Ausgabe 
16.11.1911 Erstes Blatt
 
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mäßig verkünden, in langen Ausführungen das Wort. Tas Gespräch ist danach recht harmlos gewesen; leoiglich In­formationen, wie sie ein Minister ausschlaggebenden Parteiführern eben zu geben pflegt; aber freilich ein Er­eignis war es doch, wichtig genug, um einige Zeitungs­spalten daran zu wenden, zur Ehre des Namens Erz- Lerger und zur Steigerung des ultramontanen Macht­gefühls. Es ist auch nicht das erste Mal, daß der Abg. Erzberger sich dieser intimen Beziehungen zum Staatssekretär des Auswärtigen rühmt. Nach Aus­druck der Revolution in Portugal forderte Erzberger im Reichstag das Auswärtige Amt auf, in portugiesisch Afrika die Interessen der Jesuiten wahrzunehmen, und schon einige Tage darauf, am 22, Dezember, konnte sein Blatt, dieSächs. Volksztg.", als erstes und einziges, gleichsam offiziös mitteilen, daßdas Auswärtige Amt eine sehr entschieden gehaltene Vorstellung rn Lissabon über­reicht habe dahin, daß es die Ausweisung der Jesuiten als Verlegung der Kongoakte ansehen würde".Nach un­seren (!) Informationen", hieß es weiter,hat sich auch Oesterreich-Ungarn. diesem Protest angeschlossen."

Aehnlichinsormiert" über die Stellung des Auswär­tigere Amts zur katholischen Mission zeigte sich Erzberger auf dem Mainzer Katholikentag, wo er in einer Sitzung der katholischen Frauenvereine diesen den Dank des Staatssekretärs für ihre Missionsarbeit in den deutschen Kolonien überbrachte. Es war dieselbe Sitzung, in der Erzberger die Eroberung der deutschen Kolonien für den Katholizismus das Endziel der katholischen Mission nannte. Aus seinen Gesprächen mit Herrn von Kiderlen teilte er damals, mit, daß dieser ihm über mangelnde Hilfe des Kapitals bei der Kolonisätionsarbeit geklagt und er, Erzberger, ihm als Ersatz die Kasse der katholischen Mission gleichsam als katholische Volks bank angeboten habe. Auch in den einzelnen Phasen der Marokkoverhand­lungen tat die Erzbergerpresse so, als ob sie am besten informiert" sei; noch am 24. September 1911 wußte die Sächs. Volksztg." z. B., daßHerr v. Lindequist in seinem Amt bleiben werde und gar keinen Anlaß habe zurückzu­treten".

Wenn jetzt dieDeutsche Tagesztg." schreibt (14. Nov., Nr. 580), daßes noch durchaus nicht feststehe, wer Herrn von Lindequists Nachfolger sein werde", so braucht nicht erst gesagt zu werden, daß das Zentrum alskom­menden Mann" den Gouverneur von Ostafrika von Rechen­berg fordert. Aber man erinnert sich auch, daß wiederum die. Erzbergerpresse (Sächs. Volksztg." u. a.) mitschlim­men Folgen" gedroht hat, wenn die Wahl dennoch auf einen andern als Rechenberg fallen sollte. So ganzharm­los" scheint sich also der Abgeordnete Erzberger in seinen Unterhaltungen" nicht zu geben, und man wird abwarten müssen, was bei ihnen schließlich noch herausspringt. Daß Erzberger, wo er es für notig hält, auch zu schmeicheln versteht, zeigt tzas Lob, das er Herrn von Kiderlen im Tag" (15. NovJ für seinekurzweiligen Antworten" im Reichstage erteilt.

Aus Hessen.

Zur Landtagsstichwahl in Gießen.

