16(. Jahrgang
Zweites Blatt
Nr. 3
Erscheint K-Nch mit Ausnahme der EonntagS.
Mittwoch, 4. Januar 19Y
Rotationsdruck und Verlag der Br üblichen UnwersirätS - Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: e^gsjoL Redaktion: «^112. Tel.-Adr.: AnzeigerGivßen.
Die „Gießener Familienblätter" werden dem ^Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Stehen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen nwnatlich zweimal.
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8lm 20« -Oktober zum Hauptmann befördert, zog er mit der Division ins mittägliche Frankreich, wo er an den Gefechten gegen die Bourbakische Armee am Ognon am 21., bei Ouingey am 23., bei Bussy am 26. Januar und das letzte Gefecht gegen die Bourbakischen Scharen bei Pontarlier, am 1. Februar teilnahm. Mit dem Eisernen Kreuze geschmückt, kehrte er heim, um 1871 als Lehrer an der Kriegsschule zu Hannover zu wirken» von wo er noch in demselben Jahre in den Generalstab versetzt wurde, dem er nun in den verschiedensten Stellungen unmiter- brockten bis zum Generalleutnant anaehvren sollte. 1876 Major, 1884 Oberstleutnant, 1887 Oberst, 1890 Generalmajor geworden, war er sieben Jahre lang, von 1884 bis 1891 Chef des Generalstabes beim 15. Armeekorps in Straßburg, bis er im letztgenannten Jahre als Oberquartiermeifter in den Generalstab nad) Berlin kam. 1893 wurde er Generalleutnant und Kommandeur der 20. Division in Hannover, die er befehligte, bis er am 11. Dezember 1897 unter Beförderung zum General der Infanterie kommandierender General des Gardekorps in Berlin wurde. Er vertauschte dieses Korps 1902 mit dem 14. Korps in Karls- kuhe, an dessen Spitze er ebenfalls noch fünf Jahre verblieb, bis Yt 1907 als Generalinspckteur an die Spitze der aus dem 7., 10., 18. und 13. (württembergischen) Armeekorps bestehenden 3. Armeeinspektion in Hannover trat. 1908 erfolgte seine Ernennung zum Generalobersten. Als Mitglied des Atudienausschusses für die Kriegsakademie und als Vorsitzender des Ausschusses zur Umarbeitung des Exerzierreglements für die Infanterie im Jahre 1906 hat er sich besondere Verdienste erworben, indem er so das heute für diese Waffe geltende Exerzierreglement in erster Linie witgeschaffen hat.
Am populärflen im deutschen Heer und Volke ist der dritte der neuen Feldmarschälle ColrnavFreiherrv. d. Goltz und zwar durch seine als „Goltz Pascha" bekannte zwölfjährig Tätigkeit in der türkischen Armee und seine auch ins Volk gedrungenen Schriften, wie „Leon Gambetta und seine Armee", „Das Volk in Waffen" ,uni> „Roßbach und Jena" geworden. Ein geborener Ostpreuße, wo er am 12. August 1843 in Birlkenfeld 6cj Labiau das Licht der sWelt erblickte, ging auch er durch die tüchtige Schule so vieler unserer höchsten Führer, das Kadettenkorps, aus dem er 1861 als Leutnant in das 41. Infanterie-Regiment trat. Bei diesem machte vr .auch den Krieg .1866 mit und wurde im Gefecht von Traut en au am 27. Juni verwundet. Schon 1868 zum Generalstabe kommandiert, wachte er als junger General- stabsofsizier den Krieg 1870 im Stabe des Oberkommandos der »weiten Armee beim Prinzen Friedrich Karl mit, wo er nun bereits ben Krieg von hoher Warte kennen zu lernen Gelegenheit hatte. Dieser Kenntnis entsprangen and) seine ersten Werke, durch die er sich schnell einen Namen mackste: „Die Operationen der zweiten Armee bis zur Kapitulation von Metz und an der Loire" sowie „Leon Gambetta und seine Armee". Auch er wirkte ebenso wie v. Bock und Polach nach dem Kriege 1870 als Lehrer an der Kriegsschule in Potsdam, bis er ebenfalls sehr bald in den Generalstab versetzt wurde und eine der kriegsgeschichtlichen Abteilung angehörle. 1877 als Kompagniechef in das 96. Infanterie-Regiment versetzt, kehrte er fd;on 1878 wieder in die 'kriegsgeschichtliche Abteilung zurück, wo er Major und zugleich Lehrer an der Kriegsakademie wurde. 1883 trat er als Adjutant des Sultans in türkische Dienste und erhielt als Pascha die Leitung des ge- famften Militärbildungswesens, in der er nun zwöl Jahre lang die umfassendste Tätigkeit für die Neuschöpfung des türkischen Heeres entwickelte. 1895 als Marschall — Muschir -—
Die drei neuen zeldmarschälle.
