den, so habe Man in der gegenwärtigen Generation den letzten Eisenbahnerausstand erlebt. Macdonald kritisierte sodann scharf die Politik, die von Churchill während des Ausstandes befolgt wurde. Das Ministerium bes Innern yabe während der Unruhen eine sehr verwerfliche Rolle gespielt. Ferner protestierte er gegen die umfangreiche Verwendung der Truppen. Die organisierte Arbeiterschaft werde nicht dulden, daß das bürgerliche Leben streikender Arbeiter durch eine unnötige Truppenentsaltung gestört werde.
Auf die Kritik Macdonalds erteilte Churchill eine energische Antwort und verteidigte die Hal tung der Regierung, die durch die Notlage vollkommen gerechtfertigt gewesen sei und betonte, daß eine fortgesetzte Stockung des Eisenbahnverkehrs Beschäftigungslosigkeit und Hungersnot in einem großen Teil des Landes hcrvorgcrufen haben würde. Er erklärte weiter, keine Blockade durch einen auswärtigen Feind hätte in so wirksamer Weise einen Druck auf die große Bevölkerung des, Landes ausüben können. „Ich weiß keinen Falt in der Geschichte", sagte Churchill, „wo eine solche Katastrophe jemals ein großes Gemeinwesen bedrohte und erkenne an, daß die Eisenbahner im ganzen Lande nichts zu tun haben mit der Schmach und Schande des Aufruhrs und den Vorfällen von Unordnung, für die die Verantwortung gewissen Personen zuAeschrieben werden muß." Churchill sagte weiter, es wäre müßig, zu behaupten, daß der Ausstand ohne Gewalttätigkeit durchgcführt worden wäre. Die Regierung ergriff weder für das Kapital noch für die Arbeiter Partei, sondern stellte sich auf die Seite des Volkes. (Beifall.) „Wir find bereit, stark und vertrauensvoll jedem Angriff und jedem Vorwurf zu begegnen, da wir als Bevollmächtigte verantwortlich sind für die Wohlfahrt und die Sicherheit des Volkes. 9hir an dieses und an seine Lebensinteressen denken wir und haben versucht, unsere Pflicht zu erfüllen." (Lauter Beifall.)
Im Verlaufe der Aussprache unterzogen die Mitglieder der Arbeiterpartei das Vorgehen der Regierung wegen der Verwendung der Truppen noch einer scharfen Kritik, und es kam zu lebhaften Auseinandersetzungen zwischen Keir Hardie und Lloyd George. Hardie schlug vor, das Haus solle sich nur für eine Woche vertagen. Lloyd .George führte dagegen aus, wenn Umstände sich ereignen würden, die den Zusammentritt des Parlaments zwecks Genehmigung irgend einer Handlung der Regierung notwendig machen würden, würde man nicht zögern, das Parlament zusammenzuberufen. — Hierauf vertagte sich das Haus bis zum 24. Oktober.
London, 22. Aug. Nach neueren Meldungen über die Ausschreitungen in Tredegar, Ebbw-Valc und Rhymney plünderten die Aufrührer zunächst die Häuser von Juden, da gegen die Juden, die beträchtlichen Grundstücksbesitz in den drei Städten haben, seit langem wegen der hohen Wohnungsmieten ein Groll besteht. Später griff das Volk, welches auch über die durch den Eifenbahnausstand hervorgernfene Lebens mittel- teuerung erbittert ist, andere Gebäude an. In Tredegar wurden über 30 Personen ins Hospital gebracht, die bei einem Zusammenstoß mit der Polizei schwer verwundet wurden. Die Menge ist immer noch erregt und droht mit neuen Gewalttaten.
Arbeiterbewegung.
Die Gesamtaussperruug in der Metallindustrie.
Erfurt, 22. Aug. Der Verband Thüringer Metallindustrieller hat bei dem Gesamtverband deutscher Metallindustrieller die Gesamtaussperrung in der deutschen Metallindustrie beantragt.
