Ausgabe 
12.10.1911 Erstes Blatt
 
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Tonne und daß eine gedeihliche Kulturarbeit in Marokko bevorstehe.

DerFigaro" schreibt:

Man muß hoffen, daß die Negierung weder den Auffor­derungen der Sozialisten, noch dem Verlangen des Herrn Ch:rle-e Benoist entsprechen, sondern es ablehnen wird, die Kammer vor Abschluß des deutsch-französischen Abkom­mens einzuberufen. Zur gegenwärtigen Stunde muß man sich ausschließlich mit den deutsch-französischen Besprechungen be­schäftigen und ihren glücklichen Ausgang erleichtern, indem man so rasch als möglich auf die Kongokarte die versprochenen Kompensationen, Pie wir als Entgelt für unsere Freihei in Marokko schuldig sind, einzeichnet. Die nervösmachenden An fragen der Kammer und die fieberhaften Diskussionen in den Wandelgängen würden nur genieren oder eine Geiahr, darstellen und nicht dazu angetan sein, die Verhandlungen zu beschleunigen und das Ansehen der Unterhändler zu stärken. Unsere Würde kann mit unnützen Worten nichts gewinnen. Möge Herr Caillaux, tote vor der größten Gefahr, sich davor hüten, die Kammer vor Ab­schluß des Akkordes einzuberufen.

Le Journal" schreibt:Wir glauben zu hn)feu, baf das Parlament nicht vor dem 7. November einberufen wird/

DieKöln. Ztg." meldet aus T a n g e r: Die f r a n z ö s i s ch e F l a g g e ist seit dem 8. Oktober von der B a st i o n von Agadir verschwunden.

Deutsches Reich.

Das Kaiserpaar hat sich nach dem Jagdschloß H' u b e r t u s st o ck begeben.

Nach derNorddeutschen Allgemeinen -Zeitung" fern! 6eint Reichskanzler und seiner Frau am Mittwoch abent ein Diner statt. Hierzu erhielten Einladungen zahlreiche Bundesratsbevollmächtiate und hohe Beamte.

Am 24. Oktober wird in Berlin eine Konferenz von Vertretern der L a n d w ir t s ch af t s k am m er n statt sinden, um sich mit der L and arb eitersra g e zu be­schäftigen.

Die Reichstagsersatzwahl für den Wahlkreis Fritzlar-Homberg-Ziegenhain, für den verstor­benen Abgeordneten Liebermann von Sonnenberg, ist amt lich auf Donnerstag, 30. November, angesetzt worden.

Aus Hanau wird uns gemeldet: Die Wahl vor Ersatzwahlmännern zur Landtagsersatzwah! hat am Dienstag ergeben, daß 34 Nationalliberale, 21 So zialdemokraten und ein Konservativer gewählt worden sind Die Sozialdemokraten haben 5 Wahlmänner gewonnen, di die Nationalliberalen verloren haben. Die National liberalen sind noch in der Mehrheit, sie besitzen 146 Wahlmänner.

Die Versammlung der achten deutsch-nationa­len Konferenz zur Bekämpfung des Mädchen Handels, die am Mittwoch im großen Rathaussaale zu Karlsruhe stattfand, wurde von dem Vorsitzenden von Dirks en mit einer Ansprache eröffnet, worauf Be­grüßungsreden des badischen Ministers des Innern unt des Oberbürgermeisters von Karlsruhe folgten. Aus dem von dem Geschäftsführer erstatteten Geschäftsbericht geht hervor, daß dem deutsch-nationalen Komitee 71 Vereine angeschlossen sind. Landesverbände bestehen bisher nur zwei, in Bayern und in Sachsen. Die Gründung eines badischen Landesverbandes wurde als die vornehmste Auf­gabe der diesjährigen Tagung bezeichnet. Mit dem deutsch­nationalen Bund arbeitet Hand in Hand der katholische Frauenbund mit über 30 000 Mitgliedern und der Verein junger Mädchen. Ter Bericht über den vorjährigen üiter> nationalen Kongreß in Madrid wurde von dem bayerischen Unterstaatssekretär von. Mayer erstattet. Nach ihm sprach noch Geheimer Sanitätsrat Dr. Maretzki über Aufklärungsarbeit.

