Ausgabe 
21.2.1911 Erstes Blatt
 
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Reichtümer zu erwerben. Es ilt aber grundfalsch, daraus den Schluß zu ziehen, daß die anderen Menschen dadurch armer geworden seien, denn das Gegenteil ist wahr. Wir baden Ijrutc einen wohlhabenderen Mittelstand als jemals in Deutschland, und unser Arbeiterstand ist wohlhabendir, lebt weit besser als früher. Das pfeifen ja die Spatzen von den Dächern, rvenigstens Ur alle die, deren Keift nicht in der Marxschen Vcrelendungs- theorie besangen ist. Wenn Ihre Großlieferanten auch reicher geworden sind, Ivie ich annehme, so hat doch die von Ihnen so geschmähte kapitalistische Wirtschaft auch Ihnen Gelegenheit ge­geben, durch Aufwendung mm Geistes und Willenskraft, vor­wärts zu kommen. Auch ich bekenne von mit dasselbe, wenn auch in anderer Form. llitö in unserer Umgebung haben wir wohl gar vielfach diese Beobachtung gemacht. Diese Wahrnehmungen werden von allen möglichen Statistiken, die sich mit den Per- mögens-- und Ginlommensverhältuissen befassen, beftätigt. Das schließt ja nicht aus, daß es da oder dort aus verschiedenartigen Gründen auch rückwärts gegangen ist. In einem Artikel Ihrer eigenen Zeitung wurde die Forderung einer erhöhten Bildung des Arbeiterstandes begründet mitdem wirtschaftlichen Auf­stieg der A r b e i t e r s ch a s t" und Ihre Berichterstatter haben gar manchmal bei Schilderung sozialdemokratischer Feste über den ungeheueren Konsum an Speisen und Getränken bei solchen Gelegenheiten Jubellieder gesungen. Da paßt Ihre Verelcndungs- theorie nicht.

Es ist doch zweifellos, daß unser Kapitalismus, der gewiß nicht lauter Lichtseiten hat, vor ollem unserem wachse n- demVolkc Arbeitsgelegenheit verschafft hat. Und es ist sehr, sehr sraglich, ob Ihr gepriesener Zustand des gemein­samen Eigentums eine solche Vermehrung der Arbeitsgelegenheitl zu schaffen vermag. Bisherige kleinere Proben haben das Gegen­teil, eine wirkliche Versumpfung zur Folge gehabt. Sie werden es den anderen nicht verübeln, wenn sie nicht nach Ihrer auf dem Dache, vielleicht noch etwas höher sitzenden oder gar fliegenden sozialdemokratischen Taube greifen. Die von Ihnen angegebene gesunkene Kaufkraft des Geldes ist eine Tatsache. Die habe ich ja selbst oft erwähnt. Aber gerade das Arbeiterein-» kommen ist - bitte sehen Sie die Calwersche Statistik und andere an mehr gestiegen als der Geldwert gesunken ist. In anderen deutschen Staaten sind auch die sich aus der Verminderung des Geldwertes ergebende Folgen für die Beamten durch Gehaltsaufbesserungen beseitigt worden. So in dem von Ihren Parteigenossen sogeliebten" Preußen. Bei uns war es bisher leider, ich sage es auch als Leidtragender infolge der verkehrten Finanzpolitik eines Staatsmannes, den Sie und Ihre Freunde ja so sehr gestützt urrd in Schutz genommen haben, nicht möglich, diesem dringenden Bedürfnis abzuhelfen. (Sie führen die Beamten als Beispiel au, daher die obigen Sätze.) Was Sie dann vom Zukunstsstaat schreiben, von Ihrem Verlangen, nicht einige in ihrem Ueberflusse ersticken und Millionen dafür darben zu lassen, daö ist so allgenrein gehalten, und Ihre Be­hauptung von unsererMeinung", daß mit unserer Entwicklung der höchste Grad der Vollkommenheit erreicht sei, ist so wenig wahr, wie oben die von dem Hemmschuh für alle Fortschritte der Arbeckerklasse, daß ich in diesem engen Rahmen die schweren Irr­tümer nicht im einzelnen Nachweisen kann. War denn Deutschland ein Barbarenstaat, der seine Arbeiter in Unkultur verkommen ließ, ehe Ihre Genossengrüßen gekommen sind? Wer anders hat denn oft g eg en den Willen der unteren Volksschichten die Einrichtungen geschaffen, die es unserem Arbeiter viel mehr als dem des Aus­landes möglich gemacht haben und noch möglich machen, sich kul­turell, berufstechuisch und wirtschaftlich höher zu erheben, als dw gleichen Schichten im Ausland, als gerade die Kreise, denen Sie solche Vorwürfe machen?

