Nr. UZ Zweites Blatt
16|. Jahrgang
Erscheint tägUch mit Ausnahme be5 Sonntags.
Tie „Gießener Zamiliendlätter" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, da« „Kreisblatt fär beo Kreis Eichen" zweimal wöchentlich. Tie ..Landwirtschaftlichen Leit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Cberhesten
Aeitag, 19. Mai l9U
RotakionSdr-.rck und Verlag der Brühlfchen IlniversilatS - Buch» und Sleindruckerei.
R. Lange, Dießen.
Redaktion, Expedition und T ruderet: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: es© 51. Rcdattiomc^©! 12. ZeL-'?Ibr.:AnzeigerDießen.
hessische Zweite Kammer.
R. B. Tarmflabt, 18. Mai.
Am RegierungStlsche Staalsmintster Ewald, Finanz- Win : i Braun, Minister i> H o m b c r q f, Geheimräte W i 1 brand, Baurat Schöberl, Grubendrrektvr Schulz und Ter Aivritc Präsident Tr. 5 d) nt i 11 eröffnet die Sitzung um 9.25 Uhr. Tas Haus tritt, nachdem Finanzmintster Braun die vorgenannten technischen Regierungsvertreter dem Hause vor gestellt, sofort in die Tagesordnung ein: Beratung der Regierungs- Vorlage, betr. den
Ban einer Drikettfabrik nebst elektrischer Zentrale zur Abgabe elektrischer Energie an die Provinz £ b e r b c | f c ii auf dem staatlichen Braunkohlenbergwerk Ludwigshofsnnng in Wölfersheim.
Zuerst nimmt das Wort Finanzminister Braun: Es werde in dieser seit i»r Die Äusführnng eines wirtschaftlichen Unter n hmens ein runde Summe von 2 Mill Mark verlangt. 'JJiit einer solchen Forderung könne die Regierung nur bann kommen, nenn eteiefbe in allen Einzelheiten und in der ganzen (Hewinn- und B.rittst-Rechnung gründlich durchdacht und mit einem un anfechtbaren Material ausgestattet fei. lieber die technische Seite i ganzen Frage würden die technischen Mitarbeiter evtl, die nähet . liingen machen: er wolle sich nur aestatten, hier auf einige allgemeine Gesichtspunkte hinzuweisen. Tie Regierung sei verpflichtet, in icder Weise die größte Sparsamkeit zu üben und ans diesem Bestreben heraus sei auch die jetzige Vorlage erlvachsen. Tie Entstehttngsgeschichle des vorliegenden Projektes bi volkswirtschaftlich von größter Wichtigkeit. Dos Braunkohlen' !udwigshosfnung war seit langen Jahren ein Schmerzens lind des hessischen Staates. Als im Fahre 1897 der Antrag ans yerfnui der Grube gestellt mürbe, erfolgte bic Ablehnung des Versau'sverirages wesentlich aus volkswirtschaftlichen Grün- den. Schon damals sagte der verstorbene Abg. Köhler Langsdorf, man bütfe das Ebiclt nicht aus der Hand lassen, man könne nicht wissen, ob nicht schon in zehn Fahren die dort lagernden großen tschätz in elektrische Kraft würden umgewandelt w« den können. Tic dann unternommenen Versuche mit der Fabrikation von Preststeinen hatten bekanntlich nidit den gewünschten di Verzinsung des Anlagekapitals war außerordentlich gering. Unter diesen Umständen mußte unbedingt auf eine Aerbe rung Bedacht genoinmen werden Ter Gedanke, eine Brikett» lusnutzuna des Avhlenreichtums zu errichten, hat die tRcflierunq schon leit einer Reihe von Fahren beschäftigt, radibem sich die Braunkohlenindustrie immer mehr entwickelt hat Fn den letzten Fahren ist dann ein neues Moment hinzugelreten, das jetzt zur Entscheidung drängt: Tic Errichtung einer lieber-- landzentrale für bic Provinz Cbcrheffcn. Tic Regierung lzat dann ui zwei Dentschriften die Frage der Erbauung einer Brikett- ’.ibtit erörtert und cinqelrnb die Vorteile dargetan, die dem Staat