Mitbürger!
Die fortschrittliche Volkspartei hat innerhalb des Landtagswahlbezirkes Gießen—Wieseck bei den letzten Reichstagswahlen über 2200 Stimmen erhalten, gegen noch nicht 1000 der Nationalliberalen. Sie erhebt also mit Fug und Recht Anspruch auf die Vertretung Gießens m der^hessischen Kammer
Aber nicht nur aus Grund der Zahlen. Die Partei darf von sich auch behaupten, daß sie während des letzten Landtages den Kampf sur
Gerechtigkeit und VolksfreiheZt
wacker gekämpft hat, und sie ist dabei von der „auchliberalen" Bruderpartei fast in allen Fragen im Stich gelassen worden,
wo es galt, die Volkskammer gegen erhöhte Machtansprüche der Herrenkammer zu verteidigen,
wo es galt, die Uebergrifse des Ültramontanismus abzuwehren,
wo es galt, das städte- und kulturfeindliche antisemitiiche Agrariertum zu bekämpfen. . ,
In dieser Tatsache, daß die Nationalliberalen im Kampf gegen rechts versagt haben, liegt der tiefe Grund dafür, daß es zu einer Verständigung zwischen bett beiden Parteien nicht gekommen ist, und nicht in persönlichen Zänkereien oder in unserer Haltung zu der Sozialdemokratie. Wir erklären wiederholt, daß wir ein Bündnis mit der Sozialdemokratie nicht eiugegangen sind, und wir weisen darauf hin, daß keine Partei so schneidig wie wir den großen Prinztpienkampf mit der Sozialdemokratie geführt hat und führt. Aber wir halten es für unwürdig einer liberalen Partei den Gegner mit Ausnahmegesetzen zu bekämpfen und teilen mit den Nationalliberalen anderer deutscher Bundesstaaten die Ueberzeugung, daß eine Gesundung unserer politischen Verhältnisse nur eintreten wird, wenn es gelingt, die Sozialdemokratie zur positiven Mitarbeit heranzuziehen oder dabei sestzuhalten. .
Wir brauchen im Landtag aufrichtige tapfere Männer, die nichts für sich begehren, deren Herz dem Volk gehört. Solche Manner gibt es in ledem Beruf und in jedem Stande, und wir wissen, daß auch die Gewerbetreibenden Güßens es verurteilen, wenn man, dem Vorbilee der Agrarier folgend, die einzelnen Berussklassen gegeneinander ausspielt. Hat doch selbst der Ortsgewerbeverein sich unlängst einen Oberlehrer zum Vorsitzenden gewühlt und ist es doch allen politisch Interessierten bekannt, daß wir keine Ständewahl, sondern eine Staatsbürgerwahl vorzunehmen haben.
Es handelt sich nicht um diePersonen, nicht um eine „Kandidatur Urstadt" oder eine „Kandidatur Klingspor", sondern um eine Entscheidung über die politische Gesamtauffassung, die auf der einen Seite von Männern wie Gutfleisch und Korell, auf der anderen Seite von solchen wie Osann und v. Hehl vertreten wird. Wir glauben gern, daß auch der Kandidat der hiesigen Nationalliberalen den ernsten Willen hat, in liberalem Sinne zu wirken, und seiner Partei wieder liberalen Geist einzuhauchen; aber was dem Abg. Pagenstecher mißlungen ist, ivird auch ihm kaum gelingen. Auch er wird es nicht vermeiden können, wieder zurückzutreten oder auch in Fällen mit seiner Partei zu stimmen, wo es seiner Parteileitung nützlich erscheint, den antisemitischen Bauernbündlern einen Gefallen zu tun, deren Hilfe man, ach, so nötig hat, oder den Bundesgenossen des Herrn Dr. Becker, der mit Zentrumshilfe als hessischer Natioualliberaler in den nächsten Reichstag wieder eiuzuüehen hofft. Dann heben sich die beiden Gießener Stimmen einfach auf, und es ist, als wären mir nicht vertreten.
Darum betrachten Sie die Taten der Nationallibeialen im letzten Landtag ganz unbefangen, überlegen Sie die Wichtigkeit der Aufgaben des nächsten Landtages und dann gehen Sie hin und Helsen Sie, daß unsere liebe Vaterstadt den Ruhm bewahrt, daß in ihren Mauern eine gut fortschrittliche, freigesinnit Bürgerschaft wohnt.
