befircklichen Landtagswahlbewegung ihre Wirkung zu. tun, in den nächsten Tagen im Druck erscheinen.
Deutsches Reich.
Die „Schweriner Zeitung" erfährt amtlich: Die meck- lenbnrgische Staatsbahn schließt sich ab 1. Oktober den Darifmaßnah rnenderpreußisch-hessischen Staatsbahn ans Frachtermäßigung für Düngemittel, Rohmaterialien, Kunstdüngerfabrikaten, frischen Feldfrüchten, Gartenfrüchten, Hülsensrüchten und frischen Kartoffeln an.
Der HäuItVorstand der liberalen Vereinigung in Düsseldorf beschloß, auch für die Stichwahl die Parole unbedingter Stimmenthaltung auszugeben.___________
Ausland.
Der böhmische Landtag erledigte am Dienstag nachmittag die formelle Tagesordnung. Rach einer Meldung der „Bohemia" ist eine Erleichterung der Lage eingetreten, da die Tschechen von der Forderung auf Reuwahl des Landesausschusses Abstand genommen haben und der Norstandsanttag entsprechend abgeandert werden soll, so daß die nächste Sitzung die beiderseits vereinbarte Tagesordnung mit sachlichen Punkten enthält, nämlich den Gesetzentwurf über die Permanenzerklärung der na- tionalfwlrtischen und der beiden Schul-Ausschüsse, sowie iie Zuweisung des Notstandsantrages an den Landesausschuß.
Meldungen von Eingeborenen aus Tanger besagen: Die Spanier mußten alle Stellungen am rechten Ufer des Ued Kert räumen. Eine Kolonne sei am Donnerstag überfallen und ihr die Munition weggenonrrnen worden. Bei Selnan, welches am Sonntag die Spanier geräumt haben sollen, erbeuteten die Riffleute angeblich fünf im Stich gelassene Kanonen. Eine Bestätigung dieser Meldung liegt nicht vor.
Heer und Lloiie.
Noch ein Unfall in der französischen Marine.
Tvullon, 27. Sept. Im Verlaufe von Hebungen, die mrf der Höfte der Iles d'Hyers stattfanden, stieß der Torpedo bo ots zerstöre r „M o usqu et o n" mit dem Torpedobootszerstörer „Trident" zusammen. „Mousqueton" wurde so schwer beschädigt, daß er auf Strand gesetzt werden mußte. Der „'Mousqueton" erlitt so schwere Beschädigungen, daß das Wasser in Strömen ein drang. Der Maschinenraum wurde vollständig zerstört und die Kommandobrücke geriet in Flamwen.
Greuel eines Zndiancrausstander.
Neuyork, 27. Sept. Wie aus Mexiko berichtet wird, plünderten aufrührerische Indianer im Staate Las Chiapas am Samstag den Ort Chamnla. Sie sollen einen Mann an das Kreuz, geschlagen, F rauen und Kinderinbarbarisch er Weis ehin- geschlachtet und Säuglinge in die Luft geworfen und mit Lanzen spitz en aufgefangen haben.
Schon seit einiger Zeit gärte es stark unter den Indianern im südlichen Mexiko, weil gewisse, den Indianern von der Republik Mexiko gewährte Reservatrechte an Land und Jagdgründen von den lokalen Behörden und den weißen Bewohnern der.Provinz nicht respektiert wurden. Die Eingeborenen von Chiapas sind fast ganz besitzlos und werden von den Weißen fast ausschließlich zu groben Arbeiten verwendet.
Arbeiterbewegung.
Minden (Wests.), 28. Sept., Die angekündigten Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern der westfälischen Zigarrenindustrie sind ergebnislos verlaufen. Infolgedessen werden die Mitglieder des westfälischen Zigarrenfabrikantenverbandes ihren sämtlichen organisierten Arbeitern, insgesamt 7000, am letzten d. M. kündigen.
85. Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte.
~ Karlsruhe, 27. September.