daraus erwachsen würden Tic eingeltende und gewissen 1 aste Rentabilitätsberechnung stellt sich äußerst günstig^ und bic Abnahme der Fabrikate darf als gesichert gelten. Schon bic Biikettfabrik an sich wurde sich reckt gut rentieren und durch di- Verbindung dieses Projektes mit der Errichtung einer elek irisch.ii Ucberlandzentrale würde dessen Wirtschastlichkeit direkt garantiert werden. Dadurch würde selbst bei schwankender Konjunktur aus dem .stohlenmarkt für den Staat ein gewisser Ausgleich flcfdiaffcu werden. Ter Minister erklärte, er sei überzeugt, daß nck wohl schwerlich wieder einmal eine so günstige (■Mcgcnheit für den Staat bieten werde, wie bas auch in den Trncksachcn zu der Vorlage des -liäheren dargelegt werde. Tic Provinz Ebcrl-csfen habe au di erklärt, baß sie nur mit dem Staate arbeiten wolle und daß sie eme schleunige Entscheidung hcrbcijüliren müsse. Er könne trog der ,a gestehenden Abneigung g.aeu industrielle Unternehmungen des Staates und trotz des rforderlichen großen Kapitals tue Tiirdiiiibrung des vorgefcklage- iun Projektes nur anss tv ärmste empfehlen, denn im Hinblick auf bi: guten Materialien und das günttige Absatzgebiet sei auck eine gute Rentabilität gesichert. Man dürfe nickt zugeben, dar, t,ßA jincrf in die Hande von Privatleuteii komme, sondern ntüne darauf bestehen, baß es in Staalsrcgie bleibe Audi der Reicks- idinier (xibc ans dem Deutschen Handelstag in Heidelberg das Wort gebrochen: Mehr kaittmannifchen Geist in den öffentlichen Zunänbcn' Tie hesfifche Regierung habe diesen Grundsatz 1 ebenso, l.s zur Richtschnur genommen und sie hoffe, daß ihr das Haus auf diesem Wege folgen werde und daß die Volksvertretung bic Regierung hier nicht in ähnlicher Weife im Stich lassen werde, wie bet der Vorlage des großzügigen Kulturplans über den Vogelsberg (Beifall.
Abg. Ulrich wendet fiel als Ausscstußverickteistatter zunichit gegen den inzlvisckwn eingebradtten nattonalliberalen Antrag, die Britelisabril mit elektrischer Zentrale und den Betrieb der Grube Wölfersheim an eine Aktiengesellschaft zu übertragen und die Regierung an einer solchen zu beteiligen. Tiefer Antrag habe dem Ausschuß nickt Vorgelegen und würde auch wahrscheinlich abgelehnt worben jein. Teil Einfluß von Privatspekulanten, die neben der Regierung Altwnäre sein würden, halte er für «ehr gi'dhrltüi. Er emvsehle der Regierung, mehr lainnanniichc ^rib» ständig leit und müsse sich gegen tobe Ausbeutung der im Boden lagernden Sckzätzc durch Prwatversonen emschieben verwahren. 'JLufgabe des Staates sei cs, solck,e Sckätzc and) un Fnterene des Staates auszunützen Turck den Antrag der national liberalen Partei dokumentiere diese, daß sic sich auf den Ltandpunkt des kapitalistischen Au.ckcnteus stelle. Oho' S,c wolle das ganze nur „verlirscken ' und da ihr bas ntdit gelingen werbe, üerhtidK hc die Hälfte. Fm Ausschuß sei die Sicherheit, gegel^n worden, das; sich die Erfahrungen, die man mit der Preßneinsabril machte, jetzt nicht wiederholen mürben. Der Rebner fuhrt ivciter aus, cs iei durch die angeitclltcn Bohrungen festgestellt worden, bah vollkommen genügend das Rohmaterial für bic Brikcttfabnk vorhanden fei Tic Rentabilitätsberechnung der Regierung burre man nickt ui Zweifel ziehen: sie habe im Anlagekapiial lorojibl mü Abbau wie mit Aufbau gerechnet und beides genchert. .Ltr Alusschuß habe schon irüber den Ucbcrgang zur Bnketttabrikaiion