Ausgabe 
23.2.1911 Zweites Blatt
 
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16V Jahrgang

Zweiter Blatt

Nr. 46

Erscheint lLtzssch mtt ArSntchmc deS S»rmtafl5.

ferner, toerut Herr Kr.

ülyrt. Dcr Sultan von Wada: hatte begriffen, ranzosen seine Unabhängigkeit bedroht wurde är Den unhermetbfiAat .*rn_rrwf Durrh Teirfjoia'

K. B.

und suchte sich für den unoermerdlichen Kampf durch Bejchai-i

DirEirtzenrr La»sNe»dlStter" werden dem ,9lnjeifler* viermal wöchentlich detqelegt, 6aS Kreisblatt für den Kreis Eietzei" zweimal wöchentlich. Die .Landwirtschaftlichen Selb fragen" erscheinen manatllch zweimal.

nicht fertig.

2. Schwaches Retiradegesecht ist eS

Donnerstag, 25. Zebruar 19U

Rotationsdruck und Verlag der «rühl'schen Unwersuäts - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Truckerei: Schul« straße 7. Erpedition und Verlag: 5L

9tebatlwn:e^U2. Tel.-?ldr.:AnzeigerGleßen.

mit den Konsumvereinen anrückt. Es ist eine höchst Loyale" Unterstellung, wenn mein sozialdemokratischer Gegner behauptete wir gingen schämig an dieser Frage vorbei. Fragen Sie doch einmal den Geschäftsführer des Gießener Konsumvereins danach! Wir Teutschsvziale haben noch nie einen Konsumverein begründet ober angeregt. Wir behaupten aber, daß es ein Unterschied ist, ob ein Konsumier em in einer Stadt mit zahlreichen Ladengeschäften besteht oder an entlegenen Plätzen, wo keine Konkurrenz die Preise regelt. Und noch ein anderes! Tie sozialdemokratischen Konsumvereine bildeit eine große geschlossene Organisation über Has ganze Reich hin und gehen Schritt für Schritt zur Eigen-, Produktion in Backereien, Metzgereien usw. über. Tas bedeutet eine ungeheure Gefahr für den selbständigen Mittelstand nnb ge­schieht mit bewußter Absicht'.

Wie liegt die Sache aber bei den ländlichen Konsumvereinen? Wer gründet sie denn? Ter städtische Grossist. Wovon) leben denn heute Dutzende von Kolonialwarengroßhandlungen, auch die des Herrn K. ? Es ist noch garnicht lange her, oah mir ein freisinniger Großhändler im Bahnzuge sagte:Ich fahre heute nach 3L., dort ist der achte Konsumverein, den ich begründet habe." Name und Ort steheit Herrn K. zur Ver­fügung. Ter freisinnige Herr Professor Staudinger reift im ganzen! Land umher und redet den Leuten zu, Konsumvereine zu gründen, wie es denn auch in Butzbach geschah, wo ich unter dem Beifall

Sflövenjagötn im heutigen tlfrila.

Vor kurzem wurde in der Türkei durch einen neuen Erlaß ttn das schon bestehende Verbot des Sklavenhandels erinnert. Dabei wurde erwähnt, daß aus Afrika immer noch Sklaven und Eunuchen ihren Weg nach dem türkischen Asien und Europa fänden. Tatsächlich sind audi Silaneniagden und Sklavenhandel aus Afrika noch immer nicht verschwunden. Afrika ist ia in früherer Zeit der große Cllao-enlieserant gewesen, als man in Amerika Negersklaven brauchte, und später wenigstens für die Länder des Islam. Tas schlimmste war dabei nicht so sehr der Handel an sich, als die vorangehenden Sklavenjagden, die ungleich mehr Opfer forderten, als die Zahl der wirtlich fort­geführten Sklaven betrug. Nachdem in neuerer Zeit Afrika unter die Kolonialmächte aufgeteilt war, diese die Küsten beherrschten und auch die Länder, des Innern immer mehr unter ihre Ge­walt und Aufsicht brachten, nah nun die Quellen, aus denen die schwarze Ware floß, an Ergiebigkeit ab. Aber völlig zu be­seitigen war die asrikauische Sklaverei bisher nicht, denn sie ist eine alte soziale und wirtschaftliche Institution dieses Erdteils, welche _bie kolonisierenden Völker immer noch respektieren müssen, wenn sie sich nicht ins eigene Fleisch schneiden wollen. Soweit sie nur Haussklaoerei ist, ist sie verhältnismäßig harmlos, denn es bebart ja meist keiner Tri üben Zufuhr von außen; die Haus­sklaven ergänzen sich selbst.

