Hi. N8
Dritter Blatt
M Jahrgang
Erscheint tigRd, mit Ausnahme bei Sannta-S.
Die „Gießener KamiNendlStter" n»erben dem ,‘2lnjetQer* eiermol wöchentlich beigelegt, dal „Kreisbkrtt für len Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwfrtfch«stlichen Lett- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Gießener Anzeiger
Seneral-Anzeiger für Oberheffen
Samstag, 20. Mai 1-st
Rotationsdruck und Berlag der Vriiblichen UntoerfittiH - Buch- und Steindruckeret.
R. Lange, Liefen.
Redaktton, Expedition und Dnrckerei: kckul« strahe 7. Expedition und Verlag: W*
Redakrion.e-EII2.rel.-Adr^Anzeiger«leben.
Das (Solölanb des Parlamentariers.
Wo könnte c4 nnbcrc* sein, als in Amerika? In der Tat läßt Zirkel Sain sich seine Gcsctzaebnng ctnxi-3 losten; alles in allem mögen cs 20 Millionen sein, die er iufjrlidi für die (4rbältcr und die sonstigen Entschädigungen seinen 391 Mitgliedern des Repräsentantenhauses und 92 Senatoren zahlt Mit einigem Reid können die Parlamentarier der alten Welt aus ihre Kollegen jenseits des Ozeans blicken, und auch die Mitglieder des englischen Unterhauses, denen jetzt 8000 M k. z u g e b i l l i g t werden sollen, müssen sich weit hinter ihren Vettern verstecken. Zunächst erhält jedes Mitglied der beiden Häuser 30000 Mk pro Jahr, und der Präsident bezieht sogar 48000 Mk. und hat habet ein Automobil zu seiner ausschließlichen Verfügung.
Aber mit dieser gewiß reichlichen Entschädigung ist es nicht getan. Jedem amerikanischen Gesetzgeber stehen außerdem <.000 Mk. jährlich zu für einen Sekretär: hält er einen solchen nicht, so kommen die 6000 Mk. seinem eigenen Bankguthaben zugute Für Sch reib waren bezieht er weitere <iM Mk. und außerdem sind alle seine Bries - suchen frei, was sicher eine Ersparnis von etwa 200 Mk. int Jahre bedeutet Sogar eine R c i s e c n t s ch ä d i g u n g von 40 Pfg. für die englische Meile für die Fahrt von und nach Washington ju jeder Session steht allen Parlamentariern zu, und sie ist so reichlich, daß bei längerer Reisestrecke tvieder ein stattlicher Ueberschuß hcrauskommt. Ein Abgeordneter z. B., der von San Franzisko nach Washington und zurück fährt, legt gut 4500 Kilometer zurück und bekommt dafür 2500 Mk, während seine Reise, auch wenn er sie in der luxuriösesten Form ausführt, nicht mehr als 800 Mk kostet. Man kann also rechnen, daß dieser Paria- mentaricr aus dem Westen alles in allem über 40000 Mk. bezieht.
Aber nicht nur in der reinen Geldcntschädigung, sondern auch in allen übrigen Dingen unterhält Onkel Sam seine Abgeordneten geradezu fürstlich Er hat ihnen im Unter- geschoß des Kapitol ein Schreibwarengeschäft eingerichtet, das nur den Kongreßmitgliedern zur Verfügung steht und in dem sie das erlesenste Papier und die prächtigsten Schreibutensilien zu den billigsten Preisen erstehen können. Ja selbst Notizbücher, Handkoffer, Messer, silberne liegen> stände für den Sck)reibtisch und ähnliches können.die Ab- gcordltetcn hier wohlfeil kaufen, und sie machen davon nicht nur für sich, sondern auch für die ganze Familie reichlich Gebrauch. Jedes Mitglied des Kongresses erhält ferner ein prächtiges Amtszimmer. Das Repräsentantenhaus wie der Senat bat zu diesem Zweck sein eigenes Amtshaus gegenüber dem Kapitol, in dem jeder Gesetzgeber sein prächtiges Privatzimmer, wundervoll ausgcstattet mit Mabaaonischreibtischen und Ledersesseln, mit Telephon zu freier Benutzung und sogar mit einem Hahn für Eiswasser hat.
