Ausgabe 
2.11.1911 Erstes Blatt
 
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Lagen endgültig abgelehnt hat, ffdfen wir unfern Freunden in Stadt Und Land ihre Stimmabgabe bei der bevorstehenden Landtagswahl anheim mit dem Bemerken, daß wir von einem vaterländisch gesinnten Mann, dem ein gesunder Liberalismus am Herzen jiegt, erwarten, daß er niemals einen Sozialdemokraten Wählen wird.

Beamtenfragen.

sd. Darmstadt, 1. Nov. Das hessische Gesamt- Ministerium mit den Vorsitzenden sämtlicher Aoteilun- gen der verschiedenen Ministerien waren gestern unter dem Vorsitz des Staatsministers Dr. Ewald zusammengetreten, !mn die Beratungen über weitere Vereinfachungenim Staatshaushalt, sowie über die Erhöhung der Beamtenbezüge fortzusetzen. Betreffs der Beamten- gechälter kam ein Vorschlag zur BeratunZ, der dahin geht, bas Wohnungsgeld auf 15 Proz. des Höchst­gehaltes festzusetzen. Damit würden die Sätze der Reichsbeamten sowie der preußischen Staatsbeamten er­reicht werden. Auch wurde vorgeschlagen, die Hälfte des Wohnungsgeldes p en s i o n s f ä h i g zu machen. Allerdings würde damit ein Mehraufwand für den Staatshaushalt von über einer halben Million Mark notwendig werden. Die Beratungen sind noch nicht beendet.

Deutsches Reich.

In Berlin hatten sich am gestrigen Mittwoch mehr als 4000 Arbeiter und Handwerker aus Reict-s- und Staatsbetrieben abends versammelt, um angesichts der Teuerung die Forderung einer allgemeinen Lohnaufbesserung zu erheben.

Wie dieNordd. Allgem. Zeitung" hört, wird der durch die Bestimmung des Grasen von Oberndorfs zum kaiserlichen Gesandten in Christiania demnächst frei werdende Posten eines Botschaftsrats in Wien dem derzeitigen Botschaftsrat in Rom, Prinzen Wilhelm zu Stolberg-Wernigerode über­tragen, der in der Person des bisherigen ersten Sekretärs, bei der kaiserlichen Gesandtschaft im Haag, Legationsrates v. Hin­denburg einen Nachfolger erhält. Wie dieNordd. Mlgcm. Zeitung" ferner hört, ist für die Wiederbelebung des Postens eines königlichen Gesandten in Weimar der frühere Bot­schaftsrat in Washington Graf Georg von Wedel ausersehen, der mit der zeitweiligen Führung der gesandtschaftlichen Ge­schäfte in Weimar bereits seit nahezu einer Jahresfrist betraut ist.

In Berlin wurde unter Beteiligung führender Verbände von Industrie, Handwerk und Gewerbe eine Submissions zen­trale des Hansabundes gegründet.

Ausland.

In Wien fand am Mittwoch nachmittag in Anwesenheit des 'Kriegsministers die erste Vorführung des Wirth schen Fern­lenkbootes auf der alten Donau statt. Der Kriegsminister nahm mit dem Erfinder im Boot Platz, verweilte während der wohlgelungenep Bewegung eine halbe Stunde und ließ sich die Konstruktion eingehend erläutern.

Wie dieNeue Freie Presse" meldet, wird das neue öster - reicht sche Ministerium Stuerghk folgende Zusammensetzung haben: Präsident Graf S t u c r g h k, Minister des Innern Baron H einold, bisher Statthalter von Mähren, Handelsminister Ritter v. Rößler, bisher Sektionschef im Ministerium des Aeußern, Arbeitsminister Trnka, bisher Settionschef int Eisen­bahnministerium, Unterrichtsminister Max H u s s a r e k, bisher Sektionschef im Unterrichtsministerium, Eisenbahnminister der bis­herige Sekttonschef Baron v. F o r st e r. Es behalten ihre Porte­feuilles Finanzminister Meyer, Justizminister v. Höchens bürg er, Landesverteidigungsminister v. Georgi, galizischer Landsmannminifter Ritter v. Z a l e s k i. Bezüglich des Acterbau­ministeriums wird mit dem tschechische Universitätsprofessor 23t a f verhandelt; lehnt dieser ab, so überninrmt dieses Ressort vor­läufig der galizische Landsmannminister. Das Kabinett soll am Sonntag den Eid leisten Und am Montag sich dem Parlament vorstellen.