Mau hat 'aber, wie die österreichische Monatsschrift für 'den Orient fonTlatiert, erst kürzlich wieder sehen müssen, daß bt'e früheren Sllaveitjagden noch existieren. E» bilden vor allem noch Igcroiffe Teile des Sudans und Acguatorialafrilas den Schauplatz von Sllavenjagden, deren Ausbeute vornehmlich durch die Sahara einerseits nach Marokko, andererseits nach dem tür­kischen stLvrdarrika ihren Weg nimmt, von wo sie dann später nach dem türkischen Asien und Europa geführt wird. Berüchtigt waren bis in die 'alieriüngfte Zeit die Raubzüge der Sultan.

von Wadai. Es ist in der Tat vorgelommen, daß ein Wadai heer bis tut die Tore des französischen Mililärpostens Fort Archambault vordrang und die Eingeborenen mit sich schleppte. Gin Teil der von Wadai fortirähr enb geraubten Sklaven blieb im Lande und wurde bei der Feldarbeit verwendet, der andere Teil, zumeist Frauen und Kircher, wurde nach dem türHieben Nordafrika ausgeführt daß durch die F".

jung moderner europäischer Erwehre zu rüsten. Diese Formten nur auf Straften bezogen werden, die noch nicht von Europäern beherrscht wurden, das heißt aus ^Türkisch-dlordafrika. So gingen denn von Wadai die geraubten Sklaven den langen Weg durch die Wüste und wurden im türkischen Gebiet den Türken gegen Schnellseuergewchre eingetauscht. Als in den letzten Jahren fran­zösische Streifkorps in der Sahara nördlich von Wadai ope­rierten, schnitten sie nicht selten solche Sklaventransporte und dann auch trieb er Wasfenkarawanen ab. Bei der Besetzung der Hauvtstadt Abeschr durch die Franzosen im Juni 1909 fanden sich denn auch 150 Sklaven vor^die gerade nach dem türkischen Ge­biet hätten abgehen sollen. Seit dieser Zeit hat die Sklaven­ausfuhr und damit auch der Sklavenraub dort nachgelasfen.

Nicht soviel ist in dem Nachbarsultanat Darfur erreicht wor­den. Nach dem Fall des Mahdireiches nahm dort mit Zu­stimmung der angloäguptischen Regierung ein Mitglied der ver­triebenen Sultansfamilie den Thron ein. Sie stellte dem neuen Sultan einige Bedingungen, überließ ihn aber sich selbst mit dem Erfolge, daß er sich um seine Verpflichtungen nicht mehr ffrmmrrtc. Um nun gerüstet zu fein, wenn die Engländer ihn einmal mit Waffengewalt daran erinnern sollten, macht es der Sultan rion Darfur genau io, wie es bisher jener rn Wadai machte: er raubt Sklaven in südlichen Nachbarländern und ver­handelt sie nach der Türkei gegen Schnellfeuergewehre und Mu­nition. Dieses Verhältnis wird sich vorläufig leider nicht ändern, und die türkischen Erlasse werden wohl kaum verhindern, daß Darfur feine Sklaven nach- wie vorher in der Türkei los wird.