Berlin, 23. Aug. 3000 Elektromonteure und Helfer Berlins und Umgegend, organisiert im Deutschen Metallarbeiterverband, die gestern abend in der Brauerei im Friedrichsheim versammelt waren, lehnten die Zugeständnisse der Arbeitgeber als unannehmbar ab. Sie gaben der Organisationsleitung in einer einstimmig angenommenen Entschließung Vollmacht, gegen diejenigen Firmen, die sich ablehnend verhalten, sofort auf das energischste vorzugehen, dagegen die Verhandlungen mit denjenigen Arbeitgebern vorzunehmen, die sich dazu bereit erklärt haben. Etwa 600 Monteure werden bereits heute die Arbeit niederlegen.
Der Ausstand der Slraßenbahnangestellteu in Saarbrücken.
Saarbrücken, 22. Aug. Die Forderungen der ausständigen Straßenbahnangestellten sind Lohnerhöhung und Verkürzung der Dienstzeit von 14 auf 10 Stunden sowie ein freier Sonntag im Monat. Die Direktion hat sich mit einer Lohnerhöhung grundsätzlich einverstanden erklärt. In einer gestern veranstalteten Besprechung der Straßenbahnangestellten und der Direktion verlangten die Straßenbahnangestellten die Hinzuziehung des christlichen Gewerkschaflssekretärs zu den Verhandlungen, was die Direktion aber ablehnte. Der Straßenbahnbetrieb wird zurzeit vom Bureau- personal spärlich aufrechterhalten. Die Direktion beabsichtigt, falls es nicht bald zu einer Einigung kommt, Personal von auswärts heranzuholen. Tie Polizei hat Schutzmannschaften an der Zentrale und den wichtigsten Kreuzungen stationiert.
Der Ausstand der Docker in Calais.
Calais, 21. Aug. Infolge einer gestern nacht zwischen Arbeitswilligen und aus ständigen Dockern vorgekommenen Schlägerei hat der Bürgermeister den Arbeitswilligen verboten, sich nachts auf der Straße zu zeigen, und angeordnet, daß sie den ihnen als Unterkunstsort angewiesenen Schuppen nachts nicht verlassen. Die Dünkirchener Hafenarbeiter haben den streikenden Dockern von Calais angeboten, für i h r e K i n d e r z u s o r g e n. Das Anerbieten wurde angenommen.
Deutsches Reich.
In der Tagespresse ist in der letzten Zeit verschiedentlich die Nachricht verbreitet worden, es sei beschlossen, in der Herbsttagung des Reichstages von einer Weiterberatung der St r a f p roze ß o r d nu ng abzusehen. Die Meldung entbehrt der „Norddeutschen Allg. Zeitung" zufolge jeder Unterlage. Bon den maßgebenden Faktoren ist im Frühjahr die Beratung der Strafprozeßordnung für die Herbstsession des Reichstages in Aussicht genommen morgen. Hieran kst inzwischen nichts geändert worden. Die verbündeten Regierungen geben.sich Der Hoffnung hin, daß die Strasprozeßreform von dem gegenwärtigen Reichstag zum Abschluß gebracht wird.
Ausland.
Ter französische Marineminister hat dem Tou- I o ii c r Platzoffizier M ajor M o u r r e, her sich durch den Artilcl der „Autorüö" b c 1 e i D i g t fühlte, minalc.t lassen.
er halte es für überflüssig, daß Mourre von dem Leiter des Blattes Jean Paul de C a s s a g n a c eine Zurückziehung des beleidigenden Artikels verlange. .
Infolge der gesteigerten M i l ch v r c i s e haben die Bewohner verschiedener Städte in Frankreich, darunter die von Mau- beuge, Nuitz und St. Georges bei Dijon, beschlossen, die Milchhändler zu bohkottie ren und nur die für die Kinder und Kranken notiuenbige Milch zu kaufen._____________________
Heer und Flotte.
Flugversuche in Gegenwart des Kriegsministers.