Trotzdem sind die Abgeordneten immer noch darauf bedacht, ihrer Bequemlichkeit einiges hinzuzufügen. So war es ihnen zu lästig, daß sie zur Kvngreßbibliothek einen Platz überschreiten mußten, auf dem es unter Umständen sogar regnen und stürmen konnte. Es wurde also ein Tunnel balyin gebaut, und da es schließlich kein Vergnügen ist, fünf Minuten lang unter der Erde zu laufen, so baute man den bequemen Herren auch noch eine kleine Untergrundbahn, die jetzt eben fertiggcstellt ist.
2ht5 Stadt itnö Land.
Gießen, 20. Mai 1911.
•• Erledigte Stellen: Eine Oberlehrer stelle an der Viktoriaschule zu Darmstadt mit Wirkung vom 1. 'August 1911. Lehrbefähigung in Mathematik und Natur- wisienschaft. Meldefrist 3 Wochen. — Die Stelle des Schleusenwärters an der Schleuse bei Offenbach a. M.
* Gießener K o u z e r t v e r e i n. Franz Liszt — Richard Strauß — iniflo Wolf — E. Wo'.i — Ferrari — diese Rainen ziereil da? Programm bc6 bevorstehenden letzten Konzerts im 120. VeremSjahr des lonzertqcbeuden Vereins. Wer den Wandel der
Zeiten unter,ebl hat und die Zeichen der Zeit recht versteht, den, künden diese Namen schon nicht mehr die Moderne, schon beginnen wir diele Meister al: die Klassiker ihrer Schule zu betrachten, so bedingungslos erkennen >vir sie beule bereits an. Woran es aber noch fehlt, wohl auch lange fehlen wirb — Gut Ting will Weile han — das Ut das i echte Miterleben ber Serie dieser Meister und, so meckwürdig eS ivobl klingen mag, in dieser Hinsicht ist eS gerade der älteste dieser Meister: Franz 2 iszt, dessen Werken wir auch heute noch ferner stehen, alS denen von H. Strauß, H. Wals u. a. Fst's etwa barum, weil gerade feine Werke doch vielleicht bedeutender, vormisschauender als die der anderen sind? Ist'L barum. weil vielleicht der Zauber der Persönlichkeit Frailz LttztS als ausübender Künstler und als Mensch zu innig mit seinen Werken verwachsen war, alS daß den Werken rncht etivaS fehlte, nun da et nicht mehr unter imß weilt, da seine luggefttoe Persönlichkeit fehlt ? Wer mag diese Frage entidiciben ? jedenfalls tun wir gut daran, Haustier als seither Lisztsche Werke auf unS wirken zu Ionen und das Laknlarjahr seiner Geburt wird ja hoffentlich auch für ließen etwas mehr von L'ünt bringen. Für bieSmol sind es nur eine Kantate lind cm Lied: jene nach einer Dichtung von Öcnm WadSwortb Lougfellow, dem amerikanischen Romantikei, entstanden in späteren Lebensjahren des Komvonisten, im Winter 1V74-7H in der Billa d'Este, dies nach einem <ßeöid)tc PH. Kann- rnannS ui Noiiiiemverlh komponiert. Die Kantate: Tie Glocken dcS Straßburger Münsters malt in Tönen den bei Rächt und Sturm sich abspiclenden vergeblichen Kamvf Liicifers und seiner Geister um das Kreuz auf der Turmspitze deS Münsters, wahrend die tvlotten in vollen schweren Akkordeii deS Herrn Lod üerfünben: Laudo dcam verum. DaS Heine Lied gibt Liszt zu reizvolleni Koloraturgesang Veranlassung: so sind beide Kompositionen echte Proben Lisztscher Kunst.
Landkreis Gießen.
