Hreitag, 27. Ottober 19U
161. Mrgang
Erstes Blatt
gewesen sei, einen eigenen Kandidaten aufzuslellen. In Herrn Professor Urstadl habe man den Mann gefunden, der den Wahl-
Die heutige Nummer umfatzt 14 Seiten.
kreis Gießen-Wieseck in fortschrittlichem Geist vertreten
werde.
Tätig
schrist:
Gießen, 26. Oktober.
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Aus Hessen.
Tie Landtagswahl in (Siegen.
In Wieseck hat am gestrigen Donnerstag abend im Saale von Adam Ziegler eine von der Fortschrittlichen Volks- Var t e i einberufene Wählerversammlung stattgefunden, die von ungefähr 70 Personen aus Anhängern aller hier _ in Veracht kommenden Parteien besucht war. Herr Hanau -Ließen eröffnen die Versammlung und rotes daraus hin, wie die Foit- Kmittlidje Volkspartei, nachdem Die Einigungsversuche mit ocn Jiationalüberalen durch deren Schuld geicyeitert waren, genötigt
unehrliche Politik vorwars, der sich Bastian wohl auch anschlösse. Tr. Osann rügte diesen Ausdruck und es entspann sich eine Aussprache über persönliche und politische Ehrlichkeit. Eines Miß- braiidi-5 des Gast rechts machte sich der Sozialdemokrat Tr. B o r n e- mann schuldig, indem er sich in stündiger Rede in scharfen persönlichen Ausfällen gegen Tr. Osann crg.-.ig. Ter Vorsitzende des jungliberalen Vereins Ritsert trat den Angriffen entgegen: auch Tr. Osann widerlegte die Anschuldigungen des Sozialdemokraten.
Schule und Religionsunterricht.
Ter Vorsitzende des Gießener Lehrervereins, Valentin Müller, bittet uns um Ausnahme folgender Zu-
i jurV, meint n hat.
zur Ordnung.
Hr. 253
Ter Gießener Anzeiger erscheint täglich, anher Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich SiehenerFamiltenblätter; iivcnnal ivecbenlLKtcis» dlattsürdenUreüSiehen tTienslag und Freitag); zweimal monail. Land- wirtschaftliche Aeitfragen Fenisprech - Anschlülse: lür die Redaktion 112, Verlag n. Expedition 51 Adresse für Tepeschen:
Deutsches Reich.
Der Bundesrat stimmte der Vorlage betreffend den Entwurf eines neuen statistischen Ware nverzeich- n i s s e s usw., der Vorlage betreffend die Vereinbarung eines einheitlichen Gebührensatzes für Weinuntersuchungeu und die Festlegung des Begriffs „hochwertiger Wein" und der Vorlage betreffend den börsenmäßigen Zeithandel in Getreide an der Protuktenbörse in Danzig zu.
Ter Entwurf betr. die 5) andelsb eziehun g en zum britischen Reich ist dem Reichstage zugegangen. Durch den Entwurf wird die deutsche Regierung ermächtigt, das geltende Handelsprovisorium mit England aus die Tauer von 2 Jahren bis zum 31. Dezember 1013 zu verlängern. Tas gegenwärtige Provisorium läuft bekanntlich am 31. Dezember d. I. ab. Dem Entwurf ist eine erläuternde Denkschrift beigegeben, die ein Bild der gegenwärtigen Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und England gibt.
Ein neues B i t t s ch r i f t e n - V e r z e i ch n i s ist im Reichstage ausgegeben worden. Eine große Reihe von- Bittschristen bezieht sich auf das Versicherungsgesetz für A n g e ste l l t e; so bittet die Handelskammer in Gera die Errichtung von Werkpensionskassen auch nach Erlaß des Gesetzes als Ersatz für die Zwangsversicherung zuzulassen, weitere Wünsche gehen dahin, die Pensionskassen privater Verbände weiter zuzulassen, alle Bureauangeftellten dem Gesetze zu unterstellen und die Wahl von Frauen zu den Rentenausschüssen zuzulassen, alle Bureauangestellten dem Gesetze zu unterstellen und die Wahl von Frauen zu den Rentenausschüssen und Schiedsgerichten zuzulassen. Von sonstigen Bittschriften seien erwähnt: Erhöhung des Zolles auf baumwollene Fischernetze, Vorschläge zur Bekämpfung der Lebensmittel- teuerung, reichsgesetzliche intersnationale Regelung des Fremdenrechts uno Anerkennung der Aufsichtsbefugnis des Reiches über die in Preußen erfolgenden Ausweisungen^ Gewährung von Ro^'tandszulagen an die Altpensionäre, Bekämpfung des heimlichen Warenhandels, Einführung des Befähigungsnachweises in der Maßschneiderei, .gesetzliche Regelung des Auskunfts- und Prioatdetektivwesens, gesetzliche Regelung des Freibankwesens.