T e g c l, 22. Aug. Kriegsminister vonHeeringen unternahm heute morgen S'';> Uhr vom Tegeler Schießplatz aus einen Aufstieg mit dem Militärluftschiss „M. 2". Das Luftschiff manövrierte über Spandau, Haselhorst und Charlottenburg und landete um 9 Uhr wieder glatt auf dem Schießplatz in Tegel. 'Die Führung hatten Hauptmann George und Oberingenieur Basenach. Bald nach der Landung des Luftschiffes traf, von Töberitz kommend, ein M i l i t ä r z w e i d e ck e r hier ein, der den Schießplatz mehrere- mal umkreiste. Als die Insassen, Leutnant Mackenthun und Leutnant Hailer, vor dem Kriegsminister im Gleitfluge landen wollten, gewahrten sie plötzlich hinter dem Wall einen Graben. Der Apparat stieß an den Wall und wurde teils zerstört. Die Flieger blieben unverletzt.____________
Aus Statt und Cant*
> Gießen, 23. August 1911.
"'Vorn Großherzoglichen Hof. Der Großherzog und die Großherzogin sind am Dienstag nachmittag 3 Uhr von Bayreuth nach Schloß Wolfsgarten zurückgekehrt.
** Gerichtsassessoren. Durch Entschließung des Ministeriums der Justiz wurden die Reserendare Jak. Melot h aus Mainz, Burkhard Thurn aus Kelsterbach, Adolf Wagner aus Worms und Wilh. W od ä ge aus Friedberg zu Gerichtsassessoren ernannt.
'„V; *’ Die Maul- und Klauenseuche ist neuerdings in Eberstadt (Kreis Gießen) und Obbornhofen ausgebrochen.
** Wandervögel. Infolge eines Druckfehlers worin dem gestrigen Bericht über den Aufenthalt der Gießener Wandervögel in Holzhausen zu lesen, daß sie in einem „Stall" schliefen. Es muß dafür heißen „in einem Stock".
Landkreis Gießen.
? A l l e n d o r f a. d. Lahn, 22. Aug. Die Arbeiten an der Wasserleitung sind jetzt sämtlich in Angriff genommen, so daß man bis zum Anfang November damit fertig zu sein hofft. Der Wasserbehälter zur Fassung der Quellen oberhalb des Dorfes ist fertig, und es kann die Weiterführung des Wassers in den unterhalb des Dorfes befindlichen Brunnen vorgenommen werden. Die Bewohner unseres Dorfes haben sich fast alle entschlossen, ihre Häuser an die Leitung anzuschließen, auch solche, die Gegner der Wasserleitung waren, jedoch bei der jetzigen Trockenheit zur Einsicht gekommen sind. Zurzeit ist nur am oberen und unteren Ende des Dorfes je ein Brunnen, die gutes Trinkwasser liefern, das die Bewohner zum Teil 200 bis 300 Meter weit holen müssen. Tie Leitung des Wassers aus dem Wasserbehälter geht unter dem Kleebach durch in den schon früher ausgeführten Brunnen.
-m. Hungen, 22. Aug. Der gestern abend in der Station Ober-Widdersheim verunglückte Schaffner Gunk- ler ist eine Stunde nach seiner Einlieferung im hiesigen Kranlenhause seinen schweren Verletzungen erlegen.
Kreis Lauterbach.
~ Maar, 22. Aug. Ein bedauerlicher Unglücksfall ereignete sich heute nachmittag gegen 5 Uhr in hiesiger Gemarkung. Der Landwirt Heinrich Euler von hier war mit seinem Dienstknecht auf dem Felde mit Ausladen von Frucht beschäftigt, als ein Gewitter aufzog, wobei der auf dem beladenen Wagen beschäftigte Knecht Johs. Georg vom Blitze erschlagen wurde. Der Wagen stand sofort m Flammen, und nur mit Mühe gelang es dem Besitzer, die Pferde und den Erschlagenen vom Wagen zu entfernen. Der Dienstknecht war 16 Jahre alt und in Uellershausen im Schlitzerland gebürtig.
Kreis Schotten.
---- Ho chw ald Hausen, 22. Aug. Gestern besuchte der Fürst zu Erbach-Schönberg und Gemahlin Hochwaldhausen. Wie alle Besucher waren sie entzückt von der herrlichen landschaftlichen Umgebung, besonders von dem lieb- lichen Tal des Schwarzbachs, der noch immer reichlich Wasser führt. Nach mehrstündigem Aufenthalt fuhren die Herrschaften nach Gießen weiter.
