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16.11.1911 Erstes Blatt
 
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Erster Blatt

M. Jahrgang

Auzetger «leben.

1frlofl u. Expedition 51 flbrefie tot Depeschen:

Nr. 270

Tet «1eV«r 2^-" trWint täglich, außer Sonntag». - Beilagen: viermal wöchentlich OichenerZamlliendlLNeri zweimal irbdieniLKreiS« blehfärbtnKreH6leß<n

Donnerstag, lb. November Vez««»»ret»r monaliid)75iM^ vierter« jSb. ,4h jährlid) 'M 2.20; tmrdi

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Chefredakteur-. A Goetz.

Verantwortlich für den - politischen Teil: August

General-Anzeiger für Gberhesfen 8SKL

innahme>n anjeigeii Botationsbrud und Verlag der Vrühl'schen Unio.-vuch- und Zkeindruckerel R. Lange. Redaktion. Erpedition und vruckerel: Schuistrahe 7. r EHed;°ür den

vonniuag»"s"ühr. vüdingen: 5ernsprecher Nr. 269 Seschaflzstelle vahnhosftraße (6a. Anretgenieä: H. Beck.

(Iun»lag und Freitag): zweimal monatl. land' «irttchastliche-eittraAea Fernsprech - Anschlüsse: für die Redaktion 112,

Die heutige Nummer umfaßt 14 Seiten.

i. Ttc gegen die Vlunuhrung Teil berechtigt sein, für die

etwas ausführlicher darauf ein. Herr gacker führte, nach dem Tarmsr. Tagcbl.", etwa folgendes aus: ,

Wahrend die antiken Tragödien our unteren Bübnen teilronte heimisch geworden sind, lind die Komödien meistens nur in philo­logischen Kreisen za gelegentlicher Aufführung gelangt und den eigentlichen Bühnen fremd geblieben. Tie gegen bte Aufführung erhobenen Bedenken mögen zum T^.l ''**.

Frösche" aber, namentlich wie sie hier aufgeführt werden, trefren diese Bedenken nicht zu.

Der italienisch-türtiiche Krieg.

Tie gegenwärtige Kriegslage.

Tripolis, 15. Nov. (Ägenzia Stesani.) Die Ein­richtung der verschiedenen V e r w a l t u n g s d i e n st e macht

Tagegcn bildet für Frankreich der unter englischer Aegide abgeschlossene Geheim vertrag von 190-1 den Gegenstand ernstester Sorge. Denn sein Inhalt, den man erst im Wortlaut durch eine Veröffentlichung desMatin" vom 8. November kennt, gipfelt, soweit er die jetzt zwischen Frankreich und Spanien bevorstehenden 'Marokkoverband- hingen m feinen B i spanische Einflußsphäre in Marokko durch eine der Küste parallel von Larasch über Elksar nach dem Muluvaslusie aber in die spanische Einflußsphäre ebenso einbezogen wer­den wie der von Spanien bisher noch unbesetzte Hafen von Jfni. Außerdem bestimmt Artikel 3 des Abkommens für den Fall, daß wenn die Sckerifische Regierung die Crb- nung in Marokko nicht mehr aufrecht erhalten könne, Spanien das Recht haben solle, eine Aktion in seiner oben skizzierten Einflußsphäre in voller Freiheit und Macht­vollkommenheit auszuuben.

Es ist sehr begreiflich, baß die französischen Kolonial­schwärmer darauf Hinweisen, daß Spanien den größten Vorteil von der Aufrollung der Marokkofrage habe, weil es durch seinen erweiterten Besitz an der Europa zuge- kehrten Küste im Mittelmeer zu einer Art Machtstellung gelange in:b überdies sich dort wegen des fruchtbaren Bodens ein zweites Andalusien schaffen könne. Es ist aber durch­aus verständlich, daß man in Frankreich verlangt, der Weg von Fez nach dem wegen seines diplomatischen Cha­rakters wichtigen Tanger solle französisch sein inft» nicht durch daS spanische Larrasch und Elksar gestört werden. Wenn aber die Franzosen Svanien, wie es scheint, für die Räumung von Larrasch und Elksar nur da? Gebiet von Tetuan anbieten, daS sie ihm schon 1902 zuficherten und außerdem Jfni, auf daS Spanien ja sowieso nach dem Ver­trage von 190-1 Anrechte hat, so dürften sie ihre Rech­nung ohne den SBirt gemacht haben. Und wenn sie dazu noch drohen, daß, wenn Spanien sich weigert, sie ganz ohne seine Zustimmung das Protektorat über Marokko er­richten und mit dem Rechte des Stärkeren Larrasch und Elksar besetzen würden, so bedeutet das jedenfalls eine Turchbrechung deS Abkommens von 1904 und im übrigen die Politik der brutalen Gewalt.

