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Nr. 240
Ter Siehenrr Anzeiger erscheint täglich, aiiycr konntagS. - Beilagen: viermal wöchentlich SietzenerZamiliendläller; woeimal tvöchenll.Nreir- blattfflrbtn Kreis 6lt&tn (TienStagund Freitag); zweimal monotl. Land- wirlschaslliche Seilsragen siernsprech-Anschlüsse: iiir die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresie lür Depeschen:
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Erstes Blatt
M Jahrgang
Anzeiger für Gberhefsen
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hesredakteur: A Goetz.
Verantwortlich für den
— politischen Teil: August
Goetz: für .Feuilleton', .Vermischtes' und ^Gerichtssaal": R. Neu-
Dle heutige Nummer umfafet 10 Seiten.
Der italienisch-tüttische Krieg.
Tie Meldungen laufen heute wieder reichlicher ein. Offenbar haben die Italiener nach ihren Erfolgen die Zensur weniger streng gehandhabt. Mehrere römische Blätter bringen triumphierende Nachrichten über die Einnahme von Tripolis, und der Fall von „Priams hoher Feste" hat kaum größeren Jubel erweckt. Unb noch immer folgen italienische Truppensendungen. Schiller könnte heute wieder singen:
3n Tripo's Mauern fängt es an zu schweigen, der Schlummer spannt die müden Glieder los; da naht, den Mond allein zum stillen Zeugen, Italiens Flotte sich von Tenedos.
Gaertes Sohn aber kann weitere Weisheit sich ersparen. Die Türken haben nachts nochmals Angriff auf die den Feinden überlassene Stadt gemacht. Sie sind zurückgefchla- iien worden unb werden aus Mangel an Lebensmitteln wohl taunt so lange warten können, bis die von den Jungtürken versprochene Hilfe kommt. Nach einer Meldung aus Kvn- ltantinopel, die der „Frankf. Ztg." zugegangen ist, behaupten amtliche türkische Berichte aus Tripolis, das italienische Torpedoboot „Garibaldi" sei vor Tripolis zum Sinken ge- bracht worden unb zwei italienische Panzerkreuzer hätten Infolge des türkischen Feuers außer Gefecht gesetzt werden muffen. Diesen Meldungen ist schwerlich viel Glauben zu schenken.
Ter Widerstand der Türken in Tripolis.
Heber den Angriff der türkischen Truppen nuf Tripolis in der Nacht vom 9. zum 10. Oktober bringt die Agenzia Stefani folgende ausführliche Mitteilung:
Gegen 8/<2 Uhr morgens wurde der italienische Posten beim -jumilianabrunnen von der Türken angegriffen. Nach einem etwa eine halbe Stunde währenden Gefecht zogen sich die Angreifer unter Verlusten und unter Zurücklassung von Toten, Verwundeten uni> mehreren Gewehren zurück. Ein verwundeter Türke, her gefangen genommen wurde, erklärte, bafc die an greifende Streitmacht aus zwei Abteilungen Infanterie unb einer Abteilung Kavallerie, im ganzen aus dreihundert Mann, befand. Am Kampfe nahmen auch die S ch i ff s g e s chü tz c der „Sardegna" und des „Carlo Alberto" teil, die nach vorher verabredeten Signalen feuerten. Eine bei Morgengrauen ausgeführte jiefogitoßiiernng ergab, daß int Gelände vor der ganzen üalieni- Ichen Front vom Feinde nichts zu sehen war.
Der „Evrrtere della Sera" meldet aus Tripolis 6'Oirt 7. Oktober:
Ter Rückzug der türkischen Truppen glich einer planlosen Flucht. Der Oberkoimnaitdierende General Munir Mascha schlug mit dem Generatswbsches, dem Obersten Kiemal, unb dem Befehlshaber der Artillerie mit einigen hundert Mann -anächst den Weg nach Sania an der tunesischen Grenze ein, er wandte sich dann aber nach Süden. Es hat den Anschein, als ob die Türken beabsichtigen, sich in die die Ebene von Tripolis umgebenden Gebirge zurückzuziehen. Tie Wagen und Kanonen send in den Oasen zurückgelassen worden. Die Proviantvorräte reichen höchstens noch 20 Tage aus. Tie Ergänzung ist wegen des Mangels an Zufuhrstraßen sehr schwierig. Der erste Anschein, alp ob die Türken nach einem bestimmten Kriegs- l^an handelten, bestätigt sich angesichts der völligen Zerstreuung ter Truppen augenscheinlich nicht. Viele türkische Offiziere, die in Tripolis zurückgeblieben sind, haben um Schutz nachgewchl.
