Ausgabe 
19.4.1911 Erstes Blatt
 
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Ans Stadt und Land.

Gießen. 19. April 1911.

** 7 0. Geburtstag. Dem Inhaber der Großh. Oberförsterei Wieseck, F o r st m e i st e r W e i g a n d hier, war es vergönnt, in seltener Frische und Rüstigkeit die 70. Wie­derkehr seines Geburtstages zu feiern. Zahlreich waren die einlaufenden Telegramme und Zuschriften. Schon früh tarn Tage begannen die Beglückwünschungen. Als erste erschienen nach den Familiengliedern die Forstwarte der Oberförsterei Wieseck unter der Führung des Forstassessors Baader, der mit einem sinnig zusammengestellten Wald­ibukett das Waldes junge Frühlings grüße übermittelte Und dein wohlwolleirden Vorgesetzten der Untergebenen herz­liche Wünsche zum Ausdruck brachte. Um 11 Uhr wurde ein prachtvolles Blumenarrangement ein Kunstwerk der Firma Karl Becker Nachfolger gebracht, das eine Ab­ordnung des korstl. Wirtsa>aftsrates Gießen überreichte. Der Vorsitzende des Wirtschaftsrates Forstmeister Schwarz von Ober-Gschbach rühmte in seiner Ansprache die liebenswürdige, echt kollegiale Gesinnung des verehrten Jubilars und seiner allezeit treu zur grünen Farbe stehen­den Damen; er gab der lebhaften Freude der Mitglieder des Wirtschaftsrates Ausdruck, ihrem so seltener Frische und jugendlicher Tatkraft sich erfreuenden Senior an so seltenem Tage ihre wärmsten Glückwünsche darbringen zu können und schloß mit den an so herrlichem Frühlingstage gewiß berechtigten und aussichtsreichen herzlichsten Wünschen für die Folgezeit. Die Zahl der Gratulanten nahm am weiteren Tage fast kein Ende ganz gegen den Willen des bescheidenen Jubilars, der ein Bekanntwerden des Tages nicht erwartet hatte.

Erle digte Lehrer stellen. Je eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Schulstelle zu Lee heim und Gustavsburg; eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Schulstelle zu Climbach, mit der Organisten- und Lcktoren- dienst verbunden ist; eine mit einem evang. Lehrer zu be­setzende Schulstelle in Steinheim; die erste Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Kirsch Hausen. Dem Kreisral und dem kath. Pfarrer zu Heppenheim steht das Präsen- ^tationSrecht zu; eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ohmes; die erste Schulstelle zu Usenborn. Kreis Büdingen; sie ist mitOcga- nistendienst verbunden. Dem Fürsten zu Stolberg-Wernige­rode in Wernigerode steht das Präsentationsrecht zu.

** Hagel st atistik. Im Jahr 1910 liefen bei der Zentral­stelle für die Landesstatistik von den Großh. Bürgermeistereien für 4 4 Gemarkung en Berichte über Hagelschäden ein. ,Der Geldwert des an den Feldfrüchten verursachten Hagelschadens berechnet sich nach Schätzung auf 585 204 Mark. Davon waren jedoch nur 69 280 Mark versichert, so daß von den Versicherungs­gesellschaften nur 53 110 Mark Entschädigung ausbezahlt werden konnten. Es beweist dies, daß immer noch zu wenig gegen Hagel versichert wird. So betrug z. B. der Schaden der Gemeinde Heppenheim a. d. B. 15 000 Mark, dem nur 150 Mark Ent­schädig mrg gegenüberstehen.