Herr v. Bethmann-Hollweg scheint sein geliebtes Preußen immer mehr in Mißkredit bringen zu wollen, wenn folgende Meldung der „Franks. Ztg." bestätigt werden sollte. Nachdem der Termin für die Reichstagswahlen be- lanntgegeben ist, sei bereits eine Anweisung an die Landräte ergangen, worin diese zur „nachhaltigeren Orientierung" uoer icywcrwngende Angriffe gegen die Regierung in der Presse oder in Flugblättern, die auf die nächsten Reichstagswahlen einwirien tönnten, aufgefordert weroen, damit „,achliche" Erwiderungen gegeben werden tonnen. Tie Landräte sollen auch gleich Vorschläge über die Art der Erwioerung und Aufklärung machen. Eine solche Anordnung wäre unseres Erachtens so unklug und unpolitisch, da sie die Angriffe gegen die Regierung nur verschärfen würde, daß wir vorläusig an die Richtigkeit nicht glauben können.
TerZentralausschußderFortschrittlichen Volkspartei, der aus den Reichstagsabg.ordneten, den Mitgliedern oes g^^ . tsführenden Ausschusses und aus etwa bu Delegierten der Bezirtsorganijationen besteht« ist
Wie mir verschiedene Teilnehmer an der vom hiesigen Nationalliberalen Verein einbcruscnen Wählerversammlnng mitgeteilt haben, mußten die Ausführungen des Abgeordneten Tr. Osann bei uneingeweihten Zuhörern den Glauben erwecken, der Landtags- abgcordnele Hauptlehrec Bach- Mainz habe aus dem nationallibc- ralcit Parteitag in Darmstadt die Entfernung des Religionsunterrichtes von dem Lehrplan der Volksschule ^verlangt. Ta solche A-cnßerungen, wenn sic, nie im rorliegcncm Falle, osfentlich getan wurden, leicht geeignet sind, die deutsche Lehrerschaft und ihre Führer bei breitesten Schichten der Bevölkerung in falschem Lichte erscheinen zu lassen, habe ich mich sofort nach jener Versammlung an den Abg. Bach gewandt mit der Bitte, mir mitteilen zu wollen, was er in Darmstadt gesagt habe. Darauf erhielt ich denn and) sofort von ihm, was ich erwarten mußte, nämlich die Erklärung, daß er genau das Gegenteil verlangt habe. Er habe „ausdrücklich betont, daß wir den Religionsunterricht in den Volksschulen gar nicht entbehren könnten; einmal, weil er das wertvollste Kulturgut sei, das wir von unseren Voreltern überliefert bekommen hätten, und das mir der Nachwelt durch die Schule w eiter überliefern müßten; bann aber auch ivege n der ethischen M o - mente, d i e der R e l i g i o n s st o f f enthalte, und die uns iv e r t v o l l e, unentbehrliche Hilfsmittel bei der Erziehung der Jugend feien".
Diese Mitteilungen Bachs stimmen denn auch überein mit einem mir vorliegenden Bericht des Mainzer Tagblatts (vom 9. Olt. > und, wenn ich mich recht erinnere, auch mit einem solchen des Gießener Anzeigers über den nationalliberalen Parteitag., Und sie stimmen — was für uns Lehrer die Hauptsache ist — überein mit den Forderungen und Entschließungen des Deutschen Lehr e-r Vereins und des Hessischen Landcs-Lehrervereins.
Landtagskandidat Professor II r st ad t ergriff darauf das Wort, nm in etwa einstündiger Rede darzutun, wie er sich seine Tätig-
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Eia unsinniges Gerücht.
Berlin» 27. Okt. Tas „Berl. Tagebl." meldet aus London: Der Konstantinopeler Korrespondent der angesehenen „El Mokattem" in Kairo meldet: in offiziellen türkischen Kreisen kursiere das Gerücht, daß 'zwischen Italien und Deutschland ein geheimes Abkommen bestehe, nach dem Deutschland, falls sich der Krieg über die Grenzen von Tripolis ausbreiten sollte, eine Flotte nach Alexandret.te entsenden werde, um Truppen zu landen.