London, 11. Ott. Der „Daily Telegraph" meldet aus Tripolis: Mehrere Tausend Türken versuchten in der Nacht auf den 10. Oktober einen Angriff auf die Stadt. Gegen Morgen wurden sie von den
Lrnst Hartmann f.
Einer der letzten von b.c auen Garde des Burgtheaters ist fa Ernst Hartmann dahingegangen. Ernst Hartmann, ein geborener Hamburger, empfaub schon in früher Jugend die leb- haftesle Neigung zum Theater, aoev wie )o vielen icuier Beruss- g cnossen gelang es ihm nur nach mannigfachen Mühen, feinen t.'unjd), Schauspieler zu werden, in die Xat umzusetzen. Trotz ter bestimmtesten Erklärungen, die er feiner Mutter unb feinem Vormunde machte, daß er durchaus Schauspieler werden wolle, zwang man ihn zunächst, als Volontär in einer Maschinenfabrik in Chemnitz emzutreten unb hier blieb er zwei volle Jahre lang im der Fabrik tätig; allerdings machte er häufige Abstecher zum Theater unb spielte auf Liebhaberbühnen. Das Jahr 1861 fügrte einen Umschwung üi seinem üeben herbei. Ta» Auftreten Tawi- sons, der in diesem Jahre ein Gastspiel in Chemnitz gab, wirkte mächtig auf ihn ein, w daß der Trieb gum Theater mit ununterdrückbarer Heftigkeit in ihm wieder ausbrach. Es gelang ihm, sich vom Direktor des Stodttheaters, der gerade die Bühne in Reval gepachtet hatte, anstellen zu lassen, unb so trat er zuerst als Müllerbursche in der schönen Müllerin auf. Weiter wurde er dünn, wie Eisenberg über das Leben Hartmanns berichtet, al» Chorist und als Statist, in kleinen Rollen, dann auch in größeren Charakterrollen verwendet unb schließlich spielte er beinahe alle Fächer, ja er trat sogar in ber Operette auf.
Ter Tob seiner Dttllter (1863) zog einen Strich durch seine Mhnenlausbahn. Ker Vormund bestand nun daraus, er solle einen pratmchen Beruf erwuyien. Verzweifelt wanbte sich Hart- mann an Heinrich 'Dtarr, uno Marr, dem ber junge Schauspieler ctwas vorsprechen durfte, erklärte seinem Vormunde, sein Talent ieu so entschieden, daß der junge Hartmann wirklich unbedingt Schauspieler werden müsse. Nun gab der Vormund nach, Marr crnpsahl seinen Schützling an Laube, und so war Hattmamt oui bam besten Wege. Laube teilte Marrs Ansicht über das Talent d-irtmanns, lobald er ihn nur ein kurzes Stuck zur Probe bau*- 'rcretben lassen, jedoch er fügte etwas hinzu, das die Schärfe seines U rteils beweist. Hartmann sprach Stellen aus Charakterrollen, L'iube jedoch unterbrach ihn bald und sagte: „Unsinn, Sie sind ein geborener Liebhaber, Organ, Gesicht, Gestalt — alles Liebbacher." Hartmann spielte darauf zur Probe den Paul von 5:charfeneck in „Majoratserbe", und da er gleich bei seinem ersten i.liftreten den Winern gefiel, wurde er noch im selben Jahre mrgagiert. Seit dieser Zeit hat er ununterbrochen dem Verbände la» Burgtheaters ange^orr.
Eine letzte Wandt.ing erfuhr seine Bühnenlaufbahn durch teilen Zufall. Als er einmal für Lewinsky einspringen uno die Sülle des siebzehnjährigen Ludwig XIV. in der Prinzessin von tii.ontpensier übernehmen mußte, gesiel er den Wienern so gut,
Scheinwerfern der Kriegsschiffe entdeckt und durch heftiges Feuer der Besatzungstruppen, das von den Schiffen mit Granatfeuer unterstützt wurde, zurückgeworfen.
Eine Proklamation an die Einwohner von Tripolis.
91 o m , 11. Okt. Ter „M e f f a g e r o" veröffentlicht eine Proklamation des Admirals Faravclli an die Einwohnerschaft von.Tripolis, daß otc durch das Bombardement entstandenen Schäden ersetzt werden. Tie Aushebung von Rekruten wird, so heißt es, abgeschafft. Wirtschaftliche Verbesserungen lverden durchgeführt. Tie Ausübung der Religion sowie die Frauen und das Eigentum werden respektiert.