Arbeiterbewegung.

Die Verhandlungen in der westfälischen Metallindustrie haben zu einer Einigung geführt lDie wöchentliche Arbeitszeit wird von 56i/2 aus 55y2 Stunden vermindert. Die Stundenlöhne um zwei bezw. drei Pfennige erhöht werden. Die Akkordlöhne erfahren eine entsprechende Erhöhung.____________________________ 1

Aus Stadt und Land.

Gienen, 12. Oktober 1911.

Der Arbeitsnachweis im Kreise Gießen.

Dem Publikum scheinen die Vorteile der öffentlichen Arbeits- Und Dienstnachweise immer noch nicht genügend bekannt zu sein. Es sei deshalb wiederholt darauf hingewiesen, daß sich im Kreise Gießen drei derartige Nachweise befinden.

In Gießen (städtischer Arbeitsnachweis), Asterweg 9; Tele phon 95; in Grünberg, Neustadt 78, Telephon 45; tn Hungen, Neugasse 9, Telephon 43.

Die Vermittlungstätigkeit erstreckt sich auf alle Arbeiten von Arbeitern und Arbeiterinnen, sowie Dienstboten, besonders auch landw. Arbeitskräfte (landw. Arbeiter, Knechte, Mägde, Schweizer, Taglöhner usw.), auch Kellner und Wirtschaftspersonal. Nur außerdeutsche Saisonarbeiter sind vom Nachweis ausgeschlossen. Die Vermittlung ist für Arbeitgeber und Arbeitnehmer kostenlos. In erster Linie wird die Besetzung freier Stellen mit im Kreise seßhaften Arbeitskräften erstrebt. Die Arbeits- und Dienstnach­weise sollen den Arbeitgebern die Stellenbesetzung, den Arbeit­nehmern die Stellenauffindung gleichermaßen erleichtern und so den Interessen der Gesamtheit dienen. Die Arbeitsnachweis- ftellen sind auf Grund ihrer Zugehörigkeit sum Mitteldeutschen Arbeitsnachweisverband, der in vielen Orten des Großherzogtums Hessen, der Provinz Hessen-Nassau und angrenzender Gebiets­teile öffentliche Arbeitsnachweise unterhält, tunlichst in den Stand gesetzt, durch telephonische Anfrage bei diesem das jeweils ge­wünschte Arbeitspersonal zu beschaffen oder geeignete offene Stellen nachzuweisen; ohne daß auch hieraus bis auf weiteres besondere Kosten für die Inanspruchnahme erwachsen. Tie Verwaltung des Arbeitsnachweises hat auf die Gestaltung des Inhaltes der Ar­beits- und Dienstverträge in feiner Werse einzuwirken, auch in dieser Hinsicht keine Verbindlichkeit zu übernehmen. Ebensowenig kann sie aber auch eine Verantwortung für die nachgewiesenen Stellen, Arbeits- und Dienstkräfte übernehmen. Ausgiebigsten Gebrauch von den gemeinnützigen Einrichtungen zu madjen, liegt im Interesse von Arbeitgebern und Arbeitern.

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* In Audienz empfangen rourbe am Mittwoch vom Großherzog u. a.: Dekan Wahl von Beienheim.

* Lehrerpersonalien, liebertraqen wurde dem Schulamtsasplranten Gg. Thon aus Hahn (Sir. Darmstadt) die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Glattbaeh.

* Starker Verkehr auf dem Bahnhof Gießen. Der Güterbeförderungsverkehr steigt von Tag zu Tag mehr. Um ihn zu bewältigen, werden täglich von Gießen nach allen

Richtungen durchschnittlich 1 4 Sondergüterzüge gefahren Auch ist der Personenverkehr jetzt sehr stark. Die meisten O- ind Schnellzüge kommen mit Verspätung an. Um die ein­st eken den Rekruten alle in ihre Garnison zu befördern, fahren äglich Rekruten-Sonderzüge.

