Ausgabe 
22.8.1911 Zweites Blatt
 
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Men. Der dem Reichstag vorgelegte Entwurf eines Gesetzes gegen Mißstände im H c i l g ew erbe, das sogenmmte Kur- pfuschergesetz, hat Veranlassung gegeben, die Interessen der von diesem Entwürfe betroffenen vandwerkszweige zu wahren. Die Schädigung des Handwerks durch Konsumvereine ist un Berichtsjahre erneut zur Bearbeitung herangezogen worden. In den Bereich dieser <yrngc gehört auch die Schädigung des Hand­werks durch Beamleuvereine und durch den gemeinsamen Waren­bezug von Beamten. Tie dem Handwerk durch Gefängnisse zugesÄgte Konkurrenz ist stets eine Hauptklagc gewesen und hat die Vertretungen des Handwerks zur Abwehr mobil ^gemacht. '-Lern Gesetze, betreffend die Sicherung der B a u f o r d c r u n g e n, eine praktische Anwendung zu verschaffen, sind die Organe des Stamm er-- tages auch im Berichtsjahr unausgesetzt bemüht geweien^ Dabei will der Kamiuerlag keineswegs generell den zweiten -i. des Gesetzes eingeführt sehen, sondern nur da, wo wirklich vorhandene Mißstände im Baugewerbe dies erforderlich machen. Wiederholten Klagen aus den Kreisen des .Handwerks folgend, hat der .Ins schuß Erhebungen über die Wirksamkeit der Wandertag er veranstaltet und dabei festgcstellt, daß die

Ausverkäufe von Wan der lagern

in manchen Bezirken zu einer wirklichen Plage für die solide Geschäftswelt geworden sind, die dringend ein Einschreiten ver­langt. Ter Kammcrtag steht mit diesem Wunsche nicht allem. Das Verfahren, welches bei Verfolgung von Nahrungsmit­tel-Verfälschung geübt wird, hat in gewerblichen Krcism wiederholt große Schädigungen dadurch herbeigeführt, daß das Publikum in Fällen der Änilagcerhebmig, selbst wenn der Gewerbe^ treibende ein freisprechendcs Urteil erzielt, durch diesrm Frerlprucl meistens nicht beruhigt >vird, vielmehr schon die Tatsache der Anklage genügt, um Mißtrauen bei den Kunden gegen das,Ge­schäft zu erzeugen. Ta eine Revision des NahrungsMittelgeietzes bevorsteht, so sind Bestrebungen im Gange, damit in allen zweifel­haften Fällen vor der Erstattung der Strafanzeige Sachverständige gehört werden. Tiefen Bestrebungen hat sich der Auslchuß an- geschlossen. Eine sehr bedeutsame Aufgabe ist dcnr Kammertage hinsichtlich der Wahrung der Interessen des Handwerks gegenüber den M o n o p o l b e st r c b u n g c n in der e l e k t r o t c ch n i, ch e n Industric gestellt worden. Bei der Bekämpfung des Borg­unwesens fehlt es leider noch an wirklich praktischen Maß­nahmen zur Bekämpfung des Nebels. Der Bericht erwähnt zum Schluß ncxl) die Stellungnahme des Kammertages zu den sozialpolitischen Gesetzen des letzten Jahres und dessen Arbeiten auf dem Gebiete des Unterrichtswesens.

Morgen findet die erste Hauptoersammlmig statt.

Tagung des Verbandes der hessischen Urankentassen.

Schotten, 20. August.