Aus Marseille wird gemeldet: Eine Abteilung von Kolo- nialinfanteristen verursachte in ihrer Kaserne unter Ab- singung der Internationale große Ruhestörungen. In der Nachbarschaft rief dieser Vorfall große Aufregung hervor.

Arbeiterbewegung.

Ein Droschkenknttcherausstand in London.

In ganz London ist plötzlich ein großer Auto- nrobildroschken-Ausstand ausgebrochen. Am Mitt­woch streikten von den 7000 Taxametern bereits 2000. Es dreht sich um die sogenanntenExtras", die die Chauf­feure zu markieren und abzuliefern haben, die sie aber für sich beanspruchen. Unter dem NamenExtras" versteht man die Bezahlung für jedes Stück Gepäck"und für jeden Passagier über zwei. Die Gesellschaften haben seit einiger Zeit überall Spitzel ausgestellt, deren Aufzeichnungen er­gaben, daß große Summen von den Chauffeuren nicht ab- geliefert werden. Eine Versammlung der Chauffeure wird über den allgemeinen Ausstand entscheiden. Die Chauffeur­gewerkschaft hat enge Beziehungen zum Transportarbeiter­verband, der den großen Dockstreik anzettelte und durch­führte.

Rus Stadt und Land.

Gießen, 2. November 1911.

* Tageskalender für Donnerstag, den 2. November: Wählerversnmmlung der fortschrittlichen Volkspartei, abends 8 /, Uhr in Steins Garten. Redner: Reichslagsabg. Lopf ch-Berlin, Ober­lehrer Tr. Strecker- Bad-Nauheim und Stadto. Pro/. U r st a d t.

* * Z u r L a n d t a g s w a h l. Da verschiedentlich Zwei­fel ausgetaucht sind, wer wahlberechtigt ist, sei daraus hin­gewiesen, daß alle in der Wählerliste nusgeführten Per­sonen zur Ausübung des Wahlrechts berechtigt sind. Da Die Parteien ihre Wahlzettel aus Grund der Wahttisten ver­schickt haben, können alle Empfänger von Wah z tteln ohne weiteres annehmen, daß sie in der amtlichen Wählerliste stehen und wahlberechtigt sind.

* * Am Freitag, 3. November, werden sämtliche Telegraphenanstalten in den Wahlkreisen, rn denen Neuwahlen stattfinden, sowie alle Telegraphen- und Fernsprechvermi.telung -Anstalten, H. bei d r WettetBeför­derung usw. der Telegramme oder Herstellung, der Ge­sprächsverbindungen für die vorgenannten Anstalten in Frage kommen, )o lange dien st bereit sein, als die Be­nutzung des Telegraphen und Fernsprechers aus Ün.aj der Wahlen zu erwarten ist.

* A u s dem Militär-Wochenblatt. Niedesel strhr. zu Eisen bach (Hermann), Cbcrlt. im Leib-Trag.- Regt. (2. Grosch. Hess.) Nr. 24, vom 1. November 1911 ab auf ein Jahr zur Gettütverwaltung kommandiert.

liebet Alkoholismus und Antial ko Pol­bewegung wird an der Landesuniversität eine Reihe von Vorträgen von den Professoren Garten, Vock, Messer, Friedrich, Mittermaier, Dannemann rind Sommer an Donnerstagen von 78 Uhr abends öffentlich und tmentgeltlich gehalten. Die Anregung dazu ist in dem Gießener Verein gegen den Mißbrauch geistiger Getränke gegeben ivorden. Die erste Vor­lesung findet heute Doniterstag, 2. November, im physio­logischen Institut statt. Zeit und Ort dec übrigen Vor­lesungen ist aus dem Anschlag am schwarzen Brett der Uni» versität zu ersehen.

* * Im Kolosseum begann gestern ein neuer Spicl- plan, der wieder eine schöne Auswahl aus der neiiz.it- lichen Variötökunst oarbietet und von b'cn zahlreich erschie­nenen Zuschauern mit starkem Beifall ausg^z.ichnet wurde. Wir werden aus das Programm noch eingehend zu sprechen kommen.