Im Westen gibt es in Marokko Sklavenmärite, die ganz offen abgehalten werden. Tie Zufuhr^kam früher aus dem Nigcr- bogen, wo Der große Räubersürst Samori die Ware besorgte. Heute allerdings ist dort für Sklavenjagden fein Feld mehr, und die Sencgallinie ist durch Militärposten wirkjam gesperrt. Aber in großen Teilen Mauretaniens, d. h. des Saharagebietrs -wischen Senegambien und Marokko, sind noch Sklaven zu bekom­men, und zwar durchs die Vermittlung der herrschnden Mauren- ;ämme, welche die Sklaven in den Oasen rauben. Es handrit sich hier- rn der -sahara um so gewaltige öjebiete, daß Die wenigen Stationen die SUaventranSporte nicht hindern können, andererseits lebt das Geschäft trotz aller Gefahren, weil es ein- jräglid) ist, und Jahre werden wohl »ergeben, bis der Sklaven­handel in Afrika völlig abgefdjafft ist.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhejjen

Gefahrloses Arbeiten bei Hochspannung. Ein gelegentlicher fNitarbeiter schreibt derFranks. 3tg.": Vor einigen Wochen wurden von einer großen Berliner Elektrizrtäts- nrma eingehende Versuche gemacht, um festzustellen, bis zu welchen Spannungen ein ordnungsmäßig hergestellter Isolierschcmri einer auf ihm befindlichen Person unbedingte Sicherheit bietet. Bei Hochspannungs-Schaltanlagen erreicht man nun für die an ihnen beschäftigten Monteure und Arbeiter einen unbedingt sicheren Schutz dadurch, daß man nach einem Vorschläge von Pros. Hübler Dresden die ganze Schaltanlage in einfachster Weise isoliert und die Leitungen verschiedener Polarität in größerer Entfernung von einander verlegt. Sri ben erwähnten Versuchen wurde nun zweifelsfrei festgestellt, daß bis zu 65 000 Volt Spannung der Isolierschemel sicher wirkt, so daß durch diese sehr einfache Etn- ricktung eine Hochsparrnungs-Schaltaulage absolut gefahrlos ge­staltet merben kann, während bet den älteren Methoden der Sicherung wiederholt schwere Unglückssälle vorgelommen sind. Di? Versuche ergaben auch in physiologischer Hinsicht bemerkenswerte Resultate, Die noch weiter verfolgt werden sollen.

Londons neues Oper n h a n s. Aus London wird berichtet: lieber Den großen Lpernneubau, Den Hammerstein in KingswaN errichtet, werden jetzt genauere Einzelheiten befinnt. Die Straßenfront der neuen Oper wird eine Breite von 264 Fuß haben. Die Ausgänge sind so angelegt, daß das Publikum nach Sckrätzung der Architekten in Fällen von Gefahr innerhalb drei Minuten bis zum letzten Manne daS Theater verlassen haben lann. Die Mihnenöffnunq erhält einen besonderen eisernen Vorhang, der mit Asbest beileidet ist und bei Feuersgefahr automatisch mit Wasser überspielt wird, lieber der Bühn? wird ein? Laterne gebaut, e-ic sich bei einer Feuersbrunst ebenfalls automatisch öffnet und so der Hitze und dem Rauche einen Ausweg bietet. Tie Bühne wird eine Breite von 60 Fuß bei 00 Fuß Tiefe haben. Tas neue Theater wird 2700 Zuschauern Raum bieten. Tie Eröffnung soll am 1. November dieses Jahres swttsindeu.

Ein Rembrandt für fast 300000 Marl. Aus Newyort wird belichtet: Tie Kunstsammlung des kürz lick) Der- ftorbcnai Robert Hal ist nun in der amerikanischen Metropole' zur Vrnteigermrg gekommen, und mit Spannung erwarteten dw .Kunstfreunde Die Ergebnisse der Versteigerung. In dem Mütek- punkt des Interesses stand ein kleiner Rembrandt, der ctn'hmgefi Mädchen barftelll, das an enter Kette eine Medaille häU Tos Gemälde war nur 25: 22 Zoll groß. Ter Kampf um da- Werk begann mit einem Angebot von rund 85 000 Mark, Dann entwickelte sich ein üttereifaEter Zweikampf zwischen dem Tart-'er Kiwsthänoler

yesfische droeite Kammer.