Die heute hier in der Turnhalle abgehaltene sechste ordent­liche Mitgliederversammlung des Verbands der Krankenkassen und der Gemeinden als Träger der Krankenversicherung im G ro ß herz o g tu m Hessen war von etwa 100 Kasscnvertrctern besucht, außerdem waren Vertreter vieler Staats- und städtischen Behörden als Gäste anwesend. Tcm Verband, der eine außerordentliche Jahres tätigfeit entfaltet hat, gehören zurzeit 187 Kassenorganisationen mit 71000 Mitgliedern an, er hat int abgelausenen Jahre einen Reinzuwachs von 28 Kassen mit über 10 000 Mitgliedern. Nach Erstattung des Rechenschaftsberichts und nachdem die Kassen­rechnung ordnungsgemäß geprüft und Entlastung erteilt worden war, berichtet der Gescl)äftsführer Rechnungsrat Harth über die wichtigsten Bestimmungen der Nci chs v er s i ch er u n g s- ordnung, wobei er auch auf die Sonderabdrücke, die den Kassen schon zugegangen seien bezw. troch zugehen, hinwies, die in gedrängter Kürze alles verzeichnen, was sanken-, Jnvaltden- und Hinterbliebenenversicherung enthalten. Zu der Reichsver­sicherungsordnung nahm die Versammlung nach erstatteten aus­führlichen Einzelberichten und dann sich anschließenden Erörte­rungen in folgenden Puntten Stellung:

1. Die Staatsregierung soll ersucht werden, gemäß § 36 der Reichsversicherungsordnung nicht für jedes Kreisamt, sondern für jede Provinz ein gemeinsames Versicherungsamt zu errichten mit Beamten im Hauptamt, denen andere Verwaltungsarbeiten nicht übertragen werden sollen. .

2. Das Ministerium des Innern soll ersucht werden, Vertreter des Verbands vor Erlaß der Wahlordnung gemäß §§ 73 und 8 1351 der Reichsversicherungsordnung betreffend Wahl der Ver- sicherungsvertteter zu hören.

3. Das Ministerium des Innern soll ersucht werden, eine Befreiung von der Krankenversicherungspflicht gemäß 88 170 und 171 der Reichsversicherungsordnung bezüglich der in Bettieben ober int Dienste öffentlicher Verbände oder öffentlicher Körper­schaften Beschäftigten sowie der int Dienste nicht öffentlicher .Körper­schaften oder als Lehrer und Erzieher an nicht öffentlichen Schulen oder Anstalten Beschäftigten, denen int Erkrankungsfall die Fortzahlung der Vergütung auf die Dauer von 26 Wochen zu­gesichert ist, nicht eintreten zu lassen, da die Zusicherung nur eine minderwertige Krankenfürsorge darstelle.

4. Ter weitere Antrag des Vorstands, die Errichtung von Landkrankenkassen nicht zu empfehlen und überall da, wo Orts­krankenkassen bestehen, Landkrankcnkassen nicht zuzulassen und der Antrag, daß, wenn wider Erwarten doch Landkrankenkassen er­richtet würden, durch Landgcsetz gemäß § 336 der Reichsversiche­rungsordnung geregelt werden solle, daß Vorstand und Ausschuß wie bei den Ortsttankenkassen gewählt würden, soll auf Beschluß der Hauptversammlung nebst Begründung allen Kassen nochmals schriftlich vorgelegt werden. Tie Kassen müssen innerhalb vier Wochen ihre Abstimmung schriftlich betätigen.

5. Der «Vorstand wird beauftragt, um die fachliche Befähigung für die vollbeschäftigten Beamten der Krankenkassen in Hessen einheitlich zu regeln, eine Prüfungskommission zu bilden.

6. Der Vorstand soll die Umwandlung des Verbands in einen Kassenverband gemäß § 406 der Reichsversicherungsordnung oder in eine Kassenvcreinigung gemäß § 414 der Reichsversicherungs­ordnung in die Wege 'leiten.

7. Tas Ministerium soll ersucht werden a) den Krankenkassen 15<>/0 Rabatt ohne Bestimmung einer Mindestsumme beim Bezug der Arzneien aus den Apotheken zu gewähren; b) ferner eine Handverkaufstaxe hcrauszugeben, in welcher olle dem freien Ver­kehr und dem Apothekenhandverkauf vorbehaltenen Arzneimittel mit den der Billigkeit entsprechenden Preisen enthalten sind, ohne Rücksicht daraus, ob diese mit ober ohne OKbrauchsanwei- sung verschrieben sind: c) feine Altordnung int Sinne des 8 376 Abs. 3 der Neichsversicherungsvrdnung zu treffen, so daß also die Krankenkassen nach wie vor die Bezahlung derjenigen Arznei­mittel ablehnen können, die nicht von einem mit ihr in Ver­bindung stehenden Lieferanten bezogen worden sind und d) die Apothekerfrage in Hessen einheitlich zu handhaben.