* Pilze. Der heurige heiße Sommer brachte den Zchtvammerlnfreunden eine große Enttäuschung. Im Wald, ruf Wiesen und all den lauschigen Plätzen, tvo man sonst die üelbegehrten Pilze fand, war bislang nur dürres Laub tnd welkes Gras. Nun aber hat der Regen der letzten Zeit eine Wandlung gebracht. Der Pilzfreund kommt bei einer Wanderung auf seine Kosten. An faulenden Stäm­men im Wald wuchert üppig der honiggelbe Hallimasch m Nadeldickicht und unter Buchenstämmen leuchtet bei nach Aprikosen duftende Pfifferling oder Eierschwamm und auf etwas feuchten Wiesen wächst, wie das besonders in warmen trockenen Jahren der Fall ist, zurzeit in großer Menge der .König der Hutpilze, der wohlschmeckende Eham ügnon, weithin sichtbar mit seinem zarten Weih. Hat man im Frühherbst vergeblich nach den kleinen Freunden gespäht und vermißt man auch dieses Jahr manche Arter, jon den Nährlingen, darunter den Steinpilz, fast ganz, o bietet die Natur jetzt in den warmen Herbsttagen dem /iebhaber noch unerwartet eine schöne Ernte. An manchen Stellen kann der Pfifferling und der Champignon, die fiel beide zum Sterilisieren und Trocknen gut eignen, körbe oeise geborgen werden. Darum auf zur Pilzbirsche! Ball st der Spatz vorbei. Die ersten stärkeren Herbstfröste zer- lören die ganze schwammige Herrlichkeit. Pckze, die untern- Frost gelitten haben, sind gesundheitsschädlich.

* Kein Betrug. Zu unserer Siolij, wonach em lellner einem Gast ein 20-Mk -Ststck, das er als Zablnnu rhalten, unterschlagen habe, sei mitneteilt, daß der Kellnei ms Geld zurstckqeqeben hat. Er war angeblich in mehreren Geschäften gewesen, bis er das 20-Mk.-Stück gewechselt er- stelt, weshalb beim Gast der Verdacht entstand, er sei durch, lebrnnnt und Anzeiae erstattet wurde.

** Besitzwechsel. Dem Vernehmen nach hat die Stadt­verwaltung die Häuser des Kohlenhändlers Lotz und des Hof- konditors Lind am Kirchenolatz angekaust.

Vnni'heis toifRen.

k. Lollar, 12. Okt. Die Kartoffelernte ist auch hier in diesem Jahr sehr schlecht ausgefallen. Die Kgl. Eisenbahn- Direktion Frankfurt a. M. bescha.f. daher durch das Zentralamt in Berlin für ihre Beamten und Arbeiter die Kar löffeln für den Selbstkostenpreis von 3,50 Mark den Zentner frei im Keller. Cs sind von den Bahnbediensteten im Umkreis etwa 10 000 Z.n - ncr bestellt. Tie Lieferung soll noch diesen Monat erfolgen. Auch gibt die' Direktion die Begünstigung, daß die Arbeiter bie Kartoffeln in Raten zahlen können, während die Beamten sofortige Zahlung zu leisten haben. D r Vorstand desAll­gemeinen G e f l ü ge l z u ch t v e r e i n s Lollar" beschloß, Ende Januar ober anfangs Februar wieder eine L o k a l a u s st el- lung abzuhalten.

= töcnnberg, 11. Okt. Tie Abhaltung des Gallns- marktes ist für den 18. und 19. Oktober vom Kreisamt Gießen genehmigt worden. Es wird nur .Klauenvieh aus unverseuchten oberhessischeu Zuchten zugelassen, dagegen ist öändlervieh ausgeschlossen.

Kreis Büdingen.