** Ein Nach klang zur Reichstagswahl. Man schreibt uns: Im geschmackvoll dekorierten großen Saale von Steins Garten hier hielten am 3. Feiertage nachmittags die Freunde unseres jetzigen Reichstaasab geordneten eine Familienfeier-ab. Der Saal war in Anbetracht des wunder­schönen Wetters aus Stadt und Land recht gut besetzt. Herr Kling hielt die Begrüßungsansprache, die eigentliche Fest­ansprache Pf. Schrck-Queckborn. In seiner Erwiderung teilte Dr. Werner u. o. mit, daß demnächst wieder ein großes Volksfest in Ober-Widdersh-eim stattfinden wird. Es sprachen noch Pf. Fritsch-Ruppertsburg, besonders noch Vie Einigkeit der Christlich--Und der Deutsch-Sozialen und des Bundes der Landwirte hervorhebend, Do sch aus Wölfers­heim, Lehrer Dern aus Neu-Isenburg, Herr Alt aus Lich, Generalsekretär Hennigsen aus Hamburg. Gegen 8 Uhr nahm die äußerst anregend verlaufene Feier ihr Ende.

** Fachkurs für statische Berechnung für Bau- konstruktion. Das Bauen ist teurer geworden, und es ntufo das Baumaterial da wo es ohne Gefährdung der Sicherheit und von Leben und Gesundheit geschehen kann, gespart werden. Daß daher bei unserer heutigen Bauweise neben gründlicher Material­kenntnis auch beste und gewissenhafte Ausführung unerläßlich sind, ist wohl selbstverständlich. Auf Grund nunmehr vorliegender jahrzehntelanger Erfahrungen über unsere Baumaterialien, und den Fortschritten von Technik und Wissenschaft entsprechend, haben im vorigen Jahre die Bauaufsichtsbehörden in neuen baupolizei­lichen Bestimmungen Zahlenwerte für die bei Baugesuä)en ver­langten statischen Berechnungen zugelassen, die zwar ein billigeres Bauen als früher ermöglichen, aber bei Benutzung dieser Werte eine vollkommen einwandfreie praktische Ausführung voraussetzen und fordern müssen. Zum Verständnis der genannten Bestim­mungen und deren Ausführung, sowie auch um Mißerfolgen im Geschäftsbetriebe vorzubeugen, können heute gewisse Kenntnisse der Statik nicht mehr entbehrt werden. Run sind aber noch eine größere Zahl unserer Meister und nicht wenige der mit der Bauführung betrauten Techniker ohne genügende theoretisä)e Schulung geblieben, so daß nicht selten Verstöße Vorkommen, welche den Beamten der Bauaufftchtsbehörden Veranlassung zum Einschreiten geben, was mitunter erhebliche Kosten verursacht, wie auch Leben und Gesundheit gefährden kann. Es wird daher wohl in den beteiligten Kreisen mit Befriedigung begrüßt werden, daß die auf allen Gebieten der gewerblichen Ausbildung seit vielen Jahrzehnten tätige Großh. Zentral st elle für d i e Ge­werbe nunmehr auch Ausbildungskurse in Statik abzuhalten begonnen hat. Diese sollen von einem Fachmann und erfahrenen Lehrer geleitet werden und bezwecken, die Teilnehmer mit den einfachsten Gesetzen der Statik und Festiakeitslehre ver­traut zu machen, ihnen von den Eigenschaften uno der Prüfung der häufig vorkommenden Baumaterialien Kenntnis zu geben und sie über Mißverständnisse bei der Wahl einfacher Konstruktionen und deren Ausführung statisch aufzuklären, wie überhaupt auf Fehler aufmerksam zu machen, die immer wieder vorkommen. Schließlich sollen die Teilnehmer imstande sein, einfache statische Berechnungen selbständig auszuführen. Der erste Kursus fand vom 23. März bis 13. April an Wocheimbenden und Sonntag- Kormittagen statt. Die Zahl der Anmeldungen war verhältnis­mäßig groß gewesen, doch konnten diesmal nur 12 Teilnehmer Aufnahme finden. Es ist wohl selbstverständlich, daß in diesen Kursen nur das gelehrt wird, wozu die vorhandenen Vorkenntnisse ausreichen und nicht etwa Gebiete berührt werden, welche ge­fährlich sind und später bei etwaiger unrichtiger Anwendung Mißerfolge herbeiführen könnten.