- --- Dau bringen, 17. Tlai. 91 in nächsten Sonntag. 21. und 22. Mai findet ein größeres Turnfest in unserem Orte statt. Ter Turnbund La h n - Dü n S b e rg feiert hier seine 6. Turn fahrt. DaS Fest wird sich sehr schön gestalten. Ter Festplatz vt zu einem Feste sehr geeignet. Tie mit blühenden Obslbaumen bepflanzte Straße nach Alten-Hnseck trennt ihn von dem Walde.
KreiS Friedberg.
C Friedb crg, IS. Mai. Der hiesige Lehrer- Verein Hal auf seiner letzten Versammlung die Veranstal- tutifl eineS Sommers oste S beschlossen, daS am 17. Juni auf dem Waidschlößchen am Rosbachcr Kirschbcrg statt- sindcn soll.
C Bodenrod, 18. Mei Ein altes xicrEommm wird am SamStag wieder viele Lehrer auS nah und fern in unserem abgelegenen Walddors zur sogen. „Maibowle- Konferenz" oereinigen, die jährlich immer um die Pliugftzeil veranstaltet wird. Nicht nur die Lehrer des gesamten Pi iiippsecks erscheinen zu dieser Zusammcnrunfl, die sich nicht nut Berufs- und Fach frag en beschäftigt, sondern im Dienste froher Geselligkeit steht, — auch die benachbarten preußischen Landcsteilc sind immer vertreten.
Starkenburg und Rheinhessen
m. Offenbach, 18. Mai. Zn der heutigen Sitzung der Stadtverordneten wurde die Eingabe des Ausschusses „Offenbach in Blumenschmuck" befürwortet und durch die Gewährung eines einmaligen Beitrages von 305 Ml unterstützt. Unser städtisches Elektrizitätswerk hat sich so günstig entwickelt, das; der Bedarf an eietlrischer Kraft ständig zunimmt. Es ist die Anschaffung einer neuen Drehstroman tage cr'ordce.ich, für die die Stadtvrrordnc.cn 35 00J Marl bewilligten. Die Summe soll auf Anleihe, nötigenfalls einstweilen auf Vermögen unter Vorbehalt des späteren Ersatzes aus Anleihemittcln genommen werden. Tic Sladt- rerordnclen beschlossen ferner, die 85 000 Mk., die das Werk Oehler für die .Verstellung der Ersatzstraße für die Grenz straße an die Stadt zu zahlen hat, zur AnlCAung eines Straßenneubaufonds zu öerroeuben. Für die .Herstellung der Dasserhofstraßc wurden 11 500 Mk. aus Anleihe bewilligt unter Vorbehalt des Rückersatzes von 9100 Mk. Außerdem bewilligte die Versammlung 3 00Mk. für die Einrichtung und Unterhaltung des Gebäudes der Schule an der Herrnsrraßc Die Pcrfoncn, die in Hessen und in einem anderen deutschen Staate Wohnsitze haben.
sollen nach dem heutigen Beschluß von einer Besteuerung entbunden fein.
Hessen'Nassau.
Frankenbach am Tnutzberg, 18. Mai. Immer mehr verschwinden die Ebereschen und Ulmen an den Bezirks- straßen und werden durch Ob st bäume ersetzt. So liegt nunmehr auch ein Gesuch der benachbarten Gemeinde Oberweidbach vor um Entfernung der Eschen- und Ahornbäume an der Straße Gladenbach-Gießens und Gladenbach-Herborn innerhalb ihrer <3cmarfimg.'
Sport.
D. Süddeutscher Ruberverband. Zur 17. Regatta dec Süddeutschen Ruhet oerdanbeo, die S-onntag^ 2 Fuli, in Fran ksur t a. M. auf ber Strecke Oberrüder sdiknfc— Lchlaä.tbof 2000 Meter) stattfindel, bot der Frankfurter Re- qatlaausschuß fclgaibc biennen ausgeschrieben: 1. Junior-Einer, 2. An'augei Vierer, 3. Ziveitcr Senior Pierer, I Vierer ohne Steuermann, 5. Funior Vierer, 6 Senior Einer .Meisterschaft des S. R. V, Wanberpreis, 7. Junior Achter, K Erster Senior- Vierer, 9. i^ast Vierer, 10. Trost Vierer, 11 Großer Achter iWanderpreis des S. R. V. Mit Ausnahm' der Remien 6 nnb 11 finb die Rennen außer für sämtliche Vereine des S. R. B., auch für besonders eingcladenc Vereine offen.
