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Dachen benutzt werden müssen. Von fortschrittlicher Seite werden die Verordnungen bemängelt. In der Gewährung des Krürnper- fuhrwerks cm Offiziere gingen sie viel zu weit. Die Eingabe der Droschkenkutscher wttd schließlich zur Berücksichtigung überwiesen. Auf Anfrage erklärt die Heeresverwaltung, daß Konserven aus den staatlichen Fabriken nicht zum öffentlichen Verkauf kommen. — Die Einnahmen werden genehmigt. Am Donnerstag finbet die Verhandlung über das Tempelhofer Feld statt.
Kleinberger und den Newyorker Kunsthänblern Scott und Fowles. Das Bild erzielte schließlich fast 300 000 Mart, genau 296 100, und ging bannt in den Besitz der amerikanischen Kunsthändler über. Das ist der höchste Preis, der je auf einer amerikanischen Versteigerung für einen Rernbrcmbt bezahlt wurde. Für Ho- garths „Porträt von Peg Woffington" wurden 8000 Mark gelöst, und das Porträt der Miß Enima Hart, der späteren Lady Hamilton, ein Werk von Reynolds, konnte nur 3000 Mk. erzielen.
— Ein neuer Tierpark Hagen deck s. Auf den an- tttutigcn, kleinen Brioni-Jnseln im Adriatischen Meer, Nahe bei Pola, wird binnen kurzem ein neues Tierparadies sich entfalten. Hagenbeck ist kürzlich von einem Besuche bei den Besitzern der Inseln zurückgekehrt und war von dem herrlichen Klima und der üppigen Vegetation so begeistert, daß er den Entschluß faßte, inmitten der Adria ein Tierparadies zu errichten. Der Eigentümer der Inseln, Küperwieser, war damit einverstanden, und Hagenbeck hat sofort mit der Ausarbeitung der Pläne begonnen. Auf einer großen Ebene, die durch einen Sumpf 'bewässert wird, will er 200 verschißene afrikanische Vögel und zugleich Antilopen ansiedel'n. Vor allem aber, so wird im Journal des D6bats mitgeteilt, soll in jener Gegend ein großer Straußen- park erstehen, in dem etwa tausend der kostbaren Vögel ein neues Heim finden werden. Hagenbeck hat seine afrikanischen Korrespondenten bereits beauftragt, ihm Exemplare von allen in den deutschen Kolonien lebenden Zebraarten, Antilopen, Affen und Kamelen zu schicken. Nur Tiger, Löwen und andere gefährliche Raubtiere, die den Frieden des Paradieses stören könnten, sind ausgeschlossen. Hagenbeck hofft insbesondere, von der Gunst des Klimas unterstützt, durch geschickte Kreuzungen wertvolle Züchtungen hervorzubringen. Er will auch den Versuch machen, Eisbären zu akklimatisieren, und hat für diese Geschöpfe des Nordens bereits eine kleine Bai und ein felsiges Tal auf Den Inseln ausgewählt.
— Kurze Nachrichten aus Kunst u. Wissenschaft Der Erbauer des Reichstagsgebäudes, Professor an der Hochschule Md Kunstakademie in Dresden, Geh. Baurat Wallot, der Ms OpvanhLim a. Rh. stammt, tritt am 1. April in ben Ruhestand.
der gesamten Geschäftswelt als GegenredNer auftrat und betonte, daß ein Konsumverein in Städten mit zahlreichen Handlungen Überflüssig und schädlich sei, ohne dem Käufer Vorteil zu bringen.
3. Biele Konsumvereine auf dem Lande sind übrigens begründet worden, als noch kein „Antisemit" den Fuß in den Wahlkreis Gießen gesetzt hatte, z. B. der in Treis a. d. Lumda. Herr Krumm sollte im übrigen gerade die Konsumveremsfrag: ebenso ruhen lassen wie die Bauernenteignung. Das sind kitz- liche Sachen, namentlich, wenn man hört, daß durch die Begründung der sozialdemokratischen Konsumvereinsbäckereien in Dessau 3 3 selbständige Bäckereibetriebe eingegangen sind.
3. „Hat eine oppositionelle Partei überhaupt die Verpflichtung, einer ihr feindlichen Regierung Steuern zu bewilligen?'" fragt mein sozialdemokratisches Gegenüber. Ganz gewiß lyat sie die, zumal, wenn man im Fordern nicht allzu bescheiden ist. Oder hat Herr K. das „Eselein stteck dich" in seinem Besitz.