empfohlen und nun sei endlich eine solcku' Vorlage eingebrachk. Es seien aber auch vor der Einbringung nut den neuesten Maschinen Versuche angestellt worden, die durchaus bcfriebigcnb waren. Man werde allerdings auck) mit der üonhurrenz redmen müuen und dc-'nalb sei es notwendig, der Regierung in der Leitung des ganzen Geschäftes freie Hand zu lassen, wu nc jeber Direktor einer Attiengesellschcht besitzt. Zur BrikcttrabrU gehöre unb^ dingt eine elektrische Zentrale und schon, iwu bic Provinz Eber» Hessen daraus 700 OOU Kilowatt daraus entnetmten wolle, büre man sich nicht dazu ncrüebtn', die 'Brifeitfabrif an eine Africn- seiclljdmft abzutreten. Eberheffcn wolle ja aus eigenen Mitteln whrlicki 30000 Mark für die <rn±c oprern, und das müsse doch and) in Betracht gezogen werden. Das Braunkohlcnlager sei an gesetzt v--Ä 390 000 Mark und hieran' '"ocfulteitcn bie Privatleute, denn dieser Ansatz fei so niedrig, baß bic AtticngescUschaft den Wert Des Braunkohlenbestandes sofort auf 1 200 000 'Start fest- setzen würbe, beim der Bestand sei in Wirklichkeit mehr als 300 Millionen Hektoliter. Wenn Privatleute bedeutend mehr zahlen wollten, als angesctzt fei, fo werde damit der Beweis erbracht, daß Brilettsabrrk und Zentrale eine rentable Lache seien. Es wäre eine Sünde und Schande, roenn man setzt das ganze preis- geben wollte, weil man mit der Preßsteinsabrikatton üble Er
fahrungen flcnradit bot: auch der Fradnvorfprung von 1,50 von der Konkurreiiz komme bod) febr wefentlick in Betracht Dies 'viele bei Ma'fenbezogen eine große Rolle Ter Reoner weist dann ziffernmäßig die voraussichtliche Rentabilität an der Hand der Rciperungsvorlage nach und sucht die außerordentlich gun ■ stige Gestaltung des ganzen Proiekies näher barzutun. T<n Antrag Tr Cfann und Genossen bittet er jedenfalls abzulehnen.
Abg M o l t b a n führt aus, daß er und seine Freunde sehr wesentliche Bedenken gegen bic Vorlage hätten Das wirtschaftliche Fnteresse der Provinz Ebrrbenen trete hier in den Vordergrund Es sei auck hervorgeboben worden, baß bic Grude damals nicht an bie fürstliche Familie Solms-Braunfels verkamt wurde. Heute sei diei'e Familie froh, daß sie bic Grube nickt übernommen habe Ter BcrgweriSbäsitz fei im allgemeinen e in ^r echt problematischer Es sei schon mit dem Kohlenbergwerk Ltackhcim ein großer Fehler gemacht worden, wohl der größte, der dem früheren Finanzminister Gnaulh zur ' werden könne Ter Eintrag
Tr. Efann und Genoffcn bezw«^e ia wo dl nur, das Rifiko vorn Staate auf eine Atticngescllschait abzuwälzen. Wenn auck Abg. Ulrich meine, man dürfe die Zahlen der Regierung nickt bezweifeln, so könne er sich bet Zweifel darüber dock nickst entheben. Es habe gerade in letzter Zeit auf dem Kohlenmarkt eine große Preisbrückerei statt gefunden und eine solche Erfahr muffe bod) auch in Betracht gezogen werden. Er sei überzeugt, daß nur emc Verauicknng der Brikettfabrik mit der Licht- und utaft zentrale der Regierung eine Maiorilat für die Vorlage sichere. Ter Redner ist weiter nickt bannt einverstanden, daß bie Provinz rberbafen bis zu 40 Prozent zur Garantie herangezogen werde. Wenn er mit seinen Frcundeil trotzdem für bic Vorlage stimmen werbe, so Iniipfc sie daran bie Bedingung, baß bei dem Unternelimeii nicht nur ein technischer, sondern auch cm klauftnanmscher Leiter angcftcllt werde. Der Redner bringt daher namens seiner Partei folgenden Antrag ein: .