R. B. Darmstadt, 22. Febr.

Am Regierunastisck-e: Staatsminister Ewald, Minister des Innern v. Homdergk, Geheimerat Frhr v. Biegeleben, Ministerialrat Hölzingcr.

Vizepräsident Korcll, der die Sitzung um 10i Uhr er­öffnet, teilt zunächst mit, daß Herr Präsident Haas infolge ernes Augenleidens verhindert sei, die Verhandlungen persönlich zu leiten; er hoffe aber, daß ihm dies demnächst wieder möglich fern werde Der Vizepräsident widmet sodann, während sich die Mitglieder von ihren Plätzen erheben, dem verstorbenen Abg. Köhler- Langsdori einen herzlichen Nachruf. Er habe die außer­ordentlichen Verdienste und die reiche Tätigkeit des Vcrswrbenen schon an seinem Grabe hervorgehobeu und namens der Kammer enten Lorbeerkranz als Zeichen des Dankes niedergelegt. Er konstatiere, daß sich die Mitglieder des Hauses zu Ehren des Ver­ewigten von den Plätzen erhoben haben.

Es erfolgt darauf die Vereidigung des an Stelle Köhlcr- Langsdori neu in dos Haus eingetretenen Abg. Fenchel in der Üblichen Weise

Das Haus tritt darauf in bie Tagesorbnung ein. ^Tie Wahl eines Ersatzmitgliedes für den ersten Ausschuß an Stelle des zurückgetretenen Abg. Dr. Gutfleisch wird zurückgestellt.

Die Regierungsvorlage, betr. die Nachweisungen über die Staatseinnahmen und Ausgaben bes Groscherzogtums für 1911 mit ben Nachweisungen unb ben von den Ministerien und der Oberrechnungskammer gegebenen Erläuterungen sowie der Rech- mmgsnachweis bes Fonds zur Ergänzung des Großh. Famllien- eigentums für 1906 werden ohne Aussprache genehmigt. Bei Be­ratung der Regierungsvorlage, betr. die summarische Ueberficht der Einnahmen und gaben der Staatsschuldenverwaltung für das Rechnungsjahr 190b, rügt Abg. B e st (Ntl.), daß beim Bauwejm wieder eine lleberschreitung der Baukosten um 363 000 Mark ftattgriunboi habe. Er richte an die Regierung die Frage, woher eine Derartige lleberschreitung komme.

Staatsmrnister Ewald erklärt, daß die nötigen Erläuterungen darüber von der Oberrechnungslammer gegeben worben seien. Er habe bie brtreffenben Akten nicht zur Hanb, werde aber später darauf jurütffommen. Auf Antrag des Berichterstatters Abg. Molt Han wirb die Vorlage an den Ausschuß zurückoerwiesen. Die Regierungsvoi löge, betr. ben Verlauf von Grunbstücksteücn des Landeseigentums in der Gemarkung Groß-Umstadt, wird ohne Aussprache genehmigt. Zurückgestellt wird die Beratung über den Antrag Ulrich und Gen., betr. Verhaftung und die Anträge Dr. Pagenstecher unö Gen und Dr. Schmitt und Gen., betr. Art. 74 über das Aussührungsgefetz zum Bürgerlichen Gesetzbuch.

Die Regierungsvorlage, betr. Gcländoaustausch in der Ge­markung Gießen, wird ohne Aussprache nach dem Ausschußantrag angenommen, ebenso der Antrag Dr. Glässing, betr. die Autonomie bei Gemeinden im Gebiete der inbrrettcn Steuern.