8. Das Reichsversicherungsamt zu ersuchen, im Interesse einer Geschäftsvcreinfachung Vierwochenmarken verausgaben zu lassen.

9. Tas Ministerium des Innern zu ersuchen, das in He,,en bewahrte Einzugsverfahren für die Invalidenversicherung in der seitherigen Weise bestehen zu lassen und die, .Hebgebühr für die Einziehung einheitlich für alle Einzugsstellen zu bemessen.

10. An das Ministerium des Innern eine Eingabe zu richten, zu bestimmen, daß, gleichwie den Gemeindeit ober Kreisen, auch den Krankenkassen ober Krankenfassenverbänben neue ober beim» gefallene Apothekenkonzessionen verliehen werben können.

11. Die Errichtung einer Revisioiisstelle zur Prüfung der Arzt- unb Apothekerrechmingen, in ähnlicher Weise wie sie in Württemberg besteht, in bic Wege zu leiten.

12. Das Ministerium bes Innern zu ersuchen, eine Revision der Gebührenordnung für die approbierten Äerzte, soweit b;e Mindestsätze der Gebülwenorbnuitg geänbert werben sollen, vor­erst nicht vorzunehmen.

13. Den Buubesrat zu ersuchen. Anorbnung zu treffen, daß eine übersichtlichere Statistik von den Krankenkassen zu führen ist.

Nachdem der Vorstand noch der Versammlung bekannt gab, daß er für alle Fälle der Praxis Formulare Herstellen lassen wolle, um bic größtmöglichste Einheitlichkeit zu erzielen, wurde

zur Wahl des Vorstandes geschritten. Ter seitherige Vorstand wurde einstimmig wiedergewählt; anstelle des ausgescknedeiten Kranfenkässenrechners Banspach-Lorsch, d?m für feine ersprießliche Tätigkeit der Dank der Versammlung ausgesprochen wurde, wurde Herr Hax in Groß-Umstadt neu gewählt. Als Ort der nächsten Versammlung würbe Lindenfels bestimmt.

Ans Stndt ttnö Land.

Gießen. 22. August 1911.

** 55. Allgemeine Versammlung der D e n t - I cf) c n Geologischen Gesellschaft. Am Freitag, 18. August, fuhren die Exkursionsteilnehmer in vier großen Wagen von Gießen über Steinbach nach der Ganseburg und über Albach, Reiskirchen nach G r o ß e n - B u s e ck, um die geologisch interessanten Aufschlüsse dieser Gegend ßu studieren. Nach einer Frühstückspause wurden die Basalt- tuffe im Haingrabental und das Kieselguhrvorkommen am Pfarrwäldchen untersucht, dann die Fahrt bis Climbach fortgesetzt, woselbst die Wagen verlassen wurden und zu Fuß über den, in der Literatur mehrfach als Kraterrest be­schriebenenAsp e n kipp el" nach Treis an der Lumda gewandert. Von hier aus wurde 5.43 Uhr die Rückfahrt nach Gießen angetreten. Abends fand im Hotel ein gemüt­liches Zusammensein statt, wobei Oberbergrat Grae ßne r- Berlin nochmals des Entgegenkommens der Großh. Regie­rung gedachte, sowie dem Führer der Exkursionen durch Rheinhessen, Hergrat Prof. Dr. Steuer und dem Führer oer oberhessischen Exkursionen, Bergnot Dr. Schottler, im Namen der Deutschen Geologischen Gesellschaft Dank aus­sprach. Oberlehrer Franke-Duisburg hob hervor, wie die Großh. Geolog. Landesanstalt in allen Standquartieren für gutes Unterkommen der Teilnehmer gesorgt hatte und lüie olles andere wohl vorbereitet war, so daß sämtliche Exkur­sionen programmäßig ausgeführt werden konnten, (sein dreifaches Glückauf galt dem Assistenten Fuchs-Darmstadt. Am Samstag, dem letzten Exkursionstage, wurden zunächst das Eisensteinvorkommen bei Mücke und die dortigen Erz­wäschereien besichtigt, wobei Wergrat Köbrich-Darmstadt, der am letzten Tage die Führung übernommen hatte, einen er­läuternden Vortrag hielt. Won Grünberg aus wurde dann ein Sonderzug der GrünbergLichButzbacher Neben­bahn benutzt, der an verschiedenen Stellen anhielt, damit die Teilnehmer Gelegenheit hatten, die geologisch inter­essanten Aufschlüsse in den Einschnitten dieser Bahnlinie zu studieren, lieber Kloster Arnsburg wurde dann nach Gar­be nt eich gewandert zum Studium der dort vorkommenden sog. Seekreide. Zur näheren Untersuchung der Lagerungs- Verhältnisse dieses Vorkommens wurde in das Dr. Siebel- Gießen gehörende Bergwerk eingefahren. Nachdem noch Bergrat Köbrich für die Führung Dank ausgesprochen war, wurde nach Gießen zurückgefahren, woselbst sich die Teil­nehmer trennten, um in allen Teilen Deutschlands das in Hessen gesehene «wissenschaftlich äu verwerten.

