmung bes Artikel 84 B. G. H. lautet: Unberührt bleiben bic landesgesevlichen Vorschriften, nach welchen eine Religionsgemeinschaft ober eine geistliche Gesellschaft Rechtsfähigkeit nur im Wege der Gesetzgebung erlangen kann.
Tie Freie Religionsgemeinschaft Breslau hat durch Klage gegen den Nachlaß Müller Auszahlung eines Vermächtnisses in Höhe von 5000 Mark begehrt. Müller war ein geborener Schlesier; er hatte sich in Nord- amcrifa naturalisieren lassen, bann aber lebte er wieder in Deutschland, ohne die deutsche Staatsangehörigkeit wiedererlangt zu haben. Sein gesamtes Vermögen hat er bei Freien Re- ligionsgemcinde Breslau vermacht, die auf Zahlung bes bezifferten Teilbetrages bic vorliegende Klage erhoben hat. Der Beklagte hat ber Klage entgegnet, baß die Klägerin nicht rechtsfähig fei und deshalb nicht klagen könne. Tie Klägerin beruh sich darauf, baß sie in Hessen ihren Sitz habe und nach .Hessischem Rechte bett Sitz ihres Vereins ganz beliebig wählen könne. Allerdings seien bic privatrechtlichen Vorschriften ber Lanbesgesetze nach Einführung bes Bürgerlichen Gesetzbuchs außer Krau getreten; als Religionsgemeinschaft stehe ihr jedoch die Ausnahmebestimmung des Art. 8 4 B. GB. zur Seite, wonach die betreffenden hessischen landesgesetz- lichen Vorschriften unberührt bleiben.
Landgericht und Lberlanbesgericht Breslau haben die Klägerin obgeioicien. Tas Obcrlandesgerickt erklärt, daß die Klägerin ftch ans den Artikel 84 des Bürgerlichen Gesetzbuch- nicht berufen könne. Wenn das möglich wäre, so könnte ein solcher Verein stets die behördliche Genehmigung umgehen und ieinen Sitz an beliebigen Orten wählen. Die Klägerin habe alle ihre Mitglieder in Breslau, fie werde auch in Breslau verwaltet, folglich set Breslau und nicht Offenbach das für bie Eintragung zuständige Amtsgericht. Ta die Eintragung aber nicht beim
bte (Bärten zu liegen kommt, mutzte ein Teil des Geländes von Privaten erworben werden Die Versammlung gibt zur ftauffummc ihre Zustimmung. — Ter Kriegervereii, Hasfia hat an die Stadtverordneten eine Eingabe gerichtet, die die Ueberreichung einer allgemeinen Kriegerspende bc trifft. Es wurde beschlossen, einem jeden Krieger, ob Kombattant ober Nicklkornbattanl, eine Ehrengabe von 25 Mark zu überreichen. Etwa 52 Personen werden noch in Betracht kommen. Angenommen wird dabei, daß bie vermögenden Krieger zu Gunsten der unbemittelten Karne raden oder der Kriegerwitwen auf die Spende verzichten
Starkenburg und Rheinhessen.
R. B. Darmstadt, 29. Juni. Zn der heutigen Sitzung der Stadtoerorbneten wurde vom Bürger- meister Müller eine Erklärung verlesen, die sich gegen bie Angriffe bes hiesigen sozialbemotratifchen Blattes wanbte, bas unter ber Ueoerschrift „Verlorene Millto nen" bie Behauptung aufstellte, bie Stabt sei burch Ver- schulben ber Bürgermeisterei gezwungen worben, bic Ausbeutung ber Braunkohlen lager im Darrn st äbter Stabtwalbin ber Hauptsache ber Grube Messel zu überlassen. Man hätte seinerzeit, ohne sich bic Tragweite biefer Handlungsweise zu überlegen, dein Direktor ber Grube Tr. Spiegel Die SchürferlaudniS erteilt und es auch versäumt, gegen bie erfolgte Beleihung Einspruch zu erheben. Demgegenüber erklärt bie Stadt, daß bie Schürferlaubnis zu verweigern nichts genützt hätte, da bie Erlaubnis nach ben Vorschriften des Berggesetzes nur bann verweigert werben darf, wenn auf öffentlichen Plätzen, Straßen, Friedhöfen ober bergt, gebohrt werden soll. Die Bürgermeisterei habe auch von dem Beleihungsverfahren keine Kenntnis g^jabt; sie hätte aber auch an dem Lauf dieses Berfahrens nichts ändern können. Die Rechtslage ber Stadt fei in keiner Meise beeinträchtigt. Sie werde fhit 15 Proz. an dem Unternehmen beteiligt sein, falls sich bie Abbauwürdiakeit bes Kohlenlagers ergeben sollte. — Auf Anregung der Vereinigung zur Förberung ber Künste in Hessen unb im Rhein- Maingebiet würben als Jahresbeitrag der Stadt zu den Kosten der Kunstzeitschrift „Kunst unserer Heimat" 50 Mk. bewilligt. — Weiter faßte die Versammlung noch den Beschluß, für die Beleuchtung der Zufuhrstraße und des Platzes vor dem neuen Bahnhof rund 21500 Mk. zu bewilligen. Es wurde beschlossen, von der vorgeschla- genen, aber wesentlich teueren Beleuchtung mit Preßgas Abstanb zu nehmen und beit Platz vor dem Hauptbahnhof burch 2—3000lerzige elektrische Bogenlampen unb weiterhin bie cinmünbenben Straßen mit Gas-Hängelicht zu beleuchten.
