Ausgabe 
4.1.1911 Zweites Blatt
 
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den Boden einer

Gedenket der hungernden Vögel!

Ganze Männer

Eine der seltenen Quellen mit nur rein natürlicher Füllung lEH/d

Niederlagen:

Jean Weisel

Fernspr. 235 und

Heinr. Zinn

Fernspr. 807

frisch und ausdauernd an Körper und Deist erfordert die heutiae Zeit aus allen Gebieten deS Erwerbs- und Geisteslebens. Die Konstitution soll vor schädlichen Einflüssen bewahrt werden. Alles waS nervös macht und unsere Widerstandsfähigkeit ungünstig beeinflußt soll dem Körper serngehalten merben. Gleich hüfj soll mit einem nahrhaften Frühstück eingesetzt werden, mit einer Tasse Dan Houtens Eacao. Don an­genehmem Geschmack, ist es ein kräftigendes stets, gern getrunkenes erstes Frühstück. Dan Houtens Eacao gibt dem Körper ein Gefühl erhöhten Wohlbehagen-

Nachrichten.

t£uau9<ii|u/t .iiutiiioe.

Donnerstag den 5. Januar, abends 8 Uhr, im MarkuSsaal: Bibelstunde. (Bilder aus dem Leben Jesu.)

Pfarrer Schwabe.

Gießener Strafkammer.

Dießen. 3. Januar.

Wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung

wurde der Uhrmacher Hch. A. von H u n a e n burcb das Schöffen­gericht -u se 3 Alark Geldstrafe verurteilt, nachdem das Gericht e4 für festgestellt hielt, daß der Angeklagte einen 13jährigen Jungen, der sein Kind mit seinem Fahrrad imtqefohren hatte, mit Ohrfeigen traktiert und deffen Rad eine 2 Meter Hobe Böschung hinunter- geworfen und durch Zertretet, gebrauchsunlähtg gemacht hatte. Tie Beruitutg des Augeklagten wurde mit dem Bemerken verivorsen, daß atti eine höhere Strafe erkannt worden wäre, wenn tue Staats­anwaltschaft auch Berufung verfolgt. hätte.

Kindesentführung

ist dem Taglöhner ®q. Fl. aus Saarbrücken und deffen Ebekrau zur Last gelegt. Im letzten Herbst kam die Frau in die Schule zu W o h t, f e l d , wo das Kind ihres früheren Ehemannes unter­gebracht war. Ter Lehrer gestattete der Frau eine Unterredung nut dem Kmde, ittdem er ihm eine Begleiterin mitgab. Unter dem Vorwande, die Kirchweihe auf einein Nachbarorte besuchen zu wollen, nahmen sie das Kind nach Sellnrod und zogen ihm dort gnbcre Kleiber an. Sie fuhren bann nach Mücke, wo ihnen die inzwischen benachrichtigte Geiidarmerie das Kind vor Abgang des Zuges abnahm. Tie Angeklagte wnrde zu 10 Taget, Gesängms verurteilt, während ihr Ehemann mit 5 Tagen durchkam.

Wegen Rückfalld ebstahlS

wurde der Taglöhner Gg. W. aus Grün berg, der einem hie­sigen Metzger ein Baar langschästige Stiefel stahl und fte verknuste, zu der Thubeftftraie von 3 Monaten Gefängnis verurteilt, worau' 5 Wochen Untersuchungshaft in Anrechnung kommen.

Übertretung der Schlalftordnung

brachte den Metzgern S. St und Al. G. zu Nidda Strafbefehle über ie 4 Mark em. Sie hatten ein Kalb zum Schächten an den Vinterbeinen anfgebängt, statt die Vorrichtung zum Sciilachten zu gebrauchen. Ihr Einspruch wurde vom Schöffengericht zurück- gew,esen, weshalb G.. der eine höchü^tchterliche Entscheid,mq herbei- tühren will, daS Urteil anfocht. Tie Strafkammer fetzte d,e Strafe aus eine Mark herab.

