Sladtv.'W alten fet§ bemerrt, manUe dortTÄHer"freiwillig einen Uebergang über die Bahn aufgegeben und jetzt müsse man für die Wiedererlangung dieses Rechts noch finanzielle Opfer bringen.
Stadtv. Simon ist der Ansicht, bloß an der Gelnhäufer Strecke habe man früher einen Uebergang gehabt, aber nicht an der Linie Gießen—Fulda.
.Stadtv. Wallenfels widerspricht dem.
Die alte Klinik.
Die vom Stadtv. Labe nicht angeregte Besichtigung der alten Klinik hat vor 8 Tagen stattgefunden. Fast alle anwesenden Stadtverordneten haben sich dabei überzeugt, daß die Räume für die Unterbringung der städtischen Aemter wohl geeignet sind. Da aber Beigeordn. Georgi, der ein Gegner dieser Verwendungsart ist, heute nicht anwesend fein kann, schlägt der Vorsitzende Vertagung vor.
Stadtv. Krumm ift mit der Vertagung einverstanden, schlägt aber vor, man solle versuchen, die Klinik zu verkaufen.
Stadw. Wallenfels hält die Angelegenheit für wichtig genug, daß alle Mitglieder der Versammlung bei der Beschlußfassung zugegen sein sollten. Man solle den Verhandlungstag zeitig beftimmen, damit sich jeder danach einrichten könne. Dasselbe gelte von dem Antrag auf Errichtung eines städtischen Fuhrparkes.
Stadtv. W i n n hat schon früher angeregt, die Klinik zu verkaufen. Wenn dies möglich sei, solle man es tun.
Stadtv. Jann fragt ebenfalls, warum man die Klinik nicht verkaufen wolle. Ihm sei mitgeteilt worden, ein Agent habe schon recht ansehnlich darauf geboten.
Wie der Vorsitzende mitteilt, habe ein Agent allerdings im Auftrag eines Konsortiums bei ihm angefragt, aber ein Gebot habe er nicht gemacht. Er habe dem Agenten gesagt, er möge eine Skizze bringen, wie das Konsortium das Gelände verwerten wolle; daraufhin sei aber der Agent nicht wiedergekommen.
Stadtv. Eichenauer ist der Meinung, daß man im Falle des Verkaufs daraus sehen müsse, daß der Eingang zur Stadt nicht verschandelt wird.
Der Vorsitzende ist auch der Ansicht, daß die Stadt sich ausbehalten müsse bei einem Verkauf, in welcher Weise das Grundstück bebaut werden dürfe. Man ]oUe zur Festsetzung der Bedingungen die Sache an die Baudeputation verweisen.
Stadtv. Winn steht auf dem Standpunkt, daß bei einem Verkauf der Vorgarten erhalten bleiben muß.
Stadt. Heichelheim fragt, auf welcher Basis man zur Bemessung des Grundstückspreises von 40 Mk. für den Quadratmeter gekommen sei.
Der Vorsitzende erwidert, an der Straße sei das Gelände wohl so viel wert, nach der Bahn zu aber vielleicht bloß 20 Mark.
Stadtv. Habenichtist zwar für die Vertagung, möchte aber die Sache beschleunigt haben. Es sei wohl nicht anzunehmen, daß die 300 Unterzeichner der Eingabe gegen die Verlegung der städtischen Aemter den der Stadt entstehenden Zinsverlust vergüten würden.
Stadtv. L ö b e r erklärt, er habe zwar bei der Besichtigung gegen die Verlegung gesprochen, an der in der Bürgerschaft entstandenen Erregung habe er aber feinen Anteil.
Dem .Vertagungsantrag wird zugestimmt.
Bebauungspläne.
Eine in dem Bebauungsplan für das Gelände zwischen Mittelweg und Veterinärflinik früher vorgesehene Straße ist in einer früheren Sitzung wegen des von Oskar Gutmann erhobenen Einspruchs fallen gelassen worden. Das Ministerium wünscht, daß die Versammlung nochmals zu der Sache Stellung nimmt. Tie Versammlung beschließt aber, keinen neuen Beschluß in der Sache zu fassen.