Drei neue Feldmarschälle hat, wie wir auch an an- ■ derer Stelle erwähnen, der Kaiser am Neujahrstage ernannt: die Generalobersten Graf v. Schliessen, v. Bock Und Polach uni» Freiherr b. d. Goltz.
Graf 211 fr et» 0. Schliessen wurde am 28. Februar 1833 foi Berlin geboren und trat nach dem Besuche des Joachimsthalscheni Gymnasiums und der Universität am 1. April 1853 als Einjährig- Freiwilliger beim 1. Garde-Ulanen-Regiment ein, wo er am 16. Dezember 1854 Leutnant wurde. Von 1858 bis 1861 besuchte er die damalige Allgemeine Kriegsschule, die heutige Kriegsakademie und wurde 1862 Adjutant der 1. Garde-Kavallerie-Brigade Und 1863 zum Generalstab, 1866 zur Botschaft nach Paris kommandiert. Den Krieg 1866 machte er als Rittmeister beim Stabe des 1. Kavalleriekorps mit, als welcher er sich den Roten Adler- orben 4. Klasse mit Schwertern erwarb. Nach dem Kriege ging er wieder nach Paris, war dann von 1868 an beim General stabe des 10. Armeekorps und wurde 1869 Schwadronschef beim 2. Dragonerregiment. Im Kriege 1870 war er Generalstabsoffizier bei der Armeeabteilung des Großherzogs von Mecklenburg und wurde dort am 20. Dezember Major. Tas Eiserne Kreuz 2. und 1. Klasse erhielt er für seine Verdienste. 1873 kam er in den Generalftab des Gardekorps, tourbe 1876 Oberstleutnant und Kommandeur des 1. Garde-Ulanen-Regiments. 1881 Oberst geworden, trat er 1884 wieder als Abteilungschef in den Großen General stab, wo er auch 1886 Generalmajor, 1888 Generalleutnant Und 1889 Oberguartiermeister wurde. Am 7. Februar 1891 trat er als Nachfolger des Grasen Waldersee an die Spitze des G e n e r a l st a b e s. Als solcher wurde er 1892 Generaladjutant des Kaisers, 1893 General der Kavallerie und 1896 ä la suite des 1. Garde-Ulanen-Regiments gestellt. 1903 wurde er zum Generalobersten mit dem Range eines Feldmarschalls befördert. 1904 wurde er auf Lebenszeit ins preußische Herrenhaus berufen und trat Ende 1905 von seiner Stellung als Ches, des Generalstabes zurück. Seitdem lebt er in Berlin und beschäftigt sich mit schriftstellerischen Arbeiten. Vor kurzem ernannte üjn die Univeickilät Berlin bei Gelegenheit ihres hundertjährigen Jubiläums zum Ehrendoktor. Seine Verdienste als Chef des Generalstabes liegen, so meint_ die „Tägl. Rundsch.", vor allem in der Erziehung des Generalstabes, auch brach er mll der damals noch weitverbreiteten bekannten Anschauung, daß „Seine Majestät sich nur einen Strategen halte". Seine strategischen Anschauungen gipfelten im allgemeinen darin, daß das Heer, um einen vollen Erfolg zu erzielen, ganz gegen die operative Fl an le des Feindes geführt werden müsse.