Die allgemeinen Und Abteilungssitzungcn des deutschen Naturforscher- und Aerztetages nahmen am heutigen Mittwoch ihren Fortgang. In der Abteilung für mathematischen und naturwisslln-- schastlichen Unterricht stand das Thema: „Philosophischer Unterricht an höheren Schulen mit besonderer Berücksichtigung auf deren mathematischen und naturl'uiwigen Unterricht" zur Verhandlung. Der Vortragende Müller aus Konstanz untersucht die Bildungsziele der höheren Schulen und kommt zu dem Schlüsse, daß einem gesonderten philosophischen Unterricht die bedeutsame Aufgabe zufalle, unter ständiger Mitteilung von Einzelkenntnissen die himranistische und die realistische Bildungseinheit im Bewußtsein der Schüler herzustellen uitd zu einer höheren Einheit zu verschmelzen.
In der Abteilung Pshchiatrie Und Neurologie spricht Professor Oswald Bumke (Freibutg i. B.) über
Nervöse Entartung.
das Problem ist sehr alt, und man hat sich immer damit beschäftigt. Heute ist es besoirders die soziale Strömung unserer Zeit, die die Degemnattonssrage immer wieder an die Oberfläche treibt, und dann die Entwickelung der modernen Anthropologie. Entartung ist jede von Generation zu Generation zunehmende Verschlechterung der Art. Sie äußert sich in unzweckmäßigen Abweichungen vom Grundtypus. Daß diese 'Abweichungen grundsätzlich vererbbar sind, ist nicht notwendig: auch die bloße Zunahme äußerer Schädlichkeiten — Ausbreitung von Syphilis und Alkoholismus — könnte ohne die Mitwirkung erheblicher Momente jedes folgende Geschlecht kränker UTib schwacher machen, als das vorhergehende war. Schon deshalb war es ein Fehler, daß die Psychiatrie allmählich den Entartungsvorgang ganz vernachlässigt und dafür das Moment der Erblichkeit mehr und mehr in den Vordergrund gestellt hat Dazu kam noch, daß der Begriff des Psychopathologischen überdehnt wurde. Man mußte einen erheblichen Teil der Menschheit für entartet halten, wenn ntan gleich mit dem Genie den Anfang machte. Die wahre Gefahr aller europäischen Kulturvölker ist bekamitlich die, an der schon Griechenland und Rom zu Grunde gegangen sind: der Völkertod, das Ausslerben durch die Beschränkung der .Kinderzahl. Ter Vorgang beginnt gesetzmäßig in den oberen Schichten und so wäre auch eine gualitative Verschlechterung der Art eine „Ausrottung der Besten" — aus diesem Wege wenigstens denkbar. Auch das würde niemals zu einer Entartung im psychiatrischen Sinne fuhren können. Daß es aber eine solche überhaupt gibt, ist gewiß; man braucht nur an Syphilis und Paralyse und an die Beziehungen des Alkohols zu GeistAttanken -und zum Verbrechen zu erinnern, um das zu zeigen. Aber auch hier liegen die Dinge nicht ganz so klar, als manche menten J^e meisten Trinker sind von Hause aus abnorm und deshalb wiffen wir nicht, wieviel von ihrer Krankheit sowohl wie von der ihrer Kinder wirklich auf Rechnung des Giftes kontmt. Garmcht beantwortet ist bisher die Frage, wieweit die SckMlgimg der De^endenz reicht. Ob außer den Kindern auch die Enkel noch betroffen werden, das haben bisher weder klinische noch expernnentelle Untersuchungen ganz aufgeklärt Sicher ist dagegen, daß Alkohol und Syphilis die Sterblichkeit der Nachkommen erhöhen und so zum Llussterben der erkrankten Familiär Veranlassung geben. Bei diesen Vorgängen handelt es sich nicht Um Vererbung tnt biologischen Sinne, sondern um Keimvergif- itungen. Vielleicht kann jede Allgemein-Krankbeit, können zu hohcZ Mr W me^eres Mer per .Eltern den Kindern in ganz