4. Die Konservativen sind unsre Freunde nicht. Wären sie das, dann suchten sie nicht unfern Behrens, unfern Dr. Burck- hardt, unfern Rupp, unfern Roth und andere zu verdrängen. Ist es denn Herrn Krumm aber nicht bekannt, daß feine Genossen schon mehr wie zehnmal in der Stichwahl konservativ gewählt haben? Wie war es doch 1907 in Hildesheim ober in Ansbach-Bayreuth? Werben die Genossen deshalb konservativ?
5. Was Herr Krumm zur Verteidigung bet, arg schwachen Position der Sozialdemokratie in der Arbeiter schutzgesetz- gebung sagt, ist so mäßig, daß ein Eingehen darauf fich nicht lohnt. . ...
6. Der föerr Einsender sollte auch Nicht so groß tun mit seiner Partei, verlor sie doch bei den letzten Wahlen fast die Hälfte ihrer Mandate, und nur der unredlichen „Hetze" ihrer Helfershelfer verdankt die Sozialdemokratie die Tatsache, daß sie noch ein Weilchen so „fortwursteln" kann, obgleich ihr ganzes Lehrgebäude aus den Fugen gegangen ist, wie rote Gewerkschaftsblätter ehrlich zugeben. ~
7. Seinen Glauben an den Sieg der Sozialdemokratte kann ich Herrn ffriimm nicht nehmen. I ch glaube an Den Sieg der positiven Lebensmächte über Die gemütlose Lehre des Materialismus und des Marxismus, an Den Triumph des rassebewußten Volkstums über den Kosmopolitismus. Don uns zur Weltanschauung des Herrn Krumm führen deshalb keine Brücken.
Dr. Ferdinand Werner.
Kreis Schotten,
V. Aus dem Vogelsberg, 22. Febr. Wer einen Blick in ben Zündhölzerverbrauch unserer Haushaltungen tut, dem werben die Klagen der Zündhvlzindustrte über den Rückgang des Absatzes verständlich. Man findet kaum eine Familie, in der nicht der gefüllte Fidibusbehälter anzuttefsen ist. Während früher an einem Abend in einer Haushaltung zehn Zündhölzchen angestrichen wurden, bedarf man wohl bereit kein einziges. Der Fidibus, aus Papier ober Holz bereitet, fliegt zur Lampe ober zum Ofen, unb da ist das Feuer. Auch die alte Feuerzange ist wieder zu Ehren gekommen und hängt beim Ofen. Sie benutzt mit Vorliebe der Raucher, ber seine Pfeife jetzt wieder lieber, ganz wie zu Großvaters Zeiten, mit einem Koh-lchen an- zündet. Daß man demnach kaum den zehnten Teil an Zündhölzern gegen früher verbraucht, ist hieraus ersichttich. Nicht die künstlichen Feuerzeuge, sondern das Sparen an Zündhölzern in unseren Haushaltungen bewirkt den Rückgang dieser Jndnsttie.
Kreis Friedberg.
1^. Friedberg, 21. Febr. Im hiesigen Schlosse werden zurzeit die nicht unbedeutenden Bauarbeiten mit rühriger Tätigkeit betrieben. Vornehmlich werden Arbeiten im sogenannten Feldwebelsbau ausgeführl, in dem die Zimmer der Dienerschaft liegen. — Der Ue bersch uß des demnächst stattsindenden Lutherfestspiels von Herry wird dem projektierten eoang. Vereinshaufe zufließen.
L Bad-Nauheim, 22. Febr. Durch Abholzungen, die die Forflbehörde vorgenommen hat, ist ein schöner Weg von Nauheim nach dem bekannten Forsthaus Winter- ilein geschaffen worden. Drei Viertel des Weges werden zur Sommerzeit im Schatten führen und auch jetzt bietet er manche intereffante Punkte. So vor allem das große Freiherr v. Ritter'sche Hofgut Haffelheck. Wer denselben Rückweg vom Forsthaus nach Nauheim nicht nehmen will, steigt herab zum wundervoll gelegenen Ziegenberg, über dem das
Die Einwohnerzahl des Reiche; und der Bundesstaaten.
