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21.2.1911 Erstes Blatt
 
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Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten.

Nationalliberale Wahlcrversammlungen. dcationalliberale Partei hat in

der abge- hat allein

Der Kampf im Reichrtagswahlkreir Sieben-Grünberg-Nidda.

3m Lande wogt es von Wählerversammlungen. Daß die nationalliberale Partei nach der Entscheidung des Bun­des der Landwirte nicht etwa, wie es in einem Teil der Presse hieß, die Flinte ins Korn warf, beweist wieder ein parteiamtlicher Bericht, der uns die Agitation der ver­gangenen Woche schildert. Die rechtsstehenden Parteien, einschließlich der Na.ionallibcralen, la,sen es sich angelegen jein, besonders der sozialdemokratischen Gefahr zu begeg­nen. Der hessische sozialdemokratische Führer Ulrich hat, tote wir vielfach hören, mit einem oberflächlichen Vor­trag in der Gießener Versammlung am Sams­tag nicht gerade Lorbeeren gepflückt. Es ist viel interessanter und nützlicher, die Aussprache über die Ver- staat.ichung der Produktionsmittel im sozialdemokratischen Programm zu verfolgen, wie sie durch den Gcno.sen Krumm selbst in unicrem Biatte angeregt worden ist. Auf seine Antwort in unserer Montag-Nummer melden sich heute wieder seine beiden Gegner zum Wort. Diese Auseinander­setzung hat vor ähnlichen Kumpfen in Wahlversammlungen offenbar den Vorzug, daß der Gegenstand von beiden Seilen erschöpfend, ohne doch weitschweifcnd oder un.achlich zu werden, behandelt werden faiui; wir beabsichtigen niemand das Wort abzuschneiden, auch nicht die Aussprache durch be­sondere Wählerschmerzerr und unzeitgemäße Aeußerungen unterbrechen zu lassen. Die gründliche Aufrollung vreter Fragen des soziatdcm. Zutuns tsstaates war in diesem Zu­sammenhang natürlich nrcht zu vermeiden. Aber das schaoet nichts, im Gegenteil, es ist von Nutzen, zumal die Aus­einandersetzung keine persönlichen Schärfen l at. Wir neh­men an, daß der nationall,bcrale Politiker in seiner heu­tigen Zuschrift Herrn Krumm nicht hatte verletzen wolten, indem er von' der Führung durchZrrllchter" sprach.

Redner wurden mit großer Ausmerrfamkeit angchört; vor allem aber verstand es Herr Prof. Gisevius durch seine ruhigen, sachlichen, mit großer Frische vorgetragencn Aus­führungen dos Ohr und auch die Herzen der Hörer zu ge­winnen. Das verriet der Beifall, das zeigte der Gesichts­ausdruck der Hörer, das bewiesen Aeußerungen, die die Hörer unter sich mistauschten und zuweilen offen aus­sprachen.

Die ungünstigen Wegvcrhältnifse die Chausseen waren auf den Höhen mit Eis überzogen verhinderten leider das Abhalten einiger augetündigter Versammlun­gen. Das Auto konnte aus dem Eise nicht fort. Zn einigen . Versammlungen entwickelten sich Aussprachen. Auch nahm Herr Prof. Gisevius mehrmals Gelegenheit, die Don dem Parteisekretär der Fortschrittlichen Volks Partei, Herrn Kuhlmann, in Gelnhaar ausge-