(ßcricbrtfaciL

n. Diez, 3. Jan. Der praktische Arzt Dr. med. C. Eoester von hier hatte den Hauptmann der Landwehr Frohwein in Offen­burg in Baden wohnhaft, zu einem Duell heran 4g. rdert. Frodwen, nahm die Forderung jedoch nicht an, fonbcm erstattete Anzeige. In der gestern vor der Strafkammer Limburg ab- gehaltener, Verhandlung erhielt Dr. Coesie, wegen Herallssorberung zum Zweikampf b Tagc Festungshaft.

wirtschaft in den letzten Jahrzehnten außerordentliche Fortschritte gemacht habe. Tie Erträge der verschiedenen landwirtschaftlichen Kurlturpflanzen haben sich seit dem Jahre 1888 außerordentlich erhöbt. In der Schilderung der Maßnahmen, die zur Förderung der Pflanzenprvduttion in Betracht ^kommen, wies er auf J>je Ablösung der Almennutzuni

Die Pflege der Stimme erweist sich immer mehr als ebenso notwendig wie diejenige etwa der Hände und der Zähne. Unter allen Mitteln, die eine klare freie Stimme schaffen, wohltuend auf Rachen und Hals wirken, üblen Geruch aus dem Munde nehmen, hat sich keines nur annähernd so verbreitet und behauptet, als die in ihrer Wirkung unvergleichlichen Wybert-T ab letten. Sie gehören zum eisernen Bestände jedes Haushaltes, wie Seife und Zahn­pulver. Die lange ausreichende Schachtel kostet in allen Apo- heken 1 Mark. Depot in Gle**en: Pelikan-Apotheke. Kreuzi

lürcbc ituö Schule.

M. Freie la nd eSkirchlich e Vereinigung. Im : Mertener zu Frankfurt a. M. tagte am 2. Januar die 5. Hauptversammlung der freien landeskirchlichen Ver­einigung für daS Großherzogtum Hessen. Tie von dem Vorstand dieser Körperschaft mit den kirchlichen Liberalen Badens ge­pflogenen Verhandlungen zwecks Herbeiführung eines engeren Zusammenschlusses wurden gutgeheißen, und der Beschluß gefaßt, künftig eine gemeinsame Wochenschrift für die kirchlich liberalen kreise Hessens und Badens herauszugeben, die den Titel führen oll:Süddeutsche Blätter für Kirche und freies Christentum". Pfarrer D. Förster au Frankfurt hielt einen Vortrag über ,Lehrordnung u nb Lehrfreiheit der Predig er nach evangelischen Grundsätzen". Nach einer Besprechung der risziplinären Verhältnisse der Geistlichen in englischen und ameri­kanischen Kirchengemeinschaften besprach er die einschlägigen Ver­hältnisse der deutschen Landeskirchen und unterzog auch das neue preußische sogenannteJrrlehregesetz" einer eingehenden und ablehnenden Kritik. In seinen praktischen Vorschlägen stellte sich der 9iebner auf den Standpunkt des Zkirchenrechtlers yhibolf Sohrn, der von dem Recht der Einzelgemeinde ausgeht. Tarüber, ob ein Geistlicher Lehrer der Frömmigkeit in einer Gemeinde sein könne, könnte im letzten Grunde nur die Gemeinde selbst entscheiden. Eine Lehrwillkür dürfte nicht verlangt werden. Aber die Anklagen auf Verletzung der Lehre, dürften nicht von außen oder von oben her, sondern nur aus der Gemeinde selbst kommen und angenommen werden. Der Gemeinde sei ein Beschwerderecht einzuräumen. Der kirchliche Liberalismus sollte ein Anwalt des Gemeinderechts werden. Tie letzte Entscheidung in Lehrstreitig­keiten sollte bei einer wählbaren Vertrauensinstanz, nicht einem Gerichte liegen, etwa so, wie es die rheinische Kirchenordnun^ in ihren Ansätzen kennt. Die Aufrichtung von Lehrautoritäten sei unevangelisch. Zu entscheiden sei darüber, ob im gegebenen Falle ein Pfarrer noch länger in seiner Gemeinde wirken könnte ober nicht. Beachtenswert sei die Tatsache, daß bie neue liberale Baseler Kirchenordnung das Recht der Gemeinde auf Errichtung einerMinderheitspfarrei" vorsieht, wenn ein bestimmter Teil einer Gemeinde andern Sinnes sei als der Geistliche. Die prak­tischen Schwierigkeiten bei der Durchführung dieser evangelischen Grundsätze seien nicht zu verkennen, aber es sei unablässig dafür zu wirken. Mit einem ernsten Gewissensappell der verantwor­tungsvollen Berufspflicht eines Geistlichen eingedenk au sein, schloß der Redner seine mit Beifall aufgenommenen Ausführungen. Daran schloß sich eine sehr rege Besprechung, an der sich auch Laien beteiligten, wobei sich größtenteils Zustimmung zu den Worten Försters ergab.