Meine Aufforderung an Sie, als Führer der hiesigen Sozial­demokratie, das sind Sie doch, gehen Sie hübsch aus dem Wege. Ich verlangte ja nicht einen Expropriatiousplan, den Sie in 10, 30 oder 80 Jahren wenn die Herrschaft da in Ihre Hände kommen sollte, ftricktc ausführen müßten. Ich wollte nut eine Probe, so ähnlich wie unsere Staatsmänner Probesteuervcran- lagungen, Probegesetzentwürfe machen, damit man sieht, wie sich die Sache macht. Bei dem von Ihnen gewollten radikalen System- wvchscl wäre das doch noch mehr wünschenswert als etwa bei unserem hessischen Gemeindesteuergesetz. Sie streifen aber da die Halfter aus, wie ein Gaul, der nicht ziehen will, und Sie zwingen uns ungläubige Thomase zu der Annahme, daß Sie die Sacke nicht können, daß Sie fürchten müssen, Ihre Popularität ich meine nicht Ihre persönliche zu verlieren. Einer Führung von Irrlichtern aber will und wird sich das deutsche Bürgertum in Stadt und Laub nicht anvertrauen und .Herr Krumm, ich glaube, sie sind viel zu menschenfreundlich, als daß Sie es uns verübeln, daß wir uns nicht in den Abgrund stürzen, auf den Sie und Ihre Parteigenosjeu uns zufiihren wollen.

Das gilt auch für Ihre so weit weggewiesene Gleichmacherei. Ich habe aus dem Lager Ihrer Anhänger schon andere Töne gehört, und ich erinnere mich auch noch, wie einst auf einem Ihrer Parteitage der alte Liebknecht gegen solche Umwandlungen um sein höheres Gehalt zu kämpfen hatte, das er nötig zu haben behauptete, um seine Kinder standesgemäß zu erziehen. Und daß Sw nicht Herr der Massen sind, hat ja Ihr sruchtloses An­kämpfen gegen den von Ihnen und anderen Führern so verurteilten Lokalbohkott kürzlich bewiesen. Wie ich schon oben gezeigt habe, haben Sie, trotzdem Ihnen letzt Ihr Aktenschrauk zur Verfügung steht, grobe

durck die Tagespresse öffentlich gerügt worden: so das leidige Zuspätkommen oder das geräusckwolle Aufbrechen vor beendeter Vorstellung. Selbst die der Gelegenheit nicht angemessene Klei­dung mancher Theaterbesuck»er ist Gegenstand der Kritik gewor- den. Was ich aber in der letzten Tristan-Aufführung in un­serer Hvfoper erlebt habe, hätte ich nie für nröglich gehalten. Ich hatte meinen Platz in der Mittelgalerie des vierten Ranges In der Reihe vor mir saßen fünf junge, englisch redende Damen, deren eine einen groben braunen Strickstrumpf mitgebracht batte und sich nun die Zeit vor Beginn der Vorstellung' mit Stricken vertrieb. Als sie ihre Arbeit auch im bereits verdunkelten Saale während des Vorspiels fortsetzte, überkam mich eine gelinde Em­pörung und ich beschloß, die Dame während der Pause auf diese Ungehörigkeit aufmerksam zu machen. Glücklicherweise hörte sie noch vor Schluß des Vorspiels auf, ließ die Arbeit auch während der Pause und des zweiten Aktes ruhen, so daß ich eine Inter­vention nicht noch für notig hielt. Da, kurz vor Beginn des wundervollen dritten Vorspiels erschien der entsetzliche Strick­strumpf wieder auf der Bildfläche. Da ich die Dame, die durch einige Plätze plan mjiri getrennt war, nicht erreichen konnte wandte ich mich an ihre gerade vor mir sitzenden Begleiterinnen mit der Bitte, sie möchten dos junge Mädcksen doch veranlassen ihr Strickzeug wegzulegen, da das entsetzlich störend sei. Ein sehr erstauntes:Warum weglegen?" war die einzige Antwort. Und nun denke man sich! Die Dame stticktc währenb des ganzen Vorspiels, sie strickte unentwegt weiter währelid des Zwiegesprächs zwischen Kurwenal und dem Hirten, sie strickte mit der' größten Seelenruhe, während Tristan seine Sehnsuchtsqualen offenbarte, und erst das Erscheinen Isoldes ließ sie in ihrer Beschäftigung innehalten. Daß mir jegliche Stimmung geraubt war, bedarf !wvhl keiner Erwähnung. Hoffentlich findet dieses Beispiel der jungen Dame Feine Racliahmung. Sonst müßte man in der Hof- vper, nach dem Beispiel eines hiesigen Damenvereins, Plakate anbringen, durch welcke die Damen aufgefordert werden, während der Vorträge aus Rücksicht auf die Vortragenden die Handarbeiten ruhen zu lassen."