erwecken. 2. Ausländischen Studenten den Studienaufenthalt in Berlin zu erleichtern und möglichst anregend und fruchtbar zu gestalten. 3. Freundi'chafttiche Beziehungen zwischen Studmten aller Nationen zu fördern. 4. Das allgemeine Interesse an internationalen Kutturvroblemen zu verstärken. Veranstaltet wer­den zur Erreichung dieser Ziele Vorträge, Tiskussionsabende, Ausflüge, Besichtigungen nnd größere internationale Festlich­keiten: auch ist die Errichtung eines Klubhauses, einer Bib­liothek und eines Leiczimnicrs in Aussicht genommen. Ter stu­dentische Vorstand besteht aus einem Amerikaner als erstem Vor­sitzenden, einem Chinesen als Stellvertreter, einem Deutschen, einem Russen, einem Engländer, einem Südafrikaner und einent Griechen. Tic erste Versammlung hält dieser Verein am 20. Fe­bruar tm Motivhaus zu Charlottcnburg ab. Ter Direktor des Amerika-Instituts, Prof. Tr. Hugo Münstcrberg von der Harvard- Universität, wird über das ThemaTie internationalen Kulrur- beziehungen und das nationale Bewußtsein" sprechen. Zrn An­schluß daran gibt's ein geselliges Zusammensein, bei dem Ver­treter von vierzehn verschreocnen Nationen Ansprachen halten werden. Ter Internationale Srudcntenverein hielt am Montag in Berlin seine Erofinungsversammlung ab. Ter Verein nrili alle politischen und religiösen Fragen ausschalten und darnach trachten, bei den Ausländern das Verständnis für die deutsche Kultur und bei den Deutschen das für die ausländische Kultur zu fördern, Abgeordnete verschiedener Nationalitäten hielten Begrüßungsansprachen.

Ein englisches Pompeji. Kaum zwanzig eng­lische Meilen von der britischen Hauplsradr entfernt ist man mit Ausgrabungen beschäftigt, die voraussichtlich ein englisches Pompeji ans Licht fördern werden. Im Norden von London dehnte sich in alten Zeiten eine römische 3tabt, Verulam, aus, die in ihrer Ausdehnung Pompeji glcw'lommt. Die Gesellschaft bn- lischer Altertumshändler, so berichtet die Revue, hat von b.nt Besitzer des^Geländes, dem Lord Verulam, das Rccbi mcorbm, in großem Stile Ausgrabungen vorzunchmen. Tic Arbeiten hab.n bereits außerordentlich ermutigende Ergebnisse gehabt. Man Hai eine Reihe rörnisdstr Villen und Wohnhäuser freig'lcgt und darin reiche Mcrrgen von Eebrauchsgeg en ständen und Geräten a undrn, die von einer weit forrgeichrittencn Kultur Zeugnis abl.gen.

Der S t r ick st r u m p f i nT r i it a n und i o I b c'. Eine Dresdener Dame «cyreibr dem dortigenAnzeiger":Größere und Heinere Unacren deZ Thcuterpublikums find schon Mederhott

zerbiß und zerriß. Nach einer solchen Aufführung war er dann so erschöpst, daß er einige Tage lang völlig arbectsunfabig war. Besonders unruhig war er bei der Premiere des Schauspiels Adrienne Lecoudreur", das er bekanntlich der Rahel auf den Leib geschrieben hatte, der hier Gelegenheü gegeben werden sollte, in einem und demselben Stück die Macht ihres tragischen G.nies und den Reiz der modernen Salonsprache zu offenbaren, naiv- seiitimental und grauenerregend tragisch zu sein.Niemals habe ich," so erzählte später die Rachel,bei einem Dichter einen solchen Wechsel der -Stimmung beobachtet". Scriüe kam mit jeder Szene, mit jedem Akte zu mir, mir sein Werk vorzulescn. Er kam mit den Minen eines Triumphators. Er fühlte nur zu wohl, daß er baü Beste in diesem Stücke geleistet, das fe seiner Feder entflossen. Er war voller Tankbarkcit für mich, meinte wieder­holt, daß er ohne mich das Stück nicht so hätte schaffen können, obwohl ich ihm nichts raten und sagen konnte über sein Werk. 'Aber er behauptete, oaß er durch meine Kumt bei seinem Werke angeregt worden sei, daß ich ihm ohne es zu wissen, die Feder geführt habe. Und indem ich ihm Szene für Szene vorfpieltc, wuchs seine Schöpfung und fügte sich seine Gestalt ganz meinem Wesen an. Ze näher aber der Tag der Aussührung heranrückte, je mehr sank sein Mut, während der meinige wuchs. Und am Tage vor der Aussührung begann Scribe, mir Borwürre zu machen. Er behauptete, daß er, verführt durch mein Spiel, nicht so wirkungsvoll geschrieben, wie er es sonst tat und wie er es hätte tun sollen. Seine Vorwürfe waren zu schmeichelhaft, daß ich sie hätte Übelnehmen können; doch konnte ich sie nicht gelten lassen. Während der Aufführung aber steigerte seine Aufregung dtc Vorwürfe in solchem Maße, daß der sonst so liebenswürdige Autor beinahe beleidigend wurde. Als er nach dem ersten Alt aui mich zutrat, packte er meinen Arm mit solcher Gewalt, daß ich ihn schmerzvoll zurücksticß. Später, als dann der Beisall ihn überzeugte, daß er wieder einen Sieg errungen, ließ seine Aufregung etwas nach." Die Rahel erzählt noch, daß bei einem zweiten Stuck, das Scribcjm Hinblick auf ihr Talent geschrieben, ,,La Czarine", sich jene Szenen zwar wiederholten, doch in ge­ringerem Maße, und zwar in dem Grade geringer, als dies Stuck und fein Erfolg schwächer waren.