nennutzungen auf Acker und Wide hin, umso ___________ ______ besseren Bewirtschaftung zugänglich zu machen. Tie Feldbereinigung sei ebenfalls eine der grundlegenden Maß­nahmen zur Förderung des Pflanzenbaues. Weiter kommen in Bettacht die ausgedehnte Anwendung von Maschinen, besonders der TrÄlmaschine, wobei interessante Zahlen aus den Erhebungen der letzten Betriebszählungen gebracht mürben; die $nrd>fübrung der Hackkultur. Turch die Auswahl entsprechender für bestimmte Verhältnisse geeigneter Sorten unter Berücksichtigung der von der Landwirtschastskammer ausgeführten Sortenanbauv^rsuche, die züchterische Verbesserung unserer Sanbforten, sowie die Züchtung anderer, sich aber wertvoll erwiesener Sorten in ganz bMtimmten Bezirken, die sich in ihren Boden- und klimatischen Verhält­nissen unterscheiden, sei weiterhin die Möglichkeit gegeben, bte Erträge im Pflanzenbau erheblich zu steigern.

Anbau solcher Sorten ermögliche den gemeinschaf tlichen Abi ah der Ernteprodukte von bestimmten landwirtschaftlichen Kultur­pflanzen. Der Vortragende erörterte ferner die NotwendigreN der Verwendung besseren Saatgutes, schilderte kurz bte ^atigfeit der Saatbaustellen der Landwirtschaftskammer und weist aut bte ausgebehntere Beobachtung von Pflanzenkrankheiten und Schäd­lingen hin. Auch die öebung des Futterbaues mit dem Dtnwets auf die Notwendigkeit der Züchtung einheimischer Klee- und GraS- orten wurde hervorgehobcn. Zum Schluß entwickelte der Vor­tragende den Gedanken einer technischen Beratung bäuerlicher Wirtschaftuna auf Grund der Feldbesichtigung, um so die Fort- djritte der Landwirtschaft besonders auch dem kleineren Landwirt zugänglich zu machen. Die weitere Ausdehnung des PrämiierungS- wesenS auf bie ganzen Felderbestänbe einer Wirtschaft neben der schon bestehenden Prämiierung von Pflanzenbauprodukten auf kleineren Ausstellungen stehe in enger Beziehung mit der tech­nischen Beratung der bäuerlichen Betriebe. Beide Vorträge wurden mit großem Beifall aufgenommen. Arn Donnerstag werden sprechen: Professor L a u r - Zürich überDie Wirtschafts­organisation auf Grund her Buchführung", sowie Landesinspektor ür Obst- und Gartenbau R e b h o l z - München überMaß­nahmen zur Förderung der Obstverwertung". Der Freitag wird zwei interessante Vorträge aus dem Gebiete der Tierzucht bringen und zwar von Dr. Wilsdorf-Berlin überZüchtungsziele und Haltungszwecke in der Rinderzucht" und von Professor Simon v. Nathusius -Halle überAllgemeine Hüchtungsgrundsatze bei der Hauspferbezucht", eine Besichtigung bet Lanbgestütsbeschäler wirb sich bem letzten Dortrage anschließen.

Dar Ende de; Schönebeck prozeffes.

4 93 er 1 in, 3. Jan.

Wider Erwarten hat das von der Staatsanwaltschaft berät Landgericht Berlin III gegen Frau v. Schönebeck-Weber beantragte Entmündigungsverfahren einen ganz anderen Ausgang genommen, als auch bie zunächst Beteiligten cs vermuten konnten. Für heute vormittag war noch ein Termin vor bem Amtsgericht Charlotten- bürg angesetzt, wobei Frau v. Schönebeck und bie mebizinisdien Sachverständigen nochmals vernommen werden sollten. Als aber die Parteien erschienen, wurde ihnen mitgeteilt, baß bereits eilt Urteil bes Amtsgerichts Charlottenburg vorliege, in dem bie Entmündigung her Frau v. Schönebeck-Weber ausge­sprochen sei. Dieses Urteil, das im Zusammenhang mit den früheren Prozessen für bie Allgemeinheit von Interesse ist, ist bereits vom 24. Dezember datiert und wirb wie folgt begründet:

Die Entmündigung ist in Gemäßheit des § 654 Zioil--Pr.^D. persönlich unter Zuziehung des Dr. Weil in Schlachtensco und des Gerichtsarztes Dr. Marr in Berlin vernommen worden. Von den Sachverständigen hat Dr. Weil eine Geistesschrväche utrbi Geisteskrankheit der Frau Weber für ausgeschlossen gehalten, und sein Gutachten damit begründet, daß sie im Gespräch mit ihm immer klar und orientiert gewesen, in ihrem Verhalten durckraus dezent, niemals auffallend und stets von dem Bestreben erfüllt gewesen sei, jede Andeutung von Sensation zu vermeiden. Ganz abgesehen davon, daß dieses Gutachten das Vorleben der Ent­mündigten in keiner Weise berücksichtigt, kann es schon deslwlb nicht als überzeugend erachtet werden, weil bie Tatsachen, auf die es sich gründet, nicht in Uebereinstimmung mit den oorqenommeneir Ermittelungen stehen. Diese haben durch die eidliche Vernehmung der Zeugin Zenner ergeben, daß die Entmündigte sich auch in der Wetlichen Anstalt durchaus nutzt immer dezenr geführt habe. So bekundet Die Zeugin, daß sich bie Entmündigte nicht blog in Gegenwart ihres ManneS, sondern auch ihres «chwagers un­geniert ihre Kleider habe.anproben lassen und einmal in Gegen­wart chres Älstvagers nur mit einem Kimono bekleidet gewesen sei. Der Gerichtsarzt Dr. Marx gibt sein Gutachten dahin ab, daß Frau Weber geistesschwach sei. Tas Gutachten ist überzeugend begründet und steht in Uebereinstimmung mit bem Eindrücke, den bas Gericht beider persönlichen Vernehmung der Entmünbiglenf gewonnen hat. Auch der ?.od) als Sachverständige zugezoacne Medizinalrat Dr. Leppmann kommt au demselben Ergebnis wie Dr. Marx. In gleicher ober ähnlicher Weise sprechen sich! bie Professoren Dr. Puppe unb Meyer in Königsberg auS. Die Art bet Geistessc^vache bet Frau Weber an und für sich und ihr ganzes Vorleben läßt es als nicht zweifelhaft erfdeinen, daß Frau Weber zur Besorgung ihrer Angelegenheiten nicht hnftanbe ist. Sie ist haltlos und unfähig zur überlegten selb- ftänbigen Entschließung. Im einzelnen zeigt sich dies noch hin­sichtlich ihrer VermögenSangelegenheiten in ihren an ihren, Stuber gerichteten Briefen. Obwohl sie zunächst in diesen ©riefen ihrem Mißtrauen gegen ihren Ehemann in Geldsachen Ausdruck gibt, unb ben Wunsch ausspricht, ihr Gelb sicher angelegt zu sehen* so daß weder sie nod) ihr Ehemann an, das Geld herankönire- unterschrieb sie f pater, im Huli 1910, mehrere ihr von rät ent Ehemann vorgelegte Wechsel im Gesamtbeträge von 19 000 Mark. Daß sie bei ihrer geistigen Verfassung auch zur Erziehung ihrer Kinder völlig unfähig ist, bedarf kern er Erörterung, unb wie wenig einjidjtig sie hinsichtlich ihrer eigenen Person ist, dafür ist bezeichnend ihre Erklärung im Exploralionstermine, in dem sie auf die Aage, in welcher Weise sie sich nach ihrer Entlassung llus der WeÜschen Anstalt beschäftigen werde, erwiderte, sie wolle Schreibmaschine schreiben lernen und sich damit im Geschäft ihres Ehemannes betätigen. Es muß als ausgeschlossen gelten, daß sie imstande ist, bei ihrer hochgradigen Erregbarkeit diesen Ent­schluß auszuführen. Sich selbst überlassen würde sie völlig haltlos und hilflos sein unb jeder Beeinflussung und jeder Versuchung unterliegen. Da hiernach die Voraussetzungen deS § 6 B.-G -B. gegeben sind, war Frau Weber wie geschehen, wegen Gerstes- sckyväche zu entmündigen."