ähnlicher Weise verhängnisvoll werden. Die Frage nach^der Vererbung erworbener Eigenschaften ist trotz zahlreicher -vrer- versuche noch nicht restlos beantnrortet worden, aber schon heute kann gesagt werden, daß die Vererbung erworbener psychischer und nervöser Eigenschaften nach den bisherigen Ergebnissen nahezu als ausgeschl offen gelten muß. Funktionelle Abänderungen durch Gebrauch und Nichtgebrauch z. B., werden ebensowenig vererbt, wie Verstümmelungen und ähnliches. ,
Bei den Versuchen von Brown-Seguard, Westphal nNd Ober- stciner hat cs sich um Keimschädigungen, nicht um wirttiche Vererbung gehandelt. Nicht zur Entartung führen die Ver- erbungsgesetze, sondern zur Regeneration. Eine gewisse Wahrscheinlichkeit der Erkrankung besteht nur für^ den, der ckvn beiden Eltern her in gleichsinniger Weise belastet ist. Auch, die Inzucht wirkt nur dadurch, daß fie gleichartige Anlagen verstärkt. Lind diese Anlagen wertvoll, so verbessert sie die Art, sind sie krankhafter Natur, so läßt sie sie entarten. Daß die Geisteskrankheiten wirklich zunehmen, ist nicht bewiesen. Häufiger geworden sind die Selbstmorde und auch die Kurve der Kriminalität steigt noch. Auch das sind soziale Erscheinmiaen. Die Art wird dadurch nicht schlechter. Aber auch die Nervenkrankheiten nehmen zu. Selbst wenn wir abzieben, was Mode und soziale Fürsorge an scheinbarem Zuwachs bringen, neurasthenische und hypochondrische Zustande sind doch wohl häufiger geworden und nur die Kurve der Hysterie hat früher schon stärkere Gipfel erreicht,. Dazu sind wir im ganzen nervöser „regsamer" geworden. Reizsamkeit, Subjektivismus und hypochondrische Grundstimmung künden ben lieber« gang von einer Kulturepoche in die andere. In allen ähnlichen Epochen der Weltgeschichte finden sich die gleichen Symptome, sogar das eigentümliche Streben, bei bestimmten Naturheilmethoden seine Zuflucht zu suchen.
Das Korreferat über das gleiche Thema erstattete Oberarzt Dr. Schott (Stettin i. R.). Tie ganze Medizin steht in Beziehungen zur nervösen Entartung; es ist deshalb eine wichtige Aufgabe der gesamten Aerzteschaft, Mittel und Wege zur Verhütung oder Beseitigung der nervösen Entartung zu suchen.
Tas Schlußwort .der Aussprache halte Geheimrat Exz. Ehrlich.
Dr. S. Carl (Karlsruhe) sprach über „Malignes Oedem bei Haustieren", dessen Erreger Valeur entbedt und kur) nachher Koch und Gaffky genauer erforscht haben. Professor E. Becke (Wiens sprach über „Das spezifische Gewicht der Tiefengesteine". Professor Dr. Julius Uralter (Graz) berichtete über eine tölliche Physostigminvergiftung nebst Bemerkungen über den forensischen Nachweis.
Lieber „Untersuchungen von Zwangszöglingen in Baden" sprach E. Thoma (Jlkenau). Von 620 badischen Zwangszög- lingen waren etwa 52c/o als geistig minderwertig befunden worden. Aus Grund der Untersuchungsergebnisse empfiehlt Redner eine intensivere Beteiligung psychiatrisch vorgebildeter Aerzte bei der Zwangserziehung, sowie Errichtung von Sonderabteilungen unter psychiatrischer Aussicht.
Im Anschluß hieran sprach Dr. Sim m o n d s (Hamburg) über „Die Basedowsche Krankheit". Als Ergebnis seiner Forschungen und Darlegungen bezeichnete er es, daß die Basedowsche Krankheit keine eigentliche Krankheit für sich sei, sondern ein Komplex von Krankheitserscheinungen, welche durch Störungen und pathologische Veränderungen in der Schilddrüse sich kundaeben. Vom Standpunkt des Internisten sprach Prof. Stark (Karlsruhe) mit, vom Standpunkt des Chirurgen Geheimrat Rehn (Frankfurt) zu dem Thema.
Prof. Kromayer (Berlin) sprach über „Tas Licht t n der Kosmetik", das heute zu einem der wichtigsten, wenn nicht züm unentbehrlichsten Hilfsmittel des Arztes geworden und in vielen Fällen mit dem günstigsten Erfolg angewerldet inerte.