Nach dem „Reichsanzeiger" betrug die Einwohnerzahl im Deutschen Reiche am 1. Dezember 1910 32029890 männliche unb 32 866 991 weibliche Personen, davon entfallen auf Preußen 19845811 bezw. 20310980, Bayern 3 375 229 bezw. 3 501268, Sachsen 2 322 185 bezw. 2 480300, Württemberg 1191 383 bezw. 1244 228, Baden 1059137 bezw. 1082695, Hessen 639214 bezw. 643 005, Oldenburg 243825 bezw. 238605, Braunschweig 242 739 bezw. 251648, Sachsen-Meiningen 136 687 bezw. 142105, Sachsen-Altenburg 106385 bezw. 109 928, Sachsen-Koburg-Gotha 125 353 bezw. 131855, Anhalt 161171 bezw. 169876, Schwarzburg- Sonders Hausen 44194 bezw. 45 790, Schwarzburg- Rudolstadt 49450 bezw. 51362, Waldeck 30541 bezw. 31182, Reuß ältere Linie 34695 bezw. 37921, Reuß jüngere Linie 74 264 bezw. 78501, Schaumburg- Lippe 23396 bezw. 23 254, Lippe 73 230 bezw. 77 519, Lübeck 5 8886 bezw. 59 645, Bremen 148 419 bezw. 150317, Hamburg 505 935 bezw 509 772, Els aß-Loth- ringen 964 043 bezw. 907 659, Mecklenburg-Schwerin 317 884 bezw. 321995, Sachs en-W eim ar 204 409 bezw. 212 757 und Mecklenburg-Strelitz 53523 bezw. 52 824 Personen.
Der Militärhaurhalt im vudgetausschutz.
Berlin, 22. Febr.
Die Verhandlung über ben Antrag ber National- liberalen auf Streichung von zwei Armee-Inspektionen, vier Gouverneuren und fünf Kommandanten, ergänzt durch ben Antrag ber Volkspartei, auf Streichung auch einer sechsten Kommandantur, der in Glogau, wurde heute fortgesetzt. Nach einer kurzen nochmaligen Erörterung zwischen einem der nationalliberalen Antragsteller und dem Krtegsminister ziehendie Nationalliberalen den An - trag zu rück. Der Kriegsminister dankt, ihnen hierfür im Namen der Regierung und bestätigt ihnen, daß sie sich jederzeit auf die Seite der Heeresvettoalttmg gestellt haben, er betont aber nochmals, wie bedenklich die Durchführung des Antrages für die Interessen des Heeres wäre.
Ein württembergisches Mttglied des Zentrums nimmt bett gestern von einem seiner Parteifre unde als Wahl- Manöver bezeichneten Antrag der Nationallibe- xaleu wiederaus, zieht ihn aber dann zurück, nachdem ein anderes württembergisches Zentrnmsmitglied, der Hauptwortführer im Ausschuß, ihn scharf bekämpft hatte. Nunmehr wird der Antrag vonberVolksparteiunddenSozial- bem ofr at en aufgenommen unb vertreten. Jnsbesonbere treten die nmrmehrigen Antragsteller der Auffassung entgegen, daß die in Frage kommenden Stellen für die Verjüngung des Offizierskorps von Wichtigkeit seien. Von fortschrittlicher Seite wird zugegeben, daß für die Beibehaltung ber beiden Armee- Jnspettioneu die Heeresverwalttmg gewichttge Gründe vorgebracht hübe, nicht laber für die Beibehaltung ber Gouverneur- unb Kommandantenstellen Der Militärhaushalt müsse genau auf jede Stelle geprüft werden, denn nur hier seien erhebliche Ersparnisse möglich. Der Kriegsminister gibt Aufschluß über die Altersverhältnisse in ber Armee unmittelbar vor dem Kriege 1866 und stellt eine weitere Begründung ber Gouverneur- unb Komman- dcmtenstellen in Aussicht, falls ber Ausschuß das wünsche, obgleich in ben Jahren 1908 und 1909 die Fragen im Budgetausschuß bereits eingehend erörtert worden feien.
Die Abstimmung ergibt die Beibehaltung sämtlicher Stellen. Gegen die 6eiben Armee-Jnspektionen stimmten, nur bic Sozialdemokraten, gegen die anderen Stellen auch die Volkspartei, während sich zwei nationalliberale Mitglieder hier der Stimme enthielten.
Wetter würbe eingehend die Fo-rderung des Baues einer Brücke von Rüdes heim hinüber nach Bingen besprochen und zwar die Verteilung der Kosten Mischen Preußen und dem Reich. Die Forderung wurde bewilligt, ebenso die weiteren Er- Sänznngsbauten für die strategischen Bahnen.