Der zweite der neuen Feldmarschjälle, Max v. Bock und Polach, wurde am 5. September 1842 in Trier als Sohn eines Artillerie-Hauptmanns geboren und trat am 15. Juli 1860 aus dem Kadettenkorps als Leutnant in das Infanterie-Regiment Nr. 55 ein. Schon int Kriege 1864 gegen 'Dänemark empfing er die Feuertaufe, indem er an den Gefechten vor Düppel teilnahm. Für das Gef«ht am 17. März erhielt er bereits den Roten Adler- vrden vierter Klasse mit Schwertern. Bei dem Sturm auf die Düppeler Sch anzen wurde er durch ein Sprengstück des bekannten Panzerschiffes „Rolf Krake" leicht am Kopse verwundet und aufs neue durch den Kronenordens vierter Klasse mit Schwertern sowie durch die österreichische Eiserne fteone mit der Kriegsdekoration ausgezeichnet. Auch am Uebergange nach Alsen nahr.i er teil. Ms Regimentsadjutant zog er dann in den Krieg 1 8 6 6 , wo er bei der Division Gäben die Gefechte von Dermbach, Kissingen, Laufach, Aschaffenburg, TauberbischosSheim, Gerchsheim sowie die Beschießung von Würzburg mitmachte. Er erwarb sich hier den Kronenorden 3. Klasse mit Schwertern am zweimal sckMarz und dreimal weiß gestreiften Bande. Von 1866 bis 1869 besuchte er die Kriegsakademie und ging als Adjutant der 13. Tivi- sion in den Krieg 1870, wo er die Schlachten von Spicherttj und Gravelotte, sowie die Einschließung von Metz mitmachte.
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feit an den Tag gelegt habe. Wenn auch die Regierung selbst Vorschläge bezüglich der Beamtenbesoldungen nicht gemacht habe, 0 könne man doch an den vielfach berechtigten Klagen, insbesondere der unteren Beamten, nicht vorüber gehen. Hier sei ein wirklicher Notstand vorhanden, dem entgegengearbeitet werden müsse. . .
Im Anschlüsse hieran meinte ein werter es Mrtglred des Finanzausschusses, daß insbesondere auf dem Wege des Bauwesens und Vermessungswesens Vereinfachungen und damit Ersparnisse erzielt werden können. Die Verlegung gerade dieser Kerntet in zwei Ministerien bildet die Quelle fortwährender Verwickelung.
Ein weiteres Mitglied des Finanzausschusses wies darauf hin, daß man bei aller Emsicht in die Lage der Beamten doch auch daraus Rücksicht zu nehmen habe, datz die Mittel zu einer allgemeinen Besoldungserhöhung jetzt nicht vorhanden seien. Auch er werde für eine Teuerungszulage der unteren Beamten zu haben fein.
Wieder von anderer Seite wurde ausgeführt, dag der Haushalt keinerlei Neuerung- bedeute, daß allen Anforderungen, welche an ihn gestellt werden könnten, nicht entsprochen worden sei und daß einzelne Ersparnisse das ungünstige Gesamtbild nicht beeinflussen könnten. Auch das Verhältnis zum Reich könne nicht als günstig dargestellt werden, denn das Reich hätte die gestundeten Matrckular- beiträge doch nicht von den Einzelstaaten erheben können, da diese sonst ruiniert worden wären.
Diesen pessimistischen Anschauungen wurde von einzelnen Seiten energisch widersprochen und darauf hingewiesen, daß jetzt chon Ersparungen eingetreten, daß aber weitere Ersparungen zu erwarten seien, wenn der Vereinfachungsausschuß in richtiger Weise und mit der nötigen Energie seines Amtes walte.