Italien ifte Truppenlandungen in Tripoli?.
Rom, 11. Okt. Wie die „Agencia Stefmii" mitteilt, ist die erste Abteilung der nach Tripolis gesandten Truppen heute mittag dort eingetroffen unb glücklich gelandet.
Malta, 11. Okt. Heute vormittag 10 Uhr wurden drei italienische Panzerschiffe, ein Kreuzer, acht Torpedoboote und 19 Transportschiffe gesichtet, die in der Richtung auf Tripolis fuhren.
Ein Hilferuf au8 Tripolis.
Saloniki, 11. L lt. Tas Zentralkomitee hat ein Telegramm des Komitees in Tripolis erhalten, in dem dringend um Hilfe ersucht und erklärt lvird, die Araber hätten sich bisher nicht bewährt, während die türkischen Solbaten wacker ausgehalten hätten. Das Zentralkomitee hat schleunigst Hil,e versprochen unb an bas Komitee in Tripotts die Aufforderung gerichtet, inzwischen dort den heiligen Krieg zu predig en. Seit Ausbruch des Krieges zwischen Italien und .her Türkei hat die B a n d e n b e w e g u n g in Albanien und int Wilajet Monastir aufgehört.
Ter jungtiirkifche Kongreß
ist am Mittwoch in Salontti geschlossen worden. Nach Mitteilungen von Teilnehmern i|t die Nationalitätenfrage nicht erörtert worden. Auch sind keine Beschlüsse hinsichtlich der Richtschnur für die auswärtige Politik gefaßt worden. — Das Komitee für Einheit und Fortschritt hat seine Be- vollmächttgten in Konstantinopel ausgesordert, bei der Regierung nochmals auf die Ausweisung der Italiener aus ber Türkei zu bringen. K
Neuwahlen in der Türkei.
Konstantinopel, 11. Okt. In politischen Kreisen erhält sich das Gerücht, baß bie Regierung die Kammer gleich nach ber Eröffnung auslösen uno bie Neuwahlen auf Grund ber neuen Wahlordnung durchführen werde. Da die Aushebung von Freiwilligen, besonders in Saloniki, Aufregung hervorruft, entschloß sich die Negierung, die Aushebung zu verbieten.
Ter König von Italien.
ist am Mittwoch morgen von Schlag San Rossore in Pisa eingetroffen. Er besichtigte das 22. Infanterie-Regiment, bas nach Tripolis geht, wobei er von ber Menge begeistert begrüßt würbe. Nach ber Besichtigung kehrte der König nach San Rossore zurück.
Zm Ungarischen Abgeordnetenhaus fragte Graf Apponyi die Regierung, ob sie oder andere neutrale Mächte im Sinne ber Haager Konvention von 1899 unb 1907 vor dem Ausbruch de» Krieges ober später bei Italien unb ber Türkei Schritte zur Vermei- b u n g ber Feindseligkeiten unternommen hätten,
daß er von nun an ihr Liebling wurde unb in Konversationsstücken neben Sonnenthal geradezu unentbehrlich war. Tte Art seines Spiels hat Adolf Wilvrandt einmal hübsch gekennzeichnet. Jrn Jahre 1871, drei Jahre nach dem Hartmann sich mit seiner Kollegin Helene Schneeberger verheiratet hatte, wurde Wilbrandts Lustspiel „Tie Maler" am Burgtheater gegeben. „In den Malern," so berichtet Wilbrandt über die Mitwirkung Hartmanns, „trat zum erstenmal auch Ernst Hartmann in mein Tid)tcrleben ein, als der Tiermaler Mockert, genannt Plato; und sogleich mit einem großen Erfolg. Er war, wenn auch schon Gatte und Vater, noch in dec erneu Jugenovune: er hatte noch bieien mutwilligen, erfindenden Humor, den ich den Pagenhnmvr nennen möchte, der ihm im Leben so oft zu Gebote stand, unb der mit den Jahren naturnotwendig feine Farbe oder auch sein Wesen ändert. Tie Grazie feines Humor» ging in seine Rotten nut; so in den Tiermaler Plato, dessen kleine Rolle er groß machte und fast immer mit lautem Beifall schmückte, obwohl sonst im alten Burgtheater ein ehrenvoll geräuschloser Abgang, etwa mü einem einzelnen „Bravo" verziert, mehr die Reget war." Zu seinem Berufe als Schauspieler wurde Hartmann später auch Regisseur. K. F.