Gininternationaler Stndcntenverein" hat sich dieser Tage in Berlin gebildet. Er bezweckt: i. Aus­länd, en Studentin Verständnis für deutsche Kultur, deutschen und ausländischen StuberUeij Verständnis jus fremde Kultur

Zst es arbeiterfrcunblidi, gegen die Arbcitcrschutzgesctzc zu stimmen, weil sie angeblich nicht weit genug gingen, trotz dem sic nach bem Genossen Kampfmeycr ent? Besserstellung der deutschen Arbeüerschast nm IV* Milliarde bedeuten, und obgleich sie von der deutschen Arbeiterschast jenes Elend scrnhaltcn, das z. B. auf der schutzlosen englischen lastet?

3ft es arbeitcrireundlich, gegen Heer und Flotte zu lein?

3ft es arbeitcrfreundlich, die Kolonialpolilik zu bclämpscn, die gerabc'für unsere Webindustrie von unendlicher Bedeutung sein c§ arbeilcrsreunülich, den Schirtz der deutschen Industrie und Landwirtschast mit billigen Ausreden zu bckämpsen? Müßte nicht gerade der Arbeiter in erster Linie Hunger leiden, wenn die Konkurrenz des Auslandes unsere gewerbliche und landwirtschastliche Erzeugung zerdrückte? 3a, wären nur eilt einmal die Arbcitermassen so weit, daß sie den ticien Sinn der Schutzzollpolitik verständen, das; sie den Kulturwert eines scharf- blickenden Nationalismus begriffen, dann schlüge auch die Stunde der Internationale. Wir werden treu an der Erreichung bujed

Das tue ich und verlasse mich deshalb auf den sozialdcmokra- tischen Parteitag in Breslau. Tort wurde mit überwältigender Mehrheit eine Entschließung angenommen, daß die sozialdema- lratischc Partei den Bauern die Erhaltung ihres Privateigentums nicht garantieren könne.

Wie ist denn das gemeint?

Doch nur so, datz im Falle her Einrichtung des sozialiftifchen Zulunstsstaalcs auch das Privateigentum der Bauern aufgehoben werden muß, wie jeder kleinste Sondcrbesitz. Tas ist doch auch ganz selbstverständlich. Wie iann man denn einen sozialnlischen Staat errichten, in dem dem Einzelnen sein Eigentumgarantiert" wird? Wer das bestreitet, muß dach über die Konsequenzen des Sozialismus recht unklare Vorstellungen haben.

Die soziclldemol'ratischa Partei weiß aber ganz genau, daß sie di- politische Macht nicht erringen turnt, o h n e d a ß s i e d i eB a u e r n gewinnt. Tahcr hört man im diesmaligen Wahlkampf kein Wort vonFleischwucher" undBrotwucher". O, sie sind klug und weise! Indessen, der Fischzug wird auch jetzt nicht gelingen.