Damit war die Hauptaussprache abgeschlossen, und es wird in der Sitzung vom 4. Januar zu den einzelnen Kapiteln des Haushalts übergegangen werden.
Giehener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Ans Statt und Land.
Gießen, 4. Januar 1911.
Fürsorge für tuberkulöse und tuberkulös verdächtige Kinder.
Die neueren Forschungen Huben ergeben, daß die Kinder besonders empfänglich für die Tuberkulose-Infektion sind. Es ergibt sich daher von selbst, daß eine wirksame Tuberkulose-Bekämpfung mit der Verhütung der Uebertra- gung dieser Krankheit auf die Kinder beginnen muß, und daß in Fallen, in denen die Ansteckung bereits stattgefunden hat, so rasch wie möglich für geeignete Heilbehandlung gesorgt wird. Allenthalben hat sich eine Bewegung be-
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Deutsche Kolonien»
Der Aufstand auf Ponape und seine Urach e. In der neuesten Nummer des amtlichen „D. Kol.-Bl." wird eine vom 7. Oktober 1910 datierte Verordnung des stellvertretenden Gouverneurs von Deutsch-Neuguinea, Oßwald, über die Beteuerung der Eingeborenen des Jnselaebiets »er Karolinen, Palau, Marianen und Marschallinseln veröffentlicht. Es wird eine Kopfsteuer für alle erwach- enen männlichen Eingbeorenen im Schutzgebiete eingeführt. Die grundlegenden Bestimmungen der Verordnung des stellvertretenden Gouverneurs lauten:
§ 1. Jeder erwachsene männliche Eingeborene, der im Jnselgebiet feinen Wohnsitz hat oder fick) dort länger als drei Vtonate aufhält, ist st e u e r p f l i ch t i g. Ob und inwieweit unter den gleichen Voraussetzungen auch Frauen, die im Besitze von Vermögen sind, zur Steuer herangezogen werden sollen, wird von der örtlchen Verwaltungsbehörde von Fall zu Fall bestimmt.
§ 2. Ausgenommen von der Lsteuerpslicht find: 1. die Angehörigen der Polizeitruppe, 2. Väter von mehr als vier im Jnselgebiet wohnenden unerwachsenen Kindern, 3. solche nicht einheimische Eingeborene, für welche als Vertragsarbeiter eine Anwerbegebühr entrichtet wird.
§ 3. Soweit es sich um einheimische Eingeborene handell, können durch den Gouverneur, oder mit seiner Zustimmung durch die Vorsteher der Bezirksämter, für einzelne Personen, für ganze Klassen von Eingeborenen wie auch für Gemeinden, Landschaften und ganze Gebiete Steuerbefreiungen und Steuerermäßigungen bewilligt werden. Arbellsunfähige Eingeborene, die nicht int Besitz von Vermögen sind, können durch die örtliche zuständige Verwaltungsbehörde von der Steuerpflicht entbunden werden.
§ 4. Die Steuer pflicht besteht in der Entrichtung einer Geldabg abe (Kopfsteuer), an deren Stelle bei den im Jnsel- gebiete einheimischen Eingeborenen die Leistung von Steuerarbeiten oder die Entrichtung von Naturerzeugnissen treten kann.