Zu dem Bebauungsplan am Justizpalast liegt jetzt ein von dem Geh. Oberbaurat Hofmann in Darmstadt gemachter Vorschlag vor, mit dem die Bebauungsdeputation einverstanden ist. Danach sollen die beiden Seitenflügel des Justizgebäudes 4 Meter vor die Baufluchtlinie gebaut werden. Die verbleibenden 4 Meter der Vorgartenbreite sollen zum Bürgersteig, der dadurch 7 Meter breit wird, genommen und mit einigen Lindenbäumen bepflanzt werden.
Stadtv. Grünewald ift zwar der Ansicht, daß es zu spät fei, Einwendungen gegen die Einrichtung des Gebäudes an jener Stelle und in der vorgesehenen Form zu erheben. Er wolle aber trotzdem seiner Ansicht Ausdruck verleihen, daß man das Gebäude in Verbindung mit dem bestehenden Justizgebäude hätte bringen müssen. Der Verkehr an den einzelnen Gerichten werde zeitraubend, wenn man sich erst anziehen müsse, um von einem zum anderen Gebäude zu gelangen. Man hätte gewiß dasselbe durch einen Anbau an das vorhandene Gebäude erreichen können.
Ter Vorsitzende entgegnet, der Plan einer Verbindung beider Gebäude durch einen Gang sei vorgesehen.
Stadtv. Winn ist nicht gegen das Projekt und wünscht, daß man in Zukunft auch anderen Leuten derartige Erleichterungen gewähre.
Stadtv. L ö b c r möchte die Ansicht des Stadtv. Grünewald nicht unwidersprochen lassen. Andere Leute hätten den gewählten Platz für den richtigen gehalten, z. B. Stadtv. Dr. Gutfleisch, die Regierung, die Kammer und namentlich der frühere Oberbürgermeister Gnauth. Auch Gewerbetreibende müßten manchmal ihre Arbeitskleidung ablegen, um an einer anderen Stelle dann weiterzuarbeiten.
Die Versammlung stimmt der neuen Regelung zu, Errichtung eines städtischen Fuhrparks.
Der Vorsitzende führt aus, beim Brand der Villa Kempff habe sich gezeigt, daß unsere Löfcheinrichtungen unzulänglich feien. Die Feuerwehrleute sollten in solchen Fällen die Spritzen nicht selbst ziehen, aber die Bespannung habe auch versagt, sie sei viel zu spät gekommen. Man müsse eine eigene Pferdebespannung haben, da der Automobilbetrieb hier, wo man feine Berufsfeuerwehr habe, im gegebenen Augenblick leicht versagen könne, da die Autos sachgemäß und sorgfältig behandelt werden müßten. Erforderlich sei die Beschaffung eines Mannschaftswagens. Das Gerätehaus am Brandplatz fei zu klein und jetzt schon überfüllt. Außerdem lasse seine Lage ein schnelles Abfahren nicht zu. Man solle das Feuerwehrdepot an Oswalds Garten verlegen. Bei Ankauf der Eulerschen Besitzung hätten manche schon daran gedacht, hier später den städtischen Fuhrpark einzurichten. Für jetzt genüge es, 4—6 Pferde dort unterzubringen und in der Nähe die für zwei bis drei Geräte notwendigen Leute unterzubringen. Es sei zunächst also ein Stall und die Wohnungen für die Leute zu erbauen. Die Pferde könnten am Tage arbeiten. Tie Frage, ob man selbst Pferde anschaffen oder mit einem Unternehmer einen entsprechenden Vertrag abschließen solle, könne man für heute offen lassen. Für heute solle man nur dem Antrag zustimmen, daß die Baudeputation in anderen Städten persönlich Erkundigungen über die gemachten Erfahrungen einziehe.
Stadtv. L ö b e r ist der Ansicht, man müsse der Baudepu- tation genaue Direktiven geben, was man wolle, sonst habe man rasch den Anfang zu einem eigenen Fuhrpark, den er bekämpfe. Wenn man bei dem letzten Brand die vorgeschlagene Einrichtung schon gehabt hätte, wäre die Sache doch nicht anders verlaufen. Taß das Gebäude am Brandplatz zu klein sei, gebe er zu, aber die rasche Abfahrt von dort sei möglich.