„Hohe Karniner wolle Großh. Regierung cnudien, bei Errichtung der Brikettfabrik und der Ueberlanbzentrale durch bic Anstellimg eines zweiten kaufmännischen Direktors sowie durch getrennte Buchführung und Bilanz für bic einzelnen -teile des Gcfomtimtcrnehmcns eine größere Garantie für die Rentabilität der staatlichen Aufwendungen zu schäften."
Abg. Köhler Worms wendet sich gegen bic Bemerkung des Abg. lllridi, baß dieser ihm vorgeworfen habe, feit feinem! Erscheinen in der nationalliberalen Fraktion hätte die Heranziehung des Prioaklapitals einen neuen Stünpiinkt gefunden. Der Redner wendet sich weiter gegen die Ausführungen des Abg. Ulrich und führt aus, daß bic Gefahr vorliegt, wenn bic Vorlage ohne weiteres angenommen wirb. Bei ber allgemein ge- nünsckten Sparsamteit müsse man fick auck davor schützen, daß dnrck em neue« Projekt neue Kosten erwachsen können. Ter Redner führt zum Beweis bic Grube Ludwigshofmung an. Früher hieß es nick' Briketts, sondern Preßsteine. Heute heißt es uingclehrt. Tic Regierung hätte bei der Aufstellung der Ren- labUität sehr hohe Zahlen angegeben. '?Lud) von Volkswirtschaft > licker Hinsicht müsse hier anders gedacht werden als in Preußen, ii-ic bic Vorlaae ausführt. Fn Preußen hanbele es sich um Kohle, hier aber mir Brauntohle und das sei doch ein großer Unterschieb. Er halte aum die Fabrilalwn mit 4 Pressen für zu wenig, denn in Köln würde mit über 200 Pressen gearbeitet. Es könne leicht icdes große Unternehmen bas kleine hessische erdrücken. Tic Rechnung, die durch die Regrerungssachperständlgen aufgestellt! sei, lasse bic Einnahmen fehlen und deshalb kann auch die Rentabilität lcinesfalls garantiert werden. Man könne sich auch nickt an' die Städte berufen, denn diese hätten ein Monopol und bas sei etwas ganz anderes. Er glaube nicht, daß der Staat in der Lage ist, mit einem Privatunternehmen zu lonfurricrni, wenn letzteres oas Staatsumernehmen ausschalten will und diese Gefahr sei nicht zu unterschätzen. Turck die Licht und .Kraft- zeittralc werde ja die Gefahr etwas ausgeglichen, aber ein großer Teil der Bedeuten bleibe bestehen Gelingt es nicht für die Briketts Absatz zu sinden, dann wiederholt fick die Sorge wie mir bcu Preßsteinen. Ebne bic Zentrale brächte bie Regierung die Brikettfabrik fickur nickst durch. Eine Sidnnnng, daß Eber- Hessen mir Elelrrizität versorgt nerbc, sei cntidjicbcn der Anttag Eiann Herr Abg. Ulrich hat sicher den Antrag Esann nicht richtig verstanden, denn biejer Antrag ändere den Ausschuß. Antrag nickt, wildern dies sei nur ein Zufay-Antrag. Der Redner erläutert diesen Antrag näher und empfiehlt die An- nähme desselben: er glaube, daß auf diesem Wege am meisten erreicht werde. Znm Antrag Molthan hält es der Redner nicht für zulässig, der Regierung diesdcziiglickc Vorschriften zu macken. Audi die getrennte Buchführung halte ber Rebner nicht für zweckmäßig Zn gewissem Sinne decke sich der Antrag Molthan mit bem Anträge Esann, denn beide wollen eme kaufmännische Eber* Icirung. Febenfalls müsse die Provinz Eberhefsen mit heran- gezogen tverben, ixenn diese hätte das allergrößte Interesse an dem Unternehmen. Auck feine Partei hätte den Wunsch, Eber* Hessen mit ber Lichtzentrale entgegeniufommen.