* Luftschiffe und Automobile. Der Hessische Verein für Lu ft schiff ahrt nnö der Oberhessische Automobilklub lassen bei günstiger Witterung am S o n n- tag, den 5. November einen Doppel-Ballon- a u f'st i e g mit A u t o m o b i l v e rfo l g nN g Nattfindeu. Der Veranstaltung liegen folgende militärischen Gesichts­punkte zu Grunde: Die Siadt Gießen, als Festung gedacht, ist von blauen Truppen eingeschlossen und ihr jede Verbin­dung oder Naehrichtenübermstteliing nach der Entsetzungs­armee abgeschnitten. Es soll versucht werden, wichtige Mel- dungen mittels der beiden Freiballone über die Linien der blauen Slrmce an den Führer der roten 'Entsetzungstruppen zu befördern. Die zur blauen Armee gehörigen Automobile haben den Auftrag, die Ballone zu verfolgen und, wenn möglich, ihre Meldungen abzufangen. Die. Automobile sollen um 9 Uhr vorm. ihren Austiag an der Gasanstalt in Empfang nehmen und von da an vollständig kriegsgemäß handeln. Die Füllung (Gasanstalt) soll um 7 Uhr vorm., der Auf­stieg der beiden Ballone voraussichtlich um 10 Uhr erfolgen. Zutritt zum Füllplatz ist nur Mitgliedern dec beiden Vereine und deren Angehörigen gestattet. (Ausweise: Vittgliedskarten oder Vereinsabzeichen.)

Kreis Büdingen.

= Büdingen, 1. Nov. Kammerdirektor Müller ist mit Wirkung vom 1. November in den Ruhestand getreten. Der seitherige Rentkammer-Assessor Dr. Weimer tritt an seine Stelle. Forstassessor Blitz ist zum Fürstl. Forstmeister ernannt worden.

H. Büdingen, 30. Oft. Heute nachmittag war Ge­meinderatssitzung. Anwesend waren Bürgermeister Fendt, Beigeordneter Dotter, die Gemeinderatsmitglieoer Schön, Schulz, Treser, Andrae, Schäfer, Keil, Klein, Diemer, Witte­kind und Methfessel. Als Vertreter des Fürsten Kammer­direktor Müller. Von den seitherigen Pächtern der Büdinger Jagd und zwar von Jagdbezirk 1 und 2 waren Gesuche eingereicht, um Abgabe der Jagd auf wei­tere neun Jahre. Der Preis war für Jagdbezirk und Jahr von 800 Mark auf 900 Mark erhöht. Bei Ueber-

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mit Milch leidet zur Zeit in weiten Lan­desteilen unter einer Futternot, die eine Viehverminderung und weitere Fleisch­teuerung nach sich ziehen muß. Durch Zu­satz von stark entöltem Reichardt-Kakao wird die Nährkraft der Milch erhöht und ihr Geschmack unstreitig ein delikaterer

Kakao enthält zudem selbst reichlich ebensoviele Fleisch und Blut bildende Nährstoffe wie die Trockensubstanz der Vollmilch. Demzufolge kann er, wo sich die Milchkalamität zum Milch- mangel steigert, auch mit Wasser zube­reitet Milch wertvoll ersetzen. Verkauf in allen Preislagen zu Fabrikpreisen an Private in Giessen: id1/,

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lassung der Jago auf 12 Jahre boten jte 950 Mark. Der Gemeindcrat beschließt einstimmig, daß die Jagd den G> suchstellern auf nenn Jahre für den jährlichen Betrag von 950 Mark überlassen werden solle. Jagdbezirk 3 wird zu dem seitherigen Preise dem Fürsten verpachtet. Die uneinbringlichen Ausstände für 1910 werden zur Nieder­schlagung genehmigt. Der Gemeinderat ist der Ansicht, daß einzelne Posten durch Beschlagnahme von Lohn noch eingehen könnten. Der diesjährige Holzhauerlohnakkord wird dem Holzsetzer Joh. Gg. Knaf-Büdingen überaeben. Fruchthändler A. May verlangt Schadenersatz, da er durch Einstellung des Fuhrverkehrs bei Umpflasterung der Vorstadt in seinem Geschäft sehr behindert sei und ihm durch Verlegung seiner Lagerräume auch noch Kosten ent­standen seien. Der Gemeinderat ist der Ansicht, daß der­artige Verkehrsstörungen bei Ausführung solcher Arbeiten immer vorkommen und die Stadt nicht verpflichtet ist, für etwaigen Schaden aufzukommen; auch würde der kleine Nachteil durch den Vorteil, den die Anwohner und be­sonders der Gesuchsteller durch die Neupflasterung haben, vielfach aufgehoben. In Anbetracht, daß andere Geschäfts­leute sich in derselben Lage befinben, lehnt der Gemeinderat den Anspruch auf Schaoene.rsatz ab. Die Kosten für Ausschließung des städtischen Basaltbruches in der Stein- röde mit 561 Mk. werden genehmigt. Zur Reinigung des städtischen Kanalstranges soll ein Handkarren zum Weg­bringen des Schlammes angeschafft werden. Zur Be­seitigung der verkehrsstörenden Freitreppe am Wilh. Schäfer schen H au s e werden 250 Mk. bewilligt. Dafür muß der Eigentümer die Treppe entfernen und alle Repara­turen an seinem Hause ausführen lassen. Der freie Platz geht dann ohne weitere Kosten mit Ausnahme derer für Anfertigung der Meßbriefe und des Kcrufnotels in das Eigentum der Stadt über. Am Schlüsse der Sitzung teilt Kammerdirektor Müller mit, daß er vom 1. Nov. ab in den Ruhestand trete und damit seine Tätigkeit im Gemeinderat beendet sei. Mit bewegten Worten verab­schiedet er sich vom Gemeinderat. Besonders betont er, daß er gern den Sitzungen beigewohnt und bedauert, daß es ihm nicht länger vergönnt sei, zum Wohle der Stadt mitzuarbeiten. Bürgermeister Fendt erkennt dankend die Tätigkeit des scheidenden Herrn im Gemeinderat an und hebt hervor, daß, wenn auch durch die in den letzten Jahren zwischen Stadt und fürstl. Verwaltung bestandenen Schwierigkeiten oftmals sehr erregte Sitzungen und Aus­einandersetzungen stattfanden, die Verhandlungen von Herrn Müller in der objektivsten Weise geführt wurden, ebenso stellt der Bürgermeister fest, daß sich beim Gemeinderat nie­mals gegen die Person des Herrn Kammerdirektors irgend eine Voreingenommenheit geltend gemacht hätte.