Die Lorsteliuug des Turnlehrers Heinrich Völsing in Darm­stadt um Gleichstellung mit bat Zeichenlehrern im Oiehalt, wirb abgelehnt. Bezüglich des Antrags E i b a ch über bie Anstellung bes Mellerlontiolieui-v Bierschent als Weinsachverstanbiger, wirb Der Antrag des .'.usschusses angenommen, nachdem Abg. Wo ls- Stabecken Die Regierung ersucht hat, enblich die Wünsche der rhcin- hessisck>en Winzer zu erftftUen. (

Eine länget-- .-.usiprache entspann sich über die Vorstelluruz des Vorstandes bei Vereinigung der mittleren Baubeamten Heuens, die Entlassung von Bauaspiranten aus staatlicher Verwendung brtresfend.

Abg. Nebel lZentr.) tritt für die Erfüllung ber Wunsche der Bittsteller ein und bezeichnet es als eine moralische Pflicht des Staates, für möglichste Verweiibung der Bauafpiranken einzu­treten. Es gehe doch nicht an, daß man 3540 Jahre alte Leute, die ihre ganze Iugenbkraft dem Staat gewidmet, fetzt zur Aufgabe ihrer Stellung nötige. Die Regierung solle sich bemühen, die Betreffenden in den Kreisen -ind sonstwo unterzubringen.

Oieh. Rat Frht. v. Biegelcben gibt näheren Aufschluß über die Notweitdigteit der ftattgehabten Entlassungen. Nachdem in den Vorjahren bie Negierung in ganz unvorhergeschener Weise genötigt war, die Bautätigkeit einzuschräukat, _ mußte natürlich auch die Anstellung weiterer Bauaspirantat aushören. Die Ne­gierung werde aber bemüht bleiben, für möglichste Beschäftigung ber zu entlassenden Bauaspiranten zu sorgen.

Abg. Vach-Main; iffitL) regt Den Gebauten an, daß die Regierung sich bemühen möge, die fetzt freiwerdenden Baubeamten bei ber Eisettbahudirektion Mainz unterzubringen.

Abg. Ulrtcu 'Sozb.l menbet sich gegen das Verfahren ber Regierung unD hält es fttr bereit Pflicht, für bie zu entlai'intben Beamten zu sorgen. Weiter forbert ber Redner eine Reform der

städtischen Behörden sich ctngcfunden hatten Tic Bo- grüßung der Fürstlichkeiten war überaus herzlich. Nach kurzem Verweilen im Fürstenzimmer des Bahnhofes, wo auch die Vorstellung dcr beiderseitigen Gefolge stuttfand, schritten der Großherzvg und der Herzogrcgcnt die Front der auf dem Bahnhofporplass ausgestellten Ehreitkomvagnio des Infanterie-Regiments Nr. 93 ab unb nahmen sodann den Vorbeimarsch der Truppe entgegen. Die Großherzogin und die Herzogin verweilten unterdessen vor der Türe des Fürstenzimmers und sahen von hier aus dem militärischen Schauspiel zu. Der .Herzogregent bestieg sodann mit seinem Gaste den offenen Vierspänner und fuhr, von einer Ab­teilung Braunschweiger 17. Husaren eskortiert, zu dem Schlosse. Die Großherzogin von Hessen und die Herzogin Elisabeth folgten, ebenfalls von einer Abterlung Husaren geleitet, im geschlossenen Galawagen. Auf dem Wege vom Bahnhof nach dem Schlosse wurden die Fürstlichkeiten von einem zahlreichen Publikum ehrerbietigst begrüßt. ES herrscht stürmisches regnerisches Wetter. Heute nachmittag findet im Schlosse Galatafel und abends im Hoslheatev Galavorstellung statt.