F-i mm Minister Braun gibt die Stellung der Regierung zu den beiden Anträgen bekannt und zwar sind bic Bedenken, bic ber Antrag Esann herDorgerufcn bot, durch die Ausführungen des Ab i. Köhler beseitigt, denn letzt soll bic Regierung nur er* sucht und nickt ermächtigt werden, cd. mit einer Aktiengesellschaft in Verbindung zu treten; aber cs sei doch wohl nicht unbedingt eine solche Aktiengesellschaft, »onbern cs könne and) eine andere Form der Intcreifengemeini'chaft gewählt werden. Aehnlick sei cs mit dem Anträge Molthan Auch hier soll die Regierung nickt gezwungen, sondern, nur ersucht merben, das Unternehmen laufmäiini'ck leiten zu lassen.
Moltbap erhärt bic Auffassung der Regierung für durchaus richtig. .
Banrat Scköbcrt |teilt den -Ltandpuurt der Regierung in tccknii'ckter Hinsicht fest. . ,
Sckluß ber Sitzung 1 Uhr. Nächste Sitzung: j-rntag den 19. Mai, vornrittags 9 Uhr.
2lus bett Hetthstagsausjd)üÄen.
:: Berlin, 18. Mai.
Der Reichsverftcherungsausschuß
begann heute die Berattrng des Einführungsgesetzes. Eine Reibe von Uebcrgangsbcftimriuingen, insbesondere soweit bic Ber- sickerungsbehörden in Bctrackt kommen, erhalten durch Annahme von Anträgen des Hauvtberickrtrstatters ilber bic Rcichsvcr^ sicherungsordnung, Tr. Drocichcr ÜonL), zum Teil eine andere Fassung. Beim Arttkcl 9 wird bestimmt, daß auf Anttag beteiligter .'Krankenkassen das Persicherungsamt anorbnoi kann, daß zu seiner Beschlußfassung über die Herstellung uns Aen derung der äußeren und inneren Berfasi'ung der Krankenkassen bcjonbctc Vertreter der Arbeitgeber und ber Versicherten in gleicher Zahl gewählt werben. Rack Artikel 12 tritt bas Eberoersicherungs» amt in Rechten und Pflichten an bie Stelle des Schiedsgerichts für Arbeiteroerficherung. Nach Artikel 13 hat die Bersichcrungs- anstalt dem Eberoerfuherungsamte die Beamten, die sic dem Schiedsgerichte für Arbeitervcrsicherung zur Verfügung gestellt hat, noch für 5 Fahre zu belassen.
Auf Anfrage von sortschritttichcr Scuc, unter welchen Voraussetzungen Normen und Garantien die Uebernahmo ber bislang bei ben Schiedsgerichten beschäftigten Kommunalbeamten auf bie Eberoeriichcrungsämter erfolgen solle, crElärt ber Vertreter des
preußischen Finanzminister-, daß die Verhandlungcii hierüber noch nicht abgeschloisen sind. Tic Frist im Artikel 18 wird auf na- tionalhbcralcn Antrag auf drei Fahre, 31. Dezember 1914. bemessen Artikel 16, der von ber Verschmelzung bestellender Krankenkassen zu einer handelt, erhalt auf Antrag Droescker in der entscheidenden Bestimmung folgende Fassung
„Umfaßt der Mitgliederkreis einer flcmcnnimcit Eitskranken- faifc bereits einen großen Teil bei nach bem Nrankcnpersichcriings- gesetz Enskasfciivflicktigcn des Bezirkes, so kann mit Genehmigung des Ebcrversickcrungsamts diei'e Kaffe zur allgemeinen Erts- krankenkassc ausgestaltet werden."