2. Die Todfallsteuer mit 2 Prozent von 2000 Mark aus­wärts (nicht mit 1 Prozent, wie Herr Krumm schreibt), ist em Pc ilagramma, das den Sozialdemokraten Pein macht. .Tenn das sieht doch schließlich auch der besteGenosse" ein, daß eine solche Steuer von 40 Mark und mehr auf einmal und nicht in Raten von siebzig Pfennigen im Jahre entrichtet werden muß, und daß es der Witwe des kleinen Mannes ganz gleichgültig fein kann, ob die oder die indirekte Steuer noch besteht oder nicht, sobald der Ernährer stirbt, und von der Nachlaßmasse Erbschafts­steuer bezahlt werden soll, obgleich in den meisten Fällen Barmittel dann laum vorhanden sind. Dazu kommt, daß die Sozialdemo- lralen beantragten zu § 39 des Erbschaftssteucrgesetzes von 1903 als Ablaß 1 voranzustellen:

Der Wert ieocr N a ch l a i; m a, | e, deren Wert voraussichtlich 1000 itausend!) Mark überfteigt, sowie die Werte der aus ihr den erbschaftssteuerpflichtigen Erwerbern zufließenden Erbanteile find vom Erbsck-astssteueramt festzu­stellen."

Sollte dieser überaus bezeichnende Antrag nickst manchen Leuten die Augen öffnen?

Undherzlich gleichgültig" soll cs fein, ob Nachlaß oder Vermögen besteuert wird, meint der svzialdemotratischL Ein­sender. O nein, die Nachlaßsteuer ist grausam, die Baroermögens- steuer diskutabel.

3. Die Sozialdemokratie sei keine Feindin der kleinen Leute, meint Herr Krumm weiter. Nun, der'Schein trügt. Ter Erb- schastssteucrantrag seiner Partei beweist das Gegenteil. Tic Ab- Ichnung der Rcichswertzuwachssteucr, die die kleinen Leute nie­mals trifft und den Veteranen helfen soll, spricht nicht für Herrn Krumm, selbst wenn er mit dem billigen Einwand der durch 18 Stimmen der Nationalliberalen erhallen gebliebenen Steuer­freiheit der Landesfürsten kommen sollte. Denn selbst wenn das Gesetz diesen Schönheitsfehler hat, durste es seiner anderen Vorzüge halber keineswegs abgclehnt werden.

Die Ablehnung der Börsen-, Automobil- und Champagner st euer durch die Sozialdemokratie darf nicht vergessen werden, ebensowenig ihr Votum gegen den Zoll auf Austern und Kaviar und ausländische Parfümerien. TicJunker" haben dafür gestimmt, obwohl sie nach sozialdemokratisch-sreisinni- gcr Meinung sich fast ausschließlich von Sekt, Austern, Hummern usw. nähren!

ICunft, Wissenschaft nnd Leben.