Stadtv. Winn unterstützt den gestellten Antrag Und möchte die Frage der Einführung von Autospriyen doch geprüft haben. Vor einem städtischen Fuhrpark wolle er warnen. Man solle die Sache an öinen Unternehmer vergeben. Vielleicht könne man die alte Hofreite an der Marburger Straße benutzen.
Stadtv. Troß würde letzteres nicht für günstig halten und fragt, warum gerade die Baudeputation die Erkundigungen ein- zieyen solle.
Der Vorsitzende erwidert, dies geschehe, weil ihr das Feuerlöschwesen unterstellt sei.
Stadtv. Wallenfels verweist auf die frühere Einrichtung, mit mehreren Fuhrleuten .Verträge abzuschließen und dem ersten
am Platz erscheinenden"Prämten zu bezahlen. Er sei'gegen'die Errichtung eines Fuhrparks. Angesichts der für die nächste Zeit zu erwartenden besonderen Ausgaben und .Ausfälle (Londorf— Lollarer Bahn, Kliniksvertrag usw.) müsse man sparen, damit eine Steuererhöhung vermieden werde.
Der Vorsitzende macht daraus aufmerksam, daß die Errichtung eines städtischen Fuhrparks heute nicht in Frage komme.
Stadtv. Dr. Schäfer unterstützt den heute gestellten Antrag. Das sei der einzige Weg, zu Verbesserungen zu kommen.
Stadtv. Heichelheim regt an, daß der heute zu wählende neue Branddirektor sich an den Informationsreisen beteiligen solle.
Stadtv. Gabriel möchte eine bessere Alarmierung eingeführt haben und empfiehlt den Automobilbetrieb.
Stadw. Krumm ift der Ansicht, bis jetzt hätten sich fast nur die Angstmacher hören lassen. Rücksicht auf die kleinen Fuhrunternehmer brauche man nicht zu nehmen, da sie ja jetzt schon bet den städtischen Fuhren zugunsten eines einzigen ausgeschaltet seien. Es sei selbstverständlich, daß man alles tun müsse, um auf dem Gebiet des Feuerlöschwesens die allerbesten Einrichtungen zu haben. Wenn der letzte Brand in einem enggebauten Stadtteil ausgebrochen wäre, hätte ein großes Unglück entstehen müssen.
Stadtv. Petri stellt fest, daß eine Vermehrung der Feuerlöschgerätschaften nicht notwendig sei und bespricht die Frage, inwieweit die einzelnen Geräte fahrbar zu machen seien. Jedenfalls müsse die Möglichkeit geschaffen werden, daß die Mannschaften so rasch wie möglich zum Brandplatz kämen.
Stadw. JugHardt schließt sich diesen Ausführungen an. Auch in anderen Städten habe man keine eigenen Pferde.
Stadw. Winn möchte die Besichtigung in anderen Städten auch auf die Stallungen usw. ausgedehnt haben und schlägt vor, auch noch den Stadw. Simon zur Teilnahme daran zu wählen.
Stadtv. Dr. Ebel stellt ausdrücklich fest, daß sich das hier Gesprochene nicht gegen die Feuerwehrleute richte. Sie führten ihre Uebungen genau und schnell aus, wie er sich wiederholt habe überzeugen können.
Stadw. Helfrich hält die Anlage eines Pferdestalles bei den Geräten für sehr zweckmäßig.
Stadw. Emmelius führt aus, es seien bei dem letzten Brand keine Fehler gemächt worden, aber es sei kein Wasser dagewesen; cs seien Schläuche geplatzt und es sei mehr Wasser fortgelaufen, wie die Feuerwehr verspritzt habe. Anscheinend seien Leute dagewesen, die nicht ganz nüchtern gewesen loären. Auch sei gesagt worden, die Wasserleitung habe während des Brandes Hochdruck nach der Frankfurter Straße zu gehabt.