** Gießen er Ferienkolonie. Am Samstag mittag zogen 15 Schäler der Volksschule unter Führung des Lehrers Adam nach Homberg a. d. Ohm in die Sommerfrische, um während der Ferien sich dort zu erholen. Die Kosten dieses Aufenthalts werden aus der Bückingstiftung bestritten.

Landkreis Gießen.

Wieseck, 20. Slug. Der Tag von Gravelotte wurde von dem Kriegerverein in würdiger Weise gefeiert. Einem geselligen Zusammensein im Gasthause des Wirtes A. Ziegler am Freitag abend folgte am Sonntag morgen Kirchgang und Ehrung der Toten auf dem Friedhof. Pfarrer Groth-Rödgen, als Stellvertreter des zurzeit beurlaubten Pfarrers Bernbeck, hielt eine der Bedeutllng bes Tages ent­sprechende Predigt. Besonders iveihevoll gestaltete sich die Feier auf dem Friedhof. Rach einer tief empfundenen Ge­dächtnisrede des Geistlichen auf die im Kampfe für ihr Vater­land gefallenen und später verstorbenen Krieger legte Prä­sident Vogel am Kriegergedenkstein einen Lorbeerkranz nieder. Für Sonntag, den 3. September ist eine gesellige Zusammen­kunft mit Familie auf der nahen Wellersburg vorgesehen.

-in. Hungen, 22. Aug. Dem in den 30 er Jahren stehenden Schaffner Gunkler, wohnhaft in Garbenheini, wur­den gestern abend in der Station Ober-Widdershei in von dem um 9 Uhr hier eintreffenden Güterzug beide Beine abgefahren. Der Schwerverletzte wurde nach Anlegung eines Notverbandes in das hiesige Krankenhaus verbracht. Gunkler ist ein pflichteifriger Beamter und Vater von vier Kindern.

Kreis Lauterbach.

^Bermuthshain 21. Aug. Trotzdem die Dienst­zeit unseres Bürgermeisters Fricdr. I ost erst im November d. I. abläuft, macht sich schon jetzt eine lebhafte Agitation zu der demnächst stattfindenden Neuwahl bemerkbar. Wie ver­lautet, soll in dem Landwirt Ernst Pfannstiel ein Gegen­kandidat aufgestellt werden.