In Gegenwart bes Großherzogs Friebrich II. von Baben, der mit großem Gefolge in Begleitung bes Kultusministers sowie von, Vertretern ber Unterrichtsverwaltung und der Wissenschaft erschien, sand heute vormittag in der Abteilung für Tcr- maltologie eine Sondersitzung über das neue Heilmittel
Ehrlichs Salvarsan
statt. Ter mit lebhaftem Beifall begrüßte .Vortragende wies zunächst darauf hin, daß feit der ausführlichen Besprechung über bas Salvarsan aus ber letzten Naturforscherpersammlung in Königsberg sich verschiedene Aenderungen und Neuerungen ergeben hätten. Es sei durchaus nicht verwunderlich, daß die Ergebnisse sehr wechselnde gewesen seien. Man muß den Aufgaben dieser Verschiedenheiten nachspüren und so die Grundlagen feststellen, nach denen die Behandlung in der zweckmäßigsten Weise erfolgen könne. Von Anfang an habe er, Ehrlich, die Frage nach der Schädlichkeit des Salvarsan in ben Vorbergrund gestellt. In neuerer Zeit werde jeder Zwischenfall bei ber Salvarsanbehandlung kritiklos und einseitig als Beweis für die schädigende Wirkung des Sal- varsan angesehen. Die häufig beobachteten Nebenerscheinungen wie Fieber, Kopfschmerzen, Erbrechen, Diarrhöen, die in sehr heftiger Weise auftreten, konnten auf ben Bakteriengehalt des für die Einspritzung verwendeten destilierten Wassers zurückgeführt werden, und sind somit vermeidbar. Sehr eingehend behandelte dann Ehrlich auch die N e u r o r e e i d i v e (krankhafte Nervenänberun- gen). Die Ansicht, daß derartige Störungen auf das Arsen zu beziehen sind, ist ohne tveiteres hinfällig, weil dieselben Erscheinungen in ber gleichen Anzahl auch bei ber Quecksilber- behanblung beobachtet wurden. Geheimrat Ehrlich geht dann auch auf die Todesfälle ein, die mit dem Salvarsan in Verbindung gebracht worden sind. 'Hier handelte es sich meist um Fälle, in welchen bas Salvarsan nur als allerletztes Rettungsmittel verwenbct würbe. Wenn man bedenkt, daß im Laufe dieses Jahres mehrere _ hunderttausend Patienten mit Salvarsan behandelt wurden, so kann man sagen, daß die Zahl der Unfälle so gering ist, daß zu ernsten Bedenken fein Anlaß vorliegt. Tie Heilung durch vollkommene Abtötung der Krankheitserreger ist nicht nur eine Theorie, sondern eine experimentell erwiesene Tatsache. Prof. Ehrlich hofft, daß es auch für die späteren Stadien durch eine Verbesserung der Belwndlungsmethode möglich sein werde, eine Heilung zu erzielen. Aufgabe der Dermatologen werde es sein, mit Unterstützung durch die Neurologen diese Methode auszuarbeiten.
Bei allen Teilnehmern bekundete sich das größte Interesse für den Vortrag. Ter Großherzog unterhielt sich mit Prof. Ehrlich längere Zeit. Zu der Aussprache, die unter Ausschluß der Oefsentlichkeit am Nachmittag stattfand, hatten sich zahlreiche Aerzte aus dem In- und Auslande gemeldet.
21 us Stadt und Land.
(liegen, 28. September 1911.
* * Lehrerpersonalien. In den Ruhestand zersetzt wurde die Lehrerin an der Gemeindeschule zu Sprandlingen, Kreis Offenbach, Elise Kern auf ihr Nachsuchen, unter Anerkennung ihrer langjährigen treuen Dienste. Erledigt sind: Eine mit einem evaug. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle zu Rüsselsheim: eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle zu Rüsselsheim.
• * Verdingungswesen. Die Handwerkskammer zu Tarmsladt hat an die gewerblichen Korporationen in Hessen ein Rundschreiben gerichtet, in dem sie auf den im Druck erschienenen neuen Nachtrag vom Februar 1911 zu dem Erlaß, das Verdingungswesen betreffend, vom 16. Juni 1893 hinweist und die Anschaffung der Drucksachen, des Erlasses selbst, sowie des Nachtrages von 1911 nicht nur für die Bibliothek der verschiedenen Korporationen, sondern gleichzeitig auch für die einzelnen Bauhandwerker empsiehlt, da es im Interesse des gesamten BacihandwerkeS gelegen ist, wenn diese Vorschriften mehr als bisher unter den Bauhandwerkern bekannt iverdcn.