Vtzn a-vretS: monatlich 75W., vierteljährlich Mk. 2.20; durch Abhole- iu Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post 2.—viertel» jälnl. auSschl. Bestellst. ZeileupreiS: lokal 15Pf^ auSwaNs 20 Pfeuniq. E hesredakteur: A. Goetz. Berautwortlich für den polinscheu Teil: August Goetz; für .Feuille- ton*, .Vermischtes* und ,®cnd)t4|aar: K. Neurath; für .Stadt und Land": E.Hcß; für den Anzeigenteil: H. Beck.
feit als zukünftiger Landtagsabgeordnekr denke. Er führte aus: Es werde ihm zum Vorwurs gemackst, als Akademik.r sei es ihm nicht möglich, die Interessen der Handwerker, Kaufleute und des Bauernstandes genügend zu vertreten, da er diesen Bernfsklassen zu fremd gegenüber stehe. Er müsse deshalb zuerst von sich selbst reden und betone, daß er von seinem dritten Jahre ab auf dem Lande gelebt, daselbst mitgearbeitet habe und im Versehr mit einen Verwandten, di? alle dem Handwerker- ober Bauernstand angehörten, mit dem Wohl und Webe der arbeitenden Volks- llassen besannt geworden sei. Ueberdies müßte man doch aus jener Seite wisstn, daß ein Abgeordneter niemals die Vorteile eines Standes, sondern immer das Wohl des Ganzen im Auge haben müsse, wie da-> auch das Gesetz vorschreibe. Was nun die Zustände selbst betreff?, so könne er mir sagen, daß unser Hessenland durchaus nicht mehr das fortschrittlich regierte Land sei, wie man das früher rühmen durste, denn kühner >vie je erhebe die Reaktion ihr Haupt. Diese Reaktion gehe von der Ersten Kammer der Stände aus, die ganz unter dem Einsluß seiner Hepligkeil von Worms stehe und der sich auch die Zwci.c Kammer gefügt habe, was nicht Wunder nehmen könne, da dort das Zentrum im Verein mit den Bauernbündl.rn und Nationalliberalen eine durchaus reaktionäre Mehrheit gebildet hätten. Zwar habe dieser Landtag an die Stelle des seitherigen indirekten Wahlrechts das direkte gesetzt, so daß die Abgeordneten jetzt auf geradem Weg zur Vordertür des Ständehauses hineinkämen, ohne wie früher dreimal ums Haus herummarschieren zu müssen, um endlich an) den Schultern der Wahlmänner zur Hintertür hineinbesördert zu werden; aber dieses bircitc Wahlrecht fei durch die der Ersten Kammer gemachten Zugeständnisse viel zu teuer erkauft. Dieser Ausgang sei hauptsächlich den 'Nationalliberalen zu danken, die durch die Vorschläge des Abgeordneten Glässing-Dannstadt das Ministerium Ewald gestützt hätten. Dann noch die Erschwerungen durch die Kantelen, die Zugabe des Pluralwahlrechts, sowie die einseitige Wahlkreiseinteilung, alles Tinge, die unsere Zustimmung und Billigung nicht finden könnten. Bei der Gemeindeordnung sei das Prinzip der Selbstverwaltung viel zu wenig berüsckichtigt worden. Tas bei der Wahl eines Bürgermeisters oder Beigeordneten her Regierung cingeräumtc Bestätigungsrecht sei durchaus überflüssig, man solle den durch das Venrauen seiner Mitbürger gewählten Beamten doch ruhig gewähren lassen. Begehe er eine ungesetzliche Handlung, so habe die Regierung Mittel genug, ihn am Ohr zu fassen. Die strengste Kritik fordere die seitherige Finanzwirlschaft heraus. So könne es nicht weiter gehen. Dabei sei es eine Tatsache, daß die Beamten und ihre Hinterbliebenen in einer harten 'Notlage sich befänden. Hier müsse geholfen werden. Kleine Mul:ln,en tönnten über die teure Zeit, in der die unteren Schichten des Volks besonders litten, auch die Landwirte, nicht hinwcghelsen. Beseitigung der Futtermittelzölle und der Einfuhr sa eine seien diiugend geboten. Wohl sei es möglich, neue Einnahmequellen zu schaffen. Seine Partei habe verschiedentlich vorgeschlagen: Revision des preußisch- hessischen Eisenbahnvertrags (2*,3 Million Mehreinnahmen), höhere Besteuerung der großen