Im Anschluß auf eine Eingabe der Droschkenkut- scher in Darmstadt und Mainz entspann sich eine Aussprache über die Konkurrenz des Krümperfuhrwerks. Von verschiedenen Seiten wurde der Mißbrauch des Krümperfuhrwerks ztt privaten Zwecken scharf getadelt. Die Heeresverwaltung beruft sich auf die bestehenden Verordnungen über die Benutzung der Krümperpferde, die in letzter Zeit den einzelnen Truppenteilen wieder erngeschärft worden seien. Sie liegen im militärischen Interesse. Die Preise müssen so gehalten werden, daß die Krümperwagen and) benutzt werden, damit die Einrichtung lebensfähig bleibt. Elttbehren läßt sich das Krümperfuhrwerk für die Truppen nicht; sonst entstehen bet Reichskasse Melnkosten ober mehrt sich das unerfreuliche Bckb, daß Mannschaften zum Transport von
Aus Stadt und Land.
Gießeu, 23. Februar 1911.
*• Vom Stadttheater wird uns geschrieben: Der nächste Sonntag-Abend bringt bei kleinen Preisen einen burlesken Schwank von Marlowe „Die goldene Ritterzeit", der gegenwärtig unter stürmischem Heiterkeitserfolge die Runde über die Bühnen macht. In Berlin hat die Novität bereits über 100 Aufführungen erlebt und auch in Frankflirt jüngst ausnehmend gefallen. Die Burleske, wie geschaffen für die Faschingszeit, dürfte hier ganz besondere Zugkraft ausüben, da sie zum Benefiz für den allgemein beliebten Regisseur und Charakterkomiker unserer Bühne, Herrn Hermann Norden, der un§ auch nächstes Jahr erhalten bleibt, gegeben wird. Für heute sei nur noch erwähnt, daß eine Wiederholung be§ Stückes im Abonnement nicht stattfindet.
Landkreis Gieren.
= Henchelh eim, 22. Febr. Die Mäuseplage ist bis jefct noch immer nicht besettigt. Die Landwirte begrüßen daher die eingetretene nasse Witterung; hoffentlich wird der Regen diesen schädlichen Nagern vollends den „Garaus" machen. Jetzt läßt es sich erst übersehen, welchen Schaden diese Landplage an den Wintersaaten und Kleefeldern angerichtet hat.
△ Garb en t eich, 22. Febr. Eine Fabrik für künstliche Dünger ist im Entstehen begriffen. Dieser Tage fand die erste Probemahlung statt, die sehr gut ausfiel. Das. gegrabene Rohmaterial ist Kreide. Als Nebenprodukt wird Magnesia erzeugt. Die Dampfprobe ber Maschinen ist beenbet. Gegenwärtig fiitb etwa 25 Personen im Werk beschäftigt. Das Fabrikgebäude ist vollendet, es enthält Maschinenräume, Mahlräume, Mannschafts- zimmer, Schlemmräume und Wohnung für den Maschinisten. Gegenwärtig wird Tag und Nacht gearbeitet, damit der Betrieb bald eröffnet toerben kann. Der Bahnanschluß soll später hergestellt werden. Die Besitzerin des neuen Jndustriewerks ist die Gewerkschaft Weißenburg.
△ Klein-Linden, 22. Febr. Einem Fuhrmann aus Hörnsheint ging das Pferd am Bahnkörper durch. Der Mann sprang vom Wagen, stürzte und wurde eine große Strecke geschleift. Er wurde in die Klinik gebracht.
Kreis Alsfeld.
△ Nieber-Ge münden, 22. Febr. Die KreiS- WanberhauShaltungsschule, die mit dieser Woche hier im Söbler'schen Saale ihren siebenten Kursus eröffnet, wirb hier auch mit einer ärztlichen Unterweisung in der Krankenpflege unb Anlegung von Verbänden bei Unfällen verknüpft werben. Diesen Teil der Ausbildung wird der Arzt Dr. Kistner - Nieder-Ohmen übernehmen. Der sechste Kursus der Haushaltungsschule zu Ruppertenrod war ohne ärztliche Belehrung geblieben, weil man die ärztliche Forderung von 5 Mk. für die Stunde zu hoch fand. Daß dieser Teil der Ausbildung der Haushaltungsschülerinnen aber neben dem anderen allgemeinen von Wichtigkeit ist, bedarf keines Beweises.
alte Schloß thront, einst ein LieblingSaufenthalt Goethe». Vom Ziegenberg führen mannigfache Waldwege nach dem Johannisberge und Nauheim zurück.