Der Großherzog und die Großherzogin von Hessen be­sichtigten nachmittags gegen 3 Uhr in Begleitung des Herzogregenten und der Regentin den Dom und die Burg Dankwcrroerode. Der Grotzherzog und der Herzogregent suh-ren im offenen, die Großherzogin und die Herzogregentin im geschlossenen Wagen dorthin. Llbcnds fand im Ballsaal des herzoglichen Rcfidcnzschlosses Galatafel zu 77 Oiedeckeit statt. Der Herzoifrcgent in Generalsuniform mit dem Band des Ifessischen Ludwigsordens führte die Großherzogin; dcr Großherzog, ebenfalls in Generalsuniform mit dem Bande des Ordens Heinrichs des Löwen, führte die Herzogin. Hm? 8 Uhr begaben sich die Fürstlichkeiten nach dem Hoftheater- wo Galavorstellung stattfand. Gegeben wurde zum ersten MaleNinon von Lenclos", Drama in einem Akt von Ernst .Hardt; hierauf:Vorwärts", Schauspiel von Joses Laufs.

Die Auseinandersetzung über dar sozialdemokratische Programm.

Der Reichstagskandidat der Wirtschaftlichen Bereini­gung, Herr Dr. Werner, sendet uns noch folgende Erwide­rung auf die letzten Ausführungen des Herrn Krumm, womit! wir nun in dieser Sache Schluß machen zu können hoffen .

1. Herr Krumm tritt den Rückzug an, indem er nochmals alle zukunftsstaatlichen Kanonen donnern läßt. Soll ick ihm itochmalS lagen, baß nicht eine, nein 20 Größen seiner Partei g egeuf ihn unb für mente Ansicht sprechen? Ich benfe, jeder Urteils­fähige hat sich seine Meinung gebildet. Herr Krumm ist zweiter Sieger. Denn einen Mohren weiß zu waschen, bringt auch rc

Bauabteil img von oben her unb namentlich eine Be'ritigung der sog. EiMrittsklausel für mittlere Baubeamte

ßfeh Rat Frhr. v. Biegeleben Dericibigt die Regierung gegen ecu Vorwuri des Vorredners, daß sic bei Anstellungen usw. uni zweierlei Maß messe.

Das ^aus nahm schließlich den Ausickutzantraa an. Die Re­gierung zu ersuchen, Dcr. Wünschen Der Bittsteller nach Möglichkeit Berücksichtigung zu gewähren.

Ohne Aussprache werben bann bie Anträge des AuSschm'es an< genommen

Die Abgabe von Laub aus ben fiskalischen Salbungen Abg. Dr Frenav' unD die Vorstellung bes LandesverbanDcs Der Bürger­meister, Derr, bas Gefeit über bie allaern ine Einkommensteuer vom 12. August 1899, werben noch ben Ausschußanträgen erlebigt, bei Antrag Pennncki, v. Brentano unb Genossen, betr. die Er­richtung einer Rheinbrücke zwischen Bingen und Rudes- heim aus Wunsch bes Antragstellers zurückgestellt. Dcr Antrag Ulrich unb Genossen, betr. bie Aushebung ber Brucken- gelber , wirb für ertebigt erklärt

Der Antrag ber Abgg. Dr. Pagen st cchcr unb Genossen, betr. bie Gemeindesteuern der hessischen Beamten Der Eisenbahn- gcmciuschaft und der Antrag ber Abgg. Dr. Schmitt unb Ge­nossen, betr. bie Gemeinbcstcucrentschäbigung für bie hessischen Beamten ber Eiscnbahngcmcinschaft werben nach etnigen unwesent­lichen Erörterungen einstimmig an ben Ausschuß zurückgewiescn, bcsgl. bie Vorstellung bes A,t;tes Dr. Wißmann betr. den Bau einer Nebenbahn BensheimLindensels.