Die Beratung der a i f c n b c i m t c n b i c n fr o r b n u n g wird vorerst ausgesetzt Artikel 33, wonach Vertragt Verhältnisse, bic bei Inkrafttreten brr Reicksverfickcrungsordni i>g zwischen Kassen imb Aeriten bestehen, spätesten- md> fünf Fab n ei wird gestrichen, Rack 34 werden laiidesrccktliche Varschriften, die den Ticnirbcred)tigtcii zur Sorge für Kur und Pflege des erkrankten Gesindes ocrpflicktcii, aufgehoben, soweit bie Landesregierung sie nicht aii-.'drücklick aufrecht erhält Auf fortschrittlichen Antrag bleibt die Bestiirmung des Jj 464 ber Reicks- vcrfickcnmgsorbnung habet vorbelwlten, wonach das .'tranfen- gelb ruf den bem Dienstboten während der KranN.eit weiter- zuzahlenbeu Lolm angcrcchnrt werben kann. Freitag: Weiter- beratung.
Ter Budgelausschnh
ctzte heute bic Beratung des GesetzcntwursS betreffend die Tagegelder, Fahr- und Umzugskosten der kolonial- beamten fort. Vorn Zentrum wird vorgeschlagen, nur die tatsächlich gemachten Ausgaben zu vergüten, d n. die Fahr kosten mit einem prozentualen Zuschlag Von der Regierung- wirb zahlenmäßig barpclcgt, daß bic Bezüge der Beamten nackt Billigkeit bemessen seien und bic tatsächlichen Ausgaben nur unerheblich überschreiten Der Vorsitzende halt bic Vorlage einer Uebcrsicht über bic wichtigsten Routen und bic bafür zu zahlenden Entsckäbigungen für wünschenswert. Ter Schatzsekretär stellt solche Tabellen in Aussicht Der neue Antrag bringe in bic Ent- schäbigungssrage eine gewisse Ungleichheit hinein, da bic Erntens in Betracht komme, mit der die Bcsörbcrnngsmittel au»» gestattet sind.
Von fortschrittlicher Seite wird die Vertagung der Verhandlung empfohlen, bis die gewünschten Unterlagen gegeben sind. Psennigfuchserci dürfe nicht getrieben werden. Ter HentrumS- antrag roirb von konservativer Seite befürwortet, .stleine Unterschiede dürften keine Rolle spielen. Die verwickelten Inlands« Vorschriften seien für Auslandsreisen nicht erforderlich
Tas Eraebnis der Aussprache ist die grundsätzliche Zustim1 mung des Ausschusses zum Zentrumsantrage. Der Ausschuß steht den weiteren Vorschlägen der Regierung entgegen.
Ter Schiffahrtöabgabenaußschusl
führte heute bic er ft c Lesung ber Vorlage z u Enbe uirb am nächsten Mittwoch die zweite Lesung beginnen.
Ein "."iura i der Bolkspartei, der > ui Reichsbehörde un die Feststellung des burd> Schissahrtsabgaben gedeckten Anteils der HersteNungs und Unterhaltungskosten c>,, Wasserstraßen schaffen wollte, wurde abgelehnt. Die in einer der trüberen Sitzungen von dem Ministerialdirektor Peters gemachte Mitteilung, daß 1896 Ecftcrrcid) beabsichtigt habe, auch Abgaben aus bei zu kancilisiercnben österreichischen Elbltreckc cinzusühren, bezeichnete em anberer Vertreter ber verbünbeten Regierungen als itiimögltdi. Ter Zeitpunkt für das Fnkrasttteten bcs Gesetzes soll durch kaiserliche.Verordnung mit Zustimmung des Bundesrats sestgesetzt werden.