Abtretungen Spaniens an Deutschland?

Madrid, 15. Nov.Fmparcial" dementiert die Nach­richt, daß zurzeit zwischen Berlin und Madrid Ver­handlungen im Ckingc seien, bezüglich der Abtretung von Spanisch-Guinea und Fernando P^o an Teutschland.Correspondencia d'Espana" erklärt, Spa­nien muffe i u der Zahlung, die Deutschland von Frankreich zugestanden worden sei, beitragen. Aber es wäre ungerechtfertigt, daß Spanien eine Kompensation zahle, die in keinem Verhältnis stände zu den Vorteilen, die es erlangen werde.

Paris, 16. Nov. Wie dieLibertö" erfährt, sind b;e Verhandlungen zwischen Frankreich, Teutsch­land und Spanien betreffs Uebcrgnbe von Spanisch- Guinea an Deutschland trotz der Dementis bereits im Gange. Uebrigens handele es sich nicht um Slbtretungi, sondern um eine 99 j ä hri g e Pa ck t.

mit der Ermächtigung, den Sieger mit sich in die Oberwelt hinauf- zunchmen. Nack einem langen, sehr launigen Wettkampf, während dessen Euripides sich die Sympathien des Dionysos verscherzt, entscheidet die Wage der Poesie schließlich zugunsten des Aeschylos, und Tionyses begibt sich mit ihm, begleitet von den Segens­wünschen Plutos und des Chors, zur Oberwelt zurück.

Arißophanes schildert hier mit lebhaftesten Farben den großen Kontrast der beiden Tragiker und Mil dem Euripides ein endloses Sündenregister vor: er ist von Glaube und Sitte abgesallen, ein Verderber des Volkes, erzieht er die Fugend zur Verweichlichung, Zuchtlosigkeit und Buhlerei, er ist ein spitzfindiger Sophist von verstandesmäßiger Sentimentalität, keiner moralücken Entrüstung und Begeisterung fähig, aber gewandt und gerieben. Tie Form, seiner Dichtung ist unkünstlerisch und lax, seine Sprache all­täglich, cr gehl nur darauf aus, der Menge »u gefallen: Euri- pides schildert feine großen Charaktere, sondern elende Wirk- licbkeilsftguren und ordinäre Menschen aus dem Alltagsleben, Laher jubeln ifjm die Gemeinen zu, während ihn die Beüeren. hatten Niederschlagen mögen. Ihm stellt der Tichtcr den edlen, kraftvollen und stolzen Aeschylos gegenüber, dessen Kunst ideal, erhaben und grandios ist.

Zum Schluß gab Herr Hacker eine Tarsteilung des Lust­spieles, wie es bei uns auf der Bühne erscheint:

Die erste Szene stellt die Oberwelt dar. Auf einer Landstraße erscheint Dionysos in Begleitung seines Sklaven Lamhias, der aui einem Eiel reitet, aber i'ctn Gepäck selbst trägt. Ter Auszug ist höchst sonderbar: Tionysos, als Herafles verkleidet, in einem sasranfarbigen Weiberrock mit hohen Weibersckmhcn, befleißet mit einer Löwenhaut und in der Rechten eine mächtige Keule. Sie suchen das Haus des Herakles aus, der bei ihrem Anblick in ein unmäßiges Gelächter aus bricht: nachdem Tionysos ihm sein-- Absicht mitgeteilt har, nämlich oen Euripides aus der Unterwelt berauizuholen, zeigt ihm Herakles c-m Weg dorthin, und bi; Wanderung beginnt. Tie Szene rerwanoelt stch zum Unter trclnec; nach längeren Unterhandlungen mit b:m Fährnrni' Cbaron setzen sie über, wobei Tionysos 'eibü tue rn muß. Au­di e, er Fahrt werden fie von dem Cbor de. Frösche begleitet, welch; chrBrekekekex koax koax" ouaken, und es entspinnl sich ein komisches Gespräch zwischen Dionysos und den Froicken. Nach diesem Chor ist, der Sitte des Äristophanes gemäß, die Kornoo- benannt rooroen., Nachdem sie am jenseitigen Ui r an ^.anj. sind, bezahlt Tionvsos die 2 Cholen für die Ueberfahrr. -amu schließt die erste Abteilung.