Der Vorsitzende erwidert, es sei Hochdruck gewesen. Wegen des neuen Friedhofs stehe die Leitung in der Marburger Straße immer unter Hochdruck und nach dem vorliegenden Diagramm sei am Brandtage von nachmittags 5 Uhr ab der Druck ganz gleichmäßig so hoch gewesen, daß der Wasserswahl 25 Meter hätte hoch gehen können. Die Schläuche seien geplatzt, weil an den Verteilungsröhren, die auf die Hydranten aufgesetzt wurden, keine Ventilhähne, sondern Konusverschlüsse seien. Die Schläuche seien im vorigen Jahre nicht auf Druck probiert worden, da Zeug- toart Riebel krank gewesen fei und man es versäumt habe, jemand anders damit zu beauftragen.
Stadw. fieber sagt, die Aussprache habe gezeigt, daß die Pferde an den bemängelten Vorkommnissen nicht Schulo gewesen seien. Gegenüber dem Stadw.^ Krumm wolle er bemerken, daß es auch in der Schloßgasse schon gebrannt hätte. Die Feuerwehr sei dabei so bei der Hand gewesen, daß leider ein großer Teil stehen geblieben fei (Heiterkeit).
Auch Stadw. Wrnn betont ausdrücklich, daß die Feuerwehrleute ihre Schuldigkeit vollauf getan hätten.
Stadtv. Schaff ft aedt macht darauf aufmerksam, daß Städte in der ungefähren Größe Gießens zu- besichtigen seien.
Stadtv. Jughardt regt an, daß man das Material aus anderen Städten über den städtischen Fuhrpark zirkulieren lassen solle.
Stadw. Krumm betont nochmals, daß man mit allen Mitteln versuchen müsse, zu besseren Einrichwngen zu kommen.
Stadw. Habenicht fragt, ob es richtig sei, daß der Türmer erst die Erlaubnis zum Stürmen bei der Polizei einholen müsse, wenn er einen Brand entdecke.
Beig. Keller erwidert, nach der Instruktion habe der Türmer sofort zu stürmen.
Es wird beschlossen, die Baudeputatton, den Branddirekwr und Stadw. Simon mit der Besichtigung der; Einrichwng in gleich großen .Städten wie Gießen zu beauftragen.
Verschiedenes.
Die Rechnung der Plock'schen Stiftung für 1909, die mit 5040 Mark Einnahme und 5014,69 Mark Ausgabe abschließt, wird genehmigt.
Eine Rechnung, die durch Mäusevertilgungsversuche mit Typhuskulturen entstanden ist, wird mit 181,20 Mark bewilligt. Man hat keine besonders guten Erfolge bei dem Versuch gehabt, weshalb in Zukunft wieder vergifteter Weizen angewendet werden soll.
Einige kleinere Lieferungen, die freihändig erfolgen sollen, werden nach den Anträgen erledigt.
In der Großen M ü h l g a i s e werden 72 Quadratmeter Gelände an den Anlieger Bähr für 1950 Mark verkauft. Für dort noch notwendige Arbeiten werden 300 Mark bewilligt.
Ein Vertrag mit Hochstätter wegen Geländeaustausches an der Schloßgasse, durch den bessere Grundstücksgrenzen geschaffen werden, findet Genehmigung.
Stadw. Habenicht regt an, ein in dem Seitengäßchen ant Lindenplatz stehendes städtisches Häuschen abzubrechen. Wie der Vorsitzende mitteilt, ift dies schon in Aussicht genommen.
Die von der Schlachthausdeputation erlassene Kü bl Hausordnung wird genehmigt. Die Gebühren für die Benutzung des Kühll-auses sollen für ein Stuck Großvieh 2 Mark, für Schweine 1 Mark, Kleinvieh 50 Pfennig und ein Kilo Fleisch 2 Pfennig betragen.
Der Vorsitzende teilt mit, daß der Schlachthausneubau noch vor Pfingsten in Betrieb genommen werden soll, während die Kühlhalle kurz nach Pfingsten gebrauchsfähig sein wird.
Auf Anregung des Stadw. Gabriel soll das Schlachthaus von den Stadtverordneten besucht werden (nächsten Mittwoch 5 Uhr) und auch für das Publikum an einem oder zwei Tagen zur Besichtigung freigegeben werden.