w. Offenbach a. M., 30. Juni. Tie Arbeüen ar. dem Neubau ber Technischen Lehranstalten am Schloßplatz, ber einen Sloficnaufivanb von 750 000 Mk. erfordern soll, schreiten rüstig fort und sind bereits biö zur Aufführung deö zweiten Stockwerkes gediehen. Die Arbeiten sollen so ge- fördert werden, daß der Rohbau noch in diesem Jahre unter Dach kommt. Auf dem durch den Neubaii erstehenden Hof soll ein Brunnen errichtet werden, für den Kommerzienrat Ludiv. Mayer den Betrag bis zu 100 000 Mk. zur Verfügung gestellt hat. Zur Erlangung von Entivürfen für diesen Brunnen soll jetzt ein Preisausschreiben erlassen werden. Die Entscheidung über die Ausführung cincB Projektes liegt in den Händen des Großherzogs.
Hessen-Nassau.
)( Marburg, 29. Juni. Ein 18jahriger Kaufmann s l e h r l i n g von hier wurde gestern auf der Landstraße zwischen Kirchvers unb Weipoltshausen von einem Strolche angefallen Als ber junge Mann sich zur Mehr setzte, brachte ihm ber Wegelagerer mit bem Messer Verletzungen bei unb versuchte ihn bann ausrurauben. Zum Glück tarn ein Fuhrwerk des Wegs, worauf ber Strolch bie Flucyt ergriff. Die Verletzungen bes jungen Mannes finb leichter Natur.
— Kirchh ain, 28. Juni. Zu ber vom 12. bis 14. Aug. ftattfinbenben Jubiläumsfeier bes hiesigen Turnvereins, mit ber ein Musterriegenturnen oerbunben ist, werben eifrig bie Vorarbeiten betrieben, um ein echt turnerisches Fest zu veranstalten. Bon ben Gauvereinen hofft man auf regen Besuch. — Heute morgen brannte im Dors Großfeelhei m bas Wohnhaus des Schneidermeisters Kraft vollständig nieder. Der Schaden ist durch Versicherung nur teilweise gedeckt. Die Entstehungsurfache ist unbekannt.
F r a n f f u r t, 29. Juni. DieStadtverordueten- versam m lung ft i m m t e der Beteiligung der Stadt an der Errichtung einer Stiftungs-Universität nach ben Anträgen bes Sonderausschusses mit 47 bürgerlichen gegen 19 sozialdemokratische Stimmen zu. Tie Zusatz-
anträge der Volkspartei, die Garantien inbezug auf bie Lehrfreiheit unb Finanzfrage schaffen, wurden einstimmig angenommen.