Kreis Büdingen.

± Bleichenbach, 18. April. Der heutige Oster- Nrarkt war mit jung eit Schweinen gut befahren, etwa 220 Stück meist 810 Wochen alte Tiere waren vorhanden. Der Handel iging flott und war bald 501; Ende. Trotz geringer Kartoffelvorräte waren die Preise hoch; 4550 Mark war der.Preis für das Paar. Mehrere Händler aus der Wet­terau belebten den Markt sehr, der schon um 11 Uhr gänz­lich geräumt war.

Kreis Lauterbach.

Schlitz, 18. April. Mit Genehmigung detz Groß­herzogs wird die Großh. Bezirkskasse Schlitz von Ende Juni an aufgehoben und für die seither zu dem Bezirk der eigenen. Erhebung dieser Kasse gehörigen Gemeinden eine Unter- erhsbstetle in Schlitz errichtet. Diese, sowie die UrUererheb­

st eil en Queck, Uellershausen, Unter-Schwarz und Willofs werden der Bezirkskasse Lauterbach, die Untererhebstellen Grebenau und Reimenrod dagegen der Bezirkskasse Alsfeld zugeteilt. Zugleich werden die Untererhebstellen Brauersclpvend und Storndorf von der Bezirkskasse Lauterbach abgetrennt und erstere mit der Be­zirkskasse .Ulrichstein vereinigt.

Streit, Friedberg.

D. Friedberg, 18. April. Eben finden in samt- lichen Gebäuden des Schlosses bauliche Veränderungen statt. Die Bauarbeiten werden noch längere Wochen in An­spruch nehmen. Der Garten, der für das Großh. HauS er­worben wurde, ist jetzt ganz in den Bereich der Schloßgebäude herangezogen und wird angelegt und mit Kinderspielplatz ver­sehen. Gegenwärtig herrscht in unserer Stadt eine rege Bautätigkeit, wie sie in den vorhergehenden Jahren nicht vorgekommen ist. Außer zwei öffentlichen Gebäuden, der Blindenanstalt und der Gewerbeschule, werden in der Neustadt eine Anzahl Häuser erbaut. Aber auch in der eigentlichen Altstadt und im Stadtteil Fauerbach errichtet man neue Ge- bäude. Dazu kommen die in den nächsten Jahren in Aus­sicht genommenen Gebäude des Neubahnhofs, der Post, einer städtischen Volksschule und eines evangelischen Vereinshauses, so daß die Bauhandwerker für Jahre hinaus Arbeit in Aus­sicht haben.

Starkenburg und Rheinhessen.

k. L. Darmstadt, 18. April. Heilte nachmittag stürzte sich die in der Viktonastraße hier wohnhafte Witwe Kost aus dem Fenster ihrer Wohnung, wodurch ihr Tod herbeigeführt wurde. Die Bedauernswerte litt an Ver­folgungswahn.

(!) Mainz, 18. April. Da in hiesiger Gegend der Preis für Milch von den Produzenten kürzlich er­höht wurde, ging der Mainzer Milchhändlerverein mit dem Frankfurter ^ilchhändlerverband einen Vertrag ein, ge­mäß dem tägttch 2000 Liter dänischer Milch von Frank­furt nach Mainz gebracht werden. Der Vertrag ist für längere Zeit geschlossen; der Milchpreis wird dann für das- Liter ungefähr 16 Pfennige sein. Zwei Damen, die hier auf Besuch weilten, wurden ihre Schmucksachen, die sie im Schlafzimmer nach einem Spaziergang ablegten, von einem Einbrecher, der durch das offenstehende Fenster eingedrunAen war, entwendet. Die Nheinflotte hat sich um einen präch­tigen ViermasterLoreley" vermehrt, der dieser Tage auf der Reise nach dem Oberrhein hier vvrbeikam. Dre Loreley hat eine Länge von 156 Meter und trägt bei einer Breite von 23 Meter eine Ladung von 93 500 Zentner; sie ist das größte Lastschiff, das bis jetzt den Rhein befahren hat.