Kreis Friedberg.

x Bad-Nau heim, 20. Aug. Im Konzertsaal gab die Kurkapelle gestern abend ihr 8. Künstlerkonzert, bei dem Frau S ch o b b el'- Z o d e r von der Kgl. Hofoper in Dresden mitwirkte und einen schönen Erfolg errang. Zn gleicher Zeit veranstaltete auf dem prächtig beleuch­teten Johannisberg das Friedberger Toppelquartett des Seminarlehrers Kuhn einen Liederabend, der reichen Beifall erntete. Heute erreichte der Besuch des Bades, der durch verschiedene Vereine und Gesellschaften noch ver­stärkt wurde, wieder eine außergewöhnliche Höhe. Die Züge der Haupt- und Nebenbahn hatten abends Mühe, den Be­trieb zu bewältigen.

Kreis Wetzlar.

--- Holzhausen, 20. Aug. Seit 14 Tagen haben sich 15 Gießener Wandervögel hier eingenistet. Den jungen Leuten ist ein leerstehender Stall eines Hauses un­entgeltlich eingeräumt, worin jeder feinen Strohsack aus- geschlagen hat. Die Wandervögel leben sehr einfach. Es wird alles, loas nötig ist, gemeinsam beschafft und es gibt in der Woche nur zweimal Fleisch. Die jungen Leute machen täglich Streifen in die Umgebung, stehen früh auf und legen sich zeitig nieder. An einer passenden Stelle hat man den Bach gestaut und so ein schönes Bad geschaffen. Heute trafen auch drei Ferienkotonisten der Gießener Volksschule ein, die auf 14 Tage Gäste der Wandervögel sind. Ihr Lehrer trägt dafür die Kosten, weil er mit dem Fleiß und dem Betragen der Schüler zufrieden war. In unserer Gemeinde hat man die jungen Burschen sehr gern, weil sie immer vergnügt sind und sich nett und bescheiden benehmen.

Hessen-Nassau.

A Bieber bei Rodheim, 21. Aug. Während unsere sonst vorzügliche Wasserversorgung bei der seitherigen Trocken- pcriode weniger ergiebig war, ist Vetzberg um seine angetanste Quelle zu beneiden. Nur burm Ausstellung großer Maschinen ist es möglich, die Quellfasfung vorzunehmen. Ter Quelle entfließt eine solche Wassermenge (über 2000 Kubikmeter täglich), daß eine

weit größere Gemeinde reichlich versorgt werden könnte. Der Kaufpreis der Quelle beträgt nur 2400 Mark.

i| Marburg, 21. Aug. Ter Artillerist Christian Greif aus dem nahen Dorfe Wehrda hatte gestern, ohne Urlaub zu be­sitzen, von seiner Garnison Bockenheim aus einen Abstecher in seine Heimat gemacht. Als er gestern abend wieder zurücksahrcn wollte, verspätete er sich und versuchte trotz der warnenden Zurufe der Beamten, auf den bereits fahrenden Zug zu springen. Im nächsten Augenblick hörte man auch schon Schmerzensschreie, dem unglücklichen jungen Äöann waren die Räder über beide Füße gegangen. In der Klinik wurde ihm der rechte, Fuß bereits abgenommen, es ist fraglich, ob ihm der linke Fuß er­halten bleibt. , . .

[] Gladenbach, 21. Aug. Der jung verheiratete Arbeiter Barth aus Mornshausen, der in Friebertshausen in Arbeit stand, wurde am Samstag unweit Rüchenbach in schwer ver­letztem 3 u ft a n b in der Nähe der Lanbsttaße neben seinem Rabe besinnungslos ansgefunben. Der junge Mann hat bis jetzt noch nicht Auskunft geben können, was mit ihm paniert in. Ta in jener Gegenb in letzter Zeit mehrfach Leute von Strolchen belästigt würben, glaubt man nach Lage der befonberen Umstände, baß es sich hier ebenfalls um einen Heb er fall handelt.