* * Stadttheater. Die neuen Dekorationen zu der >Sonntagsaufführunq von „Meister von Palmyras so
numentlich die Dekoration des letzten Aktes, „die Ruinen von Palmyra" darstellend, sind von Hnrn Dekorationsmaler Karl Schwedler angefertigt und in der eigenen Werkstatt des Theaters auSgesteift. Die weitere neue Ausstattung zu dem Stuck ist von den Firmen Hugo Baruch & Co. und Friedrich Löw, Frankfurt a. M., geliefert worden. — In Ergänzung des Prospektes sei mitgeteilt, daß die jugendliche Heroine Frl. Helene Ho ermann vom Elberfelder Stadttheater anderweitiger Verpflichtungen halber erst Ende Oktober eintreffen kann.
" Das Kolosseum Gießen wird am SamStag wieder eröffnet. Wenn eS dem Unternehmen gelingt, einwandfreie und gute Unterhaltung zu bieten, wird cs jedenfalls existenzfähig sein und gern besucht werden. Von der Leitung des KolosseumS wird uns geschrieben, daß dem Direktor Karl Ohm ein vorzüglicher Ruf vorausgeht, so daß zu erwarten sei, daß das Kolosseum in einer einwandsfreien Weise geführt merken wird. DaS Eröffnungsprogramm, daS aus lauter Novitäten zusammengestellt ist, dürste wohl den Beweis dafür erbringen, daß die Direktion bestrebt ist, nur erstklassige, dezente Programme zu bringen, so daß zu hoffen ist, daß Herr Ohm durch recht zahlreichen Besuch in die Lage gesetzt wird, das Kolosseum unserer Stadt als einziges Familien- Variete zu erhalten.
* Landkreis Gießen.
-m. Garbenteich, 28. Sept. Am kommenden Sonntag, 1. Oktober, findet die Einweihung unseres neuerbauten SchulhauseL statt.
0 Harbach, 27. Sept. Ein Großvater befand sich auf einem Apfelbaum, um die Früchte zu pflücken. Er verlor daS Gleichgewicht, stürzte herab und siel sich die Schulter auseinander, Dazu erlitt er noch innere Verletzungen, so daß er in Lebensgefahr schwebt.
Kreis Büdingen.
o. Büdingen, 27. Sept. Am Mittwoch begannen die vierzehntägigen HeMtferien. Mit diesen Ferien schließt das Sommersemester des Wolfgang-Ern st-Gymnasiums; das Wintersemester beginnt am 11. Oktober. Zugleich am Mittwoch fand eine mündliche Reifeprüfung statt. Bon den Abiturienten, die sich ihr unterzogen hatten, be/ standen Forster-Offenbach und Metternich-Hirzenhain.
Kreis Alsfeld.
A l s f e l d , 27. Sept. In der geftrigen Stadtvorstands- s rtz u n g erstattete der Vorsitzende zunächst Bericht über den Stand der zu erbauenden Eisenbahn Alsfeld-Niederaula: darnach liegen zurzeit die Pläne dem preußischen Minister der öffentlichen Arbeiten zur Entschließung vor, man hoffe auf einen baldigen Entschluß. Zu der Angelegenheit der Wiederber st e l l u n g bes Rathauses würben in der geftrigen Sitzung die Glaserarbeiten vergeben und zwar an den wenigftwr- bernben Glasermeister Ernst Leuth jr. hier für sein Angebot von 1038 Mark. Die Installation der elektrischen Beleuchtungsanlage wurde dem Spenglermeister Karl Klingelhöffer für sein Angebot von 154,50 Mark zugeschlagen. Man hofft die Fertigstellung bes Rathauses bis zum 31. Dezember 1911 zu erreichen. — Der Einspruch gegen den Ans a tz ber Gebühr für die feststehenden Babeeinrichtungen (Wassergeld 2 Mark für jebe Babeeinrichtung) würbe für begründet anerkannt und es soll die Anforderung für i>a§ laufende Rechnungsjahr unterbleiben, da die Abnehmer bereits im l'lpril l. ,J. mit ihrem gesamten Wasserbedarf rechtsgültig nach dem seitherigen Statut eingeschäß/ worden sind, während das neue Statut erst später