C. K. Eine bisher unbekannte Photographie Schopenhauers, die vom April 1859 stammt, also anderthalb Jahre vor dem Tode des Philosophen ausgenommen ist, wird im neuesten Heft der Umschau veröffentlicht. Im Nachlaß des Frankfurter Photographen Schäfer, der mehrere Aufnahmen von Schopenhauer machte, wurde unter alten Platten auch diese gesunden, auf der die Erscheinung und das Wesen Schopenhauers mit besonderer Lebendigkeit zum Ausdruck kommt. Ter Philosoph sitzt voll gegen den Beschauer gewendet; der prüsende Blick der Augen und der bittere Zug um den breiten Mund wirken außerordentlich lebenswahr. Die Linke hält ein bunte» Tuch auf dem Schoß, während die Rechte mit sprechender Gebärde eine Lorgnette hebt. Welche Schwierigkeiten Schoven- Ijauer dem Photographen machte, zeigt eine Erzählung C. Gebhardts, an die aus diesem Anlaß erinnert wird. Nur mit Mühe gelang es dem Photographen, bis zu dem Philosophen vorzudringen. Schopenhauer stand gegen ein Fenster kreuz gelehnt, in einer gewissen Pose, uni> schrie dem Besucher entgegen: „Tas verfluchte Publikum will mich sehen, das verfluchte Publikum . . ." Dabei lachte er und strich sich das Haar vor einem Spiegel noch mehr in die Höhe. Tann fragte er: „Wer will die Frechheit begehen, über mich zu schreiben?" Aber ohne auf die.Antwort zu warten, sagte er: „Hier schauen Sie her," und legte einige andere Photographien vor. Dann sagte er mit großer Wichtigkeit: „Was sagen Sie zu diesen Augen?", gab dem Besucher ein Vergrößerungsglas, wiederholte: „Sehen Sie diese
falls nicht, ob der Minister des Acußern nicht jetzt eine freundschaftliche Vermittelung beabfichtige, ferner ob die Monarchie Garantien empfangen l>abe, daß der Krieg nicht auf Territorien und Meere übergreife, welche die österreichisch-ungarische Interessensphäre berühren.
ver erste Teil öc$ Marokio-Vertragcs unterzeichnet.
Berlin, 11. Okt. Tie „Nordd. Allg. Ztg." meldet: Ter auf Marokko bezügliche Teil des deutschfranzösischen Abkommens ist heute in Berlin para- graphiert worden. Tie damit zusammenhängenden Kompensationsverhandlungen sind wieder ausgenommen worden.
Die Berliner Presse nimmt diese Nachricht, wie wir den uns dralftlich übermittelten Auszügen aus den Moraen- blättern vom heutigen Donnerstag entnehmen, im allgemeinen ruhig auf. Es war ja seit Wochen kein Geheimnis, daß die Anwaltskosten bei diesem schmierigen Prozeß sich beinahe höher belaufen würden als das Objekt, um welches es sich handelt. „Alle Hände ruhen müde von dem tränenvollen Streit." Tas Urteil der Geschichte wird einst entscheiden, auf welcher Seite der Triumph, auf welcher die Niederlage war. Ter erste Teil des Abkommens, der nach der amtlichen Meldung „paragraphiert" worden ist, wird nicht den ganzen Inhalt des Vertrages ausmachen und offenbar nur dann Geltung bekommen, wenn auch der zweite Teil, die Kompensationsfrage, zu einem beiderseitigen Einverständnis geführt haben wird.
Einige der erwähnten Berliner Pressestimmen wollen wir wiedergeben:
Tie „B o s s i s ch e Z ei t u n g" nennt das Abkommen den ersten großen und hoffentlich entschiedenen Erfolg der Diplomatie (welchen?) unb fährt dann fort:
„Deutschland verzichtet aiso auf politische Betätigung in Marokko, erkennt Frankreichs Vormachtstellung dort an und ver- pslichtet sich, gemeinschaftlich mit Frankreich bei den anderen Vertragsmächten aus die erforderliche Aendcrung des Algeciras- Vcrtrags hinzuwirken, wogegen Frankreich.Deutschland und den anderen Vertragsmächten die völlige wirtschaftliche Gleichstellung zusichert und wtrksame Bürgschaften hierfür gewahrt. Die Kom- pcnsationsverhandlungen, von denen die offiziöse Mitteilung sagt, daß sic wieder ausgenommen sind, die das Studium der Vorbereitung also offenbar schon überwunden haben, werden voraussichtlich einige Zeit in Anspruch nehmen, dennoch kann man, ohne s i ch großem Optimismus binzugcben, die Erwartung aussprechen, daß auch dieser Teil der deutsch-französischen Verhandlungen schließlich zu gillem Ende gedeihen >vird."