Ein Berlagsjubiläum. Ter weltbekannte Leipziger Verlag B. G. Teubner tann am 21. d. Mts. auf die ersten hundert Jahre seines Bestehens zurückblicken. An diesem Datum vor hundert Jahren wurde die Firma von Benad etus Gottheif Teubner durch llcbernaljmc der vis dahin von ihm geleiteten Weiuedclschcn Buckstwuckerei unter eigenem Namen gegründet. Sic entwickelte sich trotz der Kricgsercignisse rasch und gehörte bereits 1813 mit zu den grüßten Leipziger Druckereien. Die Teufnieridie Druckerei pflegte von Anfang an besonders wissenschafllichen, zunächst philo­logischen, dann auch mathematischen Satz, was für die spätere Verlagsculwicklung von Ledcuiung wurde. Dec philologische Ver­lag, der sid) inzwischru auch auf wissenschaftliche Ausgaben aus- dehnte, wurde allerdings in den 30 er Jahren durch starke Zcü- bewegungcn beiseite geschoben und Teubner versuchte es ein Zalst- zehnt mit populärer historischer und belletristischer Literatur. Aber im Jahre 1849 gestatteten ihm günstige Zcitverhältnisse, seiner Neigung für den philologischen Verlag wieder nad)3ugc()eii, und Ansang 1850 erschienen die ersten zur weltbekanntenBibliv- thcea Teudneriana" gehörigen "Ausgaben, die heuic auf etwa 250 Autoren und 550 Bünde angewachsen ist. Audi die meisten Allerswcrke. von Boeckh und zcllürcich: Arbeit en ans der Schule Rüfchls erschienen dainals, und dieser konnte fd>on 1855 aus - sprechen, daßin gcnerc phllologico der Teubner)d;c Verlag sich mii wahren Adlcrf'chlv.n^cn über alles Achnliche em vor hebt." 2urd) die Begriindung derMathemarischen Annalen" tm Jahre 1838 wird der Verlag nud? auf marhentacischsm Gebiet führend. Die. neueste Zeü, in der ein Enkel Teubners sowie zwei Urenkel an der Spitze stehen, brachte den planmäßigen Ausbau dieser Ver- lagszweigc. Hervorzuhebeu sind hier üic großen Unternehmungen des int Auftrage dec fünf deutsch:n Älodemien herausgegebcnen Thesaurus llngnae Litinac" seit 1900 und dec von den vier Aiademicn, Göllingen, Leipzig, München und Wien, unter stützt en Enchtlovädie der mathem.riiü' n Wissenschaften" seit 1898

Scribe und d i e R a hcl. Eugönc Scribe, dessen Todestag sich am 20. Februar zum 50. Male jährt, war, obwohl er mit seinen Premieren fast immer glänzende Erfolge hatte, bis an sein Lebensende voll Angst und Sorge vor 10er neuen Premiere, und in größter Auslegung u-ähreno ihrer Tauer. Es wird erzählt, daß ihn jcoc derartige Vorftellung ein Tafdientud) toüele, das er in Erwartung peinli>cher Ungewißheit des Erfolges

lau'enen Woche rüstig weiter gearbeitet. Sie am' S a m Stag und Sonntag 16 Versammlungen in der Umgebung von Orten berg und Gedern abge- halten, nachdem vorher solche in der Nähe in Annerod und Aldach mit Donnerstag vorausgegangen waren. Die hiesigen Redner wurden am Sonntag von Herrn Ober- amtsrichler Tr. Fuhr in Ortenberg und zwei auswärtigen Rednern, den Parteisekretären Ackermann nnd Tr. Brüß, unterstükt. In allen Versammlungen sprach unser un­ermüdlicher Kandidat, Herr Professor Gise- vius. Tie Versammlungen waren durchgängig sehr gut besucht; vielfach waren die Versammlungsräume überfüllt Und überall trat das Gleiche zutage: die unterstützenden

Zieles miierbeiten. .

4. Herr Krumm redet bann noch vonaus dem Zufammen- hang geriffelten Zitaten". Das ist Gcnosscnart, und Herr Krumm macht es genau wie die andern. Was da unbequem ist, wird abgeleugnet, ziirechtgestutzt oder alsaus dem Zusammenhang gerissen" bezeichnet. Ten Sozialbcmokraten hingegen ist es erlaubt, Zitate außerhalb des Zusammenhangs zu bringen. Oder liest Herr Krumm in seinen Versammlungen den ganzen Brockhaus vor? Zn den sozialdemokratischen Versammlungen da zitiert man neben dem Herrn Schulze aus Poscmuckcl oder Rawitsch den Reichskanzler Hohenlohe oder den Minister von Vodmann oder gar unsern Kaiser. Hält man ihnen dann Bis­marck und andere entgegen, so ist das natürlich aus dem Zu­sammenhang gerissen, weil es den Herren nicht paßt.

Zndessen ist auch der objektive Gegner wohl der Anfidst, daß meineZitate" innerhalb und außerhalb des Zusammen­hangs genug beweisen, nämlich, was zu beweisen war.