-0. Mainz, 18. April. Schon lange Jahre wird von der Stadt auf die Aufhebung des Straßenbrückenzolles hin­gearbeitet, man konnte sich mit dem hessischen Staat aber wegen der Ablösung nicht einigen. Jetzt ist im Finanz­ausschuß der Staötverordneten-Versammlungi eine Lösung der Brückengeldfrage gefunden worden, bei oer sowohl die städtischen wie die staatlichen Interessen berücksichtigt sind und die deshalb Aussicht hat, von beiden Seiten gut- geheihen zu werden. Damit wird in Mainz ein recht unzeit­gemäßes Verkehrshemmnis verschwinden, das insofern auch als ein Unikum bezeichnet werden muß, als seit der Ein­gemeindung des rechtsrheinischen Kastel der Brückenzoll tat» chchlich innerhalb des Stadtgebietes erhoben wird.

wandern und Reisen.

- Die Wander-Abteilung des Deulschnationalen Handlungsgehilfen-Verbau des, Ortsgruppe Gießen, veranstaltete an den Cfter?eiertagcn eine zweitägige Wander- fahrt in den Tann u s. Der Cflerfonniag führte die Ausflügler über den Winterslein, den Steinkopf nach der Eapersburg weiter über die Lochmühle, Saalburg nach Homburg v. d. H., wo über­nachtet wurde. Am 2. Tage fliegen die Wanderer über den Sand- placken auf den noch zum Teil mit Schnee bedeckten steldderg, wo durch den herrschenden Nebel der Fernblick sehr erschwert war. 91 ad) dem Feldberg wurde noch Könignein besucht und über Frank- >urt, wo kurze Rast gemacht wurde, der Heimweg angetreten.

Sport.

= Fußball. Die .Oster-Wettspiele des Gießener Sport­vereins von 1900 brachte dem hiesigen Verein einen vollen Erfolg. Am Karfteitag spielte zum erstenmal eine mitteldeutsche Mamv- schaft, der F.--C. Hohenzollem Halle in Gießen. Die guten Er­folge, die diese Mannschaft gegen den deutschen und norddeutschen Meister erzielt hatte, ließen auf ein hohes sportliches Können schließen und man hatte sich in dieser Annahme nicht getäuscht. Tie Mannschaft zeigte ein gutes Zusammenspiel, verbunden mit großer Schnelligkeit und sicherem Schußvermögen. Die hiesige Mannschaft trat mit 1 Ersatzmann an und mußte sich anfangs auf die Verteidigung beschränken, doch schon nach Vistündiger Spieldauer konnte sie das Spiel ausgeglichener gestalten. Die Verteidigung spielte aufopfernd und war den gegnerischen An­griffen sicher gewachsen. Bis zur Pause blieb das Spiel er­folglos. Erft ein wegen Hand gegebener 11-Meter-Ball brachte Halle das erste Tor. In den letzten 20 Minuten war die hiesige Mannschaft überlegen und konnte durch einen Eckball, der unhalt­bar eingetreten wurde, ebenfalls 1 Tor erzielen. Mit dem Ergebnis von 1: 1 Toren blieb das Spiel unentschieden. Eine große Zuschauermenge wohnte dem Spiele bei. Am 1. Oster- feiertag weilte der Fußballklub Britannia Frankfurt in Gießen. Auch dieses Spiel endete unentschieden mit 2:2 Toren. Tie hiesige Mannschaft war der bessere Teil, spielte jedoch vox dem Tor etwas unentschlossen, wodurch eine Menge Bälle ver­loren gingen. Am 2. Feiertag spielte die 2. Mannschaft des Gießener Sport-Vereins von 1900 gegen den F.-C. Wetzlar und gewann mtt 4:1 Toren. Das Länderspiel Deutsch­land-England fand Karfteitag vor einer 8000köpfigen Zu schauermenge in Berlin statt. Das Ergebnis war 2:2 Tore. Es ist dies das eräemal, daß England nicht siegreich war. Deutschland führte kurz vor Schluß noch nrit 2:1 Toren.