Die „Tägliche R u n ö । ci) a*u" befchrantt ,ich auf die kurze Bemerkung:
Wie schon kürzlich hervorgehoben, bat dieses Ergebnis nur bann eine Bedeutung, wenn auch die Verhandlungen hinsichtlich der Kompensationen zum Abschluß gelangen, da beide Teile als ein untrennbares Ganze betrachtet werden.
Die „K r e u zz e i t u n g" meint:
Die Nachricht wird in ganz Europa allgemein mit großer Befriedigung ausgenommen werden. Jedoch selbst jetzt ist es noch zu früh, ein endgültiges Urteil über bie Tätigkeit ber deutschen Diplomatie au fällen denn wenn auch eine Verständigung über Marokko selbst zustande kam, so liegt der Zeitpunkt, in dem bie Siegel unter bas end- gültige Abkommen zwischen Teutschlanb und Frankreich gedrückt werden, noch in weiter Ferne.
Tie französische Presie.
Paris, 12. Okt. Ter „Temp s" führt aus, daß nach zuverlässigen Informationen der eben fertig gestellte Text icber berechtigten Kritik hüben und drüben Stand halten
Augen!", und als ber Angeredete stumm blieb, wies er auf eine ausgcstopfte Eule mit großen Glasaugen: „Ta sehen Sie her, das sind Augen."
P. K. In der Jahrestagung des französischen Chirurgen-Kongrcsses, der am Montag in Dem großen Horsaale Der medizinischen Fakultät von Paris zusammentrat, wurde die .Gegenwart vieler deutscher Praktiker sehr bemerkt. Es hallen sich nämlich aus Berlin bie Prosessoren Sonnenburg und Gluck, aus Düsseldorf Professor Ritzel, aus Sttaßburg Professor Bökel und aus Mülhausen bie Professoren Frey unb Schlumberger eingefunden. Tie erste Sitzung wurde nach Den Begrüßungsreden fast ganz mit den Ausführungen Professor Toyen's über Die Operationen bei der Blinddarmentzündung ausgefüllt. Ter berühmte Chirurg erklärte, nicht ohne Erstaunen und Widerspruch hervorzurufen, daß man bei chronischen Fällen der Blinddarmentzündung viel zu schnell mit operativen Eingriffen vorgehe; denn viele Operierte müßten trotz- Dfln weiter furchtbare Schmerzen ausstehen. Er befolge eine ganz verschiedene Methode, mbem er zunächst die Kranken mit My- colysin behandle, die Die Entzündung des Wurmansatzes verschwinden lasse, natürlich nur in den Fällen, wenn kein Fremdkörper in ihn eingedrungen ist. Ist aber die Operation als unbedingt notwendig erkannt worden, so bestände die einzige Technik, die alle Sicherheitsbürgschaften gewähre, in ber Zermalmung des Wurmansatzes und Der Doppelnaht in Form einer Vörseiischnur, wie er sie erfolgreich seit 12 Jahren anwende.
— Hardens „5töpfe" in Prag beschlagnahmt. Wie die Prager „Bohemia" erfährt, hat bie Prager Polizei-» Direktion den soeben erschienenen zweiten Band der „Köpfe" von Maximilian Harden konfisziert und verfügt, daß die vorhin* Denen Exemplare aus allen Präger Buchhandlungen und Lese* zirkeln entfernt werden. Tie Beschlagnahme dürfte wegen eines Artikels über Kaiser Fran; Joses I., bet auch seines Vorgängers Ferdinand II. Erwähnung tat, erfolgt sein.
— Kurze Nachrichten aus Kunst unb Wissen-- schaft. An der Tierärztlichen Hochschule zu München wurde mit Genehmigung des Prinzregenten von Bayern bie bisherige Bezeichnung „Tireftor" durch „Rektor" ersetzt und die Funktion des Rektors auf die Tauer von drei Jahren dem ordentlichen Professor für Physiologie und Diätetik daselbst Dr. med. Erwin Voit übertragen. — In I a s s i Rumänien- tanö Die vauptftier des 50 jährigen Jubiläums der Universität in Gegenwart Der Königlichen Familie statt. Nach einer mit Begeisterung aufgenommenen Rede des Königs sprach Kultusminister Arion, worauf verschiedene Abordnungen auswärtiger Universitäten das Wort ergriffen. Als Vertreter ber Universität Berlin sprach Geheimrat Professor Dr, Walde her..