Wählen Sie den Kandidaten der fortschrittlichen Volkspartei, den Stadtverordneten [a’°Ao
Hm« Df. Ato WM in GW
Der Verein der fortschrittlichen Volkspartei.
RandfagswühL Landtagswahl ttifl. Wählnnnilq
Kotau
Weltstädtisches Variete
Dir.: K. Ohm. 09059
MIlc. Ma m£Srm Farm lgrohartiger Auöstattungsakl) der einzig dastehende ^avero, Gedankenleser,
Donnerstag, 2 November, abds. S'/2lll)v, in Steins Garten.
Redner: 1. Reichstagsabgeordneter Kopsch-Berlin.
2. Dr. Strecker-Bad-Nauheim.
3. Stadtverordneter Prof. Urstadt.
Freie Aussprache. a80/10 Jedermann willkommen.
Der Vorstand des Vereins der fortschrittliche« Vollspartti.
Biograph
Plockstraße 12
Plockstraße 12
09045
Verirrte Seelen
Nachbar ml Nachbarin Armer freund
komische Sperre niw. usw.
eine reizende Komödie, gespielt von Herrn Max Linder.
großes Sensationsdrama in 3 Akten. — Borführuugsdauer über 1 Stunde.
Ans htm übrigen vorzüglichen Programm heben mir hcrnor:
Dienstag, 31. Oktober, abend 8 Uhr in» Saale des Herrn Ziegler
Redner:
1. Der Kandidat der nationalliberalen Partei
FW A. XHngspor
2. Professor Lnley. w
Religionswissenschafti. Vorträge
Neue Aula der Universität.
Mittwoch, den 1. November, abends 81!, Uhr:
Professor Baidensperger: War Jesus ein© geschichtliche Persönlichkeit ?
Mittwoch, den 15. November, abends 8V< Uhr:
Professor Krüger: Das kirchliche Bekenntnis im Lichte der Geschichte.
Mittwoch, den 22. November, abends 81/, Uhr:
Professor Eck: Die Persönlichkeit Gottes.
Mittwoch, den 29. November, abends 8l/t Uhr:
Professor Schian: Modernes Christentum u. geschichtliche Ueberlieferung.
Eintrittskarten zu 75 Pfg. für den einzelnen Vortrag, zu 50 Pfennigen nur für die Galerie in der J. Kicker’scnen Buchhandlung.
Der Reinertrag ist zu gleichen Teilen für das Evangelische Schwesternhaus in Giessen und den Hessischen Diakonieverein bestimmt. DH/IO
Aachener Lanibertz-Printen
Frisch eingetroffen:
Nürnberger ßaeberleill-Lebknchen
L. Weihl, Schokoladen-Hans :: Mäusburg 16.
Mitglied der Rabatt-Spar-Bereimguirs. [653»'
Zahn Mcttras, Fächerkünftler. Miriam SÄ $S Elly Blanko, S°?brkit° Die «'scherte Katl, °Z!T Max Walde/LiS Norman« Scortt KL, Zauberkunst,
3 Wels, in'TÄw1 Arsorb nnb Lttka, Reckturner.
Täglich Vorstellung pünktlich abends 8 Uhr.
Sonntags 2 Vorstellungen nachm. 4 Uhr zu ermäßigt Preisen abends 8 Uhr
In den vorderen Räumen bei Theaters nach Schlug der Bo? stellung heitere Künstlervor träge. Unrerbaltungsmustk voa 7 Uhr abends ab.
Stadttheater Giessen
Direktion: Hermann Steingoetter.
Dienstag, d. 31. Oktober 1911, abends 8 Mir:
5. Dicnstag-Abonn.-Borstellung
Gewöhnt. Preise Gewöhnt.Preis 1
Die Haubenlerche \
Schauspiel in 4 Akten von Ernst von Wildenbruch.
Ende 10V2 Uhr.
Mittwoch, den l.Novbr. 191b abends 7 Ubr:
5. Mittwoch-Abonn.-Borstellun«! Gewöhnt. Preise Gcwöhnl. Preiir DerPlarrer von Kirchlein
Volksstück mit Gesang in 4 Akts von L. Anzengruber.
Ende 9'/, Uhr. a*%
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