Wieseck, 15. Nov. In einer von der Fortschrittlichen Volkspartei im Saale von Adam Ziegler einberufenen, vor­nehmlich von Sozialdemokraten besuchten Versammlung, sprach als erster Redner Oberlehrer Dr. Strecker-Bad-Nauheim. Er führte aus, wie trotz Pluralwahlrecht und Kamelen am 3. No­vember 2/3 der abgegebenen Stimmen der Linken zugefallen seien. Leider sei der Gcoßblock der Linken nicht zustande gekommen, es wäre sonst das Ergebnis schon gleich beim ersten Wahlgang ein noch viel günstigeres gewesen. Das Volk habe eingesehen, daß die Machenschaften des letzten Landtags ein Ende haben müßten. Eine zweifellos reaktionäre Mehrheit sei an der Arbeit gewesen, mühsam errungene Volksrechte preiszugeben. Da müsse Einhalt geboten und Wandel geschaffm werden. Das nächste

wandelt sich zum Gefilde der Seligen und es ertönen die herrlichen Chöre der Geweihten. Dionysos beginnt ein Gespräch mit dem Chorführer und erkundigt sich nach der Wohnung des PlMo, des Gottes der Unterwelt. Die Szene verwandelt sich abermals, und zwar in den Palast des Pluw. Sie klopfen an. Als der Pförtner Aeakos den vermeintlichen Herakles erblickt, fährt er diesen mit den gröbsten Schimpfwvrten wütend an und schwört, Rache an ihm für den von ihm geraubten und getöteten Kerberos zu nehmen. Dionysos überkommt eine fürchterliche Angst und er überredet seinen Diener Xanthias, das Gewand mit ihm zu vertauschen. Alsbald erscheint die Magd der Persephone und lädt beide zum Besuche ihrer Herrin cm. Dionysos will nun seine Rolle tvieder eintauschen und es entsteht ein edler Wett­streit zwischen beiden; darauf folgen mehrere Szenen von derber, drastischer Komik, bis sie zum Schlüsse zu Pluto geführt werden. Damit schließt die zweite Abteilung.

Der dritte Teil beginnt mir einer köstlichen Szene zwischen Aeakos und Xanthias, welche sich als verwandte Diener-Seelen erkennen und innige Freundschaft miteinander schließen. Da er­tönt ein furchtbares Schreien aus dem Innern des Palastes: Ein Streit ist zwischen Aeschylos und Euripides entstanden um den tragischen Thron; bisher hatte ihn Aeschylos inne gehabt; als aber Euripides kam, buhlte er um die Gunst der gemeinen Menge und suchte ihn zu verdrängen und beansprucht nun für sich den Thron. Es wird deshalb ein Wettstreit vorgeschlagen; zum Schiedsrichter wird Dionysos gewählt. Nach einem Chorlied, welches der Freude über die zu erwartenden Dinge Ausdruck gibt, folgt die Szene des teils ernsten, teils tomischeu Wettstreits, der von Euripides eröffnet wird und sich auf alle Teile der tragischen Kunst im allgemeinen mrd auf die Prologe, Chorgesänge und Monodien im besonderen erstreckt. Zuletzt werden beide Dichter zu einer Wage geführt und jeder spricht dreimal einen Vers in die Wage, und dreimal senkt sie sich zu guusten des Aeschylos. So entscheidet sich Dionysos für Aeschylos und be­schließt, ihn statt des Euripides mit in die Oberwelt hinauf- zunehmen. toie gehen, und Pluto und der Chor wünschen dem Dichter Glück und Heil, und dem Staate und der Stadt Athen Weisheit und reichen Segen.

Die erste Aufführung der Komödie, die im Jahre 405 v. Ehr. erfolgte, erregte allgemeine Bewunderung. Sie hat auch heute, nach 2300 Jahren, noch nichts von ihrer Frische eingebüßt. Für die hiesige Ausführung, bei der bekanntlich die Hauptrollen in den Händen der Herren Türgas, Hacker und Lehrmann von Darm­stadt liegen, werden alle ihr Bestes einsetzeu, und wenn das Publikum ihr freundliche Empfänglichkeit entgegenbringt, wird der Erfolg nicht ausbleiben.

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Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen­schaft. In Pforzheim wurde in Gegenwart oes Grog- h e r 6 o g s die neue Kunstg e w e r b e s chu lc eröffnet. Später besichtigte der Großherzog die Ausstellung der Pforzheimer In­dustrie, die von über 70 Fabrikanten beschickt ist und em glänzen­des Bild der entwickelten Juwelenindustrie bietet. Es befinden sich in der Ausstellung Schmuckgegenstände, von denen einzelne hunderttausend Mark wert sind. Nachdem der Großherzog noch das neue Stadtbad besucht, nahm er beim Amtsvorstand den Tee ein und lehrte turz nach secys Uhr nach Karlsruhe zurück. Der frühere ordentliche Profeisor und 'Direktor der Frauenklinik an der Universität Rostock , Geh. Medizinalrat Dr. rned. Frieorich Schatz, begeht am 17. b. M. seinen 70. Geburtstag. Karl btüftner, der belaiuue heßisck-e Maler, hat gestern in Guluers- hlum sein 50. Lebensjahr vollendet.