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Wanötrn und Beifen, Bäder und Sommerfrischen.
* * F u r die Reifezeit. In der Geschäftsstelle des hiesigen V e r k c h r S v e r e i u S fmb Führer von Coimnerfrifchen, Bädern usw. a>is allen Richtiiitgen kostenlos zu haben.
- 1- B nbiiigen, 18. Mai. Tic Umgebung nnf erer Stadt zeigt sich jetzt, da alles grünt und blüht, in all ihrer Schönheit. Diese Wohrnennumg machen alle, die der Stabt einen Besuch abftatten, nnb c-3 bezeugten die rd. 800 'JhiSflüfller, die am vergangenen Sonntag in zwei Sonberzngeu hier aiifamcn und bei ber lachenden Vkaifonnc unsere bcmalbetcn, mit Cbft-, Gemüse- nnb Weingärten angelegten Berge diirchivandeen konnten. Auch die innere Stadt, bic uon ihrem aUertlintlichen Slnftud) noch wenig verloren hat, bietet viel Interessantes, lueim auch nicht jn verkennen ist, baß baS ifiiftivanbeln auf ben Straßen und m den Waffen etwas beeinträchtigt wird durch da' mangelhafte Straßen- vflnftcr, das nach Lage ber Sache aber bisher nicht andere fein konnte, denn bic Kanalisierung, Wasser- und GaSleiliing verursachten wiederholt Aiifbrüche. Rach einem kürzlich gefaßten Beschluß des 05cmcietbcralS soll nun alßbalb mit der 'Jlcupflafterimg bet Stadt begonnen iverben. Tie "Arbeiten und Lieferungen für den elften Bauabschnitt find ausgeschrieben. Wenn diese '.’ltbeil vollendet ist, sind alle Borbebingnngeu erfüllt, die Büdingen zu einem anziehenden Ausflugsorte machen. Aber mich für bic, die l ä n q c r e n A u f e n t h a l t hier nehmen wollen, bieten sich günstige Aussichten in Bezug auf Wohuung und Verpflegung, Uiilcrbaltima, Spiel und Sport. Ten Fußball-, Tennis- und Schwnnmspoiilern bietet sich in den dafür hergcstelltcn Anlagen Gelegenheit zur Hebung, ebenso ivie den Erholungsbedürftigen die Spazierivege und lauschigen Platze in unseren Waldungen. Für r u st i g c I u s; g a n g e r aber, die Büdingen zum Standquartier wählen, bieten btc Höhen, Wälder und Wiesengründe deS nahen Vogelsberges und der Ausläufer de8 Spessarts 9iaturgeuuß in Hülle und Fülle.
Arbeiterbewegung.
Wilhelmshaven, 18 Mai 400 Arbeiter ber F-imra Philipp Holzmaniru. Eo , die bet dem Vasen bau beschäftigt sind, legten wegen Lohnstreüigkeiten die Arbeü nieder. Ein Vergleich wurde angebahnt. 1
Reichrgerichtrbrits.
(Nachdruck verboten.) js. Leipzig, Mai 1911.
.Haftung wegen Fahrlässigkeit bei der Aufbewahrung einer Häckselmaschine.
Der Betlagle besitzt in FriedebergerHütte ein Gm mit Fabrik und landwirtschaftlichem Betrieb lieber den Gutshof gehl die Landstraße. Als eines Tages Kinder auf der Landstraße spreiten . uird schließlich .Hühner verfolgten, liefen sie hinter den .Hühnern her in bic vorn Hofe aus zu betretende Futtertammcr, wo bi** Tür offen stand, weil der Schlüssel zu deut Vorhängeschloß verloren gegangen war. Gleich am Eingang der Futtertammcr stand eine .Häckselmaschine. An dieser zuvlte die etwa 6 jährige Stlägcrin Stroh heraus, während ihre Schwester an dem Rade der Maschine zu drehen anfing Der Klägerin sind dabei von den Messern der Maschine drei Finger abgefchnitten worden. Landgericht
Gustav Mahler.