§ 5. Tie Kopfsteuer beträgt beiden im Jnselgebiet nicht einheimischen Ein geborenen jährlich 20 Mk. Bei den int Jnselgebiet.einheimischen Eingeborenen bemißt sich die Höhr der Geldabgabe nach dem Betrage, der im Falle des § 8 Abs. 2 zur Ablösung der Steuerarbeit zu entrichten ist. Mit Genehmigung des Gouverneurs kann einzelnen Inseln oder Landschaften und auch einzelnen Klassen von Eingeborenen die Zahlung höherer Beträge, und zwar bis zum Höchstsätze von 4 0 Mark prti Ko pf, auf erlegt werden, wenn eine erhöhte SteuerleistungK- fähigkeit vorliegt. ,
§ 6. Für die im Jnselgebiet einheimifchen Eingeborenen bestimmt das zuständige Bezirksamt für das vom 1. April bis 31. März laufende Steuerjahr voraus, welche von den verschiedenen Steuerarten in einem bestimm tetr Gebiet zur Erhebung zu gelangen hat. , „
§ 7. In Gebieten, in denen Geld ab gab en ctngefubrt sind, darf eine andere Art der Besteuerung nur in ganz besonderen Fällen und nur mit ausdrücklicher Genehmigung deZ Gouverneurs erfolgen.
§ 8. Zu den Steuerarbeiten (§ 4) dürfen nur völlig arbeitsfähige männliche Eingeborene herangezogen werden. Die Steuerarbellen haben öffenllichen Zwecken zu dienen. Tie Zahl der Arbeitstage darf 15 im Jahre nicht übersteigen.
Jeder Eingeborene ist berechtigt, die Steuerarbeit durch eine Geldabgabe in Höhe des 1 5 fachen Betrages des durchschntttlichen Tagelohns im Verwaltungsbeztrk abzulösen. Ter Betrag des durchschnittlichen Tagelohns im Verwaltungsbezirk wird leweils vorher für die Tauer zweier Steuer* jahre von dem zuständigen Bezirksamt bekannt gegeben.
Man wird, so bemerkt dazu die „Voss. Ztg.", kaum sehlgehen in der Annahme, daß in dieser Verordnung deS stellvertretenden Gouverneurs Oßwald die Ursache der schweren Bluttat auf Ponape zu suchen ist. Die Ermordung des Bezirksamtmanns Boeder und seiner acht Begleiter durch die Dschokadschleute war am 18. Oktober erfolgt. Die Verordnung des stellvertretenden Gouverneurs aber ist vom 7. Oktober datiert, so daß sich die Vermutung auf» drängt, daß zwischen beiden Ereignissen ein ursächlicher Zusammenhang besteht.
mutet werden, insbesondere in einer wirtschaftlich so schwierigen Zeit, wie diese im vergangenen Jahre gewesen sei. Anzuerkennen und weiter zu begrüßen sei, daß der Gedanke der Spar- sanikeit, die von der Volksvertretung in ganz besonderer Weise betont worden sei, Einfluß gefunden habe: die Kammer werde aber auch weiter noch mit aller Strenge im Interesse der Gesundung der hessischen Finanzen auf Sparsamkeit bestehen und insbesondere darauf bringen müssen, daß die O r g a ni s a t i 0 n § - änberungen batbigft unb 'kräftigst durchgeführt werben. Von biesen Slenberungen habe man bis jetzt lebiglich in bem Staats- unb Justizministerium greifbare Vorschläge erhalten. In bem Justizministerium sei insbesondere burd) eine Aenberung bes Strafvollzuges eine Ersparnis von 29 000 Mk. vorgesehen, weiter sei über bie innere Einrichtung ber Oberrechnungskammer eine ausführlich begrünbetc Denkschrift eingereicht worben. Bei ben Ressorts bes Ministeriums bes Innern unb ber Finanzen bagegen habe man, abgesehen von der Aenberung in bem Gendarmeriewesen mit einer Ersparung von jährlich 25 000 Mk., greifbare Vorschläge noch nicht erhalten. Solche Organisationsänderungen seien aber von der Zweiten Kammer insbesondere auf dem Gebiete des Forst- unb Bauwesens bereits im vergangenen Jahre energisch verlangt worben. Auf biesem Verlangen müsse auch weiter mit Entschiebenheit beharrt werben. Die Sparsamkeitsbestrebungen zeigen sich insbesonbere barin, baß keine neuen Beamtenstellen verlangt worben seien.