Stadtv. Vetters macht darauf aufmerksam, daß der Einblick in das Frauenbad immer noch möglich sei. Bei der Schlachthofbesichtigung will man auf Vorschlag des Vorsitzenden davon Einsicht nehmen, damit bann Abhilfe geschaffen werden kann.
Stadtv. Winn ersucht wiederum um bessere Herstellung der Bürgersteige in der Frankfurter Straße und bemängelt den schlechten Zustand der Klinikstraße.
Stadtv. Grünewald tritt ebenfalls für Verbesserung der Klinikstraße ein.
Der Vorsitzende führt aus, daß die Bürgersteige in der Frankfurter Straße erst nach den Arbeiten des Telegraphenamtes möglich fei. Die Herstellung der Klinikstraße sei Sache des Staates. Ihr schlechter Zustand sei durch die staatlichen Kanalisationsarbeiten hervorgerufen.
Stadw. Dr. Ebel führt Klage über den unerträglichen Brandgeruch in der unteren Ludwigstraße, der Keplerstraße usw., der durch das Verbrennen von Gartenabfallen usw. in der Nähe entstehe.
Stadtv. I a n n bemerkt, derselbe Uebelstand bestehe auch in anderen Stadtteilen.
Stadtv. Löb er meint, nach den bestehenden Bestimmungen dürften die Leute in einer gewissen Entfernung ihre Hecken usw. verbrennen.
Stadtv. Grünewald führt aus, daß gegen derartige Belästigungen den davon Betroffenen das zivilrechtliche Einspruchsrecht zustehe. Oeffentlich-rechtlich dagegen sei nichts zu machen.
Stadtv. Habenicht fragt nach dem Stande der Umänderung der West-Anlage.
Wie der Vorsitzende mitteilt, liegt ein Einspruch vor, über den zunächst entschieden werden muß.
(Scricbhfaal.
B.B. Darmstadt, 18. Mai. Eine umfangreiche Straf, kammerver Handlung fand heute im Schwurgerichtssaale statt. Es handelte sich um 23 Angeklagte, darunter acht Frauen aus Heppenheim und Umgebung, die sich wegen Vergehens gegen §§ 150 und 151 der Gewerbeordnung, Nötigung, Bedrohung, Mißhandlung, Hausfriedensbruch usw. zu verantworten haben. Die Anklage ist aus Streikausschreitungen erwachsen, die sich im Dezember v. I. in Sandbach ereigneten. Bei dem dort herrschenden Steinhauerausstand hatte sich' die Firma Breuer in Sandbach mehrere Arbeitswillige aus Baiern verschrieben, deren Ankunft die Stteikenden in die größte Aufregung versetzte. Als am 28. Dezember 18 Arbeitswillige in Heppenheim eintrafen, wurde seitens der Streikenden derart auf sie eingewirkt, daß die Mehrzachl alsbald die Rückkehr antrat. Vier von diesen Arbeitswilligen waren gleich nach ihrer Ankunst von ihrem Arbeitgeber in einer dortigen Wirtschaft untergebracln worden, hier kam es nu!n seitens der Stteikenden zu wüsten Ausschreitungen. Die Anklage vertritt Gerichtsassessor Gros, die Verteidigung führen die Rechtsanwälte Dr. Fulda und Bend- Heim. Da eine große Anzahl zu vernehmen ist, wird die Verhandlung morgen fortgesetzt.
[I Marburg, 18. Mai. Das Schöffengericht verurteilte heute eine Reftaurativnsfrau, die ihre Dienstmädchen, mittelst eines Kübels Wasser, den sie über das Bett gegossen, geweckt hatte zu 30 Mk. Geldstrafe.
Eingesandt.
(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Gießen, 18. Maß
Das Hutabnehmen in öffentlichen Lokalen ift ein Höslichkeitszopf, der dem männlichen Deutschen im Gegensatz zu anderen, auch gebildeten Nationen seltsam und unbequem noch immer anhängt. Behält man z. B. in einem öffentlichen Kassenlokal zum Unterschied von den meisten Besuchern seinen Hut auf, so setzt man sich sogar bei der Herr scheinen Sitte der peinlichen Gefahr aus, von einem bureautratifdjen Beamten gerügt zu werden. Nimmt man aber seinen Hut ab, so sucht man oft vergeblich nach einem Haken (alle besetzt) und muß banir mit dem Hut in der einen Hand, mit der anderen erstaunliche Künste entwickeln, um mit Papieren und Geldern zurecht zu kommen. In modernen Verkehrsanstalten, auf der Post, in Zeitungsexpeditionen, in Banken usw. ist es daher längst üblich, ungeniert mit dem Hut auf dem Kopfe seine Geschäfte zu erledigen.