Kg. Kirchhain, 21. Aug. Gestern fand hier das Preis­schießen des Kreiskrieaervcrbanbcs Kirchham statt. Als Preise waren ausgesetzt vom Verbandsvorsitzenden 1 silberner Becher, vom Kreisverbaiid 2 Geldpreise und vom Kriegerverern Kirchhain 1 Standuhr. Von jedem ber 33 Verbanbsvcreine waren 2 Schützen ausgewählt, bie je 3 Schuß auf 150 Meter Entfernung auf eine 12-Ringscheibe abgeben mußten. Von jebem Verein waren bie besten Schützen ausgewählt unb mußte man eine scharfe Kon­kurrenz erwarten. Den ersten Preis erhielt ber Kriegerverem Allenborf mit 61 Ringen, ben 2 Preis ber Verein Marborf mit 60 Ringen und ben 3. Preis der Verein Albshausen mit 58 Ringen. Der beste Schutze des Tages, P. Weber von Burgholz, erhielt für seine 34 Ringe bie Stanbuhr. Daß dem Schießsport im Kreise Kirchhain viel Shmpathie eutgegengebracht wird, zeigte die rege Beteiligung aus allen Orten des Kreises.

fc. Wiesbaden, 20. Aug. Kaum aus dem Gefäng­nis in Butzbach am 28. Juni d.. entlassen, brach der 25jährige Taglöhner Georg Lichtenstein, wohnhaft in Bernsburg, Kreiß Alsfeld, am 1. Juli d.. in eine Jagd­hütte in ber Nähe von Brandoberndorf ein und nahm alles, waS nicht niet- und nagelfest war, mit. Kurze Zeit darauf wurde er festgenommen und hatte sich heute wegen schweren Diebstahls in strafschärfendem Rückfall vor der Wiesbadener Strafkammer zu verantworten. Diese erkannte gegen Lichten­stein auf 1 Jahr 2 Monate Gefängnis.

wandern und Reisen, Bäder und Sommerfrischen.

* Der Vogelsberger Höhen-Club, Zweigverein Frankfurt, unternahm am Sonntag unter zahlreicher Be­teiligung feine 9. V e r e i u s w a n d e r u n g. In der Frühe brachte die Bahn bie Ausflügler über Vilbel unb Stockheim nach Ranstadt. Von hier ging es bas Laisbachtal aufwärts unb von ber Hohe genoß man einen schönen Blick auf Ranstadt nnb Dauernheim, zur Westerau und nach dem Taunus. Anmutig schmiegt sich hier bas Dorschen Bellmuth an die Laisbachberge. Auf hübschen Wald- unb Wiesenvfaden zogen die Wanderer bann über bas Hofgut Bieber- berg nach Wippenbach, wo im GasthausZur schönen Aussicht" ein Labetrunk winkte. Nach kurzer Erholungspause führte der Weg bann über Selters mit seinem Beuebiktus-Sol-Spnibel über Bleichen­bach und Wolf nach B ü b t u g e n. Nach Begrüßung durch den dortigen Zweigverein ging es unter ben Klängen ber Musik nach demStern', wo ein gemeinsames Mittagessen nach Dem heißen Marsche Stärkung verlieh. Gegen 4 Uhr zogen bie V. H.-El.-er vereint nütZden Bübinger Schützen nach demHammer*, und hier entwickelte sich denn bald bei dem H e r b st s ch i e ß e n ein fröh­liches Treiben. Um y27 Uhr erfolgte dann die Preisoerteilung durch ben Fürsten von Büdingen, und nur zu bald mußte die Rückfahrt nach Frankfurt angetreten werben, wo um Mitternacht die Ankunft erfolgte. Auch die Zweigvereine Hanau und Offen­bach beteiligten sich an dein Herbslfchießen.

Universitäts-Nachrichten.

hk. Darmstadt, 21. Aug. An ber Technischen Hochschule wurde dem außerordentlichen Professor und 1. Assistenten am elektro­technischen Institut, Dr. iug. Waldemar Petersen, ein Lehr­auftrag für Hochspannungstechnik und dem Privatdozenten Dr. ing. Ernst P reuß ein solcher für Hebungen in ber Malerialprüfnngs- anstalt für Bauingenieure erteilt. Der Tiplom-Jngenieur Georg Rüth, Oberingenieur der Firma Dyckerhoff & Widmann in Biebrich a. Rh., erhielt einen Lehrauftrag für Anwendungen des Eifenbelonbaues.