Der Ehemann der Entmündigten, der Schriftsteller A. O. Weber bat gegen dieses Urteil des Amtsgerichts Charlottenburg sofort Berufung eingelegt.

Landwirtschaft.

** Ter Vortr agskursus ber Landw irtschafts- lammet für Hessen in Darmstadt wurde am Dienstag vormittag kurz nach 10 Uhr durch den stellv. Vorsitzenden der Landwirtschaftskammer, Landtagsabg. Böhr, eröffnet, der Zu­nächst die erschienenen 400 Landwirte, sowie die Vertteter oer Regierung, Ministerialrat Hölzinger und Landesökonomierat Müller begrüßte. An Stelle des durch Erkrankung an der Ab­haltung fetncS Vortrages verhinderten Geh. HofrateS Professor Dr. Wagner hatte Prof. Dr. BackhauS-Berlin einen Bericht über die Landwirtschaft Südamerikas übernommen. Professor Backhaus begann seine Ausführungen mit einer Schilderung der politischen unb wirtschaftlichen Entwickelung Südamerikas, kam bann auf die natürlichen unb wirtschaftlichen Prvduktions- bebingungen der dortigen Landwirtschaft zu sprechen unb schilderte schließlich ihren fremdartigen Betrieb in eingehender Weise. Tie dortigen deutschen Kolonisten verständen ihre Nationalität unb Sprache sich zu erhalten. Der Erfolg der d-ulstzen A.iswand r.r hänge lediglich von ihrer Person ab. Manches aus der dortigen Landwirtschaft, so besonders die großzügige Bettiebseinrichtung und ausgedehnte Maschinenanwendung, sei für die deutsche Land­wirtschaft beachtenswert, die sich and) namentlich auf dem Gebiete der Viehzucht in Argentinien vielleicht noch ein gutes Absatz­gebiet erobern könne. In der zweiten Stunde sprach Sekretär Dr. Hamann über das Thema:Welche Maßnahmen kommen zur Förderung der Pflanzenprodukion auf Grund der im Großherzogtum Hessen gegebenen Verhältnisse für die Zukunft in Betracht " Der Vortragende schilderte die in Heflen vorliegenden Betriebsverhättnisse auf Grund der Betriebszählung 1907 und wies besonders auf den Untersch.ed gegen norddeutsche Staaten hin. Er brachte den Nachweis, daß die Hessische Land-

merkbar gemacht, die auf den Schutz gefährdeter Kinder hfnzielt. Dies geschieht in der Hauptsache durch Heilstätten behandlung, die bis jetzt von allen Heileinrichtungen die besten Erfolge zu verzeichnen hat. Tuberkulöse Kinder wur­den bisher in der Privatheilftätte Göttmann in Reichels- beim i. O., in der Kinderheilanstalt Oranienbaum in An- Halt und, wenn es sich um geschlossene Tuberkulose handelte im Elisabethhaus in Bad-Nauheim untergebracht. Dtese Einrichtungen sind aber nicht genügend, um alle Kinder aufzunehmen. Der Heil stattenverein für Hes s en chat sich nun der Sache angenommen und Kinderheil­stationen gegründet, da sich die Errichtung einer beson­deren Kinderheilstätte, so notwendig eine solche auch ist Mangels der erforderlichen Mittel leider nicht ermöglichen ließ. Das St. Bonifatiuskrankenhous in Hirschhorn und das evang. Krankenhaus in Lampertheim haben besondere Abteilungen für Kinder eingerichtet, und jmt der Belegung soll bereits Ende Januar oder Anfang Februar begonnen werden. Voraussichtlich läßt sich auch im Kreiskrankenhaus Alsfeld eine Kinderstation einrichten. Die Heilbehandlung vollzieht sich nach denselben Grund­sätzen, die in den großen modernen Heilstätten eingeführt sind, besonders werden auch Liegekuren geübt. In Hirsch- Horn stehen 8 und in Lampertheim 6 Betten zur Verfügung Ter Pflegesatz ist mäßig Im Interesse der Volksgesund­heit wäre es zu begrüßen, wenn von den neuen Einrich­tungen der umfassendste Gebrauch gemacht wird. Da für unbemittelte Ktnder die Landesversicherungsanstalt niLl eintreten kann, müssen eben andere Mittel hierfür ver­fügbar gemacht werden. Außer den der Großherzogin aus den Erträgnissen der verschiedenen Verkaufstage zu Gebot stehenden Mitteln stehen auch einigen Städten, Gemeinden und Gemeindeverbänden, Stiftungen, Fürsorgestellen für Lungenkranke usw. Mittel für derartige Zwecke, wenn auch in beschränktem Maße zur Verfügung. Auch der Heilstätten­verein ist dank einiger Zuwendungen, besonders der nam­haften Zuwendungen eines wohlhabenden Gießener Bür­gers, dessen Gemein- und Wohltätigkeitssinn weithin be­kannt ist und eines im letzten ^Zahre in Babenhausen ver­storbenen Wohltäters in der Lage und bereit, helfend ein­zugreifen. Gesuche um Ausnahme, denen ein kurzes ärzt­liches Zeugnis und der Nachweis, wer die Kosten tragt, berufenen ist, sind an den Vorstand des Heilstättenvereins in Darmstadt zu richten.