sei deshalb die Bekämpfung der Reaktion in Hessen. Da müsse beim gesagt werden, daß nicht bloß der Bauernbund und das Zentrum, sondern auch die Nationalliberalen eifrig bemüht ge­wesen wären, im rückschrittlichen Sinne zu wirken. Ueberhaupt habe diese Partei, beeinflußt durch die rechtsstehenden Parteien, und um Mandate zu erringen, sehr häufig die liberalen Grund­sätze verleugnet und es an der nötigen Charakterfestigkeit fehlen lassen. Die Unterschiede zwischen seiner Partei und der Sozial­demokratie müßten zurzeit verschwinden int Hinblick auf den gemeinsamen Feind. Er schloß mit der Anforderung, nächsten Freitag seinen Freund Urstadt zu wählen. (Beifall.).

Ter Kandidat Professor U r ft a b t möchte am liebsten auf die Worte von Strecker, die er voll und ganz unterschreibe, nur Bravo sagen. Er wandte sich nun an der Hand eines Flugblattes gegen die Art und Weise, wie die rechtsstehenden Parteien für )ici) Stimmung zu machen suchten. In diesem Flugblatte seien fast nur die wirtschaftlichen Punkte hervorgehoben. Es gelte aber, in nächster Zeit viel wertvollere ideale Güter zu ver­teidigen, wie die durch das Zentrum gefährdete Simultanschule; besonders abw sei die G eichberechligung acker Staatsbürger vor dem Gesetz zu erstreben. (Beifall.)

In der A u s s p r a ch e mckdett sich Stadlv. K r u m m - Gießen zum Wort. Seine Ausführungen richteten sich vornehmlich gegen die naüonalliberale Partei. Es sei zweifellos Klingspor unmög­lich, eine R.formierung der nackonalliberalen Partei im Landtag durchzuführen, er w.rde sicher dieselben Enttäuschungen erleben wie Pagenstecher-Mainz. Um K ingspor vor diesen Enttäuschungen zu bewahren, müsse jeder sozialdemokratische Wühler unbedingt für Professor Urstadi eintreten. (Lebh. Zustimmung.) Auf eine Anfrage aus der V.rsammlung, wie sich der Kandidat zur organi­sierten Arbeiterschaft stelle, entgegenete Professor Ur ft ab t in seinem Schlußwort: Er billige nicht die Weltanschauung der Sozialdemokracke, b ssuders auch nicht das Erfurter Programm. Er verwerf: aber die Art, wie gegen die organisierte Arbeiterscha t vorgegangen werde, er sei gegen jegliche Ausnahmegesetze, die jedoch noch nicht so schlimm seien, als die ausnahmsweise Be­handlung. Die Sozialdemokratie sei eine Geistesströmung, die nicht durch Gewaltmaßregeln unterdrückt werden könne. Er trete auch unbedingt für das Koalitionsrecht der Arbeiter ein. Mit einem Hoch auf die Linke wurde die Versammlung gegen 11 Uhr geschloffen.

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Au8 dem Landtagswahlkreis Darmstadt.

Die deutsch-soziale uiu Die cyristlicy-soziale Partei in Darmstadt erlassen einen Stichwahl-Aufruf, in dem sie zur Stimmabgabe für den fortschrittlichen Kandidaten Hen­rich auffordern. Das Zentrum dagegen hat strengste Wahlenthaltung proklamiert. _____________________

Die Kanalisierung der Lahn.

Zur zweiten Lesung des Schi f f a hir t § ab g ab en* aesetzesim Reichstag beantragen 95 Mitgliederve r- ichiedenerParteien, darunter auch der Gießener Ab­geordnete Dr. Werner:

1. in § 1 Abs. 2 hinter den Wortenbis züm Rhein" einzufügen:und auf "ber Lahn von Gießen bis zur Mündung in den Rhein".

2. in § 2 Abs. 1 als Ziffer 4 einzufügen: 4. zur Ka­nalisier ung der Lahn auf 1,80 Meter Fahrwasser- tiefe und für Schiffe bis 45 Meter Länge.