Ter zweüe Teil zeigt den finsteren Teil der Unterwelt. Dionysos und Tanthias iranbent weiter und fangen an sich fürchterlich zu graulen, eine höchst tomische Szene, bei inJajcr Der furchtsame Dionysos eine ergötzliche Rolle srncli. Da schlagen liebliche Flötentone au§ der Ferne an ihr Ohr, die Szene ver-

VieFrösche" ver Äristophanes.

. Zn Darmstadl yielt x?crr Hofschauspiucr uud Regisseur Hacker an Volksbildungsverein einen Vortrag über dieFrösche" des Äristophanes. Da dieser Vortrag zugleich die beste Einführung m die l'loniag abend im Stadtthealcr urucr Der Regie des Herrn Hacker zur Ausführung gelangende Komödie hübet, jo sehen wir

Das kirchliche Bekenntnis im Lichte der Geschichtsforschung.

Gießen, 16. Nov.

Die Reihe der rettgionswissenschaftlickeu Vorträge wurde gestern tu der Aula fortgesetzt Geheimer Mirdjen- rat Krüger sprach über Das kirchliche Bekenntnis im Lichte der Geschichtsforschung. .

Der Redner ging davon aus, daß der streit um das Dogma, d. h. um die kirchliche Lehre von der Srcicinigfeit und der Gottmenschheit, die Gemüter heute so lebhaft be­wege wie je. Gerade der Togmenhistoriker habe dabei eine Mission zu erfüllen, indem cr an der Hand geschichtlicher Nachweise aufkläreud wirke. Hierauf entwarf der Redner zuerst ein Bild von der antidogmatischen Bewegung früherer Jahrhunderte und ging dann auf die Entstehung der kirch­lichen Lel)rc ein. Er verweilte länger bei dem apostolischen Glaubensbekenntnis, insbesondere bei der Vorstellung von der übernatürlichen Geburt des Erlösers, und kam zu dem Schluß, daß mit den Mitteln geschichtlicher Forschung und ohne Heranziehung sogenannter rationalisrifcher Voraus­setzungen auf Grund der ältesten Uebcrliefcrung jene Vor­stellung als nicht giaubcnsoerbinMich erwiesen werden könne. Er zeigte weiter, wie gerade die Satze des soge­nannten zweiten Artikels in die Form von Aussagen über geschichtliche Tatsachen gekleidet seien und darum der gc fckichtlichen Kritik unterliegen, eben darum aber auch nicht Fundament und Eckstein des christlichen Glaubens fein können, wie die Mir die will. Es gilt bei Geistlichen^und Laien, vor allem aber bei den Studierenden der Theo­logie, die llebencugung lebendig werden zu lassen, bar, das kirchliche Dogma nicht auf Offenbarung ruht und somit feinen Ewigkeitswert besitzt. Tic Formen, in die der chriu licke Glaube von Geschlecht zu Gcscklecht stets von neuem gekleidet worden ist, sind menschlich und vergänglick): ewig ist allein die Offenbarung Gottes im Evangelium Jesu.

Nach diesen einleitenden Bemerkungen Zab der Vortragende eine kurze allgemeine Schilderung der attnchen Komödie, wobei er den "Darstellungen von Delcker, Droysen, Denner, Frankel und Schinck folgte. Das attische Lustspiel, bas von 460260 v. Ehr. in Blüte stand, war die glänymbüe und eigenartig sie Erscheinung des griechischen Geisteslebens und sand seine höchste Vollendung durch Arißophanes, denFürsten aller Lustspieldichter", dessen sprachliche Feinheit, Geist, Poesie und Witz nicht wieder über­troffen worben sind. Die Athener besaßen ein ganz ungewöhn­liches Interesse für die unmittelbare Gegenwart, das otUfche Lustspiel ist beshalb von bet jeweiligen Lage unb der geistigen Strömung des Volkes abhängig und hat mehrere Wandlungen durchgemacht. Man unterscheidet in seiner Entwicklung drei Ab- schnine, die alte, die mutiere und neuere Komödie. Die alte Komödie stand zur Zeit des Perikles und des peloponnesischen Krieges in Blüke, ihr hauptsächlichster Inhalt bildet das Staats­leben. Tic Verfa'tung, eine vollständige Volks Herrschaft, ge­wahrte völlige R.'befreiheü. Tic Komödie dieser Zeit ist das politische Lustspiel. Der zweiten Periode gehört Äristophanes etwa 38t) v. Ehr an, Hauuivertreler der Dritten Periode war Menanber (342290 v. Ehr.tz Die Begeisterung unb opser- freubige Vaterlandsliebe, der alte Glaube und die alte Sitte schwanden im athenischen Volke mehr und mehr dahin. Als Mitschuldigen kün dieser dem Volke verderblichen Wandlung sah Äristophanes den Dichter Euripides, gegen den er die Pfette seines bittersten Spottes, noch über dessen Tod hinaus, richtete. Ihn bekämpft cr auck in seiner KomödieDie Frösche", Vic un Jahre 405 v. Ehr. entstanden in.