Der Sport-Verein Merkur hatte über die Feier­tage recht gute Spiel er gebnisse zu verzeichnen. Nachdem die 1. Mannschaft gegen die 2. Mannschaft (kombiniert 1+2) des V. F. B. am Karfreitag mit 4:1 Toren gesiegt hatte, gelang es am 2. Oftertag der 1. Mannschaft gegen die 1. Mannschaft der Diezer Fußball-Vereinigung mit 4:2 Toren Sieger zu bleiben.

* Radfahren. Bei dein am 2. Ofierfeiertag auf dem Mainzer Sv 0 rtplat, aboehaltenen Radrennen gelang es dem Mitglieds des Rad-Klubs .Germania" Gießen Fritz Linker in dein Rennen ,Ter erste Schrill" hinter Knappke-Fraiikmrt a. AI. den 2. Vreis zu erringen. Dritter wurde Teichert-Frankfurt a. M

Kiwft tinö wässendchaft.

Joseph Weiser f. Der Maler Professor Joseph Weiser in München ist am Dienstag, wie uns telegraphiert wird, am Ort seiner Wirksamkeit gestorben. Joseph Weiser, kgl. Professor und Ehrenmilglied der Münchener Kunstakademie, ist am 10. Mai 1874 zu Patschkau in Schlesien geboren, nahm seine Ausbildung an der Münchener Akademie und nachdem er längere Studienreisen gemacht, malte er in Diünchen, wo er sich niedergelassen hatte, hauptsächlich Genrebilder. Bon seinen beften Werken erwähnen wirFreigesprochen",Verteidigung eines Klosters burd) Adelige und Mönche" intbVolWtheater int 18. Jahrhundert". Von seinen späteren Werken sind besonders hervorzuheben ,^nstitutsLarueoal", Spieler" und Gesuch im Nonnenkloster",

Der' 12. Hiftorikertag wurde am Dienstag mittag in Gegenwart des Regenten Paares von Professor Karl Br an di (Göttingen) in Braunschweig feierlich eröffnet Kultusminister Wolf hielt eine warm empfundene Ansprache. Stadtrat v. Frankenberg begrüßte den Historikertag im Namen des St-adtmagistrats. Das Herzogspaar, wohnte and) den Vor­trägen und der sich anschließeiwen Aussprache bei. Am Nach­mittag begaben sich die Teilnehmer zur Besichtigung nach Wolfcn- büttel.

Zum Walzer Wettbewerb der Woche schreibt uns em Leser: Mit dem Talent der 4000 Komponisten bezw. mit dem der preisgekrönten Verfasser der 10 Walzer, welche Herrn Ang. Scherl die'Kleinigkeit von ca. 10000 Mark kosteten, hat der Verlag dieses erfindungsreichen Herrn Scherl dank seiner Reklame ein glänzendes Geschäft gemacht, lieber 50 000 Exemplare ä 1,50 Mark sind verkauft! 75 000 Mark Einnahme! Neckmet man 25 000 Mark Unkosten ab, so bleibt der nette Ueberschuß von 50 000 Mark!!!Das läßt tief blichen" meinte einst Sabor, der Frankfurter Demokrat.