H. Büdingen, 10. Okt. Heute abend 5 Uhr war zur Erledigung der in der letzten Sitzung zurückgestellten Punkte eine Gemeinderatssitzung einberufen wor­den. Ein Landwirt hatte mit einem mit Stroh beladenen Wagen eine Gaslaterne abgefahren. Der entstandene Scha­den mit 10 Mk. war ihm angefordcrt worden. Er erhebt dagegen Widerspruch und macht geltend, daß die Laterne ungeschickt und für den Wagenverkehr störend angebracht sei. Es wird Ortsbeftchtignng beschlossen. Die Stadt hat im Seemenbach in der Erle vertraglich ein Wehr mit Einfallschleuse zur Bewässerung der Hainwiesen zu unter­halten. Die furstl. Verwaltung drängt darauf, daß die Arbeiten noch in diesem Herbst ausgeführt werden. Ta das Wasser zugleich auch als Spülung des städt. Kanal­rohres Verwendung findet, wird die alsbaldige Herstellung des Wehres befchlojsen. Tie Kosten sollen in den nächsten Voranschlag eingestellt werden. Ein hiesiger Bewohner, dessen Vater als Staatsbeamter in Büdingen angestellt war, beantragt auf Grund des § 58 der B. G. O. Auf­nahme als Ortsbürger unter denselben Voraussetzun­gen wie ein Ortsbürgersohn. Ta in dem Paragraphen nicht ganz genau ausgesprochen ist, daß unter diesen Vor­aussetzungen auch das geringe Einzugsgeld von 2 Mark, das ein Ortsbürgersohn zu zahlen hat, oder ein Einzugs­geld von 258 Mark zu verstehen ist, so wird der Bürger­meister beauftragt, vor Aufnahme des Gesuchstellers den Rat der Aufsichtsbehörde einznholen. In der Schulhaus­baurechnung bestehen noch zwischen der Stadt und zwei Unternehmern Meinungsverschiedenheiten. Ihre Erledi­gung soll in einer gemeinschaftlichen Beratung von Ver­tretern der Stadt, der Bauleitung und den Unternehmern erfolgen.

Kreis Lauterbach.

~ Herbstein, 10. Okt. Der Bedarf an Trink- ivasser in hiesiger Gemeinde, der im Laufe dieses Sommers stark zurückgegangen war, hat sich auch jetzt noch nicht wieder eingestellt, so daß immer noch ein empfindlicher Wassermangel herrscht. Da eine 9lbnabme der Quellen wohl kaum anzu­nehmen ist, vermutet man eine defekte Stelle in der Zu­leitung, die eine größere Wassermenge ausicheldet. Eine vor- genonimene Messung am Hochbehälter bestätigte auch diese Annahme, indem eine tägliche Wassermenge von 125 Kubik­meter zur Leitung abfließt. Es müßte somit ausreichend Trinkwasser vorhanden sein, da auf den Kopf der hiesigen Bevölkerung etwa 80 Liter Wasser täglich entfallen würden. Eine Untersuchung der Leitung soll deshalb vorgenommen iverdem

Kreis Schotten.

o Laubach, 11. Okt. An den Folgen eines Herz­schlages starb vorgestern die älteste Bewohnerin unserer Stadt, Frau Johannes Wöll II. Witwe, im 91. Lebens­jahre. Em großes Trauergesolge und zahlreiche Kranzspenden begleiteten die Entschlafene zur letzten Ruhestätte.

§ Aus dem Vogelsberg, 11. Okt. Die Bestel - lungderWintersaat schreitet bei dem schönen Herbst­wetter rüstig vorwärts. Die Kornsaat ging unter den besten Voraussetzungen von statten. Der Erdboden baute sich wie

selten im Herbste. Die aufgehende Saat entspricht dieser vortrefflichen Bodenkultur; sre entspricht voll dem Wunsche )es Landmannes. Mehr kann man nicht verlangen. Auch )ie Weizensaat läßt sich jetzt, nachdem der Boden Feucht, g- :eit besitzt, bewerkstelligen; die ausgetrockneten Kleefelder ackern sich wie mürber Hnmusbod-en. Dazu steht der Winter­raps im üppigen Blattgrün. Unsere Wintersaat besitzt dem­nach die ursächlichsten Bedingungen zur guten Aussicht voll­auf. Die bereits braun gewordenen Talwiesen sind wieder frisch grün geworden, dem Vieh eine willkommene Weide bietend. Die einsetzenden Frostnächte beschleunigen das Heimbringen der Hackgewächse.'