Landkreis Gietzen»

Klein-Lind en, 3. Jan. Einen Gesangs- Wettstreit hält nächsten Sommer der Gesangverein Arion" ab. Die Vorbereitungen sind fort)eit gediehen, daß in Bälde der Delegiertentag beabsichtigt ist. An Geld­preisen stehen beträchtliche Summen zur Verfügung, außer­dem erhalten die wettstreitenden Vereine wertvolle Kunst- gegenstände. Zum Festplatz wurde die schön gelegene Pfingstweide in Aussicht genommen.

---- Daubringen, 3. Jan. Der Männer-Turn­verein Daubringen, der dem ,Lahn-Dünsberg-Tur- nerbund" angehört, hielt am vergangenen Sonntag unter reger Beteiligung seine Jahresversammlung ab. Die Rechnungsablage war sehr zufriedenstellend. Es erwies sich nämlich ein Ueberschuß von 88.84 Mk. Hierauf folgte die Neuwahl der Vorstandsmitglieder für 1911. 1. Bors. Grnil Schäfer, Zigarrensabrikant, 2. Bors. Ludw. Schäfer, Rechner Ludw. ^Hofmann, Schriftführer Wilh. Schäfer, stell­vertretender Schriftführer Gg. Dort, Beisitzer Karl Weimer, 1. Turnwart Wilh. Schwalb, 2. Turnwart Wilh. Lehr, Geo­meter 2. Kl., Zeugwart Gg. Michel. v

Kreis Friedberg.

<L. Friedberg, 3. Jan. Unsere israel. Reli- aionsgemeinde hatte seither einen fünfgliederigen Vorstand. In den letzten Jahren hat die Gemeinde sehr zugenommen und zählt zurzeit an 130 Familien. Der Vorstand soll von jetzt an aus sieben Mitgliedern bestehen. Am 11. Januar findet eine Neuwahl des Gesamt-Vorstandes statt. Der hiesige Beamten -Konsum-Verein hat sein erstes Geschäftsjahr hinter sich uno loar in der Lage, seinen Mitgliedern 5 Prozent vom Gewinnanteil auszu­zahlen. Den hiesigen Gastwirten wurde gestern das er st e Eis von auswärts, besonders von Ockstadt, zugerührt. Bei dem Eissägen in Ockstadt hätte bald ein junger Mensch zu großem Schaden gelangen können. Er. brach plötzlich an einer tiefen Stelle ein und mußte von seinen Mitarbei­tern am Seil herausgezogen werden.

Bad-Nauheim, 3. Jan. Heute und gestern war unsere Bergrodelbahn außerordentlich stark besucht. Aus Friedberg, Butzbach und Gießen rtxiren viele Rodler erschienen. Die Bahn ist ca. 1000 Meter lang und vom Bahnhof aus in einer Viertelstunde zu erreichen. Auch die Winterstein-Rodlerbahn, die vom sogenannten Stein­kopf (der höchsten Spitze des Wintersterns) zur Forfthaus- Restauration führt, war gut besucht.

sc. Nieder-Eschbach, 3. Jan. Im 83. Lebens­jahr starb hier der Landwirt und Postagent Joh. Wilh. Seiboldt l., ein eifriger Förderer des landwirtschaft­lichen Genossenschaftswesens und Mitglied des Bundes der Landwirte, dessen Wahlkreisvorsitzender, und zuletzt Ehren- Wahlkreisvorsctzender, er für den Reichstagswahlkreis Fried­berg-Büdingen gewesen ist.