3. in § 11 unter a Zeile 6 vorfertiggestellt" einzufügen: sowie die Lahnkanalisierüng von Gießen bis zum Rhein".

4. für den Fall der Annahme vorstehender Anträge: a) in § 8 Abs. 5 hinter den Wortenauf dem Rhein und fernen Neben­flüssen" einzufügen:mit Ausnahme der Lahn", b) in § 11 unter a Zeile 10 die Worteder Lahn" zu streichen.

Deutsches NeSch.

Der Kaiser verschob seine Reise nach Baden- Baden und Donaueschingen wegen Erkältung vorläufig auf Sonntag abend.

Aus Köln wirb.gemelbet: Nach einem dreitägigen Wahl­kampf um die Stadlverordnetenmandate 2. Klatz'e siegte am Mittwoch die ganze Liste der Zentrumspartei mit 400 Stimmen über die Kandidaten der liberalen Parteien. Die konser­vative Partei war zum erstenmal mit Sonderkandidaturen auf» getreten.

In Hamburg ist soeben die Neuregelung der Beamten- und Lehrerbesoldung nach saft zweijähriger Arbeit zum Abschluß gekommen. Dabci wurde den Oberlehrern an den höheren Lehranstalten ein Gesamtdiensteinkommen von 450011 000 Mk., den Vollsschullehrern ein solches von 25005100 Mk. bewilligt.

Ausland.

Die russische Reichsduma nahm in zweiter Lesung die Gesetzesvorlage an, wodurch den übrigen russischen Untertanen in Finnland, die gleick-en Rechte wie den finnischen Bürgern gewährt luerben. Der Antrag, den Inden in Finnland die Rechte zuzuerkennen, die ihnen im Bereiche außerhalb der Ansiedelungs­zone gehören, wuroe von dem Antragsteller zurückgezogen.

Der russisch persische Streit

London, 15. Nov. Die russische Note, in der von Persien eine Entschuldigung für den bei der Beschlagnahme der Be­sitzung Schua es Saltanehs vorgekommenen Zwischenfall verlangt wirb, setzte eine Fr ist vo n 48 Stunden für die Antwort fest. Die Frist ist Montag Nacht abgelaufen. Rußland senbet noch ein Bataillon nach Täbris, um die dortigen russischen Truppen aus die Stärke zu bringen, die sie vor einigen Monaten vor der Zurückziehung eines Teils der Truppen hatten. Man erfährt, Rußland werbe beim Ausbleiben einer befriedigenden Antwort 200 Kosaken nach Aftrabad schicken, um die dortige Konsulats­wache zu verstärken, im Hinblick auf die dortigen Unruhen und die Gefährdung der Stadt. Ferner sollen Truppen nach Ghilam und Talisch gesandt werden, wo Persien gleichfalls nicht fähig ist, hie Ordnung aufrecht zu erhalten. Die Expeditionen haben in jedem Falle nur die Aufgabe, die Ordnung wieder her zustellen und aufrechtzuerhalten, ein Verfahren, das nicht pls eine Okku­pation im allgemeinen Sinne des Wortes betrachtet werden darf.

Die Revolution in China.

Washington, 15. Nov. An amtlicher Stelle läßt man sich angelegen sein, zu erklären, daß die beschlossene Entsendung amerikanischer Truppen nach China keine politische Be­deutung habe. Nach dem Boxervertrag seien die Mächte ermächtigt, längs der Eisenbahn Truppen zu. unterhalten. Die Vereinigten Staaten hätten von diesem Rechte bisher niemals Gebrauch ge­macht, aber nun fühlten sie sich gedrungen, den Mächten zu helfen, die Straßenverbindung von Peking nach der See aufrecht zu er­halten. Man erklärt, daß die Bereinigten Staaten keinen Plan auf chinesisches Gebiet haben. Der TransportdampferSheman" vor Manila ist bereit, die Truppen in vier Tagen an ihren Bestim­mungsort zu befördern, sobald der Befehl hierzu erfolgt.

Aus Stabt und Land.

Giegen, 16. November 1911.

* Tageskalender für Donnerstag, 16. November: Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde: Vortrag von Pros. Dr. W e g c n e r-Berlin: Das heutige Indien nach Studien und Beobachtungen luäljrenö der Rälje des deutschen Kronprinzen. Abends b1/* Uhr m der neuen Aula.