<-> Kurze Nachrichten a usKun st u. Wissenschaft. Ter Berliner Magistrat bewilligte, vorbehaltlich der Zustim­mung der Stadtverordneten, für die deutsch-antarktische Erpe- drtwn des Oberleutnants Filchner 10 000 Mark. In D r es d c n nr der Wagner-Schriftsteller Professor Eduard Beuß ST?gestorben. Im Opernhaus: zu trn gongte MozartsZauberflöte" mit der von dem -^ulicn-Häseler besorgten Neueinrichtung in und mehrerer Prinzen und Prinzessinnen 9?(ül öur Aumi.hrung. Die Aufführung fand starken

BerfiUl hei dem ausverlausten Haus und dem Hof ,

Schnitzer gemacht. Dasselbe ist Ihnen auch passiert mit Ihrer Behauptung, gewisse Zitate die ich gegen Sie ins Feld geführt habe, seien nur Aussprüche einzelner Sozialdemokraten, die des­halb keinen Allgemeinwert haben sollen. In der Erwiderung gegen mich, nehmen Sie das Dr. Franksche Zitat vor.

Aber Herr Krumm, dieses Wort ist aus oem Leipziger Partei­tage gefallen und dahinter ste h t im Protokoll (Verlag des Vorwärts) als Zuruf (Sehr gut!). Das zeigt dock, daß die Gesetzgeber Ihrer Partei zustimniten. Das Kautskysche Zitat war gleichsalls keine bloße Einzelmeinung, sondern es ent­hält denselben Gedanken Ivie die noch jetzt rechtsgültige Breslauer Resolution von 1895. Ihre Berufung auf Kaul, Miquel u. a. beweisen nicht im mindesten, daß diese Männer heute auf Ihrem Boden stehen. Miquel bat diese Jugendträume in reiferem Alter als das erkannt, was sie waren Utopien. Sie suchen am Schlüsse die heutige Gesellschaft als eine Förderin selbstsüchtiger Eigenziele darzustellen und Ihre LVcltansckxumng als die V:r- körvening der wahren Nächstenliebe. Ich glaube. Sie begehen Un­recht nach beiden Seiten. Ihre eimeitige Beurteilung der be­stehenden Verhältnisse läßt Sie übersehen, was an wahrer Nächsten­liebe, nicht nur theoretische sondern auch praktischer, in Millionen von Menschenherzen wohnt, trotz allem Egoismus, lind Sie übersehen, daß Ihre Einwirkung auf die Massen nicht aus der Pflege reiner Selbstlosigkeit beruht, sondern in hohe m MaßeaufderWeckungdesVerlangensnachMehr- besitz und Mehrgenuß, also auf einer Weckung und Förderung des persönlichen Jnteressenstand- punktes. Die vielgepriesene Solidarität und Opserwilligkeit in Ihren Parteikreisen ist an sich sehr schön, sie ist aber zweifellos in den meisten Fällen ein Preis, den man einsetzt, um auch f ü r s i ck künftig mehr zu erlangen. Ihre Theorieen werden das Menscheicherz, in dem die Natur immer nur den Trieb der Sclbst- erhaltung und, der Förderung des eigenen geliebten Ich ein- pflanzt, nicht in dem Maße umwandeln, wie Sie. träumen, so loenia ober noch weniger als die erhabene christliche Lehre, ans die /sie sich berufen, mch die Lehren so vieler wohlmeinender Ethiker. In Ihrer Art, die jetzige Welt zu beurteilen, liegt eine große Gefahr, nämlich die, sich zum Pharisäer zu entwickeln. Es möge darum ein jeder zuschauen, daß er nicht nur die Splitter in des anderen Auge erforsche und dabei den Balken int eigenen Übersehe. Selbstbeobachtung und Selbstkritik die Außenwelt besorgt uns das übrige schon von selbst werden uns feber diese Gefahr hinweghelfen. Darum wollen wir alle sie fleißig üben. Die Hauptversammlung des Bundes der Landwirte.