Der Inhalt des Stückes ist für; folgetibes: Tioiiysos zieht, von seinem Sklaven st'anthias begleitet, in die Unterwelt, nm seinen Lieblingsdichter Eurwitcs rnirber heraufzuholen: denn die euren Dichter seien ict und die lebend?» laugten nichts mehr. Er hat das pdanrasti'che Kostüm des Herakles angelegt und lommr nach mancherlei Erlebnissen ernster und komischer Art schließlich im Hades an, begrüßt von dem Chor der seligen Eingewechten. Im Hades hat sich gerade ein Streu zwischen Aeschylos und Euripil..s um den iragüdKi Ehrenthron «usponnen, den ikr neu angetommene Euripides mr sich in Anspruch nimmt. Dwm-sos irirb von Pluto zum .Schiebsrichter m diesem Streit ernannt-

Fortschritte. Man sorgt regelmäßig für die Lerteilung von Lebensmitteln an die Eingeborenen In Ben g hast entdeckte Kavallerie während eines weiteren ErknndignngSritteS nach dem Innern noch eine Niederlage von Waffen unb Munition, die die Türken während ihres Rückzuges eingegraben haben. Während der Nacht vom 13. auf den 14. November wurde Terna von ©üb* westen angegriffen. Der Feind wurde mit Ver­lusten zurückgeschlagen. Tie Italiener hatten zwei Verwundete. _ e

lieber den vorgestrigen Kampf bei Siddi Messri sind noch folgende Einzelheiten nachzntragen Nach­dem die Artillerie daS HauS, in welchem der Feind ver­schanzt lag, zerstört hatte, machte Major Pisani mit zwei Kompagnien einen Gegenangriff und warf die Araber aus ihren Verstecken heraus. Während diese Kompagnien in ihre Stellung zurückkehrten, wurden sie von mehreren Arabern, die hinter dieser Stellung ver­steckt lagen, beschossen und verloren einige Venvnndele.

Vom Feinde hat man wenig Nachrichten, da weder durch Flugschisfe noch durch Ballons Erkim- düngen ausgesührt werden konnten. Wie versichert wird dattern die Nachschübe an Lebensnsltteln und Muni tion von her tunesischen Grenze her an : sie stellen den Hauptvorrat des Feindes an Lebensrnitteln bar und erklären den Einfluß der Türken auf die Araber.

TaS weitere Vorgehen Italiens.

Berlin, 16. TaSBerl. Tagbl." meldet an8 Nom: DieStampa", die die Ansicht der leitenden Streife über die Kriegsaktion wiedergibt, stellt in Mrede, daß die Mächte irgend einen Widerspruch gegen eine Flotten- a r t io n im Aegäischen Meer erhoben hätten, doch wolle die Regierung den geeigneten Moment unb die gün­stigen Bedingungen zum Handeln abroarten Nicht wahr fei ferner, daß der Vormarsch inS^Jnnere von Tripolis bis zum Frühjahr verschoben sei. General Eaneva werde vielmehr nach der Regenzeit den Vormarsch anordnen, sobald die Zeit ihm dafür geeignet erscheine.

Tie italienische Flotte in den Dardanellen?

Konstantinopel, 15. Nov.Ikdam" erfährt, die i t al i e n i s che Flo t t e sei mit 18 Schiffen in den Dar­danellen an gekommen und habe vor Seddilbahr unb Ki'mkalesi Aufstellung genommen Eine amtliche Bestä­tigung der Meldung fehlt noch.

Ausweisung der Italiener?

Berlin, 16. Nov. TieDeutsche TagesLeitunA" mel­det aus Rom: Einer Meldung desGiornale d'Italra" auS Konstantinopel zufolge hat der türkische SKini ft er­rat beschlossen, alle in der Türkei lebenden Italiener innerhalb 24 Stunden deS Landes zu verweisen. Die ttirkischen Behörden in Smyrna haben beschlossen, alle italienischen Piloten, die auf tür­kischen Schiffen beschäftigt find, ihres Postens zu entheben.

politische Lagesschau.