Wir empfehlen in unseren beiden Steuerkassen das gleiche Verfahren und bitten die Vorsteher, zur Gewöhnung des männlichen Publikums an diese Neuerung gut sichtbare Anschläge zu machen: Hut aufbehalten!
Der tierftänbige Staats- und Gemeindebürger wird vielleicht mit etwas tieferem, innerem Respekte der saueren Pflicht des Steuerzahlens genügen, wenn ihm die Ausübung diefer Pflicht äußerlich etwas erleichtert wird.
Markte.
[] Marburg, 18. Mai. Dem heute hier abgehobenen Schweine markt waren 1462 Ferkel, Lanier und Mastschweine zugefahren. Es kosteten 4—6 Wochen alle Ferkel das Paar 34 bis 36 Alk. und 2 bis 3 Monate alte Säufer 50 bis 64 Mk. Bei Schlachtschweinen wurden 59 Psg. für das Pfund Schlachtgewicht berechnet.
fc. Wiesbaden, 18. Mai. Heu- und Stroh markt. Angesahren waren 41 Wagen Heu und Stroh. Man notierte: Heu 6.40—8.00 Mk., Stroh (Nichtstroh) 4.40—5.60 Alk. — Fruchtmarkt. Hafer 18.00—18.40 Mk. Alles für 100 Kilo.
Verantwortlich für „Feuilleton" und „Vermischtes".: I. V.: August Goetz.
Müller'sche Badeanstalt.
W a s s e r iv ä r m e der Lahn 15 0 B.
kirchliche Nachrichten.
Evangelische Gemeinde.
Sonntag b en 2 1. Mai, Rog ate. Gottesdienst.
In der StadtUrche.
Vormittags 8 Uhr: Pfarrer D. Schlosser.
Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten auS der Matthäusgemeinde.
Vormittags 9V3 Uhr: Pfarrer Schwabe.
Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde.
Pfarrer Schwabe.
In der Johannerkirche.
Vormittags 8 Uhr: Pfarrer B e ch t o l s h e i m e r.
Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Lukasgemeinde.
Vormittags 91/, Uhr: Pfarrer Ausfeld.
Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Johann es gemeinde.
Pfarrer Aus seid.
Abends 8 Uhr: Bibelbesprechung int Johannessaal.
Himme 1 fahrtstag, den 25. Mai:
In der Stadtkirche.
93ormittag§ 91/, Uhr: Pfarrer Schwabe.
In der Zohannestirche.
Vormittags 9*L Uhr: Professor D. Schia n. In der alten Zriedhosskapeilc.
Nachmittags 2 Uhr: Pfarrer D. Schlosser.
katholische Gemeinde.
. Gottesdienst.
Samstag den 2 0. M a i 1911:
Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beicht.
Sonntag den 21. Mai, 5. Sonntag nach Oster n: (B i 11 w o ch e).
Vormittags von 6'/, Uhr an: Gelegenheit zur hl. Beichte.
, um 7 Uhr: Die erste heil. Messe.
, um 8 Uhr: Austeilung der hl. Kommunion.
, um 9 Uhr: Hochamt mit Predigt.
, um 11 Uhr: Heil. Messe mit Predigt.
Militärgottesdienst.
Nachmittags um 2 Uhr: Christenlehre, darauf sakramentalische Bruderschafts-Andacht.
Dienstag und Freitag abend um 6% Uhr ist Maiandacht.
Israelitische Religionsgemeinde.
Gottesdienst in der SiMgoae (Süd-Anlage).
Samstag den 20. M a i 1911
Vorabend: 7.45 Uhr.
Morgens: 8.30 Uhr.
Nachmittags: 4.00 Uhr.
Sabbatausgang: 9.10 Uhr.
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