A Vom Vogelsberg, 22. Aug. Die Hutweiden und Bergwiesen sind vollständig gelb und braun gebrannt. Das Weidevieh sieht trotzdem bis jetzt verhältnismäßig gut aus, weil trocken gewachsenes Futter selbst in geringen Mengen gut nährt. Falls aber der Futtermangel noch längere Zeit anhält, wird sich auch das gute Aussehen des Viehs ändern. Jungtiere werden so gut wie keine behalten, sie wandern in Masse zum Metzger. Es wird also nächstes Jahr an Jungtieren zur Aufzucht fehlen. Auch Die älteren Kühe werden verkauft und geschlachtet. Die Milchproduktion hat außerordentlich nachgelassen und zu dem Milch man- g el gesellt sich bereits der Bn 11 er m ange 1. Beide dürften im Herbst und Winter noch empfindlicher werden. Wie sehr die Milchproduktion nachgelassen hat, zeigt sich an den Verbrauchsziffern der Molkereien. Die Tiere liefern täglich kaum 2/3 der sonstigen Menge. Viele Molkereien haben die auswärtigen Lieferungen von Butter einfteUen müssen, da sie kaum noch ihre Künden befriedigen können. Tie Butterpreise steigen rapid, das Pfund kostet 1,40 bis 1,60 Mk.
Kreis Friedberg.
— Bad-Nauheim, 22. Aug. Am Samstag war die hiesige Synagoge dicht beseht. Nicht nur die hiesige Gemeinde halte sich eingeiundeu, sondern auch viele Kurgäste. Provinzial- Rabbiner Dr. Hirsch seid aus Gießen, der augenblicklich hier weilt, hielt eine begeisternde Predigt. Es waren Worte, die von Herzen kamen und darum auch zu Herzen gingen. Sichtbar gerührt und erbaut verließen alle die Andachtsstätte.
Starkenburg und Rhemyessen.
W Darmstadt, 22. Aug. Wie die Erdbebenwarte in Darmstadt-Jugenheim mitteilt, ist in der Stacht vom Samstag zum Sonntag, früh 3 Uhr 22 Min. bis 3 Uhr 35 Min., eine kurze seismische Störung registriert worden, die von einem Erdstoß im nordöstlichen Odenwald herrührte. Das Beben ist von Bewohnern Neustadls wahrgenommen worden und dauerte mehrere Sekunden.
Hessen-Najsan.
X. Han an, 22. Ang. Ein außerordentlich heftiges Gewitter mit Hagelschlag hat sich heute nachmittag im Kreise Hanau entladen. Strichweise hatderHagel schweren Schaden, namentlich an der Obsternte, angerichtet.
W Wiesbaden, 22. Aug. Im benachbarten Erben- heim setzte der Maschinenmeister eine Dreschmaschine in Be
wegung, während ein löjähriger Arbeiter mit dem Deien des Räderwerkes beschäftigt war. Dem jungen Manne, der in das Getriebe kam, wurde der Kopf zerquetscht, so daß bet Tod auf der Stelle ein trat.
Vie Stadt Sieben und ihre Feuerwehr.
(Altes und Neues.)
Tie Mitteilungen des Gieß. Anz. über den großen Brant» in der Marburger Straße und die daran geknüpften Be,prcchun- gen des Gießener Feuerwehrwesens haben in der Bevölkerung das lebhafteste Echo erweckt. Im weiteren Verfolg dieser Angelegenheit, deren glückliche Lösung für unsere Stadt von der größten Wichtigkeit ist, haben wir den Verwaltungsbericht der Stadt Gießen für das Rechnmrgsiahr 1909 und den V o r a n s ch l a g der Stadt Gießen für das Rechnungsiahr 1911 (1. April 1911 bis 31. März 1912) zu Rate gezogen um testzustellen, was von der Stadt geschieht, um ihre Einwohner gegen Feuernot zu schützen. .. ,7,
Auf Seite 85 des Verwaltunasberichtes finden wir zunächst die Mitteilung, daß die Stadt Gießen im Rechnungsiahr 1909 aus der Brandversicherungskasse eine Vergütung von 15 242 Mark erhalten hat. Diese Vergütung erhalten nach dem Gesetz vom 2. August 1902 — die Ergänzung und Abänderung des Gesetzes vom 28. September 1890 betreffend — solche Gemeinden, die „im Brandfalle über eine Hochdruckwasserleitung mit Hydranten in solcher Anzahl und in solcher Druckhöhe verfügen, twß dadurch ein wesentlich erhöhter Feuerschutz herbeigeführt wird". Dieser Vergütung von 15 242 Mark stehen 5247,75 Mark an Aus- gaben für Feuerlöschanstalten gegenüber, so daß die Stadt einen Ueberschuß von 9994,25 Mark erzielte, über deren Verwen- düng wir keine Bemerkung fanden. Ob noch amdere Ausgaben für das Feuerwehrwesen an anderer Stelle verbucht find?