in Kraft getreten ist. — Ein Gesuch um Anschluß des sogenann- tenWalkenmühlenwegesandiestädtischeWasser- leitung würbe genehmigt, ba ber eine Teil der Straße zum größten Teil jetzt bebaut ist; ebenso wurde dem Gesuch der Firma Georg Dietrich Bücking, mechanische Kleiderfabrik, um Anschluß für ihren Fabrikneubau in der Leuseler Hohl an die Wasserleitung zugestimmt. Dabei wurde zugleich beschlossen, einen Nachttag im Ortsbaustatut einzufiigen, der bestimmt, welche Straßen künftig zur Bebauung frei gegeben werden sollen. — Tas Ersuchen ber Forstbehörde um Geivährung eines Zuschusses zu den Kosten ber Erbauung einer Dienst- Wohnung für ben Forstwart Lohfink, ber zugleich stäbtischer unb staatlicher Förster ist, würbe nach längerer Besprechung abgelehnt. — In nichtöffentlicher Sitzung würbe dem .Kirchenvorstand für die zu besetzende Kirchenbienerstelle unter sechs Bewerbern der seitherige Stellvertreter Schulz macher G. H. Hyll präsentiert, da bem Stadtvorstand für diese Stelle das Präsentattonsrecht zustcht. — Zum Schluss«! gab der Vorsitzende eine Aufklärung über das von ihm auf Grund des § 123 R.St.G.B. erlassene Verbot des Zutritts von Händlern zu ben Alsfelber Viehnrärkten.
A Rainrod, 27. Sept. Um einen stärkeren Wasserzusluß der Nidda herbeizuführen, haben die Mühlenbesitzer von Rudingshain, Schotten und Rainrod beschlossen, mehrere Quellen oberhalb des Landgrafenborns, die unbenutzt versickern, zu fassen und der Nidda zuzuführen. Die Mühlenbesitzer de8 oberen Niddatals hatten diesen Sommer sehr unter Wassermangel zu leiden. Einige mußten den Betrieb einstellen, andere Motore benutzen.
Kreis Lauterbach.
— Lauterbach, 27. Sept. Als vor einigen Wochen im hiesigen Schlachthofe bei einem Schweinetransporte aus Norddeutschland die Maul- und Klauenseuche fest- gestellt wurde, glaubte man infolge der sofort ergriffenen Maßnahmen die Seuche auf ihren Herd beschränken zu können. Nach einigen Tagen jedoch kam sie in einem Gehöft in Angersbach zum Ausbruch, und zwar unter Umständen, die daraus schließen lassen, daß die Seuche aus dem Lauterbacher Schlachthause eingeschleppt wurde. Nun ist die Seuche auch in zwei Gehöften zu Lauterbach auSgebrochen, und zwar bei Spediteur Th Günther und Metzgermeistec Zimmermann. Infolge ihres Gewerbes verkehren beide, bezw. ihr Personal, sehr viel im hiesigen Schlachthof, und eS wird wohl niemand darüber im Zweifel sein, daß die Seuche durch Uebertragung aus dem Schlachthofe auf deren Viehbestand überging, zumal die Seuche erneut im Schlachthofe festgestellt wurde. Die Laliterbacher Viehbesitzer haben nun zum zweite« Male binnen kurzer Frist die Sperre zu verspüren.
O Bermuthshain, 27. Sept. Unter lebhafter Be^ tciligung fand heute hier die Bürgermeisterwahl statt, um die seit Wochen eifrig gestritten wurde. Auf das Ergebnis war man sehr gespannt, da man in der Person des Landwirts Lauser 'einen Gegenkandidaten gegen den seitherigen Bürgermeister Frd. Jost aufgestellt hatte und beide Parteien sich gleich stark gegenüberstanden. Es ent* fielen auf den seitherigen Bürgermeister Jost 62, ans Landwirt Lauser 53 Stimmen. Ersterer ist somit auf 9 JaAe wiedergewähtt.
Kreis Schotten.
st. Schotten, 27. Sept. Da das Ministerium M Innern einen Ersatz der lebenden Gewinne durch Geld- getoimte nicht genehmigt hat, hat heute das Marktkorortes beschlossen, die lebenden Gewinne auf Grund UM Ängo--