Berlin, 20. Febr. Die Hauptversammlung des Bun­des der Landwirte wurde im Sportpalast in Anwesenheit von fast 10 000 Personen von dem Vorsitzenden Freiherrn von Waugenheim durch eine Begrüßungsansprache er­öffnet, die begeistert ausgenommen wurde und mit einem Hoch auf den Kaiser schloß. Ein Huldigungstclcgramm wurde an den Kaiser abgesandt. Rittergutsbesitzer von Hohenlohe begrüßte die Versammlung namens der Land­wirte Oesterreick)s.

Im weiteren Verlaufe betonten die Abgeordneten Roe- sicke und Hahn, es.sei dringend erforderlich, daß der Bund der Landwirte bei den nächsten Reichstaaswahlen die gesamte Linke, einschließlich der Nationalttberalen, aufs s ch ä r f st e bekämpfe. Inzwischen war ein Tele­gramm des Kaisers eingegangen, lautend:Ich danke der Generalversammlung des Bundes der Landwirte für die mir gesandte Begrüßung und wünsche, daß die von mir dem Deutschen Landwirtschaftsrat gegebenen Anregungen zum Nutzen der Landwirte ausfallen werden, gez. Wil­helm. I. R."

Ferner sprachen Chefredakteur Oertel und Abgeord­neter Oldenburg-Ianuschau, der bemerkte, es gäbe zwei Gruppen Nationalliberale, mit der einenkönnen wir halbwegs bei den Wahlen Zusammengehen, die andere habe den sozialdemokratischen Bazillus im Leibe". (Große Heiter­keit. , Rittergutsbesitzer v. B o d e l s ch wi n g h - Westfalen l adelte scharf das Verhalten der Nationalliberalen in Baden und des badischen Ministers B o d nta n, die mit den Sozial­demokraten kokettierten. Man tömie sich dann nicht wun­dern, daß an dem Begräbnis Singers zirka 150 000' Men­schen teilgenommen haben. Der Antrag, eine Reichstags­wahlkriegskasse zu fdtaffcn durch Erhebung eines Extrabei­trages in Mindesthöhe des jährlichen Mitgliedsbeitrages des Bundes wurde angenommen. Darauf wurde die Haupt­versammlung geschlossen.

Auszeichnungen für die Bergung des Unterseebootes U 3

Berlin, 20. Febr. Der Kaiser erließ nachstehenden Kabinettsbefehl an den Chef der Marinestation der Ostsee:

Im Anschluß au Meine Ordre vom 20. Januar 1911 verleihe I ch hierdurch nachbenannten Angehörigen Meiner Marine und der Verwaltung des Kaiser Wilhelm- Kanals, welche sich bei der Rettung der Besatzung und bei der Bergung des UnterseebootesU 3" teils unter Nichtachtung des eigenen Lebens riihmlichst hervor­getan haben, als Ausdruck Meiner warmen Anerkennung folgende Auszeichnung: Den Roten Adlerorden 4. Klasse dein Kapitänleutnant v. Forstner und dem Oberlotsen Freiwald, den Königlichen Kronenorden 4. Klasse am Bande der Rettungsmedaille dem Oberleut­nant z. S. Mcqe Valentiner, den Königlichen Kronen­orden 4. Klasse dem Werftinspektor Natzke von der Werft in Kiel, die Rettungsmedaille am Bande dem Tor­pedobootsmannsmaaten Friedrich Heinrich und dem Torpcdoheizer Johann Gießner, das Kreuz des All­gemeinen Ehrenzeichens dem Kommissarischen Taucher- meister To epp er vom Kaiser Wilhelm-Kanal, das All­gemeine Ehrenzeichen dem Meistersmaaten Peter I e p p sowie den Tauchern BussaeuS und Lampe vom Kaiser Wilhelm-Kanal.

2111» Hessen.

Eine neue Kündigung von Baubeamten. Die hessische Staatsbauverwaltung hat nach demDarmst. Tägl. Anz." nunmehr allen im Staats- unb Kreisdienst provisorisch verwen­deten Regierungsbauführernunb-Baumeistern aus spätestens 1. April 1912 gekündigt Es ist deshalb wohl damit zu rechnen, so schreibt das genannte Blatt weiter, daß bis dahin die geplante Neuorganisation, die eine Vereinigung des staat­lichen und kommunalen Bauwesens vorsieht, in Wirksamkeit treten soll.