£uftfd)iffabrt.

P. 6.

Berlin, 21. Aug. Tas LuftschiffP. 6", bas gestern nachmittag um 4 Uhr 20 Min. von Johannisthal abgefahren war, ist um 7 Uhr abenbs in Anwesenheit bes Großherzogs und bes ErbgroßherzogS auf bem Exerzierplatz in Neustrelitz ge- lanbet. Heute früh 4 Uhr 39 Min. erfolgte bie Rückkehr nach Berlin mit bem Erbgroß Herzog unb bjrni Staatsminister v. Bossart an Borb.

Tas Luftschiff ist um 7 Uhr 45 Min. nach glatter Fahrt unter Führung bes Oberleutnants Stelling, ber bei seiner Lanbung in Neustrelitz von dem Großherzog mit bem Greifen- orben ausgezeichnet würbe, in Johannisthal gelanbet. Sofort nach ber Lanbiing begab sich ber Erbgroßherzog im Automobil nach bem Stettiner Bahnhof, von wo er um 8 Uhr 45 Win. bie Rückfahrt nach Neustrelitz antrat.

*

Berlin, 19. Ang. Ter Flieger Hoffmann stieg heute früh 4 Uhr 28 Min. mit einem Passagier unb einer Kiste Morgen- 3eitungen in Johannistal zum Fluge nach Frank­furt a. d. Ober auf. Er legte bie Strecke in 38 Minuten 52 Sek. zurück, fo baß bie Zeitungen eine Stunbe früher in Frankfurt waren als mit bem Zuge, ber sie gewöhnlich beförbert. Die Flugzeit ent- fpricht einer Stundengeschwinbigkeil von 113 Kilometern.

Gctrcidc-Wochenbericht

der Prcisberichtsstette des Deutschen Lanbwirtschaftsrats vom 15. bis 21. August 1911.

Die an den Eintritt kühlerer Witterung geknüpften Erwar­tungen haben sich bisher nur teilweise erfüllt, denn nur im Ge­biete der Ostsee sind größere Niederschläge vorgekommen, während es in den übrigen Lanbesteilen nur wenig ober gar nicht geregnet hat, so baß man wegen ber Kartoffelernte weiter besorgt bleibt. Jnfolgebessen hat bie durch die Aussicht auf Niederschläge hervor­gerufene flaue Stimmung seit Mitte der Woche wieder einer er­neuten Befestigung Platz gemacht, zumal sich zu den gebriidtat Preisen bie Ausfuhr von Roggen nach Norbrußlanb, Skanbftiavien unb Westi)eutschlanb belebte. Hinzu kam, baß Rußlanb'anbauernd große Zurückhaltung bekundet und infolge ungünstiger Witterung, bie bic Zufuhr zu den Hasenplätzen behindert, auch seine Forde­rungen für Gerste wieder gesteigert hat. Die gleichfalls wieder festere Tendenz für Weizen fand mehr an Roggen als in den Verhältnissen des Weltmarktes eine Stütze. Trotz höherer kana­discher Ernteschätzungen und unerwartet starker Abladungen von der Donau konnte auch dieser Artikel seinen Preisstand, nament­lich für spätere Sichten, wieder bessern. Tas Warenangebot im Jnlandc war zeitweise etwas stärker, ohne bei guter Nachfrage der Provinz und der Aufnahmefähigkeit der Küstenplätze indes einen Druck auf die Preislage auszuüben. Reges Interesse machte sich namentlich für Hafer bemerkbar: das Inland bietet nur wenig an und hält auf Preise. Lieferung war gleichfalls fest und konnte seit Montag wieder eine Mark gewinnen. Für Braugerste ver­halten sich bic hiesigen Brauereien immer noch'reserviert, während sich in der Provinz für das Angebot gute Aufnahme zeigt. Russi- ' sche Gerste Mch anfänglicher Abschwächung wieder befestigt ta*