sc. Wiesbaden, 29. Juni einiger Zeit geben Nachrichten durch die Blätter, in b von einem neuen Kais er schloß in Wiesbaden gefabelt wirb. Heute brachte ein Berliner Blatt sogar genaue Angaben über Erbauer, Kosten, Fertigstellung bes Schlosses Von maß- gebenber Stelle wird über den Fall mitgeteilt. An bic- figer amtlicher Stelle ist von dem Bau eines Kaiserschlosses in Wiesbaden, besonders wie darüber in der letzten Zeit in den Tagesblättern berichtet wurde, nicht das mindeste bekannt, auch ist dem Magistrat nickt einer von ber Anzahl hiesiger Persönlichkeiten der Gesellsckast bekannr geworden, bic bie Kaisersckloßassäre ins Rollen gekrackt hätten. Niemanb ist bis jetzt an ben Magistrat berangc- treten. Daß ber Kaiser in ben letzten Jahren aus dem Grunde einen lurzeren Aufenthalt in Wiesbaden genommen habe, weil ihm Der Aufenthalt im Wiesbadener Schloß nicht mehr zusage, und die Stimmung des Monarchen Wiesbaden gegenüber oeshalb überhaupt nickt mehr so günstig sei wie ehedem, muß auf das allerentschiedcnste Dementiert werden. Hat doch der Kaiser den hiejigen Vertretern der Stadt wahrend seines lepten Wiesbadener Hof- lagerS seine vollste Zufriedenheit über seinen Aufenthalt ausgesprochen unb über das bequeme und geräumige Sckloß Tatsache ist allcroings, daß die Malierin einen Schlvßganen vermißt, lebhaft diesen llcbclftanb beklagt utib beshalb Wies- haben nicht so gerne besucht wie Wilhclmshohe und Homburg v. b. H. Das mit einem Park umgebene ehemalige Herzoglich Nassauische „Palais Pauline", einstiger Witwen- sitz ber Gernablin Herzog Wilhelm I. von Nassau, das Eigentum der Stadt ist und das in der Kaisers chlouasiarc eine Rolle spielt, dem Kaiser mät-rcitb seines hiesigen Aufenthalts zur Verfügung zu stellen ober aber zu diesem Behufe burch einen Neubau zu ersetzen, ist schon wegen des beschränkten Terrains ausgeschlossen, auch wenn weitere fünf große anliegende Villen mit Gärten angekauft, medergelegt und ihr Terrain zum Park miteinbezogen wurde. Der Ma- giftrat wird in feiner nächsten Sitzung sich mit der Kaiser- jchloßaffäre, zumal ein Magislrcusasiejior als „Seele des Ganzen" genannt wurde, beschäftigen, um in Form einer Berichtigung Den Gerüchten entgegenzutreten.
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zuständigen Amtsgericht erfolgt k;. sei bic Klägerin auch nicht recht >rä bi i und deshalb zu der Klage nicht legihmierk
Tic Klägerin griff diese» Urteil de» Obenandcsgcrickus Breslau beim R cicksg - r ickl an unb beriet fick auf mehrere Kommentare des Bürgerlichen Gesepbucks. uni r .inheren auf ben von Planck, der ausfüiirt, daß der Vcrcn Ieinerlei Einschränkung bat in der Bestimmung seines Likes Tas Reichsgericht bat bie Revision der Kläger in z u r ü ckg e >0 l e i e n und da» Urteil bei Oderlandesgcrick'ts Breslau mit der Begründung bestätigt, daß es sich um äne preußische Gesellschaft handelt und desdalb der Artikel 84 des Büracrlicken Gesekbuchs keine Antvenbung linden kann Tic Freie Religionsgemeinschaft ist in Breslau gegründet unb wird auch dort ver- maltet. Sic unterliegt desdalb nickt dem Hessischen Reckt Mithin können auch nur die Bestimmungen des ReichSreckts aut die Frage der Reckisiadigkeii Äiuvcndung sniden Tn die Freie Religion», gemeinschait nach dielen Bestimmungen aber nickt rcchtssähiq ist, ist ihre Klage abgennefen nrorbeii - Tic Erbschaft bc» Herrn Müller fällt nunmehr an seine Berivondten, ober ipenn solche nicht existieren, an den Staat
Vermischtes.