^Butzbach, 22. Febr. Zwei 25jährige Diensh Jubiläen konnten heute hier gefeiert werden. Fräulein Körberer ist 25 Jahre bei Medizinalrat Dr. Vogt tätig und Kutscher Hch. Schmidt ist heute vor 25 Jahren bei Sanitätsrat Dr. Öhneacker in Dienst getreten.
Starkenburg und Rheinhessen.
— D a r m st a d t, 22. Febr. Vom Elferrat der Karne- v alg esellsch a ft „N ar rhalla" wird das Programm für die Karnevalstage bekannt gegeben. Samstag mittag 3 Uhr: Offizieller Einzug des Prinzen Karneval in die Residenz Tarimundis. Fahrt vom Bahnhof durch die Hauptstraßen der Residenz nach dem Prinzew- Palais „Hotel zur Traube". — Abends Gesellschafts-Maskenball im Saalbau. — Sonntag früh: Großes Wecken der Prinzengarde. Um 11 Uhr große Parade der Prinzengarde auf dem Paradeplatz, die der Prinz zu Pferde abnehmen wird. Um 1 Uhr Aufstellung zum Jubiläumszug in der Heidelberger Straße, Spitze Bessunger Straße. Die Fahrt des Zuges durch die Straßen der Stadt dürste 3 bis 4 Stunden in Anspruch nehmen. Nach dem Zuge ist Hof-Galatafel im Prinzenvälais. — Rosenmontag: Abends ist Festvorstellung im närrischen Hvftheater „Orpheum", bei festlich erleuchtetem Hause. Nach der Festvorstellung Auffahrt zum Prinzenpalais. Daselbst großes närrisches Treiben während der ganzen Nacht, Serenade. — Fastnachtdienstag 2 Uhr mittags: Kostümierte Kappenfahrt durch die Hauptstraßen der Residenz. Abends allgemeines närrisch- fröhliches Treiben im Saalbau. Während der Festtage ist auf dem Meßplatz vor dem .Hallenschwimmbad närrisches Volfsfest (Juxplatz).
Hessen-Nassau.
s) Marburg, 22. Febr. Hier ftnd Bestrebungen im Gange, die dahin zielen, daß ein Teil der Hornberger Taub st um men-An st alt nach Marburg verlegt wirb, da dieses im Interesse ber Universität liege. Auch der Magistrat beschäftigte sich mit ber Angelegenheit.
Leipzig, 22. Febr. Die Revision gegen baS Urteil im Mordprozeß Breuer wurde vom Reichsgericht verworfen.
Dortmund, 22. Febr. Vor der hiesigen Strafkammer wurde gestern und heute in dem Beleidigungs-Prozeß gegen Rechtsanwalt Dr. S ch ü ck i n g und drei Redakteure verhandelt. Dr. Schücking hatte ben Zeitungen Artikel zugestellt, in denen behauptet wurde, daß Stadtschulrat Dornheckter von einer ihm unterstellten Lehrerin B a t h e ein Darlehen erhalten und als diese das Gelb zurückverlangt habe, habe sie Stadtschulrat Dornheckter gegen ihren Wunsch unb ihren Willen aus ihrem bisherigen Wirkungskreise herausgenommen und sie in ein anderes Amt gebracht. Die zweitägige Verhandlung ergab, daß der Stadtschulrat allerdings durch die betreffende Lehrerin von deren Schwager ein Darlehen erhalten hatte, daß er es aber, nachdem es zwischen ihm und der Lehrerin zu Differenzen gefonimeit war, zurückerstattet hatte. Die Versetzung der Lehrerin sei nur im Interesse des Dienstes unter Zustimmung der zuständigen Behörden erwlgt. Nachdem bis nachmittags in der Sache verhandelt worden war, gab Oberbürgermeister Dr. Eickhoff im Namen der städtischen Behörden die Genehmigung für die Schließung eines Vergleichs, nachdem Dr. Schücking die beleidigenden Aeußerungen zurückgenommen und anerkannt hatte, daß das Verhalten des Magistrats korrekt gewesen sei. Dagegen wurde seitens des Oberbürgerineislers Eickh o is, der deil "Strafantrag gestellt hatte, zugegeben, das- Dr. Schücking in gutem Glauben gehandelt habe Tie Kosten haben die Angeklagten zu tragen. •
Dcrmeicbte».