5.Wir versprechen nichts, wovon wir nicht die feste Heber* zeugung haben es halten zu können", sagt Herr K. von feinen Parteifreunden. So? Wie ist es denn mit dem Zukunfts- stoat mit den Zuckererbsen,bis daß die Schoten platzen"?

Verhieß nicht Bebel schon für das Jahr 1898 dengroßen Kladderadatsch"? Wie spottete doch der alte Auer über Stadt­hagen, der durchfiel, obwohl erdie Stange mit dem daran- bammelnden Endziel" vorantrug! Mögen sich die gläubigen Genossen die Zeit bis zum Erscheinen des suEünftigcn Sozial staatcs nickst gar zu lange werden lassen! Was der sozialdemo» kratischc Abgeordnete v. Elm da neulich in Hamburg über die Unfähigkeit der Massen zur Regierung und über denUnsinn des Referendums" sagte, klingt nicht sehr ermutigend. Es wird sich zeigen, wie lange der sozialistische Wechsel Kreditkraft hat.

Tr. F. Werner. *

Der nationalliberale Gegner des Herrn Srunun schreibt:

Herr Krumm hat durch seine Antwort in Nr. 45 des Gieß. Anzeigers bewiesen, daß er so fix wie liebenswürdig sein kann: aber cs hapert in dem wichtigsten Punkt der Richtigkeit. Zunächst bemängelt er meine Angaben über die Zunahme der Klein- und Mittelbetriebe, rov: denhübschen" AusdruckMittel-' betriebe". Tas ist aber der technische Ausdruck, den das kaiserliche statistische Amt anwendet. Dieses erfaßt in seiner Statistik die Kleinbetriebe (mit 15 Personen, Mittelbetriebe mit 650 Personen irnö Großbetriebe mit mehr als 50 Personen. Und deren Entwicklung hatte ich ohne genaue Angabe aller Zahlest ganz richtig dargestellt. Die Kleinbetriebe haben von 1895 bis 1907 nm 189 475 Angenommen, desgleichen die Mittelbetriebe um 76 109, die Großbetriebe unr 13044.

Sie, Herr Krumm, begehen den sd)wcren Irrtum, zu schreiben, die gesamten Betriebe in Zndustrie und Geioerbe hätten um 100 000, also um 4 Prozent abgenommen. Die WahrhciU ' ist aber eine Zunahme um 278 628. Tann meinen Sie, die : stärkere Zunahme der Lohnarbeirerschaft, eine unbestreitbare Tat­sache, drücke an sich schon aus, daß immer mehr Menschen ein ' Interesse an gemeinsamem Eigentum hätten. Diese Schluß­folgerung stützt sich bei Ihnen wohl auf Ihre Akkumulationsthevric. : Es ist auch richtig, daß unsere Wirtschaftsverhältnisse eine Reihe von Personen Gelegenheit gegeben haben und geben, sehr große

prochene Behauptung, Herr Gisevius habe das Programm >eS Bundes der Landwirte unterschrieben, als unwahr zu bezeichnen. Hört denn die Verbreitung derartiger un wahrer Gerüchte nicht endlich auf? Es wäre endlich Zeit, solche Enten nicht anzunehmen oder sie hübsch tm Stall zu lassen und den Kamps sachlich zu führen.

Zn den nächsten Tagen wird btc Wahlagitation, die sich mit jedem Tag mehr als erfolgversprechend erweist, rüstig ortgesetzt.

Erwiderungen auf die Krummsche Veröffentlichung.

Herr Dr. Werner, gegen den der Genosse Krumm zuerst seine Erwiderung gerietet halle, schreibt uns:

1. Herr Krumm meint, ick) solle cinsehen, daß es besser sei, die Haltung und Stellungnahme der sozialdemokratischen G e s a m t p a r t e i als maßgebender zu betradjten, wie meine bübidien Zitate" einzelner feiner Parteifreunde.

Nr. 44 Erster Blatt M- Jahrgang Dienstag, 2\. Kedruar M

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::oeimal monatl. Land .ff M H| B ^ff B B Chesredakteur: A. Goetz.

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