Für crlcbigt erklärt werden nack Den Beschlüssen des Aus­schusses die Vorstellung des Lokomotivführers W. Schanz betr. anbeuveitige Festsetzung sriner p? ns io ns hi gen Berdienstzeit, bie Vorstellung bes Wagenmristers Gimsel zu Worms, betr. Prüfung seiner Pensionsverhältnisfe unb bie Vorstellung bes Bahnhos- verwalters 1. Klasse P. Keller aus Worms, Pensionserhöhung betr., währenb bie Vorstellung bes Arztes Dr. Wißmann, betr. Den Bau einer Nebenbahn BensheimLinbenfels an Den Aus­schuß zurückverwiesen itb. Der Antrag Dr. Frenah unb Genossm, betr. bie Errichtung eines Güteranschlußgeleises von Gonsmheim nach Finthen wirb für ertebigt erklärt, nach dem Ausschußantrag Berichterstatter Abg. Molthanii jvirb bie Vorstellung betr. Erbauung einer Bahn HanauKlein-Stcmheim .Groß-Steinheim über Lämmer spiel nach Bieber, ferner Bahnbau HanauTübingen unb bie ^dbbereinigintg in der Gemarkung Langenbergheim unb ber Antrag Ulrich und Genossen betr. den Bau einer Nebenbahn durch da? Mobautal, sowie bie Vorstellung bet Großh. Bürgermeisterei Lampertheim, betr. al Errichtung einer iÄsenbatzistation bei Dem Bahnwärter Haus Nr. 10 an ber Kreuzung ber DormSLampertheimer Eisenbahnlinie mit bet WormsBürstäbter Lanbstraße, b) Grünbung einer bäuerlichen Ansiebeluiig auf bem im nörbtichen Teil der Gemarkung Lampert- heinc in ber Nähe bieser Station gelegenen staatlichen Domanial- cigcntum für crlcbigt erklärt. Es kamen barauf noch btc bciD2it zurückgesteitten Punkte ber Tagesorbnung zur Beratung. Der Eintrag Ulrich betr. Verhaftung würbe für ertebigt erklärt. Die Anträge ber Abgg. Dr. Pagenstecher unb Genossen unb Der Abgg. Dr. Schmitt und Genossen betr. Artikel 74 Gesetzes, btt Aus­führung bes Bürgerlichen Gesetzbuchs, dagegen bem Ausschußantrag entsprechend cmftinnnig angenommen. In ber Aussprache Darübrr bemerkte Geh. Rat Tr. Best, baß die Regierung aut Die Anträge nicht eingeben könne, weil halb ein Rrichsgefttzimtwurf über bicse Frage vorgelegt werben würbe, ber Den Wünschen ber Antrag­steller vollständig entsprechen würbe. Abg. Dr. Schmitt führte noch aus, daß Die jetzigen diesbezüglichen Verhältnisse einfach unhaltbar seien und' legt dies art dem Beispiel eines Milchhändlcrs aus Gustavsburg näher Dar. Wenn jetzt von ber Reichsregierung bie befrehenbe Rechtsunglcichheit aus der Welt gcjchasft werden solle, so sei bas um so besser, aber j-ebenfalls bitte er, den Antrag des Ausschusses anzunchmdn. Tics geschieht hierauf.

Ta der letzte Gegenstand der Tagesordnung, btc Regierungs­vorlage betr., ben Hauptvoranschlag ber Staatseinnahmen unb -Ausgaben für das Haushaltsjahr 1911 bildete, wird die Beratung hier abgebrochen und bie nächste Sitzung auf morgen früh 9 Uhr anberaumt mit ber Tagesorbnung: Haushaltsberatung.

Da; Srotzherzogspaar von hetzen in vraunschweig.

Braunschweig, 22. Febr. Heute vormittag 11 Uhr trafen mit dem fahrplanmäßigen Zug zu mehrtägigem Besuche des hiesigen Hofes der Großherzog und die Großherzogin von Hess en mit Gefolge hier ein. Der Herzogregent und bie Herzogin Elisabeth hatten sich zur Be­grüßung ihrer Gäste nach dem ^Bahnhof begeben, wo in­zwischen auch die Spitzen ber Staats-, Militär-- und der