(Sine der bedeutendsten Erscheinungen unter den Musikern der Gegenwart, eine ber merkwürdigsten und meisl- umstritrenett Künstlerpersönlichkeiten unserer Tage ist für immer vom Schauplatz abgetreten. Auf der Hölw des Lebens ftchenb, noch vor Vollendung des 51. Jahres hat Gustav Mahler, ber Uncrnuiblidic, seine Arbeit nieberlcgen müssen, lange noch, bevor er sie dem Abschluß entgegenfuhren konnte.
Gustav Mablcr ist am 7. Juli 1860 zu Kalischt in Böhmen geboren, und betrat bereits als Zwattstgjäbriger bte Dirigentenlaufbalm. Nach Absolvierung mehrerer Engagements an kleineren Biihnen würbe er 1885 für bas Deutsche Landestheater nach Prag und von dort _au5 als Vertreter Arthur Nikifchs an bas Leipziger Stabl- t h c a t e r berufen. Mir außerordentlicher Schnelligkeit vollzog sich tion hier aus fein Aufstieg. 1888 Lpernbirektor in Pest, wirkt er von 1891 bis 1897 als erster Kapellmeister am Hamburger Stadttheater, um von dort aus den vornehmsten Posten, ber einem beutscheu Musiker zufallen kann: die Stellung des Direktors der Wiener .Hofoper zu übernehmen Zehn Fahre lang hat er seines Amtes gewaltet — bis er zu ber lleberzeugring gelangte, baß seinem idealen Streben auch hier Feine bleibende Stätte beschieden sei, nnb er, der Tbeaterwinschafl müde, 1907 seinen Abschied nahm. Seine äußere Karriere war damit abgeschlossen, kiinc künstlerische Steigerung über das bisher Erreichte gab es für Mahler nicht mehr. Das Engagement als Dirigent der Neuporker Philharmoniker, so glänzend es an sich war, mochte für ibn hauptsächlich geschäftliche Bedeutung haben.
Während Mahlers koinpofitorifchc Tätigkeit heut noch verschiedenartigsten Beurteilungen unterliegt, haben über bic Bewertung seiner Vorzüge als Di r i g c n t Zweifel tauui ie geherrscht. Mit ungeheurer Willenskraft konzentrierte er im Moment ber Aufführung sein ganzes Denken auf das in ber Probe Besprochene — unb sein Auge genügte, den Musiker zum mechanischen Ausführer seines Ge- banFens zu machen. Bei feinem unserer anderen Dirigenten prägte sich das Machtbewußlscin in derart markanter Weise aus. So streng seine Zucht war, so wohltätig be--
cinfiußte sie die Qualität ber künstlerischen Leistung. Als Erzieher ber Musiker ist Bülow vielleicht ber einzige, bem man Mahler an bic Seite stellen kann. Unter den Lebenden kann in dieser Hinsicht keiner auch nur entfernt mit ihm verglichen werden.