Kurze Nachrichten aus Kunft u. Wissenschaft. Auf eine 25jährige Töttgkeit als Universitatsprofesfvr kann am 19. d. Mts. der Geheime Koniistorialrat Dr. theol. und Phil. Eduard Grafe, Vertreter der neutestamentlichen Theologie in der Bonner evangelisch-theologischen Fakultät, zurückblicken. 1889 ernannte ih.i die Universität Straßburg zum Dr. theol hon. causa. Auf Beginn des Sommersemesters 1911 wurde an der Universität Zürich eine neue a. 0. Professur für Geographie und Ethnographie errichtet und dem Privatdozenten Dr. Hans W e h r l i daselbst übertragen.

Das Rathaus von Schaerdeä niedergebrannt.

Das Rathaus von Schaerbeck, einer Borstadt Brüs­sels , ist in der vergangenen Nacht bis auf die Umfassung^ mauern niedergebrannt. In dem Rathause waren alle Bureaus schon seit Samstag nachmittag beschlossen, und eS ist daher nur anzunehmen, daß der Brand nicht auf natürliche Weist ausgebrochen ist, sondern daß Verbrecher die Hand hierbei im Spiele gehabt haben. Hierfür spricht auch ein Fund, den man in den vom Brand gerftörten Bureaus gemacht hat. ES wurde dort eine luftdicht verschlossene Flasche gefunden, in der sich eine explodierbare Naphthamasse befand. Am Montag abend wurde von dem Hausverwalter des Rathauses ein leidster Rauch bemerkt, er ging diesem Rauch nach und fand, daß in einem der verschlossenen Bureaus Papiere schmälten. Dieser kleine Brand konnte sehr schnell gelöscht werden. Gegen Mitternacht jedoch fliegen von neuem vom Dachstuhl und am linken Hauptslügel des Gebäudes dichte Rauchwolken auf. In diesem Teil be­findet sich ein hoher Turm, an dem ein hohes Holzgerüst an­gebracht war. Tie Verbrecher, die wahrscheinlich das Feuer gelegt haben, müssen dieses Holzgerüst mit Petroleum oder Spiritus ge­tränkt haben, sie waren aber so vorsichtig, nicht von unten ihr Weik zu beginnen, sondern als der Brand ausbrach, züngelten die Flammen von einer Höhe aus, die nur die Feuerwehrleute mit ihren mechanischen Leitern erreichen können. So wurden die ersten Löscharbeiten bedeutend erschwert. Der Turm leistete den Flammen eine Viertelstunde Widerstand und stürzte bann zu­sammen.

Wei dem Löschwerk versuchte ein Feuerwehrmann an dem brennenden ®erüfte hinaufzuklettern, um die Schlauchleitung besser anzulegen. Hierbei fiel ihm von dem schon stürzenden Turm eine schwere Steinmasse auf den Kopf. Er wurde von einer Höhe von mehr als 40 Metern herabgeschleudert und blieb schwer­verletzt liegen. Nachts Vs 12 Uhr stand das ganze Ge­bäude in Flammen. Der Finanzschöffe Latinis ver­suchte bei dem Beginn des Brandes die wichtigsten int Rathause niedergelegten Dokumente in Sicherheit zu bringen. Es gelang ihm, auch einen großen Teil der Buchführungspapiere mit einer Schar von mutigen Leuten in Sicherheit zu bringen, dagegen mußte man alle Zivilpapiere, das heißt die Dornmenle über Ehen, Geburten und Todesfälle verbrennen lassen. Das Rathaus war gegen Brandschaden versichert, die Versicherungssumme wird aber dem B. T. zufolge, bei weitem nicht den erlittenen Schad«« decken. Der Gesamtschaden imrb auf etwa sieben Millionen Francs geschätzt. Das Rathaus, das von dem Architekteit Jsendeck erbaut worden ist, steht erst seit 24 Jahren. Die Baukosten haben an drei Millionen Francs betragen, doch ist die innere Ausstattung sehr luxuriös gewesen. In den einzelnen Sälen befanden sich Skulpturen moderner belgischer Bildhauer und Bilder moderner belgischer Maler, darunter vor allem Werke des alten S 10 b b ä r t s und V e r w e e.