Der Ausschuß gegen die Kurpfuscher
erledigte heute die mehrtägige Aussprache über die zu 5 3 gestellte Frage, ob bic Tierknrpf nschnrei IN bas >lurpsuscher- geietz mit cinbezogen werben solle. Die Auslassungen hierüber blieben nach wie vor geteilt Rcucs ergab auch die heutige Ausiptache nicht. Man einigte sich schließlich auf Vorschlag des Ministerialbirektors Tr. v. Foncguicrcs dahin, bic Frage nm- zukehren unb sie so zu fassen: Sollen bie Tiere von ber durch bas Gesetz zu tressenden Regelung ausgeschlossen werden? Diese Frage wurde verneint. Durch diese Umkehrung soll eine Bindung der Ausschußmitglieder auf die bereits beschloßenen Etnzclbestim- mungen hlmtchtlich ber Ticrbchanblnng vcrmiebcn werben.
Am Dienstag, 23. Mai, beginnt bic Beratung des wichtigen $ 6, bet bic sogenannten Markenartikel, Vorbeugungsmittcl vsw. betrifft.___________________________________________________________________
Sitzung der Stadtverordneten.
Gießen, 18. Mai.
Anw eiend: Ebcrbürgernnificr Mecum: die Beigeordneten': Keller und Emmetius, die Stadtverordneten: Tr. Edel, Eichenauer, Faber, Gabriel, Grünewald, Habenicht, Heichelheim, Helfrich, Huhn, Fann, Fughardt, strnmm, Leck, Löber, Loos, Erdig, Petri, Plank, Tr. Schäfer, Schiftstaeot, Simon, Tr. Sommer, Troß, Urstadt, Vetters, Wallenfels, Tr. Wimmenauer, Winn.
Mitteilungen.
Von einem Fngenicur m Treiben ist Material ringegangen, wie sich das Deutsche Rrich billiges Geld verschaffen könne Heiterkeit). tl
Baugesuche.
Ein Baugefuch von Al'red T ö p e l m a n n , der Snd-Anlage 5 den Kniestock des Gartenhauses als Stock ausbaucn will, wird befürwortet.
L. Borngäsfer will an seinem Rcilbau^Ecke der Rob- heimer und der tttoiboria 5trage das oberste Stockwerk in geschienenem Fachwerk ausführen, sowie Erker und Bolkonc an* bringen. Ttc Versammlung ist damit einveritanden
-.'luch das Gesuch des ($efo. Kommerzienrats Gail um Genehmigung zur Einlage einer Holz-Einfriedigung und Errichtung einer Gartenhallc in der Neustadt findet (venehmigiing.
Eine Ernsriedigung m Hol; will auch Ehr Schmidt II. an seinem Grundstück in bet Gutenbergstraßc anbringen, was genehmigt wird.
Städtische Straßes- unb (Stuabstücksangelegeuheilen.
Hutiabrikanr Schuchardt will das Grundsnick Wolkengasse 16, oas er kürzlich erworben hat, cntwö'sern. Tic Versammlung stimmt bem zu.
Auch dem Ansckluß des Hauses Est-Anlage 37 Dr. Klein an das elektrische Kabelnctz wird zugeftimmt.
Tas Telcgraphcnamr will Telegraphen- und Jyern» sprecklcitiingen m der Marburger uno in der Frankfurter Straß: uniericbifd) verlegen Tic Stadt übernimmt, wie früher, Die Wiederherstellung ber Straßen uno zwar zu gegen damals etwas erhöhten Preisen.
150 Quadratmeter Gelände am städtischen Lchlachthoi, bic für sonstige Zwecke ntchi benötigt stnd, werden an Moses Keßler ;um Packtprerse von jährlich 6 Mark verpachtet Keßler will dort seine Transportwagen unterbringen
Wegen der Fußwcguntcrführuny unter der ober- Heimchen Eisenbati i m Zuge der Ebelstraß' roueöe mit der Eiienbatmverwaltunci rin Vertrag abgeschlossen, der genehmigt wird. Der Verttag >iehr u. a. eine von der Stadt zu zahlende Anerkennungsgebühr von 12 Mark und Zahlung von 1500 Pcark an die Bahn für die Umethalmngskosten vor.