Kreis Wetzlar.

Krofdorf, 1. Nov. Die Herbstkontroll-Ver- sammlungder Bürgermeisterei Atzbach-Laumbach ist auf Diens­tag, 10. November, festgesetzt und zwar für den Bezirk Duten­hofen auf V2W Uhr vormittags und für den Bezirk Wißmar um y23 Uhr nachmittags.

Amtlicher Wetterbericht.

Oeffentliche Wetterdien st stelle Gießen.

Wetterausslchteu in Heilen am Freitag, Den 3. November 1911: Veränderllch, leichte Regensälle, etwas wärmer, westliche Winde.

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Letzte Nachrichten.

Die italienische Nervosität.

:\: Mailand, 2. Nov. (Priv.-Tel.). Nach Meldungen/ aus Rom hat die Regierung die Einberufung ber Alp enjäger verfügt. Nach Meldungen aus Tripolis steht die Ausweisung sämtlicher Kriegs ko rre- spondenten bevor. Wie dieStampa" berichtet, deuten Bewegungen in der italienischen Kriegsflotte darauf hin, daß ein Vorgehen im ägäischen Meer bevorsteht.

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Beamte, Lehrer!

Nachdem die Wahlaussichten des liberalen Kandidaten

Adolf Klingspor durch das einmütige, geschlossene Eintreten des gewerbe­treibenden Riittelstandes unzweifelhaft von den bürger­lichen Kandidaten am aussichtsreichsten erscheinen,' ist es dringend erforderlich, daß auch alle Wähler aus den

Steamtenkreisen

sofort im ersten Wahlgang diesem Kandidaten ihre Stimmen geben. Hat doch Herr Adolf Klingspor in weitgehendster Weise zugesagt, seine ganze Kraft ein­zusetzen zur Verbesserung unserer Lage und ebenso für Besserstellung unserer Witwen und Waisen.

Laßt uns mithelfen, durch unser einmütiges Eintreten diesen unseeligen Bruderkampf baldigst zu beenden; treten auch wir am 3. November geschlossen ein für den liberalen Kandidaten D2/n Adolf Klingspor

Viele Beamte und Lehrer.

Die Revolution in China.

Paris, 2. Nov. Der Korrespondent der hiesigen Ausgabe desNeuyorker Herald" in Peking meldet: Wai Wuttu hat der Nationalversammlung mitgeteilt, es fei notwendig, baldigst Frieden zu schließen, weil sonst Japan mrb Rußland diplomatische Sä/wierigkeiten machen würden. Japan erstrebe Ermäßigung der Zölle für die auf der Mukden-Bahn in China einlreffenden japanischen Waren um Vs und wolle die Stellung einer privi­legierten Nation eingeräumt haben, während Rußland eine bevor­zugte Stellung in der Mandschurei haben wolle.

Paris, 2. Nov. Im Variete Alhambra brach heute" nacht IV2 Uhr kurz nach Beendigung der Vorstellung Feuer aus, das zwar bald gelöscht werden konnte, aber im Innern des Gebäudes bettächtlichen Schaden anttchtete.