Weiter heißt es dann in dem Verwaltungsbericht (Seite 85): Feuerlöschwesen. Die Feuerwehr der Stadt Gießen besteht aus der „Gießener Freiwilligen Feuerwehr" mit 180 Mann einschließlich Führern, der „Freiwilligen Gail'scken Feuerwehr" mit 100 Mann einschließlich Führern und der städttschen Pflichtfeuerwehr mit 120 Mann. Die gesamte Feuerwehr wird von dem städtischen Branddirektor, welcher zugleich das Amt eines Kreisfeuerwehr-Jnspektors für den Be- zirk der Stadt Gießen versieht, gemäß der Ortsfeuerlöichordnung befehligt. _ ,, , ,
lDie Wehren hielten im Berichtsjahre die satzungsgematz vorgesehenen Hebungen ab und wurden bei fünf Bränden alarmiert. Außerdem leisteten die beiden freiwilligen Feuerwehren wechselweise Wachdienste in der Stärke von je ein Führer und fünf Mann bei den Vorstellungen im Stadttheater und bei verschiedenen Schaustellungen und Festlichkeiten auf Oswalds Garten. In der Zeit von April bis Ende September bezog die Gießener freiwillige Feuerwehr an jedem Sonn- und Feiertage Brandwach e im Turmhause am Brand von nachmittags3Uhrbis abend s 8 Uhr in der Stärke von ein Führer und fünf Mann, um in der angegebenen Zeit, innerhalb welcher ein großer Teil bet Bewohner shch> außerhalb Gießens befindet, rasche Hilfe im Notfälle bringen zu können.
Im Voranschlag für das Rechnungsjahr 1911 finden wir Seite 34 unter dem Titel Feuerlö schaust alten: 15 000 Mark Vergütung aus der Brandversicherungskasse und 180 Mark für die Wohnung des Zeugwartes unter Einnahmen für das Jahr 1910 angeführt. Für das Jahr 1911 sind 16 000 Mk. als Vergütung der Braudversicheruiigskasse eingestellt. Auf S. 35 sind bann unter demselben Titel folgende Ausgaben verbucht :
1. Besoldungen für 1911 1240 Mk., (für 1910 1240 Mk.).
2. Dem Hauptmann der Gießener freiwilligen Feuerwehr Vergütung für schriftliche Arbeiten 50 Mk. (50 Mk.).
3. Der Gießener freiwilligen Feuerwehr zur Unterhaltung ihrer Uniformen 3 Mk. für den Mann und für neu eintretende Mitglieder 6.50 Mk., 700 Mk. (700 Mk.).
4. Kosten der Diplome für Feuerwehrmänner anläßlich ihrer 15jährigen Dienstzeit 50 Mk. (50 Mk.).
5. Für die Bedürfnisse der Pflichtfeuerwehr, insbesondere für Plakate zur Bekanntgabe der Uebungen 150 Mk< (100 Marft.
6. Ter Gießener freiwilligen Feuerwehr für Stellung einer Sonntags-Brandwache in der Stärke von acht Mann während der Sommermonate, 2 Mark für den Mann, 450 Mk. (450 Mk.).