* Ein Theaterskandal ereignete sich am Dienstag in Paris. Bei der Aufführung des neuen Beruft e in scheu Stückes „Aprös moi" hn Theater Francaise kam es zu lärmenden Kundgebungen durch die Camelots du Roi. Während des zweiteir Aktes erhob sich plötzlich der im Parterre anwesende Präsident dieser Vereinigung Maurice P u j o und rief in das Publikum: Das Stück, das man heute vor Ihnen aufführt, ist von einem jüdischen Deserteur verfaßt. Pujo wurde von Munizipal- garden festgenommen und aus dem Saale geführt. Aehn- liche Szenen wurden im weiteren Verlauf des zweiten unb dritten Aktes hervorgerufen. Etwa 27 Camelots du Roi wurden verhaftet, die meisten wurden jedoch nach Aufnahme eines Protokolls wieder entlassen.
*Diegeprellte Armendirektion. Vor einiger Zeit starb in Berlin ein Krüppel, der seit mehr als zwanzig Jahren von der Berliner Armendirektion mit einem ansehnlichen Betrage unterstützt wurde, weil er äußerst hilfsbedürftig war. Der Unterstützte, ein früherer -Schneider namens Friedrich Kegler, handelte bis zu fernem' Tode in den Straßen des Berliner Westens mit Posamentenivaren und fand bei diesem Handel, den er, an irgendeiner Straßenecke sitzend, betrieb, einen feinen Verdienst. Bei seinem Tobe stellte sich heraus, baß sich Kegler ein kleines Vermögen erspart hatte, daß er bei der Berliner Kredit- und Sparbank in barem Gelbe hinterlegt hatte. Die Berliner Armendirektion erhielt von der Angelegenheit Kenntnis und beschlagnahmte die von Kegler wahrend ber Dauer seines Lebens gesparten Beträge, bie sich auf 18 094 Mark stellen. Der Berliner Armenoirektion würbe biefe Summe von der Kredit- und Sparbank ausbezahlt. Kegler hat es geschickt verstanden, die Armendirektion zwanzig Jahre lang über seine Vermögensverhältnisse zu täuschen. Kegler führte, obgleich er aus den Mitteln ber Armenbirektion, aus seinem Verbienst unb ben etwa 700 Mark betragenden Zinsen seines Vermögens ein genügendes Einkommen hatte, ein überaus dürftiges Leben.
* Ein glücklicher Theaterkrach. Die Mitglieder des verkrachten Theaters am Zoo haben bekanntlich auf Teilung wetterZesPielt und das Glück gehabt, in dem Friebmann-Frederich- schen schwank „Meyers" ein Zugstück zu finden. Die Ausschüttung der Masse hat ein überraschendes Ergebnis gehabt, die verkrachten MitgliÄ>er — die Gläubiger — erhielten 250 v. H. ihrer Forderungen, bas heißt bas zweieinhalbfache ihrer verttaglichen Bezüge. Wer z. B. eine Monatsgage von 300 Mark hatte, bezog im Januar 750 Mark. Die Mttglieber bedauern bas Enbe dieses Theaterkrachs, denn das Theater am Zoo wird am 28. Februar geschlossen.
* H ei ß e Speisen Und kalte Getränke. Es sollte eigentlich jedermann einleuchten, baß bie menschlichen Verbauungsorgane buvch einen schroffen Wärmcwechsel schwer geschäbigt werben müssen. Dennoch sieht man viele Hungrige ihr Mittagsmahl mtt großen Mengen eiskalten Bieres hinunterspülen. Am meisten sünbigen in bieser Hinsicht bic Amerikaner, unb zwar leibet gewohnheitsmäßig. Die Reichen genießen sckwn zur glühenb heißen Suppe ihren eiskalten Champagner unb lassen auch weiterhin im Laufe bes Mahles warmes Essen unb kalte Getränke rasch abwechseln. Der amerikanische Arbeiter schüttet ebenfalls große Mengen eiskaltes Bier beim Mittagessen hinunter, unb man barf 1UÜ deshalb nicht wundern, wenn bei unseren Vettern jenseits des großen Teiches Magenkatarrhc viel häufiger und SpezialSrzte