Kreis Friedberg.

L. Friedberg, 11. Cft. Das Wintersemester der städtischen Gewerbe-Akademie beginnt am 27. Oktober. Eine größere Zahl von Neuanmeldungen liegt bereits vor. Zurzeit werden noch Prüfungen abgehalten. Die Kartoffel­ernte in der Wetterau ist jetzt beendet. Es hat eine gute Nittelernte gegeben. Eben ist man damit beschäftigt, die Winterfrucht auszusäen.

Starkenburg und Rhein Hessen, «tz

M. Offenbach, 11. Okt. Der Kreisausschuß hat dem gewählten sozialdemokratischen Beigeordneten Peter Heinrich Klein in Dietzenbach die Bestätigung b er* sagt.

d. Mainz, 11. Okt. In der heutigen Sitzung der Stadtverordneten wurden Maßnahmen zur Linderung der Teuerung beschießen. Auf Antrag des Oberbürgermeisters wurde dem Antrag des Vorstandes des Deutschen Städtetages, den dieser unierm 19. September an den Reichskanzler gerichtet, beigetreten. Es handelt sich unt die Erleichterung der Einfuhr von lebendem Vieh aus unseren Nachbarländern, Vorbereitung der Einfuhr von Fleisch aus unseren Kolonien, Aufhebung der Einfuhrzölle auf Futtermittel, von Vieh für die Zeit, des Not­standes. Ferner wurde ein Ausschuß von fünf Mitgliedern ge­wählt, der darüber beraten soll, in welcher Weise die Teuerung für die minderbemittelte Bevölkerung gemildert werden kann. Es soll besonders erwogen werden, ob und inwieweit zur Er­leichterung der Beschaffung von Kartoffeln und Kohlen städtische Mittel zu verwenden sind. Dem Ausschuß wurde ein Betriebs­fonds von 20 000 Mk. bewilligt. Außerdem wurden 10 000 Mk. bewilligt, über die ebenfalls der Ausschuß in Gemeinschaft mit der Armendeputation zur Linderung der Not der Armen ver­fügen kann. Von dem Oberbürgermeister wurde erklärt, daß sich die Stadt weder mit der Milchversorgung noch mit dem Fleischkonsum befassen könne, es solle den Gewerbetreibenden nach keiner Richtung Konkurrenz bereitet werden. Nach den Mit­teilungen der Kartofselhändler soll der Zentner bester Kartoffeln nicht über 4,50 Mk. kosten; wenn dies zutreffe, könne auch von einem Kartofselbezug abgesehen werden. Nach dem Vor­anschlag der Kreiskasse des Kreises Mainz für 1911 beträgt der Zuschuß der Stadt 26 184,75 Mk. Die verstorbene Witwe Schreiber hat der Stadt für die Armen 50 000 Mk. vermacht. Ein Sohn der Verstorbenen soll bis zu seinem Tode int Genüsse der Zinsen verbleiben.

cli. Bingen, 11. Okt. Der feit dem 4. Oktober verschwundene Lehrling M. Kaiser ist heute morgen in einem Weinberge aufgefunden worden. Vermutlich batte er sich in der Nacht au§ seinem Schlupfwinkel in den Weinberg begeben und ist hier von der Müdigkeit über« mannt worden. Als er aufgefunden wurde, war er so ent­kräftet, daß er mit dem Krankenwagen nach Hause gebracht werden mußte, lieber das Motiv seiner Flucht ist nichts bestimmtes bekannt.