Hat sein umfassendes Dissen unb Können, feine unerreichte Lrchcsterpäbagogit' Mahler als Dirigenten schnell allseitige Anerkennung verschafft, fo ist der Streit um feine Kompositionen bis jetzt noch unentschieden geblieben. Mahler gehört zu den Komponisten, die in Ermangelung eines eigenen Fdioms in allen Zungen reden. Seine Gewandtheit, seine technische Meisterschaft ist so bedeutend, daß man darüber fast bic innere Unselbständigkeit dieser Proteus- natur vergißt. Bald ist er volkstümlich, bald extrem modern. Er kopiert den liebenswürdig heiteren Dialekt Vater .Haydns, den zierlich verschnörkelten altväterischen itil beeis. Jahrhunberts ebenso täuschenb wie die impressionistische Ausdrucksweise ber Modernsten und die lapidare Größe seines Lehrers Bruckner. 2lber was gerade jedem dieser Gegensätze im Original wesentlich ist: der notwendige innere Zusammenhang von Form und Inhalt — der fehlt ihm meist. Meist — nicht immer. Tann findet er Töne, die, unmittelbar aus dem Innersten kommend, plötzlich eine magische Brücke schlagen zu den Herzen ber Hörer unb die Wunbcrlichkeilen dieser lompli.zierten Kunftlcrerscheinung vergessen iasfen. So ber Choreinsatz im letzten Teil seiner C-moll-Sinfonic. Tiefer Satz, ber „große Appell", beginnt mit den aus verschiedenen Wcltrichtungen ertönenden Fanfaren, den Weckrufen ber Toten Der letzte Nuf ist verklungen — einen 'Jlugenblicf herrscht tiefe Stille — bann beginnt ber Chor in geisterhaftem Pianissimo: „Auferstehen —, ja Anferstchen--". Tiefer einzig baftehenbe Chor-
einsatz ist einer der ergreifendsten Momente nicht nur der neueren, sondern ber gesamten musikalischen Literatur. Aber die weihevolle Stimmung hält nicht lange vor. Ter Komponist hat nicht bic Macht, bic Erscheinung, btc er hervor- gezaubert bat, zu halten. sie verschwindet wieder. Das eben noch ein tief innerliches Erlebnis war, sinkt zu einer raffiniert durchgeführten äußeren Steigerung herab.
Noch eine Eigenschaft besitzt der Komponist Mahler,
die ihn vielleicht von der originellsten Seite zeigt: seinen Humor
Reich genug ist die künstlerische Hinterlassenschaft Mahlers, um der Zukunft ein sicheres Urteil zu ermöglichen. Acht Sinfonien, darunter mehrere abendfüllende, eine große Anzahl von Liedern und mehrere Chorsrückc liegen — ab- ^eichen von einigen dramatischen Fugendwcrken — vor. Selbst den, ber biejem imposanten Vermächtnis nicht unbedingte Teilnahme entgegenbringen Fann, muß doch die gewaltige Geistesarbeit, bic in biejen Werken eingeschlossen liegt, zur Hochachtung zwingen.
— Die Körpergröße bei Männern und Frauen. In einer Untersuchung über ben Wuchs der Französinnen war der Pariser Arzt Mac-Aul'iffc zu dem Ergebnis gelaugt, daß sic im Durchschnitt auf 1,57 m kommt, ivährcnd der Mann 1,65 m erreicht Dieses Ergebnis zweifelt ber Professor an ber Schule für Anthropologie G Ga- pillault auf Gninb feiner eigenen Forschungen und der BcobachMngen anderer Gelehrter an: er hat einen durchschnittlichen Unterschied ber Körpergröße bei den beiden Geschlechtern von 11 cm, also 3 cm mehr als der genannte Gelehrte gefunden. Um den Unterschieb genau auszubrücken, kann man annehmen, daß die Größe des Mannes 100 cm beträgt; dann würde die Frau nach feinen .'Messungen nur 93,4, nach ben Messungen Mac-Auliffes 95,1 betragen. Pfitzner, ber hervorragende Anatom, hat an der Straß burger Universität gleichfalls Messungen angeftellt unb tft auf 93,4, also dieselbe Zahl wie Papiliault gekommen. -Seit etwa 30 Jahren in Europa eingestellte Messungen befläl .gen dieses Ergebnis durchaus; so gelangte Dr. Ma Honorier bei einer Reihe von Messungen im Dienst ber Polizeipräfek- tur auf die Vcrhältniszahl 94, in England "xiltoii auf 92,5; und sehr genaue .Meiningen on Regem und .'cegerinnen in Innerairika ergaben 92,1. Wichtig bei afLen diesen Untersuchungen ist natilrlich, daß Perionen desselben Ursprungs, derselben Rasse und auch derselben sozialen Schicht zum Vergleich gewählt werdeii. Bei Personen der reichen und ber armen Klasse, deren Körpergröße man miteinander verglichen hat, wurden Unterschiede von über 4 cm festgestellt.