KlderltU'Erzbcrgersche Unterhaltungen.

In der deutsch-evang. Korrespondenz lesen wir:

Zu der interessanten Meldung von der bet traulichen Unterhaltung zwischen Kiderlen-Wächter und Erzberger über die Absichten des Reichskanzlers bezüglich der Verfassungs­anträge ergreifen jetzt auch die Blätter, die den Ruhm! und die Weisheit des Mannes ans Buttenhaufen beruss-

Die französisch-spanischen MaroNoverhandlungen.

Als am 7. November bekannt wurde, die spanische Regie tung stimme vorläufig dem deutfck>-sranzöfifchen Marokko abkommen nicht zu, wußte man, daß der dlbschlnß des spanifch-französifchen M.rrokkoabkommens, daS mit dem deutfch-französifchen Marokkoabkommen in engstem Zusam in en hang steht, Schwierigkeiten bereiten würde. Zwar feilten die Verhandlungen darüber schon Anfang dieser Woche in Madrid beginnen, aber sie sind schon jetzt auf das Ende der Woche hinauSgeschoben worden unb werden wahrschein­lich noch weiter vertagt werden, da die bisher in Paris unb Madrid abgehaltenen Beratungen vorläufig nicht einmal eine Grundlage für die eigentlichen Verhandlungen ergeben haben.

Es fällt inS Gewicht, daß die deutsche Regierung im Marokko» er trage Frankreich gegenüber sich verpflichtet hat, der französischen Regierung bei den bevorstehenden Ver­handlungen mit Spanien, wenn auch nickt sie zu unter stützen, so dock, ihr Desinteressement zu bekunden. Viel leicht wurde sie zu dieser Haltung gegenüber den französi­schen Forderungen, die von Spanien die Ausgabe von Elksar unb Larrasch, sowie den Verzicht auf den noch unbesetzten Hafen von Jfni fordern, baburdj bestimmt, daß Frankreich, wie der Minister bes Auswärtigen Marquis be Selbes am 11. November im Ausschuß anssührte, fid) in einer Zusatz- Häufel beim Vertrage mit Deutschland zum Verzicht auf fein Vorkaufsrecht an Spanisch-Guinea (süd lid) von Kamerun und von den jetzigen Kongoabtrctunaen Frankreichs umfaßt) bequemte, ganz abgesehen von der Ab­tretung der Kamerun vorgelagerten In,el Fernando Po unb bem Küstenstreifen von M uni, gegen deren Erwerbung durch Deutschland Frankreid) ebenfalls keinen Widerspruch erheben will, wenn sie als Kompensationsobjekte für die Erweiterung der spanischen Besitzungen in Nordmarokko dienen sollen.

DaS wäre nun für Deutschland altc5 schön unb gut, wenn Spanien unb Frankreich über die vollzogene Erweite­rung der spanischen Machtsphäre in Marokko einig wären ober Aussicht hätten, es in absehbarer Zeit zu werben. Daran ^ber ist kaum zu denken, da immer mehr zwischen Spanien, Frankreich unb England avgeschlossene Geheimverträge ans- tauchen, die die französische Regierung, bei der im Archiv fihres Ausivärtigen Amtes herrschenden echt französischen f llnorbnung, nicht im vollem Umfange kannte, als sic gegen v über Spanien die Forderungen nach der Abtretung von Larrasch unb Elksar unb des Hafens Jfni aufftelltc.

Don den Geheimverträgen Spaniens mit Frankreich über Marokko verdient btr Vertrag von 1902 einige Beachtung Dieser gegen bic Interessen EnglanbS abgefthlossene Vertrag sichert nicht nur Larrasch und Elksar, sondern sogar Tetuan, Tanger unb vor allem Fez den Spaniern. Ob dieser Ver- trag als spezielles Geheimabkommen zwischen Spanien unb Frankreich heute noch Gültigkeit hat, muß bahingestellt bleiben, jebenfalls hat er, ba er nicht bic Unterschrift Eng- landö trägt, für bic heutige Situation, wo fick England in die Marokkoangelegenheit cingcmcngt hat, keinen praktischen Wert. Und das auf Grund der jetzigen Berhältniffe betradp tet noch umfo weniger, als die Franzosen Fez in ihrer Ge­walt haben, unb der größte Teil der Mächte das Protettorat Frankreichs über Marokko bereits anerkannt hat.________