Einkommen, progressive Vermögens steuer und Einführung der Erbschaftssteuer. Doch müsse auch gespart werden. Tas könne geschehen, wenn man mehr Freiheit nach untenhin gewähre uuo die vielfach überflüssige Beaufsichtigung unterlasse. Für die bevorstehende Revision des Volksschulgesetzes steht der Kandidat auf dem Boden der Simultan- und Einheitsschule und werde niemals gegen eine rückschrittliche Revision zu haben sein. Tie seither durch indirekte Wahl gewählten Mitglieder der Landwirtschaftslammer, die zurzeit keineswegs im Sinn und Vorteil des kleinen Bauernstandes wirkten, müßten auf direkte Weise gewählt werden. In diesem Sinne glaube er, falls am 3. November seine Wahl als Landlagsabgeordueter erfolge, am besten das Vertrauen seiner Mitbürger zu rechtfertigen. (Beifall.) Nach einer Pause von 5 Minuten eröffnete der Rechner Berlin- Londorf die Aussprache, indem er ausführte, wie außerordentlich schwer manche Gemeinpen unter den Vorrechten der tast steuerfreien Sondergemarkungen zu leiden haben und gab der Hoffnung Ausdruck, es möge die fortschrittliche Volkspartci mit dazu beitragen, daß dieser alte Zopf beseitigt werde. Bahnhofsvorsteher Fiedler hebt hervor in längerer iXcoe die übcrycugungstrcucu, bestimmten Ausführungen des Kandidaten Urstadt nno empfiehlt dessen Wahl. Tie Stellung der fortschrittlichen Vollspartei zu den Arbeitern und zu der sozialdemokratischen Partei, wird von Privatdozent Tr. Vogt dahin gekennzeichnet, daß seine Partei von dem Staate in erster Linie Gerechtigkeit verlangt, aber nicht das Wohl eines einzigen Standes, sondern das Wohl des Ganzen zu fördern sucht. Diesen Gedanken führt Bahnhofsvorsteher Fiedler noch weiter aus, indem er das staatserhal'.ende Monteur der fortschrittlichen Vollspartei noch stärker unterstreicht. In dem Schlußwort spricht sich Professor Urstadt noch dahin aus, daß seine Partei kein Abkommen mit der Parteileitung der sozialdemokratischen Partei getroffen habe. Jete andere Angabe in di. er beruhe auf Unwahrheit. Darauf schloß der Vor ätzende d.e Versammlung.
Aus dem Wahlkreis Ero'gen-lüiiden- Heuchelheim.
wird uns berichtet: Am vorigen Tonnerstag sprach Bürgermeister Leun-Großen-Linden in einer Versammlung in Gambach über seine bisherige Tätigleit im Landtage. In eingehender Weise legte er dar, daß seither in Hessen zu wenig gespart worden sei. Durch kostspielige Bauweise von Staatsbauten usw. sei Hessen eine große Schuldenlast ausgehalst worden. Aus einen ihm von sozialdemokratischer Seite gemachten Vorwurf, er hätte sich vor 12 Jahren das Mandat erschlichen, erwiderte Herr Leun, das Gegenteil sei der Fall; die Sozialdemokratie hätte das Mandat vor lt> Jahren erschlichen. Damals wären von sozialdeinokr Seite, um die bürgerlichen Wachmänner zu tausche.:, 6 Wachmännern immen auf ihn Leun aölommandiert worden. Ta nun beim ersten Wahlgange eine absolute Mehrheit nicht vorhanden war, habe ein zweiter Wahlgang stattunden müssen. X)icr genügte die relative Mehrheit: es erhielten Crbig (Lo;.- 15, Bahr 14, Geißler 3 und Leun 1 stimme. x,ioig war somit gewacht. rtt,o läge die Erschleichung eines Mandates auf sozialdemotratischer Seite.
Ein Vetsammluugskrieg in T arm st ad t.
bs. Darmstadt, 27. Okt. In einer gestern abend ab- gehaltcnen Versammlung der nationalliberalen Partei fprach der Kandidat für den 3. Wahlkreis, Regierung-rat Bastian, dessen Ausführungen lebhafte.! y cif all lanoen. In der anschließenden Aussprache kam es zu einem heftigen Zusammenstoß zwischen den Nationalliberalen und einigen so- z i a l ö e m o t r a t e ii. — Als erster sprach der soz. Geg^mandcdat, ZhcDatieur Knobla uch, der der nationallioeralen Partei eine
Die gespannte Lage in Tripolis.