St o 1 o 11 e u in : Prograinmwechsel.

Oefsentl. Wählerversammlung der f o r t s ch r. V o l k s p a r t c i. Redner: Gutsbesitzer Beck er-Bartmannshagen und Prof. U r |t a b t. Abends v'/, Uhr in Siems Gatten.

" Voiil^ Großh. Hofe. Prmz Heinrich von Preußen ist nm Mittwoch vormittag im Automobil wieder von Kiel in WolfSgarten eingetroffen, auch Prinzessin Heinrich kam gestern wieder dortbin.

* * Lehrerpersonalien. Ueb.ertragen wurde dem Schulamtsaspiranten Karl Kahle aus Gießen eine Lehrerßelle an der Gemttndeschule zu Beuern. Erledigt ist die mit einem evang. Lehrer zu besetzende zweite Lehrerstelle an der Gemeinde­schule zu Ranstadt.

* © ta btt bcater. Es sei ausdrücklich darauf hin- gewiesen, baß die Vorstellung be§ neuen SchwankesMeyers* am kommenden Sonntag um 772 Uhr beginnt, baß also der regelmäßige Vorstellungsanfang emgehalten wird. Am Nach, mittag fällt bekanntlich wegen des Konzertes die Vor­stellung aus.

* * Die zweite Opernvorstellung wird am Mitt­woch, den 29. b. Mts., slaltfinben. Es gelangen .Die luftigen Weiber von Windsor*, große Oper mit Ballett von 9licolat, zur Aufführung, die am 25. d. Mts. in Darm- ilabt in neuer Einstudierung als Festvorslellung zum Geburts­tag des Großherzogs gegeben werden.

** Vom Konzertverein wird uns über dieLiszt- feier geschrieben: Wenn man die Programme mustert, die gelegentlich der Lisztseier in größeren Städten zur Ausführung gelangen, so fällt auf, daß gerade der 13. Psalm am häufigsten vertreten ist, und auch mit Recht; denn er gehört zweifellos zu dem Besten, was Liszt an kirchlichen Chorwerken geschaffen, eine kurze, aber um,o inhaltreichere Komposition, von echt kirchlich-religiöiem Empfinden ge­tragen, die aber keineswegs auf die Kirche beschränkt ge­blieben ist, vielmehr sich schon lange den Konzerisaal er­obert und dauernd behauptet hat. Liszt hat außer dem 13. noch vier andere Psalmen, zwei große Messen und meh­rere Oratorien komponiert und sich auf dem Gebiete der musica sacra als einer der fruchtbarsten, zugleich aber be­deutendsten Komponisten der Neuzeit (das Werk ist 1855 geschrienen) erwiesen. Er ist hierdurch für die Entwickelung der musikalischen neueren Tonkunst maßgebend geworden und durch die neue Art der Gestaltung dieser Krchlichen Werke außerordentlich fördernd, ja geradezu bahnbrechend gewesen. Freunde der Melodik und reicher Instrumen­tierung werden in diesem Werke sicherlich auf ihre Rech­nung kommen. Bezüglich der Anlage des Werkes und ber einzelnen Themen fei auch hier auf die kleinen, im Verlag von Breitkopf und Härtel erschienenen Konzert­führer hingewiesen. Das Konzert wird in Hinsicht auf die Sonntagaberidvorstellung des Theaters schon um 4i/2 Uhr pünktlich beginnen und muß vertragsmäßig so früh been­det sein, daß die Vorbereitungen zur Theatervorstellung nicht beeinträchtigt werden. Aus Liefern Grunde ergeht an die Konzertbesucher die höfliche Bitte, durch frühzeitiges Erscheinen freunolichst dahin wirken zu wollen, daß das Konzert ohne Aufschub pünktlichst beginnen kann.

** Der Rad-KlubGermania" hält am Samstag, 18. d. Mts., wie aus dem Anzeigenteil ersichtlich ist, in der Turnhalle sein Winterfest ab, das nach den getroffenen Vor­bereitungen besonders schön zu werden verspricht. Tas Programm ist sehr reichhaltig und bringt u. a. Konzert, Kunstfahren auf 1 und 2 Rädern, Theater und humoristische Duetts, bei denen die bekanntesten Humoristen unserer Stadt tätig sein werden.