Deutsches Neicb.

Diedrurddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Die Betriebseinnahmen der preußisch-hessischen Staatseisenbahnen betrugen im Januar 1911 gegen­über Januar des Vorjahres int Personenverkehr 1,8 Mil­lionen Mk. gleich 4,55 v. H., im Güterverkehr 8,5 Millionen gleicf) 8,41 v. H., insgesamt einschließlich der Mehrein­nahmen aus sonstigen Quellen 11,3 Millionen gleich 7,52 o. H. Der Januar 1911 hatte einen Festtag weniger und einen Werktag mehr, als der Januar des Vorjahres. Sei gleicher Zahl der Fest- und Werktage würde die Verkehrs­steigerung sirh im Personenverkehr auf etwa 8 Prozent, im Güterverkehr aber auf nur etwa vier Prozent gestellt haben Diese leise Abschwächung der Berkehrssteigerung im Güterverkehr bericht darauf, daß der Iamrar un Vor­

jahre bereits einen außergewöhnlich starken Verkehr gezeigt hatte.

Ausland.

Aus Glasgow wird gemeldet: Eine Versammlung der Maschinisten der ich attischen Bergwerke beschloß, den Kohlengrubenbesitzern am Mittwoch bie Arbeit zu kündigen. Die Arbeitseinstellung der Maschinisten, die die achtstündige Arbeitszeit verlangen, wird den Betrieb aller Kohlengruben Schottlands, die zusammen 95 000 Mann beschäftigen, lähmen.

Deutsche Aolonlen.

Berlin, 20. Febr. Zu der schweren Bluttat in Kamerun veröffentlicht dasTageblatt" heute eine Zu­schrift, in welcher der Vorwurf gegen die Kolonialverwaltung herausgelesen werden muß, als ob der Täter, Sekretär Kerner, wegen gewisser bedenklicher körperlicher und geistiger Eigenschaften überhaupt nicht nach den Tropen hätte hinausgeschickt werden dürfen. Demgegenüber ist das Wölfische Bureau zur Feststellung ermächtigt, daß Kerner bei der amtsärztlichen Annahme für den Kolonialdienst, bei der vorausgehenden Untersuchung als gesund und tropen­diensttauglich befunden worden ist. Auch im übrigen ergaben sich weder aus den amtlichen Aeußerungen der früheren vorgesetzten Dienstbehörden Kerners, noch aus derjenigen des Kolonialinstitutes in Hamburg, dem Kerner zur Aus­bildung überwiesen war, für die Kolonialverwaltung Be­denken gegen die Verwendung Kerners im äußeren Kolonial- dienst.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 21. Februar 1911.

** Tageskalender für Dienstag, 21. Febr.: Stadt­theater: Benefiz von Regisseur Rudolf Goll: Man soll keine Briefe schreiben. Anfang* 8 Uhr.

" Vorn Großherzoglichen Hofe. Die Groß- herzoglichen Herrschaften begaben sich gestern vormittag 8.30 Uhr im Auto nach Lich unb kehrten abends 11.30 Uhr wieder hierher zurück.

** Ordensverleihung. Der Großherzog hat dem Rechner und Schatzmeister deS LandeSkriegeroorbandeS, Hauptmann b. L. a. D. Karl Walde eker in Darmstadt, die Krone zum Ritterkreuz erster Klasse des Verdienstordens Philipps deS Großniütigen verliehen.

** Landesuniversität. Nach einer Mitteilung der Darmst. Zta. wird die Frage der Erbauung einer Klinik für Ohren-, Nasen- und Halskrankheiten int Staatsvoranschlag für 1912 ihrer Lösung entgegengeführt werdet:.

" Kreistagswahlen. Gestern und heute fanden die Wahlen zum Kreistag des Kreises Gießen statt. Gestern wurden die Vertreter der Gemeinden gewählt. ES wurden gewählt Oberbürgermeister Mecum-Gießen, Geh. Justizrat Dr. G utsleisch-Gießen, die Bürgermeister Schneider- Utphe, Dörrn er-Lich, Kreiling-Heuchelheim (dessen Gegenkandidat Ortskrankenkassenkontrolleur Beckmann-Gießen blieb um 7 Stimmen in der Minderheit), Zimme r-Grün­berg, Hor st-Nicder-Bessingen und Leun - Großen-Linden. Heute wählten die Höchstbesteuerten ihre Vertreter im Kreistags

** KaufmannSgerichtswahl. Es sei darauf aufmerksam gemacht, daß die Beisitzerwahl zum Kaufmanns, gericht am Samstag, 25. ds. Mts., in den Stunden von 6 9 Uhr abends stattfindet (nicht am Mittwoch.