"Die neue Banknote Ans Rom wird ber „Köln Volk-ztg " gcsckrieben: Daß jemnnb in ber ewigen Stabt beinahe erri,ungern mußte, obwohl er hunbert Lire in ber Tasche bei sich trug, dürfte neu sein Kommt ba ein Bäuerlein aus ber dm,;cgenb von Neapel, dessen bewegliches Vermögen aus einem vom Banco bi Napoli neu herausgcgcbcncil, bem amcritaniidien Papiergelb gleichen- ben Hundertlireschein bcjianb, iiaaj Rom unb versucht ben- selben vergebens am vorigen Sonntage in einigen ber hiesigen Citcricii auszugeben. Da bie neue Ausgabe biefer Scheine noch nicht bekannt war, wie? jeder ben Mann zurück, ja, als er feinen Schatz am hiesigen Hauptpostamt wechseln wollte, gab ihm ein eifriger Beamter ben guten Rai, sich schleunigst zu entfernen, wenn er wicht wegen Verbieituna falschen Gelbes verhaftet werben wollte. Um das Unglück voll zu macken, war ber Sonntagsruhe wegen bie Äafje ber Filiale des Banco bi Napoli gcfchlosfen. Kurz: Der Mann mußte trotz seiner IVO Lire währenb 24 Stunden alle Qualen des Hunger», beS Durste- unb ber Mübigkeit burchmachen.
* Tic ausländische Presse Amerikas. In ben Vereinigten Staaten bat sich vor kurzem eine Vereinigung ber fremdsprachlichen Zeirungen gebildet, oer fast alle in '.’ünetifa in nicktenglischer Sprache cischeinenden Organe beigetreten finb. Man erfahrt dabei, daß in Amerika nicht weniger al» 465 Zeitungen und Zeitfchriftcn in fremder Sprache crid)cnicn, 63 Tageszeitungen, 324 Mocheiiblattcr und 78 Monats- beziv. yalbnwnai»- ichriften. Ihre Auflage erreicht zusammen 6 Millionen Ercmplare. An der Spipc fleht die italicnudic Presse Am en las mit 95 Organen, an zweiter Stelle die poluischc mit 55, an dritter die schwe« difchc mit 54 und an vierter die danilch-norivcgischc mit 35 Organen fVon der Stärke der deutschen Presse ist leider nicksts gesagt. D. Red.)
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Amtlicher Wetterbericht.
Oessentliche Wetterdienststelle Gießen.
Verlaus der Mittennig seit gestern früh: Das nördliche starke Ties hat über dem Kanal einen Randwirbcl gebildet, der ostwärts zieht. Aui seiner Rückseite werden wir wolktae» Meller mit ucr- einzelten leichten Niederfchlägen bekommen. Rordivestllche Winde iverden geringe Abkühlung bringen.
MelteranSsichteu in Hessen am CamSlaa dem 1. Juli 1911: Trübling, leichte Niederschläge, etwa» kühler, Nordweslwinde.
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Letzte TTachricDten.
Bremen, 30. ^uni. 'Nach einer Meldung aus London ist über die feit Tienstag verschwundene Bremer Tame^bie etwa 60jährtge Witwe Johanna Vo'gt, geborene Struckmener, aus Bremen, bie am Samstag nachmittag in Begleitung eines etwa 20)(ihrigen Dienstmädchens bie Reise nach Lonbon angetrcten hatte, auaj in Bremen nichts bekannt. (Siehe auch Verm.)
Achtung!
Zwecks Erleichterung ber Geschäftsführung ist es er- sorberlich gewesen, mit bem 30. Juni eine Anzahl auf Widerruf bestellter Anzeigen zur Abrechnung zu bringen. Es kommen babei Haupt,ächltch biejeniaen tleincn Per- mietungs-Anzeiflen in Betracht, bie schon seil längerer 3eit erschienen sind. Die Auftraggeber derartiger Anzeigen werben deshalb um Auftragserneuerunb gebeten, falls fie diese Anzeigen auch weiterhin veröffentlicht zu sehen wünschen.
Verlag des (tziehener Anzeigers.
Von heute bis Dienstag 4. Juli einschl.
keine Sprechstunde
(äusser in besonders dringenden Fällen)
Ab Mittwoch, 5. Juli Frankfurter Str. 10
Telephon 763. 4176
Reinewald, Zahnarzt.
Hausbursche gesucht. I
Bäckerei, Ludwigovlav 3.
Hausbursche
Wo? sagt d. Geichättdst.d.Gieß.Ailz.
Kellnertehrting
gesucht. 4135 Solei Lahns.
Luche zum sofortigen Eintritt gewandtes Zimmermädchen und ein Mädchen f. Nücke und Hauöarbeit. Cfreuen an Frau K. Eunike KurbauS, «ad Salzhausen «Oberhefien'. 1414« Tüchtiges Mädchen am lielnten vom Lande alsbalö gesucht. i>iah. zu erfahr, in ber (ÄcichästSit. b. Gieß. Anz. 105320
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