Hessen-Nassau.

X Schweins berg, 10. Olt. Unter großer BeteüMng wurde heute nachmittag der frühere Landrat Slammerberr Freiherr Schenck zu SchweinSberg zur letzten Ruhe ge­bracht. In dem Trauergefolge waren außer dem NegierungS« Präsidenten Grafen v. Bernstorfs noch viele Vertreter von Zivil- und Militärbehörden, der althefsischen Ritterschaft usw. zu bemerken. Auch der Kreis-Kriegerverband war mit zahl­reichen Fahnen vertreten. Tie Trauerandacht hielt Pfarrer Sippel von hier, während der Gesangverein Schweinsberg zwei Choräle fang.

tv. Frankfurt, 12. Okt. (Priv.-Del.). Der Dragoner Kliem.eck vom 23. Dragoner-Regiment drang heute vor­mittag in die Wohnung der Kolvuialwarenhändlerswitwe Hinkel in der Bornheimer Straße. Er gab einen Schuß auf die im Bett liegende Tochter ab, der fehl ging, ver­letzte die herzueilende Frau Hinkel durch einige Schüsse und erschoß sich dann selbst. I

Gerichtssaal.

Beleidigung der hessischen Regierung.

Berlin, 11. Okt. Rechtsanwalt Dr. Karl Liebknecht hatte sich vor der Anwaltskammer der Provinz Brandenburg wegen Beleidigung zu verantworten. Es handelte sich um die Rede, die Dr. Liebknecht auf dem sozialdemokratischen Parteitag | in Magdeburg über die Aufnahme des Kaisers von I Rußland in Deutschland gehalten hatte. Der Oberstaats- s anwalt hatte gegen Dr. Liebknecht einen Verweis und 3000 Mk. Geldstrafe beantragt. Die Anwaltskammer erblickte in der Reöc nicht wie die Anklage eine Beleidigung der russischen, sondern eine Beleidigung der preußischen und hessischen Regierung un­erkannte auf einen Verweis.

Los Angeles (Kalifornien), 11. Okt. Heutt begann der Prozeß gegen James Mc. N a in a r a , der beschuldigt iuirö, das Gebäude der hiesigenTimes", die nicht organisierte Drucker angestellt hatte, am 1. Oktober 1910 mit Dynamit in Die Lust gesprengt zu haben. Bei der Explosion wurden etwa zwanzig Menschen getötet und ebensoviel verletzt. Namara soll das Ver­brechen aus Anstiftung seines Bruders John, des Sekretärs und Schatzmeisters der Gewerkschaft der Eisenarbeiter begangen haben, gegen den der Prozeß erst später geführt wird. In Arbeiterkresten wird dem Prozeß das größte Jnlereste entgegengebracht, da man dort annimmt, der Prozeß werde gegen die Arbeiter ausgenutzt.

Philadelphia, 12. Okt. Der Bezirksgerichtshof rote» die seitens der Krupp-Gesellschaft gegen die Midvalc öted Company wegen Verletzung von Patenten angeltrengten vier Klagen infolge ungenügender Beweise ab.

w. Darmstadt, 11. Okt. (Privattelegramm.) Der Ge­schäftsleiter des Offizierkasinos des Artillerieregiments Vizewacht­meister Hermann Bade wurde wegen Unterschlagungen im Gesamt­beträge von 9000 Mk., Notenfälschungen und Betrugs vom Kriegsgericht unter Degradation zu einem Jahr drei Monaten Gefängnis verurteilt.

Offenbach a. M., 11. Okt. Ter Fahrbursche Ott, der bei seinem Schwager dem Milchhändler Martin Schneider in Tiensten steht, hatte fortgesetzt Vollmilch mit erheblichen Meißen Magermilch vermischt und als Vollmilch verkauft. Zu seiner Ent­schuldigung gab er an, daß er die Pantschertten nur aus Bequem­lichkeit vorgenommen habe, weil er sonst zu weit zu gehen hatte,

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