Die Italiener, die sich in ihren Hoffnungen, den Feldzug ht kurzer Zeit beendigen zu können, schon halb enttäuscht ohen, wollen jetzt die Verantwortung für ihr Abenteuer luf — Deutschland abladcn! Eine Notiz in diesem Sinne oeht fetzt durch die italienische Presse. Herr v. Kiderlen- Wächter habe die nationalpolitischc, durch die kl-erikalcn Interessen verstärkte Strömung in Italien in kluger Weise benutzt und dieses zu seinem Vorgehen in Tripolis veranlaßt. Linen klaren Beweis dafür sehen die italienischen Journa- .isten in der Tatsache, daß die deutsche Regierung in ihrer Politik gegenüber der Tripolis-Affäre vollständig von der Haltung der führenden deutschen Blätter ablveiche. Sic kommen zu dem Schluffe, bajj Deutschland glaube, wenn Italien Tripolis besitze, so sei dat^ft ein Keil zwischen Tunis und Aegypten und damit zwischen England und Frankreich getrieben. Um die Sache noch besser zu machen, vijb in türkischen Kreisen das Gerücht ijennngetragen, »s bestehe ein deutsch-italienischer Gcheimbuitd, der das Deutsche Reich unter gewissen Umständen verpflichte, Italien mit Truppen zu Hilfe zu kommen.
All diese unsinnigeit und dreisten Verdrehungen werden schon dadurch wioerlegt, daß Italien, wie erst dieser : Tage im österreichischen 'Abgeordnetenhause amtlich dar- > gelegt worden ist, seine Treibundsgenossen über seine Ab- L rchten überhaupt nicht unterrichtet hatte.
Auch dcr ucucstc italienische Bericht läßt ersehen, daß die Türken in Tripolis einen kräftigen Widerstand organisiert haben:
Tripolis, 26. Okt. Tie Nacht vom 24. zum 25. Oktober verlief ruhig Gestern bemerkte ein Fltegcr an - rückende feindliche Streitkräfte, sowie andere, 15 Kilometer von den italienischen Vorposten entfernt lagernde Truppen. Sie wurden durch einen Aufklärnngsoffi- zier auf nicht weniger als 5 bis 6000 geschätzt. In der Oase von Tripolis, bOO Meter von der italienischen Verteidigungslinie, bemerkte man zahlreiche Bewas,nete, die jedoch nicht angrifseu. Tie Oase wurde darauf durch die l italienischen Kruppgeschütze und Schiffsgeschütze beschossen. — Die im Rücken der italienischen Stellungen befindliche Lase wurde von gefährlichen arabischen Elementen, die dort wohnten, gesäubert. Bei Rekognoszierungen auf dem Italic» ES nischen linken Flügel wurden über 300 von den Feinden zurückgelafsene Leichen gefunden. Man beschlagnahmte eine sehr große Zahl Waffen aller Art, alter und moderner Konstruktion, über eine Million Kartuschen, Waffen und Munitionsvorräte, die überall in Tripolis und in der Umgebung versteckt waren, in Häusern, Magazinen, Karawansereien, zwischen Waren und Getreidesäcken, in Kellern und in unterirdischen Brunnen. Die Durchsuchungen dauern fort. Schon jetzt darf die italienische Verbindungslinie als sicher betrachtet iverben. Die Araber dürfen nicht mehr frei passieren; die Ueberwachung ist überall sehr streng. Ein türkischer U n t e r hä n d l e r traf gestern bei dem ^Oberst Fara ein und verlangte die Rückgabe der türkischen Stellungen. Man antwortete, die Türken und Araber sollten kommen und sie nehmen. Es handelte sich sicher um einen Offizier, der ausgeschickt war, um unter diesem Vorwande die italienischen Linien zu besichtigen. Natürlich wurde er mit verbundenen Augen herein- und heransgeführt. Es ist n o ch . unmöglich, die i t a l i e n i s ch e n ,V e r l u st e genau auzugeben. Aber man kann sagen, daß sie niedriger sind, als vermutet wurde.
Die Lage in H oms, Be n gh asi, Sema und Tobruk ist unverändert. In Benghafi ist die Ausschiffung aller Truppen und Materialien beendet,^ebenso in Terna; ulles geht regelmäßig weiter. Auch in Tobruk ist der .Gesundheitszustand sehr gut.
Berlin, 27. Okt. Tie „Deutsche Tageszeitung" meldet aus Wien: Tie „Wiener Allgemeine Zeitung" meldet aus Rom, daß man dort über den unerwarteten Widerst an d der A r a b er in Tripolis beunruhigt sei. Man hätte die Dauer des Feldzuges auf etwa zwei Monate veranschlagt und auf jeden Monat 200 Millionen Lire Kosten aerechnet. dttlumehr aber stelle sich heraus, daß an eine I o schnelle Beendigung nicht zu denken ist und die 400 Millionen Lire lange nicht ausrcichen werden, denn - jeden Tag brauchten die Italiener eine Ausgabe von 6 bis 7 Millionen Lire Kriegskosten. Tie Regierung sicht also den Zeitpunkt herannahen, wo sie größere Anleihen auf- nehmen muß.
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............. Seneral-Anzeiger für Gberhefsen
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