Auch im Bauwesen sei jetzt nach ber Periobe des überaus lebhaften, allerbings auch sehr kostspieligen Bauens in den letzten z e hin Jahren ein Stillstand eingetreten, welcher nur zu begrüßen sei. Wir hätten auch an ber Schulb von etwa 60 Millionen, die hauptsächlich ans bem Bauwesen hervorgeht, noch genug zu leiben.
Was bas Verhältnis zum Reich angehe, so sei dieses burch bie Reichssinanzreform — bas müsse anerkannt werben — au eine feste Basis gestellt worben. Von bem Reich würben zurzeit höhere Anforderungen als 80 Pf. auf ben Kopf ber Bevölkerung nicht gemacht, unb bics bebeute eine wesentliche Verbesserung des srüheren schwankenben Zustanbes. Durch bie Reichssinanzreform sei aber Hessen insbesondere von ben Matrikularbellräyen, welche seit 1906 gestunbct worben seien, befreit worben. Diese hätten für das Jachr 1911 1 500 000 Mk., für 1912 1300 000 Mk. ausgemacht. Es müsse aber auch bie Frage bezüglich ber Beamten unb Lehrerbesoldungen mit der Regierung erörtert und eine etwaige Teuerungsvorlage ins Auge gefaßt werden. Der im Verhältnis 311 dem Haushalt 1911 günstige Abschluß dürfe aber unter keinen Umstanden dazu verleiten, bas eingeführte Sparsam'keitsbestreben in irgendwelcher Weise zurückzustellen. Gerade dieses müsse unbedingt durchgeführt werden, bamit~ gesunde Verhältnisse in Hessen insbesondere mit Rücksicht auf bie Schuldentilgung unb bie Beamten und Lehrerbesolbungen erzielt werben.
Von anberer Seite würbe ber verhältnismäßig günstige Einbruck bes neuen Haushalts bestätigt unb auch anerkannt, baß in manchen Tellen der StaatLverwaltung die Regierung Sparsam-
zunächst ausgeführt: .
Der neue Haushalt biete im Vergleich mit dem für 1910 em überrafdjenb günstiges Bild. Im Haushalt für 1910 wurde ein Fehlbetrag von fast 5 Mlllionen her aus gerechnet, dargelegt, daß die Reste aus früheren Jahren vollständig verbraucht und der Ausgleichsfmids erschöpft sei. Von der Regierung sei der vorjährige Haushalt nur mit einer Erhöhung der Einkommensteuer von 30 Prozent und ber Vermögenssteuer von 75 Pfg. auf 1,10 Mk. von 1000 Mk. balanciert worben. In bem neuen sei irgend welche Steuererhöhung nicht vorgeschlagen, er schließe ohne Defizit ab, es sei bie -Steuer beibehalten, we.-che tn ben Verhanblungen ber Zweiten und Ersten Kammer auf 15 Proz. ber Einkommensteuer und 95 Pfg. aus 1000 Mk. Vermögen reduziert worben sei. Der neue Haushalt sehe aber weiter vor, baß ber Ausgleichsfonds am 31. März 1911 einen Bestaub von mindestens 780 000 Mk. habe und daß zur Deckung ber Ausgaben noch ein Betrag von über 370 000 Mk. aus bem abgelaufenen Jahre für das Jahr 1911 verwandt werben könne. Eine solch günstige Wendung zwischen dem Jahre 1910 und 1911 hätte wohl niemand erwarten können, und dies Ergebnis sei um so überraschender, als im Verhältnis zum Reich ein Einnahmeausfall an Erbschaftssteuer allein um 562 000 Mk. zu verzeichnen sei. Während in dem vorjährigen Haushaltsvoranschläge keinerlei Eiien- bahneinnahmen zu der allgemeinen Staatsverwaltung hätten heran- gezogen werden sollen, sehe der neue Haushalt vor, daß mach einer Schuldentilgung mit 2 225 000 Mk. immer noch 950 000 Mk. aus den Einnahmen der allgemeinen