** Zu der karneva.l. Veranstaltung des Turnvereins am nächsten Sonntag schreibt man uni-: Recht genußreiche Stunden stehen für kommenden Sonntag in Aussicht. Diese karneval. Veranstaltung zeichnet sich von ähnlichen bereits gebotenen Unterhaltungen dadurch aus, daß sic viel Abwechselung bietet. So bildet der erste Teil eine richtig rheinische Damensitzung, in der nur neueste Karneval-Schlager aufaetischt, Lokalsachen mit viel Humor vorgetragen und zwischendurch gern ein jchnftlich FastnachtS- l'iedcr der diesjährigen Saison gesungen werden. Viel Arbeit bedingt das vorgesehene Varrete-^roaramm. In diesem Teil werden nur für Gießen neue Sachen zur Vorführung gelangen. Täglich finden hierzu Proben statt und es bcbprf auch großer Vorbereitungen, sind doch nicht weniger aT.- etwa 75 Mitwirken de, Damen und Herren, "tätig, um das ganze Programm glatt abzuw'ickeln.

** Fast nachtsverbote. Das Polizeiamt erläßt im heutigenGieß. Anz." eine Bekanntmachung über die Aufrechterhaltung der Sicherheit und Ordnung während der Fastnachtszeit.

* Gasexplosion. Gestern abend fand in einem Nebenraume in der Stadtkirche eine Gasexplosion statt. Ein Fenster wurde zertrümmert, eine Tür beschädigt und der Kirchendiener trug leichte Verletzungen davon. Die Ursache der Explosion war, daß in dem Raume ein Gashahn ungeschlossen geblieben war.

" Schlägerei. Am Sonntag abend erschien in der Wirtschaft von Pfeil,Vater Jahn-, ein sehr stark betrunkener Herr, der nach seinen Angaben au§ Marburg gekommen war und der eine stark blutende Kopf wun de aufwies. Von dem Wirt wurde eiligst ärztliche Hilfe herbeigeholt, worauf der Verletzte von der Sanitätskolonne in die Klinik geschafft wurde. Die Verletzung hat der junge Mann bei einer Schlägerei in einer anderen Wirtschaft baoongetragen.

** Maul- unb Klauenseuche. Neue Ausbrüche der Seuche sind gemeldet aus: 1. Hummendorf, Bezirksamt Kronach Rcaierungsbezirk Oberfranken; 2. Kreuzwald, Kreis Dolchen, Be­zirk Lothringen: 3. Buschhütten, Kreis Siegen. RegierungsbezirS Arnsberg: 4. Gültlmgen, Oberamt Nagold, Württemberg.

Landkreis Gießen.

^Leihgestern, 20. Febr. Unser Ziegenzucht­verein hielt gestern abend eine gut besuchte B er sarn m- ung ab. Den Vorsitz führte Georg Langsdorf III. Land« wirtschaftskamrnerbeamter Kreutz hielt einen Vortrag über Ziegenzucht, Pflege, Haltung. Aufzucht usw. In unferm Dorfe ist die ZieAe nicht nur die Kuh des kleinen Mannes, sondern auch bte Landwirte halten immer mehr dieser nützlichen Tiere und benutzen die Milch zur Aufzucht von Schweinen. Auch für die Aufzucht von Fohlen ist die Ziegenmilch sehr vorteilhaft. Den sachlichen und inter­essanten Ausführungen des Redners stattete Lehrer Lotz )en Dank der Züchter ab.

= Lollar, 20. Febr. Auf der Militärbrieftauben- Ausstellung am 18., 19. unb 20. ds. Mts m. Wandsbek- Hamburg errang Karl Junker, Mitglied unseresMllitärbries- taubenvereins Wiedersehen"-Lollar unter großem Wettbewerb einen ersten Preis.

Kreis Büdingen.

Büdingen, 20. Febr. .Schöffengericht.) 1. Fünf orts- uni) landfremde Settier erhielte» Frecheitsswafar wegen