Der Feuerwehr ist es nach neueren Meldungen gelungen, aus den Schuttmassen einige Gemälde herauszuholen, die schon als oerbrarmt galten. Dte in den mtterird-tschen Tresors ver­wahrte Kommunalkasse ist ebenfalls geborgen. Sie enthalt an girret Millionen an bar und in Wertpapieren. Man weiß bis jetzt ttoch nicht, ob ein ober mehrere Täter das Feuer angelegt haben. An verschiedenen Stellen wurden gleichartig« Funde von Gesäßen, die mit leicht explodierbarem Naphtha gefüllt waren, gemacht. Im Rathause lagerten große Mengen von Munition, besonders Kartätschen für die Bürgergarde. Sie explodierten während des Brandes mit lautem Knackern.

Vermischter.

* Aus d er Reichshaupt st ad t. Der Verkehr cm den Qftertagen nahm in Groß-Berlin einen Umfang an, wie er selten beobachtet wvrden ist. Die Berkehrsmittä waren dem großen Andrang kaum gewachsen. Infolge deS außergewöhnlichen Andranges kam es mehrfach zu wüsten Auftritten. Zahlreiche Fahrgäste, besonders Frauenund Kinder, fielen aus den Wagenabteilen. Verernz>elt kam! auch das Messer in Anwendung. Im Osten hatten Be­wohner bei einem Auszug die Gaskronen abgenonrmen, jedoch die Hähne zu schließen vergessen. Als die neuen Mieter gegen Abend einzogen und Licht machen woll­ten, kam es z-u einer heftigen Explosion und zu erheblichen Verletzungen durch Brandwunden. Bei dem ersten dies­jährigen Grunewaldrennen erreichten die LVett- e i n s ä tz e am Totalisator die für deutsche Verhältnisse außergewöhnliche Höhe von rund 636 000 Mk. Die Entrö- einnaymen beliefen sich auf rund 62 000 Mk.

* Feuersbrünste. In Stetten am Heuchelberg brach am Montag abenb um 10 Uhr ein Großfeuer aus. Fünf Häuser und drei Scheuern sind niedergebrannt. Das Feuer, das offenbar gelegt wurde, brach in der Scheunr des Darlehenskassenrechners Dörr aus. Während der Osterfeiertage brachen in fünf verschiedenen Stellen der Pfalz Waldbrände aus, die jedoch meistenteils, ohne größeren Schaden anzurichten, bald wieder gelöscht werden konnten. Nur im Hambacher Gemeindewald verursachte ein Waldbrand stärkeren Schaden; der Wert des nieder­gebrannten Waldbestandes dürfte sich auf etwa 20000 Mk. belaufen. Auch hier konnte das Feuer nach mehrstündiger Arbeit gelöscht werden. Aus Duisburg wird gemeldet: In den Gräsl. Speeschen Waldungen vernichtete ein auf­gekommener Brand 1000 Morgen Bestand. Die Ge­meinde Gr 0 ß-Kiniz s im Komitat Abauje Torna wurde durch Feuer zerstört. Vier zig Häuser samt den llteben- l^ebäuden sind niedergebrannt, von denen der größte Seil versichert ist.

* Gentl eman und Einbrecher. Aus Neuyork wird berichtet: Ein ganz merkwürdiger Fall von Doppelleben ist durch die Beschlagnahme von 160 000 Mark, die einem Mr Euiw mings in Tacoma im Staate Washington gehörten, öffentlich bekannt geworden. Cummings war einer der bekanntesten um) geachtetften Bürger von Tacoma, und nun wird die Anklage gegen ihn erhoben, daß er mit dem berüchtigten Einbrecher Eddy Fay, der vor wenigen Monaten verhaftet und zu zeM" 1 lähriger Gefängnisstrafe im Attauta-Znchttzaus verurteilt BWÄ