7. Für die Anschaffung und Unterhaltung von Löschgerätschaften 1000 Mk. (1000 Mk.).
8. Dem Heinrich Schwan Vergütung für die Instandhaltung der Feuerlöschgeräte 100 Mk. (100 Mk.).
9. Für Heizung und Beleuchtung im Turmhaus 450, Mk. (450 Mk.).
10. Für den Wasserbedarf im Turmhaus und für Löschzwecke 100 Mk. (100 Mk.).
11. Für Steuern und Brandversicherungsbeiträge (Bedarf in 1910 78.32 Mk.) 100 Mk. (100 Mk.).
12. Für bauliche Unterhaltung des Turmhauses einschließ-. lrch der Reinigung der Feuerungsanlagen und Kanalbenutzungs-. gebühr lt. Beilage 85, 400 Mk. (600 Mk.).
Im ganzen für 1911 4790 Mk., für 1910 4940 Mk.
Einer Einnahme von 15180 Mark im Jahre 1910 stehen also 4940 Mark Ausgaben gegenüber, während im Jahre 1911 16 180 Mark Einnahmen sogar nur 4790 Mark Ausgaben gegen» überfteben. Dabei sind für die Bedürfnisse der Pflichtfeuerwehr 50 Mark mehr, für die Unterhaltung des Turmhauses 200 Mark weniger eingestellt worden. Es ist also eine weitere Ersparnis von 150 Mark zu verzeichnen, lieber die Verwendung dieser Gewinne ^10 240 Mark jur das Jahr 1910 und von 11390 Mark für das Jahr 1911 haben wir ebenfalls keinen Vermerk gefunden: sie müßten denn unter einem anderen Titel eingetragen fein
In den letzten drei Jahren hat die Stadt nach diesen Aus- lungen zusammen 31642,25 Mart Ueberschuß iit dem Titel Feuerlöschanstalten gehabt, und alles, was zur Verbesserung der Feuerwehren geschehen ist in diesen drei Jahren, sind 50 Mark Ausgaben mehr für die Pflichtfeuerwehr und die Erhöhung ber „S 0 nnta g s-Br and wache" um 2 Mann, denn der Verwaltungs- bericht silr 1909 spricht von einer Wache von 6 Mann unb der Voranschlag für 1910 unb 1911 führt eine solche von 8 Manu an.
Ss ist nun vorerst keine Frage, daß die Stadt Gießen be- rechttgt ist den Ueberschuß aus den Vergütungen der Brand- versicherungskasie nach ihrem Gutdünken zu verbrauchen, beim eme Vnpflichtung diese Vergütungen lediglich zur Ausgestal- tung des-Feuerlöschwesens zu verwenden, besteht nicht, wenigstens t ?? bedarf aber wohl kaum des Hinweises, daß Die Uusgaben für die Feuersicherheit im Verhältnis zu den Vergütungen der Brandversicherungskasse viel zu gering üü? e? auch keiner Erörterung, daß eine Stadt die S'y bat, das Leben die Gesundheit und das Eigentum ihrer Bewohner noch Möglichkeit zu sichern. WaS geschieht nun, um diese Sicherheit zu erzielen?
In der Zeit von Ende April bis Ende September ist an den Sonn- unb Feiertagen eine Brandwache von 8 Mann vorhanden, aber diese auch "ur von nachmittags 3 Uhr bis abends 8 Uhr.
r/V r-ft zu kurz bemessen. Die Wache
mußte mindestens bis 12 Uhr abends in Feuerbereitschaft sein, denn erst bann ist damit zu rechnen, daß die Mehrzahl der Einwohner bereits innerhalb ihrer Wohnungen ist. Daß diese Wache einem großen ^euer ohne jeden Verzug unb aufs beste aus- gerüstet gegenubertreten könnte, wäre auch mir bann möglich, wenn fie über einen sofort fahrbaren Löschzug verfügte. Ist bas aber nicht ber Fall, muß sie auf die Bespannung warten, ’l*. !J)rc Tätigkeit von vornherein lahmgelegt und selbst Die tüchtigsten Feuerwehrmänner könnten nichts ausrichtcn. Im d?sten <5alle könnte sie ihre Geräte selbst befördern, und kämen bann atemlos unb teilweise erschöpft an ber Brandstelle an.
-'UN und ja im allgemeinen große Bränbe glücklicherweise