** Mu 1 eurnfür Völterkuude. Um einem größe­ren Kreise der Bevölkerung Gießens und seiner Umgebung den Besuch desStädtischen Museums für Völkerkunde" im Landgraf-Philipp-Schlößchen zu ermöglichen, wird von S o n n t a g, 19. d. Mts., an das Museum außer vormittags von 111 Uhr versuchsweise auch nachmittags von 46 Uhr geöffnet. Bei genügend zahlreichem Besuch soll diese Einrichtung den ganzen Winter hindurch aufrecht erhalten werden, was auch infolge Heizung des Museums ermög­licht wird. Der (Eintritt ist sowohl vormittags wie nach­mittags frei.

Kreis Lauterbach.

Queck, 15. Nov. Heute sand hier zum dritten Male in diesem Jahre Beigeordnetenwahl statt. Während die erste Wahl infolge Einspruches von dem Kreisausschuß für ungültig erklärt wurde, mußte bei der zweiten Wahl, in der Landwirt Konrad Schmier die meisten Stimmen er­hielt, Stichwahl erfolgen. In dem heutigen Wahlgang ging der seitherige Beigeordnete, Gastwirt und Postagent Heinrich Kraft 1IL, mit 46 Stimmen als Sieger hervor. Der Gegen­kandidat, Landwirt Konrad Schmier III., erhielt 31 Stimmen, Kraft ist seit dem Jahre 1884 Beigeordneter und beginnt so­mit seine vierte Wahlperiode.

~ Herbstein, 15. Nov. Bei der heute hier vor­genommenen Beigeordneten wähl wurde Molkereibesitzer: Joseph Kübel mit 187 Stimmen zum Beigeordneten dec Stadt Herbstein gewählt. Die gleiche Stimmenzahl hatte Kübel bei der am 26. Juli ds. IS. erfolgten Wahl erhalten, die aber von dem Kreisausschuß wegen Wahlbeeinflussungen für ungültig erklärt wurde. Ein Gegenkandidat war von der Partei des seitherigen Beigeordneten Ruhl, der bei der ersten Wahl mit 104 Stimmen unterlag, nicht aufgestellt worden.

-----Herbstein, 15. Nov. Die hessische Landwirt­schaftskammer veranstaltet am Sonntag, 19. November, nach­mittags, im Gasthause von Kübel hier einen Vortrag übet: Welche Art der Rindviehhaltung ist für den bäuerlichen Betrieb die zweckmäßigste? Zucht- oder einseitige Ab- melskw irisch ast?" Redner ist LandwirtschastSlehrer Heck- Alsfeld.

Kreis Friedberg.

w. Bad-Nauheim, 15. Nov. Heute besuchte der neuernannte russische Gesandte in Darmstadt, Seine Exzel­lenz Herr Ministerresident Staatsrat vom der V l i e t, nebst den beiden russischen Geistlichen von Wiesbaden in Be^ gleitung des Vorsitzenden des Kur- uni) Verschönerungs- Vereins, Lehrer A. Wagner, die hiesige russische Kirche. Der Gesarrdte sprach seine Bewunderuirg über die schön ausgestatteten großen, hellen Räume des Gottes­hauses aus.

L. Dorheim, 15. Nov. Heute abend sand hier eine Lehrerjubiläumsfeier statt. Lehrer Weitz feierte sein 50jähriges Jubiläum. Eine große Anzahl von Volks- und Seminarlehrern, der Orts- uub Schulvorstand und Landtagsabgeordneter Breidenbach waren erschienen. Der Jubilar verließ mit 49 Klassenbrüdern, von denen heute noch 17 leben, 1861 das Seminar in Friedberg. Fünf Jahre wirkte er im hessischen Hinterlande und 45 Jahre in unserer Gemeinde. Lehrer Koch- Friedberg überreichte Herrn Weitz im Namen des Bezirksvereins FriedbergBad-Nauheim eine Blumenspende. Die Gemeinde übergab zwei schöne Bilder und einen Teppich. Der Landes-Lehrerverein brachte Grütze durch seinen Präsidenten Hauptlehrer H u f f - Darmstadü Mehrer st o ch ließ den Landesherrn und Lehrer Müll e r den Kaiser hoch leben. Andere Redner gedachten des Jubilar«