Staatsverwaltung zufließen sollen. Der neue Haushalt sei ein unbestreitbares Verdienst des Finanzministers Braun, welcher insbesondere zur Schuldentilgung neue Quellen herangezogen habe, aus welchen erhebliche Beträge zur Schuldentilgung verwandt werden konnten. Allerdings sei aber auch der Abschluß des Haushalts wesentlich beeinflußt durch das ausgezeichnete .Ergebnis ber preußisch-hessischen Eisenbahn-Betriebsgemeinschaft. Während im Haushalt 1910 von ber Regierung eine Einnahme von 12 Millionen vorgesehen gewesen sei, habe bereits bie Zweite Kammer 654 000 Mk. Mehr- einnahme eingestellt. Das tatsächliche Ergebnis sei aber ein noch weit günstigeres und stelle sich auf 14 Millionen Mark, also 1 346 000 Mk. mehr, als der Voranschlag 1910 betragen hätte und mehr als 2 Mlllionen über die Angaben ber Regierung für ben Haushalt 1910. Die Hauptursache für diese Besserung sei in ber Herabsetzung bes Betriebs-Koeffizienten von 74,62 auf 68,99 Prozent zu sehen. Diese Besserung des Betriebs-Koeffizienten müßte allerbings Anlaß zu besonberer Vorsicht geben, weil nicht ausgeschlossen fei, daß ber Betriebs-Koeffizient in kommender. Jahren wieder ungünstiger sei, wie er sich ja auch in Bayern in den letzten Jahren von 73,32 auf 75 Prozent erhöht habe. Eine Frage sei doch berechtigt: was denn bie Regierung mit ben von ihr angeforberten erhöhten Einkommen- unb Vermögens- teuem gemacht hätte, wenn sie in der Höhe von 30 Prozent Einkommensteuer, und 1,10 Mk. Vermögenssteuer auf 1000 Mk. wirtlich von den Ständen im vergangenen Jahre bewllligt worden wäre. Diese Erhöhung hätte eine Mehreinnahme von über zwei Mlllionen ergeben. SteuernaufVorratzubewilligen, könne unter feinen Umständen dem Volke zuge-
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geqr. 1861.
Aniäosrrlebrgaog eamnt am
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unb Herren, (Unter- - 51b. 9lndiwtig hiriud für Lchreib- r Ä'uqlikder der Teilnehmer an dem ÜLnmtVbunntn spenden, echciör IHütMüe 43, ober ed Nnttw-lS. ivV
aus türkischen Diensten geschieden, erhielt er die 5. T-ivrsion m Frankfurt unb würbe Generalleutnant, trat 1898 als G euer al- Inspektor an bie Spitze des Ingenieur- und Pionierkorps unb ber Festungen, würbe als solcher 1900 General ber Infanterie und dann 1902 kommandierender General des 1. Armeekorps in Königsberg. Hier ernannte ihn .auch die phllosophisck>e Fakultät zum Ehrendoktor. Sell 1907 an der Spitze der aus dem 1., 5. unb 17. Armeekorps bestehenden 6. Armeeinspektion stehend, mürbe er 1908 zum Generalobersten befördert uubt leitete bekanntlich auch bie letzten Kaisermanöver Ur ben erkrankten Chef des Generalstabes p. Mollle.____________________
Die hessische tjauspaltsberatung im Finanzausschuß. Darmstadt, 3. Jan.
Der Finanzausschuß der Zweiten Kammer trat heute zur Beratung des Haushalts für 1911 zusammen. Der Vorsitzende schlug vor, die Beratung des Gesetzvorsckstages über die Schuldentilgung im Einvernehmen mit bem Finanzminister zunächst aus- zusetzm, bis ber Finanzminister,aus seinem Urlaub zurückgekehrt sei, was ber FinanzaussckMß billigte. Sodann wurde in eine Haupterörterung des Haushalts eingetreten. Es wurde hierüber


